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Welchen Einfluss haben die sozialen Netzwerke des Internets auf Protestverhalten?

Hausarbeit 2012 16 Seiten

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Einfluss von den sozialen Netzwerken des Internets auf politischen Protest
2.1 Warum protestieren Menschen?
2.1.1 Allgemeine Theorien
2.1.2 Einfluss von den sozialen Netzwerken des Internets
2.2 Illustration der Theorien am Beispiel des arabischen Frühlings

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Internet hat uns fest im Griff. Laut einer Statistik der Initiative D21 (Initiative D21 e.V. 2011: 10) waren im Jahr 2011 74,7% der über 14-jährigen sogenannte „Onliner“, also sind im Internet Tätige. Dieses beeinflusst viele Lebensbereiche, immer häufiger wird das soziale Leben mehr ins Internet verlegt. Daher ist es auch interessant zu untersuchen, ob das Internet und das soziale Leben im virtuel- len Raum, in sozialen Netzwerken wie Facebook oder auf ähnlichen Portalen auch das politische Verhalten beeinflusst. Insbesondere soll dabei auf das Protestver- halten von Menschen, dessen Entstehung und Entwicklung in sozialen Bewegun- gen eingegangen werden.

2. Einfluss von den sozialen Netzwerken des Internets auf politischen Protest

Das Ziel dieser Arbeit ist es, zu untersuchen, wie die sozialen Netzwerke des Internets den politischen Protest beeinflussen können. Dazu soll erst theoretisch erläutert werden, warum Menschen überhaupt protestieren und wie das Internet und die sozialen Netzwerke dieses Verhalten verändern oder verstärken können. Dann soll die Theorie am aktuellen Beispiel der Proteste in Nordafrika, dem arabischen Frühling, illustriert werden.

2.1 Warum protestieren Menschen?

Im Folgenden sollen zunächst die allgemeinen Theorien des Protests erläutert werden. Dabei wird auf die Theorie der relativen Deprivation, die Theorie der politischen Kultur, der Ressourcen-Mobilisations-Ansatz und die „New Move- ment Theory“ eingegangen, wobei der Ressourcen-Mobilisations-Ansatz genauer beschrieben wird.

Danach soll erörtert werden, welchen Einfluss die sozialen Netzwerke des Internets auf den politischen Protest haben.

2.1.1 Allgemeine Theorien

Es gibt verschiedene Ansätze, die versuchen die Gründe und Struktur des politischen Protestes zu erklären.

Zunächst wurde der politische Protest als eine unkontrollierte Ausdrucksweise derer angesehen, die sich nicht auf anderem Wege in die Politik einbringen konn- ten. Er war etwas, das unterdrückt werden musste (Rucht 2007: 711f). Ein klassi- scher sozialpsychologischer Ansatz ist zum Beispiel die Theorie der relativen De- privation. Hierbei wird davon ausgegangen, dass Menschen protestieren, wenn sie unzufrieden sind und sich sozial benachteiligt fühlen. Van Sickle und Dalton (2005) beschreiben relative Deprivation als „a psychological state that occurs when people have less than they think are entitled“ (Gurr 1970 zitiert nach van Sickle & Dalton 2005: 8). Es handelt sich hierbei um eine irrationale, von subjek- tiven Einschätzungen beeinflusste Begründung für Protest (Buechler 2000: 28). Diese Theorie bestätigt sich vor allem in geringer entwickelten, ärmeren Ländern, da hier die Gründe und Ziele des Protests andere sind als in reicheren Staaten (van Sickle & Dalton 2005: 9). Für eben diese reicht aber die Theorie der relativen De- privation nicht aus, um den Protest zu erklären.

Ein weiterer Erklärungsansatz bezieht sich auf den Einfluss von Werten und Ideologien auf Protestverhalten. Dabei wird zum einen davon ausgegangen, dass die Modernisierung und der damit einhergehende Wertewandel die Protestbereitschaft beeinflusst. Zum anderen wird auch nach der links-rechts Orientierung unterschieden (van Sickle & Dalton 2005: 20ff).

Die Wertewandeltheorie nach Inglehart besagt, dass sich die Werte der Menschen vom Materialistischen hin zum Postmaterialistischen entwickeln. Dadurch ändert sich auch die Sichtweise der Menschen bezüglich der Politik und Politiker; sie sind kritischer und neigen daher eher dazu zu protestieren. Dieser Zusammenhang gilt aber im Gegensatz zur Theorie der relativen Deprivation verstärkt in den rei- cheren Ländern, wie eine empirische Analyse von van Sickle & Dalton (2005: 23) zeigt.

Hinsichtlich der Ideologie wurde auch der Einfluss der links-rechts Orientierung geprüft. Hierbei wurde festgestellt, dass Personen, die eher links eingestellt sind eine höhere Neigung zum Protest haben. Als Grund nennen van Sickle & Dalton (2005), dass ein Ziel der Linksorientierten „challenge the status quo“ (van Sickle & Dalton 2005: 21) ist. Diese Theorie lässt sich ebenfalls empirisch bestätigen, wobei aber auch hier festzustellen ist, dass die Zusammenhänge in reicheren Län- dern stärker sind als in den Ärmeren (van Sickle & Dalton 2005: 23).

Die bisher beschriebenen Theorien beschäftigen sich damit, warum politischer Protest entsteht. Der im Folgenden vorgestellte Erklärungsansatz, der Ressourcen- Mobilisations-Ansatz, versucht zu analysieren, wie er entsteht und sich entwi- ckelt.

Laut Buechler (2000) kann man die Ressourcen-Mobilisations-Theoretiker grob in zwei Lager aufteilen. McCarthy und Zald (1973, 1977) fokussieren sich eher auf die rationalere, wirtschaftlichere Denkweise. Tilly (1978) und McAdam (1982) hingegen vertreten eher eine politologische Sichtweise (Buechler 2000: 35ff). Im Folgenden wird auf das Modell von McCarthy und Coautoren Bezug genommen. Die grundsätzliche Überlegung hierbei ist, dass sich durch die Aggregation von Ressourcen soziale Bewegungen entwickeln können. Damit der Protest effektiver ist, müssen diese Ressourcen durch eine Organisation koordiniert werden. Es müssen immer wieder neue Ressourcen generiert werden, durch die wiederum auch Personen für die soziale Bewegung mobilisiert werden können. Die Ent- scheidung für ein Engagement oder den Protest erfolgt dann gemäß einer Kosten- Nutzen-Rechnung der Individuen oder Organisationen. Diese Kosten und Nutzen sind abhängig von der politischen Situation und Struktur. (McCarthy & Zald 1977: 1216, McCarthy & Edwards 2007: 117).

Dabei spielen verschiedene Aspekte eine wichtige Rolle. Das sind zum ersten die ungleiche Verteilung, Verfügbarkeit und die Umverteilung von Ressourcen durch verschiedene Institutionen. Zum zweiten die Art der Ressourcen, zum dritten die Merkmale dieser und zuletzt, wie man Zugang zu ihnen erhält (McCarthy & Edwards 2007).

„Not all social groups control the same types and amounts of resources, and not all individuals within a given social group have equal access to group resources”: so beschreiben McCarthy und Edwards (2007: 118) die Verteilung der Ressourcen in der Gesellschaft. Ziel ist es zu zeigen, dass die Möglichkeiten für die Mobilisa- tion von Ressourcen über die Zeit und in verschiedenen Kontexten unterschiedlich sind. Beispielsweise beeinflussen technologische Entwicklungen, wie die Ent- wicklung des Telefons, Mobiltelefons und die des Internets die Verfügbarkeit von Ressourcen. Das spiegelt sich auch in den unterschiedlichen sozialen Gruppen wider. Personen mit höherem Einkommen haben zum Beispiel mehr monetäre Ressourcen und können so soziale Bewegungen finanziell unterstützen, weniger aber durch zeitliche Ressourcen. Deshalb befindet sich nach der Ressourcen- Mobilisationstheorie die Basis des Protests im Mittelstand und nicht unbedingt bei den sozial Benachteiligten, wie es nach der Theorie der relativen Deprivation sein müsste (McCarthy & Zald 1977: 1216, McCarthy & Edwards 2007: 119f.). Die Ressourcen, die in der Gesellschaft vorhanden sind, können aber auch umge- schichtet werden. Das geschieht zum Beispiel durch den Staat, durch Organisatio- nen oder auch durch Individuen. Der Staat kann sozialen Bewegungen, die be- stimmten Richtlinien entsprechen, zum Beispiel monetäre Hilfen oder technische Unterstützung leisten. Außerdem kann er den Aktivisten aus sozialen Bewegun- gen auch Zugang zu entscheidungstragenden Prozessen gewähren. Stiftungen können zum Beispiel auch finanzielle Hilfen leisten, religiöse Organisationen hin- gegen können eher Humankapital oder soziale Ressourcen einbringen. Sogenann- te „social movement organizations“ (McCarthy & Zald 1977: 1218) können orga- nisatorische oder technische Hilfen geben, was auch eine Ressource darstellt. Zu- letzt können Firmen und Unternehmen auch als Sponsoren tätig sein oder auch monetäre Ressourcen liefern. (McCarthy & Edwards 2007: 120 ff).

Im Folgenden soll ein kurzer Überblick über die verschiedenen Arten von Ressourcen geben werden. McCarthy und Edwards (2007) unterscheiden zwischen fünf unterschiedliche Ressourcen.

Die erste Art ist die der moralisch unterstützenden Ressourcen. Diese können zum Beispiel in Form von institutioneller Legitimierung in der Gesellschaft sein oder auch durch die Unterstützung einer berühmten Persönlichkeit, beispielsweise die Patenschaft vieler Hilfsprojekte durch MusikerInnen oder SchauspielerInnen (McCarthy & Edwards 2007: 125f.).

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Details

Seiten
16
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656198437
ISBN (Buch)
9783656199991
DOI
10.3239/9783656198437
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v194559
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg – Lehrstuhl für politische Soziologie
Note
1,7
Schlagworte
soziale netzwerke protest internet

Autor

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Titel: Welchen Einfluss haben die sozialen Netzwerke des Internets auf Protestverhalten?