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Exegese Exodus 3,1-14 "Moses Berufung"

Quellenexegese 2007 23 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A Vorbereitung der exegetischen Arbeit
1 Textpräsentation in differenzierter Verseinteilung
2 Begründete Auswahl einer Bibelübersetzung
3 Kreativer Zugang zum ausgewählten Text

B Exegetische Arbeit am ausgewählten Text
1 Textabgrenzung und Kontextanalyse
1.1 Textabgrenzung
1.2 Kontextanalyse
2 Strukturanalyse
3 Trennung von Tradition und Redaktion
4 Formgeschichte
4.1 Gattungszuordnung
4.2 Sitz im Leben
4.3 Sitz im Buch
5 Bestimmung wichtiger Schlüsselbegriffe

C Ertrag der exegetischen Arbeit

D Literaturverzeichnis

E Anhang

Als Grundlage für diese Exegese dient der Text der Lutherbibel in der revidierten Fassung von 1984.

A Vorbereitung der exegetischen Arbeit

A.1 Textpräsentation in differenzierter Verseinteilung

Exodus 3,1-14[1][2]

V1a Mose aber hütete die Schafe Jitros, seines Schwiegervaters, des Priesters in Midian,

V1b und trieb die Schafe über die Steppe hinaus

V1c und kam an den Berg Gottes, den Horeb.

V2a Und der Engel des HERRN erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Dornbusch.

V2b Und er sah, dass der Busch im Feuer brannte und doch nicht verzehrt wurde.

V3a Da sprach er:

V3b1 Ich will hingehen

V3b2 und die wundersame Erscheinung besehen, warum der Busch nicht verbrennt.

V4a Als aber der HERR sah, dass er hinging, um zu sehen,

V4b rief Gott ihn aus dem Busch und sprach:

V4b Mose, Mose!

V4c Er antwortete:

V4d Hier bin ich.

V5a Gott sprach:

V5b Tritt nicht herzu,

V5c1 zieh deine Schuhe von deinen Füßen; denn der Ort, darauf du stehst, ist heiliges Land!

V6a Und er sprach weiter:

V6b Ich bin der Gott deines Vaters,

der Gott Abrahams,

der Gott Isaaks

und der Gott Jakobs.

V6c Und Mose verhüllte sein Angesicht; denn er fürchtete sich, Gott anzuschauen.

V7a Und der HERR sprach:

V7b Ich habe das Elend meines Volks in Ägypten gesehen

V7c und ihr Geschrei über die Bedränger gehört;

V7d ich habe ihre Leiden erkannt.

V8a Und ich bin herniedergefahren, dass ich sie errette aus der Ägypter Hand

V8b1 und sie herausführe aus diesem Lande in ein gutes und weites Land,

V8b2 in ein Land, darin Milch und Honig fließt,

in das Gebiet der Kanaaniter, Hetiter, Amoriter, Perisiter, Hiwiter und Jebusiter.

V9a Weil denn nun das Geschrei der Israeliten vor mich gekommen ist

V9b und ich dazu ihre Not gesehen habe, wie die Ägypter sie bedrängten,

V10a so geh nun hin,

V10b ich will dich zum Pharao senden, damit du mein Volk, die Israeliten, aus Ägypten führst.

V11a Mose sprach zu Gott:

V11b Wer bin ich, dass ich zum Pharao gehe und führe die Israeliten aus Ägypten?

V12a Er sprach:

V12b Ich will mit dir sein.

V12c Und das soll dir das Zeichen sein, dass ich dich gesandt habe:

V12d Wenn du mein Volk aus Ägypten geführt hast, werdet ihr Gott opfern auf diesem Berge.

V13a Mose sprach zu Gott:

V13b Siehe, wenn ich zu den Israeliten komme

V13c1 und spreche zu ihnen:

V13c2 › Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt!‹

V13d1 und sie mir sagen werden:

V13d2 › Wie ist sein Name?‹,

V13e was soll ich ihnen sagen?

V14a Gott sprach zu Mose:

V14b Ich werde sein, der ich sein werde.

V14c Und sprach:

V14d1 So sollst du zu den Israeliten sagen:

V14d2 „Ich werde sein“, der hat mich zu euch gesandt.

A.2 Begründete Auswahl einer Bibelübersetzung

Um eine wissenschaftlich fundierte Exegese schreiben zu können, ist es von Nöten, die hebräische Sprache zu beherrschen. Da diese Exegese ohne Hebräischkenntnisse verfasst wird, erscheint es zunächst ratsam, eine möglichst formale Bibelübersetzung, wie z.B. die der Neuen Zürcher Bibel zu wählen. Ich stelle dieses Anliegen, möglichst nah am Urtext zu bleiben, jedoch nicht an erste Stelle und entscheide mich für die Übersetzung der Luther-Bibel, die sich zwischen einer rein formalen und einer dynamisch-gleichwertigen Übersetzung einordnen lässt. Meine Wahl fällt aus verschiedenen Gründen auf die Übersetzung Martin Luthers: a) die Schönheit der Sprache Luthers spielt für mich eine große Rolle, b) es ist für mich von Bedeutung, ob man – wie heutzutage fast immer – rein wissenschaftlich an Übersetzungen feilt, die möglichst nah am Urtext sind, oder ob jemand wie Martin Luther mit „ein recht, frum, treu, vleissig, forchtsam, Christlich, geleret, erfarn, geübt hertz“[3] Verstand und Gefühl in seiner Übersetzung in Verbindung bringt.[4] c) Bei Hoegen-Rohls wird auch deutlich, dass Luther ja gar nicht so weit vom Urtext entfernt ist. Er behält den parataktischen Erzählstil des Hebräischen bei, was somit eine sehr heilige, sakrale Wirkung hat.[5] d) Ein wichtiges Argument für die Lutherübersetzung ist auch die Tatsache, dass große Teile des Textes Luthers in mir klingen. Vor allem und ganz besonders durch die Vertonungen Johann Sebastian Bachs.

A.3 Kreativer Zugang zum ausgewählten Text

Zweifel…

Die Begegnung

Von Gott erwählt

Ich soll Israel retten?

Warum?

B Exegetische Arbeit am ausgewählten Text

B.1 Textabgrenzung und Kontextanalyse

B.1.1 Textabgrenzung

Der große Erzählstrang über das Leben Moses im Buch Exodus weist nur wenige größere Zäsuren auf. Im vorliegenden Fall gibt es eine Zäsur vor Ex 3,1. Wahrscheinlich war ursprünglich der Erzählstrang über Mose in Midian (Ex 2,15 – 4,19) durchgängig. Um die Bedeutung der Theophanie in Ex 3 hervorzuheben, fügte man wohl Ex 2,23-25 ein, um eine große Zäsur zum Vorhergehenden zu setzen. „Lange Zeit aber danach starb der König von Ägypten“ (Ex 2,23) markiert einen beachtlichen Zeitwechsel. In der Zeit gibt es in Ägypten einen Herrscherwechsel[6]. Des Weiteren finden wir auch einen Wechsel des Themas sowie einen Personenwechsel vor. In Ex 2 geht es um die Biographie Moses. Erst gegen Ende von Ex 2 in V.23 und vor allem weiter in Ex 3 bringt sich Gott wieder ins Spiel, indem er sich zuerst an seinen Bund mit den Erzvätern erinnert und sich daraufhin Mose offenbart.

Die Verse 23-25 aus Ex 2 betrachte ich jedoch als Zäsur an sich. Sie betonen, dass ein neuer Zeitabschnitt beginnt und dienen quasi als Einleitung für die folgende Perikope.

Eine Zäsur zwischen Ex 3,14 und 3,15 ist nicht auszumachen. Der Dialog zwischen Gott und Mose geht weiter und findet in Ex 4,13.14a seinen Höhepunkt. Ich würde also die nächste bedeutende Zäsur zwischen Ex 4,17 und 4,18 setzen, da man sowohl einen sehr markanten Orts- und Zeitwechsel, als auch einen Personenwechsel erkennen kann (Ex 4,18: „Mose ging hin und kam wieder zu Jitro, seinem Schwiegervater…“). Ein Themenwechsel liegt insofern auch vor, dass Mose sich jetzt bald aufmacht und nach Ägypten zieht, um Gottes Auftrag zu erfüllen.

Die Kontextanalyse wird verdeutlichen, dass Ex 3,1-14 in einem größeren Erzählzusammenhang bis Ex 4,17 betrachtet werden kann.

B.1.2 Kontextanalyse

Für die Analyse des Mikrokontextes betrachte ich die Texteinheiten Ex 3,1-4,17.

Werner H. Schmidt folgend kann man sagen, dass in Ex 3 fünf verschiedene Themen miteinander verarbeitet worden sind.

Es handelt sich dabei um die Theophanie am Dornbusch (V.2-6, ohne 6a.b), die Beauftragung Moses (V.10.16.18), die Verheißung der Befreiung aus Ägypten (V.7-9.14.17), die Offenbarung des Jahwenamens (V.14) – welche übrigens „den einzigen Deutungsversuch des Jahwenamens innerhalb des AT“[7] darstellt – und die Identifizierung Jahwes mit dem Gott der Väter (V.6a.b.15.16.18).[8] Wie man erkennen kann, sind diese Themen fast untrennbar miteinander verzahnt. Im weiteren Verlauf des Mikrokontextes steht das Thema der Zeichen im Vordergrund, die Gott durch Mose vollbringt, um die Hebräer bzw. später den Pharao von seiner (Gottes) Allmacht und Moses Auftrag zu überzeugen.

Auffällig ist, dass sich die Reaktionen Moses während des gesamten Mikrokontextes steigern und in 4,13 ihren Höhepunkt, ausgedrückt in tiefer Abneigung gegenüber dem Auftrag Gottes, finden.[9]

In Ex 3,3 geht es zuerst um die Begegnung am brennenden Dornbusch. Hier ist Mose zunächst neugierig, warum dieser Busch nicht verbrennt. Ex 3,6 berichtet von der Theophanie, die Mose erlebt, und davon, dass Mose aus Angst Gott anzusehen, sein Angesicht verhüllt. „Zweifel (…), ob er der Aufgabe gewachsen ist“[10], bekommt Mose in Ex 3,11. Er fühlt sich der Aufgabe unwürdig.[11] In Ex 3,13 begründet Mose in gewisser Weise seine Zweifel, indem er Gott seine Unsicherheit gesteht und nach der weiteren Vorgehensweise fragt („was soll ich ihnen sagen?“). Eine weitere Steigerung der Zweifel Moses lässt sich in Ex 4,1 ausmachen, da Mose hier befürchtet, die Hebräer würden ihm seine Gottesbegegnung nicht glauben. Selbst nachdem Gott seinen Einwand zerstreut, „indem er ihm Vollmacht zu einem Beglaubigungswunder gibt“[12], sucht Mose noch nach Ausreden[13], wie seine mangelnde Redegewandtheit, die die „Undurchführbarkeit der Aufgabe“[14] nachdrücklich betonen sollen. Wie schon erwähnt folgt in Ex 4,13 dann der Höhepunkt der Abneigung des Mose, worauf Gott in V.14.a zornig reagiert. Erstaunlich ist aber Gottes erneute Zusage, dass er Mose seinen Bruder Aaron zur Seite stellt.[15]

[...]


[1] Die Verssegmentierung orientiert sich an folgenden grammatikalischen Regeln: 1. Jeder Teilvers muss alleine stehen können, d.h. einen vollwertigen Satz ergeben. So werden hypotaktisch verknüpfte Sätze nicht auf zwei Teilverse verteilt, parataktisch verknüpfte Sätze jedoch in der Regel getrennt. Es sei denn, es handelt sich um Redeeinleitungen 2. Redeeinleitungen werden unterstrichen. 3. Wörtliche Rede wird kursiv gedruckt. Ausnahmen bestätigen die Regel und verfolgen sehr wahrscheinlich eine besondere Intention.

[2] „Der Bericht von Moses Berufung ist sowohl in der literarischen Struktur als auch in der Verknüpfung unterschiedlicher Motive ein höchst komplexes Gebilde.“, Schmidt, Kommentar, S. 106.

[3] WA 30:2, 640, 25-28.

[4] Vgl. Hoegen-Rohls: Kraft der Sprache, S.69.

[5] Vgl. Hoegen-Rohls: Kraft der Sprache, S.72.

[6] Vgl. Scharbert, Kommentar, S. 20.

[7] Preuß/Berger, Bibelkunde, S. 37.

[8] Vgl. Schmidt, Kommentar, S. 106.

[9] Vgl. Scharbert, Kommentar, S. 26.

[10] Scharbert, Kommentar, S. 22.

[11] Vgl. Schmidt, Kommentar, S. 126.

[12] Scharbert, Kommentar, S. 24.

[13] Vgl. Scharbert, Kommentar, S. 25.

[14] Schmidt, Kommentar, S. 126.

[15] Vgl. Noth, Exodus, S. 32.

Details

Seiten
23
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783656186304
ISBN (Buch)
9783656189497
Dateigröße
536 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v193657
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Institut für Evangelische Theologie und ihre Didaktik
Note
1,7
Schlagworte
Exegese Dornbusch Berufung Mose Exodus 3.1-14 Proseminar Altes Testament ohne Hebräisch Einführung

Autor

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Titel: Exegese Exodus 3,1-14 "Moses Berufung"