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Filmindustrie - Historische Entwicklungen in Europa und den USA

Referat (Ausarbeitung) 2011 52 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Spielfilmdidaktik im Deutschunterricht

2. Entwicklung der Filmindustrie
2.1. Europa
2.2. USA

3. DieEntstehung einesFilms
3.1. Entwicklung und Finanzierung
3.2. Vorproduktion
3.3. Dreharbeiten
3.4. Nachproduktion
3.5. Vertrieb
3.6. Abspiel

4. Autorenfilm

5. Resümee

6. Präsentation

7. Materialien Gruppenarbeit
7.1. Wer macht was? Vor den Dreharbeiten.
7.2. Wer macht was? Die Dreharbeiten.
7.3. Wer macht was? Nach den Dreharbeiten.

Literaturverzeichnis

1. Spielfilmdidaktik im Deutschunterricht

Der Film findet im Gegensatz zum Medium Buch eine geringere Wertschätzung im Deutsch­unterricht. Häufig werden Filme, insbesondere Literaturverfilmungen, lediglich als Unterstüt­zungselement eingesetzt, nicht jedoch als eigenständiges Medium betrachtet. Neben Epik, Lyrik und Dramatik bildet der Film die vierte literarische Gattung1. Da das Medium auf visu­eller, auditiver und narrativer Ebene arbeitet, ist eine eigene literaturdidaktische Herange­hensweise notwendig.

Der Filmkonsum von Schülerinnen und Schülern ist unterschiedlich stark ausgeprägt, häufig übersteigt er das Lesen von Büchern. Kinder und Jugendliche werden von Spielfilmen in ih­rem Heranwachsen begleitet, daher sollte Filmdidaktik und speziell die Spielfilmdidaktik ei­nen höheren Stellenwert im Deutschunterricht erhalten. Ziel der Spielfilmdidaktik sollte dabei nicht nur das Erweitern von kognitiven Fähigkeiten wie kritischer Reflektion sein. Filme die­nen, wie auch Bücher, dem Sozialisationsprozess und der Persönlichkeitsbildung. Interesse, Motivation, kreatives Arbeiten und Austausch mit anderen sollte bei Schülerinnen und Schü­lern durch den Einsatz spielfilmdidaktischer Konzepte und Methoden gefördert werden.

Der Film basiert im Vergleich mit dem Buch auf einer anderen Technik des Erzählens. Um neue Einsichten über das filmische Erzählen zu gewinnen ist eine Betrachtung der Filmindust­rie empfehlenswert. Einblicke in diese umfangreiche Wirtschafts- und Kunstbranche veran­schaulichen die Komplexität der Filmproduktion und verdeutlichen den Entstehungsprozess eines Films.

Im Rahmen des Seminars „Spielfilmdidaktik“ im Sommersemester 2011 haben wir uns mit unterschiedlichen Bereichen der Spielfilmdidaktik beschäftigt Diese Arbeit stellt die histori­schen Entwicklungen der Filmindustrie in Europa und den USA dar und geht auf den Entste­hungsprozess von Filmen ein.

2. Entwicklung der Filmindustrie

2.1. Europa

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatte der technische Fortschritt in der Fotografie diverse Geräte hervorgebracht, mit denen bewegte Bilder aufgezeichnet und gezeigt werden konnten. Der Kinematograph, eine Erfindung von Auguste und Louis Lumière, konnte sich gegen die alternativen Technologien durchsetzen. Filme der französischen Brüder wie „Arbeiter verlas­sen die Lumière-Werke“ und „Ankunft eines Zuges“ zeigten wirklichkeitswiderspiegelnde Alltagsszenen. Der Theaterbetreiber und Filmemacher George Mèliès produzierte erste narra­tive Spielfilme wie „Aschenbrödel“.2

Der französische Schausteller Charles Pathè kaufte 1897 die Patente der Brüder Lumière. Pa- thè erschuf in den Folgejahren ein weltweitführendes Filmunternehmen mit eigener Rohfilm­herstellung, Filmproduktionen, Verleihbetrieben und Kinoketten. Die Filmmeterverkaufszah­len sind bezeichnend für die Marktdominanz des Pathè-Trusts3: 1908 verkaufte das Unter­nehmen Pathè Frères die doppelte Menge an Rohfilmmeter, wie alle amerikanischen Herstel­ler zusammen. Zwei weitere französischen Filmhersteller, Gaumont und Eclair, konnten sich, wie auch andere europäische Filmhersteller, nicht gegen die Vorherrschaft des Pathè- Konzerns behaupten. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts dominierte Pathè weltweit die Filmin­dustrie.4

Filmaufführungen waren in ihren Anfangszeiten ortsgebunden. Es existierte noch kein breit­gestreuter Filmvertrieb, sodass das Filmangebot regional begrenzt war. Durch das beschränkte Filmangebot nahm die Begeisterung des überwiegend aus der Mittelschicht stammenden Pub­likums bald ab. Infolge dessen wurden Filme dort gezeigt, wo Menschenansammlungen anzu­treffen sind: auf Jahrmärkten, Messen, Schützenfesten und auch Kirchweihen. Jahrmarkt- und Wanderkinos unterhielten nun auch Personen aus der Unterschicht sowie Immigranten, die trotz Sprachschwierigkeiten das visuelle Unterhaltungsmedium genießen konnten.5

Der Erste Weltkrieg verursachte den Zusammenbruch der Filmproduktion in Europa. In Deutschland entdeckte das Militär den Film als Propagandainstrument für sich. General Erich Ludendorff forderte den Ausbau einer starken Filmindustrie. In der Folge veranlassten die Reichregierung, die Schwerindustrie und die Banken den Zusammenschluss deutscher Film­betriebe. Die Universum Film AG (UFA) wurde gegründet. Einfuhrbeschränkungen und hohe Zölle ermöglichten der UFA in Süd- und Mitteleuropa eine marktführende Position einzu­nehmen. Sie begleitete die Nationalsozialisten bei der Machtergreifung und wurde während des Nazi-Regimes als Propagandainstrument genutzt. Da Filmindustrien besetzter Länder an die UFA übergingen, entwickelte sich die Universum Film AG zum ersten und einzigen Ma­jor-Konzern6 Europas. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die UFA aufgeteilt, um zukünftig Machtmissbrauch zu Propagandazwecken zu verhindern. Es folgte eine Reorganisation und Reprivatisierung.7

2.2. USA

Anfang des 20. Jahrhunderts lag das Zentrum der amerikanischen Filmindustrie in Chicago und New York, den beiden Hauptstandorten der Motion Pictures Patents Company (MPPC). Das 1908 gegründete Unternehmen mit Firmensitzen in New York und Chicago besaß zum damaligen Zeitpunkt die Patentrechte aller Filmproduzenten und kontrollierte auch die Roh­filmbelieferung und Lizenzzahlungen. Thematisch setzte die MPPC auf patriotische, kirchli­che und historische Formate, die sie in Form von Einakter produzierte.8

Erst der Aufbau einer schlagkräftigen Filmindustrie in Hollywood vermochte das Kartell der MPPC zu brechen. Herausragenden Persönlichkeiten wie Adolph Zukor, Carl Laemmle oder Joseph Schenck gründeten die ersten Filmstudios bewusst in der kalifornischen Region, um mehrere strategische Standortvorteile zu nutzen. Ihr ausgeglichenenes Klima erlaubt das ganz- jährige, kostengünstige Abdrehen eines Filmprojekts ohne wetterinduzierte Drehpausen. Zu­sätzlich speiste ein stetiger Strom aus Immigranten und Armen speiste, die in der Unterhal­tungsindustrie ihr Glück suchten, das Angebot an günstigen Arbeitskräften. Durch die geo­graphische Entfernung der Firmensitze der MPPC entzogen sich die Filmproduzenten auch effektiv der Motion Pictures Patents Company (MPPC). Die Produktion lange Spielfilme und die Fokussierung der Medienpräsentation eines Filmprojekts auf einzelne Hauptdarsteller tra­fen den Nerv der Zuschauer, und stärkten die Macht der kalifornischen Filmproduzenten. Be­reits 1912 wurde das Patent der MPPC zur Filmherstellung aufgehoben, drei Jahre später ver­lor das frühere Kartell alle weiteren Monopolrechte.9

Im Zentrum des Erfolgs von Hollywood stand mithin von Anfang an der Kult um Hauptdar­steller und deren Verankerung in der Öffentlichkeit als Idole - oder als Stars, wie sie in der jungen Filmindustrie tituliert wurden. Carl Laemmle konnte 1910 die als Biograph-Girl be- zeichnete Schauspielerin Florence Lawrence für sein Filmunternehmen gewinnen. Durch Falschmeldungen in überregionalen Zeitungen inszenierte Laemmle den Tod der Schauspiele­rin. Den darauffolgenden Tag ließ er verkünden, dass Florence Lawrence am Leben sei und dass die erfundenen Berichte von konkurrierenden Filmproduzenten in Umlauf gebracht wur­den. Parallel wurde bekannt gegeben, dass Florence Lawrence in einem neuerscheinenden Film von Laemmle mitspiele. Folge dieser Medieninszenierung war die Bekanntheit der Schauspielerin. Von diesem Zeitpunkt an nahmen Filmrezipienten die Namen von Schauspie­lern bewusst wahr. Mit Florence Lawrence begann das Starwesen.10

Stars versprachen Erfolge und wurden von den Studios entsprechend bezahlt. Bereits 1912 verdiente Lawrence 250$ pro Woche, 1913 dann 500$, 1914 bereits 1.000$ und 1914 ließ sie sich 2.000$ in der Woche auszahlen. Andere Stars wie Charlie Chaplin wurde mit 10.000$ pro Woche und einer zusätzlichen Gage von 150.000$ entlohnt, Roscoe Arbuckle war der erste Schauspieler, der eine Jahresgage von 1.000.000$ verdiente. Als sogenannte Vertrags­schauspieler waren die Akteure zur damaligen Zeit bei einem Studio unter Vertrag. Sie muss­ten die Rollen spielen, die ihnen von den Filmunternehmen vorgegeben wurden.11

Die Kehrseite dieses Startums lag in der hohen Abhängigkeit einzelner Studios von ihren Stars. So verteuerten sich mit dem Aufschwung die Gagen der Akteure. Da diese den Haupt­kostenträger eines Filmprojekts darstellten, verteuerte sich die gesamte Filmproduktion ent­sprechend. Die Filmstudios wandten sich an Banken, um die aufwendigen Produktionen fi­nanzieren zu können. Diese versprachen sich hohe Profite und investierten in die aufsteigende Filmindustrie. Die Gelder der Banken ermöglichten neue Investitionen. So entstanden unter anderem die Paramount-Kinokette und Kinoimperien mit eindrucksvollen Kinosälen, wie das „Roxy Theatre“, das 6200 Sitzplätze umfasste.12

Die Filmindustrie erlebte seit ihren Anfängen eine rasante Entwickelung. Die in Hollywood anfänglich noch illegal produzierenden Filmemacher gehörten nun einer Branche mit hohen Profiten an. Es entstanden Filmproduktionsgesellschaften, die zum Teil bis heute bestehen. MGM, 20th Century Fox, Paramount Pictures, Warner Bros. Entertainment, Universal Stu­dios, Columbia Pictures und Walt Disney Motion Pictures Group sind die sieben größten Filmunternehmen Amerikas.13

Im Jahr 1924 fusionierten die Produktionsfirmen von Samuel Goldwyn und Louis B. Mayer mit der Filmproduktionsgesellschaft Metro von Marcus Loew. Aus diesem Zusammenschluss entstand das neue Studio Metro-Mayer-Goldwyn (MGM)14. Das unter dem Slogan „More Stars Than There Are In Heaven“ arbeitende Unternehmen produzierte qualitativ hochwertige Filme wie die drei Folgen von „The Thin Man“ oder die „Tarzan“-Reihe. Zu Filmbesetzungen gehörten Stars wie Joan Crawford, Greta Garbo und Robert Taylor.15

Ein weiteres großes Studio, die 20th Century Fox, entstand durch die Fusionierung der Pro­duktionsfirmen 20th Century von Joseph Schenck und Darryl F. Zanuck und Fox, nachdem dessen Gründer William Fox im Zuge der weltweiten Finanzkrise 1929 sein gesamtes Ver­mögen verlor. „Heidi“ (1937), „The Rocky Horror Picture Show“ (1974), „Titanic“ (1997) und das wegweisende „Avatar“ (2010) sind Beispiele für bekannte Filme der Produktionsge­sellschaft.16

Das Unternehmen Paramount Pictures geht auf die Fusion der Produktionsfirma „Famous Motion Co.“ von Adolph Zukor mit „Jesse L. Lasky Feature Motion Co.“ zurück. „The Squaw Man“ ist einer der ersten erfolgreichen Spielfilme aus dem Unternehmen, das unter dem Werbeslogan „"If it's a Paramount Picture, it's the best show in town“ arbeitete. Weitere populäre Filme aus dem Hause Paramount Pictures sind „Psycho“ (I960), „The Hunt for The Red October“ (1990) und „Forrest Gump“ (1994).17

Die vier Brüder Albert, Harry M., Samuel und Jack L. Warner gründeten 1923 Warner Bro­ther Pictures Inc.. Heute ist das Unternehmen als Tochtergesellschaft dem Warner Bros. En­tertainment-Konzern untergliedert. Warner Bros. Pictures produzierte unter anderem „Casab­lanca“ (1942) und „Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 2“ (2011).18

Die Entstehung der Universal Studios geht auf die „Universal Film Manufacturing Company“ Carl Laemmle zurück. Horrorfilme wie „Darcula“ (1936) prägten die Produktionen von Uni­versal.19

1924 entstand Columbia Pictures Corporation durch die Umbenennung der 1919 gegründeten Firma Cohn-Brandt-Cohn Film Sales. „Mr. Deeds Goes To Town“ (1936) und „Marie Antoi­nette“ (2006) gehören zur Filmographie von Columbia.20

Die Gründung von United Artists erfolgte durch Charlie Chaplin, Mary Pickford und ihrem Ehemann Douglas Fairbanks sowie David Wark Griffith. Die Schauspieler wollten mit ihrem Unternehmen zunächst unabhängig produzierte Filme an beteiligte Künstler vertreiben. In den 1950ern entwickelte sich United Artists zu einer Filmproduktionsfirma. Ihr Ziel war den Künstlern mehr Mitspracherecht bei der Produktion zu überlassen, sie strebten anspruchsvolle Kunstfilme an.21

Veränderungen in Hollywood begannen in den 40er Jahren und wurden unter anderem durch die Verbreitung des Fernsehens voran getrieben. Die Studiobosse betrachteten das Fernsehge­rät als Konkurrenz, dem sie mit neuen Farbverfahren und unterschiedlichen Breitbildformaten begegneten. Es wurden Filme wie „Quo Vadis?“ gedreht, die durch Sensationsunterhaltung das Publikum in die Kinos zu locken versuchte, wasjedoch misslang.22

In den 50er Jahren ersetzten die an den Produktionsgesellschaften beteiligten Banken die Stu­diobosse durch ihre eigenen Verwalter. Ebenfalls neigte sich die Ära der Vertragsschauspieler dem Ende. Nun begann die bis heute andauernde Zeit der Agenten. Sie vermitteln nicht nur Schauspieler, sondern sind auch Mittler zwischen Regisseuren, Autoren und den Studios.

Weitere Strukturveränderungen der Filmbranche ergaben sich durch die Entwicklung des Vi­deogeschäfts, das Marketing von Filmen und den zunehmenden Vertrieb von Konsumartikeln. Auch Themenparks gehören mit zu dem Konzept durch die die Produktionsgesellschaften hohen Profite erzielen.23

3. Die Entstehung eines Films

Der Prozess der Entstehung eines Films von der Idee bis zum Abspiel im Kino durchläuft mehrere Schritte. Die Phasen Entwicklung und Finanzierung, Vorproduktion, Dreharbeiten, Nachproduktion, Vertrieb und Abspiel werden nachfolgend dargestellt.24

3.1. Entwicklung und Finanzierung

Die Idee für einen Film kann aus der Idee eines Redakteurs, Drehbuchautors, Regisseurs oder auch Produzenten entstehen. Stoffvorlage können unter anderem Romane, Comics, Theater­stücke, Video-Spiele, aber auch Originalideen sein.25

Die textliche Vorlage für einen Film stellt das Drehbuch dar. Je nach Art des Films, aber auch nach Ländern, unterscheidet sich die Form des Drehbuchs. Exposé und Treatment sind wich­tige Bestandteile eines Spielfilmdrehbuchs. In einem Exposé werden die Filmhandlung, die Hauptfiguren sowie die zeitliche Einordnung und der Stil des Films schematisch dargestellt. Das Treatment stellt die Handlung und die Charaktere präziser dar als das Exposé, jedoch noch ohne Handlungstext. Nach abschließender Weiterentwicklung des Treatments steht dann als Drehvorlage das Drehbuch mit Handlungstext, Dialogen, Regieanweisungen, Kameraein­stellungen etc. zur Verfügung.26

Die Drehbücher werden in der Regel durch Agenten verkauft. Sie stehen im engen Kontakt zu Produzenten und Studios. Agenten kennen die Interessen ihrer Kundschaft und haben eine Übersicht über aktuelle und geplante Produktionen. Häufig treiben sie den Preis für Drehbü­cher in die Höhe, da sie prozentual an Honoraren und zum Teil auch an den Einspielergebnis­sen beteiligt sind.27

Zu einem der erfolgreichsten Agenten Hollywoods gehört der 1946 geborene Michael Ovitz. Er ist Mitbegründer der Creative Artists Agency (CAA) und arbeitete bereits für Schauspieler wie Tom Cruise, Dustin Hoffman, Kevin Costner, Michael Douglas, Sylvester Stallone und Barbara Streisand. Als Agent war er außerdem für Regisseure wie Steven Spielberg, Barry Levinson und Sydney Pollack tätig.28

Wenn Drehbücher hohe Einspielergebnisse erhoffen lassen, kann der Preis in Rekordhöhe steigen. David Koepp, Drehbuchautor von „Panic Room“ (2002) verkaufte sein Drehbuch für 4 Millionen Dollar. Für das Drehbuch zu „The Long Kiss Goodnight“ (1996) erhielt Shane Black ebenfalls 4 Millionen Dollar. Die Drehbuchautoren Terry Rosio und Bill Marsilii ver­dienten mit ihrer textlichen Vorlage zu „Déjà Vu“ (2006) 5 Millionen Dollar.29

Diese Beträge erscheinen eher gering, wenn sie mit den Produktionskosten eines Films vergli­chen werden. Die Kosten für „Spider Man 3“ (2007) betrugen 258 Millionen Dollar, für „Ra­punzel - Neu Verföhnt“ (2010) mussten 260 Millionen Dollar ausgegeben werden und „Fluch der Karibik 3“ (2007) wurde mit einem Budget von 300 Millionen Dollar produziert. Ein Großteil der Budgets wird durch die enorm hohen Gagen der Schauspieler verschlungen. Da sie für den kommerziellen Erfolg der Filme so wichtig sind, wird ihnen oft verboten potenziell gesundheitsgefährdende Szene, wie zum Beispiel Stunts, selbst zu drehen.30

Die Finanzierung von Produktionskosten läuft in den USA grundsätzlich anders ab als in Eu­ropa, wo die Produktionskosten im Gegensatz zu Hollywood meist nicht derartig hohe Beträ­ge verschlingen. In Deutschland stellen Auftragsproduktionen den Hauptteil von Produktio­nen. Auftraggeber sind Fernsehsender, Verleih- und Vertriebsunternehmen. Die Finanzierung wird in der Regel von den Auftraggebern übernommen. Einen geringeren Anteil machen die Eigenproduktionen aus; sie werden durch unterschiedliche öffentliche Fördermittel der Län­der und des Bundes, aber auch die private Fonds finanziert.31

Kinofilme in Europa sind im Gegensatz zu den USA überwiegend auf Förderungen angewie­sen. Dabei existieren unterschiedliche Arten von Förderungen. Ein Beispiel ist die Zusatzkopienförderung der Filmförderungsanstalt für den Spielfilm „Der bewegte Mann“ (1994). Für die 19 der 384 Kopien, die als Zusatzkopien gefördert wurden, übernahm die Filmförderungsanstalt der Herstellungskosten.32

In den USA dominieren die Majors, also die sieben vorherrschenden Filmstudios, mit Eigen­produktion und Eigenfinanzierung die Filmproduktion. Um die enorm hohen Kosten tragen zu können diversifizieren die Majors ihre Risikopositionen durch unterschiedliche Strategien: Sie schließen Beteiligungsverträge mit anderen Firmensparten ab, sie betreiben Vorabgeschäfte oder verfügen über Koproduktionsabkommen und gehen Verträge mit Investmentfonds ein, die Teile der Produktionskosten übernehmen und als Gegenleistung am Gewinn beteiligt wer­den.33

3.2. Vorproduktion

Nach der Entwicklung des Filmstoffs und der Filmfinanzierung findet die Vorproduktion statt. Tätigkeiten wie Suchen eines geeigneten Drehortes, Zusammenstellen eines Filmstabs, Auswählen von Schauspielern, Ausarbeiten von Verträgen und Drehplänen umfassen diesen Filmentstehungsabschnitt. Die Vorproduktion ist ein fundamentaler Bestandteil eines erfolg­reichen Filmprojekts, weil eine stringente Planung die reibungslose Abwicklung der Drehar­beiten sicherstellt und so einen wesentlichen Beitrag dazu leistet, das Filmprojekt im Rahmen der budgetierten Produktionskosten abwickeln zu können.34

3.3. Dreharbeiten

Sind die Drehvorbereitungen durch die Vorproduktion abgeschlossen beginnen die Dreharbei­ten, die durch den Drehplan koordiniert werden. Der Dreh der Szenen läuft dabei meistens nicht in chronologischer Reihenfolge ab, sondern wird durch günstige Organisations- und Koordinierungsstrukturen vorgegeben. Personen, die an den Dreharbeiten beteiligt sind, wur­den bereits bei der Vorproduktion durch das Zusammenstellen des Filmstabs organisiert. Zu ihnen gehören unter anderem Regisseur, Regieassistent, Aufnahmeleiter, Kamermann und Schauspieler.35

3.4. Nachproduktion

Einen nicht zu unterschätzenden Part nimmt die Nachproduktion ein, die nach den eigentli­chen Dreharbeiten folgt. Schnitt, Ton, Spezialeffekte und Filmtests sind die wichtigsten nach­produktiven Teilschritte zur Fertigstellung eines Films. In den Anfängen der Filmproduktion war der Schnittmeister mit langem Umspulen, penibel geführten Protokollen und einer Flut Filmstreifen beschäftigt. Heute finden Materialauswahl und der Schnitt am Computer statt. Geräusche, Dialoge und Toneffekte werden nach den Dreharbeiten im Tonstudio nachsyn­chronisiert, Filmmusik wird eingefügt. Spezialeffekte nehmen besonders bei Science-Fiction­Filmen einen großen Teil der Filmproduktion ein. Technische Entwicklungen ermöglichen immer eindrucksvollerer Effekte und Animationen, wie beispielsweise der Film „Avatar“ (2010) zeigt.36

Die besonders in Hollywood populären Testscreenings ermöglichen den Filmemachern Kino­flops zu vermeiden. Noch lange vor Kinostart und vor dem eigentlichen Produktionsende wird der Film einem Testpublikum vorgeführt. Mittels Fragebögen wird erhoben, ob der Film beim Publikum auf positive Reaktionen stößt, ob er eventuell falsch verstanden wird und ob Ände­rungsbedarf besteht. Nach der Fragebogenanalyse wird entschieden, ob der Film anders ge­schnitten werden soll, ob Szenen nachgedreht oder sogar die Story abgeändert werden soll. Der Film „Pretty Women“ aus dem Jahr 1989 hatte endete in seiner Urfassung damit, dass die weibliche Hauptfigur, eine Prostituierte, von ihrem männlichen Konterpart, einem erfolgrei­chen Geschäftsmann, der im Laufe des Films ihre Dienste in Anspruch nahm, einen Nerz ge­schenkt bekam. Dem Testpublikum missfiel dieses Ende. Der Film wurde abgeändert, Szenen nachgedreht und „Pretty Woman“ endet in seiner Kinofassung mit einer zur Schau gestellten Liebeserklärung des Protagonisten. Der Film wurde zum Superhit. Anders verlief es mit „Last Action Hero“ (1992). Das Testpublikum erhob ebenfalls Einspruch und der Film wurde abge­ändert. Ergebnis war ein verwirrender Film, der in den Kinos floppte.37

3.5. Vertrieb

Ist ein Film fertiggestellt geht er in den Vertrieb. Auch hier dominieren die Großkonzerne. Durch ihr größeres Finanzvolumen ist es ihnen nicht nur möglich attraktivere Filme zu produ­zieren, sie sind auch fähig, eine hohe Anzahl der kostenintensiven Kopien anzufertigen. Der Film findet so eine schnellere und breitere Verteilung in den Kinos. Durch den höheren Be­kanntheitsgrad eines Films wird auch der Umsatz mit dem Videoverleihgeschäft erleichtert. Durch diese beiden primären Absatzkanäle gelingt es den Produktionsfirmen in aller Regel, die Produktionskosten innerhalb eines halben Jahres zu amortisieren. Seit dem Erfolg des Films Star Wars (1977), mit dem erstmalig mehr Geld mit Merchandising als mit Filmvorfüh­rungen verdient wurde, gewinnt die Lizensierung der Filmmarke zunehmend an kommerziel­ler Bedeutung. Kleinere Produktionsfirmen verfügen in der Regel nicht über ausreichend Ka­pital, um eine hohe Auflage von Kopien herstellen zu lassen. Unterstützung können Förderge­sellschaften bieten, die Zusatzkopien subventionieren. Dennoch finden die Filme kleinerer Filmproduktionsgesellschaften nicht eine vergleichbare Verbreitung in den Kinos, der Geld­rückfluss ist folglich im erheblich langsamer.38

3.6. Abspiel

Filme werden in Europa wie auch in den USA überwiegend in Kinosälen großer Kinoketten abgespielt. Die Verleihgebühren für Filme, die auf großes Publikumsinteresse treffen, über­steigen nicht selten die Finanzierungsmöglichkeiten kleiner, unabhängiger Kinobetreiber. Daher werden sie immer mehr von großen Unternehmen, wie beispielsweise in Deutschland durch die Kinobetreiber Cinestar, Cineplex und Cinemaxx, verdrängt. Gleiche Entwicklungen.

[...]


1 Staiger, Michael: Filmanalyse - ein Kompendium. In: Der Deutschunterricht. Heft 3/08. S. 8.

2 Faulstich, Werner: Filmgeschichte. Paderborn: Wilhelm Fink Verlag 2005. S.19ff.

3 Trust: „Ein Trust ist ein Unternehmungszusammenschluß, bei dem sich die verschmelzenden Unternehmungen zu einem Großgebilde vereinigen. Je nachdem, ob die Verschmelzung durch Neubildung oder Aufnahme durch­geführt wird, verlieren alle sich zusammenschließenden Unternehmungen oder nur die aufgenommen Unterneh­mungen ihre wirtschaftliche und rechtliche Selbständigkeit.“ Quelle: http://www.wirtschaftslexikon24.net/d/trust/trasthtm (30.09.2011)

4 Faulstich, Werner: Filmgeschichte. Paderborn: Wilhelm Fink Verlag 2005. S.19ff.

5 Ebd., S. 22ff.

6 Als Major-Konzerne, oder auch einfach als Majors, werden große, dominierende Medienkonzerne bezeichnet, deren Marktanteil am größten ist. Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/Major_film_studio (30.09.2011)

7 Faulstich, Werner: Filmgeschichte. Paderborn: Wilhelm Fink Verlag 2005. S.90ff.

8 Schröder, Nicolaus: special. Filmindustrie. Reinbek bei Hamburg: Rowolth Taschenbuch Verlag 1995. S. 10ff.

9 Schröder, Nicolaus: special. Filmindustrie. Reinbek bei Hamburg: Rowolth Taschenbuch Verlag 1995. S. 11ff.

10 Ebd.

11 Ebd.

12 Ebd.

13 Das damals als eines der angesehensten Filmstudios geltende Unternehmen befindet sich seit 2010 in der In­solvenz. Produktionen wie der 23. James Bond Film unterliegen daher Produktionsschwierigkeiten. Die Produk­tionsfirma Spyglass Entertainment plant die Fusion mit der zahlungsunfähigen MGM.

14 Schröder, Nicolaus: special. Filmindustrie. Reinbek bei Hamburg: Rowolth Taschenbuch Verlag 1995. S. 11ff.

15 Ebd.

16 http://de.wikipedia.org/wiki/Paramount_Pictures (02.07.2011)

17 http://www.mediadb.eu/datenbanken/intemationale-medienkonzeme/time-warner-inc.html#c25 (21.06.2011)

18 Schröder,Nicolaus: special. Filmindustrie. Reinbek bei Hamburg: Rowolth TaschenbuchVerlag 1995. S. 11ff.

19 Ebd.

20 Ebd.

21 Ebd.

22 Schröder, Nicolaus: special. Filmindustrie. Reinbek bei Hamburg: Rowolth Taschenbuch Verlag 1995. S. 21ff.

23 Ebd., S. 35ff.

24 Ebd.

25 Ebd.

26 Ebd.

27 http://en.wikipedia.org/wiki/Michael_Ovitz (20.06.2011)

28 http://vbalraj.blogspot.com/2011/05/top-10-highest-paid-spec-scriptwriters.html (20.06.2011)

29 http://www.extremas.de/entertainment/die-20-teuersten-kinofilme-der-welt/ (20.06.2011)

30 Schröder, Nicolaus: special. Filmindustrie. Reinbek bei Hamburg: Rowolth TaschenbuchVerlag 1995. S. 35ff.

31 Ebd.

32 Ebd.

33 Ebd.

34 Ebd.

35 Ebd.

36 Ebd., S. 45ff.

37 Ebd., S. 50ff.

38 Ebd., S. 54ff.

Details

Seiten
52
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656214786
ISBN (Buch)
9783656216803
DOI
10.3239/9783656214786
Dateigröße
9 MB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Erscheinungsdatum
2012 (Juni)
Note
13 Punkte
Schlagworte
Spielfilmdidaktik Entwicklung der Filmindustrie Entstehung Film Vorproduktion Dreharbeiten Nachproduktion Vertrieb Apspiel Autorenfilm UFA Universal Film AG Hollywood MCCP Laemmle Zukor Paramount MGM Columbia Pictures 20th Century Walt Disney Warner Bros. Skript Kinoauswertung

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