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Bedürfnis, Bedarf und kaufkraftgestützte Kreditnachfrage für Konsum und Investition

Volkswirtschaftliche Entwicklung aus einer anderen Perspektive

Bachelorarbeit 2012 86 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung / Situationsbeschreibung
1.2 Ziel der Bachelor-Thesis
1.3 Vorgehen

2. Die Kreditnachfrage in Deutschland
2.1 Motive für die Inanspruchnahme von Krediten
2.2 Die Gliederung des Finanzmarktes
2.3 Die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung
2.6 Die Entwicklung der Kreditaufnahmen
2.7 Investitionen

3. Die Vorschriften der Kreditvergabe in Deutschland
3.1 Prozess und Prämissen der Kreditvergabe für Privatpersonen
3.2 Die Voraussetzungen der Kreditvergabe für Unternehmen
3.3 Basel I
3.4 Basel II und Basel III
3.5 Scoring-Verfahren für Privatkunden und die SCHUFA Holding
3.5.1 Kreditscoring der Banken
3.5.2 Die SCHUFA-Eigenauskunft
3.6 Ratingverfahren für Firmenkunden

4. Die Chancen und Risiken von Ratings
4.1 Auswirkungen von Ratings für Unternehmen und Selbstständige
4.2 IRB und STA Ansatz
4.3 Konsequenzen der Eigenkapitalanforderungen
4.4 Auswirkungen auf die KMU und Förderbanken
4.5 Die Aufgabe der Europäischen Zentralbank

5. Fazit / Ausblick

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Ziele der Kreditinstitute

Abbildung 2: Ratenkredite im Vergleich

Abbildung 3: Unterscheidung der Kreditmöglichkeiten

Abbildung 4: Bedürfnishierarchie von Maslow

Abbildung 5: Bedürfnis, Bedarf und Nutzen

Abbildung 6: Unterschiedliche Marktteilnehmer auf Finanzmärkten

Abbildung 7: Struktur des Geschäftsbankensystems

Abbildung 8: Kreditbedarf der Wirtschaftsteilnehmer

Abbildung 9: Das Produktionskonto

Abbildung 10: Das Einkommenskonto

Abbildung 11: Das Vermögensänderungskonto

Abbildung 12: Das Kreditänderungskonto

Abbildung 13: Bruttoinlandsprodukt aufgeteilt nach Entstehung,Verwendung,Verteilung

Abbildung 14: Bruttonationaleinkommen der Jahre 2001-2009

Abbildung 15: Bruttonationaleinkommen pro Kopf der Jahre 2000-2009

Abbildung 16: Der einfache Wirtschaftskreislauf

Abbildung 17: Konsumausgaben für die Jahre 2000-2009

Abbildung 18: Entwicklung der Bevölkerung in Deutschland

Abbildung 19: Einkommensentwicklung der Jahre 2000-2009

Abbildung 20: Der erweiterte Wirtschaftskreislauf

Abbildung 21: Kreditvergabe an Privatpersonen der Jahre 2000-2009

Abbildung 22: Kreditvergabe an Selbstständige und Unternehmen der Jahre 2000-2010

Abbildung 23: Bruttoinvestitionen in Deutschland der Jahre 2001-2009

Abbildung 24: Zeitpunkt der Kreditanfrage bestimmt das Durchschnittsgehalt

Abbildung 25: Banktechnische Abwicklung von Ratenkrediten

Abbildung 26: Merkmale der materiellen Kreditwürdigkeit

Abbildung 27: Arten der Sicherheiten eines Kredits

Abbildung 28: Kreditwürdigkeitsprüfung im Überblick

Abbildung 29: Basler Akkord I und II

Abbildung 30: Entwicklung des Basler Regelwerks

Abbildung 31: Die drei Säulen von Basel II

Abbildung 32: Scoring-Modell

Abbildung 33: Beispiel der Berechnung von Scorewerten

Abbildung 34: Segmentierung des Anlagebuchs

Abbildung 35: Bonitätsgewichte Standardansatz

Abbildung 36: Methodenwahl im Kreditrisikobereich

Abbildung 37: Exposureklassen im Standardansatz

Abbildung 38: Bonitätsstufen der BaFin in der Notation von S & P

Abbildung 39: KSA-Risikogewichte für Unternehmen

Abbildung 40: Gewichtungsfaktor und haftendes Eigenkapital nach Basel I

Abbildung 41: Einteilung der Bonitätsgewichte nach Basel 1

Abbildung 42: Einteilung des Risikogewichtes nach dem Standardansatz

Abbildung 43: Verteilung der Umsatzklassen

Abbildung 44: Verteilung der Ratingnoten in der Grundgesamtheit

Abbildung 45: Kerngeschäftsfelder der Bundesbank

Abbildung 46: Leitzinssatzentwicklung der Jahre 2000 bis 2012

Abbildung 47: Inflationsentwicklung der Jahre 2000 bis 2012

Abbildung 48: Inflationsrate- und Leitzinssatzentwicklung im Vergleich

Abbildung 49: Unternehmerkredit nach Basel I und Basel II

Abbildung 50: Umsatzverteilung deutscher Unternehmen

Abbildung 51: Prozentuale Verteilung der Unternehmen nach Bonitätsstufen

Abbildung 52: EK-Hinterlegung der Risikogewichte von B+ bis B-

Abbildung 53: Nutzen für Unternehmen für die Zukunft

1. Einleitung

1.1 Problemstellung / Situationsbeschreibung

Die Kreditvergabe in Deutschland hat sich in den letzten Jahren sowohl für Privatpersonen als auch für Unternehmen verändert und damit die Anforderungen, einen Kredit bei einem Kreditinstitut zu beantragen. War es vor 50 bis 60 Jahren vor der Etablierung des KWG‘s noch fast unvorstellbar, eine Sache mit einem Kredit auf Raten zu bezahlen, werden heute durch mannigfache Kreditangebote Waren mit einer dazugehörigen Finanzierung angeboten. „Das Kreditwesengesetz (KWG) kann man als das „Grundgesetz“ des Kreditwesens bezeichnen (Gesetz über das Kreditwesen vom 10. Juli 1961).“[1] Damit der gestaltete Kreditvertrag zwischen Gläubiger und Darlehensnehmer auch eingehalten wird, sind Prämissen an die Kreditvergabe, u.a. das Kreditwesengesetz oder die Basler Akkord-Richtlinien, geknüpft. „Basel I, abgelöst 2007 durch Basel II fordert strengere Auflagen an die Überprüfung vergebener Kredite.“ [2] „Ziel der neuen Regelung ist es eine größere Stabilität, Sicherheit und Zuverlässigkeit des Finanzsystems zu erreichen, indem die internen Kontrollsysteme und die Geschäftsführung der Banken, die Überprüfung durch die Aufsicht und die Marktdisziplin einen höheren Stellenwert erhalten.“[3]

Viele Bürger in der BRD haben schon einmal einen Kredit in Anspruch genommen, sei es für ein neues Auto als Kfz-Darlehen, als Warenkredit für die Anschaffung neuer Möbel oder aber als freier verfügbarer Konsumentenkredit für andere Investitionen am Haus, für Schönheitsoperationen oder die Tilgung von bereits bestehenden Krediten. „Kreditbedarf bei privaten Haushalten entsteht, wenn Ausgaben anfallen, die aus den laufenden Einkünften oder den Ersparnissen nicht bezahlt werden können.“[4] Selbst europäische Nachbarländer wie Griechenland benötigen Kredite bzw. Hilfspakete in Milliardenhöhe durch die EU, wie aktuell in den Medien berichtet wird, um Verschuldungen und Haushaltsdefizite der letzten Jahre in den Griff zu bekommen um dann ggf. wieder investieren zu können. Die Defizite in Griechenland haben für die Zukunft natürlich sehr hohe Einsparmaßnahmen der Griechen zur Folge. „Als Reaktion auf die schwerste Finanzkrise der Neuzeit folgt nach dem Willen der G20-Staats- und Regierungschefs das umfassendste Programm zu Re-Regulierung der Finanzmärkte. Zu den wichtigsten neuen Regeln gehört Basel III; das sind die am 16.12.2010 vom Baseler Ausschuss beschlossenen Empfehlungen, die jedoch weltweit normative Kraft entfalten (sollten).“[5]

Basel III ist derzeit das aktuellste Vorhaben, welches in 2013 aufgrund der Finanzsituation im Euroland in Kraft treten soll. Damit verbunden werden Finanzkreditinstitute weiter reguliert und die Kreditvergabe an Unternehmen bzw. Privatpersonen werden sich noch mehr an diesen Vorschriften orientieren. Eine der drei Säulen in den bereits umgesetzten Basel II-Vorschriften besagt, dass die Herausgabe eines Kredites nicht ohne eine Mindesteigenkapitalunterlegung erfolgen darf, um das Kreditrisiko kontrollierter zu vollziehen. Die damit zusammenhängenden Kreditvergaberichtlinien haben sich dementsprechend verändert. Ob zum Positiven oder Negativen, soll mit dieser Arbeit näher beschrieben werden.

Diejenigen, die aktuell auf Geldkredite angewiesen sind, diese aber aufgrund veränderter Regulierungen nicht erhalten, müssen zwangsläufig selbst sparen, um dann investieren bzw. konsumieren zu können. Ob Sparen auf der einen Seite, Investitionen auf der anderen Seite sich gegenseitig ausschließen oder sich sogar gegenseitig ergänzen, wird noch näher beschrieben. „Fehlende Investitionen hemmen das Wirtschaftswachstum.“[6] Wenn man sich also in der Lage befindet, sich über eine Finanzspritze Gedanken zu machen, ist die Frage, mit welchen Risiken und Anforderungen die Vergabe eines Kredites behaftet ist. „Kreditinstitute verstehen unter einem Kredit die zeitlich befristete Überlassung von Geldkapital gegen Zinsen. Zinsen sind das Entgelt für die Nutzung des überlassenen Kapitals.“[7] Schließlich will der Kreditgeber sein verliehenes Geld mit Gebühren und Zinsen zurückerhalten, um wirtschaftlich gehandelt zu haben. Denn sonst hätte er sein Geld aus opportunitätsgründen auch selbst am Kapitalmarkt anlegen können und das aufgrund einer Mindestverzinsung mit weniger Risiken. „Den Nutzen, auf den der Mensch durch seine Entscheidung verzichtet, nennt man Opportunitätskosten (lat. Zweckmäßigkeit in einer Situation).“[8] Keiner weiß im Vorfeld, ob der Darlehensnehmer die Rückzahlung über die gesamte Laufzeit einhalten wird. Welche Anforderungen werden bei Kreditbedarf an den Kreditantragssteller gestellt? Welche Sicherheiten sind für die Kreditanfrage erforderlich, um diesen genehmigt zu bekommen? Warum müssen überhaupt Sicherheiten vorhanden sein, damit ein Kredit gewährt wird, schließlich wird eine Kreditanfrage bei einer Bank dann gestellt, wenn Geld benötigt wird? Was ist genau unter einer Sicherheit für die Absicherung eines Kredites zu verstehen? In welchem Maße wirken sich Basel I, II und III auf die Kreditvergabe in Deutschland, und somit auf das Wirtschaftswachstum aus?

1.2 Ziel der Bachelor-Thesis

Diese Bachelor-Thesis beschreibt die Konjunkturzusammenhänge von Wirtschaftswachstum durch die Kreditvergabe (insbesondere nach den Richtlinien von Basel I, II und III sowie das Rating- und Scoring-Verfahren) in Deutschland. Dabei wird insbesondere auf die Kreditanfragen von Privatkonsumenten eingegangen und deren Kreditvergabeprozess erläutert. Die damit zusammenhängenden Richtlinien der Kreditinstitute werden dabei beschrieben, um die Vor- und Nachteile für die Kreditnachfrager darzustellen. Investitionen bzw. Investitionsmöglichkeiten mit der Vergabe von Privatverbraucherkrediten und Unternehmerkrediten werden gegenüber der Entwicklung der Volkswirtschaft bzw. des Bruttoinlandsproduktes gestellt, um das Wirtschaftswachstum durch die Kreditvergabe in Deutschland zu erkennen. Dabei werden aktuelle Daten bzw. Statistiken und Entwicklungen von nachgefragten Privat- und Unternehmerkrediten der letzten Wirtschaftsjahre aufbereitet, um eine Transparenz durch den Zusammenhang der Inanspruchnahme von Krediten und Investitionen zu erhalten. Die mit der Kreditvergabe einhergehende Risikoproblematik für Darlehensgeber und Darlehensnehmer wird erläutert. Denn sowohl der Kreditgeber als auch der Kreditnehmer möchte nach dem ökonomischen Prinzip handeln und mit geringsten Kosten bzw. Risiken die höchstmögliche Rentabilität und damit Bedürfnis- bzw. Gewinnmaximum ihres Einsatzes erreichen. Für Banken ist es daher sehr wichtig, alle persönlichen Daten eines Kreditnachfragers zu kennen, um minimalstes Risiko mit dem Geldverleihen einzugehen und höchsten Profit zu erlangen. „Kreditinstitute streben im Wesentlichen nach drei Zielen: Rentabilität, Sicherheit und Liquidität.“[9]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Darstellung

Abbildung 1 : Ziele der Kreditinstitute

Ein weiteres Ziel dieser Bachelor Thesis ist, die Entwicklung des Wirtschaftswachstums der letzten Jahre in Deutschland auf den Grund zu gehen. Dabei werden die Kernpunkte Bruttosozialprodukt bzw. Bruttoinlandsprodukt, Bruttonationaleinkommen, die Entwicklung von Gehältern, Konsum, Kreditaufnahmen, Investitionen, Verschuldungen der Einwohner in Deutschland in ein Verhältnis zu bringen. Diese Werte werden mit den Richtlinien der Banken und den Kreditvergabeprozess in Verbindung gebracht. Dabei wird untersucht, ob und wie die Veränderungen von Basel I, II oder III, der Kreditprozess bei Banken in Deutschland und Ratings dazu beitragen, das Wirtschaftswachstum zu beeinflussen. „Rating für den Mittelstand wird in den nächsten fünf bis zehn Jahren alle Lebensbereiche durchdringen und unsere Welt verändern.[10] “Wie sich diese Zielsetzung der Kreditgeber in die Praxis umsetzen lassen, wird in Form der Vergaberichtlinien der Banken ausführlich beschrieben. „Die Kapitalbildung in einer Volkswirtschaft ist entscheidend für das wirtschaftliche Wachstum.“[11] Wie hoch das Wachstum durch die Kreditvergabe in Deutschland ist und warum Richtlinien der Banken auch das Wirtschaftswachstum hemmen, wird erläutert. Ist es wichtig eine neue Politik hinsichtlich der Vergabe von Krediten zu vollziehen, oder werden Kredite in Deutschland für Jedermann bereitgestellt? Antworten über die derzeitigen gesetzlichen Gegebenheiten, die Vor- und Nachteile der Nachfrager zu Krediten in ihren persönlichen Situationen wie berufliche Stellung, Einkommensverhältnisse, familiärer Status etc. werden mit dem Scoring-Verfahren in einem Kontext gebracht. Selbst der Nachfragezeitpunkt eines Kredites wird bei sonst gleichen Voraussetzungen bei Banken anders behandelt, dieses wird durch ein Rechenbeispiel augenscheinlich dargestellt.

1.3 Vorgehen

Das erste Kapitel gibt einen groben Einblick über die Problematik der Kreditvergabe in Deutschland. Das Ziel der Bachelor - Thesis wird beschrieben und das Vorgehen mit der Struktur der Arbeit erläutert. Im nächsten 2. Kapitel wird die Motivation für die Inanspruchnahme eines Kredites dargestellt. Dabei werden Bedürfnisse nach ihrer Dringlichkeit dargestellt und die Begriffe Bedarf, Bedürfnis, Nachfrage und Nutzen voneinander abgegrenzt. „Aus dem Spannungsverhältnis der Knappheit der wirtschaftlichen Güter und den unbegrenzt vorhanden Bedürfnissen leiten sich Entscheidungen der Menschen ab, da nicht alle Bedürfnisse gleichzeitig befriedigt werden können.“[12] Das aktuelle Bankensystem mit den Teilhabern auf den Finanzmärkten in Deutschland wird im nächsten Abschnitt beschrieben. Weiter wird die Definition Bank bzw. Kreditinstitut als allgemein gebräuchliche Aussprache erläutert. Dabei wird das zweistufige Bankensystem und die Aufgaben einer Bank erklärt. Im nächsten Stepp wird auf die wichtige Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGA) eingegangen und in Kontenform dargestellt, welche Buchungen in der Volkswirtschaft wann stattfinden. Unterschieden werden dabei Berechnungen nach der Entstehung, Verwendung und Verteilung. Ergänzt werden diese Berechnungen zunächst mit dem einfachen, später mit dem erweiterten Wirtschaftskreislauf. Untermauert werden die theoretischen Erkenntnisse mit aktuellen Daten des Bundesamtes für Statistik aus der Praxis der letzten Wirtschaftsjahre in Deutschland. Dabei werden Konsumausgaben, die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland und das verfügbare Einkommen mit der Entwicklung der Kreditvergabe an Privatpersonen und Unternehmen und Selbstständige dargestellt und erläutert. Auch die Werte von Bruttoinvestitionen in Deutschland werden dargestellt, sowie die Entwicklung des Bruttoinlandsproduktes und des Bruttonationaleinkommens, um diese später in einem Zusammenhang mit dem Kreditvergabevolumen zu bringen.

Das 3. Kapitel beschreibt zunächst die Prämissen einer Kreditanfrage von Privatpersonen und Selbstständigen. Erläutert wird dies anhand je eines Beispiels des Kreditvergabeprozesses der Stakeholder. Der Begriff Kredit- Sicherheiten wird in dem Kontext des Prozesses näher beschrieben und definiert. „Wenn Sie heute zur Bank Ihres Vertrauens gehen, um einen Kredit ... aufzunehmen, beginnt ein intensiver Prozess der Durchleuchtung. Die Bank zieht Sie aus bis aufs Unterhemd, um herauszufinden, ob Sie sich den Kredit überhaupt leisten können.“[13] Ergänzt wird der Kreditvergabeprozess mit einer Differenzierung der veränderten Richtlinien und Mindesteigenkapitalanforderungen der Banken von Basel I, Basel II und Basel III. Die letzten zwei Unterkapitel beschreiben die Methoden und Vorgehensweisen der Überprüfung der Kreditdienstfähigkeit von Privatpersonen und Unternehmen. Dabei werden das Scoring-Verfahren für Privatkunden und die SCHUF A- Auskunft beschrieben, sowie der Ratingprozess für die Kreditvergabe an Selbstständige und Unternehmen. Das Kapitel 4 beschreibt die Vor- und Nachteile von Rating-Verfahren und die Auswirkungen für die Kreditgeber und Kreditnehmer. Die Chancen die sich aus den Rating-Verfahren, aber auch aus der Methodenwahl im Kreditrisikobereich ergeben, werden dargestellt, um die vorherrschende Wahlmöglichkeit nach dem internen und externen Rating der Banken aufzuzeigen. Des Weiteren wird die EZB mit ihren Tätigkeitsfeldern erläutert. In diesem Zusammenhang wird der Leitzins als Mechanismus beschrieben und die Entwicklung der letzten Jahre aufgezeigt. Die Inflationsentwicklung wird mit dem Leitzins in einem Kontext gebracht und die Auswirkungen erklärt. Im Fazit geht es um die Zusammenfassung der Entwicklungen in Deutschland von der Vergabe der Kredite und des Bruttonationaleinkommens bzw. Bruttoinlandsproduktes. Dabei werden zusammenhängende Veränderungen der Kreditrichtlinien mit der Nachfrage nach Krediten auf der einen Seite und dem Konsum auf der anderen Seite dargestellt und eine persönliche und kritische Schlussbetrachtung gegeben.

2. Die Kreditnachfrage in Deutschland

2.1 Motive für die Inanspruchnahme von Krediten

„Definition: Kredit ist die befristete Bereitstellung von Kaufkraft im Vertrauen auf fristgerechte Rückzahlung gegen Entgelt (Zins und Kosten). Zinsen (lat. censere = zählen) sind laufzeitabhängige Vergütungen für die Kapitalnutzungsmöglichkeit, Kosten sind Vergütungen für sonstige Aufwendungen.“[14] Seit mehreren Jahrzehnten wird den Kunden bzw. Nachfragern für den Erwerb von Waren oder Dienstleistungen die Möglichkeit einer Kreditfinanzierung angeboten. „Das Privat­/Verbraucherkreditgeschäft umfasst die Kreditarten, die der Konsumfinanzierung der privaten Haushalte dienen. Es werden Personenkraftwagen, Motorräder, Wohnmobile, Wohnungseinrichtungsgegenstände wie Küchen- oder Wohnzimmermöbel, Fernseher, DVD-Recorder oder Musikanlagen, Reisen, Mietkautionen, Ausbildungskosten und vieles mehr finanziert. [15] “ Die Rückzahlungsverpflichtung des Kredites wird schriftlich anhand eines Kreditvertrages festgehalten und von Kreditgeber und Kreditnehmer unterschrieben. „Der Ratenkredit/das persönliche Anschaffungsdarlehen/der Kleinkredit wird als fester Darlehensbetrag Privatkunden mittel- oder langfristig zur Verfügung gestellt und in vereinbarten Raten zurückgezahlt. [16] “ Je nach Ware und Finanzierungsart sind für den Kreditvertrag wichtige Details für das Zustandekommen dieses Vertrages im Vorfeld zu klären, die im Abschnitt 3 noch näher beschrieben werden. Doch warum ist es überhaupt notwendig, einen Kredit in Anspruch zu nehmen, denn man weiß, dass ein Kredit eine Verteuerung der begehrten Ware bzw. des Gutes bedeutet? Je nach Laufzeit und Rückzahlung kann sich der Preis des Gutes durch Gebühren und Zinsen vervielfachen. „Eine Maßnahme zur schnellen Befriedigung materieller Bedürfnisse ist die Aufnahme von Krediten.“[17] Im Prinzip ist die Ware heute in den Besitz zu bekommen attraktiver, als den Warenwert über die Zeit selbst anzusparen, um sich dann die Ware oder das Gut zu leisten. „Die Laufzeiten und die Höhe der von den Kreditinstituten angebotenen Darlehen sind unterschiedlich. Sie bewegen sich meistens in der Höhe von 1000,00€ bis 25.000,00€ und haben Laufzeiten von 6 - 72 Monaten. [18] “ Die Zinsen sind bonitätsabhängig und liegen je nach Laufzeit zwischen 6,99% und 12,99%. Das folgende Berechnungsbeispiel der Santander Consumer Bank Best Kredit gibt einen Überblick einer Privatkreditaufnahme in Höhe von 25.000,-€. Dabei werden Laufzeiten von 12, 24, 48, 60 und 84 Monaten bei einem gleichbleibenden Zinssatz von 7,98% miteinander verglichen und Dargestellt. Diese Gegenüberstellung zeigt, welcher Gesamtdarlehensbetrag bei verschiedenen Laufzeiten zurückzuzahlen ist:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Santander Best Kredit (Eigene Darstellung)

Abbildung 2: Ratenkredite im Vergleich

In der Abbildung 2 ist zu erkennen, je länger die Kreditlaufzeit, desto geringer die monatliche Rate, umso höher der Gesamtdarlehensbetrag. Der Gesamtdarlehensbetrag hängt zusätzlich von der Hinzurechnung einer RSV ab, die seitens der Bank zur Absicherung des Kredits gewünscht wird. „Die Restschuldversicherung wird in Verbindung mit Konsumentenkrediten angeboten. Sie ist eine spezielle Lebensversicherung und kann mit einer Arbeitsunfähigkeits-Zusatzversicherung oder einer Krankenhaustagegeldversicherung kombiniert werden.[19] “ Die RSV dient also der Absicherung gegen die Folgen von Arbeitslosigkeit, Berufsunfähigkeit, Unfall und schlimmstenfalls Tod, da es in diesen Situationen erfahrungsgemäß zu Einkommenseinbußen und somit zu Rückzahlungsschwierigkeiten kommen kann.

Man verzichtet mit der Kreditaufnahme bei der Bank auf Zinserträge des geliehenen Geldes, die man hätte alternativ bei einem Sparvertrag bekommen können. Dafür nimmt die Erhöhung des Preises des umworbenen Gutes oder Dienstleistung bzw. Investition in Kauf. „Ein Maß für die Knappheit eines Gutes kann man im Preis eines Gutes finden. Allgemein und noch nicht zureichend genau ausgedrückt zeigt der Preis eines Gutes uns an, auf was beziehungsweise wie viel man verzichten muss, um ein Gut zu erlangen. [20]“ Für den Anreiz eine Ware bzw. ein Gut heute zu besitzen gibt es unendlich viele Vorstellungen von Bedürfnisbefriedigungen bzw. Investitionsvorstellungen, um sich diese aktuell zu erfüllen. „Die Nachfrager spielen in Märkten eine zentrale Rolle, denn ohne sie kämen Marktprozesse nicht zu Stande. [21]“ Aber nicht nur Verbraucher fragen Privatkredite bei Banken an, auch Unternehmen oder auch der Staat möchten mit Bankkrediten die Liquidität erweitern, um beispielsweise zu wachsen. Die kommende Abbildung 3 gibt einen Überblick über verschiedene Kreditarten und deren Merkmale:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an Bacher, U. (2011), S. 255

Abbildung 3: Unterscheidung der Kreditmöglichkeiten

Welche Bedürfnisse es im Einzelnen gibt, ist individuell zu betrachten. Bedürfnisse lassen sich einstufen in extrinsische Motive, intrinsische Motive und soziale Motive. Extrinsische Motive liegen vor, wenn man ein Produkt- oder eine Dienstleistung selbst nutzen möchte. Diese Art von Bedürfnisbefriedigung liegt in der Ursache von außen her, beispielsweise durch gesehene Werbung im Fernsehen. Intrinsische Motive hingegen erfährt man durch das Nutzen eines Gutes selbst, beispielsweise durch vorrübergehende Nutzung eines geliehenen Neuwagens, welcher den Anreiz von innen heraus gibt, diesen besitzen zu wollen. „Der Begriff intrinsische Motivation bezeichnet das Bestreben, etwas um seiner selbst willen zu tun (weil es einfach Spaß macht, Interessen befriedigt oder eine Herausforderung darstellt). Bei der extrinsischen Motivation steht dagegen der Wunsch im Vordergrund, bestimmte Leistungen zu erbringen, weil man sich davon einen Vorteil (Belohnung) verspricht oder Nachteile (Bestrafung) vermeiden möchte. [22] “ Um einen Überblick zu den verschiedensten Bedürfnissen zu geben, soll die folgende Abbildung 4 dienen. Die Bedürfnispyramide wurde nach dem US-amerikanischen Psychologen Abraham Maslow im Jahre 1943 veröffentlicht und spiegelt diejenigen Bedürfnisse wieder, die ein Mensch in seinem Leben hat. Als Pyramide baut sich eine Bedürfnisbefriedigung vom Grund her mit den natürlichen physiologischen Bedürfnissen auf und erweitert sich stufenweise, wenn die Bedürfnisbefriedigung der einen Stufe stattgefunden hat, bis zur Spitze über die nächsten Stufen der Sicherheits-, Sozial-, Prestige- und Selbstverwirklichungsbedürfnisse. Um die nächste Stufe auf der Pyramide zu erreichen, sind meistens finanzielle Mittel erforderlich. „Diese Betrachtungsweise ist jedoch idealtypisch, da es Menschen gibt, denen Prestige bspw. wichtiger ist als die Pflege sozialer Kontakte. Auch ist es unwahrscheinlich, dass Bedürfnisse immer komplett befriedigt werden. Vielmehr kommt es auf eine relative Bedürfnisbefriedigung an, die dem Situationsempfinden eines Konsumenten angemessen ist.“[23]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an Meffert, H., Burmann, C., Kirchgeorg, M. (2008), S.120

Abbildung 4: Bedürfnishierarchie von Maslow

„Die Empfindung eines Mangels, verbunden mit dem Wunsch, den Mangel zu beseitigen, bezeichnen wir als Bedürfnis, die Minderung des Mangelgefühls als Bedürfnisbefriedigung und das Ausmaß der Bedürfnisbefriedigung als Nutzen. [24] “ Die Frage die sich mit der Bedürfnispyramide stellt, ist, ob es einen Zusammenhang von Bedürfnisbefriedigung für das Individuum auf der einen Seite, zur Wertschöpfung und somit zum Wirtschaftswachstum auf der anderen Seite gibt und welchem Verhältnis diese zueinander stehen. Auf die Marktstruktur bezogen lassen sich Bedürfnisse von Bedarf unterscheiden. „Wird ein Bedürfnis konkretisiert, entsteht ein Bedarf als nunmehr ökonomisches Phänomen. Dabei handelt es sich um einen als Mangel erlebten Wunsch nach dem Erwerb eines Wirtschaftsgutes, dessen Besitz, Ge- oder Verbrauch die Befriedigung von Bedürfnissen verspricht.“ [25] „Zu unterscheiden ist in diesem Zusammenhang der ursprüngliche (originäre) Bedarf der privaten Haushalte (Konsumenten) vom abgeleiteten (derivativen) Bedarf der gewerblichen Unternehmungen.“ [26] Die folgende Abbildung 5 gibt den Zusammenhang von Bedürfnis und Bedarf und somit die kaufkraftgestützte Nachfrage wieder:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an Freiling, J., Reckenfelderbäumer, M. (2007), S. 99

Abbildung 5: Bedürfnis, Bedarf und Nutzen

„Wird der Bedarf durch entsprechende Kaufkraft gestützt, so entsteht die Nachfrage. Die Kaufkraft ist insofern mit entscheidend dafür, dass die Befriedigung vorhandener Bedürfnisse letztendlich gelingen kann. [27] “ Die Höhe der Kreditnachfrage bei Privatpersonen und Selbstständigen bzw. Unternehmen wird in den nächsten Kapiteln konkretisiert. Es scheint, wie die Abbildung 5 zeigt, dass durch ein Bedürfnis als vorökonomisches Phänomen über die Konkretisierung des Bedarfs und damit verbunden den Willen, ein Wirtschaftsgut zu besitzen, zu gebrauchen oder es zu verbrauchen als ökonomisches Phänomen die Nachfrage dessen durch Kaufkraft zu stützen, um schließlich den Nutzen dieses Gutes als Bedürfnisbefriedigung zu vollziehen.

2.2 Die Gliederung des Finanzmarktes

Auf dem Finanzmarkt gibt es viele Anbieter von Finanzdienstleistungen, Banken und Kreditinstituten. Auf der anderen Seite gibt es viele Nachfrager nach den Produkten dieser Anbieter. Die Abgrenzung des Marktes in Monopol-, Oligopol- oder Polypolmärkte in der Literatur versteht sich grundlegend als schwierig, da es keine exakte Abgrenzung in Zahlengrößen gibt. So lässt sich für die Marktformen allgemein folgendes festhalten: „Im Polypol gibt es so viele Anbieter und Nachfrager, dass jeder nur einen Bruchteil zu gesamten Angebot bzw. zur gesamten Nachfrage beiträgt. Die Nachfrage ist aufgrund einer preispolitischen Maßnahme einer Firma nur für diese, nicht aber für ihre Konkurrenten spürbar beweglich. [28] “ Ob und in welchem Verhältnis sich der Finanzdienstleistungsmarkt bewegt, soll nicht Ausführung dieser Arbeit sein. Die Tendenz bei vielen Anbietern und Nachfragern von Bankprodukten durch Kreditinstitute ist eher in der Marktform Polypol zu sehen, ggf. im Angebotsoligopol. Die zweite extreme und gegensätzliche Marktform zum Polypol, das zweiseitige Monopol, kann in jedem Fall ausgeschlossen werden, da es bei dieser Konstellation nur einen Anbieter und einen Nachfrager gibt.

Wie bereits kurz geschildert sind die Nachfragemotive zur Aufnahme von Krediten sehr unterschiedlich. Die Bedeutung des Kredits für den Privatkunden sind beispielsweise eine Kaufkrafterhöhung, für das Unternehmen eine Investitionskraft oder die Möglichkeit zur Steigerung der Produktivität. Für eine Volkswirtschaft bedeutet es die Ankurbelung der Wirtschaft. Wer die Akteure auf dem Finanzmarkt sind, gibt die folgende Darstellung 6 auf der nächsten Seite im Allgemeinen wieder:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an Tolkmitt, V. (2004), S. 17

Abbildung 6: Unterschiedliche Marktteilnehmer auf Finanzmärkten

In Deutschland wird ein sog. zweistufiges Bankensystem verfolgt. Wie in der Abbildung 6 zu erkennen, sind damit inländische Geschäftsbanken auf der einen, auf der anderen Seite Zentralbanken gegenübergestellt. „Die Zentralbanken agieren auf den Märkten, um die Geldversorgung sicherzustellen und dabei die Geldwertstabilität zu bewahren. Sie verhalten sich dabei weitgehend als gleichberechtigte Marktakteure und weniger als Regulierungsinstanzen. Zu den professionellen Marktteilnehmern zählen alle in- und ausländischen Geschäftsbanken. Nichtbanken gelten, soweit sie im Wirtschaftsleben eine besondere Stellung einnehmen, die sich aus entsprechenden Finanzmarktaktivitäten ergibt, als semiprofessionelle Akteure.“ [29] „Die Deutsche Bundesbank übt weiterhin die klassischen Aufgaben einer Zentralbank aus. Sie begibt nach Beschluss der EZB Banknoten, sie ist Bank der Banken und Bank des Staates sowie Verwalterin der Währungsreserven.“ [30]

Im Gegensatz zur EZB gehört es zu den Hauptaufgaben der Geschäftsbanken, Produkte der Finanzdienstleistungen, u.a. Girokonten, Tagesgeldanlagen, Krediten, Versicherungen, Bausparverträge oder Lebensversicherungen, für die Endkunden bereitzustellen. „Betriebswirtschaftlich gesehen sind Banken Dienstleistungsbetriebe, die Geld- und Kapitalanlagen, Finanzierungen, Zahlungsabwicklungen und sonstige Leistungen (z.B. Beratung, Risikoübernahme, Vermittlung und Verwaltung) anbieten.“ [31] „Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute werden aus Gründen der gesetzestechnischen Vereinfachung auch als Institute bezeichnet.“ [32]

Die folgende Abbildung 7 spiegelt die Unterteilung der Universalbanken wieder (Stand Mitte 2011). Diese teilen sich in S-Finanzgruppe (öffentlich-rechtliche), genossenschaftlicher Finanzverbund sowie Kredit- und Privatbanken auf. Die S- Finanzgruppe hat 430 Sparkassen, 10 Landesbanken und 7 Girozentralen und eine DGZ-Deka Bank. Der genossenschaftlicher Finanzverbund ist in 1140 Kreditgenossenschaften und einer DZ Bank präsent. Die Kredit- und Privatbanken gliedern sich in 4 Großbanken inklusive der Deutschen Postbank AG und 170 Regionalbanken bzw. Sonstige. Daneben sind Spezialinstitute auf dem Finanzmarkt tätig, die sich in Realkreditinstitute bzw. Bausparkassen einteilen. Weitere sind Kapitalanlagegesellschaften, Wertpapierbanken, Bürgschaftsbanken, Kreditinstitute mit Sonderaufgaben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an Bacher, U. (2011), S. 13

Abbildung 7 : Struktur des Geschäftsbankensystems

Den Universalbanken stehen die (Kredit-) Nachfrager mit unterschiedlichen Bedürfnissen gegenüber. Diese lassen sich wie folgt darstellen:

Quelle: In Anlehnung an Grill, H, Perczynski, H., Int-Veen, T., Menz, H., Platz, S. (2010), S.363

Abbildung 8: Kreditbedarf der Wirtschaftsteilnehmer

Die Stakeholder sind private Haushalte, die Privatkredite nachfragen, Unternehmen bzw. Selbstständige im Allgemeinen die Firmenkredite benötigen und der Staat als öffentlicher Haushalt, der Kommunalkredite erhält.

2.3 Die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung

Um das Wirtschaftswachstum zu berechnen, gibt es allgemeine volkswirtschaftliche Formeln. „Die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR) stellt sich zur Aufgabe, das Wirtschaftsgeschehen in einer Volkswirtschaft quantitativ anhand aussagefähiger Kennzahlen wiederzugeben.“ [33] Zu unterscheiden sind in der VGR die Betrachtung nach Entstehung, Verwendung und Verteilung. Folgende Formeln sind relevant:

Y = C + I

Entschlüsselnd steht das Y für das Einkommen, das C für Konsum und das I für Investitionen. Diese Gleichung nennt man die Einkommensentstehungsgleichung, da sie das Sozialprodukt dort misst, wo es entstanden ist, nämlich als Summe der Faktoreinnahmen. „Aus der Sicht der Unternehmen entsteht das Einkommen durch den Verkauf der Konsumgüter an die Haushalte und durch die Produktion der Investitionsgüter, die im Unternehmenssektor verbleiben.“ [34] Erweitern bzw. verändern lässt sich diese Formel hinsichtlich des Aspektes Sparen (S). Aus der Sicht der Haushalte, die das Einkommen für Konsumausgaben und Sparen verwenden, entsteht die Einkommensverwendungsgleichung:

Y = C + S

Im Umkehrschluss lassen sich die Einkommensentstehungs- und die Einkommensverwendungsgleichung gleichsetzen:

C + I = C + S

Eine weitere Gleichung erhält man mit der Annahme, dass das Einkommen komplett für den Konsum ausgegeben wird. Man spricht in diesem Fall von einer stationären Wirtschaft und die Gleichung heißt dann:

Y = C

Die Formel sagt aus, dass die Summe der Investitionen von Unternehmen gleich die Summe der Ersparnisse der Haushalte ergibt. „In diesem Fall stimmen die geplanten und die realisierten Größen überein, weil die Haushalte genauso viel gespart haben, wie die Unternehmen bereit waren, zu investieren. In der Wirklichkeit kann es nur ein Zufall sein, dass am Anfang einer Rechnungsperiode (=exante) und am Ende einer Wirtschaftsperiode (=expost) eine völlige Übereinstimmung kommt.“ [35] Um die Auswirkungen von Einkommen, Produktion und damit Aufwendungen, Investieren und Sparen darzustellen, lassen sich diese Sachverhalte überschaubarer in T-Konten aufstellen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wie in der Abbildung 9 zu erkennen ist, spiegelt dieses Konto den klassischen unternehmerischen Einnahmen- / Ausgabenprozess (im Fachjargon auch Gewinn und Verlustkonto oder abgekürzt GuV genannt) ab, wobei Aufwendungen (Zinsaufwendungen, Mieten, Gehälter, Löhne, Instandhaltungen, Versicherungen, etc.) im Soll, Erträge (Umsätze, Mieteinnahmen, Zinserträge, etc.) im Haben gebucht werden. Ist ein Gewinn zu verzeichnen, d.h. sind die Erträge höher als die Aufwendungen, ist die Gegenbuchung auf der Sollseite mit einem Gegenkonto auf der Habenseite zu tätigen. „Die GuV hat das Ziel, den periodischen Erfolg mit verschiedenen Zwischensaldi aufzuzeigen. Von Bedeutung in diesem Zusammenhang ist das Wort periodisch, den die GuV ist ein Zahlenwerk, das alle relevanten Geschäftsvorfälle vom ersten bis zum letzten Tag der Periode aufsummiert.“ In der Buchführung gibt es nach den Regeln der doppelten Buchführung mit einer Buchung auf dem einen Konto immer eine Gegenbuchung zu tätigen. Diese wird auf das Einkommenskonto folgendermaßen vollzogen:

[...]


[1] Richard, W., Mühlmeyer, J., (2011), S.26

[2] Neckel, S., (2005), S.1

[3] Gerdes, C. (2003), S. 1

[4] Grill, H., Perczynski, H., Int-Veen, T., Platz, S., (2010), S. 363

[5] Hofmann, G., (2011), S.1

[6] Neckel, S., (2005), S.1

[7] Grill, H., Perczynski, H., Int-Veen, T., Platz, S., (2010), S. 363

[8] Umlauf, J., (2005), S. 1

[9] Everling, O., (2001), S. 29

[10] Richard, W., Hartmann, G., Boller, E., (2009), S. 46

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[19] http://de. wikipedia.org/wiki/Motivation

[20] Meffert, H., Burmann, C., Kirchgeorg, M. (2008), S.120

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[29] Tolkmitt, V. (2004) S. 17

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[31] Becker, P., Peppmeier, A., (2011), S. 14

[32] Becker, P., Peppmeier, A., (2011), S. 14

[33] Behrens, C.-U., Kirspel, M., (2001), S. 219

[34] Seidel, H., (2011), S. 76

[35] Seidel, H., (2011), S. 77

Details

Seiten
86
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656188728
ISBN (Buch)
9783656189640
Dateigröße
957 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v193776
Institution / Hochschule
BA Hessische Berufsakademie
Note
2,7
Schlagworte
kreditvergabeprozess deutschland investitionen unternehmen privatverbraucher auswirkungen wirtschaft

Autor

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Titel: Bedürfnis, Bedarf und kaufkraftgestützte Kreditnachfrage für Konsum und Investition