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Die Modernisierung des Militärwesens unter Friedrich Wilhelm I. - Fortschritt für die Militärpolitik?

von N. H. (Autor)

Hausarbeit 2008 16 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Militär und preußischer Staat im 17. Jahrhundert

3. Der Aufstieg Preußens zur großen Militärmacht
3.1. Innere Reformen im Finanzwesen und der Verwaltung
3.2. Erste Reformen im Militär
3.3. Reformen im Rekrutierungswesen – Das Kantonsystem
3.4. Die Armee als wirtschaftlicher und sozialer Motor

4. Fazit

5. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In seiner Zeit als Kronprinz, machte der König die Erfahrung, dass es um den preußischen Staat nicht gut bestellt war und bereitete sich deshalb sorgfältig auf seine späteren Aufgaben als König vor, um die Stellung seines Heimatlandes in Zukunft verbessern zu können. In der folgenden Arbeit werde ich mich mit der Entwicklung des Militärwesen, der Wirtschaft und der Gesellschaft in Preußen beschäftigen und man wird bei genauerer Betrachtung eine Symbiose feststellen. Diese Komponenten sollen mir helfen, meine These zu belegen. Dass in der Regierungszeit 1713-1740 von Friedrich Wilhelm I. durch seine Reformen und seiner Zielstrebigkeit ein großer Fortschritt für Preußen und die Militärpolitik erreicht worden ist.

Zunächst werde ich mich mit dem Zustand Preußen vor der Zeit der Regierungsübernahme des Soldatenkönigs auseinandersetzen. Man wird einen Einblick darüber erhalten, wie es um das Heerwesen und die dahinter stehenden Beteiligten bestellt war. In dem nächsten Kapitel werde ich die Reformpolitik und vor allem das Werbungssystem von Soldaten aufzeigen. Außerdem soll die Einbindung der Wirtschaft in das Militär und somit eine wichtige Grundlage für das stehende Heer, dargestellt werden. Im Folgenden werde ich dann auf die Veränderungen der Bevölkerung eingehen bis zum Zeitpunkt des Todes vom König, und wie sich ihr Leben durch das neue Militärwesen entwickelt hat, wovon jede Schicht der Bevölkerung betroffen war. Des Weiteren soll erkenntlich gemacht werden, in welchem Umfang es Friedrich Wilhelm I. schaffte, den preußischen Staat innerhalb seiner Regierungszeit zu formen.

Mit diesen Thematiken möchte ich versuchen darzulegen, dass die Reformen in allen Bereichen des täglichen Lebens Einzug gehalten haben und ein Fortschritt für das gesamte Land waren.

2. Militär und preußischer Staat im 17. Jahrhundert

Um die These grundlegend zu erläutern, ist zunächst eine kurze Zusammenfassung über die vorherrschenden Zustände essenziell angebracht, um dadurch die Bedingungen des Handelns Friedlich Wilhelms aufzuzeigen. Zunächst einmal soll der Zustand im Militärwesen unter Augenschein genommen werden, welcher im weiteren Verlauf dieses Kapitels, an den Aspekt der Wirtschaft anknüpft. Mit dem Amtsantritt Friedrich Wilhelm von Brandenburg 1640 kam ein Wegbereiter zur Entstehung eines stehenden Heeres. Er wollte eine Streitkraft mit Männern bilden die aus dem eigenen Land stammen und sie in Kriegs- und Friedenszeiten zum Erhalt seiner Macht einsetzen. Denn bis dahin bestanden die Militärstruppen meist aus einem zusammen gewürfelten Haufen von Söldnern die weder Vaterlandsehre, noch Respekt vor der Bevölkerung hatten und nur ein Interesse an ihrer Bezahlung hatten.[1] Ein anderer Teil dieser Armee waren die Bauern, welche für ihre Gutsherren Frontdienste leisteten, sich aber mit einem Krieg und dem Umgang einer Waffe nicht auskannten. Aber auch die Frauen hatten ihre festen Aufgaben, wie der Sanitätsversorgung und der Beschaffung von Lebensmitteln. Wenn tausende von Soldaten in eine Schlacht zogen gab es keine einheitlichen Gewehre, Banner und Uniformen, was alles zu einer Schwächung der Kampfstärke &-moral führte. Im 17. Jahrhundert kam es oft zum Verleih der Truppen eines Landes an seine Bündnispartner um den kostspieligen Truppenunterhalt sicherzustellen.[2]

Ein Beitrag zum Truppenunterhalt lieferten auch die Gemeinden, wenn sie den Soldaten Einquartierungen zur Verfügung stellen mussten sowie Nahrung für die Armee. Zum Anfang des 17. Jahrhunderts gab es dann eine Machtteilung zwischen den Landesständen und dem Landesherrn in wichtigen Angelegenheiten, wie den Finanzen. Im Finanzbereich mussten unter anderem Steuern bewilligt werden.

Somit hatten sie auch entscheidenden Einfluss auf die Truppenstärke, denn der Unterhalt einer Armee war sehr kostenintensiv. Es wurde nun immer deutlicher, wie schwer es war, die nötigen Mittel für ein stehendes Heer aufzubringen. Ungeachtet der schlechten Wirtschaftslage nach dem Dreißigjährigen Krieg, waren die Stände, die Geldquelle. Heutzutage würde man aus politischer Sicht sagen, dass es die Opposition sei. Denn die Stände besaßen das Recht der Steuerbewilligung, weshalb der Landesherr auf ihre Gunst angewiesen war. Man kann hieraus deutlich die Abhängigkeit zu den Geldgebern erkennen, weshalb man versuchte durch entsprechende Edikte und Gesetze die Stände für sich zu gewinnen.

Jedoch befand sich nach dem Westfälischen Frieden von 1648 ein Großteil der Wirtschaft in Trümmern, das Land war seiner Frauen und Männer durch den Krieg beraubt und die Äcker lagen brach. Man begann nun mit dem Aufbau und Ausbau des Straßennetzes, Gründung neuer Verwaltungsorgane der Erweiterung von Manufakturen und der Ansiedlung von wohlhabenden Ausländern. Im Jahr 1683 versuchte Preußen sich im lukrativen Sklavenhandel in Afrika mit einzubringen, scheitert aber kläglich weil die Handelsflotte im Gegensatz zu den anderen europäischen Mächten eine recht bescheidene Flotte von nur 35 Schiffen aufwies.[3]

Ein weiterer Weg zur Militärfinanzierung waren die Kontributionssteuer, eine Grundsteuer aus dem 15. Jahrhundert und die Akzise, eine Verbrauchssteuer von 1667 auf Dinge des täglichen Bedarfs. Während die Reichen ihre Macht erweiterten, wurden die Bauern an ihren Gutsherrn gebunden. Sie mussten auf den Feldern arbeiten und zudem noch Frontdienst leisten. Darüber hinaus mussten sie Steuern zahlen und im Kriegsfall Männer und Nahrung stellen.[4]

3. Der Aufstieg Preußens zur großen Militärmacht

„Es hat nie einen Mann gegeben, der für die Behandlung von Einzelheiten so begabt gewesen wäre. Wenn er sich mit den kleinsten Dingen abgab, so tat er das in der Überzeugung, dass ihre Vielheit die großen zuwege bringt. Alles, was er tat, geschah im Hinblick auf das Gesamtbild seiner Politik; er strebte nach höchster Vervollkommnung der Teile, um das Ganze zu vervollkommnen.“[5]

Dieses Zitat von seinem Sohn Friedrich II. soll neben anderen Ehrungen und Lobeshymnen aufzeigen, welchen Verdienst sich Friedrich Wilhelm I. im eigenen Land erarbeitet hat. Schon in seiner Kindheit sind Eigenschaften zu erkennen, die später auch dem preußischen Staate zu Gute kommen. Er zeichnete sich durch einen starken Willen, Sparsamkeit, Gottesfürchtigkeit und Tatendrang aus.[6] Er entwickelte schon im Kindesalter das Interesse für Verwaltung, Wirtschaft und vor allem für das Militär, wo er sich mit dem militärischen Drill und Taktiken beschäftigte. Trotz seiner Vorliebe für die Armee, ist er eben doch kein König gewesen der sich für den Krieg begeisterte. In Wirklichkeit hat er eben nur an einem Krieg, dem Nordischen Krieg von 1715 mitgewirkt und zeigt, wie beeindruckend die Lebensgeschichte von Friedrich Wilhelm I. ist. Im Gegensatz zu seinem Vater Friedrich I. war er ein König des Inneren, der den Staat durch neue Reformen stärkte und stabilisierte auf der Basis des Heeres. Friedrich Wilhelm I. hatte zwar große Probleme mit dem Schreiben und Lesen, besaß aber ansonsten einen messerscharfen Verstand, vor allem im Bereich Verwaltung und seinem Lieblingsthema dem Militär.[7]

3.1. Innere Reformen im Finanzwesen und in der Verwaltung

Friedrich Wilhelm I. hatte mit dem Beginn der Thronbesteigung keine gute Ausgangslage, denn die war keineswegs vorteilhaft für den neuen König. Der immense Schuldenberg musste abgebaut werden und auch geopolitisch besaß Preußen eine schlechte Lage. Denn die Städte, auch Berlin, waren in einem Tagesmarsch zu erreichen und um diese Grenzen zu schützen, brauchte man ein großes Heer. Um ein starkes Heer aufzubauen, brauchte er natürlich eine dementsprechende Wirtschafts- und Finanzlage. Jedoch musste er als neuer König feststellen, dass es noch langer Weg sein würde, bis Preußen wieder finanzkräftig sein würde. Seine ersten Taten bestanden darin den Staat wieder liquide zu machen. Einen großen finanziellen Einschnitt musste der Hofapparat über sich ergehen lassen, der auf ein Minimum reduziert wurde. Aber nicht nur wegen der Kostenersparnis allein, sondern weil der König dem ganzen höfischen Leben nichts abgewinnen konnte. ”Zwei Drittel der bei Hofe angestellten Dienerschaft- einschließlich des Chocolatiers, der beiden Kastraten, der Cellisten, Komponisten und Orgelbauer- wurden fristlos entlassen; die übrigen mussten Gehaltskürzungen von bis zu 75 Prozent hinnehmen.”[8] Auch alle wertvollen Gegenstände wurden verkauft um die leeren Kassen zu füllen. Seinen Ruf als “Plusmacher” wurde er spätestens gerecht, als er sein ganzes Guthaben dem Staat überschrieb, nur damit Preußen genug Vermögen für den Aufbau des Militärs hatte.[9] Mit dem Beginn seiner Amtszeit, wollte er die Macht des Landadels beschränken und die Verwaltung zentralisieren. ”Dieser ‘rocher’ bildete die Hauptvoraussetzung für die Schaffung militärischer Macht eines Gesamtstaates, dessen Beamte die ständischen Organe verdrängten und die Landesverfassungen durch eine immer rationeller funktionierende Zentralverwaltung des bürokratischen Absolutismus ersetzten.”[10]

Ein erster Schritt war ein Edikt vom 27. März 1713, wo das Kassenwesen, die Hofkammern, die Finanzverwaltungen und das Domänendirektorium zum Generalfinanzdirektorium zusammengelegt wurden. Die Domänen wurden nun erstmals unter einem Institut verwaltet. Die zweite große Verwaltungsinstanz war das Generalkriegskommissariat, welches mit den Geldern des Militärs zu tun hatte. Jedoch arbeiteten die beiden Behörden nicht miteinander, sondern gegeneinander. Da Friedrich Wilhelm I. so etwas nicht dulden wollte und auch nicht konnte, beschloss er den Konkurrenzkampf durch eine erneute Reform zu beenden. In einer Order an den Kabinettssekretär Ilgen beschreibt er seine Verachtung gegen die beiden Verwaltungen: „Sie hätten vielleicht gemeint, daß Sie es mit einem Narren zu thun hätten, dem man etwas vormachen könnte, und daß es genug wäre, wann Sie nur das General- Kommissariat anschwärzten, als wann demselben alles zu imputiren wäre, da doch die Schuld an Seiten des General- Finanz- Directorii und der Provinzialkammern guten Theils haftete, (…).”[11] Er legte die beiden Verwaltungen am 19. Januar 1723 zum General- Oberfinanz-, Kriegs- und Domänen- Direktorium, kurz Generaldirektorium zusammen. Nicht nur die Streitigkeiten konnte er somit beenden, sondern auch das Finanzwesen effizienter gestalten. Der König konnte durch diese Umstrukturierung viel Geld sparen, was der Staat sonst den Beamten hätte zahlen müssen.[12]

Er begann nun die Veränderung des Steuersystems, es sollte ab jetzt gerechter verteilt werden. Die Bauern sollten entlastet werden, weil diese ja schon genug bezahlen mussten. Wichtige Einnahmequellen waren hierbei die Akzise, eine Verbrauchssteuer und die Kontribution, eine Grundsteuer. Eine weitere Finanzquelle wurde mit der Einführung des Generalhufenschoßes erschlossen.

Sie war eine Steuer die abhängig von der Qualität des Bodens war. Damit wurde die Besteuerung auch gerechter, weil nun nämlich der Adel auch mehr zahlen musste. Mit der Einstufung des Landes als „allodial“, wurde das Land Eigentum des Adels, welche es nun leichter verkaufen und vererben konnten. Jedoch forderte auch hier der König eine Besteuerung vom Adel. Durch seine Reformen mussten nun vor allem die Adligen mehr zahlen, was er aber auch als gerecht ansah.[13]

Für ein großes Heer und eine florierende Wirtschaft brauchte der Soldatenkönig aber auch eine große Bevölkerung. Durch Ansiedlungsprogramme von ausländischen Staatsbürgern, gewann er nicht nur die Menschen für sein Land, sondern auch ihre Berufe. Sie brachten verschiedenste neue Berufe mit sich, die vom Kanoniergießer bis hin zum Goldschmied reichten. Der größte Einwanderungsschub fand aber 1732 statt, wo Preußen um die 20.000 Salzburgerischen Protestanten aufnimmt. Mit dem Zuwachs in der Bevölkerung konnten nun auch neue Manufakturen gegründet werden. Um die Geschäftsleute für Neugründungen zu gewinnen, bot er ihnen finanzielle Vergünstigungen an.[14]

Hier wird der Wirtschaftskreislauf zwischen der Bevölkerung, der Wirtschaft und dem Militär deutlich. Friedrich Wilhelm I. hatte es nun geschafft den Staat schuldenfrei zu machen. Er konnte durch den Bevölkerungszuwachs die Steuern erhöhen und sie gerechter zu verteilen. Die Verwaltung wurde zentraler und effizienter geleitet. Mit den neuen Einnahmequellen konnte er auch ein großes Heer finanzieren und somit seine Macht sichern.

[...]


[1] Fiedler, Siegfried: Kriegswesen und Kriegführung im Zeitalter der Kabinettskriege, Band 2, Koblenz 1986, S.93.

[2] Bernhard R. Kroener: „Das Schwungrad an der Staatsmaschine?“ Die Bedeutung der bewaffneten Macht in der europäischen Geschichte der Frühen Neuzeit , in: Kroener, Bernhard R. / Pröve, Ralf (Hrsg.): Krieg und Frieden - Militär und Gesellschaft in der Frühen Neuzeit, Paderborn-München-Wien-Zürich 1996, S. 14-21.

[3] Büsch, Otto und Neugebauer, Wolfgang: Moderne Preußische Geschichte 1648-1947, Eine Anthologie, Berlin/New York 1981, S. 545-547

[4] Treue, Wilhelm: Wirtschafts- und Technikgeschichte Preußens, Berlin 1984, S. 8-12.

[5] Gustav Berthold Volz (Hrsg.): Die Werke Friedrich des Großen. Denkwürdigkeiten zur Geschichte des Hauses Brandenburg, Bd.1. Berlin 1913, S. 121.

[6] Oestreich, Gerhard: Friedrich Wilhelm I., Preußischer Absolutismus, Merkantilismus, Militarismus, Göttingen-Zürich-Frankfurt 1977, S.9.

[7] Clark, Christopher: Preußen. Aufstieg und Niedergang 1600-1947. München 2006, S. 105; S.114.

[8] Clark: Preußen, S. 106.

[9] Fiedler: Kriegswesen und Kriegführung, S. 110-111.

[10] Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte, S. 23.

[11] Friedrich Wilhelm: Kabinettsordre an Ilgen vom 15.1.1723. Aufhebung des Generalkriegscommissariats und des Generalfinanzdirectoriums- Gründung des Generaldirectoriums, in: Acta Borussia. Denkmäler der Preußischen Staatsverwaltung im 18. Jahrhundert. Bd. 3: Behördenorganisation und Allgemeine Staatsverwaltung, Berlin 1901,S.661.

[12] Clark: Preußen, S. 115-116.

[13] Clark: Preußen, S. 119.

[14] Treue: Wirtschafts- und Technikgeschichte, S. 45.

Details

Seiten
16
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656199243
ISBN (Buch)
9783656199816
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v194395
Note
2,3
Schlagworte
Friedrich Wilhelm I. Militär Aufstieg Preußens Innere Reformen Rekrutierungswesen Kantonsystem

Autor

  • N. H. (Autor)

    16 Titel veröffentlicht

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