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Formen des Philosophierens mit Kindern

Philosophieren mit Bilderbüchern am Beispiel des Bilderbuches "Blöde Ziege, dumme Gans"

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 16 Seiten

Philosophie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Vorwort

2 Inwiefern ist Philosophieren mit Kindern möglich und sinnvoll?

3 Wie kann man mit Bildern bzw. Bilderbüchern philosophieren?

4 Das Bilderbuch „Blöde Ziege, dumme Gans“ im Unterricht

5 Reflexion

6 Literaturverzeichnis

1 Vorwort

„Papa, gibt es mich wirklich nur einmal auf der Welt?“

Wenn Kinder beginnen, sich und die Welt neugierig und staunend zu betrachten, wenn sie dem „Wieso?“, „Weshalb?“, „Warum?“ aller Dinge fragend auf den Grund gehen, ist es dann nicht naheliegend zu konstatieren, es handele sich bei ihnen um „kleine“ Philosophen? Gleichen die zahlreichen Fragen der Kinder nicht den W-Fragen, die schon der „große“ Philosoph Kant (1724-1804) versuchte zu klären? Sind die für Kinder typischen Fragen also als hochphilosophisch zu beurteilen, weil sie zum Weiterdenken einladen oder sind sie doch eher naiv?[1] Wie sollte man mit solchen Kinderfragen adäquat umgehen? Sollte man die Kinder in ihrem staunenden Nachfragen und Denken bestärken? Und wenn ja, wie sollte eine vernünftige, angemessene Unterstützung aussehen?

Bevor die vorliegende Arbeit sich um eine Klärung der Fragen, ob Philosophieren mit Kindern überhaupt möglich und sinnvoll ist, wie man mit Bildern oder auch mit Bilderbüchern philosophieren kann und wie man das Bilderbuch „Blöde Ziege, dumme Gans“ im Unterricht einsetzen kann, bemüht, ist es von Nöten, den Terminus der „Kinderphilosophie“ eindeutig zu definieren. In Abgrenzung zur sogenannten „Philosophie für Kinder“ hat sich im deutschsprachigen Raum die Bezeichnung „Philosophieren mit Kindern“ etabliert. Eine Verwechslung mit der akademischen Wissenschaft der Philosophie soll vermieden und das stetige, immer tiefer gehende Nachdenken der Kinder bestärkt werden.[2]

2 Inwiefern ist Philosophieren mit Kindern möglich und sinnvoll?

Die Frage, inwiefern Kinder Kompetenzen zum Philosophieren besitzen, ist sehr umstritten.

Platon stand dieser Frage sehr pessimistisch gegenüber. Er konstatierte seinerzeit, „Philosophie sei erst im reifen Mannesalter möglich“[3].

Andere „große“ Philosophen betonten hingegen, dass die Kompetenz zum Philosophieren auch schon im Kindesalter zu erkennen sei. So zum Beispiel Adorno[4]: „ich glaube, daß […] wir eigentlich als Kinder alle Philosophen sind und daß uns in der Tat durch unsere offizielle Bildung, die sich ja immer schon in der vergegenständlichten, branchenmäßigen Form abspielt, die Philosophie eigentlich ausgeprügelt wird.“[5] Lockes (1632-1704) Überlegungen zu dieser Problematik ähnelten denen Adornos sehr stark. Locke hob den Aspekt der Reinheit der Kinder hervor, der darin begründet liegt, dass Kinder gesellschaftlich noch nicht (vor-) geprägt sind. Sie könnten ganz unvoreingenommen an „große Fragen“ herantreten und über die Welt nachdenken, was Erwachsenen nicht mehr möglich sei.[6]

Auch im Rahmenplan „Philosophieren mit Kindern“ Mecklenburg-Vorpommerns wird ein sehr optimistisches Bild des Philosophierens mit Kindern gezeichnet. Es heißt dort: „Kinder bringen von Natur aus die nötigen Kompetenzen zum Philosophieren mit […] sie sind neugierig und scheuen sich nicht davor zu fragen. Sie sind in der Lage, im philosophischen Sinne Fragen zu stellen sowie Gründe für ihr Denken, Sprechen und Handeln zu nennen und ihre Lösungsansätze zu begründen.“[7]

Nordhofen beurteilt die Frage, inwiefern Kinder philosophieren können, durchaus kritischer. In ihren Aufsätzen „Didaktik der symbolischen Formen. Über den Versuch das Philosophieren mit Kindern philosophisch zu begründen“ und „Philosophieren mit Kindern. Bausteine für eine theoretische Grundlegung“ nennt und erklärt sie drei Einwände gegen das Philosophieren mit Kindern. Im Anschluss daran entschärft sie diese Kritikpunkte jeweils argumentativ.

Als Hauptargument gegen das Philosophieren mit Kindern wird der Spracheinwand genannt. Dieser wird durch ein altersbedingtes Sprachdefizit der Kinder begründet. Nordhofen erklärt: „Kinder und Jugendliche verfügten in der Regel noch nicht über das sprachliche Repertoire und die Standards, die sie zur Teilnahme an einem philosophischen Diskurs befähigen. […] Kinder in ihrem anschaulich praktischen Denken seien noch nicht zur notwendigen Abstraktion und distanzierten Reflexion fähig“[8]. Sie seien noch nicht in der Lage, ihre Gedanken exakt pointiert auszudrücken und neigen demgegenüber vielmehr dazu Geschichten zu erzählen, die den Kern ihrer Gedanken implizit enthalten.[9] Unter Berücksichtigung Cassirers „Philosophie der symbolischen Formen“ gelingt es Nordhofen, den Spracheinwand zu widerlegen. Denn nur, weil Kinder aufgrund ihrer begrenzten sprachlichen Möglichkeiten ihre Gedanken nicht „auf den Punkt bringen“ können, bedeutet dies nicht gleichzeitig, dass ihre Gedanken oder genauer ihre Rationalität begrenzt sind/ist.[10]

Interessanterweise beschäftigen sich auch Sprachdidaktiker – zwar aus einem anderen Blickwinkel als Philosophen – mit der Problematik des Philosophierens mit Kindern. Rodenburg zum Beispiel kann man als Unterstützer des „Philosophieren[s] mit Kindern“ betrachten. Er geht davon aus, dass speziell das sokratische Gespräch die Sprachentwicklung, Begriffsbildung und Diskussionsfähigkeit der Kinder fördern kann.[11]

[...]


[1] Vgl. Martens: Philosophieren mit Kindern als Herzschlag (nicht nur) des Ethik-Unterrichts, S. 8.14.

[2] Vgl. Hilger/ Ritter: Religionsdidaktik Grundschule, S. 271 f.

[3] Nordhofen: Philosophieren mit Kindern. Bausteine für eine theoretische Grundlegung, S. 35.

[4] Vgl. Martens: Philosophieren mit Kindern als Herzschlag (nicht nur) des Ethik-Unterrichts, S.9.

[5] Adorno: Vorlesung zur Einleitung in die Erkenntnistheorie. Universität Frankfurt/M. WS 1957/58, S. 141 f (Junius-Drucke; als Vorlesungsmitschnitt).

[6] Schulte-Roling/ Münnix: Philosophieren mit Kindern. Erstes Philosophieren in der Sekundarstufe I, S. 3.

[7] http://www.bildung-mv.de/data/download/rahmenplaene/rp-philosophie-gs.pdf.

[8] Nordhofen: Philosophieren mit Kindern. Bausteine für eine theoretische Grundlegung, S. 37. / Nordhofen: Didaktik der symbolischen Formen. Über den Versuch das Philosophieren mit Kindern philosophisch zu begründen, S. 132.

[9] Vgl. Nordhofen: Philosophieren mit Kindern. Bausteine für eine theoretische Grundlegung, S. 37.

[10] Vgl. Nordhofen: Didaktik der symbolischen Formen. Über den Versuch das Philosophieren mit Kindern philosophisch zu begründen, S. 132.

[11] Vgl. Rodenburg: The Need for Words. Voice and Text, S. 36.

Details

Seiten
16
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656186298
ISBN (Buch)
9783656188551
Dateigröße
391 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v193659
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Philosophisches Seminar
Note
1,7
Schlagworte
Philosophieren mit Kindern Blöde Ziege - dumme Gans Philosophie Bilderbücher Didaktik

Autor

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