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Dienstübergabe am Patientenbett im Akutkrankenhaus

Ausarbeitung 2011 20 Seiten

Gesundheit - Pflegewissenschaft - Pflegemanagement

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2. Grundlagen der Pflegevisite
2.1 Definitionen des Begriffes Pflegevisite
2.2. Formen und Ziele der Pflegevisite
2.2.1 Pflegevisite als Führungsinstrument
2.2.2 Pflegevisite als Qualitätssicherungsinstrument
2.2.3 Pflegevisite als Instrument zum Miteinbezug des Patienten
2.2.4 Pflegevisite als Dienstübergabe

3. praktische Umsetzung der Pflegevisite als Dienstübergabe an einem Beispiel
3.1 Ausgangssituation der Station K
3.2 Ziele und Voraussetzungen bei der Einführung
3.3 Ablauf der Pflegevisite
3.4 Auswertung des Projektes

4. Vor und Nachteile der Pflegevisite für Pflegepersonal und Patient
4.1 Vorteile der Pflegevisite für den Patienten
4.2 Vorteile der Pflegevisite für den Pflegenden
4.3 Nachteile und mögliche Gefahren durch die Pflegevisite

5 Fazit

6. Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In deutschen Krankenhäusern wird im Gegensatz zur ambulanten Pflege die Pflegevisite noch nicht einheitlich angewandt. Durch die Vielfältigkeit des Verständnisses von Pflegevisite gibt es keine einheitliche Aussage und Anwendung in der Akutkrankenpflege, wie diese am optimalsten und effektivsten durchgeführt werden sollte.

Der Begriff Pflegevisite wird in der Literatur unterschiedlich definiert. Hier werden je nach Zielvorstellung unterschiedliche Inhalte aufgegriffen. Zu den Hauptinhalten des Begriffes Pflegevisite gehört z.B. ein besserer Einbezug des Patienten in den Pflegeprozess oder die Reflexion der Mitarbeiter über die pflegerische Arbeit als auch die Überprüfung der Qualität in der Pflege.

Durch die Komplexität des Themas wurde sich auf Grund des vorgegebenen Umfanges auf einen bestimmten Teil der Pflegevisite beschränkt.

Es ergab sich die Frage, ob die Dienstübergabe am Bett, welche aus der Praxis bekannt ist, im erweiterten Sinne als Form der Pflegevisite zu betrachten ist?

Einleitend wird ein Überblick über die Formen der Pflegevisite in der allgemeinen Pflegepraxis gegeben, bevor anschließend speziell auf die Form der Pflegevisite als Dienstübergabe am Krankenbett in der Akutkrankenpflege eingegangen wird.

Auf einer Station im Bürgerhospital in Solothurn (Schweiz) wurde die Pflegevisite als Form der Dienstübergabe am Patientenbett eingeführt. An diesem Beispiel werden die Inhalte, Ziele, die Umsetzung, aber auch die Schwierigkeiten für das Personal und den Patienten aufgezeigt. Die daraus resultierenden Vorteile und Nachteile als auch mögliche auftretende Gefahren für den Patienten und das Pflegepersonal werden herausgearbeitet, um abschließend festlegen zu können, ob die Pflegevisite als Instrument der Dienstübergabe am Bett eine Möglichkeit ist den Patienten am Gespräch über seinen Pflegeprozess zu beteiligen und somit den Anforderungen gerecht wird.

2. Grundlagen der Pflegevisite

2.1 Definitionen des Begriffes Pflegevisite

Der Begriff Pflegevisite wurde erstmals von Döpcke - Paentz 1981 erwähnt. Seit dieser Zeit setzt man sich sehr intensiv mit diesem Begriff auseinander. Heering & Heering stellen mit der Definition aus dem Jahr 1994 den Patienten in den Mittelpunkt und lassen ihn an Entscheidungsprozessen teilhaben. Viele Projekte fanden bezüglich der Umsetzung der Pflegevisite statt. Aber bis heute ist die Bedeutung von Pflegevisite in der Praxis nicht einheitlich verwandt[1].

Die unterschiedlichen Formen der Pflegevisite sind abhängig davon, welche Ziele in der jeweiligen Einrichtung (z.B Altenheim, ambulanter Pflegedienst, Krankenhaus) mit der Pflegevisite erreicht werden sollen.

Dabei kann Sie als Kontrollfunktion im Bezug auf die Qualität im Pflegeprozess aber auch als Führungsinstrument in der Praxis angewandt werden. Weitere Anwendungen sind die Dienstübergabe am Patientenbett oder als Instrument, welches den Patienten in den Pflegeprozess mit einbezieht.

C.Heering hat folgendes Verständnis von Pflegevisite und definierte Sie folgendermaßen:

„Die Pflegevisite ist ein regelmäßiger Besuch bei und ein Gespräch mit der Klientin/dem Klienten über ihren/seinen Pflegeprozess. Die Pflegevisite dient der gemeinsamen Benennung der Pflegeprobleme und Ressourcen bzw. Pflegediagnose, Vereinbarung der Pflegeziele, Vereinbarung der Interventionen und die Überprüfung der Pflege[2].“

Um diese Inhalte der Definition auf einer Station umzusetzen zu können, muss das Rollenverständnis der Pflegenden geändert werden. Da der Patient sich in einem gewissen Abhängigkeitsverhältnis gegenüber der pflegenden Person befindet, ändert sich auch die Rolle des Patienten. Er wird laut Definition mehr in den Pflegeprozess integriert. Der Grundgedanke der Pflegevisite orientiert sich an dem Menschenbild, welches den Pflegeempfänger als denkende, fühlende und wollende Person mit Eigenverantwortung akzeptiert.

Die Pflegevisite befähigt die Pflegenden gegenüber dem Patienten/Klienten eine Beratungsfunktion einzunehmen. Dem Patienten wird die Möglichkeit gegeben sein situatives Erleben darzustellen und unter Berücksichtigung von Fachwissen wird gemeinsam ein Lösungsweg erarbeitet .[3] C. Rogers versteht unter einer beratenden Funktion: „Wirksame Beratung besteht aus einer eindeutigen, strukturierten, gewährenden Beziehung, die es dem Klienten ermöglicht, zu einem Verständnis seiner selbst in einem Ausmaß zu gelangen, dass ihn befähigt aufgrund dieser Orientierung positive Schritte zu unternehmen.“[4]

Vorraussetzung um eine beratende Funktion bei den Patienten ausführen zu können ist eine Beziehung, wie sie auch C. Rogers als „gewährende Beziehung“ erwähnt.

Die Pflegeperson hat die Aufgabe auf den Patienten zuzugehen und ihn durch eine bestimmte Haltung, Sicherheit und Vertrauen zu vermitteln. Durch die Zustimmung des Patienten entwickelt sich eine Kooperation zwischen beiden Parteien. Daraus ergibt sich für die Umsetzung der Pflegevisite eine neue Herausforderung, das Ziel zu erreichen, den Patienten/ Klienten in den Pflegeprozess zu partizipieren[5].

Im Bereich der ambulanten Pflege wird die Pflegevisite als Instrument genutzt, die Qualität der Dienstleistung zu kontrollieren und zu optimieren. Durch die Funktion des MDK werden in pflegerischen Einrichtungen nach dem SGBXI (Sozialgesetzbuch 11) bestimmte Kriterien (z.B. Pflegesituation, Pflegeaufwand und Intensität, Überprüfbarkeit in der Dokumentation) überprüft. Pflegevisite ist in diesen Bereichen (ambulante Pflege und Altenheim) ein wichtiges Element zur Qualitätssicherung, da dies unter dem wirtschaftlichen Aspekt an Bedeutung zunimmt[6].

J. Höllick und A. Kerres haben Pflegevisite auch unterschiedlich in ihrer Funktion betrachtet. Eine Definition beinhaltet auch die Pflegevisite als Form der Übergabe am Patientenbett. „Die Pflegevisite stellt ein Instrument des strikt patientenorientierten Austauschs, der Übergabe, der Fortbildung und der Erreichung von Planungssicherheit bei den einzelnen Pflegepersonen dar.“[7].

Für den Patienten ist die Möglichkeit eines regelmäßigen Gespräches gegeben, welches zu festgelegten Zeiten stattfindet. Hier können Fragen gestellt sowie Informationen ausgetauscht werden. Der Patient erhält das Gefühl der Zugehörigkeit und der Aufmerksamkeit als auch die Bestätigung in den Pflegeprozess mit einbezogen zu werden. Auch die Pflegenden haben die Möglichkeit bei der Übergabe am Patientenbett sich von der Frühschicht zur Spätschicht auszutauschen, sich gegenseitig zu beraten und Pflegevereinbarungen zu treffen. So erhalten die Pflegekräfte unter Mitwirkung des Patienten gemeinsame Informationen[8].

2.2. Formen und Ziele der Pflegevisite

2.2.1 Pflegevisite als Führungsinstrument

Wie im vorangegangenen Abschnitt beschrieben ist die Variationsbreite des Einsatzes von Pflegevisite sehr vielseitig.

Pflegevisite kann zum Beispiel als Führungsinstrument benutzt werden. Dieser Ansatz wurde von Christian und Bieg 1994, als eine Interaktion von Sachverständigen der Pflege mit dem Ziel der Qualitätssicherung, verstanden. Es sollte sich dadurch eine Pflegekultur in den Krankenhäusern entwickeln, welche sich durch die Pflegedienstleitung und den Pflegenden veranlasst werden. Der Patient nimmt hier eher eine passive Rolle ein und hat keinen Einfluss auf seinen Pflegeprozess. Die Pflegedienstleitung verfügt bei der Durchführung der Pflegevisite über zwei unterschiedliche Rollen. Einerseits hat sie die Rolle eines Vorgesetzten und beschäftigt sich mit Finanzen und Führung von Personal. Andererseits nimmt sie als klinische Pflegeexpertin an der Pflegevisite teil, um sie zu beaufsichtigen und geleistete Arbeiten zu kontrollieren.[9].

C. Heering betrachtet die Teilnahme der Stationsleitungen wie auch die Teilnahme der Pflegedienstleitung an der Pflegevisite als sehr kritisch. Die Stationsleitung gehört für den Patienten nicht zu den Bezugspersonen und kann sich hemmend in bestimmten Situationen auswirken. Die Teilnahme der Pflegeleitung ist grundsätzlich abzulehnen, da sie eine Managementfunktion ausübt. Allgemein wurde festgestellt, je mehr fremde Personen an der Pflegevisite teilnehmen, desto weniger kommt eine Beziehung zwischen Pflegenden und dem Patient zustande[10].

2.2.2 Pflegevisite als Qualitätssicherungsinstrument

Eine weitere Form der Pflegevisite ist der Einsatz als Qualitätssicherungsinstrument.

C. Bölicke und C.Panka stellen ein Konzept dar, Pflegevisite unter den Gesichtspunkt als Instrument zur Qualitätssicherung zu betrachten. Diese Form der Pflegevisite entwickelt sich in Deutschland vor allem in sämtlichen Pflegeeinrichtungen unter anderem auch im ambulanten und stationären Bereich. Die Ziele und Inhalte der Pflegevisite werden in der Pflegepraxis durch die Vorgaben des SGB XI abgeleitet. Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement spielt für die Pflegeeinrichtungen eine wichtige Rolle, da diese extern durch den medizinischen Dienst der Krankenkassen überprüft werden. Dabei spielt die subjektive Beurteilung des Patienten (in diesem Kontext Klient genannt) und die objektivierbare Beurteilung der Pflegekräfte durch den Gebrauch von fachlichen Standards eine wichtige Rolle. Die Pflegevisite wird von den Zuständigen zu festgelegten regelmäßigen Zeiten durchgeführt. Ein wichtiger Punkt ist bei dieser Form, dass nicht nur die zuständigen Pflegepersonen, sondern auch mindestens eine nicht zum Team gehörende Pflegeperson an der Visite teilnimmt, um Ergebnisse objektivierbarer beurteilen zu können[11].

Bölicke et al.(2002) unterscheiden zwei Durchführungsarten:

- Die supervidierende Pflegevisite. Hierbei führt die Pflegedienstleitung mit der zuständigen Pflegekraft die Pflegevisite vor Ort durch.
- Die kollegiale Pflegevisite wird durch gleichgestelltes Pflegepersonal und einer nicht integrierten Pflegekraft durchgeführt.

[...]


[1] Vgl. Heering, Christian: 2004, S.46

[2] Heering,Christian;u.a.: 1997, S.20

[3] Vgl. Heering,Cristian;u.a.: 1997, S.21

[4] Heering, Christian;u.a.: 1997, S.21

[5] Vgl. Heering,Christian;u.a.:1997, S.20f

[6] Vgl. Ratz, Birgit: 2/2001,S.24-26,S.24f

[7] Höllick, Jürgen;u.a.: 2004, S.21

[8] Vgl. Höllick, Jürgen;u.a.: 2004, S.20

[9] Vgl. Höllick, Jürgen;u.a.: 2004, S.20f

[10] Vgl.Heering,Christian;u.a.:1997, S.22

[11] vgl.Heering, Christian:2004:S.58

Details

Seiten
20
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656194774
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v193761
Institution / Hochschule
Katholische Fachhochschule Mainz
Note
Schlagworte
dienstübergabe patientenbett akutkrankenhaus

Autor

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Titel: Dienstübergabe am Patientenbett im Akutkrankenhaus