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Kolonien im Römischen Reich mit besonderer Berücksichtigung der Zeit der Gracchen

Seminararbeit 2011 19 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Arten von Kolonien
2.1 Bürgerkolonien
2.2 Latinische Kolonien

3. Historischer Abriss und Ziele

4. Kolonien und die Krise der Republik
4.1 Gründe für die Krise
4.2 Die Reformen der Gracchen

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Kolonien (lat. colonia) waren ein wichtiges Instrument der Herrschaftsverwaltung im Römischen Reich. Erstmals bereits im 4. Jahrhundert vor Christus eingesetzt, waren Kolonien wichtige Stützpunkte der römischen Herrschaft außerhalb des eigentlichen Territoriums. Sie bestanden dabei nur aus einer einzelnen Siedlung und sind daher unbedingt von den Provinzen zu unterscheiden. Dabei sollte man auch den modernen, neuzeitlichen Begriff der Kolonien bzw. des Kolonialismus in dieser Thematik ablegen, da er nicht dem antiken Gebrauch gerecht wird.

Kolonien spielten auch in den Auseinandersetzungen am Ende der Republik eine Rolle. Dabei sind sie ein Instrument der Politik im Kampf der politischen Gruppierungen. Der Fokus dieser Arbeit soll deshalb darauf liegen, inwiefern Kolonien in diesen Auseinandersetzungen eine Rolle spielten.

Dabei soll zunächst näher auf den Begriff der Kolonien eingegangen werden. Dabei wird folgende Definition, wie sie im Neuen Pauly von Helmut Galsterer formuliert wurde, gebraucht:

„Eine colonia war eine Ansiedlung von Bürgern (mit einer mehr oder weniger großen Beimischung von Nichtbürgern) zur militärischen und politischen Festigung der römischen Herrschaft, später zur Versorgung von Veteranen und gelegentlich des stadtrömischen Proletariats, fast immer in einer eroberten Stadt, deren Bürger in irgendeiner Form an der Kolonie beteiligt werden“1

Dabei ist auch entscheidend, dass eine Aussiedlung in eine Kolonie freiwillig erfolgte. Bürger, die sich dazu entschlossen, taten dies vor allem, um Land zur Bewirtschaftung zu bekommen.2

Anschließend wird näher auf die Unterscheidung von Kolonien in die der latinischen Kolonie und die der Bürgerkolonie eingegangen. In weiterer Folge werden die Geschichte und damit die Entwicklung dieses Verwaltungs- und Machtinstruments beschrieben und aufgezeigt, wie sich Ausmaß und Funktion von einer Kolonie im Laufe der Zeit veränderten. Dabei wird auch stets das Ziel, welches diese erfüllen sollten, beleuchtet. Diese allgemeine Betrachtung von Kolonien im römischen Reich sind wichtig, um im nächsten, entscheidenden Punkt, dann die Zeit der Gracchen im 2. Jahrhundert vor Christus näher zu analysieren. Dabei soll darauf eingegangen werden, welche Rolle Kolonien in den Auseinandersetzungen zwischen Popularen und Optimaten hatten. Insbesondere wird in diesem Zusammenhang auf das Problem der Agrarfrage und der damit zusammenhängenden, zunehmenden Verarmung großer Teile der bäuerlichen Bevölkerung. Weiters stellt sich die Frage, ob Bundesgenossen und damit Kolonisten, auch außerhalb Roms das römische Bürgerrecht erhalten sollten. Bei beiden Punkten soll analysiert werden, welche Rolle Kolonien spielten.

Zur Beantwortung dieser zentralen Frage dieser Seminararbeit wird zunächst eine Reihe von Sekundärliteratur analysiert. Leider gibt es dazu keine Monographie oder Spezialwerk über diese Thematik oder auch über Kolonien im römischen Reich im Allgemeinen. Deshalb muss man auf größere Werke über die römische Republik allgemein oder über Herrschafts- und Verwaltungsinstrumente zurückgreifen. Zudem sollen auch antike Quellen herangezogen werden.

2. Arten von Kolonien

2.1 Bürgerkolonien

In der Literatur werden im Wesentlichen zwei Arten von Kolonien unterschieden: die Bürger- und die latinischen Kolonien.

Bürgerkolonien befanden sich meist an der Küste und waren relativ klein, das heißt von nur etwa 300 Familien bewohnt, die jeweils eine Fläche von zwei iugera, also etwa einen Hektar, Land zur Bebauung bekamen. Die relativ kleine Anzahl an römischen Siedlern erklärt sich zum Einem damit, dass es schwer war, Interessierte für die Kolonisierung zu finden. Zum anderen war diese begrenzte Zahl auch durchwegs erwünscht. Da das Land, welches den Siedlern zustand, mit zwei iugera sehr gering war, konnte sich auch keine Oberschicht bilden. Ein weiterer Grund, warum man bei der Siedlerzahl von 300 blieb, war von symbolischer Natur. Sie könnten die drei alten Tribus, 30 Kurien und 300 gentes wiederspiegeln.3

Da Bürgerkolonien, wie bereits erwähnt, zumeist an der Küste lagen, existiert die Bezeichnung colonia maritima. Dieser Begriff scheint jedoch keine Rechtskategorie gewesen zu sein, sondern lediglich ein geographischer Begriff.4 Diese Art von Kolonien konnte aufgrund ihrer begrenzten Anzahl von Siedlern kein militärisches Bollwerk in einem fremden Gebiet darstellen. Sie sicherten jedoch strategisch wichtige Punkte wie beispielsweise Straßenlinien im Grenzbereich.

Größere Kolonien gab es dann ab 183 mit der Gründung von Mantua und Parma. Damit wurde das von Galliern bewohnte Norditalien einer engeren Verwaltung unterzogen. Die Stämme an der Poebene hatten nämlich im 2. Punischen Krieg an der Seite Karthagos gekämpft und das Kriegsgeschehen auch nach der Niederlage Hannibals nicht aufgegeben.5 In diese nördlichen Kolonien wurden etwa 2000 Siedler geschickt. Im Laufe der Jahre passten sich die Größe und damit die Anzahl der Siedler zwischen latinischen Kolonien und Bürgerkolonien allmählich an.

Bürgerkolonien besaßen ähnlich wie Munizipien nur eine lokale Selbstverwaltung. Die Bewohner der jeweiligen Kolonien besaßen weiterhin ihr römisches Bürgerrecht. Aufgrund der überschaubaren Größe dieses Typus ist dies auch nicht weiter verwunderlich. Zudem unterstanden sie einem Präfekten für die Rechtsprechung. Für den Fall eines feindlichen Angriffs bzw. eines Krieges gab es jedoch vor Ort einen Militärkommandanten, der ein schnelles Eingreifen sicherstellen sollte.6

2.2 Latinische Kolonien

Latinische Kolonien unterscheiden sich von Bürgerkolonien in mehreren entscheidenden Punkten. Zum einem befinden sie sich an der Grenze oder außerhalb des römischen Territoriums. Aus diesem Grund sind latinische Kolonien auch größer als Bürgerkolonien, da sie militärisch standhalten mussten und sich zudem, aufgrund der Entfernung zur Stadt, selbst verwalten und versorgen mussten.

Ebenso unterscheiden sich Latinische Kolonien im Grad der Autonomie bzw. Unabhängigkeit. Da sie sich, wie bereits erwähnt, außerhalb des römischen Gebiets befanden, war im Notfall eine Selbstversorgung und Selbstverwaltung notwendig. Deshalb unterstanden die Bewohner der Kolonien nicht mehr dem römischen Bürgerrecht, sondern griffen auf das alte latinische zurück. Bei der Rückkehr aus der Kolonie nach Rom bekamen sie anschließend wieder das römische Bürgerrecht.7 Damit waren diese Siedlungen in einem Verhältnis der privilegierten Partnerschaft zu Rom. Die Selbstverwaltung ging so weit, dass die Siedlungen einen eigenen Rat und Magistrate besaßen, deren Kompetenzen jedoch auf die lokale Selbstverwaltung beschränkt waren.8

Latinische Kolonien waren damit eigenständige Städte, die jedoch klar unter römischer Herrschaft waren und eine rechtliche Verbindung zu Rom besaßen. Sie waren ein Vorreiter der römischen Herrschaftsansprüche in den jeweiligen Regionen. Sie ermöglichten es Rom zudem auch, ihre Herrschaft in entfernten Gebieten zum Teil schon wahrzunehmen und zu etablieren, ohne dazu den eigenen Verwaltungsapparat verwenden zu müssen. Sie waren in gewisser Weise Bollwerke Roms.9

Für Jochen Bleicken waren diese Latinischen Kolonien eine neuartige Erfindung Roms, da sie zwar de facto eigenständige Städte waren, jedoch der antiken Vorstellung von Stadtstaaten widersprachen. So waren die Siedler nicht die Bürger der jeweiligen Stadt, sondern besaßen ein Bürgerrecht, welches sie nur mit anderen Latinischen Kolonien verband. Zudem hatten sie ihr römisches Bürgerrecht lediglich für die Zeit ihrer Abwesenheit aus Rom verloren.10

Eine weitere Unterscheidung ist jene, dass Bürgerkolonien neu geschaffen wurden, latinische Kolonien jedoch zum Teil auch römische Bürger in eine bestehende Stadt angesiedelt wurden, Zudem konnten auch die Bürger Latiums in den neuen Kolonien Land zugeteilt bekommen.11

3. Historischer Abriss und Ziele

Nachdem die beiden Typen von Kolonien beschrieben wurden, wird nun der Fokus auf ihre Ziele und auf die historische Wandlung der Bedeutung der coloniae und ihrer Funktion gelegt. Dabei soll sich zeigen, dass es sich dabei zu Veränderungen kam. Kolonien befinden sich außerhalb des eigentlichen Herrschaftsbereiches und dienten der Versorgung der überschüssigen römischen Bevölkerung, sowie der Sicherung unterworfener Gebiete.12 Zudem, wie im Abschnitt über die lateinischen Kolonien, bereits beschrieben wurde, waren coloniae ein wichtiges Instrument der römischen Expansion. Mit ihnen konnte bereits ein Herrschaftsanspruch etabliert werden, ohne das gesamte betroffene Gebiet erobert zu haben und es verwalten zu müssen.

Die ersten Coloniae Roms wurden wahrscheinlich im 4. Jahrhundert nach der Eroberung Veiis (396), welches einen enormen Gebietszuwachs für die Stadt darstellte, an der etruskischen Grenze errichtet. Dazu zählen die Gründungen von Ostia, Suprium und Nepet. Kolonien wurden demnach bereits in einem frühen Stadium der römischen Expansion auf der italienischen Halbinsel installiert und dienten der Machtabsicherung. Zu dieser Zeit bestand der so genannte Latinerbund, also ein Bündnis der Stadt Rom mit anderen Städten und Gemeinden der Gegend mit gemeinsamer Sprache. Dieser Bund, welchen Rom ganz klar dominierte, war zunächst vor allem defensiv gegen die Bedrohung durch die Sabiner im Norden und den Aequer im Osten. Als dieses Bündnis stärker und effektiver wurde und man Land gewinnen konnte, wurde dort Siedlungen, also Kolonien errichtet. Diese wurden als latinische Städte anerkannt.13

Nach dem Latinerkrieg (340-338) wurden vermehrt Bürgerkolonien gegründet. Darunter fällt auch die eroberte Stadt Antium, wo römische Bürger Land erhielten und sich dort ansiedelten. Den früheren Bewohnern der Stadt wurde erlaubt, Bürger der colonia zu werden, sie besaßen jedoch kein römisches Bürgerrecht. Zu dieser Zeit wird sichtbar, dass Rom verschiedene Strategien und Wege für den Umgang mit besetzten Gebieten verfolgte. Die Gründung von Kolonien lässt auch geographische Schwerpunkte erkennen. Zur Zeit der Samnitenkriege wurden vermehrt Siedlungen in Mittelitalien errichtet. Darunter fallen beispielsweise Cales (334 v.Chr.), Alba Fucens (303) oder Narnia (299). Die coloniae dienten hierbei vor allem der militärischen Sicherung und sollten im Kriegsfall als Stützpunkte dienen und den Gegner schwächen.

[...]


1 Galsterer, Coloniae, Abschnitt Definition.

2 Vgl. Harris, War and Imperialism in Republican Rome, S. 64f.

3 Vgl. Galsterer, Coloniae, Abschnitt Bürgerkolonien.

4 Vgl. Galsterer, Herrschaft und Verwaltung im Republikanischen Italien, S.43.

5 Vgl. Gehrke/Schneider, Geschichte der Antike, S. 291.

6 Vgl. Galsterer, Herrschaft und Verwaltung im Republikanischen Italien, S. 56f.

7 Vgl. Dreyer, Innenpolitik der Römischen Republik, S. 96.

8 Vgl. Gehrke, Geschichte der Antike, S. 307.

9 Vgl. Bleicken, Geschichte der Römischen Republik, S. 40f.

10 Vgl. Bleicken, Geschichte der Römischen Republik, S. 41.

11 Vgl. Gehrke, Geschichte der Antike, S. 307.

12 Vgl. Galsterer, Coloniae, Abschnitt Geschichte.

13 Vgl. Jehne, Die Römische Republik, S. 16-18.

Details

Seiten
19
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656202684
ISBN (Buch)
9783656203711
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v194889
Institution / Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck
Note
Schlagworte
kolonien römischen reich berücksichtigung zeit gracchen

Autor

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