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Vom Konflikt zum konstruktiven Konfliktklärungssystem

Wissenschaftlicher Aufsatz 2012 9 Seiten

BWL - Sonstiges

Leseprobe

Vom Konflikt zum konstruktiven Konfliktklärungssystem

Einflussfaktoren der Unternehmenskultur und mögliche Interventionen von Rüdiger Schäfer

„Konflikte sind wie Regen“. Diese Metapher der Amerikanerinnen Cathy Costantino und Christina Merchant beschreibt gleichzeitig Chance und Bedrohung, die von Konflikten ausgehen kann. Wir Menschen sind täglich in Konflikte unterschiedlicher Art verwickelt. Dabei kann es sich um intrapersonale Konflikte handeln, Schulz von Thun beschreibt diese mit seiner Metapher des Inneren Teams. Er beschreibt damit die innere Pluralität in uns Menschen, das heißt die unterschiedlichen Gedanken, denen wir nachgehen, bevor wir Entscheidungen treffen. Daneben können persönlich-zwischenmenschliche und organisatorisch-strukturelle Konflikte beschreiben werden. Die erste Konfliktart tritt zwischen einzelnen Individuen auf, die zweite innerhalb einer Organisation, zum Beispiel wenn das Themendreieck Aufgabe-Verantwortung-Kompetenz nicht eindeutig geklärt ist. Übergreifend lassen sich noch gesellschaftliche Konflikte beschreiben, bei denen es um unterschiedliche gesellschaftliche Interessen geht, wie dies zum Beispiel bei „Stuttgart 21“ der Fall ist. Die Frage ist dabei nun, wie werden Konflikte im Allgemeinen bearbeitet? Gehen die Beteiligten den Konflikt eigenverantwortlich an und finden eine konstruktive Klärung und lernen daraus für spätere Situationen oder tragen sie durch ihr jeweiliges Verhalten zu einer Eskalation bei und rufen nach einer dritten Person zur Klärung, beziehungsweise delegieren die Konfliktbearbeitung an Anwälte und Gerichte. In den meisten Fällen wird die letzte Variante gewählt, was die Berichte über die Überlastung deutscher Gerichte bestätigen. Die eigenständige konstruktive Bearbeitung als Alternative zur Delegation von Konflikten an die Gerichte ist in einem konstruktiven Konfliktklärungssystem beschrieben und verankert.

Was ist nun unter einem konstruktiven Konfliktklärungssystem zu verstehen?

Diese Frage lässt sich nur beantworten, wenn man den Begriff in seine einzelnen Komponenten zerlegt.

Im Wesentlichen geht es darum, die Konflikte konstruktiv zu bearbeiten. Das Wort „konstruktiv“ bedeutet, dass etwas „aufbauend, den sinnvollen Aufbau fördernd, entwickelnd“ (Duden, 2010) bearbeitet wird. Da es bei einem sozialen Konflikt meistens auch um Beziehungen geht, ist es wichtig, diese im Rahmen einer Konfliktklärung entsprechend aufzubauen und den sinnvollen Aufbau zu fördern.

Bei einem Konflikt geht es um gegensätzliche Wahrnehmungen von Personen oder Gruppen. „Die Entstehung eines sozialen Konfliktes setzt voraus, dass mindestens zwei unvereinbare Erwartungen miteinander konfrontiert werden müssen.“ (Bohnacker, 2002) Friedrich Glasl beschreibt neun unterschiedliche Konfliktstufen, nach denen sich ein Konflikt eskalieren lässt: „Verhärtung - Debatte - Taten - Images, Koalitionen - Gesichtsverlust - Drohstrategien - Begrenzte Vernichtungsschläge - Zersplitterung - Gemeinsam in den Abgrund“ (Glasl, 1999) Die neun Stufen erfordern unterschiedliche Instrumente zur Bearbeitung.

Bei dem Begriff der Klärung geht es um die „Beseitigung einer Unsicherheit, einer Ungewissheit“ (Duden, 2010). Häufig besteht bei den Konfliktbeteiligten Unsicherheit darüber, was der andere Konfliktbeteiligte eigentlich denkt, welche Perspektive er bei dem Konfliktthema einnimmt oder was ihn dazu bewegt, diese gegensätzliche Sichtweise zu vertreten. An diesem Punkt ist wichtig, dass es den Konfliktbeteiligten gelingt in einen nachfragenden und verstehen wollenden Dialog zu kommen. Nur so gelingt es ihnen, sich über ihre gegensätzlichen Standpunkte auszutauschen und die Basis für eine win-win Lösung zu erarbeiten.

Bei dem vierten Unterbegriff handelt es sich um das System. Ein System ist ein „Prinzip, nach dem etwas gegliedert, geordnet wird“ (Duden, 2010). Hier geht es also darum, dass Konflikte, insbesondere in Organisationen, nicht zufällig bearbeitet werden. Das heißt, dass innerhalb der Organisation Instrumente beschreiben werden, mit denen Konflikte je nach Eskalationsstufe konstruktiv geklärt werden können. Außerdem umfasst ein System die Dokumentation der Konflikte und deren Klärung, um gezielt daraus zu lernen.

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Details

Seiten
9
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656186311
ISBN (Buch)
9783656187271
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v193654
Institution / Hochschule
Zentrum für Agogik zak Basel
Schlagworte
Mediation Unternehmenskultur

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Titel: Vom Konflikt zum konstruktiven Konfliktklärungssystem