Lade Inhalt...

Entdeckungsreise ins alte Asien und zurück. Unterrichtsentwurf im Fach Geographie für die 7. Klasse

Unterrichtsentwurf 2011 33 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Geographie als Schulfach

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) Ziele der Stunde
1.1) Grobziel
1.2) Feinziele

2) Situation der Lerngruppe
2.1) Allgemeine Situation der Lerngruppe
2.1.1) Entwicklungs- und lernpsychologische Voraussetzungen
2.1.2) Sozial-kulturelle Voraussetzungen
2.1.3) Sozial-kommunikative Voraussetzungen
2.2) Äußere Lernbedingungen
2.3) Eigene Lehrsituation

3) Didaktische Überlegungen und methodisches Herangehen
3.1) Einordnung der geplanten Unterrichtssituation in die Stoffeinheit
3.2) Einbettung der geplanten Unterrichtssituation
3.3) Sach-Struktur-Diagramm
3.4) Sachanalyse
3.5) Didaktische Reduktion
3.6) Didaktische Überlegungen und methodische Entscheidungen

4) Geplanter Unterrichtsentwurf

5) Anhang (Auszüge)
5.1) Sitzplan der Klasse
5.2) Sitzplan der Stammgruppen
5.3) Tischordnung der Entdeckergruppen
5.4) Einwahl-Übersicht
5.6) Geplantes Tafelbild
5.7) Geschichte
5.8) Beobachtungsbogen
5.10) Reflexionsbogen

Literatur- und Quellenverzeichnis

1) Ziele der Stunde

Die Zielstellungen der vorliegenden Unterrichtsstunde orientieren sich an der aktuellen Klassensituation sowie am Kenntnisstand und den Lernvoraussetzungen der Schüler1. Folgende Zielformulierungen gehen auf das Kompetenzmodell des Thüringer Lehrplans für das Fach Geographie zurück2.

1.1) Grobziel

Die Lernenden erkennen die Vielfalt an Lebens- und Wirtschaftsweisen im asiatischen Raum. Sie erfassen die Bedeutsamkeit kultureller Entwicklungen für die Fortdauer des menschlichen Lebens. Durch die zunehmend selbstständige Anwendung verschiedener Arbeitstechniken erweitern sie ihre Methodenkompetenz. In diesem Zusammenhang entwickeln sie ihre Selbst- und Sozialkompetenz weiter, indem sie im Team gemeinsam Ziele verfolgen, Verantwortung übernehmen und die Art und Weise der Aufgabenbearbeitung besprechen und umsetzen.

1.2) Feinziele

Lernziel im Bereich der Sachkompetenz

(1) Die Heranwachsenden erarbeiten sich innerhalb ihrer Entdeckergruppe selbstständig mit vorbereiteten Materialien sowie nach dem Prinzip der Handlungsorientierung Kenntnisse zu einer asiatischen Erfindung.

(2) Die Lernenden sind in der Lage aufgrund der theoretischen und handlungsorientierten Auseinandersetzung mit einer asiatischen Erfindung deren Bedeutung für die heutige Zeit mit eigenen Worten schriftlich wiederzugeben.

Lernziel im Bereich der Methodenkompetenz

(3) Die Schüler wählen selbstständig geeignete Arbeitstechniken aus und wenden sie an, indem sie Informationen zu einer asiatischen Erfindung mithilfe vorliegender Texte entnehmen und vollständig und in einer übersichtlichen Form in ihren Hefter notieren.

Lernziel im Bereich der Sozialkompetenz

(4) Die Lernenden akzeptieren die vereinbarten Verhaltensregeln während der selbstständigen Gruppenarbeit und halten diese mit wenigen Hinweisen der Lehrerin ein.

(5) Die Schüler sind zunehmend in der Lage während des Gruppenpuzzles selbstständig die zu erledigenden Aufträge in den Entdeckergruppen gemeinsam zu besprechen und zu bearbeiten sowie respektvoll miteinander umzugehen.

Lernziele im Bereich der Selbstkompetenz

(6) Die Heranwachsenden übernehmen zunehmend Verantwortung für ihren eigenen Lernprozess, indem sie selbstständig ihre Aufzeichnungen mithilfe der Lösungsvorlagen vollständig vergleichen, berichtigen und ergänzen.

(7) Die Schüler entwickeln ihre Fertigkeit und Bereitschaft weiter, Stärken und Schwächen in der Zusammenarbeit mit den Mitschülern einzuschätzen und mit eigenen Worten im Reflexionsbogen schriftlich zu formulieren.

2) Situation der Lerngruppe

2.1) Allgemeine Situation der Lerngruppe

2.1.1) Entwicklungs- und lernpsychologische Voraussetzungen

Hinsichtlich der Altersstruktur der Lerngruppe ist nachzuvollziehen, dass sich die Schüler zwischen dem 12. und 13. Lebensjahr befinden. Entwicklungspsychologisch und - physiologisch lassen sie sich demzufolge in die Phase der frühen Adoleszenz einordnen3. In diesem Lebensabschnitt vollzieht sich für die Heranwachsenden ein bedeutender körperlicher, kognitiver und psychosozialer Reifeprozess4. Bezüglich der physischen Entwicklung spricht Zimbardo von einem „präadoleszenten Wachstumsspurt“5. Dabei bezieht er sich auf die Veränderung der Körpergröße, des Gewichts sowie der Ausprägung der Geschlechtsmerkmale der Jugendlichen. Bei den Schülern der Klasse 7b lässt sich dahingehend ein sichtbarer Entwicklungsprozess konstatieren. Ein Großteil der Jungen sowie der Mädchen sind hinsichtlich der Körpergröße ähnlich entwickelt. Ausnahmen bilden P, R sowie C. Vor allem bei den weiblichen Heranwachsenden sind allmählich die Geschlechtsmerkmale in differenzierter Ausprägung zu erkennen. Hierbei sind N, K, J und I weiterentwickelt als M, V und L. Daneben ist eine kognitive Entwicklung bei den Lernenden zu verzeichnen. Sie nutzen zunehmend ihre Kenntnisse und Erfahrungen, um Vorgänge und Tatsachen strukturiert zu realisieren. In diesem Zusammenhang festigen sie ihre motorischen und kreativen Fertigkeiten im Umgang mit Medien und Materialen, setzen eigene Begabungen um und fördern ihre Konzentrationsfähigkeit. Sie entwickeln im Arbeitsprozess ein individuelles Zeitmanagement, welches an die organisatorischen Rahmenbedingungen des Lernorts angepasst ist. Darüber hinaus betrachten sie eigene Defizite und Konflikte unter verschiedenen Blickpunkten und versuchen nachhaltige Lösungen zu finden6. Ferner entwickeln sie sukzessive ein Bewusstsein für die Bedeutung von Lerninhalten. Im Allgemeinen kann festgehalten werden, dass die gesamte Lerngruppe diese „formal-operationale Phase“7 erreicht hat. Sie verfügen über eine altersspezifische kognitive Reife8. Ungeachtet dessen ist darauf hinzuweisen, dass eine geschlechterspezifische Differenzierung erkennbar ist. Die Mädchen sind geistig weiterentwickelt als die meisten Jungen. Demnach bewegen sich M, K, N, V, J, I und L sowie G, Q, U, D und T auf die Jugendphase zu.

2.1.2) Sozial-kulturelle Voraussetzungen

Die Schüler der Klasse 7b kommen aus dem Einzugsgebiet der Schule, welches den Bereich Erfurt-Süd umfasst. Im Hinblick auf die sozialen Hintergründe herrscht eine starke Divergenz in der Klasse. Zwar stammen die Schüler überwiegend aus gut bis sehr gut situierten Familien, hingegen gibt es Lernende, deren Eltern aufgrund von Arbeitslosigkeit finanzielle Nöte aufweisen. Bezüglich der familiären Bedingungen der Schüler sind ebenfalls Unterschiede festzustellen. Der Großteil der Klasse wächst in intakten Familienverhältnissen auf. Daneben leben drei Schüler in Patchworkfamilien und sieben bei nur einem Elternteil.

Alle Schüler der Klasse 7b sind in Deutschland geboren. Zwei Lernende, B und T, haben jeweils ein Elternteil, das einer anderen Nationalität angehört. Dies ist jedoch ausschließlich am Aussehen der Schüler zu erkennen (z. B. dunklere Hautfarbe).

Es ist nachzuvollziehen, dass die meisten Eltern sehr aktiv mit den Klassenlehrern zusammenarbeiten, sodass eine effektive Entwicklungsmöglichkeit für den Heranwachsenden auf kognitiver und psychischer Ebene geschaffen werden kann.

2.1.3) Sozial-kommunikative Voraussetzungen

Kennzeichnend für das Wesen der Klasse ist ihre nette und aufgeschlossene Art. Dies sorgt im Allgemeinen für eine angenehme Atmosphäre im Unterricht und in den Pausen. Dazu trägt das familiäre Lehrer-Schüler-Verhältnis bei. Die Klassenlehrer und ich pflegen eine sehr enge Beziehung zu den Schülern der Klasse 7b. Auch gegenüber anderen Lehrern der Schule zeigen die Heranwachsenden weitestgehend Respekt und Freundlichkeit. Die angenehme Atmosphäre und der Zusammenhalt in der Klasse werden zeitweise durch einen forschen Umgangston vor allem bei den Jungen geblendet. Die Mädchen hingegen suchen bei auftretenden Problemen im Freundeskreis oft Rat bei den Klassenlehrern, um eine ruhige und gewaltfreie Lösung zu erreichen. Auch der Geschlechterkampf zwischen den Mädchen und Jungen ist nicht mehr vorzufinden. Jedoch lässt sich bezüglich der Gruppendynamik eine klare Geschlechtertrennung konstatieren. Diese wird nicht zuletzt durch die bestehende Sitzordnung in Form von Tischgruppen deutlich, in die sich die Heranwachsenden selbstständig einteilten9.

Alle Mädchen pflegen zunehmend eine freundschaftliche Bindung untereinander und unternehmen auch privat viel zusammen. Lediglich M nimmt derzeit eine schwierige Position in der Gruppe ein. Ihr fällt es schwer, sich in der Mädchengruppe zu integrieren, da ihr nicht die Aufmerksamkeit von einzelnen Mädchen, wie K, zuteil wird, die sie aus früheren Zeiten in der Klasse 6 kennt und sich wünscht. Bei den Jungen lässt sich eine größere Gruppe erkennen, der H, B, G, E, Q, R, U, A, S, F und T angehören. Eine kleine Jungengruppe setzt sich aus C, D, P und O zusammen. Neben der Interaktion der Lernenden in den Gruppen kann man freundschaftliche Verbindungen über diese hinaus beispielsweise bei N, K, T und G beobachten. Positiv ist die soziale Entwicklung von F innerhalb der Klasse zu erwähnen. Er ist ruhiger geworden und widmet sich nunmehr andauernd und konzentriert seinen Aufgaben im Unterricht. Provokationen seitens einiger Mitschüler wie zum Beispiel A schenkt er kaum Beachtung. H, der sich zu Beginn des Schuljahres angemessen in das Klassengefüge integrierte, nimmt allmählich wieder eine problematische Rolle in diesem ein. Durch das häufige Fernbleiben vom Unterricht aufgrund verschiedener Aspekte fehlt ihm die stetige Verbindung zu seinen Mitschülern. Mithilfe der Sozialarbeiterin der Schule wird derzeit der Kontakt zum Elternhaus gesucht, um die Situation zu analysieren. Grundsätzlich sind die Heranwachsenden der Klasse 7b lernwillig. Das ist anhand folgender Faktoren ersichtlich. Die Schüler akzeptieren das Ritual des individuellen Glockenschlags als Kennzeichen für den Unterrichtsbeginn und halten es ein. Daneben sind ihnen die Regeln zur Art und Weise des Meldens, für die Arbeitsweise in Formen des offenen Unterrichts sowie die Verhaltensregeln bekannt, welche sie versuchen zu beachten10. Ungeachtet dessen ist es zurzeit häufig notwendig, verbale Impulse zur Einhaltung der Lautstärkeregel im Bereich des Verhaltens zu geben, da einige Mitschüler dazu neigen, ständig mit ihren Banknachbarn oder Tischnachbarn zu kommunizieren. Diese Beobachtung ist unter anderem auf den aktuellen psychologischen Entwicklungsstand der Heranwachsenden zurückzuführen. Jedoch nimmt ein Großteil der Klasse die Aufforderungen zur Beachtung des angenehmen Arbeitsklimas stets an und richtet sein Handeln daran aus. Die Anzahl der verhaltensauffälligen Schüler beschränkt sich auf E, A und S. Sie offerieren vorrangig in den Stunden der Freiarbeit und in Abhängigkeit ihrer Stimmung die mangelnde Bereitschaft, sich den entsprechenden Aufträgen zu widmen. Dann ziehen sie es vor, private Gespräche zu führen. S fehlende Konzentrationsfähigkeit liegt in seinem diagnostizierten ADS begründet. Jedoch bemüht er sich, kontinuierlich an seinen Aufgaben zu arbeiten. E benötigt meist einen arbeitswilligen Mitschüler, der ihn zum Arbeiten animiert. Durch individuelle Zuwendung und Absprachen oder Ermahnung können vor allem E und S beruhigt und zur Weiterarbeit an ihren Aufgaben motiviert werden. Die zeitweise mangelnde Lerneinstellung von A wird derzeit medizinisch untersucht. Es fällt ihm sichtlich schwer, sich trotz Unterstützung durch die Lehrerin mit einem Auftrag über einen längeren Zeitraum auseinanderzusetzen.

Freitags wird im Fach Ethik/ Reflexion das Einhalten der Regeln in den Tischgruppen sowie aufgetretene Probleme der vergangenen Woche reflektiert. Ferner wird derzeit die Methode des Lerntagebuches eingeführt. Dies trägt dazu bei, dass sich jeder Schüler ein individuelles Ziel setzt, dass er über einen festgelegten Zeitraum zu erreichen versucht. Die Lernenden sind in der Lage, ihre Meinung zu äußern und zu begründen. Sie schätzen sich und ihre Mitschüler meist gerecht ein. Bestehende Konflikte versuchen sie im Kollektiv zu lösen und nehmen dahingehend die zur Verfügung stehende Unterstützung von Frau Block, Herrn Rüdiger und mir in Anspruch. Vor allem T als stellvertretender Klassensprecher, U als Streitschlichter, O als Streitschlichter und Schulsanitäter, aber auch N, K, B, G, S und F beteiligen sich aktiv an Diskussionen. Wie bereits erwähnt wurde, ist der Sitzplan der Schüler in Tischgruppen angeordnet. Zum Einen soll damit das Konzept der Schule vertreten und verdeutlicht werden, dass die Öffnung des Unterrichts impliziert. Demnach soll die traditionelle, frontale Sitzordnung zugunsten der individuellen Tischanordnung aufgebrochen werden. Zum Zweiten dient diese der Entwicklung von Sozial- und Selbstkompetenz der Heranwachsenden. Hierbei muss darauf hingewiesen werden, dass diese Form des Sitzplans zu Beginn des vergangenen Schuljahres bereits umgesetzt wurde, jedoch aufgrund einer ungenügenden Arbeitsatmosphäre während der frontalen Unterrichtsstunden scheiterte. In diesem Schuljahr liegt der Fokus unter anderem in der Forderung und Förderung von Selbst- und Sozialkompetenz innerhalb der Lerngruppe. Dabei soll das Einhalten der Verhaltensregeln, die Teamarbeit in kleineren Gruppen sowie ein respektvoller Umgang mit den Mitschülern gefestigt werden. In diesem Zusammenhang hat die Wahl der kooperativen Lernform des Gruppenpuzzles in der vorliegenden Unterrichtssituation eine zentrale Bedeutung. Durch die freiwillige Einwahl der Schüler in die Gruppen entscheiden sie, welche Mitschüler zusammenarbeiten. Sie schätzen hierbei selbst ein, welche Schüler gut miteinander agieren und welche weniger gut gemeinsam arbeiten können. Für die individuelle Forderung und Förderung der Selbst- und Sozialkompetenz kommen Gruppenkarten zum Einsatz, die darüber bestimmen, welche Funktion der einzelne Schüler innerhalb der Gruppe zusätzlich hat11. Diese Aufteilung nimmt die Lehrkraft vor.

[...]


1 Aus sprachökonomischen Gründen werden die Bezeichnungen Schüler, Heranwachsende und Lernende für beide Geschlechter verwendet.

2 Vgl. Thüringer Kultusministerium (Hrsg.): Lehrplan für die Regelschule und die Förderschule mit dem Bildungsgang der Regelschule Geographie. Erfurt 1999.

3 Vgl. Mietzel, Gerd: Wege in die Psychologie. 12. Aufl., Stuttgart 2005. S. 108.

4 Vgl. Zimbardo, Philip G.: Psychologie. 4. neubearbeitete Auflage. Berlin/ Heidelberg 1983. S. 147.

5 Zimbardo. S. 147.

6 Vgl. Zimbardo. S. 147.

7 Ebd.

8 Vgl. Ebd.

9 Siehe Kapitel 5.1) S. 24.

10 Die Lernenden sind mit offenen Unterrichtsmethoden, wie zum Beispiel Freiarbeit, Lerntheke, Lernen an Stationen oder Galeriespaziergang vertraut.

11 Siehe Kapitel 5.5) S. 26.

Details

Seiten
33
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783668259485
ISBN (Buch)
9783668259492
Dateigröße
1009 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v194694
Note
13
Schlagworte
entdeckungsreise asien unterrichtsentwurf fach geographie klasse

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Entdeckungsreise ins alte Asien und zurück. Unterrichtsentwurf im Fach Geographie für die 7. Klasse