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Soziale Netzwerke und deren Auswirkungen auf die soziale Entwicklung von Jugendlichen

Seminararbeit 2012 25 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Soziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Was sind soziale Netzwerke?
2.1 Die größten und bekanntesten sozialen Netzwerke
2.1.1 Facebook
2.1.2 StudiVZ
2.1.3 Xing und Twitter
2.2 Gründe für die Nutzung sozialer Netzwerke

3 Soziale Netzwerke im Zusammenhang mit der sozialen Entwicklung Jugendlicher
3.1 Was bedeutet der Begriff „soziale Entwicklung“?
3.1.1 Sozialkompetenz
3.1.2 Selbstkompetenz
3.1.3 Auswirkungen sozialer Netzwerke auf ausgewählte Bereiche der Sozial- und Selbstkompetenz
3.1.3.1 Verbale und nonverbale Kommunikation
3.1.3.2 Vertrauen und Selbstvertrauen
3.1.3.3 Empathie
3.1.3.4 Verantwortung
3.1.3.5 Kooperation und Teamfähigkeit
3.1.3.6 Konfliktfähigkeit
3.1.4 Fazit

4 Versuch „Offline“ an der PTS Thalgau

Anhang

A Fragebogen Gruppe "online" B Fragebogen Gruppe "offline"

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Plötzlich hat man hunderte von Freunden und Freundinnen, von denen man die meisten noch nicht einmal gesehen hat. Man erzählt ihnen, wo man gerade Urlaub macht, was man als nächstes vor hat, wie man sich gerade fühlt, in wen man gerade verliebt ist und wen man gerade gar nicht leiden kann.

In sozialen Netzwerken, auch bekannt unter "Online-Communities" oder "Social Networks", präsentieren sich Nutzer/-innen in einem eigenen Profil mit möglichst vielen Angaben zu ihren Hobbies, Interessen, aktuellen Aktivitäten etc..

Fotos und Videos werden miteinander verlinkt, in so genannten "Chat-Rooms" tauscht man sich aus, Interessensgruppen werden gebildet und Spiele werden gemeinsam gespielt. So entsteht in rasanter Geschwindigkeit ein Netzwerk aus Personen, die miteinander in Kontakt stehen und Fremde werden schnell zu "Freunden".

Dass soziale Netzwerke aber auch Gefahren im Hinblick auf die eigene soziale Entwicklung in sich bergen, ist insbesondere unseren Heranwachsenden nicht bewusst. Der Wunsch nach Austausch mit anderen und ein Teil des großen Ganzen zu sein, zieht Jugendliche in soziale Netzwerke, sie bedenken dabei aber meist nicht, dass dies eine "Abstumpfung" ihrer sozialen Kompetenzen wie etwa Teamfähigkeit, Konfliktfähigkeit, Empathie, Selbstwertgefühl, Kritikfähigkeit, Kompromissfähigkeit etc. bedeuten kann.

Auf der anderen Seite bieten Online-Communities aber auch positive Aspekte in Bezug auf die soziale Entwicklung Jugendlicher. Letztendlich geht es für die Heranwachsenden um den Aufbau einer gesunden und stabilen Identität, die wiederum im Zusammenhang mit dem sozialen Zusammenleben steht. Die Identitätsentwicklung ist ein Prozess, der von sozialer Interaktion geprägt ist und gerade hier spielt soziales Feedback eine große Rolle. Freundschaften sozialisieren Jugendliche in Form von Vertrauen, Spaß, emotionaler Unterstützung, aber auch in Konflikten, Ängsten oder Verletzungen.

Soziale Netzwerke bilden somit also durchaus eine Möglichkeit, die Entwicklung der eigenen Identität zu fördern.

In dieser Seminararbeit beschäftige ich mich mit der Frage, welche potentiellen negativen als auch positiven Auswirkungen Online-Communities auf die soziale Entwicklung der Jugendlichen haben können.

2. Was sind soziale Netzwerke?

„Ein soziales Netzwerk ist eine abgegrenzte Menge von Personen, die über (soziale) Beziehungen miteinander verbunden sind.“ (Schenk 2005, S. 11)

Bis vor etwa 30 Jahren war der Begriff „Soziales Netzwerk“ ausschließlich soziologisch geprägt und man verstand darunter Interaktionsgeflechte, die auf persönlichen Kontakten aufbauten. In der Familie, im Freundes- und Bekanntenkreis, in Vereinen usw. spielte sich das gesellschaftliche Leben ab.

1991 etablierte sich das WWW und es gab somit erstmals die Möglichkeit, die bestehenden sozialen Netzwerke zu erweitern und global Kontakte zu pflegen. Was noch mit E-Mails begann, entwickelte sich weiter über Online-Telefonie und Chatrooms bis hin zu den virtuellen Netzwerken, wie wir sie heute kennen: Facebook, StudiVZ und Co.

Soziale Netzwerke - sowohl früher als auch heute - erfüllen verschiedene Funktionen:

- Information: Personen, die in einem Netzwerk miteinander verbunden sind, tauschen Informationen aus. Früher erfolgte dieser Austausch mündlich oder schriftlich durch Briefe, heute zusätzlich über elektronische Kanäle.
- Soziale Unterstützung: Durch ein funktionierendes soziales Netzwerk können Beteiligte Hilfe und Unterstützung durch andere erhalten oder diese gewähren.

(Vgl. Willer u. a. 2011, S. 5)

Meiner Meinung nach hat sich die Definition bzw. der Grundgedanke von sozialen Netzwerken auch in den letzten 30 Jahren nicht verändert, wobei man dabei heute wahrscheinlich in erster Linie an virtuelle Netzwerke denkt. Zu beachten sind auf der einen Seite die Möglichkeiten, auf der anderen Seite aber auch die potentiellen Gefahren, die solche Plattformen bieten können. Darauf werde ich im Laufe dieser Seminararbeit näher eingehen.

2.1 Die größten und bekanntesten sozialen Netzwerke

Die bekanntesten sozialen Netzwerke in unserem Raum (Österreich und Deutschland) sind Facebook, StudiVZ (mit SchülerVZ und MeinVZ), Twitter und Xing. (Vgl. Wikipedia - Soziale Netzwerke 2012)

Die unterschiedlichen Online-Plattformen haben sich natürlich verschieden stark entwickelt - die Beliebtheit unter den Usern und Userinnen1 liegt in erster Linie an einer einfachen Handhabung und an verschiedenen zusätzlichen Möglichkeiten (Social Games2, Chatrooms3 etc.), also an der inneren und äußeren Attraktivität.

2.1.1 Facebook

Ohne entsprechende Quellen bzw. Statistiken anzuführen kann man mit Sicherheit auch so behaupten, Facebook ist das bekannteste, beliebteste und größte soziale Netzwerk von allen. Egal wo man sich gerade befindet, wie spät es gerade ist oder mit wem man sich gerade unterhält - Facebook ist in aller Munde und ständig ein Thema. Wo man bis vor einigen Jahren noch nach der Telefonnummer gefragt hat, wenn man jemanden kennen gelernt hat, so lautet heute die Standardfrage: „Bist du auf Facebook?“ Nur selten wird diese Frage mit nein beantwortet. Und gerade unter den Jugendlichen ist dieses soziale Netzwerk sehr stark verbreitet, es scheint wie eine zweite Heimat für sie zu sein.

Bezogen auf die Daten vom 19.02.2012 sind in Österreich die Spitzenreiter unter den Usern und Userinnen die 20- bis 29-Jährigen mit 33,71%, dicht gefolgt von den 13- bis 19-Jährigen mit 25,1%. (Vgl. Digital Affairs 2012)

Die Grundidee von Mark Zuckerberg, dem Gründer von Facebook, war ein Online-Jahrbuch der Harvard Universität, auf welchem Studenten Profile erstellen und sich gegenseitig Nachrichten schicken konnten. Gemeinsam mit drei Freunden entwickelte Zuckerberg im Jahre 2004 ein soziales Netzwerk, das sich rapide entwickelte und bald zu einer Plattform für jedermann wurde. (Vgl. Wanhoff 2011, S. 18)

Mittlerweile zählt Facebook zirka 845 Millionen User/-innen weltweit. (Vgl. Wikipedia - Facebook 2012)

Zur Grundausstattung eines Facebook-Profils zählen persönliche Angaben („Info“), Fotoalben, eine eigene Pinnwand und eine allgemeine Pinnwand zum Austausch von öffentlichen Nachrichten, eine Plattform für private Nachrichten und ein Chatroom für "Live"-Unterhaltungen.

Nach und nach sind weitere Funktionen (unter anderem von Drittanbietern) dazu gekommen: Social Games (FarmVille, Poker etc.), Facebook-Apps4 für iPhones und androidfähige Mobiltelefone, Marktplätze für Kleinanzeigen, „Facebook-Orte“, um anderen Usern und Userinnen mitteilen zu können, wo man sich gerade befindet, und viele mehr.

Mit dieser breiten Vielfalt an Möglichkeiten in 74 verschiedenen Sprachen (vgl. Wikipedia - Facebook 2012) bietet Facebook den Usern eine sehr attraktive Online-Plattform.

2.1.2 StudiVZ

StudiVZ (kurz für „Studierverzeichnis“) wurde 2005 von Ehssan Dariani gegründet und in den Jahren danach auf die Verzeichnisse „MeinVZ“ und „SchülerVZ“ erweitert. Die Funktionen ähneln jenen von Facebook: Pinnwände, Fotoalben und private Nachrichten. Mit etwa 17 Millionen Nutzern und Nutzerinnen richten sich SchülerVz und StudiVZ vor allem an junge Menschen in Ausbildung, MeinVZ eher an ehemalige Schüler/-innen bzw. Studenten und Studentinnen. (Vgl. Wanhoff 2011, S. 20 f.)

Während 27% der deutschen Internetnutzer/-innen bei einem VZ-Netzwerk angemeldet sind, sind es bei Facebook 47%. Im Februar 2012 berichtete die Süddeutsche, dass die VZ-Netzwerke einen Rückgang der Seitenaufrufe um 80% zu verzeichnen haben. (Vgl. Wikipedia - StudiVZ 2012)

Man kann beobachten, dass die User-Zahlen bei den VZ-Netzwerken zunehmend sinken während sie bei Facebook steigen. Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass sowohl ich, als auch viele meiner Bekannten, früher bei einem VZ-Netzwerk angemeldet waren - als aber Facebook boomte, dorthin wechselten und StudiVZ bzw. SchülerVZ und MeinVZ mehr und mehr in Vergessenheit gerieten.

2.1.3 Xing und Twitter

Xing ist ein in Deutschland gegründetes soziales Netzwerk, welches in erster Linie von Firmen bzw. Geschäftsleuten genutzt wird. Es lebt von Premiumdiensten - nur wer zahlt, bekommt alle Informationen. Ein Premiumaccount kostet ab 5,95 Euro pro Monat. Xing erinnert an ein großes Adressbuch; die Nutzer und Nutzerinnen können sehen, welche der anderen Xing-Mitglieder/-innen die selben Geschäftskontakte haben, verlinken sich, stellen weitere Kontakte her und versuchen damit, ihr eigenes Geschäft anzutreiben. Bislang hat Xing über zehn Millionen registrierte User/-innen - hauptsächlich in Deutschland, aber auch in anderen Ländern wie etwa Österreich, Frankreich und der Schweiz. (Vgl. Wanhoff 2011, S. 23 ff.)

Twitter spielt eine Sonderrolle. Es handelt sich hierbei um einen reinen Kurznachrichtendienst, bei welchem die Nutzer/-innen maximal 140 Zeichen in ein Feld schreiben und diesen Text veröffentlichen können. Die Leser/-innen der Nachrichten sind die so genannten „Follower“. Sie folgen anderen virtuell, wenn ihnen bestimmte Beiträge gefallen. Wenn sich zwei Personen folgen, können sich diese auch nicht-öffentliche Nachrichten schicken. User/-innen können ihre Beiträge auch auf privat stellen, so können nur die eigenen Follower diese sehen.

Durch die eingeschränkte Funktionalität ist Twitter weniger ein soziales Netzwerk als ein sozialer Nachrichtendienst. Sozial deshalb, weil viele Meldungen immer weiter und weiter verbreitet werden. (Vgl. Wanhoff 2011, S. 27 f.)

Aus zahlreichen Gesprächen mit Jugendlichen habe ich erfahren, dass Twitter unter unseren Heranwachsenden nicht besonders populär ist. Meiner Meinung nach haben sie sich die Frage, ob Twitter für sie interessant sein könnte oder nicht, noch nie stellen müssen, da sie ohnehin mit ihrer „Lieblings-“Plattform Facebook absolut zufrieden sind.

2.2 Gründe für die Nutzung sozialer Netzwerke

Der Grundgedanke von sozialen Netzwerken liegt in der Vernetzung von Freunden und Bekannten. Den Usern und Userinnen soll ermöglicht werden, mit diesen Personen in Verbindung zu treten, um so eine offenere und einfachere Kommunikation führen zu können. Dies hat insbesondere dann einen Vorteil, wenn es sich bei diesen Freunden und Bekannten um Personen handelt, mit denen man nicht so ohne weiteres Kontakt halten kann, weil sie beispielsweise nicht in der naheliegenden Umgebung leben.

Oft werden Facebook und Co auch als Möglichkeit gesehen, neue Kontakte zu knüpfen, um so seinen Freundes- und Bekanntenkreis zu erweitern.

Aus eigener Erfahrung heraus (und aus Gesprächen mit Freunden und Bekannten), wage ich zu behaupten, dass es sich bei der Vernetzung mit Facebook-Freunden eher um einen Vorgang des Sammelns als um einen Vorgang der tatsächlichen Vernetzung mit Freunden handelt. Auch Juan FAERMAN beschreibt in seinem Buch „Faceboom“, dass der durchschnittliche User, die durchschnittliche Userin in etwa 130 „Freunde“ hat (2010, S. 115). Dies steckt wohl nicht sein wirkliches soziales Umfeld ab, sondern werden hier auch User/-innen hinzugefügt, mit denen über die Freundesanfrage hinaus nicht weiter interagiert wird.

Aus diesen Informationen ziehe ich den Schluss, dass es sich einerseits um einen gesellschaftlichen Druck handelt, den Druck, permanent über alles informiert zu sein, da man sonst etwas versäumen könnte, auf der anderen Seite der „Einfachheit“ der Kommunikation über soziale Netzwerke wegen. Jederzeit und überall kann man „dabei“ sein, wenn man das möchte.

[...]


1 „User“ bedeutet so viel wie „Anwender“ oder „Benutzer“ (Vgl. Vogel 2012)

2 „Social Games“ sind Spiele, die man auf Online-Plattformen gemeinsam mit anderen Usern spielt.

3 „Chatrooms“ sind virtuelle Räume im Internet, in denen man sich (schriftlich) unterhalten kann.

4 „App“ kommt aus dem englischen „application“ und bedeutet „Anwendungsprogramm“

Details

Seiten
25
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656195573
ISBN (Buch)
9783656196273
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v194209
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Tirol in Innsbruck
Note
Schlagworte
facebook soziale netzwerke online sozialkompetenz

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