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Desertec: Mehr als eine gute Idee?

Ein Projekt zwischen Vision und Wirklichkeit

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 17 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitung

II. Das Projekt Desertec: Vision und Konzept
II.1 Die Schlüsseltechnologien für Desertec

III. Desertec: aktueller Stand

IV. Potentiale, Hemmnisse und negative Aspekte von Desertec

V. Handlungsempfehlungen: Maßnahmen zur verbesserten Umsetzung der Desertec-Idee

VI. Fazit

VII. Literaturverzeichnis

I. EINLEITUNG

Die Menschheit sieht sich einigen globalen Herausforderungen gegenüber, die es in den nächsten Jahren und Jahrzenten angemessen zu behandeln gilt. Zu diesen gehören ein weiterhin hohes Bevölkerungswachstum in einigen Gebieten der Welt und die zunehmende Industrialisierung heutiger Schwellen- und Entwicklungsländer. Damit einher geht ein steigender Bedarf an Energieverfügbarkeit, wobei fossile Energie in Zukunft knapper und teurer zu werden scheint. Gleichzeitig wird es aber beispielsweise von der EU angestrebt, die globalen CO2-Emissionen innerhalb der nächsten Jahre zu verringern. Als Reaktion auf diese Herausforderungen versuchen einige Staaten seit Jahren die Energiebereitstellung durch erneuerbare Energien auszubauen. Eine der kapitalintensivsten und ehrgeizigsten Visionen erneuerbare Energien zu nutzen ist das Desertec-Projekt.1

Ziel von Desertec ist es, Energie in großem Maße, hauptsächlich durch gigantische Solar- und Windanlagen, die im Bereich von der nordafrikanischen Atlantikküste bis zum Persischen Golf installiert werden sollen, zu gewinnen und damit die dortigen Sonnenschein- und Windverhältnisse zu nutzen. Die Ausarbeitung des Desertec-Projekts begann 2003 mit der Gründung des Netzwerkes TREC2 durch Politiker, Wissenschaftler und Ökonomen. Treibende Kräfte waren vor allem der Physiker Gerhard Knies, Prinz Hassan bin Talal von Jordanien und der Club of Rome sowie Forschungseinrichtungen für erneuerbare Energien verschiedener Länder der Mena3 -Region und das DLR4. Im Januar 2009 wurde TREC in Desertec Foundation umbenannt und im Herbst 2009 folgte die Gründung der Industrieinitiative Dii, deren Aufgabe die Beschleunigung der Umsetzung des Desertec- Konzeptes in der Fokusregion EU-MENA ist. Außerdem versucht die Dii mögliche Partner für Desertec zu gewinnen.5 Die in München ansässige Dii GmbH, an der u.a. Unternehmen wie die Deutsche Bank, Munich RE, RWE, E.ON und First Solar beteiligt sind, plant so bis 2050 einen großen Teil des Energiebedarfs in Europa und Nordafrika decken zu können.6

Inhalt dieser Arbeit soll es in einem ersten Schritt sein, das Projekt Desertec vorzustellen, um das Konzept mit seinen Visionen zu verdeutlichen. Im zweiten Schritt werden dann die im Projekt eingesetzten Schlüsseltechnologien kurz vorgestellt, bevor der aktuelle Stand der Projektumsetzung dargelegt wird. Den Schwerpunkt dieser Arbeit bildet die Auseinandersetzung mit Potentialen, Hemmnissen und negativen Aspekten von Desertec, um auf die Leitfrage einzugehen und eine kritische Bewertung von Desertec vorzunehmen. Abschließend werden im Fazit die wesentlichen Aspekte zusammengeführt und Desertec in einen größeren Kontext eingeordnet.

II. DAS PROJEKT DESERTEC: VISION UND KONZEPT

Die primäre Idee von Desertec besteht darin einen Teil der 3000 PWh7 an Sonnenstrahlung, die jedes Jahr die Wüsten der Erde bestrahlen, nutzbar zu machen. Im Vergleich sei hinzugefügt, dass der jährliche Weltenergieverbrauch bei 18 PWh liegt. Daraus ergibt sich das Leitzitat Desertecs: „Die Wüsten der Erde empfangen in 6 Stunden mehr Energie von der Sonne, als die Menschheit in einem Jahr braucht.“8. Aus dieser Perspektive scheint die Sahara ein interessanter Standort für die Energieerzeugung zu sein, denn sie ist gering bevölkert, empfängt etwa 15-30% mehr Sonnenstrahlung pro Quadratmeter als Südeuropa und ist geografisch relativ nah an Agglomerationsgebieten mit hohem Energiebedarf gelegen. Mit der notwendigen Infrastruktur und Technik ausgestattet, kann hier genug Energie gewonnen werden, um die regionalen Bedürfnisse zu befriedigen und große Teile des europäischen Energiebedarfs zu decken.9 Von den in Europa üblichen Solarenergieanlagen unterscheiden sich die Pläne von Desertec in technischer Hinsicht dadurch, dass mit Solarthermie und nicht mit Photovoltaik gearbeitet werden soll. Außerdem handelt es sich im Gegensatz zur dezentralen Photovoltaik- und Windenergiegewinnung in Mitteleuropa um sehr kapitalintensive Großanlagen. Kostenschätzungen belaufen sich auf etwa 400 Milliarden Euro. Da es sich um ein solch gigantisches Projekt handelt, war es notwendig entsprechende Partner zu gewinnen. Zahlreiche deutsche Großunternehmen aus dem Energie- und Finanzsektor10 sind bei Desertec involviert und bringen damit technisches Know-How, Vermarktungsmöglichkeiten und Kapital ein. Beteiligt sind außerdem das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt sowie der Club of Rome, die Arabische Liga und verschiedene arabische und europäische Regierungen. Das besondere Interesse europäischer Regierungen an Desertec ist mit dem Wunsch verbunden, die Abhängigkeit von fossiler Energie zu reduzieren, die perspektivisch knapper und teurer werden wird. Außerdem besteht der Versuch die Energiequellen zu diversifizieren und eine ressourcenunabhängigere Grundlage langfristig sicher zu stellen. Hinzu kommen die angesprochenen Ziele im Kontext des nachhaltigen Wirtschaftens und der Emissionsreduzierung.11

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Desertec-Weltatlas. Quelle: DLR (http://www.dlr.de/dlr/desktopdefault.aspx/tabid-10200/449_read- 2068/)

Desertec selbst weist darauf hin, dass ihr Konzept einen Weg aufzeigt, Klimaschutz, Energiesicherheit und Entwicklung zu gewährleisten, indem Standorte anhand ihrer Möglichkeit ideal genutzt werden, um nachhaltige Energie zu erzeugen. Die dabei zum Einsatz kommende Hochspannungs-Gleichstrom- Übertragung (HGÜ) ermöglicht es auch Wüstenstandorte zu erschließen, wobei die Verluste mit etwa 3% je 1000 Kilometer relativ gering seien. Betrachtet man die Tatsache, dass 90% der Menschen weltweit maximal 3000 Kilometer von Wüsten entfernt leben, so scheint Desertec die Grundlage für eine Strategie zu sein, die weltweit nutzbar seien könnte. Hinzu kommt, dass Desertec ein Konzept erarbeitet, bei dem alle Arten von erneuerbaren Energien mit einbezogen werden, auch wenn die Solarenergiegewinnung in Nordafrika und Südeuropa eine herausragende Stellung einnimmt.12 In der Grafik „Desertec Weltatlas des DLR“ wird anhand der Rotfärbung visualisiert, welche Regionen sich für die Gewinnung von Solarenergie besonders anbieten. Der Bereich der Sahara sticht dabei deutlich heraus. Für Mitteleuropa ist stattdessen ein Mix aus Hydroenergie, Strom aus Biomasse und Wind vorgesehen, wie auch in der Grafik „Desertec-Konzept“ zu erkennen ist. Desertec versteht sich außerdem als Lösung für eine Vielzahl von Problemen, wie Energiemangel, Wassermangel, Nahrungsmittelknappheit und übermäßige CO2-Emission.13

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Desertec-Konzept, Quelle: Desertec (2008). S. 6.14

Der DLR, der als wissenschaftliche Fundierung von Desertec herangezogen wird, weist in seiner Trans-CSP15 -Studie darauf hin, dass ein Mix aus erneuerbarer und fossiler Energie nachhaltig kostengünstigen Strom für Europa sicherstellen kann. Für 2050 wird davon ausgegangen, dass erneuerbare Energien 80% des Energiebedarfs decken können, wobei etwa 15% aus Solarstromimporten stammen wird. Außerdem wird betont, dass Solarstrom die Stabilität der Stromversorgung unterstützt, dabei sauber sowie langfristig tragfähig und verfügbar ist.16

[...]


1 Vgl. Desertec Foundation. - Globale Mission.

2 Trans-Mediterranean Renewable Energy Cooperation.

3 Mena: Middle East, North Africa.

4 DLR: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt.

5 Vgl. Desertec: Meilensteine.

6 Vgl. Scholvin 2009, S. 2, Vgl. Erdle 2010, S.3.

7 PWh= Peta-Wattstunde = 1 Billion Kilowattstunden

8 Desertec Foundation- Zitat von Gerhard Knies.

9 Vgl. Erdle 2010, S.3.

10 Seit März 2010 sind folgende Firmen bei Desertec engagiert: ABB, Abengoa Solar, Cevital, Deutsche Bank, Enel Green Power, E.ON, HSH Nordbank, MAN Solar Millennium, Munich Re, M&W Zander Group, Nareva Holding, Red Electrica de España, RWE, Saint-Gobain Solar, Schott Solar, Siemens und die DESERTEC Foundation selbst. (Erdle 2010, S. 12)

11 Vgl. Scholvin 2009, S. 2.

12 Vgl. Desertec-Konzept.

13 Vgl. Desertec 2008, S. 4.

14 Eumena: Europe, Middle East, North Africa

15 Trans-Mediterranean Interconnection for Concentrating Solar Power

16 Vgl. DLR: Desertec - Solarstrom aus der Wüste.

Details

Seiten
17
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656186618
Dateigröße
693 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v193628
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg – Centrum für Nah- und Mittelost-Studien
Note
1,0
Schlagworte
desertec mehr idee projekt vision wirklichkeit

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