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„Rezeptur“ für die Erstellung einer kleinen empirischen Forschungsstudie

Angeleitetes Beispiel für eine Bachelor-Arbeit

Fachbuch 2012 76 Seiten

Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Hinführung zum „Forschen“
1.1 Überblick
1.2 Motivation und Anschlussmöglichkeit

2 Untersuchungsplanung
2.1 Design der Studie
2. 2 Operationalisierung
2.3 Die Erhebung

3. Durchführung
3.1 Analyse
3.1.1 Der Befund
3.1.2 Exkurs Statistik
3.2 Die Ergebnisse

4. Die Interpretation
4.1 Graphiken argumentieren
4.2 Kovariationen
4.3 Signifikanztest
4.3.1 U-Test Berechnung nach Mann & Whitney
4.3.2 T-Test Berechnung nach Neyman und Pearson
4.3.3 Ergebnis
4.3.4 Die Kritik

5. Passung der Arbeitsstudie in die Bachelor-Arbeit

6. Auf die Beine stellen

Literaturverzeichnis

Anhang 1: Aggregation

Anhang 2: Definitionen nach ICD-10 bzgl. Auswahl

Anhang 3: Prozess Lerntherapie

Anhang 4: Der Erhebungsbogen Teil

Anhang 5: Der Erhebungsbogen Teil

Anhang 6a: Wirkungsmodell nach Betz / Breuninger

Anhang 6b: Negative Lernstruktur

Anhang 6c: Wieder Positive Lernstruktur

Anhang 7: Geplante Messpunkte

Anhang 8: Überblick Forschungsmethodik

Wissenschaftliche Publikationen des Autors

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Prozess wiss. Arbeitens

Abbildung 2: Indexbildung

Abbildung 3: Struktur von Befragungen

Abbildung 4: Zusätzliche Schwerpunkte

Abbildung 5: Beispiel einer Normalverteilung

Abbildung 6: Soziogramm-Daten

Abbildung 7: Panel über Fragen

Abbildung 8: Panel

Abbildung 9: Verschiebung

Abbildung 10: Trend

Abbildung 11 Kovariation

Abbildung 12: Korrelation

Abbildung 13: Multimodal

Abbildung 14: Lerntherapie

Abbildung 15: Strukturmodell

Abbildung 16: Negative Lernstruktur

Abbildung 17: Positive Lernstruktur

Abbildung 18: Geplante Messpunkte

Abbildung 19: Forschungsmethodik

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Struktur

Tabelle 2: Beispiel zu Antwortzeilen

Tabelle 3 Vorher Messpunkt

Tabelle 4: Nachher Messpunkt

Tabelle 5: Verbesserung / Verschlechterung

Tabelle 6: Stammblatt

Tabelle 7: U-Test Berechnung

Tabelle 8: Signifikanztest I

Tabelle 9: Gliederung

Tabelle 10: Aggregation

1 Hinführung zum „Forschen“

„Heureka!“ (Ich hab’s) soll Archimedes[1] – nackt durch die Straßen von Syrakus hüpfend – gejauchzt haben. Archimedes soll deswegen gejubelt haben, weil er wohl gerade auf die Idee gekommen ist, warum, wenn er in eine Wanne steigt, das Wasser dann aus der Wanne lief (Auftriebsprinzip). Nun, diese Anekdote zeigt den Umstand, dass ein Mensch voller Freude etwas entdeckt hatte, was ihn stark beschäftigte.

Sie als Studierende müssen nun weder durch Straßen laufen, noch nach Syrakus reisen – doch sich zu freuen, wenn das Studium erfolgreich beendet wird, ist schon den einen oder andren Freudenschrei wert! Zuvor jedoch müssen Sie u. a. Ihre wissenschaftliche Arbeit leisten. Diese wissenschaftliche Arbeit wird Sie als Studierende fordern und „stressen“ gerade bzgl. des Teils in der Arbeit, der sich mit Forschung beschäftigt.

Eine empirische quantitative Studie (EQS) im Rahmen seiner Bachelor-Arbeit (BAA) zu erstellen, ist ein komplexes Unterfangen – und hier fehlt es an einem einfachen Standardrezept, denn es muss seitens des Studierenden eine Leistung „geliefert“ werden.

Diese letzte Aussage scheint den hehren Ansprüchen an ein Studium zu widersprechen, soll der Studierende sich doch die Erkenntnis a priori „erarbeiten“. Dieses „a priori“ stellt sich für mich nicht in diesem Büchlein, mir geht es um „a posteriori“, also um den Erkenntnisgewinn und die Freude[2] an dem fertigen Produkt danach, der gut gelungenen EQS selber im Rahmen der BAA.

Mein Beispiel in diesem Buch rankt sich um den Bereich der Lerntherapie.

Stellen Sie sich vor, Sie wollen im Rahmen Ihrer BAA darstellen, dass Sie durch eine geeignete spielerische Form mit Zahlen im Rahmen einer Therapie Schülern mit einer Teilleistungsschwäche im Bereich Dyskalkulie nicht nur helfen können, deren Rechenleistung zu verbessern, sondern auch deren Selbstwertgefühl zu steigern. Diese Darstellung Ihres Forschungsvorhabens erfordert nicht nur eine bestimmte Form in der BAA, sondern erfordert auch methodisches Vorgehen. Diese Form und Methode werden i. d. R. „wissenschaftliches Arbeiten“ und „Forschungsmethodik“ genannt. Wissenschaftliches Arbeiten i. S. v. „Wie ist zu zitieren, wie muss ich gliedern etc.“ ist nicht Teil des Büchleins, sondern einzig allein Teil der Forschungsmethodik, und deren Darstellung und Einbettung in die BAA wird besprochen.

Diese Unterlage ist somit ein Beispiel einer EQS aus dem Bereich der Lerntherapie. Selbige kann sicherlich auch verwendet werden für andere Gesundheitsfachberufe und angrenzende Bereiche.

Es ist eine teilkomplexe Studie, mit wenigen Probanden innerhalb eines pädagogisch schon tief „umgegrabenen“ Ackers der Sonderpädagogik. Nichtsdestotrotz,

- gerade die simple Datenlage,
- das Design, welches einfach ist in seiner Form,
- wie auch die nachvollziehbare Erhebung und Analyse

zeichnen diese Studie aus.

Mein Ziel ist, mit diesem Büchlein meinen Studenten und Studentinnen (im weiteren Verlauf verwende ich aus Vereinfachungsgründen die maskuline Form) und sonstigen Interessierten eine pragmatische Handlungsanleitung zu geben, wie so eine empirische quantitative Forschung a) abläuft, b) welche Formvorschriften hierbei gelten und c) wie diese in der BAA dargestellt wird.

Im weiteren Verlauf dieses kleinen Büchleins verweise ich „einfach“ auf Stellen im Netz bzw. auf entsprechende Literatur. Weiterhin erläutere ich nur an wenigen Stellen Begriffe. Für Ihre tiefergehenden Fragen orientieren Sie sich an meinen Literaturangaben resp. nutzen Suchmaschinen.

Der Aufbau des Buches ist wie folgt:

- Nach dieser Einleitung erfolgt ein kompakter Überblick bzgl. Struktur, Gliederung und Einbettung in den wissenschaftlichen Prozess.
- Darauffolgend wird die EQS Schritt für Schritt inkl. Erläuterungen dargestellt.
- Im nachfolgenden Kapitel erfolgt eine Eingliederung der EQS in die BAA und
- eine Zusammenfassung rundet dieses Unternehmen „Rezept für eine EQS“ ab.

Fazit

Forschen erfordert Methoden und Disziplin in der Abarbeitung von notwendigen Forschungsschritten innerhalb der BAA. Diese kleine Studie soll quasi als eine erste Rezeptur gelten, die Studierende nutzen können.

Gegen eine Verfeinerung „des Rezepts“ anhand von wissenschaftlichen Methoden, Verfahren etc. seitens der Studierenden ist nichts einzuwenden, sondern kann als eine beabsichtigte Nebenwirkung meinerseits angesehen werden.

1.1 Überblick

Wenn Sie eine EQS / BAA schreiben, dann sind die nachstehend angeführten grundsätzlichen Fragen zu beantworten – auch liefern diese Fragen gleichzeitig die Gliederung der EQS selber. Denn die EQS soll in strukturierter Form den wissenschaftlichen und vollständigen Ansatz Ihrer Arbeit unterstützen. Dieses notwendige Basiswissen bzgl. der in diesem Büchlein verwendeten Forschungsmethodik stammt aus Werken von Andreas Diekmann, Peter Sedlmeier & Frank Renkewitz und Alois Wacker. Speziell zu den Materialen von Wacker sei gesagt: Es handelt sich hierbei um Downloads aus dem Archiv der Leibniz Universität Hannover. Gerade diese Materialien von Wacker bilden den hauptsächlichen Fundus für diese Arbeit. Im Fall einer Zitation gebe ich hierbei an: Wacker (2001-2005) und verwende keine Seitenzahl. Insofern führe ich es nicht nur in dem Literaturverzeichnis auf, sondern verweise weiterhin darauf, dass es erheblich mehr als nur eine Methode gibt, die zum Ziel führt (vgl. Diekmann 2009, S. 18).

Nachfolgendes Schaubild zeigt die EQS-Einbettung im Prozess wissenschaftlichen Arbeitens bzgl. der BAA.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Prozess wiss. Arbeitens

Quelle: Eigene

Diese EQS werden Sie weder einreichen am Prüfungsamt, noch wird diese EQS „abgegeben“ – es ist in aller erster Linie Ihr Arbeitspapier; erst wenn Sie die EQS in die BAA aufnehmen, wird diese ein Teil davon sein.

D. h.: Im Gegensatz zur der BAA haben Sie hier weder eine Einleitung, einen Hauptteil, noch einen Schluss zu schreiben; auch achten Sie nicht unbedingt auf Formvorschriften, und wenn Sie wollen, benötigen Sie auch keine Quellenangaben (ich rate allerdings davon ab) etc.

Deshalb ist dies eine Arbeitsstudie! Aus Vereinfachungsgründen wird im weiteren Verlauf jedoch der Begriff „Studie“ verwendet.

Was jedoch von hoher Relevanz schon in dieser Studie ist, sind die Gütekriterien (vgl. hierzu Sedlmeier / Renkewitz 2008, S. 70) wie:

- Validität -> bedeutet Gültigkeit: Wird das gemessen, was gemessen werden soll,
- Reliabilität -> bedeutet Zuverlässigkeit: Wird die Studie resp. Arbeit von anderen als dem Autor (z. B. den Lesern) nachvollzogen, so müssen diese zu demselben Ergebnis wie der Autor kommen können, und
- Objektivität / Intersubjektivität -> bedeutet, dass die gemachten Aussagen überprüfbar sein müssen: Das heißt, die ermittelten Ergebnisse sollen so weit wie möglich von der Person des Prüfers unabhängig sein.

Das wichtigste Ziel ist die Validität der Studie. Denn Gütekriterien bauen aufeinander auf: hohe Reliabilität kann nicht erreicht werden, wenn der Studienansatz nicht objektiv ist. Reliabilität ist wiederum Voraussetzung für Validität (z. B. Messverfahren); eine Studie kann also reliabel sein aber das Kriterium Validität nicht erfüllen; eine valide Studie dagegen ist immer reliabel und objektiv.

Die EQS erfüllt somit mehrere Ziele:

- Sie konzentrieren sich auf das Kernstück Ihrer Arbeit: das Ergebnis und wie Sie dieses erzielen und welche Einschränkungen wirken,
- Sie legen die grundsätzliche Basis für den Bereich der wiss. notwendigen Grundlegungen und Definitionen für Ihre Arbeit wie auch die zu verwendende Literatur,
- Sie sind sich am Ende der Studie sicher, wohin nun der Zug geht,
- Sie haben Zeichnung, Textelemente etc. quasi schon fertig,
- Sie können sich nach dieser Studie um den „übrigen Text“ der BAA geruhsam kümmern, und
- Sie erarbeiten Ihre Erkenntnis selber – denn am Ende haben Sie den Titel der Arbeit verfestigt!

Merke: Ohne eine wissenschaftliche Studie als Basis ist es selbst einem Profi nicht ohne weiteres möglich, eine (natur-)wissenschaftliche Arbeit zu schreiben.

1.2 Motivation und Anschlussmöglichkeit

Als Lerntherapeut beschäftige ich mich mit Schülern, die eine Teilleistungsschwäche (s. Anhang 2) diagnostiziert bekommen haben.

Mich interessierte in dem Zusammenhang die experimentelle Montessoripädagogik[3] und deren Wirkung, in Verbindung mit der Möglichkeit der Stärkung des Selbstwertgefühls. Dies ist mein Forschungsgegenstand – ich orientiere mich hierbei u. a. auch an dem Strukturmodell von Betz & Breuninger, die Schüler (und Eltern) in umfangreichen Therapiesitzungen behandelten.

Somit ist die Arbeit einerseits verortet in meiner Beruflichkeit und andrerseits besteht durch diese Studie die Möglichkeit, mich bzgl. meines therapeutischen Handelns reflexiv zu verhalten und zu lernen! Eine kurze Erläuterung zum Lerntherapie–Prozess: Der Prozess der Lerntherapie ist in Anhang 3 enthalten. Wichtig ist hierbei zu beachten, dass speziell der Bereich Fachdidaktik in dieser Studie angesprochen wird. Fachdidaktik meint: Die aktuell im Schulunterricht relevanten Fächer so zu betreuen, dass aufgrund der Teilleistungsschwäche (z. B. Rechenschwäche) eine Analogie erzeugt wird, die es dem Kind ermöglicht, den Stoff zu „begreifen“, um seine Selbstlernkompetenz zu steigern. Diese Kompetenz ist eine Fähigkeit und wird in der Studie auch so bezeichnet.

Diese Analogie wird in der Fachdidaktik der Lerntherapie mit unterschiedlichsten Materialien erreicht, um dem Schüler den Lehrstoff begrifflich zu machen – und begreiflich! Diese Materialien unterscheiden sich erheblich von den Materialien in der Schule. Die unterstützende Maßnahme verursacht Kosten, die sich rechnen müssen. Insofern muss festgestellt werden, ob der Erfolg i. S. v. verbesserter Leistung und Motivation durch kreative Methoden und Materialien eintreten kann – q. e. d. durch diese Studie, basierend auf einer Untersuchungsplanung.

2 Untersuchungsplanung

Allerdings ist vorab ein Weg zu beschreiten, der mich erstmals erkenntnistheoretisch zu erkunden fordert, wie ich meine Forschungsfrage unter den Gesichtspunkten der Gütekriterien beantworten will.

Da ich eine Erhebung im „Feld“ plane, führt mich dies zu einer empirischen analytischen (quantitativen) Forschung selber hin. Darüber hinaus verwende ich Ansätze des logischen Empirismus (Verifikation) und die Methodik des kritischen Rationalismus (Falsifikation) (vgl. Dieckmann 2008, S. 33) – hierzu ein Überblick in Anhang 8.

Zur Erläuterung: Im Gegensatz zur Methode selber steht das Verfahren, als eine Handlungsvorschrift. Ein Beispiel ist diese Studie selber in ihrer Struktur bzw. Gliederung: Sie ist eine Verfahrensvorschrift bzw. eine Konstruktionsanweisung, wie eine wissenschaftliche Arbeit zu untermauern ist – durch Form und Fragestellung.

Fazit

Es wird somit eine quantitative empirische Studie entwickelt und ausgearbeitet. Sie orientiert sich an den Regeln und Techniken der empirischen Sozialforschung, Psychologie und Pädagogik (vgl. Diekmann 2008, S. 18).

Arbeitstitel :

Jede Studie hat einen Titel – so auch diese:

„Empirische Arbeitsstudie über den Zusammenhang zwischen Motivation von Schülern mit Teilleistungsschwächen und Materialeinsatz in der Lerntherapie“.

Die geplante Vorgehensweise ist (vgl. auch Diekmann 2008, S. 186f) wie folgend:

Tabelle 1: Struktur

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene

Hypothese

Noch zur Klärung: Es sind Schüler (Kinder ab dem 7 Lebensjahr aufwärts), die meist von einem Kinder- und Jugendpsychologen eine Teilleistungsschwäche attestiert bekommen haben. Diese Schüler zeichnen sich in ihren Schulleistungen in bestimmten Fächern (z. B. in Deutsch oder in Mathematik) dadurch aus, dass ihre Noten erheblich unter dem Durchschnitt der Klasse liegen (also im Durschnitt „5“)[4].

Hypothesen sind im weitesten Sinne Vermutungen (Wahrscheinlichkeitsaussagen) und im Fall dieser EQS stellen diese textlich als eine „Wenn …. Dann“-Implikation dar (vgl. ebenda S. 124f.).

Die Begriffe „Unabhängige Variable“ (UV) und „Abhängige Variable“ (AV) sind hier zu erläutern. Ein Beispiel: „Wenn es regnet, dann ist die Straße nass“. Dabei ist der Teil „regnet“ die UV und „die Straße nass“ die AV. Genauso könnte die Hypothese lauten: Wenn es regnet (UV), dann sind die Dächer nass (AV). Oder ein andres Beispiel: Je früher eine Physiotherapie erfolgt im Anschluss an eine Hüftoperation (UV), desto schneller erlangt der Patient eine Beweglichkeit zurück (AV).

Die unabhängige Variable (UV) ist also diejenige Variable, die in einer Untersuchung variiert wird, um deren Auswirkungen auf die abhängige Variable zu erfassen. Die UV ist die (eine) vermutete Einflussgröße bzw. die Ursache. Die UV heißt deshalb unabhängig, weil der Forscher diese Variable frei gestalten oder zumindest auswählen kann. Im einfachsten Fall besteht die UV aus zwei Ausprägungen, z. B. aus irgendeiner experimentellen Bedingung und einer Kontrollbedingung – wie im vorgenannten Fall der Set-Veränderung des Materials (vgl. Wacker 2001-2005).

Wichtig ist somit: Hat die UV (die Maßnahme, die Behandlung) einen Effekt auf die AV (den Schüler - > Note)? Trifft es also zu, was ich mit der Studie letzthin aufzeigen will, dass geeignetes Material die Schüler besser unterstützt im Lehr-Lern-Prozess? Ich konstruiere aufgrund meiner Erfahrung diese Vermutung in einer komplexen Form, in der ich aufzeige

- dass förderliches Material eingesetzt wird, das sich den Fertigkeiten des Kindes anpasst,
- dass dieses Material spielerisch das Interesse steigert und somit die die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Unterricht fördert,
- dass der Selbstwert der Kinder dadurch steigt und
- dieses sich wiederum in einer Verbesserung der Note darstellt.

Zur Erinnerung, diese Kinder „schreiben sehr schlechte Noten“. Ein Ziel der Lerntherapie ist, dem Kind mittels therapeutischer Zuwendung die Stärkung seines gefühlten Selbstwerts herbeizuführen und mittels fachdidaktischer Arbeit ihm zu einer schulischen Leistungssteigerung zu verhelfen, im Durchschnitt also seine Note zu verbessern, z. B. auf eine „Vier“.

Hypothesenansatz:

„Wenn für Schüler mit Teilleistungsschwächen die Qualität des angebotenen Unterrichts und Unterrichtsmaterials sich deren Fertigkeiten kreativ anpasst, dann steigern sich nicht nur die Fähigkeiten zur aktiven Teilnahme in schulisch relevanten Fächern, sondern auch der Selbstwert der Kinder wird gefördert und die Leistungsnoten können um durchschnittlich eine Note verbessert werden.“

Oder vereinfacht dargestellt:

„Wenn Lerntherapie als eine mögliche Intervention angezeigt scheint, dann verbessern sich die Noten des Kindes in den teilleistungsschwachen Fächern um durchschnittlich eine Note“.

Sie sehen anhand vorgenannter Vermutung, dass eine erhebliche Komplexität auftritt. Insofern sind Hypothesen immer zu erläutern und argumentativ (also Behauptung, Begründung und Beispiel) zu untermauern – dies wird durch eine Detaillierung der Hypothesen durch s. g. Forschungsfragen gestützt.

Forschungsfrage

Ich habe diese letzthin durch o. g. Merkmale in Form einer Frage formuliert.

„Kann durch geeignetes und förderliches Material im Unterricht bzw. in der Therapie die Mitarbeit der Schüler motivational so gesteigert werden, dass die Leistung dieser sich verbessert“? Die Forschungsfrage ist quasi das „lyrische Ich“ der BAA und EQS – sie spürt sich durch alle Kapitel hindurch und ist für den Prüfer, Leser etc. greifbar.

Ziel

Das Ziel ist es, mittels dieser BAA zu belegen, dass Schüler mit Teilleistungsschwächen dann besser lernen, wenn der Lehrstoff didaktisch unterstützend angeboten wird, die Teilleistungsschwäche als solche nicht zum Stigma führt und Spiel und Spaß mittels geeigneter Materialien den Schüler im Lehr-Lern-Prozess stützen. Insofern wird die Hypothese mittels einer EQS gestützt.

2.1 Design der Studie

Das Erhebungsdesign dieser Studie gibt an, wie eine Studie durchgeführt werden sollte, und wird von der o. g. Hypothese und deren stützenden Forschungsfragen determiniert.

Kurz gefasst kann behauptet werden, dass

- die Wahl der Teilnehmer (oder auch Gruppen),
- die Methoden der Datenerhebung,
- die zeitliche Struktur und
- weitere Aspekte der Durchführung

relevant sind.

Es wird in dieser EQS eine eigene Datenlage geschaffen, also nicht auf vorhandene Daten zurückgegriffen[5]. Weiterhin handelt es sich bei dieser Studie um ein „Ein-Gruppen-Design“. Auch wenn zwei Gruppen vorhanden sind (Erläuterung „Warum“ hierzu später), ist es eine Kohorte und es wird kein Vergleich der Gruppen untereinander angestrebt i. S. v. Vergleichs-Gruppen (vgl. ebenda, S. 329 f). Es ist jeweils von der Forschungsfrage abhängig, ob eine Vorher-, Nachher-, Vor- und Nachher- resp. eine davon unabhängige Messung gemacht wird. Hier entscheidet sich somit, ob eine Querschnitts- resp. eine Panelerhebung stattfindet. Im Rahmen dieser Studie wird eine Panelerhebung vorgenommen. Mit dem Paneldesign werden die Werte der gleichen Variablen (Schüler) zu mehreren (drei) Zeitpunkten, jedoch auf der Grundlage einer identischen Stichprobe erhoben (Panelwellen) – s. Anhang 7.

Die „bewusste“ Auswahl der Teilnehmer erfolgte aufgrund der Kosten und Zeit wie auch bzgl. der eingegrenzten Forschungsfrage. Zur Erläuterung:

Die „Bewusste“ Auswahl

- Diese läuft planvoll aufgrund vorheriger Überlegungen ab. Ob also ein Element aus der Grundgesamtheit ausgewählt wird, hängt vom Zutreffen vorher festgelegter – also benennbarer und intersubjektiv nachvollziehbarer – Kriterien ab.
- Bewusste Auswahlen eignen sich besonders bei hypothesentestenden bzw. theorietestenden Untersuchungen und
- bei deskriptiver Forschung vor allem für Analysen mit eng eingegrenzten Fragestellungen, wie in dieser EQS!

Im Gegensatz hierzu die „Willkürliche“ Auswahl:

- Willkürlich heißt, dass die Entscheidung des Forschers, der die Auswahl plant / vornimmt, nicht durch einen Auswahlplan kontrolliert ist. Der Interviewer oder Beobachter „greift“ nach Belieben Personen am beliebigen Ort zu einer beliebigen Zeit heraus.
- Konsequenz: Willkürliche Auswahlen sind für statistisch kontrollierte wissenschaftliche Aussagen wertlos, allerdings in qualitativer Forschung erwünscht.

2. 2 Operationalisierung

Die Operationalisierung (Messbarmachung) ist der Oberbegriff von Messung, Skalierung und Indexbildung. Sie legt fest, mit welchen Indikatoren ein theoretisches Konstrukt (z. B. Leistungssteigerung in der Schule – s. Indizes in Abb. 2) gemessen werden soll und in welcher Ausprägung dann diese die Realität widerspiegeln. Also „WAS wird WIE und WOMIT gemessen“.

Messung

Die Ausprägung eines Merkmals bei einem bestimmten Objekt oder einer bestimmten Person ist zu einem bestimmten Zeitpunkt zu ermitteln. In vorliegendem Fall sind es z. B. Schüler (Einschätzungen / Benotung) bzgl. des Merkmals „Qualität des Materials“. Allerdings kann von einer Messung aber erst dann gesprochen werden, wenn die Zuordnung so erfolgt, dass bestimmte empirisch feststellbare Relationen zwischen den Personen bzw. Objekten (Schüler, Material) auch durch entsprechende Relationen zwischen den zugeordneten Zahlen zum Ausdruck kommt.

Das Skalenniveau

Im Teil 1 (soziographische Daten) des Fragebogens, der von den Eltern auszufüllen ist, werden unterschiedliche Messniveaus verwendet. Es wird ausschließlich zu den Fragen an den Schüler (Fragebogen Teil 2) ein Messniveau vom Typ Ordinal verwendet. Das Ordinalniveau – also größer / kleiner – bietet sich speziell für Noten (Einschätzungen) an. Um die Einschätzung (Antworten) der Kinder zu den Fragen hiernach berechnen zu können, wird bei der Datenaufnahme in die Berechnungstabellen dieses Niveau in Zahlen umgewandelt. Erläuterung zu den Antwortzeilen im Teil 2 des Erhebungsbogens: Die zwei oberen Antwortzeilen sind für den Schüler gedacht. Diese Antworten werden am Ende dann aggregiert, mittels der Zahlen aus der nicht ersichtlichen dritten Zeile (s. u. angeführte Tabelle 2).

Tabelle 2: Beispiel zu Antwortzeilen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthaltenQuelle: Eigene

Die Indexbildung

Der Index „Note“ mit den Dimensionen „Fähigkeit und Selbstwert“ orientiert sich somit an der Hypothese und die Forschungsfragen sind in der Teildimension verortet.

Abbildung 2: Indexbildung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene

2.3 Die Erhebung

Diese ist im Grunde genommen das Sammeln der Daten in einer geeigneten Form. Hier ein Überblick über die Formen der Befragung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Struktur von Befragungen

Quelle: Wacker (2001-2005)

Die in dieser Studie verwendete Befragung ist ein teilstandardisiertes mündliches Intensivinterview mit schriftlichen Anteilen, also ein Mix-Mode. Grundsätzlich ist bei Fragen zu beachten: Sie müssen klar, eindeutig und vom Interviewer auf das Niveau des Interviewten transformiert werden.

[...]


[1] Archimedes (287-212 v. Chr.) war ein genialer Mathematiker und Ingenieur der Antike und lebte u.a. in Syrakus (Sizilien).

[2] Denn nicht nur eigene Erkenntnis zeigt, dass „das erst dann verstanden wurde, wenn es getan wurde“.

[3] Sie kann insofern als experimentell bezeichnet werden, als die Beobachtung des Kindes den Lehrenden dazu führen soll, geeignete didaktische Techniken anzuwenden, um den Lernprozess maximal zu fördern. Als Grundgedanke der Montessoripädagogik gilt die Aufforderung „Hilf mir, es selbst zu tun“.

[4] Die Ursachen hierfür sind nicht Teil der EQS, sondern werden in der BAA erläutert.

[5] Im Gegensatz hierzu eine Meta-Studie, die nicht eine eigene Datenlage schafft, sondern mehrere bestehende Studien nutzen, mit teils unterschiedlicher Datenlage.

Details

Seiten
76
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656184553
ISBN (Buch)
9783656185161
Dateigröße
1.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v193445
Institution / Hochschule
Hochschule des Internationalen Bundes
Note
Schlagworte
Forschen Lerntherapie Forschungsstudie Quantitative Qualitative Empirie Signifikanztest Befund empirische Studie Therapieforschung Arbeitsstudie Hypothesentest Bachelor-Arbeit. Wissenschaftliches Arbeiten

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Titel: „Rezeptur“ für die Erstellung einer kleinen empirischen Forschungsstudie