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Der Einfluss von Führungsverhalten auf betriebliche Fehlzeiten

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 23 Seiten

Gesundheit - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt:

1. Einleitung

2. Betriebliche Fehlzeiten
2.1 Was sind Fehlzeiten?
2.2 Krankheits- und motivationsbedingten Fehlzeiten
2.2.1 Ausmaß und die Entwicklung des Kran- kenstandes
2.2.2 Ursachen für die Entwicklung des Kranken- standes
2.2.3 Häufige Krankheiten bei Arbeitsunfähig- keit
2.2.4 Zwischenfazit

3. Arbeitsunfähigkeitszeiten und Führung
3.1 Handlungskontext und Wirkung von Führungs- kräften
3.2 Gesundheitsgerechte Mitarbeiterführung
3.2.1 Gesundheitsschädigende Mitarbeiterführung
3.2.2 Gesundheitsfördernde Mitarbeiterführung

4. Fazit

Literatur

Hinweis:

Der Schweizer Arzt und Autor Jürg Willi prägte einmal den Satz: „Wenn man/frau mit sei- ner/ihrer Partner/in zusammenleben will, so wird er/sie zu ihr/ihm in ihre/seine Wohnung ziehen“. Solche Sätze wollte ich in dieser Arbeit vermeiden, ich bitte daher die Leserinnen und Leser um Verständnis, dass ich mich daher ausschließlich für die männliche Sprach- form entschieden habe.

1 Einleitung

Beschäftigte bilden meist den wesentlichen Kostenfaktor sowohl im Produktions- als auch im Dienstleistungsbereich und so hat betriebliches Fehlzeitenmanagement unter kosten- und ressourcenrelevanten Gesichtspunkten eine entsprechend große Bedeutung für unternehmerisches Handeln.

Unterschiedliche Beeinflussungsmöglichkeiten, wie Fehlzeitengespräche, Verbesserung von Arbeitsbedingung und Gesundheitspräventionsmaßnahmen, werden heute angewandt, um das Ausmaß der Fehlzeiten zu verringern. Dabei lässt sich nachweisen, dass insgesamt der Krankenstand in Deutschland seit Jahren deutlich gesunken ist (BKK 2008, Quelle Internet S. 1). Waren es im Jahr 1991 z.B. noch 25 Krankentage je Versichertem der BKK, reduzierte sich deren Anzahl auf 12,4 Tage im Jahr 2006.

Ursächlich für diese Entwicklung scheint aber in erster Linie die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes zu sein, sodass geringere Arbeitsunfähigkeitstage weniger eine Folge der eingeleiteten Maßnahmen und eine Frage höherer Gesundheit, ist als vielmehr ein Fall von „Präsentismus“.

Verstärkt in den Blick von Unternehmensleitung gerät zunehmend die Frage, in wie fern Führungsverhalten ebenfalls als Einfluss- und Steuerungsfaktor ange- sehen werden kann. In mehreren Studien wurde der Einfluss von Führungsverhalten von Vorgesetzten auf die Arbeitsqualität der Mitarbeiter (Fuchs 2006) oder den allgemeinen Gesundheitszustand (Wilde et al. 2008, S. 102) untersucht. Die Ergebnisse zeigen einen eindeutigen und direkten Zu- sammenhang und geben Hinweise auf gesundheitsförderndes Führungs- verhalten.

In dieser Arbeit soll daher die Frage genauer erörtert werden, welchen Einfluss Führungsverhalten auf betriebliche Fehlzeiten hat. Es sollen zunächst die Er- scheinungsformen, das Ausmaß und die Ursachen betrieblicher Fehlzeiten be- leuchtet werden, um dann den Einflussfaktor „Führungsverhalten“ als ein mögliches Instrument zur Reduzierung von Fehlzeiten zu betrachten und in Beziehung setzen zu können. Dabei wird sowohl Bezug genommen auf diesbe- zügliche Veröffentlichungen als auch die persönlichen Erfahrungen des Autors als langjähriger Geschäftsführer zweier mittelständischer Unternehmen im Bereich des Gesundheitswesen und als freiberuflicher Trainer von Personalentwicklungsmaßnahmen bei Führungskräften.

2 Betriebliche Fehlzeiten

Im Jahr 2006 erreichten die Fehlzeiten in Deutschland mit 3,5% einen histori- schen Tiefstand (Brandenburg/Nieder 2009, S. 11). Inzwischen steigen die Zahlen wieder, insbesondere im Bereich der psychischen Erkrankungen kommt es zu deutlichen Steigerungsraten und unter dem Gesichtspunkt von Konkur- renzfähigkeit und Wirtschaftlichkeit wird diese Entwicklung von vielen Unternehmen als ein hoher Risikofaktor angesehen, den es gilt, im Hinblick auf einen dauerhaften unternehmerischen Erfolg, auf ein höchst mögliches Maß zu minimieren.

2.1 Was sind Fehlzeiten?

Betriebliche Fehlzeiten sind genau genommen nicht nur krankheitsbedingte oder motivationsbedingte Fehlzeiten sondern auch Abwesenheitszeiten durch Urlaub, Fortbildung, Dienstreisen oder anderweitige gesetzliche geregelte Ab- wesenheitszeiten. Allgemein formuliert sind Fehlzeiten alle Zeiten, in denen der Arbeitnehmer seine Arbeitskraft dem Arbeitgeber nicht zur Verfügung stellt. Ein besonderes Augenmerk kommt dabei dem betrieblichen Kranken- stand zu, der mit über 50% den höchsten Anteil der Fehlzeiten ausmacht (Brandenburg/Nieder 2009, S.13). Auch wenn Brandenburg und Nieder mit der 50%-Angabe irrt, da der größte Teil der Fehlzeiten durch Urlaub zu Stande kommt, mindert es nicht die Notwendigkeit des Blickes auf die krankheitsbe- dingten Fehlzeiten. Wobei noch unterschieden werden sollte zwischen medizi- nisch notwendigen und motivationsbedingten Arbeitsunfähigkeitszeiten. Wäh- rend gesetzlich geregelte Fehlzeiten feststehen und daher nicht beeinflussbar sind, können Unternehmen u.a. durch betriebliche Gesundheitsförderung ein- wirken auf medizinisch notwendige und motivationsbedingte Abwesen- heitszeiten.

Fehlzeiten können sich negativ auf die Wettbewerbssituation auswirken, da sie sowohl die Produktionsabläufe beeinflussen als auch die Zusammenarbeit und das Miteinander Beschäftigten tangieren. Unternehmen betrachten daher Fehl- zeiten im Sinne von Arbeitsunfähigkeitszeiten nach drei unterschiedlichen Ge- sichtspunkten: Fehlzeiten als Kostenfaktor, Fehlzeiten als Störfaktor und Fehl- zeiten als Signal oder Reaktion auf unbefriedigende Zustände am Arbeitsplatz (Brandenburg/Nieder 2009, S. 52).

Arbeitsunfähigkeitszeiten bedeuten aufgrund der bestehenden Lohn- und Ge- haltsfortzahlungsregelungen für ein Unternehmen ein erheblicher Kostenfaktor. Dazu eine Beispielrechnung für ein Unternehmen mit 1000 Mitarbeiter: Bei einem Krankenstand von 5,0%, (50 MA) einer durchschnittlichen Gehaltser- satzleistung von 190.-€ täglich/Mitarbeiter ergibt sich ein Betrag von 9.500.-€ Ersatzleistung pro Tag. Bei ca. 220 Arbeitstagen pro Jahr bedeutet dies ein Ge- samtsumme in Höhe von 2.090.000.-€ pro Jahr. Eine Reduzierung der Arbeitsunfähigkeitszeit um 1% auf 4,0% würde in diesem Fall eine Summe von 418.000.-€ / Jahr an Ersatzleistungsreduzierung ausmachen.

Fehlzeiten haben aber nicht nur direkte finanzielle Folgen für ein Unternehmen, sondern auch indirekte Auswirkungen entstehen zum Beispiel durch hohe Versicherungskosten, sinkende Produktivität, hohe Fluktuation der Mitarbeiter, sinkende Artaktivität als Arbeitgeber und ein schlechtes Außenimage. Sie erweisen sich daher auch als Störfaktor für die Kollegen durch zusätzliche Belastung und Zwang zur Mehrarbeit, zwingen die Vorgesetzten zu organisatorischen Maßnahmen, wie Regelung der Stellvertretung und führen zu einen weiteren Erfolgsdruck zur Fehlzeitenreduzierung.

Fehlzeiten können auch ein Signal oder Symptom dafür sein, dass von betrieb- licher Seite etwas nicht stimmt und verändert werden sollte. Sie können somit auch Anlass einer genaueren Analyse der Gegebenheiten sein und somit die Chance bieten einer Verbesserung der Bedingungen. Denn Mitarbeiter bleiben erfahrungsgemäß seltener zu Hause, wenn sie sich im Unternehmen wohl füh- len.

Fehlzeiten als wesentlichen Indikator für den Gesundheitszustand der Beschäftigten zu sehen, so wie es Böhlert darstellt, der sie als „das auffälligste Indiz für die Gesundheitssituation der Beschäftigten“ (Böhlert 2010, S.5) sieht, ist allerdings nach Ansicht des Autors zu kurzsichtig und vernachlässigt die Betrachtung motivationsbedingten Fehlzeiten und der verschiedenen Motivlagen für Anwesenheit am Arbeitsplatz.

So verschiedenartig die Auswirkungen von Fehlzeiten auch sind, so vielfältig sind auch ihre Ursachen. Hier können zum Beispiel die persönliche Lebenssi- tuation, die Wohnverhältnisse, die wirtschaftliche Situation, das Geschlecht, die Einstellung zur Arbeit, die Qualifikation und nicht zu vergessen auch der tat- sächliche gesundheitliche Zustand des Beschäftigten eine Rolle spielen, aber auch die organisatorischen Bedingungen und sozialen Faktoren im Unterneh- men können maßgeblich sein.

Die Einflussfaktoren für das Entstehen von Fehlzeiten sind vielfältig, in der Literatur werden nach Angaben von Brandenburg und Nieder (2009, S. 14) mehr als 200 Faktoren benannt. Zusammenfassend lassen sich mit folgender Grafik darstellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.2 Krankheits- und motivationsbedingten Fehlzeiten

Laut Angaben der BKK (vgl. BKK 2009, Quelle Internet, S.1) stieg der Anteil der Krankentage bei den Beschäftigten im Jahr 2007 im Vergleich zum Vorjahr erstmals seit langem wieder an. Aber nicht bei allen „Krankentagen“ liegen tatsächliche medizinische Ursachen zu Grunde, viele resultieren aus der persön- lichen Entscheidung des Mitarbeiters, zu Hause zu bleiben. In solchen Fällen spricht man von „Absentismus“, der im Wesentlichen motivationsbedingt ist. Krankheitstage haben somit zwei Dimensionen und zwar eine medizinische und eine psychologische. Vor allem in der Grauzone zwischen Krankheit und Ge- sundheit ist die Unterscheidung über den „wahren“ Grund der Fehlzeit sehr schwierig. Denn selten ist jemand völlig gesund oder völlig krank. Gesundheit und Krankheit sind vielmehr die Endpunkte einer Messlatte des körperlichen, seelischen und sozialen Befindens. Auf dieser bewegen sich Menschen im Ver- lauf ihres Lebens ständig hin und her - je nachdem, welchen Risiken sie ausgesetzt sind, über welche Ressourcen sie verfügen und wie sie mit beidem umgehen (vgl. Krämer 1998).

2.2.1 Ausmaß und die Entwicklung des Krankenstandes

Nach einer über Jahre hinweg rückläufigen Entwicklung der Krankentage ver- öffentlichen die Krankenkassen für das Jahr 2008 zum zweiten Mal hintereinander wieder ansteigende Krankheitstage (vgl. Grafik 1). Mit knapp 3,7% Krankentage bei BKK-Versicherten wurde der Jahresdurchschnitt von 2007 um 0,2% und der von 2006 um 0,3% überschritten. Bei - wie eingangs erwähnt - durchschnittlich 13,4 Arbeitsunfähigkeitstagen (AU-Tage = Kalen- dertage) pro beschäftigtem Pflichtmitglied liegen die Fehlzeiten jedoch immer noch auf einem relativ niedrigem Niveau (BKK 2009, S. 9). AOK-Mitgliedern liegen bei der Anzahl der jährlichen Krankheitstage vergleichsweise höher, hier waren es im Jahr 2008 16,9 Tage und in 2007 16,4 Tage (Macco, Schmidt 2009, S. 275). Die Techniker Krankenkasse (TKK 2010, S. 32) macht über ihre Versicherten folgende Angaben: Im Jahr 2006 waren es 10,64 AU-Tage, in 2007 11,20AU-Tage und in 2008 11,57 AU-Tage. Wie wir sehen können un- terscheiden sich die Krankenstände der einzelnen Kassenarten zum Teil erheblich. Die Ursachen hierzu dürften in den unterschiedlichen Mitgliederkreisen bzw. deren Berufs- und Alters- sowie Geschlechtsstrukturen liegen (vgl. Busch 2009, S. 426). Zur Erhebungsmethodik sei gesagt, dass der Kranken- stand auf der Basis von Stichtagserhebungen der gesetzlichen Krankenkassen errechnet wird. An den zwölf Monatsersten und dem 01.01. des Folgejahres wird der prozentuale Anteil der arbeitsunfähigen Pflichtmitglieder ermittelt und auf dieser Grundlage ein Jahresmittelwert errechnet. Die Daten werden vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) zusammengefasst veröffentlicht. Da die statistische Erfassung der Arbeitsunfähigkeit primär auf die AU- Bescheinigung des behandelten Arztes abgestellt ist, können insbesondere bei den Kurzzeitarbeitsunfähigkeiten Untererfassungen auftreten. Ist während der ersten drei Tage eines Fernbleibens von der Arbeitsstelle wegen Krankheit dem Arbeitsgeber keine AU-Bescheinigung vorzulegen (durch Gesetz oder Tarifver- trag), so erhält die Krankenkasse nur in Ausnahmefällen Kenntnis hiervon (Busch 2009, S426).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grafik 1: Entwicklung des Krankenstandes Quelle: BMG 2010, Quelle Internet

Die o.g. Trendwende hat sich auch in den folgenden Jahren weiter fortgesetzt, inzwischen werden für das Jahr 2010 Zahlen veröffentlicht die darauf hindeu- ten, dass der Anstieg der Krankmeldungen sich doch erheblich erhöht.

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Details

Seiten
23
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656190028
ISBN (Buch)
9783656192213
Dateigröße
802 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v193824
Institution / Hochschule
Leuphana Universität Lüneburg
Note
1,0
Schlagworte
Gesundheit Fehlzeiten Psychische Störungen Rolle von Führungskräften

Autor

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