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Selbstkonzept und Verhaltensauffälligkeiten

Hausarbeit (Hauptseminar) 2003 39 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmung
2.1. Definitionsansätze und der Transver auf die Praxis

3. Charakteristika von Selbstkonzepten

4. Entstehung von Selbstkonzepten

5. Psychosoziale Phasen der Kindheit und Jugend nach Erikson (1968)
5.1. Ein kleiner Überblick über Definitionen von Verhaltensstörungen
5.2. Die Krisen nach Erik H. Erikson
5.2.1. Die erste Krise (1. Lebensjahr)
5.2.2. Die zweite Krise (2. - 3. Lebensjahr)
5.2.4. Die vierte Krise (6. – 12. Lebensjahr)
5.2.5. Die fünfte Krise (Pubertät bis Adoleszenz)
5.2.6. Die letzten drei Krisen kurz zusammengefasst
5.3. Schlüsse aus Eriksons Entwicklungstheorie – was bedeutet sie für mich ?

6. Selbstkonzept und Psychopathologie

7. Training mit sozial unsicheren Kindern
7.1. Ansätze zur Behandlung von sozial unsicheren Kindern
Arbeitsblatt: Regeln für das Token-Programm

8. Zusammenfassende Thesen zur Belegarbeit

Bibliographie

Danksagung

1. Einleitung

Die Belegarbeit beschäftigt sich mit dem Thema Selbstbild und Verhaltensauffälligkeiten. Überprüft wird die Forschungslandschaft auf einen Zusammenhang zwischen beiden Bereichen, d.h. ob ein negatives Selbstbild zu Verhaltensauffälligkeiten führen kann. In der Forschungsliteratur fand ich ein interessantes Entwicklungsmodell, welches sich mit der Genese vom potentiellen auffälligen Verhalten beschäftigt, das innerhalb der ersten fünf Krisen, entstehen kann, wenn die Lösung einer Krise keinen guten Lauf genommen hat.

Zu Beginn der Belegarbeit beschäftige ich mich mit dem Begriff des Selbstkonzeptes. Um Unklarheiten aus dem Wege gehen zu können, beschäftige ich mich sehr ausführlich mit dem in der Literautr nicht einheitlich verwendeten Begriff. Im weiteren Punkt wird die Struktur und die Entstehung von Selbstkonzepten erläutert. Zwischendurch lasse ich einge Beispiele aus der Praxis an einer Grundschule einfließen. In der Belegarbeit war es mir sehr wichtg, Praxis mit der Theorie zu verbinden und anhand einiger Beispiele die Theorie zu veranschaulichen. Es sind kleine Analysen, die auf dem Thema „Wie bin ich?“, beruhen. Meine Kommentare sind Spekulationen und Versuche der Schaffung von Klarheit, um dem Schüler in der Zukunft gerecht werden zu können.

Zum Schluss wird das Training für sozial unsichere Kinder vorgestellt, welches auf einem theoretisch fundierten und empirisch überprüften Rahmenkonzept beruht.

Die Auseinandersetzung mit dem Thema ist für mich als angehende Lehrerin insofern wichtig, als dass ich einen Bedarf sehe, schüchternen, zurückhaltenden Schülern unterstützende Hilfe zu gewährleisten, um ein positives Selbstbild aufzubauen. Diese Schüler werden in der Praxis oft nicht gesehen und entwickeln im stillen Kämmerlein Verhaltensweisen, die sich nicht positiv auf das Selbstkonzept auswirken können. Meiner Meinung nach ist das Selbstbild eine wichtige Basis für die Entwicklung einer gesunden Persönlichkeit. Aus diesem Grunde füge ich viele Beispiele an und beschäftige mich mit dem Training für sozial unsichere Kinder, um dort Ansatzpunkte zu finden,die mir helfen, den Schülern Tore zu öffnen und um eine entwicklungsfördernde Atmosphäre zu schaffen. Die Belegarbeit legt einen größeren Wert auf Selbstkonzepte als auf Verhaltensauffälligkeiten, denn mit dem letztgenannten Begriff setzten wir uns ausführlich im Seminar auseinander.

Mein persönlicher Zugang zu dem Thema entspringt aus der Tatsache, dass ich selbst in der Schule zurückhaltend war und mich vielleicht gefreut hätte, wenn ein(e) LehrerIn mich unterstützt hätte, diese „Hürde“ zu überspringen. Daher war es mir persönlich sehr wichtig, manchmal die Theorie mit Praxisbeispielen zu veranschaulichen und meine Ideen anzufügen.

2. Begriffsbestimmung

Bei der Auseinandersetzung mit der Forschungsliteratur zum Thema Selbstkonzept steht man einer großen Begriffsvielfalt gegenüber. In der deutschen Literatur findet man Begriffe wie „Selbstkonzept“, „Selbstwertgefühl“, „Selbstvertrauen“, „Selbstbild“, „Selbstwert-schätzung“, „Selbstakzeptierung“, „Ich“ und „Identität.“

Um der Gefahr der Unübersichtlichkeit und der Missverständnisse aus dem Wege zu gehen, sollen an dieser Stelle die genannten Begriffe definiert werden. Um auch Klarheit über die in der Literatur große Begriffsvielfalt zu brignen, wird der Versuch der Gegenüberstellung der Definitionen bei verschiedenen Autoren gemacht. Anschließend wird die Begriffsvielfalt eingeschränkt, so dass in meiner Ausarbeitung mit einem Begriff, nämlich dem des Selbstkonzeptes operiert werden kann.

BALDERING (1993)1 stützt sich auf Definitionen von DEUSINGER (1986)2 und MUMMENDEY (1981)3, die die Ansicht vertreten, dass Selbstkonzepte als Einstellungen gegenüber der eigenen Person verstanden werden. Baldering sagt weiterhin, dass Selbstkonzepte durch eine kognitive, d.h. die Fähigkeiten betreffende, eine evaluative, d.h. eine Wertung enthaltende und eine konative, d.h einen Aspekt der Veränderung enthaltende, Komponente gekennzeichnet sind. Selbstkonzepte werden als ein wichtiger Bereich der Persönlichkeit aufgefaßt, denn sie entwickeln sich mit und als Aspekt der Persönlichkeit. Alle Aspekte der eigenen Person können zum Einstellungsobjekt werden und in der Ausbildung von Selbstkonzepten ihren Niederschlag finden, sagt er.

Deusinger spricht von einem multidimensionalen Modell des Selbstkonzeptes, d.h. dass Kinder und Jugendliche Einstellungen zu verschiedenen Bereichen ausbilden, z.B. zum Bereich des eigenen Körpers, zum Bereich ihrer Fähigkeiten, zum Bereich ihrer Gefühle, zum Bereich ihres Verhaltens u.ä. Deusinger spricht nicht von einem multidimensionalen Modell, das isoliert aufzufassen ist. Vielmehr meint Deusinger ein Nebeneinander bzw. ein System von Einstellungen gegenüber der eigenen Person.

FILIPP (1984) oder FREY & BENNIG (1983)4 unterscheiden bei dem Begriff des Selbstkonzeptes zwischen einem kognitiven Aspekt, womit selbstbezogene Kognitionen und schließlich das Selbstkonzept gemeint sind und einem evaluativen Aspekt, d.h. welches ein wertendes Charakteristikum beinhaltet, womit nichts geringeres als das Selbstwertgefühl gemeint ist.

KRUPITSCHKA (1989)5 versteht unter dem Begriff des Selbstkonzeptes ein hypothetisches Konstrukt, das das Selbst als Objekt der Kenntnis („Selbstbild“) und der Bewertung („Selbstwertgefühl“ oder „Selbstwertschätzung“) der eigenen Person umfasst. Sogesehen finden wir an dieser Stelle eine starke Parallele zur Definition von Filip oder Frey & Bennig.

MARKUS (1977) und NEUBAUER (1976)6 sprechen von einem multidimensionalen hierarchisch organisierten System von Selbst- Schemata, das Wahrnehmungen, Erwartungen und Handlungen des Wesens beeinflusst.

Selbstwertschätzung oder das Selbstwertgefühl wird nach COOPERSMITH (1967)7 aus dem Hintergrund bisher erfahrener und damit vorangegangener Bewertungsprozesse gesehen.

Daraus resultiert die Fragestellung : „Wie wertvoll bin ich für die anderen Menschen?“

Selbstvertrauen bezieht sich nach STANNIEDER (1984)8 auf gedankliche und emotionale Vorwegnahme eigenen Handelns in künftigen Situationen. Hier ergibt sich die Frage: „Was traue ich mir in künftigen Situationen zu?“9 Beide Begriffe, also sowohl das Selbstwertgefühl bzw. die Selbstwertschätzung als auch das Selbstvertrauen finden ihre Basis in bisher erfahrenen Situationen.

Der Begriff der Selbstakzeptierung meint nach Krupitschka, dass ein Individuum sich selbst als Person mit all ihren Schwächen und Stärken uneingeschränkt anzunehmen vermag. Auch in diesem Punkt bilden erfahrene Situationen einen Nährboden für die Selbstakzeptierung oder auch die Nicht- Selbstakzeptierung.

Nach dem Pschyrembel 10 ist die Identität definiert als Kontinuität und Einheit der Person. Sogesehen sind die Einstellungsbereiche gegenüber der eigenen Person hiermit gemeint und tragen zur Einheit der Person bei.

Der Begriff des Ich ist im Pschyrembel beschrieben als Subjekt von Selbstbewußtsein und Verhalten.

In den Forschungsarbeiten zum Selbstkonzept tauchen zwei weitere Begriffe auf, die zum Teil synonym verwendet werden und auch zum Teil einen etwas anderen inhaltichen Schwerpunkt setzen: Identität und Ich. Der letztere Begriff wird nach SADER (1996)11 vor allem in psychoanalytischen Ansätzen benutzt und manchmal in der ursprünglichen Bedeutung nach Freud und manchmal gleichgesetzt mit dem Selbst und dem Selbstkonzept. Der Begriff der Identität wird vor allem in soziologischen Ansätzen benutzt.

Der Psychologe und Philosoph Wiliam James12 (1890/1981) definert das Selbst, indem er den Begriff noch einmal unterteilt in das „Me“ und das „I“. Der letztere Teil des Selbst ist das „reine Selbst.“ James meint mit dem „I“ das Selbstbewusstsein eines Wesens und das Bewusstsein dafür, daß der Mensch über sich selbst reflektieren kann.

Der erste Teil des Selbst, vertreten durch das „Me“, meint das Objekt, das wir für uns selbst sind. Er schreibt:

„In its widest possible sense (...) a man´s Self is the sum total of all that he CAN call his, not only his body and his psychic powers, but his clothes and his house, his wife and children (…), his reputation and works (…).”

An dieser Stelle sticht das materieelle Selbst hervor. Zu diesem Selbst zählt James den Körper, die Kleidung, die Familie, das Haus, die Wohnung, das angesammelte Eigentum. Das materielle Selbst ist gemäß James nur ein Teilselbst neben zwei weiteren: Dem sozialen Selbst, wozu die Anerkennung durch andere Menschen zählt. Unter Anerkennung versteht James zunächst wortgetreu „erkannt“, d.h. wahrgenommen werden.

Ihm zufolge ist es für die Entwicklung eines Selbst und des Gefühls einer eigenen Existenz unabdingbar, als Person von anderen überhaupt wahrgenommen und geachtet zu werden.

Das dritte Teilselbst nach James ist das geistige Selbst, welches die psychischen Dispositionen, unsere Eigenschaften, Fähigkeiten und Einstellungen umfaßt.

Spätere Selbsttheorien haben sich ganz besonders auf das geistige Selbst des Selbstkonzeptes verlegt. Aspekte des sozialen Selbst wurden vor allem in Theorien angegriffen, die der Soziologie nahestehen. Vom materiellen Selbst blieb fast nichts übrig.

In meiner Belegarbeit konzentriere ich mich auf zwei Begriffe, die für mich synonym erscheinen: Selbstkonzept und Selbstbild. Die Begriffsbestimmung nach Baldering und Deusinger haben mich überzeugt. In verschiedenen Teilen meines Studiums lernte ich mehrdimensionale Modelle kennen, die sich für mich bewährt haben.

In der Psychiatrie als Beispiel spricht Rutters (1975)13 von mehreren Einflussfaktoren in der Genese von Verhaltensstörungen (z.B. biologische, psychosoziale, soziokulturelle und situitive Faktoren). In der Psychiatrie ist auch das Vulnerabilitätsmodell 14 bekannt, welches mehrdimensionalen Ursprungs ist. In diesem Modell spielt bei der Entstehung von Verhaltensauffälligkeiten nicht nur ein Faktor eine wichtige Rolle, sondern mehrere. Als Beispiel sind Menschen da, die für bestimmte psychische Auffälligkeiten „verwundbarer“ sind, z.B. eine Person, die pessimistisch eingestellt ist, hat ein größeres Risiko, Depressionen zu bekommen, als eine Person, die optimistisch eingestellt ist. Aber nicht nur die Faktoren spielen die entscheidende Rolle, sondern auch z.B. situitive Faktoren, z.B. der Tod beider Eltern. Die mehrdimensionalen Aspekte können somit zur Symptomatik führen. Um auf mein Thema zurückzukommen, spricht man auch in der Selbstkonzeptforschung von einem mehrdimensionalen Modell, wenn es um die Struktur des Selbstkonzeptes geht.

SHAVELSON (1976)15 hat mit anderen Mitarbeitern eine Modellvorstellung entwickelt. Dieses Modell ist zu verstehen als ein Nebeneinander von Konzepten aus verschiedenen Bereichen, die in einer hierarchischen Ordnung wiederzufinden sind.

Folgendermaßen könnte ein Selbstkonzept eines beliebigen Schülers aussehen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Drei Ebenen des Selbstkonzeptes von Schulkindern (teilweise nach Shavelson et al., 1976; ergänzt nach Woolfolk und McCune-Nicolich, 1984).

Shavelson et al sehen, dass das Selbstkonzept hierarchisch geordnet zu verstehen ist. Wie in der obigen Abbildung dargestellt, setzt sich ein Schüler in einem Unterrichtsfach mit spezifischen Aufgaben auseinander und erfährt dabei (unter anderem durch einen Vergleich mit anderen Mitschülern, Stellungnahmen und Rückmeldungen von Lehrern und Eltern), welche Fähigkeiten er z.B. für Deutsch, Naturwissenschaften und Sport besitzt. Auf der Grundlage dieser spezifischen Erfahrungen könnte er auf dem nächsthöheren Niveau ein leistungsbezogenes Selbstkonzept bilden. Aus anderen spezifischen Erfahrungen entstehen auf gleicher Ebene auch ein soziales und körperliches Selbstkonzept. Diese drei Selbstkonzepte organisieren sich and der Spitze zu einem allgemeinen Selbstkonzept, das in abstrakter Form beinhaltet, wie ein Mensch sich selbst sieht.

In einer weiteren Abbildung charakterisieren SHAVELSON, HUBNER und STANTON (1976) 16 das Selbstbild von Schülern. Sie nehmen hypothetisch an, dass es hierarchisch gegliedert ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Drei Niveaus des Selbstbildes von Schülern

Gage und Berliner schreiben:

„Oben in dieser Hierarchie steht das allgemeine Selbstbild, eine Reihe von Ansichten, die man über sich selbst hat, Ansichten, die relativ schwer zu modifizieren sind. Auf dem nächstniedrigeren Niveau sind drei Hauptgebiete des Selbstbildes von Schülern aufgeführt: die Gebiete der schulischen, sozialen und physischen Fähigkeiten. Auf dem untersten Niveau der Hierarchie sind spezifische Bereiche des Selbstbildes angegeben, die in einem direkten Zusammenhang zu einer bestimmten Aktivität oder einem bestimmten Fachgebiet stehen. Diese spezifischen Selbstbildbereiche sind wahrscheinlich am wenigsten änderungsresistent. Wenn sich die Leistungen eines Schülers z.B. im Bereich der Mathematik verbessern, so werden seine Einstellungen sich selbst gegenüber in diesen Bereichen wahrscheinlich auch günstiger werden.“

2.1. Definitionsansätze und der Transver auf die Praxis

GROB und JASCHINSKI (2003) 17 vom Institut für Psychologie Bern sind der Meinung, dass das Selbstkonzept sich aus zwei Komponenten zusammensetzt.

Die bisher viel angeklungenen Teilkomponenten sind auch bei ihnen begründet. Beide sprechen von der kognitiven und der affektiven Komponente. Affektiv bedeutet in diesem Sinne gefühlsbetont oder auch durch Gefühlsäußerungen gekennzeichnet.18 Die affektive Komponente meint, wie schon bei Baldering angeklungen, eine gefühlsmäßige Wertung der Fähigkeiten und somit beinhaltet sie Selbstvertrauen.

„Die kognitive Komponente beinhaltet die Selbstwahrnehmung und das Wissen, das eine Person über sich selbst hat. Hier ist das Fähigkeitsselbstkonzept von hoher Bedeutung, also die Einschätzung der eigenen Kompetenz in verschiedenen Bereichen, z.B. im sozialen, sportlichen und schulischen Bereich. Aus diesen Annahmen über die eigene Leistungsfähigkeit leiten sich Erwartungen für Erfolge und Mißerfolge in künftigen Situationen ab.“19

Beispiel:

„Ein Jugendlicher hat aufgrund seiner bisherigen Lerngeschichte ein positives schulisches Fähigkeitsselbstkonzept aufgebaut. Dieser Jugendliche wird auch in zukünftigen schulischen Aufagben seine Erfolgsaussichten hoch einschätzen. Sein Selbstwertgefühl wird für den Bereich Schule gestärkt sein. Wenn ein Schüler jedoch immer wieder Mißerfolge erlebt, wird er ein negatives schulisches Selbstbild entwickeln und keine guten Erfolgschancen für sich sehen. Sein Selbstbewußtsein für den Bereich Schule wird gering sein.“20

An dieser Stelle möchte ich ein Beispiel aus der Schule heranziehen. Ein Junge aus der 4. Klasse schreibt über seine Fähigkeiten im Sport und in Deutsch:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In dieser kurzen Einschätzung des Schülers zum Thema „Wie bin ich ?“ wird deutlich, dass er ein gutes sportliches Fähigkeitsselbstkonzept hat. Auch in künftigen sportlichen Aufagben wird er seine Erfolgsaussichten dort hoch einschätzen. Somit ist sein Selbstwertgefühl für den Bereich Sport gestärkt. Im Bereich Deutsch (bzw. Aufsätzeschreiben) schätzt der Schüler seine Fähigkeiten niedrig ein. Sogesehen wird er in dem Bereich kein gutes Selbstkonzept entwickeln und auch keine guten Erfolgschancen für sich sehen, wenn der Lehrer ihn nicht in die richtige Richtung lenken kann.

In der Rücksprache mit der Lehrerin kam ich zu der Idee, dass der Bereich Sport für den Schüler ein guter Ausgangspunkt sein könnte, sein Selbstkonzept in Deutsch aufzubauen. Die Aufgabe des Lehrers ist es, an den Ehrgeiz des Schülers zu appellieren und ihm bewusst zu machen, dass er schon seine Stärken im Sport hat und wieso er diese nicht im Deutschunterricht erreichen könnte.

In einer weiteren Literaturrecherche fand ich ein anderes Strukturmodell des Selbstkonzeptes, welches seine Funktionsweise anhand des Beispiels wunderbar erklären kann. Es handelt sich um das Strukturmodell nach HANNOVER.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Ein Strukturmodell des Selbstkonzeptes (nach HANNOVER, 1997)21

Hannover geht in ihrem Strukturmodell davon aus, dass die Repräsentation des Selbst aus einer Vielzahl kontextspezifischer Informationscluster („Selbstkonstrukte“) besteht, die miteinander verknüpft sind und eine Gesamtheit des Selbst ausmachen.

Die in unterschiedlichen Selbstkonstrukten gespeicherten Informationen können sich auch widersprechen.

Ein anderes Beispiel widmet sich dem Bereich Freundeskreis. Eine Schülerin aus der vierten Klasse schreibt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Baldering, Dagmar (1993): Selbstkonzepte von Kindern im Grundschulalter: ein Vergleich zwischen psychisch auffälligen Kindern und Kindern der Normalpopulation. Frankfurt/Main, Berlin, Bern, New York, Paris, Wien, Lang. S. 2.

[2] Ebd., S. 2.

[3] Ebd., S. 2.

[4] Ebd., S.2.

[5] Krupitschka, M. (1989): Modifikationen des Selbstkonzepts und Selbstwertgefühls von Kindern mit Störungen im Lern-, Leistungs- und sozioemotionalen Bereich. In: Lukesch, H., Nöldner, W.& Petz, H. (Hrsg.). Beratungsaufgaben in der Schule. München. S.232.

[6] Ebd., S. 232.

[7] Ebd., S. 232.

[8] Ebd., S. 232.

[9] Urbaniak, K, Mitschrift des Vortrages von Nicole Thielen in dem Hauptseminar „Störungen des Sozialverhaltens von Prof. Dr. H. Dettenborn. Selbstkonzept und Verhaltensstörungen. Humboldt-Universität. SoSe 2003 um 18 Uhr (unveröffentlichtes Manuskript)

[10] Pschyrembel (1994). Klinisches Wörterbuch. Berlin, New York. S. 697-699.

[11] Sader, M. (1996): Psychologie der Persönlichkeit. Weinheim, München. S. 152.

[12] Ebd., S. 153.

[13] Steinhausen, Hans-Christoph (2000): Psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen. Lehrbuch der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Berlin: Urban & Fischer. S.

[14] Urbaniak, Kamila, Mitschrift der Vorlesung von Prof. Dr. Mielke. Psychiatrie des Kindes- und Jugendalters. Humboldt-Universität WiSe 2000. (unveröffentlichtes Manuskript)

[15] Mietzel, G.(1986): Psychologie in Unterricht und Erziehung. Göttingen, Toronto, Zürich. S. 310.

[16] Gage, N.L., Berliner, D.C.(1986): Pädagogische Psychologie. Weinheim. S. 198.

[17] Grob, A., Jaschinski, U.(2003): Erwachsen werden. Entwicklungspsychologie des Jugendalters. Weinheim, Basel, Berlin. S. 42.

[18] Duden (2001). Fremdwörterbuch. Mannheim, Leipzig,Wien, Zürich. S. 32.

[19] Grob, Jaschinski, a.a.O., S. 42.

[20] Krapp, A., Weidenmann, B. (Hrsg.) (2001): Pädagogische Psychologie. Weinheim. S. 228.

[21] Ebd., S. 228.

Details

Seiten
39
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638236171
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v19510
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Institut für Allgemeine Pädagogik
Note
gut
Schlagworte
Selbstkonzept Verhaltensauffälligkeiten

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Titel: Selbstkonzept und Verhaltensauffälligkeiten