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Die Erziehung im Dritten Reich. Wurden nationalsozialistische Erziehungstheorien jemals umgesetzt?

Hausarbeit 2012 21 Seiten

Pädagogik - Geschichte der Päd.

Leseprobe

Gliederung

I) Einleitung

II) Erziehungstheorien nationalsozialistischer Denker
II.1: Theorien Adolf Hitlers
II.2: Theorien Ernst Kriecks
II.3: Theorien Alfred Bäumlers

III) Erziehungspraxis im Dritten Reich
III.1: Erziehung in der HJ
III.2: Erziehung in der Volksschule
III.3: Erziehung in der Napola

IV) Mädchenerziehung im Nationalsozialismus
IV.1: NS-Vorstellungen über Erziehung von Mädchen
IV.2: Mädchenerziehung im BDM

V) Schluss/Fazit

Literaturliste

I) Einleitung

„Diese Jugend, die lernt ja nichts anderes, als deutsch denken, deutsch handeln, und wenn diese Knaben mit zehn Jahren in unsere Organisation hineinkommen und dort oft zum ersten Male überhaupt eine frische Luft bekommen und fühlen, dann kommen sie vier Jahre später vom Jungvolk in die Hitlerjugend, und dort behalten wir sie wieder vier Jahre, und dann geben wir sie erst recht nicht zurück in die Hände unserer alten Klassen – und Standeserzeuger sondern (…) sie werden nicht mehr frei ihr ganzes Leben.“ (Auszug aus einer Rede Hitlers 1938)[1]

Diese Hausarbeit beschäftigt sich eingehend mit der Erziehung im Dritten Reich, welcher v.a. dahingehend Bedeutung zukam, dass sie den „Nachschub“ an fähigen Nationalsozialisten der nächsten Generation heranzüchten sollte. Der Autor beleuchtet dazu zunächst die pädagogischen Theorien jener Zeit anhand von Aussagen und Vorstellungen Hitlers, Ernst Kriecks und Alfred Baeumlers. Nachdem dieses theoretische Grundgerüst dargestellt wurde, geht der Autor näher auf dessen Umsetzung und die institutionelle Erziehung während der NS-Herrschaft ein, indem er die Hitlerjugend, die deutsche Volksschule und die Napola anhand ihrer pädagogischen Merkmale analysiert. Schließlich wird im letzten Teil die Erziehung der Mädchen genauer ergründet. Dazu wird der Bund deutscher Mädchen (BDM) untersucht.

Diese Hausarbeit will schließlich untersuchen, inwiefern sich die Vorstellungen der oben genannten Theoretiker in der realen Umsetzung niedergeschlagen haben und kritisch hinterfragen, ob Anspruch und Wirklichkeit kompatibel gewesen sind. Genauer: Was von dem, das in der Theorie überlegt wurde, fand sich in der realen Erziehung wieder?

II) Erziehungstheorien nationalsozialistischer Denker

II.1: Theorien Adolf Hitlers

Hitlers Erziehungsvorstellungen beruhten auf einer rassistisch-biologistischen Grundlage, was dazu führte, dass er von einer naturbedingten Ungleichheit der Menschen ausging. Kinder fremder Rassen wurden als „nicht erziehbar“ definiert, aber selbst deutsche Kinder wurden anhand ihrer „HJ-Fähigkeit“ segregiert[2]. Hitler legte den Fokus seiner Erziehungsvorstellungen auf Körperertüchtigung und Charaktererziehung, um die männlichen soldatischen Tugenden wieder zu lehren[3]. Das pure Anhäufen von Fachwissen wurde von Hitler hingegen als problematisch angesehen[4]. Allgemein hatte er ein eher distanziertes Verhältnis zur intellektuellen Erziehung:

„Ich will keine intellektuelle Erziehung. Mit Wissen verderbe ich mir die Jugend. Am liebsten ließe ich sie nur das lernen, was sie ihrem Spieltrieb folgend, sich freiwillig aneignen“[5].

Wie bereits im Eingangszitat deutlich wird[6], war es für Hitler von großer Bedeutung, alle öffentlichen Institutionen für seine ideologische Erziehung einzubinden. Jede öffentliche Einrichtung hatte die gleiche Aufgabe der „Volkserziehung“, wie er selbst es 1937 deutlich machte:

„Wir können deshalb auch nicht zugeben, daß irgendein taugliches Mittel für diese Volksausbildung und Erziehung von dieser Gemeinschaftsverpflichtung ausgenommen werden könnte. Jugenderziehung – Wehrmacht, sie sind alle Einrichtungen dieser Erziehung und Ausbildung unseres Volkes“[7].

War Erziehung bisher ein bestimmtes und begrenztes Einwirken von Erwachsenen auf die Heranwachsenden, führten Hitlers Erziehungsvorstellungen teilweise zu einer Umkehrung des Generationenverhältnisses, sodass die Jugendlichen von vornherein im nationalsozialistischen Sinne erzogen werden konnten, aber die bereits anders erzogenen Erwachsenen umerzogen werden mussten. Dies führte auch zu einem gewissen Selbstbewusstsein der nationalsozialistischen Jugendorganisationen[8]. Hitler selbst erläutert dies folgendermaßen:

„Mit der Jugend beginne ich mein großes Erziehungswerk. Wir Alten sind verbraucht (…). Wir haben keine ungebrochenen Instinkte mehr. Wir sind feige, wir sind sentimental. Wir tragen die Last einer erniedrigenden Geschichte und das dumpfe Erinnern an Hörigkeit und Kriechertum im Blut. Aber meine herrliche Jugend!“[9]

Wie bereits erwähnt wurde, maß Hitler der Ertüchtigung des Körpers und des Charakters der Heranwachsenden eine größere Bedeutung als bisher bei. Daher sollte die Leibesertüchtigung eine „Forderung der Selbsterhaltung des durch den Staat vertretenen und geschützten Volkstums“ sein. Schon früh sollten die jungen Leute „die notwendige Stählung für das spätere Leben erhalten“[10].

„Ich werde sie (die Jugend) in allen Leibesübungen ausbilden lassen. Ich will eine athletische Jugend. (…) So merze ich die tausende von Jahren der menschlichen Domestikation aus. (…) So kann ich das Neue schaffen.“[11]

Der ideale Nationalsozialist sollte hart sein und leiden können. Daher spielte die Charakterbildung v.a. in Bezug auf Treue, Opferwilligkeit und Verschwiegenheit eine genauso wichtige Rolle wie das Aberziehen „weinerlicher“ Wesenszüge[12]:

„Eine gewalttätige, herrische, unerschrockene, grausame Jugend will ich. (…) Es darf nichts Schwaches und Zärtliches an ihr sein. Das freie, herrliche Raubtier muß erst wieder aus ihren Augen blitzen.“[13]

II.2: Theorien Ernst Kriecks

Krieck definierte Erziehung folgendermaßen: Für ihn ist sie die Gesamtheit der von der Gemeinschaft auf den Nachwuchs ausstrahlenden Einwirkungen, soweit dadurch im Nachwuchs Wachstum gefördert und geformt wird sowie Anlagen zur persönlichen und gliedschaftlichen Reife gebracht werden. Daran haben alle Lebensordnungen, Lebenswerte und Lebensaufgaben Anteil, welche dem wachsenden Menschen in der Lebensgemeinschaft entgegentreten[14]. Vorhandene rassische Anlagen im Nachwuchs werden dann zu höchster Reife und Leistungsfähigkeit gesteigert, wenn die Ordnungen, Werte, Gehalte und Ziele der erziehenden Lebensgemeinschaft selbst diesen rassischen Anlagen entsprechen und durch schöpferische Menschen der Rasse aus der Anlage in die gestaltete und gestaltende Wirklichkeit erhoben worden sind[15]. Krieck definierte „Rasse“ allerdings nicht anhand einer biologistischen Grundlage, sondern sie ist für ihn ein allgemeiner biologischer Urgrund, der in den Gemeinschaften zur Entfaltung kommt. Formen von Sozialdarwinismus lehnte er aber ab[16]. Krieck subsumierte sowohl „Erziehung“ als auch „Sozialisation“ unter den Begriff der Erziehung, sodass sich auch Formationen (wie z.B. SA, SS, HJ) als Erziehungsgemeinschaften im Sinne einer Selbsterziehungsgemeinschaft und als Träger für die Erziehung anderer verstehen konnten[17]. Inhalt und Ergebnis der Erziehungsanstrengungen soll die Zustimmung des Subjekts zur nationalen Mission Deutschlands sein[18]. Erziehung soll vorrangig den Zweck haben, im Sinne ihrer nationalen Funktion Nationalstolz zu erzeugen, was auf jeden Unterrichtsgegenstand zu beziehen ist: Stets soll die deutsche Leistung innerhalb eines Gebiets herausgestellt werden[19]. Krieck sah die Unterscheidung der Bürger in verschiedene Schichten nicht aufgehoben, sondern die Nationalerziehung müsste sie zu „Sonderprägungen“ des allgemeinen Typus formen, welche sowohl der sozialen Rolle als auch der persönlichen Veranlagung des Einzelnen entspräche. Diese geistige Beschränkung ist jedoch eigentlich keine, da im Volkskörper alles Wissen vorhanden ist und dadurch der Mensch Teilhaber an der Entfaltung aller Anlagen ist[20]. Krieck trat hinsichtlich der Unterscheidung einer staatstragenden Elite und des Volkes für Chancengleichheit ein, wonach nicht Herkunft und Besitz, sondern individuelle Fähigkeiten über die Eignung für Führungspositionen ausschlaggebend sein sollten. Alle sollten die Gelegenheit bekommen, ihre Eignung unter Beweis zu stellen[21]. Ähnlich wie Hitler es als notwendig ansah, alle staatlichen Institutionen für die Erziehungsaufgabe des Volkes einzubinden[22], ist der Staat nach Krieck dazu berufen, die geistige Erneuerung in allen Erziehungsanstalten durchzusetzen:

„Erziehung, Bildung und Schule erhalten von der Gesamtaufgabe Sinn, Gesetz und Ziel, vom Staat Lenkung und Regelung im Dienst des Ganzen, (…).“[23]

[...]


[1] Zit. nach: Giese>

[2] Vgl. Ebenda, S. 27/28

[3] Vgl. Ebenda, S. 20

[4] Vgl. Ebenda, S. 21

[5] Zit. nach: Kanz: Nationalsozialismus als pädagogisches Problem, S. 100

[6] Siehe S. 1

[7] Zit. nach: Giese>

[8] Vgl. Ebenda, S. 29

[9] Zit. nach: Kanz: Nationalsozialismus als pädagogisches Problem, S. 100

[10] Vgl. Giese>

[11] Zit. nach: Kanz: Nationalsozialismus als pädagogisches Problem, S. 100

[12] Vgl. Giese>

[13] Zit. nach: Kanz: Nationalsozialismus als pädagogisches Problem, S. 100

[14] Vgl. Baumgart: Erziehungs- und Bildungstheorien, S. 190

[15] Vgl. Ebenda, S. 190

[16] Vgl. Giese>

[17] Vgl. Ebenda, S. 65

[18] Vgl. Wojtun: Die politische Pädagogik von Ernst Krieck, S. 97

[19] Vgl. Ebenda, S. 98

[20] Vgl. Ebenda, S. 100/101

[21] Vgl. Ebenda, S. 103

[22] Siehe Fußnote 7

[23] Zit. nach: Wojtun: Die politische Pädagogik von Ernst Krieck, S. 106/107

Details

Seiten
21
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656706021
ISBN (Buch)
9783656706717
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v194285
Institution / Hochschule
Universität Siegen
Note
1,7
Schlagworte
Nationalsozialismus Erziehung Theorien Praxis Hitler Krieck Bäumler; Hitlerjugend; Napola; Volksschule; Mädchenerziehung; BDM

Autor

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Titel: Die Erziehung im Dritten Reich. Wurden nationalsozialistische Erziehungstheorien jemals umgesetzt?