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Diesseits und jenseits der Grenzen der Sprache

Vom Unsinn in Wittgensteins Traktat

Hausarbeit 2005 14 Seiten

Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung

2.) Leben und Werk Wittgensteins

3.) Tractatus logico-philosophicus

4.) Die Grenzen der Sprache
4.1) Die Intention des Tractatus
4.2) Die Grenzen der Sprache
4.3) Sagen und Zeigen
4.4) Unsinn
4.5) Reductio ad absurdum

5.) Resümee

6.) Literaturverzeichnis

1.) Einleitung

Im Vorwort zu den „Philosophischen Untersuchungen“ wirft Wittgenstein seinem Tractatus logico-philosophicus „schwere Irrtümer“ vor[1]. Trotzdem gehört die „logisch-philosophische Abhandlung“, als die „große Kritik der abendländischen Logik“[2], zu den wichtigsten Werken der Philosophie des 20. Jahrhunderts. Das Werk fasziniert gleichermaßen durch Einfachheit und Komplexität. Wittgenstein „bleibt auf Distanz und fordert dazu auf, selbst nachzudenken. Nichts, was er schreibt ist mundgerecht. Vieles erscheint sperrig, wird aber durch die eigene Arbeit an seinen Texten rasch verständlich. Manches erscheint leicht und klar, erweist sich aber als schwer. Aus beiden Gründen können wir von seinen Büchern mehr lernen als aus den meisten Lehrbüchern der Philosophie“[3]. Es gibt viele unterschiedliche Ansätze den Tractatus zu lesen. Erik Stenius z.B. schreibt im Vorwort zu seinem Kommentar des Tractatus, wie er selbst Wittgensteins Sätze einteilt: Sätze die er zu verstehen glaubt und seines Erachtens richtig sind, Sätze die er zu verstehen glaubt und seines Erachtens falsch sind, Sätze die er nicht versteht und daher unfähig ist ihren Wert einzuschätzen und Sätze die verständlich erscheinen jedoch einen unbestimmten und dunklen Eindruck machen[4]. Treffender kann man es, wie ich finde, nicht formulieren. Diese Arbeit hat sich zur Aufgabe gemacht den Wittgensteinschen Begriff des „Unsinns“ zu untersuchen, also darzulegen, was Wittgenstein unter „Unsinn“ versteht und was einen „unsinnigen“ bzw. „sinnvollen“ Satz charakterisiert.

Ich werde wie folgt vorgehen: Zunächst, nachdem ich den Autor und sein Werk kurz vorgestellt habe, werde ich die Intention des Tractatus darlegen, um mich dann mit der zugrunde gelegten Auffassung von Sprache zu beschäftigen. Hierbei soll deutlich werden, was für Charakteristika einen „sinnvollen“ und damit, ex negativo, einen „unsinnigen“ Satz kennzeichnen. Daraufhin werde ich zusammenfassend den Begriff des „Unsinns“ erläutern. Im letzten Abschnitt soll geklärt werden, warum die Sätze des Tractatus selber „unsinnig“ sind, und warum sie trotzdem ihre Berechtigung haben.

2.) Leben und Werk Wittgensteins

Ludwig Josef Johann Wittgenstein wurde am 26. April 1889 als Sohn von Leopoldine und dem Großindustriellen Karl Wittgenstein in Wien geboren[5]. Er war das achte und jüngste Kind einer ebenso wohlhabenden wie gebildeten Familie. Wittgensteins Vater war Österreichs größter Stahlunternehmer, leidenschaftlicher Kunstsammler und einer der Geldgeber beim Bau der Wiener Sezession. Das Haus Wittgenstein war eines der Zentren des sozialen und kulturellen Lebens in Wien. Hier verkehrten einige der größten Musiker der Zeit, wie Brahms oder Mahler. Der Mutter und den Kindern wird eine außerordentliche musikalische Begabung nachgesagt; Wittgenstein selbst spielte Klarinette und konnte ganze Symphonien pfeifen. Trotz allem blieb die Familie nicht vom Unglück verschont. Der Bruder Kurt nahm sich im Ersten Weltkrieg das Leben, weil ihm seine Soldaten den Befehl verweigerten. Bei Hans und Rudolf wird der väterliche Druck als Grund für den Suizid angenommen. Der unmittelbar ältere Bruder, Paul, verlor im Krieg seinen rechten Arm. 1931 schrieb ihm Ravel ein Klavierkonzert für die linke Hand. Die Schwestern Hermine, Helene und Margarete lebten ein bürgerliches Leben[6]. Nachdem Wittgenstein zunächst privaten Unterreicht bekam ging er 1903 in Linz auf die Realschule, wo auch der gleichaltrige Adolf Hitler Schüler war. Drei Jahre später verließ er die Schule ohne Zugangsberechtigung für eine Universität. Seine Eltern schickten ihn daraufhin auf die Technische Hochschule in Berlin-Charlottenburg. Im Frühjahr 1908 wechselte er an die Technische Hochschule in Manchester, wo er Russels Principles of Mathematics kennen lernte. Von den Gedanken dieses Werkes fasziniert nahm Wittgenstein 1911 Kontakt mit Frege in Jena auf. 1912 schrieb er sich an der Universität Cambridge ein um, auf Empfehlung von Frege, bei Russell zu studieren. Die fünf Semester, die er dort verbrachte waren für Wittgenstein (wie auch für Russel) von prägender Bedeutung. 1914 meldete sich Wittgenstein als Freiwilliger bei der Kaiserlichen Armee. Zuvor hatte er von seinem Vater ein großes Vermögen geerbt. Er baute sich daraufhin in Norwegen, in der Nähe von Skjolden, ein Blockhütte, die in den folgenden Jahren immer wieder Ziel seiner Reisen werden sollte[7]. Der Erste Weltkrieg änderte jedoch seine Weltsicht grundlegend, so daß er den Großteil des Erbes seinen Geschwistern schenkte und fortan ein bescheidenes Leben führte. In den Kriegsjahren hatte Wittgenstein am Tractatus logico-philosophicus gearbeitet welchen er 1919, im Kriegsgefangenenlager von Monte Cassino, fertig stellte. Nach seiner Freilassung versuchte er vergeblich einen Verleger für sein Werk zu finden. Schließlich setzte Russel die Publikation durch. Wittgenstein, der glaubte im Tractatus die Probleme der Philosophie gelöst zu haben, widmete sich fortan anderen Aufgaben. Zunächst versuchte er sich als Lehrer an verschiedenen österreichischen Dorfschulen und schrieb ein Wörterbuch für Volksschulen. Aufgrund seines aufbrausenden Temperaments und der unverhältnismäßig harten Disziplinarmaßnahmen kam es zu Beschwerden seitens der Schüler und Eltern. Wittgenstein legte sein Amt nieder noch bevor offizielle Schritte gegen ihn eingeleitet werden konnten. 1926 nahm er eine Stelle als Gärtner in einem Kloster an. Nach einem kurzen Ausflug in die Architektur (Wittgenstein baute, zusammen mit P. Engelmann ein Haus für seine Schwester, in welchem Wright dieselbe „statische Schönheit“ verwirklicht sah wie im Tractatus) begann er sich wieder für Philosophie zu interessieren. Ausschlaggebend hierfür waren wohl Moritz Schlick und der „Wiener Kreis“ die sich in unregelmäßigen Abständen mit Wittgenstein trafen. 1929 kehrte er nach Cambridge zurück um dort ein Jahr später den Tractatus als Dissertation einzureichen. Moore, der zusammen mit Russel Wittgensteins Prüfer war schrieb: „Der Tractatus ist das Werk eines Genies, ansonsten erfüllt er aber die Voraussetzungen zur Annahme einer Doktorarbeit“. 1930 nahm Wittgenstein einen Forschungs- und Lehrauftrag am Trinity College an. Nachdem seine Stelle ausgelaufen war zog Wittgenstein nicht, wie ursprünglich geplant, in die UdSSR, sondern trat 1939 die Nachfolge Moores als Philosophieprofessor in Cambridge an. Im gleichen Jahr bekam er die englische Staatsbürgerschaft. Von 1941 bis 1944 arbeitete er als Freiwilliger im Guy’s Hospital in London und später im Royal Victoria Krankenhaus in Newcastle. Ende 1947 legte Wittgenstein seine Professur nieder und ging für eineinhalb Jahre nach Irland, wo er das Hauptwerk seiner späteren Philosophie, die Philosophischen Untersuchungen, abschloss[8]. Nach einem Besuch in den Vereinigten Staaten wurde bei ihm Prostatakrebs diagnostiziert[9]. Bis zu seinem Tod wohnte er bei Freunden in Oxford und Cambridge. Ludwig Wittgenstein starb am 29. April 1951.

[...]


[1] Wittgenstein, Ludwig: Tractatus logico-philosophicus, 1984, S. 232

[2] Bezzel, Chris: Wittgenstein zur Einführung, 2000, S. 55

[3] Vossenkuhl, Wilhelm: Ludwig Wittgenstein, 1995, S. 9

[4] Stenius, Erik: Wittgensteins Traktat, 1969, S. 9

[5] Da die biographischen Angaben in den mir zur Verfügung stehenden Quellen leicht abweichen, beziehe ich mich, wenn nicht anders angegeben, auf folgende Quelle: Grayling, A.C.: Wittgenstein, 1999, S. 12 ff.

[6] Vossenkuhl, Wilhelm: Ludwig Wittgenstein, 1995, S. 19 ff.

[7] Bezzel, Chris: Wittgenstein zur Einführung, 2000, S. 148 ff.

[8] Bezzel, Chris: Wittgenstein zur Einführung, 2000, S. 148 ff.

[9] Bezzel, Chris: Wittgenstein zur Einführung, 2000, S. 148 ff.

Details

Seiten
14
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783656203322
ISBN (Buch)
9783656204268
Dateigröße
483 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v194792
Institution / Hochschule
Universität Stuttgart – Institut für Philosophie
Note
1,0
Schlagworte
diesseits grenzen sprache unsinn wittgensteins traktat

Autor

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