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Analyse des DaF-Lehrbuches „Mittelpunkt C1 – Deutsch als Fremdsprache für Fortgeschrittene“ anhand der Lernervariable ‚Alter‘

Seminararbeit 2011 16 Seiten

Zusammenfassung

Das Lehrbuch ‚Mittelpunkt C1‘ erschien das erste Mal 2008 im Ernst Klett Verlag. Die Redaktion selbst bezeichnet dieses als den „Beginn einer neuen Lehrwerksgeneration“1 und begründet dies mit dem Verweis auf die Kannbeschreibungen des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen.2 Diese Beschreibungen bestimmen alle in dem Lehrwerk enthaltenen Lehrziele und Inhalte in Orientierung an das Niveau C1. Damit soll ein transparenter Lernprozess gesichert und alle Ergebnisse international vergleichbar sein.3 Dabei geht das Lehrwerk über das bloße Sprachenlernen hinaus und verweist auf das Besondere einer neuen Kultur (in diesem Falle der deutschen Kultur) und die Wichtigkeit von affektiven Lernerfolgen (bei welchen die eigene Persönlichkeit mit eingebracht werden soll und dadurch eigene Werte und Vorstellungen berücksichtigt werden). Interessant ist, dass die Lerner4 mit den Aufgabenformaten der C1-Prüfung des Goethe-Instituts (vgl. „Goethe-Zertifikat C1“) vertraut gemacht werden. Darüber hinaus beinhaltet das Lehrwerk Aufgaben von TELC („telc Deutsch C1“), „TestDaF“ und „DSH“. Dabei verteilen sich solche prüfungsrelevanten Aufgaben über das gesamte Lehrbuch und die zusätzlichen Medien, die online zur Verfügung gestellt werden. ‚Mittelpunkt C1‘ richtet sich an den fortgeschrittenen Lerner, der das Sprachniveau C1 des Referenzrahmens erreichen möchte. Dabei wird das Lernalter 16+ (i.e. ab einem Alter von 16 Jahren ohne spätere Altersbegrenzung) empfohlen. Die Produktpalette der ‚Mittelpunkt‘-Reihe ist für Lernende und Lehrende sehr umfangreich. [...] Die Arbeit soll zeigen, ob die Altersgruppen spezifisch angesprochen werden und inwieweit das Lehrbuch an den Ansprüchen fortgeschrittener und erwachsener Lerner orientiert ist und diese auch umsetzen kann.

Leseprobe

Gliederung:

1. Einführung

2. Endogene Lernervariable ‚Alter‘

3. Lehrwerke und Lehrwerkentwicklung im DaF-Unterricht

4. Analyse ‚Mittelpunkt C1‘ - Wird ‚Mittelpunkt C1‘ seinen Anforderungen gerecht?

5. Zusammenfassung

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einführung

Das Lehrbuch ‚Mittelpunkt C1‘ erschien das erste Mal 2008 im Ernst Klett Verlag. Die Redaktion selbst bezeichnet dieses als den ÄBeginn einer neuen Lehrwerksgeneration“1 und begründet dies mit dem Verweis auf die Kannbeschreibungen des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen.2 Diese Beschreibungen bestimmen alle in dem Lehrwerk enthaltenen Lehrziele und Inhalte in Orientierung an das Niveau C1. Damit soll ein transparenter Lernprozess gesichert und alle Ergebnisse international vergleichbar sein.3 Dabei geht das Lehrwerk über das bloße Sprachenlernen hinaus und verweist auf das Besondere einer neuen Kultur (in diesem Falle der deutschen Kultur) und die Wichtigkeit von affektiven Lernerfolgen (bei welchen die eigene Persönlichkeit mit eingebracht werden soll und dadurch eigene Werte und Vorstellungen berücksichtigt werden). Interessant ist, dass die Lerner4 mit den Aufgabenformaten der C1-Prüfung des Goethe-Instituts (vgl. ÄGoethe-Zertifikat C1“) vertraut gemacht werden. Darüber hinaus beinhaltet das Lehrwerk Aufgaben von TELC (Ätelc Deutsch C1“), ÄTestDaF“ und ÄDSH“. Dabei verteilen sich solche prüfungsrelevanten Aufgaben über das gesamte Lehrbuch und die zusätzlichen Medien, die online zur Verfügung gestellt werden. ‚Mittelpunkt C1‘ richtet sich an den fortgeschrittenen Lerner, der das Sprachniveau C1 des Referenzrahmens erreichen möchte. Dabei wird das Lernalter 16+ (i.e. ab einem Alter von 16 Jahren ohne spätere Altersbegrenzung) empfohlen. Die Produktpalette der ‚Mittelpunkt‘-Reihe ist für Lernende und Lehrende sehr umfangreich. Neben dem Lehrbuch stehen Arbeitsbuch, Audio-CDs, Redemittelsammlungen, Grammatiktrainer, Intensivtrainer Hör- und Leseverstehen, Intensivtrainer schriftlicher und mündlicher Ausdruck, sowie Interaktive Tafelbilder, Online-Materialien und sogar eine Moodle-Plattform zur Verfügung. Diese Plattform zeigt sich äußerst umfangreich und bietet dem Lernenden viele Möglichkeiten zur Weiterentwicklung der bisherigen Sprachkenntnisse, indem es sehr abwechslungsreiche und interessante Materialien und Aufgaben anbietet.5 Es werden Videos, Texte, Spiele, Mindmaps, Chats, etc. miteinander verknüpft. In der vorliegenden Seminararbeit soll analysiert werden, ob das Lehrbuch ‚Mittelpunkt C1‘ seinen Anforderungen gerecht wird, besonders im Bezug auf die Lernervariable ‚Alter‘. Dieses Lehrwerk wird ja für Jugendliche, junge Erwachsene und Erwachsene empfohlen. Die Arbeit soll zeigen, ob die Altersgruppen spezifisch angesprochen werden und inwieweit das Lehrbuch an den Ansprüchen fortgeschrittener und erwachsener Lerner orientiert ist und diese auch umsetzen kann.

2. Endogene Lernervariable ‚Alter‘

Der Erwerb eine Primärsprache (i.e. Muttersprache) gehört zu den herausfordernsten intellektuellen Aufgaben, welche ein Mensch während seines Lebens bewältigen muss. Interessant hierbei ist, dass diese Aufgabe in den frühesten Jahren des Menschenlebens geschafft werden muss, wenn sich biologische, sozial-interaktive und kognitive Aspekte ebenfalls noch entwickeln. Der Zusammenhang zwischen Alter und Spracherwerb gehört mit zu den wichtigsten Forschungsgebieten der internationalen Spracherwerbsforschung. Dabei werden Fragen nach Unterschieden in der Schnelligkeit des Spracherwerbs, Prozessen, Kompetenzen, kritischen oder sensiblen Phasen und der Vermittlung beantwortet - zumindest wird nach Antworten gesucht, die empirisch belegt werden können. Ziel ist es, die dann ermittelten Altersunterschiede theoretisch zu erklären und Verbesserungen für den Sprachunterricht zu entwickeln. Doch besonders im Bereich ‚Deutsch als Fremdsprache‘ gibt es noch großen Nachholbedarf und bisher nur sehr wenig genau Erforschtes.

Was ist nun von Bedeutung für den Erwerb einer fremden Sprache, die nicht die Primärsprache ist? Zuerst einmal wirkt er sich zumeist positiv auf den Lerner aus, da er - biologisch gesehen - mit einem Prozess der Selbstentfaltung verbunden ist. Wird eine fremde Sprache noch vor dem dritten bzw. vierten Lebensjahr erlernt, ist es noch kein nachzeitiger Erwerb einer fremden Sprache, denn je früher eine fremde Sprache angeeignet wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die spezifischen neuronalen Vernetzungen herausbilden. Wird die Sprache nach dem dritten bzw. vierten Lebensjahr erworben, ist der Lerner umso mehr auf schon vorhandene Gehirnstrukturen angewiesen, die sich durch die Primärsprache etabliert haben. Die Fremdsprache muss also in die Vernetzungen der Primärsprache integriert werden. Aus diesem Grund ist der nachzeitige Spracherwerb ein partiell anderer Prozess und kann nicht mit dem sehr frühen Erwerb einer weiteren Sprache gleichgesetzt werden. Natürlich finden sich aber auch Parallelen, z.B. werden ähnliche Entwicklungsstadien des Spracherwerbs durchlaufen, d.h. die Erwerbsprozesse ähneln sich. Für beide Erwerbsformen gilt jedoch ein wichtiger Grundsatz: Je mehr das limbische System des Gehirns in den Sprachlernprozess eingebunden wird, desto erfolgreicher, tiefer und dauerhafter ist die Speicherung der neuen Informationen. Das limbische System (i.e. das Zwischenhirn) ist im Besonderen für emotionale und affektiv-geprägte Prozess zuständig und beeinflusst Aufmerksamkeitsfähigkeit, Motivation und Sprechflüssigkeit der Lerner. Limbisch orientierte Sprachprozesse bringen den Lerner also mit positiven Gefühlen und wirklicher Beteiligung der Sprache näher.

Die Erkenntnisse zu den Altersunterschieden beim Fremdspracherwerb ähneln sich und stimmen weitesgehend überein. Darin zeigt sich, dass es für den Wortschatzerwerb wohl keine kritische Erwerbsgrenze oder sensible Phase gibt, sodass dieser eher abhängig ist von der allgemeinen kognitiven Entwicklung, der Speicherungsleistung, dem Input, der Lernumgebung und, natürlich, den persönlichen Interessen. Einige Forschungsergebnisse geben die Pubertät als kritische Grenze an, d.h. dass Lerner, die vor der Pubertät mit dem Erwerb einer Fremdsprache beginnen, ein vollständiges bzw. annähernd muttersprachliches Niveau erreichen. Nach der Pubertät ist dies natürlich auch noch möglich, doch mit größerem Aufwand und deutlich schwierigeren Lernwegen verbunden.6 Dabei sind jüngere Lerner nicht nur beim Erlernen der Aussprache und Intonation überlegen, sondern auch bei Grammatik und Sprechflüssigkeit. Nach dieser Überzeugung sollten Fremdsprachenlerner also am besten vor dem 15. Lebensjahr mit dem Erwerb beginnen. Dabei gilt das Alter von zwölf bis 15 Jahren als sensible Phase, da Heranwachsende in diesem Alter jüngeren Kindern und Erwachsenen auf nahezu allen sprachlichen Ebenen überlegen sind.

Die Problematik solcher Studien liegt bei den globalen Angaben wie ‚Kinder‘, ‚Jugendliche‘ und ‚Erwachsene‘. Außerdem sollte präzise unterschieden werden, welche Aspekte untersucht wurden, z.B. der erreichte bzw. erreichbare Sprachstand, die Zügigkeit des Spracherwerbs, Performanz bzw. Kompetenz und ob der Spracherwerb unter außerunterrichtlichen (informellen) oder unterrichtlichen (formellen) Bedingungen stattgefunden hat.7 Gerade deshalb gibt es wohl unter den Forschungsergebnissen gerade bei dem Punkt ‚sensible Phase‘ so große Unterschiede, obwohl ansonsten tendenziell Einigkeit vorherrscht. Andere Vertreter behaupten nämlich, dass die kritische Erwerbsphase nicht erst mit dem Beginn der Pubertät abschließt, sondern bereits mit dem fünften bzw. sechsten Lebensjahr, wiederum andere Vertreter sprechen sogar von dem dritten Lebensjahr oder dass die Phase über das 20. Lebensjahr hinaus reicht.8 Grotjahn und Schlak interpretieren den aktuellen Forschungsstand zum Thema endogene Lernervariable ‚Alter‘ folgendermaßen: Faktisch gesehen ist die allgemeine Annahme falsch, dass Kinder immer leichter und schneller lernen als Jugendliche oder Erwachsene.9 Die alltagssprachlichen Kompetenzen sind im Kindesalter jedoch deutlich schneller und mit weniger Mühe erlernbar, wohingegen die bildungssprachenlichen Kompetenzen mit mehr Anstrengungen verbunden sind. Daher auch die Annahme, dass Kinder und jüngere Lerner unter informellen Bedingungen viel besser lernen können als unter formellen und dies trifft, vice versa, auch auf Erwachsene bzw. ältere Lerner zu; ihnen fällt es leichter, im Fremdsprachenunterricht konzentriert und zügig voranzukommen und kämpfen mehr mit Hemmungen und Sprachbarrieren in Alltagssituationen. Bezüglich Aussprache und Intonation sind jüngere Lerner bzw. Kinder tatsächlich im Vorteil, auch langfristig gesehen, denn es fällt ihnen leichter, Sprache zu imitieren. Doch für ältere Lerner ist in diesem Bereich ‚der Zug nicht abgefahren‘, meist bedarf es nur größerer Anstrengung. Junge Erwachsene und Erwachsene sehen ihren langfristigen Vorteil doch eher in Pragmatik und Lexik - diese Vorteile lassen sich weitestgehend durch größere kognitive Ressourcen und das weitere Sprach- und Weltwissen theoretisch erklären. Kinder sind Erwachsenen (bzw. älteren Lernen) vor allem dann überlegen, wenn der Spracherwerb unter nahezu muttersprachlichen Bedingungen erfolgen kann (dann z.B. Deutsch als Zweitsprache zur Existenzbewältigung).10

[...]


1 Mittelpunkt C1, S. 3.

2 Vgl. <http://www.klett.de/sixcms/media.php/229/676610_MittelpunktC1_Kannbeschr_EB.pdf>

3 Vgl. ebd.

4 Aus Gründen der Lesbarkeit und Einfachheit wird fortgehend die maskuline Form verwendet, wobei die feminine Form mit eingeschlossen ist.

5 Vgl. Moodle-Demo, Ernst Klett Verlag. Die Moodle-Seite ist sehr übersichtlich gestaltet und es finden sich überall Tipps und Tricks, um aus der Seite das Beste für sich selbst herausholen zu können. Dabei werden auch interessante und hilfreiche Online-Tools vorgestellt und einfach erklärt. <http://www.klett.de>.

6 Vgl. Huneke, Steinig: Deutsch als Fremdsprache, S. 11.

7 Vgl.Grotjahn, Schlak, S. 868.

8 Vgl. ebd., S. 868.

9 Vgl. ebd., S. 869.

10 Vgl. ebd., S. 871.

Details

Seiten
16
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656201243
ISBN (Buch)
9783656201861
DOI
10.3239/9783656201243
Dateigröße
650 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Institut für Germanistik
Erscheinungsdatum
2012 (Mai)
Note
1,3
Schlagworte
analyse daf-lehrbuches mittelpunkt deutsch fremdsprache fortgeschrittene lernervariable

Autor

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Titel: Analyse des DaF-Lehrbuches „Mittelpunkt C1 – Deutsch als Fremdsprache für Fortgeschrittene“ anhand der Lernervariable ‚Alter‘