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Qualitative Inhaltsanalyse

Forschungsarbeit 2011 27 Seiten

Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Inhaltsanalyse

3. Qualitative Inhaltsanalyse
3. 1 QUALITATIVE VS. QUANTITATIVE ANALYSE
3. 2 ÜBERWINDUNG DES GEGENSATZES QUALITATIV-QUANTITATIV

4. Techniken qualitativer Inhaltsanalyse
4. 1 BESTIMMUNG DES AUSGANGSMATERIALS
4. 2 ABLAUFMODELL DER ANALYSE
4. 3 GRUNDFORMEN DES INTERPRETIERENS

5. Anwendungsbeispiel ADHS
5. 1 VORGEHENSWEISE
5. 2 ERGEBNISSE

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Internetquelle

Anhang

1. Einleitung

In den letzten Jahrzehnten haben sich zahlreiche Forschungsmethoden in den Sozial- und Humanwissenschaften konstituiert und somit fundamentale Veränderungen ausgelöst. Dadurch wurde das Augenmerk auf die qualitativen Erkenntnismethoden gelenkt, bei der Forderungen nach mehr Subjektbezogenheit der Forschung als auch nach interpretativen Methoden aufkommen. Die quantitative Vorgehensweise reicht somit nicht mehr aus, wobei man quantitative Vorgehensweisen nicht ganz von qualitativen abgrenzen kann. Wie es auch die qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring vorsieht, ist eine Kombination von qualitativen mit quantitativen Forschungsschritten unabdingbar. Philipp Mayring entwickelte die sozialwissenschaftliche Textanalysemethode seit den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts um damit eine methodische Anleitung zur Auswertung und Interpretation von kompliziertem sprachlichem Material zu entwickeln. Diese eignet sich speziell für niedergeschriebene Texte. „Die Inhaltsanalyse ist als eine quantifizierende Methode zur Analyse von Texten entstanden“.1

Diese Forschungsarbeit über die Methode der qualitativen Inhaltsanalyse bezieht sich auf das Buch „Qualitative Inhaltsanalyse. Grundlagen und Techniken“ von Philipp Mayring, dem Begründer der qualitativen Inhaltsanalyse. Sie soll die Methode der qualitativen Inhaltsanalyse vorstellen und diese anhand eines Anwendungsbeispiels verdeutlichen. Dafür wird zunächst die Thematik und die Schwierigkeit der Definition der Inhaltsanalyse beschrieben, daraufhin der Begriff und die Aufgaben der qualitativen Inhaltsanalyse erläutert und die Überwindung von quantitativer und qualitativer Grenzen aufgeführt. Im Anschluss daran werden die Techniken der Methode vorgestellt, welche sich in drei Unterpunkte gliedern lassen. Im letzten Teil der Arbeit wird schließlich ein selbsterarbeitetes Anwendungsbeispiel mit dessen Vorgehensweise und Ergebnissen vorgestellt. Letztlich wird ein Fazit über die Forschungsarbeit gezogen.

2. Inhaltsanalyse

Das Ziel der Inhaltsanalyse besteht in der Analyse von Material, „das aus irgendeiner Art von Kommunikation stammt.“2 Jedoch ist die Definition des Begriffs mit einer Schwierigkeit behaftet, weil Inhaltsanalyse sich lange nicht mehr nur mit der Analyse des Inhalts von Kommunikation auseinandersetzt. Mollenhauer und Rittelmeyer definieren Inhaltsanalyse sehr ungenau als „Analyse von Kommunikations-Inhalten“.3 Bei der Inhaltsanalyse zählen ebenfalls die formalen Aspekte der Kommunikation.

Bernhard Berelsons Definition wurde stark kritisiert und gilt längst als veraltet:

„ Inhaltsanalyse ist eine Forschungstechnik für objektive, systematische und quantitative Beschreibung des manifesten Inhalts von Kommunikation “ .4 Ein weiteres Problem der Definition von Inhaltsanalyse besteht darin, dass sehr viele der bestehenden Definitionen durch die Interessen der Autoren geprägt und dadurch sehr speziell sind. Bei A.L. Georges Definition z.B. fällt auf, dass er sich nur für die Absichten und Ziele, die der Kommunikator bei der Analyse des Materials zum Ausdruck bringen wollte, interessiert: „ Kurz, Inhaltsanalyse wird verwendet als ein diagnostisches Instrument, um spezifische Schlussfolgerungenüber bestimmte Aspekte des zielgerichteten Verhaltens (purposive behavior) des Sprechers zu ziehen “ .5 So definiert die Projektgruppe „Textinterpretation und Unterrichtspraxis“ die Inhaltsanalyse als: „ systematische Auslegung von Texten. Die Liste von vollkommen unterschiedlichen Definitionen der Inhaltsanalyse ist noch lange fortsetzbar, da keine eindeutige Definition besteht. Jedoch werden im Weiteren keine mehr aufgeführt, sondern auf die Spezifika der Inhaltsanalyse als sozialwissenschaftliche Methode eingegangen. Welche Besonderheiten gibt es bei der sozialwissenschaftlichen Inhaltsanalyse? Wodurch grenzt sie sich von anderen Methoden ab, die sich ebenfalls mit der Analyse von Kommunikation, Sprache und Texten beschäftigen?6 Im Folgenden werden diese Fragen beantwortet: Der Gegenstand der Inhaltsanalyse ist die Kommunikation, sprich die Übertragung von Symbolen.7 Im Normalfall geht es dabei um Sprache, aber auch Musik und Bilder. Der Gegenstand der Analyse liegt in der fixierten Kommunikation. Inhaltsanalytiker plädieren gegen freie Interpretation bei der Inhaltsanalyse. Die Abgrenzung zu anderen hermeneutischen Methoden besteht darin, dass Inhaltsanalyse systematisch vorgehen will. Dieses systematische Vorgehen zeichnet sich durch die Regelgeleitetheit aus, bei der die Inhaltsanalyse nach bestimmten Regeln abläuft bzw. ablaufen soll. Durch die Regelgeleitetheit können auch andere die Analyse nachvollziehen, verstehen und überprüfen. Erst dadurch entspricht die Inhaltsanalyse sozialwissenschaftlichen Methodenstandards. Das systematische Vorgehen zeichnet sich außerdem durch die Theoriegeleitetheit aus. „Sie will nicht einfach einen Text referieren, sondern analysiert ihr Material unter einer theoretisch ausgewiesenen Fragestellung; die Ergebnisse werden vom jeweiligen Theoriehintergrund her interpretiert und auch die einzelnen Analyseschritte sind von theoretischen Überlegungen geleitet“.8 Theoriegeleitetheit heißt an den Erfahrungen anderer mit dem zu analysierenden Gegenstand anzuknüpfen. Inhaltsanalyse will ihr Material also nicht nur für sich analysieren, wie zum Beispiel die Textanalyse, sondern als Teil des gesamten Kommunikationsprozesses. Amerikanische Kommunikationswissenschaftler bezeichnen sie daher als eine schlussfolgernde Methode. Ihre Absichten liegen darin, durch Aussagen über das zu analysierende Material Rückschlüsse auf gewisse Aspekte der Kommunikation zu ziehen, Aussagen über den „Sender“ über die Wirkungen beim Empfänger abzuleiten.9

Inhaltsanalyse will zusammenfassend also „fixierte Kommunikation analysieren; dabei systematisch vorgehen; das heißt regelgeleitet vorgehen; das heißt auch theoriegeleitet vorgehen; mit dem Ziel, Rückschlüsse auf bestimmte Aspekte der Kommunikation zu ziehen“.10

3. Qualitative Inhaltsanalyse

Derzeit liegt ein starker Trend in Richtung qualitativer Methoden vor, welcher sich in sehr vielen sozialwissenschaftlichen Bereichen vorfinden lässt. Dabei sind einige Gemeinsamkeiten erkennbar: das Engagement und die wissenschaftlichen Diskussionen sind unverhältnismäßig hoch; die Kritik der qualitativen an quantitativen Techniken ist überzeugend und es liegt ein Fehlen an Alternativen von qualitativen Techniken vor.11

3. 1 Qualitative vs. quantitative Analyse

Bei der Unterscheidung von qualitativer und quantitativer Analyse gibt es unterschiedliche Kriterien, die man dabei anwenden kann. So kann man sie aufgrund ihrer Begriffsform unterscheiden, was am eindeutigsten ist. Von quantitativer Analyse wird gesprochen, wenn „Zahlbegriffe und deren In-Beziehung-Setzen durch mathematische Operationen bei der Erhebung oder Auswertung verwendet werden“.12 In allen anderen Fällen wird von qualitativer Analyse gesprochen. Qualitative Begriffe stellen laut Stegmüller die einfachste Begriffsform dar. Sie bilden den Inhalt von Klassenbezeichnungen („Mensch“, „Haus“, „rot“, „kalt“13 ). Durch die qualitative Analyse werden Gegenstände eines Bereiches in Klassen unterteilt. Bei der quantitativen Analyse handelt es sich hingegen um metrische Begriffe oder Größenbegriffe.

Eine andere Form zur Abgrenzung von qualitativer und quantitativer Analyse ist die Unterscheidung vom Skalenniveau der zugrundeliegenden Messung her. In der empirischen Sozialforschung wird Messung als „die systematische Zuordnung einer Menge von Zahlen oder Symbolen zu den Ausprägungen einer Variable“14 bezeichnet. Die Abgrenzung von qualitativer und quantitativer Analyse lässt sich durch die Bestimmung der Skalen ziemlich einfach erkennen. Denn alle Analysen, die auf Messungen der Nominalskala durchgeführt werden, gelten als qualitative Analyse.

Die, die auf Ordinalskalenniveau, Intervallskalenniveau und Ratio-Skalenniveau basieren, gehören der quantitativen Analyse an. Jedoch kann es vorkommen, dass sich in qualitativen Analysen auch quantitative Begriffe befinden. Eine dritte Form zur Unterscheidung von quantitativen und qualitativen Analysen ist die nach dem impliziten Wissenschaftsverständnis.

Die erste Unterscheidung dieser Interessensansichten vollstreckt sich zwischen dem Verstehen und Erkl ä ren. Beim qualitativ-verstehenden Ansatz geht es darum, Gegenstände, Zusammenhänge und Prozesse nicht nur analysieren zu können, „sondern sich in sie hineinzuversetzen, sie nachzuerleben oder sie zumindest nacherlebend vorzustellen“.15 Qualitativ-verstehende Wissenschaft knüpft am Individuellen an, quantitative an allgemeinen Prinzipien und Gesetzen. Die qualitative Wissenschaft versteht sich als induktiv (Schlussfolgerung vom Einzelfall auf das Allgemeine) quantitative als deduktiv (Ableitung des Besonderen aus dem Allgemeinen.

Zum zweiten wird zwischen der Komplexit ä t und der Variablenisolation unterschieden. Bei der qualitativen Analyse wird die ganze Komplexität ihrer Gegenstände erfasst. Bei der quantitativen Analyse werden die Gegenstände zerlegt und in einzelne Variablen zergliedert um so seine eigentliche Bedeutung zu erfassen. Quantitative Methoden wollen Erkenntnisse erreichen, bei denen „isolierte“ Daten und Fakten auftauchen, die nicht mit störenden Nebeneffekten behaftet sind.16 Qualitative Verfahren beziehen sich „auf die Erkenntnis der Sozialwissenschaften, daß menschliche Wirklichkeit…vielfältig und komplex konstituiert wird“.17

Die letzte Unterscheidung stellt die Frage: Handelt es sich um den Einzelfall oder um eine repr ä sentative Stichprobe ? Die Quantitative Wissenschaft kritisiert die Einzelfallanalyse aufgrund fehlender Verallgemeinerbarkeit. Ausschließlich das Modell einer kontrollierten Stichprobenziehung und die quantitative Analyse dieser repräsentativen Stichprobenziehung lieferten zuverlässige Aussagen über die adäquate Grundgesamtheit.

3. 2 Überwindung des Gegensatzes qualitativ-quantitativ

„[…] die Quantität eines Objekts ist verschieden auch je nachdem, worauf sich bei ihm der quantitative Vergleich erstreckt“18, was heißen soll, dass sich am Anfang jeder wissenschaftlichen Methode ein qualitativer Ansatz befindet. Als erstes muss ich wissen was ich überhaupt untersuchen möchte und muss es benennen. Das erarbeiten von Kategorien, welche bei einem inhaltsanalytischen Vorgehen im Zentrum stehen, ist eindeutig qualitativer Art. Erst wenn dieser Schritt durchgeführt wurde, können quantitative Analyseschritte angewendet werden. Bei quantitativen Verfahren besteht die Gefahr zu differenzierten, verzerrenden Ergebnissen zu kommen, weil die qualitativen Voraussetzungen häufig nicht überprüft werden. Sobald das Fundament des Instrumentariums der Gegenstandserfassung gelegt ist, können quantitative Analyseschritte folgen, müssen aber nicht. Ergebnisse quantitativer Analyse müssen immer wieder an ihren Ausgangspunkt rückgeführt werden, weil „Zahlen sprechen niemals für sich selbst. Sie müssen immer interpretiert werden“.19 Das Interpretieren der quantitativen Ergebnisse fällt jedoch wieder in den qualitativen Bereich. Zusammenfassend wird eine fundamentale Abfolge im Forschungsprozess beschrieben: „Von der Qualität zur Quantität und wieder zur Qualität“.20

3.3 Aufgaben qualitativer Analyse

In diesem Kapitel werden die hauptsächlichen Aufgabenfelder der qualitativen Analyse beschrieben. Beim Schritt der Hypothesenfindung und Theoriebildung soll die qualitative Inhaltsanalyse ihre Hypothese, als auch ihre Theorie vor der Untersuchung festlegen.

Daneben geht es bei den Pilotstudien darum Kategorien und Instrumente für die Erhebung und Auswertung zu erstellen und zu überarbeiten.21 Der Aspekt, dass Pilotstudien zu Hauptuntersuchungen ein hervorragendes Gebiet für qualitative Analysen sind, ist heutzutage erwiesen.

[...]


1 Gläser 2009, S.197

2 Mayring 2008, S. 11

3 Mollenhauer/ Rittelmeyer 1977, S. 185 in: ebd.

4 Berelson 1952, S. 18; Übersetzung und Hervorhebung P.M. in: ebd.

5 George 1959, S. 7; Übersetzung P.M. in: ebd.

6 Mayring 2008, S. 12

7 vgl. Watzlawick u. a. 1969 in: ebd.

8 Mayring 2008, S. 12

9 vgl. ebd.

10 ebd., S. 13

11 vgl., S. 16

12 ebd.

13 Stegmüller 1970, S. 19 in: ebd.

14 Friedrichs 1973, S. 97 in: ebd., S. 17

15 ebd., S. 17

16 vgl. Mayring 2008, S. 18

17 Schön 1979, S. 20 in: ebd.

18 Lewin 1981, S. 97 in: ebd, S. 19

19 Andersson 1974, S. 29 in: ebd.

20 Mayring 2008, S. 19

21 vgl. Mayring 2008, S. 21

Details

Seiten
27
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656191209
ISBN (Buch)
9783656191513
Dateigröße
463 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v193848
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2,3
Schlagworte
Mayring

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Titel: Qualitative Inhaltsanalyse