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Interjektionen - ein universeller Teil jeder natürlichen Sprache

©2011 Hausarbeit 16 Seiten

Zusammenfassung

Interjektionen sind universeller Teil jeder natürlichen Sprache. Jedoch wurden sie in der Linguistik lange vernachlässigt, vor allem, weil sie für peripher für das sprachliche System gehalten wurden, besonders für Phonotaktik und Syntax. Bis in die 90er Jahre gab es kaum Veröffentlichungen, in letzter Zeit wird jedoch zunehmend ihre Bedeutung in der und für die Linguistik erkannt.

Sie bilden eine lexikalische Kategorie, die zum Ausdrücken isolierter Emotionen des Sprechers genutzt werden. Jedoch werden sie oft, je nach Definition, anderen Wortarten zugeordnet, z.B. Partikeln.

In dieser Arbeit versuche ich, einen Überblick über Interjektionen zu verschaffen. Ich stelle die geschichtliche Entwicklung der Ansichten hierüber vor und wie sie von anderen Wortarten und Unterklassen derer abgegrenzt wurden und werden. Darauf folgen signifikante modernere Klassifizierungen von Interjektionen. Anhand von Beispielsprachen werden besondere Merkmale von ihnen dargestellt, die sie von anderen Wortarten in den jeweiligen Sprachen unterscheiden und daher besonders machen.

Laut Konvention werden Interjektionen durch ein Ausrufezeichen am Ende markiert und so in Verschriftlichungen wie satzwertige Ausrufe behandelt.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Interjektionen als Wortart
Geschichtliche Entwicklung
Griechische und lateinische Grammatiker
Frühe Neuzeit und frühe Moderne
Moderne Ansichten
Differenzierung zu anderen Wortarten
Interjektionen vs. Partikeln
Interjektionen vs. Routinen

Integration in Syntax

Arten von Interjektionen
Morpho-phonologische Einteilung
Primäre Interjektionen
Sekundäre Interjektionen
Semantische Einteilung
Expressiv
Konativ
Phatisch
Klassifizierung laut Wierzbicka
Volitiv

Besondere Interjektionsmerkmale in Beispielsprachen
Interjektionen im Quechua
Interjektionen und Gesten im Swahili

Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Interjektionen sind universeller Teil jeder natürlichen Sprache. Jedoch wurden sie in der Linguistik lange vernachlässigt, vor allem, weil sie für peripher für das sprachliche System gehalten wurden, besonders für Phonotaktik und Syntax. Bis in die 90er Jahre gab es kaum Veröffentlichungen, in letzter Zeit wird jedoch zunehmend ihre Bedeutung in der und für die Linguistik erkannt.

Sie bilden eine lexikalische Kategorie, die zum Ausdrücken isolierter Emotionen des Sprechers genutzt werden. Jedoch werden sie oft, je nach Definition, anderen Wortarten zugeordnet, z.B. Partikeln.

In dieser Arbeit versuche ich, einen Überblick über Interjektionen zu verschaffen. Ich stelle die geschichtliche Entwicklung der Ansichten hierüber vor und wie sie von anderen Wortarten und Unterklassen derer abgegrenzt wurden und werden. Darauf folgen signifikante modernere Klassifizierungen von Interjektionen. Anhand von Beispielsprachen werden besondere Merkmale von ihnen dargestellt, die sie von anderen Wortarten in den jeweiligen Sprachen unterscheiden und daher besonders machen.

Laut Konvention werden Interjektionen durch ein Ausrufezeichen am Ende markiert und so in Verschriftlichungen wie satzwertige Ausrufe behandelt.

Interjektionen als Wortart

Geschichtliche Entwicklung

Griechische und lateinische Grammatiker

Für die griechischen Grammatiker waren Interjektionen eine Unterklasse der Adverbien, da sie angeblich Verben determinieren.

Die lateinischen Grammatiker bildeten das Wort Interjektion aus lateinisch interiectio ‘Einwurf‘. Sie betrachteten diese als Extra-Wortart, durch diese Neuerung konnten die partes orationes ‘Wortarten‘ auf die magische Zahl acht angehoben werden. Dadurch ersetzten sie die griechische Wortart der Artikel, da es im Lateinischen keine Artikel gab.

Laut ihnen beinhalten Interjektionen auch unkonventionelle oder Nicht-Wörter. Diese sind nicht analysierbar und drücken direkt Affekte des Geistes aus. Sie sind syntaktisch unabhängig und zeigen Gefühle oder Geistesverfassungen (states of mind) des Sprechers aus.

Frühe Neuzeit und frühe Moderne

Wilkins und Campanella, die in der frühen Neuzeit lebten, stimmten mit den lateinischen Grammatikern weitestgehend überein. Jedoch meinten letztere, dass Interjektionen ein Teil der mündlichen Sprache seien. Im Gegensatz dazu fanden Wilkins und Campanella, dass sie Sätze ersetzen können und daher:

“... interjections are […] not words but rather an element of syntax.“ (Ameka, 1992, Seite 103)

Interjektionen sind insofern Elemente der Syntax, dass sie Konstituenten sind, man sieht das z.B. am Bewegungstest (Permutationstest). Ein Beispiel hierfür ist:

(1) “Habe nun, ach! Philosophie [...] studiert, mit heißem Bemühn.” (Goethe 1971, Kapitel 4) und
(2) “Ach, habe nun Philosophie [...] studiert, mit heißem Bemühn.”

Jespersen (1975, Seite 90) schrieb, dass Interjektionen sowohl Wörter, die nicht anderweitig verwendet werden, also auch Laute enthalten, die in der Sprache sonst nicht vorkommen, als auch Wörter aus der natürlichen Sprache. Diese beiden Arten von Interjektionen haben gemeinsam, dass sie komplette Äußerungen darstellen, ansonsten können sie verschiedenen Wortarten zugeordnet werden.

Alle anderen Wörter, die anderen Wortarten nicht zugeordnet werden können, sind seiner Meinung nach einfache Partikel.

Moderne Ansichten

Wilkins schrieb 1992 (Seite 124) als Definition:

“Interjection: A conventional lexical form which (commonly and) conventionally constitutes an utterance on its own, (typically) does not enter into construction with other word classes, is (usually) monomorphemic, and (generally) does not host inflectional or derivational morphemes.”

Eine andere Ansicht, z.B. von Ameka, ist, dass es auch multi-morphemische Interjektionen gibt (siehe unten). Dem stimme ich zu, da z.B. solche Ausdrücke wie Oh mein Gott! auch eine komplette, feststehende Äußerung bilden. Damit im Zusammenhang steht bei Ameka, dass sie sich durchaus auch mit anderen Wortarten verbinden- Oh! ist eine Interjektion, bei ihm primär genannt, und mein und Gott gehören eigenständig betrachtet zu jeweils anderen Wortarten.

Pragmatisch gesehen sind sie Teil der gesprochenen Sprache, sofern sie überhaupt verschriftlicht werden, dann als Stilmittel. Damit versuchen Autoren, sich der mündlichen Sprache anzunähern.

Differenzierung zu anderen Wortarten

In den folgenden Abschnitten stelle ich Amekas Abgrenzungen der Interjektionen von anderen ähnlichen Wortarten beziehungsweise Unterklassen von Wortarten vor. Es können natürlich alle Wortarten damit verglichen werden, jedoch beziehe ich mich hier nur auf die zwei wahrscheinlich ähnlichsten zu Interjektionen. Oft werden sie jeweils als eine Wortart bezeichnet.

Interjektionen vs. Partikeln

Laut Ameka (1992) haben Interjektionen mit anderen illokutionären[1] Elementen, also auch Partikeln, gemeinsam, dass sie nur im kommunikativen Zusammenhang interpretiert werden können, also kontextgebunden sind. Jedoch unterscheiden sie sich von Partikeln in der Hinsicht, dass sie syntaktisch relativ unabhängig sind. Sie können von anderen Äußerungen unabhängig verwendet werden. Wenn sie im Zusammenhang mit anderen benutzt werden, trennt sie eine Pause von Satzteilen. Außerdem haben sie eigene Intonationsmuster. Also haben sie gleichzeitig Merkmale von Wörtern und Äußerungen. Dies unterscheidet sie von allen anderen Wortarten. Ameka empfiehlt deshalb, um Verwirrung zu vermeiden, Interjektionen auf der Wortebene als Wortart zu bezeichnen, und auf der Satzebene gemeinsam mit und im Vergleich zu anderen Äußerungen zu betrachten.

Diese Betrachtungsweise zeigt eine Definition Amekas von Partikeln, die sich von der allgemein anerkannten, gröberen, unterscheidet. Diese lautet, dass Partikeln alle Wörter umfasst, die unflektierbar sind und keiner anderen Wortart zugeordnet werden können (Kunkel-Razum et al., 2005, Seite 594–606). Ob Interjektionen dazugehören, kommt nun daher darauf an, ob Interjektionen als eigene Wortart angesehen werden oder nicht. Das ist wieder von der jeweiligen Definition von Partikeln abhängig.

Interjektionen vs. Routinen

Routinen sind Ausdrücke, die gesellschaftlichen Konventionen entsprechen. Sie werden in standardisierten kommunikativen Situationen mehr oder weniger automatisiert verwendet. Beispiele hierfür sind Begrüßungen, wie z.B. Hallo!, und Entschuldigungen, wie z.B. Sorry!. Auch Interjektionen sind an bestimmte Situationen gebunden und werden als Reaktion auf bestimmte Ereignisse verwendet.

Diese sind jedoch spontane Ausdrücke von Emotionen, während Routinen mit einer gewissen Absicht ausgesprochen und im gesellschaftlichen Kontext erwartet werden.

Sie sind im Gegensatz zu Interjektionen also immer an bestimmte Gesprächspartner adressiert, wobei letztere auch ohne Adressaten auskommen oder ihm nur zugewandt sind.

Ameka bezeichnet Routinen auch als Formeln und schreibt:

“Related to this difference is the observation made by Goffman (1981: 9’7, 104) that linguistic activities involving interjections are not conversational encounters although they may be socially situated. Formulae, I think, are both socially and conversationally situated.“ (1992, Seite 110)

[...]


[1] Illokutionärer Sprechakt: Nach Austins (1975) Sprechakttheorie steht dieser Begriff für Handlungen, deren Vollzug dem Adressaten mitgeteilt werden, außerdem auch den Konventionen entsprechende Konsequenzen.

Details

Seiten
16
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656201120
ISBN (Buch)
9783656201908
DOI
10.3239/9783656201120
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Universität Leipzig
Erscheinungsdatum
2012 (Mai)
Note
1,3
Schlagworte
interjektionen teil sprache
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Titel: Interjektionen - ein universeller Teil jeder natürlichen Sprache