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Der ‘Ewig-Deutsche‘: Verlust und Wiedergewinnung der deutschen kulturellen Identität

Wissenschaftliche Studie 2012 355 Seiten

Kulturwissenschaften - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

Teil 1 Nationalkulturelle Dimensionen der Selbsterkenntnis
A. Einführung: Elemente menschlicherSelbsterkenntnis
1. Deutsche Stärken und Schwächen. Versuch einer Kulturanalyse
2. Eine kleine Geschichte großer (deutscher)Kulturrevolutionen
3. Das Ende einer Ära und ein Neubeginn. Das Ende der protestantischen Ära
4. Intrakulturelle Probleme in Deutschland
5. A glance at German Lands
6. Cultural Healing of Germany

Teil 2 Die Expatriierten Rückblende
A. Reflektion der Identität
1. Gedanken zur deutschen Identität
B. Verlust und Wiedergewinnung der inneren-äußeren Heimat
1. Expatriate Reisebiographie 1 - Heimat: Vaterland und Muttersprache
1. Expatriate Reisebiographie 2 - Von den geistig-kulturellen und den persönlichen Wurzeln
2. Expatriate Reisebiographie 3 - Von der Vertiefung der geistigen Wurzeln

Teil 3 Interkulturelle Managementinstrumente: Strategien für das Interfacing diverser kultureller Identitäten

Teil 4 Dimensionen individueller, kultureller und universellerSelbsterkenntnis
A. Die Integrität der Schöpfung
1. Kulturelle Identität und Ethik im Kontext der Integrität der Schöpfung
B. Fundamente und Grundlagen der Kultur
1. Die Kultur und die Schöpfungsordnung
C. Das religiöse Bewusstsein als einheitsstiftendes Prinzip der Menschheit
1. Menschliche Defizite hinsichtlich der komplementären Erkenntnis der Einheit und der Diversität
a. Auf der individuellen Ebene
b. Auf der kollektiven Ebene
2. Grundlagen und Weg der Einheit
D.Metaphysik und Kultur
1. Der Primat Gottes
2. Die biologische, die psychologische und die geistige Natur ganzheitlicher menschlicher Kultur

Teil 5 Die Integration der Multidimensionalität menschlicher Identität und Selbsterkenntnis
1. Der Stand der interkulturellen Kunst und Wissenschaft Von der menschlichen Bedingtheit bei der Erforschung kultureller Bedingtheit
2. Die Weiterentwicklung der interkulturellen Kunst und Wissenschaft: Quellen, Modelle und die Erlangung vollkommener Kulturerkenntnis

Teil 6 Inter- und transkulturelle Fachterminologie: Terminologische Systematisierung eines erweiterten integrativen kulturellen Erkenntnishorizontes
Bibliographie

Teil 1 Nationalkulturelle Dimensionen der Selbsterkenntnis

Wer sich selbst kennt kann alle Schlachten gewinnen.

(Sun Tzu)

Der Mensch hat nicht eine Heimat, sondern er ist Heimat.

(aus Brasilien)

A Einführung: Elemente der Selbsterkenntnis

Dem aus einer Anzahlkomplementärer Komponenten bestehenden Begriff der Selbsterkenntnis kommt man über den Begriff der Identität näher, der persönlichen und der kulturellen Identität, in dem Sinne einer Übereinstimmung des Menschen mit seinem Urbild. In dem Maße, wie eine Abweichung zwischen dem Urbild, das der umfassenden metaphorischen geistig-biologischen DNA entsprichtund dem Istzustand besteht, setzt eine Korrumpierung der Identität ein, die Individuen, wie auch Gruppen um der Kontinuität ihrer Existenz und Integrität willen nach Kräften zu vermeiden trachten, ja sogar vermeiden müssen, um ihr menschliches Wesen im Sinne einer irreversiblen Ordnung, das alles Lebendecharakterisiert, aufrecht zu erhalten und zu konsolidieren.

Es ist Abbild der Quelle und des Ursprungs des Lebens im einen absoluten Schöpfer ohne zweiten und hat als Ebenbild des Absoluten, einen das Leben bedingenden Absolutheitseinspruch in seiner einzigartigen Ausprägung. Diese Identität ist seine Wahrheit, die er zu leben bestrebt sein sollte, wenn er sein Leben im Sinne einer alles durchwebenden und durchdringenden singulären Schöpfungsordnung zu gestalten sucht. Als Manifestation der Einheit und Absolutheit ist sie der Königsweg der komplementären Integration von myriadenfacher Diversität in der Einheit der Schöpfung und des Menschen und somit eine zentrale Erkenntnis im Hinblick auf das kulturkonfliktfreie Management des globalen, multikulturellen dritten Millenniums.

Der Identität, in diversen nationalen und supranationalen Kodizes als Würde des Menschen bezeichnet, die im deutschen Grundgesetz in der Folge eines hohen Maßes an Identitätsverletzungen und des Identitätsmissmanagements zurecht als unantastbar bezeichnet wird, kommt nunmehr ein quasi, ja sogar ausgesprochen sakraler Wert und Bedeutung zu, weil das Leben in seiner spezifischen Ausprägung als geistig-seelisch-körperliche Identität einen direkten Bezug zur Quelle des menschlichen Wesens hat, zu Gott, dem Schöpfer. Und der gesamte Bogen von der Quelle des Lebens bis hin zur individuellen Identität erscheint nun im Lichte einer erforderlichen Würdigung der Integrität der Schöpfung und deren Schöpfer.

Diese Denkweise ist deckungsgleich mit und findet ihre Vollendung in der Religion, insbesondere der christlichen Zivilisation, in der die Würde des Individuums verankert ist und seit 2000 Jahren die spezifische Identität der Kulturen und Individuen dieser Zivilistin begründet. Darin besteht eine maßgebliche Quelle der Selbsterkenntnis, die im Zuge der gegenwärtigen Säkularisierung zu versickern droht und gewissermaßen eine Neuchristianisierung Europas zu erfordern scheint, um den Herausforderungen des multikulturellen Zeitalters gerecht zu werden, denn ohne diese fundamentale, identitätsstiftende Menschenerkenntnis, die die Selbst- und Fremderkenntnis bedingt, ist diese Zivilisation ihres Fundaments bar und den kulturellen Wellen und Wogen des Ozeans der Zeit ohne die erforderliche Verankerung des Lebens im Hinblick auf seine Integrität, Überlebensfähigkeit und seit Jahrhunderten dokumentierten Fruchtbarkeit, trotz aller Kontinuität der Kulturkonflikte, ausgesetzt. Und wenn ein derartiger sakraler Wert das Verhalten bedingt, kann sienur im Sinne der Integrität der Schöpfung und in höchstem Massenachhaltig und dem Menschen insgesamt förderlich sein.

Der innere Kompass des Menschen, sowohl seine biologischen Selbstregulationsmechanismen, als auch seine kulturellen, weitgehend im Unterbewusstsein verankerten kulturellen Programme, wie auch die Freiheit seines Geistes, insoweit er sie bewahrt, zeigen, solange das Leben währt, auf den Pol der kulturellen und persönlichen Integrität und suchen diese immer wieder zu erreichen, wenn der Mensch vom singulären Kurs abkommt, den ihm seine multidimensionale DNA vorgibt und die er nicht selbst gewählt hat, sondern, die er als ein Charisma, eine Gabe und somit eine Aufgabe, möglichst treu verwalten muss. Tut er dies nicht, so wird die individuelle und kollektive Nemesis ihn in irgendeiner Form zur Rechenschaft ziehen, weil das Leben kein Ersatzleben, der Körper keinen Ersatzkörper und der Geist nicht substituierbar und unveräußerlich ist.

Mit der Multikulturalität treten jedoch viele Geister auf den Plan und versuchen die Integrität der metaphorischen gesamtmenschlichen DNA bisweilen durch idiozentrische Motive und Agenden, im Wege der Machtausübung und kulturellen Kolonisierung, zu torpedieren. Die Alienation von der geistig-biologischen Integrität setzt ein und der Kampf des Individuums oder der Gruppe zu deren Wiederherstellung beginnt.

Das Leben ist somit, entsprechend dem Grad der Bedrohung der Identität, ein fortwährender Kampf gegen die Korrumpierung der individualkulturellen und gesellschaftskulturellen Identität, die dem Menschen weitgehend in die Wiege gelegt sind und sich ihn frühester Kindheit im Wege der Sozialisierung ausbildet, um zu seiner singulären Integrität, die eine Garant seiner psychophysischen Lebenskonformität und somit lebensfördernd ist. Alles andere ist lebenshinderlich und das Leben selbst ist somit ein permanentes Streben nach der Rückkehr "ad integrum" (zur Integrität).

Diese Sachverhalte akzentuieren sich mit der historischen Phase der Globalisierung und Migration, dem Übergang von homogenen in heterogenere menschliche Gesellschaften und begründen daher eine gesellschaftspolitische und individualpsychologische Erfordernis der diesbezüglichen Bewusstwerdung und Bewusstheit, um nicht von den damit einhergehenden, in der Evolution relativ neuen Prozessen gesteuert zu werden, was zu kulturellen Konflikten führen würde, sondern vielmehr, um sie im Interesse einer idealerweise friedfertigen Menschheitsfamilie in der Gestalt der möglichst synergetischen Koexistenz myriadenfacher Diversität in einer allintegrativen Einheit zu steuern.

Das erfordert unter anderem nichtverhandel- und nichtrelativierbaren Respekt der besagten kulturellen Identität als einzigartigesLebensprogramm aller Akteure und dieser Respektistinsbesondereauch eine Frage der grundsätzlichen Ethik.

Zunächst möchte ich von der deutschen warte her national- oder gesellschaftskulturelle Aspekte ansprechen. Darauf folgen Essays, die die universalkulturelle Dimension thematisieren und schließlich folgt eine Integration der persönlichen und kulturellenDimensionen menschlicher Identität in ein einem integrativen Transkulturellen Profiler.

1 Deutsche Stärken und Schwächen: Versuch einer Kulturanalyse

Viele, insbesondere Menschen der älteren Generation, sowie auch jüngere, möchten der Selbstreflexion aus verständlichen Gründen der Tabuisierung, der Vergötterung oder der Verwerfung der kulturellen Selbsterkenntnis überdrüssig sein, doch die kulturübergreifenden Erkenntnisse der alten Zivilisationen bis hin zur Harvard Management Psychologie weisen einstimmig auf die Selbstbewusstheit und Selbsterkenntnis als unabdingbare Voraussetzung für den wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Erfolg der Individuen und somit dieser die Kulturen bildenden Komponenten hin und führen die Menschen immer wieder auf ihren wunden Punkt zurück, bis sie sich der Herausforderung stellen. Dies kann man insbesondere dem kurzen Überblick über das Primat der Selbsterkenntnis aller Kulturen und Zivilisationen in Teil 4 entnehmen:

Schwach ist nicht der, der seine Schwäche erkennt und anerkennt und somit auf dem Weg der Genesung und Stärkung ist, sondern der, der seine Schwäche nicht erkennt und anerkennt und diese durch dasKannibalisieren anderer zu kompensieren sucht und somit nicht selbst wachsen und stärker werden kann, statt im Wege derAffirmation seiner inneren Kraft zu erstarken. Bisweilen liegt in der vermeintlichen Schwäche große Kraft. Stärke und Schwäche sind kulturrelativeBegriffe und bedürfen einer kulturellen Präzisierung. Die Konfuzianische Ethik beispielsweise leitet aus der Position des Stärkeren eine Verpflichtung zur Sorge des Stärkeren um den Schwächeren und die Loyalität des letzteren gegenüber demersteren ab, sowohl intrakulturell als auch interkulturell. Diese Weltanschauung ist im Begriff, dazu beizutragen, den großen Drachen von einem globalen Underdog zu einer beherrschenden geopolitischen und weltwirtschaftlichen Größe, der die hegemoniale Supermacht Amerika überflügeln könnte, avancieren zu lassen.

Kurzfristig, wielangfristig können sie sich in ihr Gegenteil umkehren. Etwas das mit immensem Elan beginnt und von Sieg zu Sieg eilt, kann sich in eine totale Paralysis verwandeln, zum Beispiel Hitlers Russlandfeldzug, der die 6. Deutsche Armee in Stalingrad vernichtete und Mann und Maus sprichwörtlich immobilisierte und einfror. Stärke und Schwäche sind dualistische, relative Begriff, die weder statisch noch eindimensional erfassbar sind.Deshalb sollte man sie als eine interdependente menschliche Dynamik, wirtschaftlich, politisch, strategisch, national, organisational und individuell, verstehen. Siehe hierzu die interdependente strategische Erkenntnis des Begründers des strategischen Denkens Sun Tzu:

Über die chinesische Strategie:

„Das wesentliche dabei besteht nicht in der Addition der militärischen Kräfte, sondern in der Summe politischen und wirtschaftlichen Daten, nicht die Zerstörung des Feindes, sondern seine Paralysierung; Unbesiegbarkeit besteht in der Defensive; eine siegreiche Armee ist es bereits, bevor sie in den Kampf zieht.“

„L’essentiel n’est pas l’addition des forces militaires mais la somme des données politiques et économiques; la destruction de l’adversaire, mais sa paralysie; l’invincibilité c’est la défense; une armée victorieuse l’est avant de chercher le combat.»

(Zitat Sun Tzus vonJean Pierre Brulé in „Die chinesische Armee von morgen“, Bailland 1974, dt. Übersetzung durch den Verfasser)

Das chinesische Schriftzeichen für Strategie bedeutet soviel wie von eins bis zehn zählenoder den gesamtem zeitlichen Horizont eines Prozesses zu erfassen, ihn von Anfang bis zum Ende zu durchdenken. Faktoren der multidimensionalen Interdependenz, die ganzheitliche Erfassung des zeitlichen Horizonts und des Kontexts von Prozessen und indirekte, reaktive Strategeme stehen in jener Kultur für strategische Stärke…

HistorischeZyklen der Blüte und der Dekadenz von Zivilisationen und Weltreichenwie beispielsweise desRömischen Reiches, sowie mächtigerInstitutionenwie beispielsweiseNationender Größenordnung der ehemaligen Sowjetunion oder Jugoslawiens oder Organisationen, wie Wirtschafts- und Finanzkonglomerate, ja selbst Staaten bis zum Weltwirtschafts- und Währungsgefüge,die quasi über Nacht insolvent werden und von der neoliberalen Weltwirtschaftsdynamik zerschlagen werden, zeugen von der Prozessdynamik von Stärke und Schwäche. Während die individualistischsten, kurzfristig orientierten Kulturen, wie beispielsweise die Anglokulturen in der Nachkriegsphase die weltwirtschaftlich effektivsten waren, zeichnet sich gegen Ende des 20. Jahrhunderts ein kollektivistisch, langfristig orientiertes kulturelles Erfolgsmodell in der Gestalt der sensationell höchsten Wachstumsratern der Tiger Staaten Ostasiensin der Wirtschaftsgeschichte, allen voran des großen Drachens China, ab.

Manchmal gehen große Stärke einerseits und Schwäche andererseits nebeneinander einher. Deutschland galt lange Zeit international als wirtschaftlicher Riese und gleichzeitig als politischer Zwerg.

In der internationalen, interkulturellen Managementliteratur gelten Deutsche als sachlich relativ stark, als menschlich eher schwach. Dies ist in dem die Deutschencharakterisierenden italienisch formulierten Dictum „En gamba, ma non simpatico“ (fähig, aber unsympathisch) subsumiert. Kulturanalytisch dürfte dies unter anderem auf eine einseitige Priorisierung derSachorientierung bei gleichzeitiger Vernachlässigung des relationalen Poles auf dem kulturellen Wertekontinuum der Sach-Beziehungsorientierung zurückzuführen sein. Und diese einseitige Orientierung findet ihre Erklärung zum Teil, wenn auch nicht erschöpfend, in einer als maskulin (Selbstbehauptung) bezeichneten kulturellen Wertepräferenz, die die komplementäre feminine Orientierung (Lebensqualität) eher als Schwäche betrachtet, da letztere entsprechend der maskulinen kulturellen Wertepriorisierung nicht der Selbstbehauptung und dem Eigennutz zu dienen scheint. Dies mag kurzfristig und subjektiv, im interpersonalen und interorganisationalen und interinstitutionellen Machtkampf als Stärke verbucht werden können, aber langfristig verheerend wirken, da sich so keine nachhaltigen Beziehungen aufbauen lassen, insbesondere mit feminineren Kulturen, wie beispielsweise skandinavischen und einigen slawischen oder partikularistischen, wie einigen asiatischen oder romanischen, insbesondere lateinamerikanischen (siehe Latin Touch). Obwohl die sich selbst behauptende, leistungsorientierte maskuline kulturelle Wertepräferenz bei beiden Erfolgsmodellen ebenso wie in der deutschen Gesellschafts- und Wirtschaftskultur eine Rolle spielt, gibt es in jenen anderen Kulturen mehr soziokulturelle Zügelungsmechanismen in der Gestalt kultureller Sophistikation, die mildernd auf dieses Charakteristikum wirken.

Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund gilt die deutsche Sprache in den Augen eines britischen Managementprofessors auch als Kommandosprache, Sprache und Hirn als singulär labyrinthaft komplex und die deutsche Managementkultur, laut dem Globe interkulturellen Forschungsprojekt als inhuman, deutsche Kommunikationskultur für relational vielleicht sensiblere Psychen bisweilen als unangemessen. Die wechselwirkende Multidimensionalität der Macht-. Leistungs- und Beherrschungsmotiveund der Druck des geopolitischen Kontextes, eine damit einhergehende Philosophie der Anmaßung und die Verzögerung in der Herausbildung einer Nation und Nationalkultur, sowie die Reaktion auf Kulturkämpfe und Religionskriege und romantischer-idealistischere historische Phasen, die in kulturhistorische Engpässe geführt haben, mögen diese neuzeitliche kulturelle Orientierung erklären. Struktur, klare Linien und das Wort als bare Münze, das den Kontext abstrahiert, mögen vermittels der Transparenz in der Komplexität identitätsstrukturierend wirken und gegen die eigene potentielle Irrationalität, Hybris und Exaltation einen Schutzwall aufbauen.

Angemaßte Stärke könnte schwächende Rückwirkungen haben. Die sogenanntedeutsche Philosophie der Anmaßung ging mit dem Niedergang Deutschlands einher. Und der Altbundeskanzler Schmidt warnte in seinem hohen Alter die Deutschen eindringlich vor der Anmaßung, Europa lehrmeistern zu wollen, weil sich die Deutschen dadurch isolieren würden, was für ein Land dessen Stärke insbesondere auf seinen internationalenwirtschaftlichenVerflechtungengründet, wirtschaftliche und politisch schwächende Rückwirkungen haben könnte. Diese Vorbemerkungen sollen, darauf hinweisen, dass das komplementäre Stärke-Schwäche Kontinuum ein vielfältig zeitlich, kulturell, situativ und dynamisch zu relativierendes mentales Konstrukt ist. Die dynamische Interdependenz weist darauf hin, dass es nur schwer ergründbar ist, wenn man nur einen Pol des Kontinuums betrachtet. Diesem Astigmatismus gilt es eine ganzheitlichere Sichtweise entgegenzusetzen und ihn kulturell und in anderer Hinsicht zu relativieren und somit zu objektiveren, damit man eine nützliche und nachhaltige Kulturanalyse vornehmen kann.

Zu dieser nachhaltigkeitsorientierten Selbstreflexion gehört sowohl eine historische gesellschafts- und individualkulturelle Selbstreflexion, die ich im nachfolgenden Kapitel über die historischen gesellschaftskulturellen Revolutionen und Transformationen vornehmen möchte, als auch das Erkennen gegenwärtiger Trends: Zu diesen Trends gehört die Beobachtung der Tendenz zur gesellschaftskulturellen und individualkulturellen Säkularisierung (in Deutschland sehr fortgeschritten), des sich daraus ergebenden kulturellen Werterelativismus, der sich als antisoziales gesellschaftliches Verhalten insgesamt äußert und sich als Wirtschafts- Währungs- und Kulturkreise, die ihren Ursprung in der Loslösung von der Transzendenz, von den Wurzeln der jüdisch-christlichen Zivilisation hat, manifestiert. Dies Kulturkrise, die in Deutschland aufgrund der starken Säkularisierung weit fortgeschritten ist, ist ein europäisches und westliches, ja selbst globales Phänomen und kann das Wirtsschafts-, Währungs- und Gesellschaftsgefüge, sowie auch die ökologischen Gleichgewichtes in unvorhersehbarem Maße aus dem Angeln heben.

Die Relativierung verweigert die Unterordnung unter eine höhere Ordnung und koppelt sich von dieser in der Gestalt einer Verweigerung des christlicheneuropäischenkulturellen identitätsstiftenden Erbes ab. Sowohl in der Reformation, als auch in den darauffolgenden Kulturrevolutionen bis hin zum Faschismus ging es um die Substitution dieser kulturellen Kontinuität und die Schaffung einer ethnozentrischen Ersatzideologie in Konkurrenz zum christlichen Universalismus, vornehmlich repräsentiert durch Rom, i. e. den Vatikans als Vertreter eines Universalismus der Transzendenz.

Das religiös kulturelle Tauziehen zwischen Rom und Deutschland und nun zwischen Kultur und Transzendenzweltweit geht weiter in der Gestalt des selbst von den Davos Wirtschaftsbossenangemahnten ethischen Relativismus mit seinen wirtschaftlichen Folgen. Indes, der religiöse Universalismus hat die Weite eines geistigen Horizontes, die alle kulturellen Relativismen zu integrieren vermag, wenn man ihn akzeptieren kann. Umgekehrt haben die diversen kulturellen Relativismen und ethischen Relativierungenaber nicht die Weite des Horizonts, den all-umfassenden und allintegrierenden religiösen Universalismus zu integrieren. Es ist also letztlich auch eine Frage der historischen und zeitgenössischenPriorisierungintegrativer religiöser Werte vor differenzierenden und häufig spaltenden kulturellen Werten, die Wohl und Wehe der deutschen, europäischen wie auch der globalen Geschicke bestimmt – und das mit geistigen, wie auch materiellen Folgen.

Eine Folge der Nichtunterordnung unter eine transzendente Ordnung führt zur Selbstanmaßung der höchsten Autorität, die keine echte Legitimation besitzt. In ihrer Schwäche wird sie daher autoritär und versucht sich auf dem Stärke-Schwäche Kontinuum optimal zulasten Dritter zu positionieren. So entsteht eine Verbündung der Politik mit dem Wirtschaft, wie beispielsweise der Regierung mit maßgeblichen Konzernen, wie beispielsweise der Baden-Württembergischen Landesregierung mit ökologisch und kulturell destruktiven Projekten des Daimler-Benz Konzerns in den siebziger Jahren oder auch die Kollaboration derselben Regierungskreise dreißig Jahre später mit dem Deutsche Bahn Konzern. Dieses Phänomen des die Zeiten überdauernden Rückschritts in vordemokratische Verhaltensweisen – das die Alliierten nicht umzuerziehen vermochten – findet auch in den Alltagsbeziehungen zwischen Bürger und Staat seine Fortsetzung, dessen Organe sich wie in allen vorerwähnten Beispielen mit dem vermeintlichen stärkeren zulasten des vermeintlich Schwächeren solidarisieren.

Diesesarchetypische Syndrom einer im Bereich kultureller Werte und Kardinaltugendenrelativierten Kultur wurde bereits vor einem halben Jahrhundert in der amerikanischen Karikatur des Hampelmanns, der von der Wirtschaft ander Strippe gezogen und manipuliert wird, auf einen metaphorischen Nenner gebracht; eine Metapher, deren Prinzip heute noch genauso Anwendung findet wie damals. Kultur und kultureller Wandel, auch der hin zu einem Humanismus und der Demokratie sind nur über größere Zeiträume möglich und +symbolische Handlungen und Lippenbekenntnisse zur interkulturellen Aussöhnung haben keinerlei Substanz und Impact auf konkrete alltägliche Verhaltensweisen. Doch das Leben spielt sich im konkreten Verhalten der Menschen ab und nicht in Schönwetter-Platituden. Und solange die Werte der Erzieher keine tiefgreifende Transformation erfahren haben, werden sie kulturelle Monster heranziehen.

Der ethische und authentisch-kulturelle Werterelativismus im weiteren Sinne führt zwangsläufig zu undemokratischen Verhaltensweisen, gesellschaftlicher Entsolidarisierung und einer Solidarisierung mit dem Stärkeren, auch wenn er sich unethisch verhält. Gegenwärtige individual- und gesellschaftskulturelle Evidenz (siehe Beispiele aus B.-W.), die amerikanische Deutschlandkarikatur und die nachfolgende französische Kulturananalyse Deutschlands weisen auf ein überzeitliches Syndroms hin, das die Alliierten zwar erkannten, aber das aufgrund der Langfristigkeit des kulturellen Wertewandels nur über sehr lange Zeiträume veränderlich zu sein scheint. An der Oberfläche mag es gleich Wellengekreusel Wandel geben, während die Tiefenstrukturen die Zeit überdauern. Diese zeitresistenten Tiefenstrukturen sind inbezug auf ihre negativen wie auch positiven Stärken und Schwächenpotentiale zu erkennen, zu erforschen und zu meistern.

Ist die singuläre historische Konstellation eines deutschen Papstes und ein historisch hohes Ausmaß an deutscher Säkularisierung nicht auch Fingerzeig und Mahnung des Schicksals, sowie eine Chance, die deutsche Kultur wieder in die Richtung zu lenken, in die sie nicht einmal die Umerziehungspolitik der Alliierten bis zum heutigen Tag zu lenken vermochte?

Die Selbsterkenntnis ist insbesondere in einem Immigrationsland erforderlich, wenn es langfristig nicht von den Immigrationskulturenkolonisiert werden möchte. Nur wenn es die über die Selbsterkenntnis gewonnene kulturelle und historische Weite und Tiefe, die Erkenntnis seiner wahrscheinlichen Mission aufgrund seiner spezifischen kulturellen Prägung im Konzert der Völker gewonnen hat, kann es Abschreckung und Einladung gleichermaßen sein: Abschreckung vor dem Versuch kultureller Kolonisierung und Verdrängung und Einladung zur zivilisierten Koexistenz und Respekt der Ziellandkultur ohne Einschränkung. Die praktische Lösung der Migrationsproblematik kann nur über den uneingeschränkten Respekt der Würde jedes Menschen erfolgen.

Leider knicken unsere Behörden und Verwaltungen schon lange vor den Forderungen der Immigranten ein und haben bereits eine Kräftegleichgewichtsverlagerung zuungunsten der Ziellandkultur bewirkt, deren Mitglieder offenbar schon lange nicht in dem Maße von vielen Migranten respektiert werden, wie es für ein friedliches Miteinander erforderlich ist. Der gegenwärtige Papst hat,nach dem mörderischen Anschlag auf seinen Vorgänger, einen Rückzieher im Anschluss an seine Regensburger Rede gemacht, in der er die Geschichte des Islam hinterfragt hat, der zuständige schwäbische Kardinal für interreligiösen Dialog ist in der kritischen interkulturellen-interreligiösen Phase in den Ruhestand gegangen, deutsche Würdenträger folgen bisweilen mit Appeasement Gebaren, obschon sie aus der kulturgeschichtlichen Ära des Faschismus gelernt haben sollten, dass Appeasement das eventuell vermeidbare Problem erst ermöglicht. Der Astigmatismus, der die die Zeiten überdauernde Front der Verwerfung der Zivilisation vom Hindukusch bis in alle Winkel der Welt hinein verkennt, wird zum Komplizen des Kulturkonfliktes.

All dies sind keine Signale einer Kultur und Zivilisation, die auf die Stärke einer 2000-jährigen Kulturgeschichte zurückblicken könnte und sollte und sich deshalb entsprechend ihrem weltgeschichtlichen Auftrag im Lichte der Selbsterkenntnis selbstbewusster und pädagogischer oder missionarischer verhalten sollte. Nach wie vor kulturell autoritäreBehörden hierzulande lassen sich von den aus noch autoritäreren, partikularistischenKulturen kommen Immigranten, die kulturelle Erfahrung in der partikularistischen Einschmeichelung bei dafür zugänglichen Protagonisten der Zielkultur haben, Honig um das Maul schmieren und sich um die Finger wickeln. Dies kann beispielsweise zu einer Solidarisierung der Behörden wie der Polizei, deren Personal die kulturell diversen Verhaltensweisen ignoriert, zu einer Solidarisierung mit den Migranten gegen die legitimen autochthonen Interessen führen und dazu, dass der Schutz der lokalkulturellen und religiösen Traditionen von den Ordnungsbehörden nicht mehr wahrgenommen und explizit verweigert wird. Das Land wird somit kulturellgespalten. Und Spaltung hat immer eine antagonisierendeEigendynamik, wie wir aus der noch Jahre erforderndenHeilung der politischen Spaltung Deutschlands wissen. Sie wird uns noch über Generationen begleiten und womöglich in der Tiefe unheilbar sein.

Auch die kulturelle Migrationsdynamik ist mittlerweile und in besonderem Maße ein Bereich der erforderlichen Selbst-, sowie auch Fremderkenntnis geworden. Setzt sie nicht ein, so entstehen irgendwann Konflikte in Zusammenhang mit ihrer erkenntnisseitigen und alltäglichen praktischen Nichtbewältigung. Diese Elemente sollten genügen, um auf dieErfordernisder kulturellen Selbsterkenntnis, der Selbst- und Fremderkenntnis hinzuweisen, die in ihrer Gänze hier nicht zu erfassen beabsichtigt ist.Doch die Sensibilisierung für die Erfordernis der kulturellen Selbsterkenntnis, die rationale Verinnerlichung des gesellschaftskulturellen Wertesystems und eine Approximation an das Stärke-Schwächeprofil sind der erste Schritt einer praktischen strategischen und Alltagskulturpolitik im Sinne der friedlichen Koexistenz der Menschen.

Es versteht sich, dass ich hier kein germanisch, nationales Schulterklopfen über Gebührveranstalte, denn der Wunsch der Realisierungklassischerdeutscher Tugenden ist den Menschen dieser Kultur implizit vertraut. Er ist Teil ihrer Identität und somit nicht durch fremdkulturelle Wertepräferenzen und Kolonisierungsgebarenrelativierbar. Es ist genau die Unterminierung der Realisierung dieser Werte und somit einer nach wie vor geschändeten, aber unabdingbar erforderlichen Identität, die den intrakulturellen interkulturellen Konflikt heraufbeschwört und bisweilen geringe Sympathie für Migranten, die dieser eigenkulturellen Verwirklichung im Wege zu stehen scheinen, mit sich bringt.

Gegenseiteitiger uneingeschränkter kultureller Respekt zur Wahrung der geistig-spirituell und physischen Identitätserfordernisse jedes Menschen, gleichwelcher Couleur und Provenienz, sollte im globalen Zeitalter zur psychologischen Selbstverständlichkeit der Menschen werden.Doch hier gibt es selbst intrakulturell zwischen homogeneren Deutschen noch viel Mangel an Sensibilität für die sprachlich-kulturellen Eigenheiten der diversen deutschen kulturellen Lande und Landschaften. Wie oft haben sich, historisch betrachtet, Deutsche mit ausländischen Kräften gegen andere Deutsche verbündet und es findet seine Fortsetzung in der oben angesprochenen Solidarisierung bis zu heutigen Tag! Auch das sind Elemente der kulturellen Selbst- und Fremderkenntnis, denen wir heute möglichst ohne diese Symptomatik weitertransportierenden Groll und möglichst objektiv und zukunftsorientiert ins Auge blicken müssen.

Es versteht sich auch, dass es im Inland aufgrund der tief emotionalisierten Identifikationsmechanismen und den frühen das ganze Leben prägenden Kultur- und Spracherwerbs intrakulturelle Konflikte unter kulturell Homogenen gibt und dass man trotz mancher intrakultureller Ungereimtheiten und der Lösung harrender intrakultureller Probleme eines Landes das seine nationale Einheit spät und seine kulturelle sozusagen erst implizit auf dem Papier und als politische Willensbekundung erlangt hat, im Ausland, vor der Übermacht der Fremdkultur und zur Wahrung seiner strukturell-funktionellen gesellschafts- und individualkulturellen Identität in die Rolle des Deutschen, des Vertreters einer Nationalkultur, unabhängig von intrakulturellen Divergenzen schlüpft. Man wird regelrecht hineingedrängt.

Die Migranten sind heutzutage keine Gentlemen von einst mehr.Die Migration ist häufig die Norm und einÜberlebenszwang geworden. Die quantitative Veränderung der demographischen Proportionalitäten und diePrädominanzder Migration veranlassen die Migranten, sich auch mehr zu behaupten. Das istaufgrund der Relevanz der kulturellen Identität für das Gelingen des Lebens in der Fremde verständlich, kann jedoch, wenn es mit einem Quasi-Kolonisierungsversuch insbesondere seitens der Migranten einhergeht, zu gesellschaftlichenDisharmonien führen. All das sind Elemente moderner Kulturerkenntnis, die mehr und mehr unter dem Impact der Migration und der modernen Völkerwanderungen mit ökonomischem Motiv zu einer Erfordernis der nunmehr ebenso erforderlichen interkulturellen Erkenntnis wird.

Die Manifestationen der Kulturvariablen sind omnipräsent, denn sie ist in der Tat eine zentrale und unabdingbare Komponente des Menschlichen, die zusammen mit dessen biologischer Identität einen großen Teil seiner DNA im biologischen und geistigen Sinne ausmacht. Wenn die kulturelle Identität also, was man annimmt, eine Hauptkomponente der menschlichen psychologischen Architektur ist, dann ist dieser psychologische Kern in alle menschlichen Prozesse involviert, beginnend mit der Wahrnehmung, die die intrapsychische Informationsverarbeitung und Handlung bedingt. Aufgrund der zentralen Bedeutung der Kultur und der kulturellen Identität, deren Abwesenheit oder Beeinträchtigung den Menschen in gewissem Grad korrumpieren könnte, ist es zwangsläufig unabdingbar,kulturelle Selbsterkenntnis, die Teil einer umfassenderen Selbsterkenntnis des Menschen als solcher ist, zu erwerben. Sie kann über die kulturelle Selbsterkenntnis hinaus hin zu ihrer Transzendierung und einer umfassenderen, alle Kulturen einbindenden Kultur und Zivilisation des Menschen im Sinne einer solidarischen Menschheitskultur werden, wodurch sich das Buch der Kulturkämpfe der Menschheit schließen und eine kulturkonfliktfreie Ära des dritten Millenniums die Kulturkämpfe des zweiten Millenniums ablösen könnte. Auch jene umfassendere integrative Kulturerkenntnis einer weiterführenden und befreiendenMenschheitskultur per se,im Gegensatz und in Ergänzung zur differenzierenden, ist im Bereich der Möglichkeit des Menschen, so er es will.

In Ergänzung des karikaturalen amerikanischen Deutschlandbildes und Passagen der Selbstanalyse soll nun noch ein französisches kulturhistorisches Deutschlandbild hinzugefügt werden. Ein französischer Gelehrter hat bereits ein Werk mit dem Titel „La Faiblesse Allemande“, zu Deutsch „Die deutsche Schwäche“ verfasst, das natürlich dem anmaßenden deutschen Selbstbild zuwiderläuft und nicht als deutsche Fassung existiert. Es erkennt die Wurzel der deutschen Schwäche in der Geschichte der Kulturrevolutionen und der Formen des Kulturkampfes während der vergangenen 500 Jahre, beginnend mit der Reformation über den Marxismus, via Faschismus und Gegenkulturrevolution, ein Prozess der sich heute in kultur- und zeitbedingter Gestalt in vielen Formen fortzusetzen zu scheint. Die quintessentielle Analyse des Autors läuft darauf hinaus, dass die Deutschen während der vergangenen 500 Jahre in einem progressiven Prozess der Reheidnisierung, auch ersichtlich in der Abwendung von Rom als Leuchtturm der christlichen Zivilisation in der Gestalt der Reformation waren, der sich in der Zeit fortpflanzt und im Summum der Negation der Werte der christlichen Zivilisation in der Gestalt des Nazismus und somit beinahe im Ende einer Nationalkultur endete. Die Werte einer Gesellschaft und deren Bezug zu ihrem Fortbestand ist hier von Bedeutung und ein wichtiges Element der Kulturerkenntnis.

Dieser Prozess ist inzwischennoch weiter fortgeschritten und manifestiert sich in der Gestalt eines der säkularisiertesten Länder Europas und der Menschheit schlichthin. Wenn der historisch nahegelegte relationale Determinismus zwischen Loslösung vom Kern des christlichen Wertesystems der Transzendenz und Kulturkonflikten zutreffend ist, befinden wir uns aufgrund der noch weiteren Ausprägung des vor einem halben Jahrtausend begonnen Abwendungssyndroms, das die großen nationalen Kulturkatastrophen im Schlepptau führte, gegenwärtig in einer noch kritischeren Phase, als das im Nazismus der Fall war, der schon ein Summum der Abkehr von den kulturellen Werten der westlichen Zivilisation war.

Man fragt sich, wann diese Kultur endlich zur Vernunft und somit zur Ruhe finden kann. Unter dem Impact des materiellen Erfolges im Bereich der Wirtschaft wird die kulturelle Frage aber leider verdrängt und die fundamentale Unvernunft geht inzwischen auf Kosten vieler Menschen in diesem Land weiter. Don‘t rock the boat, dieses englischeSprichwort, wofür es kein ebenso spruchhafte und sinnbildliche Metapher in der deutschen Sprache gibt, scheint die deutschen Seele zu bewegen, beziehungsweise sie zu paralysieren und Unrecht bis zu jenem Punkt zu tolerieren, bis das Maß voll und die Reaktion nicht mehr aufhaltbar ist. Die mangelnde gesellschaftlicheEvolutionsfähigkeit ist eigentlich ein Erkennungsmerkmal faschistischer Systeme, in denen die Repression jeglicher Veränderung zu gesellschaftlicher Transformation im Wege der Revolution und des Umsturzes des autoritären Systems führt.

Nun folgt eine kulturhistorische Analyse, die die Kulturgeschichte der Meilensteine des deutschen Abwendungsprozesses zusammen mit der Philosophie der Anmaßung und der nationalen Überheblichkeit skizziert. Gleichzeitig wird aber auch eine kulturelle Roadmap der Integration der Symptomatik vorgestellt.

Ich möchte jedoch betonen, dass es alles andere als angenehm ist, etwas Unangenehmes über seine eigene Kultur berichten zu müssen, weil man sich damit selbst als Mitglieddieser Kultur zwangsläufig auch in ein ungutes Licht stellt. Dennoch mag es erforderlich sein, dies zu tun um Prozesse beizeiten einzudämmen.

2 Eine kleine Geschichte großer(deutscher) Kulturrevolutionen:
Rückblick und Ausblick.

Während der vergangenen fünfhundert Jahre hat unsere Welt unter anderen fünf bedeutsame Revolutionen durchlaufen, die bis heute nachwirken und zwar folgende:

Reformation

Marxismus

Nationalismus

Gegenkulturrevolution

Kulturrevolution

Wahrscheinlich wäre der Begriff Regression in vieler Hinsicht angebrachter, wenn man das Unheil bedenkt, das diese fünf Ideologien verursacht haben und auch heute noch weltweit tun. Die Ideen die durch sie in die Welt gesetzt wurden, leben weltweit fort und verursachen, gleich einem Virus, weltweiten Schaden bei all den Menschen und Kulturen, die situationsbedingt anfällig dafür sind. Ein Organismus ist für ein Virus anfällig, wenn er nicht genügend Abwehrkräfte hat. Die Abwehrkräfte bestehen hier, vergleichbar mit einer prophylaktischen Impfung oder in einer digitalen Systemumgebung, einer aktualisieren Antivirussoftware, die die neuesten Mutationen und Entwicklungen des Virus erkennt und Antikörper oder dafür bereitstellen kann, in einer geistigen Disposition die die mentalen Mechanismen entlarvt und davor schützen kann, dass man in ihren Sog mit den oft irreversiblen Konsequenzen gezogen wird.

Alle haben große Menschenopfer gefordert gleich einem heidnischen Gott, der einen unersättlichen Hunger nach Menschenopfer hat. In der Tat, der Gott ist hier kein persönlicher oder ein übernatürliches Prinzip, das es zu besänftigen gilt, aber doch ein abstraktes mentales Prinzip, das verabsolutiert, also nicht vergöttlicht, sondern vergötzt wird. Somit sind sie alle Formen des Götzentums, und insofern eine heidnische Regression. Das klingt schmerzlich in den Ohren von Menschen die all ihre Hoffnung auf diese Götzen gesetzt haben und häufig und millionenfach mit ihrem Leben dafür bezahlt haben.

Sie haben allein im zwanzigsten Jahrhundert vielleicht ebensoviele Menschenleben gefordert, wie das vereinte Deutschland Einwohner hat. Sie basierten auf dem Prinzip des Götzentums und waren dialektische Pendelgegenbewegungen zum Status Quo im Bereich des Religion, der Politik und der Kultur: enormer Kollateralschaden eines Götzentums, das auf mentalen Mechanismen beruhte und nicht durch den Überlebenskampf mit einer unbeherrschbaren Naturgewalt höher Ordnung bedingt war, sondern eher auf der ebenso unbeherrschbaren und noch verheerenderen Naturgewalt des Mentalen des Menschen gründete. Heidnisch, weil die Götzen nicht externalisiert, sondern internalisiert, aber den denselben Absolutheitsanspruch hatten und keinen anderen Götzen neben sich duldeten.

Der Mensch hat einen strukturellen und funktionellen Bedarf nach geistiger und seelischer Integration in einem Einheitsprinz, äußerlich, wie innerlich. Er verabsolutiert das äußere, um seine innere Integration und Einheitserfordernis, seine Widerspruchsfreiheit, deren permanente Spannung er nicht ertragen würde, zu realisieren.

Es erhebt sich die Frage, wie der Mensch die alles überragende Bedingung der inneren Konsistenz und Widerspruchsfreiheit, die seine geistig, psychosomatische Einheit gewährleistetet auf einem Weg erreichen kann, die nicht dialektischer Natur ist und keine Pendelbewegung von konkurrierenden Kräften initialisiert, die alle ihre Ideologien verabsolutieren wollen, in der Hoffnung die strukturell, funktionelle Integration ihres gesamten Wesens dadurch zu erlangen. Diese wird sehr oft höher bewertet als der Wert des Lebens selbst. Doch auf dem Weg der Reaktion und Gegenreaktion gibt es nur Relatives. Und solange das Absolute im Relativen zu finden gehofft wird, schwingt das Pendel von Reaktion und Gegenreaktion weiter und weiter durch die Jahrhunderte, durch ganze Zeitalter, ja selbst durch die gesamte bekannte Menschheitsgeschichte.

Wie kann dieses Pendel der dialektischen Götzenverabsolutisierung, das seinen gesetzmäßigen retrospektiv verifizierbaren und vorhersehbaren Tribut fordert, ins Lot gebracht und das Prinzip der dialektischen Reaktion und Gegenreaktion, die einen endlosen Kreislauf bilden, gesteuert und beherrscht werden? Das ist die Frage, die sich unter dem Strich, als Bilanz der Erkenntnis aus der Analyse und Betrachtung der verschiedenen Revolutionen ergibt, die aber alle dem einen und demselben Prinzip gehorchen, also einer Gesetzmäßigkeit? Es handelt sich nicht um eine äußere Gesetzmäßigkeit, sondern um eine Gesetzmäßigkeit des menschlichen Geistes mit dramatischen Folgen in der äußeren Welt. Die tatsächliche Ursache der Revolutionen liegt nicht im Äußeren, dort liegen nur die auslößenden Motive, sondern in den mentalen Prozessen als Reaktion auf die vermeintlichen Ursachen.

Wie kann der Mensch sein Bedürfnis und somit die Erfordernis einer Gesamtintegration bei gleichzeitiger Beherrschung der Dialektik stillen und erlangen? Das wäre eine konstruktive metarevolutionäre Frage:

Es ist eine Frage der Steuerung der vermeintlichen revolutionären Prozesse, so, daß der dialektische Kreislauf der endlosen Reaktion und Gegenreaktion aufgehoben und die innere Einheit und Widerspruchsfreiheit gewährleiste, und somit kein weiterer pseudorevolutionärer Bedarf mehr besteht. Dies erfordert eine Betrachtung des menschlichen Geistes, um die den Mechanismen zugrundeliegenden Prinzipien zu erforschen, zu erkennen und zu steuern.

Die Pendelbewegung, die durch die Reformation, den Marxismus und den Nationalismus und den heutigen religiös-kulturellen „Kulturalismus“ ausgelöst wurden, pflanzen sich gleich Wellen auf dem Meer der Menschheitsgeschichte endlos fort, verursachen selbst Tsunamis, wenn das geologische Fundament zusätzlich erschüttert wird und noch tiefere strukturelle Schichten des Menschen als die ideologischen bewegt werden. Dann kann es zu verheerenden Verwüstungen und Kriegen kommen

Das Auftreten von Tsunamis im Zeitalter der Phase des Kulturalismus (Kulturkampf und religiöser Fundamentalismus), der kulturell und religiös bedingten Konflikte, ist eine interessante Parallele. Beide sind fundamental. Der Tsunami ist durch das Fundament des Meeres bedingt und erfährt dadurch eine Potenzierung. Der kulturell-religiöse Fundamentalismus ist deshalb fundamental, weil er eine extreme Form einer Ideologie ist die gleichermaßen verheerende Konsequenzen hat und deren Wirkungs- und Ausbreitungsgrad unüberschaubar ist und gleich den Tsunamis ganze Teile der Erde verwüsten kann, besonders jene, deren Lage sehr exponiert und daher gefährdet ist, das heißt, keinerlei höher gelegene für die Flutwelle unerreichbare Erhebungen hat. Ebenso erfordert der Schutz gegen den sogenannten Fundamentalismus eine geistig höhere Positionierung, die für den fundamentalen kulturell-religiösen Fanatismus unanfällig macht; eine höhere geistige Verankerung. Und das gilt auch die anderen Formen der revolutionären, verabsolutierenden Götzenverehrung von Ideologien sozialer, politischer, kultureller und religiöser Art. Demnach wäre die Frage dahingehend umzuformulieren, wie sich der Mensch eine geistige Plattform errichten und sich im Meer der endlosen dialektischen Prozesse so verankern kann, daß der nicht von den Wellen erfaßt und mitgerissen werden kann, denn diese haben kein Ende. Sie transzendieren den Menschen um zahllose Generationen, pflanzen sich in die Endlosigkeit fort, wo doch der Mensch als Krone der Schöpfung so ausgestattet ist, daß er alles, inklusive sich selbst, beherrschen könnte.

Die Dialektik ist endlos, der Mensch dagegen ist endlich. Seine eigene materielle Endlichkeit sollte ihn schon angesichts des ihn überdauernden Meeresgetöses zur Vorsicht mahnen. Gleich einer Welle wird er in der Flut verschwinden. Doch das Spiel der Wellen und Ideologien wird nie enden, sondern nimmt nur stets neue Formen an.

Die ideologischen Dialektiken reihen sich in eine endlose Schnur von Dialektiken mit zahllosen Perlen größerer oder kleinerer Umbrüche und Paradigmenwechsel bis hin zu den historischen Revolutionen ein. Das Prinzip der Perlenschnur oder Perlenkette ist ein Kette, die schicksalhaft um des Menschen Hals gelegte Kette, eine Schlinge, in der er gefangen ist und die ihn bisweilen zu ersticken droht. Von dieser Perlenkette scheint es kein Entrinnen zu geben. Das ist die condition humaine. Die zentrale Frage ist daher, ob es eine Möglichkeit gibt, den Hals aus der Schlinge zu ziehen und die Perlenschur, die ja eine Schlinge ist, abzulegen und sie in die Schmuckschatulle der Evolutionsgeschichte abzulegen. Kann die Endlosschleife durchbrochen werden, das Programm des menschlichen Geistes, der in einer dialektischen Endlosschleife gefangen ist, unterbrochen werden? Der Mensch versucht diese Schlinge, nach Kräften, soweit möglich, als ein makabres Schmuckwerk zu interpretieren. Doch selbst eine goldene Kette bleibt, wenn Sie ohne Unterlaß um den Hals gelegt ist und getragen werden muß, ein zweischneidiges Schwert, ein Damoklesschwert, das ständig determinierend über dem Schicksal hängt. Auch ein goldener Käfig ist und bleibt ein Gefängnis, wenn man darin verweilen muß. Er hört nur auf ein Gefängnis zu sein, wenn man ihn sebstbestimmt betreten und verlassen kann.

Die angestoßenen Gedanken und Ideen, die sich als Ideologien vielfältiger Prägung verdichten, diffundieren in der Zeit und im Raum ad Infinitum. Vielleicht kann man der Problematik etwas habhafter werden, wenn man, wie es in der indischen Psychologie der Fall ist, das Mentale nicht als immateriell, sondern vielmehr als materiell betrachtet. Materie wiederum kann man, so wissen wir vermittels des Komplementaritätsprinzips von Niels Bohr entweder als Teilchen und als Energie betrachten. Betrachtet man sie als Energie so wird verständlicher, daß die als Ideologien verdichteten Gedanken und Ideen sich gleich Wellen, Zellen oder Photonen unendlich diffundieren können. Gleich einem Zahlenstrahl beginnend mit der Zahl eins, setzt er sich endlos fort sobald die Dualisierung begonnen hat.

Auf der mentalen Ebene herrscht das Prinzip der Dualität und der Dialektik. Die mentale Welle stößt zahllose weitere Wellen an und kann im Mentalbereich des Ozeans kein Ende finden, denn Wellen sind seine ureigene Natur, sowie es die Natur der Sonne ist, aufgrund ihrer gewaltigen Energie Licht auszustrahlen. Niemand außer dem Schöpfer dieser Naturkräfte kann ihnen gebieten das nicht zu tun, was ihre ureigene Natur ist. Ebensowenig ist es möglich, im geistigen Bereich dem Mentalen zu gebieten, sich anders zu verhalten, als es durch seine Natur vorgegeben ist. Obschon die Variationen im Bereich des Ozeans des Mentalen myriadenfache Formen und Gestalten annehmen können, bleiben all diese Variationen doch gewissermaßen im horizontalen Bereich der Zeit, im Bereich der imperativen Dialektik, in dem eine Welle die andere auslöst und so fort. Das Optimum das hier zu erhoffen ist, sind Optimierungen aufgrund der Multiplizierung der Alternativen und Synergien aus diesen. Damit könnt man sich zufrieden geben, doch auch diese Optima erzeugen ihrerseits wiederum das endlose Spiel der Wellen auf dem Ozean des menschlichen Geistes. Man bleibt weiter in der Endlosschleife, wenn auch vielleicht auf einer etwas höheren Ebene intellektueller Sophistikation. Etwas extrem formuliert könnte man es als ein Flugzeug in der Warteschleife für die Landung über einer goldenen, traumhaften Stadt einer anderen Welt betrachten. Vom Flugzeug aus kann man die Silhouetten und Attraktionen zum Greifen nah wahrnehmen, aber es gibt keine Landeerlaubnis auf jenem Flughafen; wiederum eine Endloswarteschleife ohne Möglichkeit der Landung an dem Ort, der die Wirklichkeit in einem anderen Licht erscheinen läßt und in dem ganz andere Gesetze und Regeln herrschen als die bekannten. Woher soll man aber die Landecodes und Koordinaten für jenen unbekannten Hafen bekommen? Bislang hat man sich in einem anderen Bewußtseinsraum bewegt, dessen Spezifikationen relativ bekannt sind.

Es ist erforderlich, den Hafen und Ankerplatz einer ganz anderen Geisteskultur zu erreichen, das Spiel der Wellen der Ideen und Ideologien oder das den Wellen auf dem Ozean des Mentalen zugrundeliegende energetische Prinzip zu erkennen. Bei all diesen Metaphern, die die Dialektik des Mentalbereichs beschreiben, gilt es sich von der horizontalen Ebene in die vertikale zu erheben, um ein bestimmendes Prinzip identifizieren. Im Bereich des Ozeans sind es die kosmischen Kräfte, die den Wellengang determinieren. Im Bereich der mentalen Wellen ist es das Prinzip der Dualität und Dialektik, die die endlose Ausbreitung der Wellen erzeugt, die wir als Natur des Ozeans des Mentalen, wie auch des physischen erkannt haben.

Mit einem anderen Metaphernsatz weiter voranarbeitend gilt es, zu dem Punkt zu gelangen, wo das Pendel, das sich endlos fortbewegt und nicht zur Ruhe kommen kann, weil es die Natur eines funktionierenden Pendels ist, gleich der dialektischen Welt der Ideen und Ideologien zu schwingen, aufgehängt und fix und unbewegt verankert ist; von der sich endlos bewegenden Peripherie des sich drehenden Rades zur unbewegten Nabe zu gelangen, um das mentale Schicksalsrad von der Unsteuerbarkeit in die Steuerbarkeit zu überführen. Oder, in der Wellenmetapher, geistig zu jenem Punkt zu gelangen, wo die Gezeiten und die Wellen ihre elektromagnetische dialektisch wirkende Kraft beziehen. Dieser Ort, den wir über die verschiedenen Metaphern suchen hat die Eigenschaft, daß er jeweils eine Rückführung, numerisch betrachtet, der 2 der Dualität in die 1 de Einheit it. Dort ist die Dualität und Dialektik potentiell, noch nicht aktualisiert. Dies wäre zunächst ein Rettungsanker vor der Unerbittlichkeit der Dialektik, in der Aktion und Reaktion stabilisiert sind, der Ort der Konvergenz von Zeit und Zeitlosigkeit und der Dämmerung, die einen Übergang zwischen Tag und Nacht bildet, einen Angelpunkt der beide Zustände umfaßt. Doch auch dieser ist nicht von Dauer, obwohl man ihn geistig auszudehnen vermag und sich nicht in die beiden zwangsläufigen Zustände der Pendelbewegung des Tages und der Nacht involvieren lassen muß.

Bislang haben die Gesellschaften, entsprechend ihren kulturellen Wertepräferenzen, die dialektischen Widersprüche bald autoritärer oder demokratisch-kooperativer gelöst. In Einklang damit haben sie ihre politischen Systeme gewählt. Entsprechend diesen grundsätzlichen gesellschaftlichen Optionen tranchieren die institutionellen Umgebungen der Gesellschaft im Einklang mit den vorherrschenden Wertsystemen die Artefakte der mentalen Dialektik. Auch bei Umwälzungen geht der Determinismus des Werte bedingten dialektischen Problemlösens weitgehend unabhängig von der Systemveränderung, weiter. Dasselbe Rad, dasselbe Pendel, dieselben Wellen bewegen sich fort, weil ein und dasselbe Mentale mit den einen und denselben dialektischen Gesetzmäßigkeiten in allen Kreationen und Geschöpfen seines Geistes fortwirkt. Gerade darin besteht die Unerbittlichkeit des Mentalen, daß es als Geschöpf der Zeit nicht über die „Gezeiten“ der Dualität hinauszugehen vermag. Statt sich linear höherzuentwickeln dreht sich der Mensch im Kreis, bestenfalls ansatzweise in einer Aufwärtsspirale, aufgrund der Einsicht in die endlose Repetition der Phänomene. Doch auch Hegel stellte bereits fest, daß wir aus der Geschichte lernen, daß wir nichts aus ihr lernen; eben deshalb weil die Gesetz des Mentalen konstant bleiben und sich auf dieser Ebene gar nichts fundamentales ändern kann, kein fundamentaler Lerneffekt erzielt werden kann.

Die Einsicht in die Weglosigkeit, in die Ausweglosigkeit der mentalen condition humaine kann zu einer Suspendierung der dialektischen Intensität führen, von der Positionierung aus dem Bereich der extremen Pendelausschläge hin zur stabileren Verankerung des Pendels, hin zur Nabe des Rades, das zwar Teil und Kern des Rades ist, aber im übrigen stabil bleibt und nicht der unerbittlichen Bewegung der Peripherie unterworfen ist.

Wie kann man den endlos strahlend blauen Himmel weit über der Düsternis der Irrungen und Wirrungen des menschlichen Gemüts mit seinen emotional verstärkten selbstsuchenden Abgründen wieder erlangen; das verlorene Paradies gewissermaßen wiedergewinnen? Kulturell diverse säkulare und religiöse Weltanschauungen haben ihre Lösungen über die Zeitalter hinweg angeboten. Selbst die Wissenschaft versucht es in brillanten Konstrukten und Konstruktionen, die Philosophie in brillanten Synthesen; man befindet sich auf der Jagd dessen, was die Mensch im inneren zusammenhält, dessen durch dessen Wissen alles gewußt werden kann. Doch je mehr man etwas gewinnen will, das Geheimnis des Lebens hinter dem Leben, desto mehr riskiert man es zu verlieren. Die Bibel sagt: Wer das Leben gewinnen will, wird es verlieren, wahrscheinlich weil die Prämisse der Suche falsch ist und nicht zum Ziel führen kann. Im Bereich der Dualität und Relativität des Ichs ist das Eine, Absolute schlichtweg nicht beheimatet und nicht lokalisierbar. Je mehr man es dorthin verbannen möchte, desto mehr flieht es.

Asiatische Philosophien haben Lösungen angeboten: Die indische Kultur, deren höchste Priorität die Wahrheitssuche ist, hat das Konzept des Bewußtseins-Zeugen entwickelt, um die Bewußtheit des Bewußtseins jenseits des gängigen Bewußtseins zu beschreiben, welches jenseits des Gemüts liegt; das reine Bewußtsein. Der Daoismus sucht das höchste Einheitsprinzip, das alle Dualität transzendiert pragmatisch im Nicht-Tun, das jedes Tun, welches seinerseits die Verkettung und Verstrickung in der individuellen und kollektiven mental-emotionalen Dialektik in Gang setzt, transzendiert. Die Religion, insbesondere die christliche monotheistische, erkennt die mystische Einheit und das Erlösungswerk der Liebe des Schöpfers, die Gnade, als den Weg der zur Einheit jenseits aller Dualität zurückführt. Dieses Erlösungswerk wurde auf Geheiß des Vaters und Schöpfer durch die Hingabe seines einzigen Sohnes für das Geschöpf und die Schöpfung erwirkt. Ein kosmisches Erlösungswerk, das die gesamte Schöpfung und den Schöpfer versöhnt, die Welt des sichtbaren relativen, dialektisch dualen in der Welt des unsichtbaren, absoluten einen mystisch erlöst. Dieser dadurch ermöglichte neue Himmel und Erde erlöst alle menschlichen Unzulänglichkeiten, auch die mentalen dialektischen Labyrinthe der Wege und Irrwege des rein menschlichen Geistes im Geist des einen Gottes, der den eigentlichen Schlüssel zur Schöpfung jenseits aller menschlichen Erkenntnisse und Konstruktionen in der Hand hält, und der Geist Gottes offenbart jene Geheimnisse aber nur wem er will.

Will man etwas Geschaffenes verstehen, so sollte man den Weg zum Schöpfer des Geschaffenen suchen und ihn respektvoll über sein Werk befragen, statt seine eignen Spekulationen dem Werk aufzuprägen und es falsch zu interpretieren. Der Mensch hat sich in der Reformation, dem Marxismus, dem Nationalismus und Hitlerismus, der Gegenkulturrevolution, sowie der den Kreislauf subsumierenden heutigen Kultur-und Religionsrevolution, die eine neue Schleife des fünfphasigen religiös-politisch-national-sozial-kulturellen Kreislaufes einleitet, progressiv vom Zentrum der Schöpfung, gleich einem seine Autonomie suchenden Adoleszenten in der Entwicklungskrise, zu lösen versucht und ist dadurch den ideologischen Irrwegen fern von seiner angestammten geistigen Heimat, der der mystischen Verbindung mit dem Vaterhaus, dem Vater, anheimgefallen.

Heute, in der dämmernden Erkenntnis der Irrwege in Bezug auf die geistige Heimat des Menschen in der Einheit mit Schöpfung und Schöpfer, kehrt er nach Jahrhunderten der Ernüchterung durch die unfruchtbaren Dialektikern des menschlichen Geistes wieder zum Ausgangspunkt zurück und er sucht die Rückverbindung und Reintegration mit dem, was wer intuitiv und erfahrungs- und erkenntnismäßig als seine eigentliche Heimat wahrnimmt. Deshalb haben wir gegenwärtig ein weltweites Wiedererwachen des kulturellen, das in hohem Maße mit einem religiösen Widererwachen gekoppelt ist. Es ist das Pendant der Phase 1 der fünf Revolutionen und koinzidiert seit dem zweiten Vatikanum mit dem Auftrag der Ökumene, einer Umkehrung des vor beinahe fünfhundert Jahren ausgelösten Konfliktes, eine Reintegration und Rückführung der Dialektik in die Einheit. Wenn diese Replizierung des Zyklus auf einer höheren Ebene der Spiralwindung erfolgen kann, kann diese religiöse zyklische Phase eine echte Re-Integration, Wieder-Einswerdung bewirken, und all reformatorischen und revolutionären Dialektiken des menschlichen Geistes wieder in die eine wahre Heimat des menschlichen Geistes, jenseits der Dialektiken zurückführen und gewissermaßen die Wiedergewinnung des verlorenen Paradieses bedeuten. Wenn der Mensch mit dem Schöpfer und der Schöpfung im Sinne der allumfassenden mystischen Einheit jenseits der dialektischen mentalen Konstrukte seiner eigenen begrenzten Welt kooperiert und wenn er auf einer nun erweiterten Ebene höherer Erkenntnis auf der höheren Spiralwindung des Evolutionsprinzip der Doppelhelix (der DNA) nicht mehr in die Verkettung und Verstrickungen der Dualität des Gemütes zurückfällt und diese von seiner nun teuer erworbenen höheren Ebene der Erkenntnis der Einheit alles Seienden jenseits der rein mentalen Erkenntnis und Erkenntnisfähigkeit leiten und steuern kann, dann ist die Tür des Vaterhauses geöffnet, deren Durchschreitung zur wahren Heimat zurückführt, zur einen Quelle, zum einen Ursprung, zur einen Wahrheit. Und wo ist dann der Stachel des Gemütes, der Dualität wenn die Einheit im Vaterhaus vollzogen ist, wenn das Ziel einer Herde und eines Hirten erreicht ist?

Die kulturell-religiöse revolutionshistorische Phase, die heute eine neue Spiralwindung der Revolutionen einleitet, ist eine integrative, in der die vorangehenden gipfeln und enthalten sind, da sie mit der Einheit der gesamten Schöpfung und dem Schöpfer, die alles sichtbare und unsichtbare umfaßt, einhergeht, wenn sie auf der ihr gebührenden Ebene betrachtet wird. Die Dialektik der Religionen ist ein gefährlicher Weg, der erneute Dialektiken und Destruktionen auslösen kann und dies tut. Die nun mögliche höhere Ebene der Erkenntnis erfordert die damit verbundene Erkenntnis der essentiellen Einheit, die die destruktiven Dialektiken des reduktiven Einheitsbegriffs und der Absolutheit der Fragmente, die sich als das Absolute betrachten, aufhebt; zumindest in einer Form, die die friedliche Koexistenz ermöglicht, da das Mentale und die mentalen Prozesse, die in der Zeit entstanden sind, eventuell Zeit für eine weitere Integration im Hinblick auf die „eine Hirt, eine Herde“ - Perspektive benötigen, obschon das Bewußtseins schon viel weiter fortgeschritten sein kann.

Auch die dialektischen Spaltungen des Marxismus und des Nationalismus sind in dieser Phase in einer Integration begriffen. Die ideologische Bipolarisierung der Welt endete mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion;

die national-faschistischen Spaltungen in den Nachwehen des Weltkrieges und dem Aufbau supranationaler und weltumspannender Konzepte und Konstrukte,

die Wirrungen der Gegenkulturrevolution werden Schritt für Schritt als Irrwege entlarvt, da sie eine totale Loslösung vom Absoluten und von den guten Traditionen mit sich brachten: eine geschichtslose und zukunftslose Perspektive der Sackgasse des gutgemeinten Aufbäumens der Jugend der Welt gegen die dialektische Destruktionspotenziale des Menschen; eine totale Negation als endgültiger Befreiungsschlag, aber fehlgeschlagen und als Erkenntnisgewinn in der Geschichte der Menschheit verbucht werden kann und somit letztendlich doch fruchtbar sein kann.

Die kulturell, religiöse Revolution ist also einerseits eine Phase im revolutionären Kreislauf, in der aufgrund ihrer umfassenden Natur aber insbesondere alle Phasen präsent sind. Die Reintegration der anderen revolutionären Dialektiken führt mit ihr zu einer übergeordneten allumfassenden Integration mit der Einheit der Schöpfung insgesamt.

Die sanktionierte Ökumene ist die Reintegration der Dialektik der Reformation, das Ende der Bipolarisierung Welt ist die Reintegration der Spaltung des Marxismus die supranationale Integration ist die Reintegration der Spaltung des Nationalismus, und die globale Zivilisation ist die Reintegration der kulturellen Ethnozentrismen; die kulturell-religiöse Revolution, die im Prozess ist, kann, wenn sie erfolgreich ist zur Reintegration mit dem Absoluten und der Einheit von Schöpfer und Geschöpf, der Einheit des Menschheitsfamilie unter der Ägide des Schöpfer und Vaters aller jenseits aller Dialektik führen: die eine wahre Revolution.

Doch nur der Ratschluß des Höchsten, in dessen Hand die Zeit, der Mensch und das Mentale, ja selbst das reine Bewußtsein sind, wird über den weiteren Bemühungen des Menschen befinden und sie sanktionieren. Der Mensch hat sein eigenes Schicksal in der Form der Revolutionen selbstbestimmend in die Hand nehmen wollen. Das sollte nun im Lichte der Erkenntnis der Verläufe dieser Prozesse in einem weiteren Blickwinkel betrachtet werden.

- Und dennoch, mit der Erkenntnis wahrhaftiger Religion hätte er es in der Hand gehabt, das Rad des dialektischen Schicksals zumindest in der Unerbittlichkeit seiner Revolutionen (Umdrehungen) mäßigen zu können. Die Vergebung und die Feindesliebe unterbrechen so manchen wenig tugendhaften sich selbst dialektisch perpetuierenden Kreislauf, der sich über Generationen, beispielsweise zwischen Nationen, Kulturen und Religionen, erstreckt. Die edelsten christlichen Kardinaltugenden, in deren Kenntnis wir seit nunmehr zweitausend Jahren sind leisten die Befreiung von den Schlingen des zeitlichen, mentalen, dialektischen Psychosozialen, die die Menschen in wenig tugendhaften Kreisläufen aneinanderfesseln und mit der Zeit unentwirrbarer werden, da sie als Selbstläufer der Rationalität unzugänglich werden. Somit eskalieren Erbfeindschaften über Generationen hinweg in absehbarer Regelmäßigkeit, zyklisch in Krieg. Die drei deutsch-französischen Kriege zwischen 1870 und dem Ende des zweiten Weltkrieges beispielsweise sprechen dafür. Heißt Freundschaft und echte politische Partnerschaft nicht auch Vergebung der Fehltritte des ehemaligen Feindes, nicht weiter auf der Kriegsbeute nach dem Motto „der Gewinner nimmt alles, der Verlierer geht leer aus“ beharren und praktische Vergebung durch Rückgabe der Kriegsbeute, um somit ein für alle Male das Schicksalsrad, das ein unerbittliches Generationen umspannendes Langzeitgedächtnis hat, zum Stillstand zu bringen, denn die Vergebung und die Nächstenliebe sind göttliche Tugenden und Christus ist durchaus in der Lage das Rad des Schicksalsrad anzuhalten, denn:

SATOR AREPO TENET OPERA ROTAS

CHRISTUS DER SÄMAN HÄLT DAS RAD DES SCHICKSLAS AN

Man darf dieses Verhalten im christlichen Geist postulieren, insbesondere wenn ehemalige Kontrahenten seit weit über tausend Jahren dieselbe christliche Ethik und Lehre auf ihre Banner geschrieben haben, auch wenn man sich dadurch der Schmach der Stigmatisierung als Revanchist aussetzt. Die höhere Wahrheit wird langfristig obsiegen. Die Wahrheit befreit, wenn ihr Tag gekommen ist. Und der kommt wenn er kommen muß, wenn die Zeit reif ist.

Dies würde auch den Streß abbauen, der sich wiederum in einem Feedbackkreislauf fortpflanzt, der durch die Diskrepanz der geopolitischen Weltkarten und der mental über Genrationen gespeicherten Weltkarten entsteht und unterhalten wird. -

Besteht die wahre Revolution in der Nichtdialektik der Integration der Teile in einem Bewußtsein? Hat die Integration rein mental-emotional basierten revolutionären Dialektik der ZWEI des zweiten Jahrtausends mit der Dämmerung der DREI als numerischem Integrator der Dualität der ZWEI des zweiten Jahrtausends nicht bereits begonnen und weist auf deren Transzendenz in einem möglichen neuen universelleren Bewußtsein hin, das die Religion von Anfang an als Erlösung aus der konstitutiven Dualität des Menschen auf ihre Banner geschrieben hat? Mußte sich das Mentale, durchaus mit seiner Ambivalenz, aber nicht zuvor zu seiner vollen Blüte entfalten, damit die edelste Frucht des menschlichen Geistes reifen kann? Jene Frucht auf die hin die Schöpfung angelegt ist: das Bewußtseins der einen Schöpfung, der Einheit. Der Geist der Trinität ermöglicht diese allumfassende Integration. Daher kommt der Religion in dieser Phase wieder eine allumfassende entscheidende Bedeutung zu. Die Dreifaltigkeit faßt die Integration und Transzendenz widerspruchsfrei und sublim zusammen: die Vermittlung zwischen den Welten, sowie die Transzendenz; Erlösung durch Christus und Rückführung durch den Geist der Wahrheit zur Einheit des Vaters als einem Hirten und einer Herde auf einer Erde. Diese drei Aspekte sind das übergeordnete Programm der Menschheitsgeschichte. Sie bestand bereits bevor die Schöpfung wurde. Wer könnte es ändern! Keine Revolution, die sich außerhalb dieser Bestimmung vollzieht, ist von Bestand. Deshalb ergibt sich der Auftrag der Relativierung aller menschlichen Belange durch ihre Kompatibilität mit dem Schöpfungspragramm, das allumfassend ist. Andere Kulturen, Zeiten und Breiten haben diese intuitive Erkenntnis durch Abstimmung mit den metaphysischen Entitäten, Prinzipen und Zyklen des kosmischen Ganzen gesucht, bisweilen bis in die Detailentscheidungen hinein.

Wenn ein Zen-Adept sich Hals über Kopf in das Meer des Zen stürzt, ein wahrer Mystiker, gleich welcher Religion, die höchsten Bereiche der Erkenntnis erlangt, ein Christ das Antlitz Christi erfährt, der Yogi im Samadhi die Befreiung erlangt, dann haben diese Wege über das Labyrinth der Weges des Mentalen hinweg gewissermaßen direkt zum Ziel geführt.

Die mühsamen Wege wahrer Erkenntnissuche konvergieren zum Gipfel der Erkenntnis hin. Gleich einem Himalaya der Erkenntnis sind die verschiedenen Routen der Wege der Erkenntnis zunächst nicht einsehbar voneinander, sondern getrennt und unvereinbar. Erst wenn man aufsteigt dämmert das eine Ziel der verschiedenen Wege. In dem Maße wie man sich dem Ziel nähert lösen sich ihre Widersprüche auf. Die Einheit als erlösenden Prinzips der mannigfachen Diversität und Dualität ist daher weniger eine Frage des Weges, sondern vielmehr des Fortschritts auf dem Wege der Erkenntnis der Einheit. Und die geistig-psychisch- körperliche Einheit ist interdependent und Teil der allumfassenden Einheit. In dieser Einheit offenbart sich das Leben in Fülle, das Herz und der Geist des strahlend blauen Himmels, die wahre Freiheit und Befreiung, die Einheit in Gott und höchste Erkenntnis, allumfassende Caritas und Veritas, einem jeden nach seinen kulturellen und persönlichen Erfordernissen. Wahrheit-Bewußtsein-Glückseligkeit haben es südasiatische Erleuchtete genannt. Der eine Geist kann viele Formen annehmen; wichtig ist, daß es der wahre Geist der Einheit und nicht der Spaltung ist. All das ist das Geschenk das jenseits der Dialektik des Mentalen bereitet ist und auf jene wartet, die den geringen Preis des relativen, dualistischen, relativen, rein mentalen Bewußtseins in die Waagschale legen. Doch dieses Opfer wird veredelt in der Erkenntnis der Einheit zurückgegeben.

Im grenzenlosen Ozean des Göttlichen sind dies untrennbare Wellen vom All-Bewußtseins und entsprechen einer höheren, über das relative des Mentalen hinausführende Spiralwindung der Evolutionsspirale.

Nun möchte ich die Ebenen der dialektischen und der nichtdialektischen Realitätserkenntnis in einem Einheitsmodell unter kulturellem Blickwinkel zusammenfassen. (siehe folgende Seite) Das Modell hat eine Domstruktur und wurde unter der Bezeichnung Transkultureller Management Profiler von mir zunächst für Zwecke des globalen kulturgrenzüberschreitenden Managements entwickelt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der transkulturelle Profiler ist ein Integrations- und Steuerungsinstrument der gesamten psychologischen Architektur globaler Managementakteure zur Optimierung der interkulturellen und transkulturellen Managementprozesse, insbesondere globaler Manager metanationaler Organisationen, die Komplexität multidimensional managen müssen. Dem Optimum sind in Bereich des zeitgebundenen, relativen der Kulturen die Grenzen der Dialektik des Mentalbereichs zu dem die mentale kulturelle Software oder Programmierung gehört, gesetzt. Anpassung und Synergie sind deren Optimum, die aber noch meist unter einem höher zu bewertenden Optimum in Bezug auf Nachhaltigkeit, Effizienz und Konfliktfreiheit liegen.

Neurophysiologie und Philosophie des Ostens und des Westens stellen die Kategorie eines das mentale transzendierende Bewußtseins bereit, das alle denkbaren psychologischen Parameter, die sowohl die kulturelle Ausprägung der Revolutionen als auch die diversen kulturellen Werte und Verhaltensmuster im Bereich des globalen Managements und der globalen Kommunikation determinieren.

Was die kulturkontingente Umsetzung von Ideologien anbelangt, so erkennt man beispielsweise, daß die sozialanthropologisch kollektivistischen Kulturen des Ostens (Rußland und China) den politischen Kollektivismus des Marxismus positiv rezipiert haben, daß aber auch nur ein Hauch davon in sehr individualistischen Kulturen wie den angelsächsischen, wie den USA beispielsweise eine sprichwörtliche Hexenjagd zur Folge hat. Ebenso wie die autoritären Kulturen dieser Völker dem Marxismus eine sehr zentraldirigistische autoritäre Prägung gegeben haben, hat der ausgeprägte Individualismus und viel geringere Autoritarismus der angelsächsischen Kulturen eine sehr liberale Form des Finanzkapitalismus geprägt. Das autoritäre kollektivistische System hat abgewirtschaftet, weil es die dem Kollektivismus und Kommunitarismus entgegengesetzten individualistischen Pol der Selbstbestimmung nicht integrieren konnte, denn Werte sind ganzheitliche Kontinua und repräsentieren Dilemmata, die in der Form der Integration ihrer Pole auf längere Sicht gelöst werden müssen, um die Viabilität der Gesellschaften nicht durch Ein-Prinzip Imperialismus zu schwächen und seiner Ressourcen zu berauben. Die Finanzkrise der ersten Dekade des zwanzigsten Jahrhunderts, die beinahe das Weltfinanzsystem aus den Angeln gehoben hätte, wurde durch Exzesse am individualistischen Pol des Individualismus-Kommunitarismus Wertekontinuums verursacht, bei gleichzeitig geringer zentraler autoritärer Abstimmung oder Koordination des Gesamtfinanzsystems. Globale Krisen, wie das Ende der ideologischen Bipolarisierung der Welt; sowie die Bedrohung des globalen Finanzsystems und somit der Weltwirtschaft werden vom kulturellen Mißmanagement der Systeme mitbestimmt. Man könnte systematisch alle Kulturparameter einen nach dem anderen durchgehen und zeigen, wie die kulturellen Wertepräferenzen die Ausgestaltung revolutionärer Ideologien über den Determinismus der Dialektik des Mentalen hinaus, determiniert haben.

Betrachtet man das skizzenhafte Dommodell, das die kulturspezifische psychologische Architektur eines globalen Akteurs symbolisiert, so erkennt man rein äußerlich schematisch vom Domdesign her zwei Hauptkomponenten, und zwar die Kuppelkonstruktion mit der Laterne, sowie die darunterbefindlichen Räume des Domes mit seinem Fundament. Von Eckstein bis Schlußstein bildet er eine nach oben konvergierende Einheit, die in der Konvergenz der Kuppelbögen ersichtlich ist. Richtet man den Blick auf die zwölf mal zwölf dimensionalen Ebenen, eine Zahl der Quadratur der Ganzheit und Architektur aller Schwingungen der kulturellen Psyche in allen möglichen Registern, denn eine Oktave beseht aus zwölf Halbtonschritten, so ergeben die 12 Oktaven der psychologischen Architektur und ein Gesamtbild der interkulturellen psychologischen Variationsmöglichkeiten. Blickt man in die Struktur hinein, so erkennt man die multidimensionale kulturelle Dialektik, sowie den Übergang zu der antennenhaften Spitze der Einheitsdimensionen.

Das Psychogramm eines interkulturellen Akteurs bleibt suboptimal, solange nicht die die kulturelle Dialektik unterordnende und integrierende Ebene der Einheit, die ich als noetisch oder transkulturell bezeichnet habe, ins Spiel kommt. Kann sie aktiviert werden, so werden interkulturelle mentale Dialektiken aus ihrer Dialektik erlöst und in ihre Einheit zurückgeführt. Interkulturell und mental-dialektisch bedingte Antagonismen können somit gelöst werden. Die Lösung besteht im Perspektivewechsel des interkulturellen Akteurs. Was auf der dualistischen Ebene ein Dilemma erzeugte, hört im Lichte des noetischen, transkulturellen, einen Bewußtseins auf, eines zu sein.

Die nachhaltigste, konfliktfreiste und befreiende Revolution ist daher die, die von der alles integrierenden noetischen oder transkulturellen Ebene ausgeht. Wie die Laterne auf der Kuppel des Doms kann sie bei entsprechender Stärke die gesamte interkulturelle Architektur des Interkulturellen ausleuchten, alle Register und Tonarten der 12 Oktaven-Architektur harmonisieren.

Die Validierung dieser Dimension kann nicht konventionell vermittelt werden, um sie nicht auf den Mentalbereich zu reduzieren, wo wiederum die Geister der Dialektik greifen würden. Eine Sensibilisierung und logische Heranführung ist hilfreich, doch im wesentlichen liegt die anvisierte, die mentale und kulturelle Dialektik integrierende Dimension im Bereich der persönlichen Entwicklung, der Erfahrung und des inneren Wachstums.

Somit bedürfte es eines kritischen Masse bewußter Menschen, die Relativität der mentalen und kulturellen und revolutionären Prozesse in einer übergeordneten Erkenntnis erlösen kann, um einen universellen Bewußtseinswandel anzubahnen, der eine friedliche revolutionsfreie globale Zivilisation bedingt,

3 DAS ENDE EINER ÄRA.

DAS ENDE DER PROTESTANTISCHEN VORHERRSCHAFT

Ist es nicht besser, mit einem Auge in Paradies einzugehen, als mit zwei Augen in die Verdammnis? Wenn ein Glied zum Fall wird, so ist es besser, darauf zu verzichten, sofern es irreversiblen Schaden anrichtet und diesen Eingriff, gleich einem lebensrettenden chirurgischen, zu vollziehen, wenn alle anderen Heilmittel versagen. Ist es nicht besser eine Schlacht zu verlieren, dafür aber den Krieg insgesamt zu gewinnen.

Mit diesen Metaphern könnte man den Jahrtausendbesuch eines aus Deutschland stammenden Papstes im vereinigten Deutschland bilanzieren. Es ist kein historischer Zufall, dass ein deutscher Papst beinahe 500 Jahren nach der Reformation die Geschicke des weltweiten Katholizismus präsidiert. Gewiss nicht, denn bei Gott gibt es keinen Zufall, sondern vielmehr Plan, Sinn und Zweck und eine, wenn auch unseren Augen bisweilen verborgene, Ordnung, die die moderne Wissenschaft mehr und mehr entschlüsselt. Es handelt sich vielmehr um die Umkehrung eines tragischen Prozesses, deren geistige Basis in Zusammenhang mit dem Herannahen des 500-iährigen Jubiläums der Reformation in sechs Jahren gelegt wurde. Denn, analysiert man die Geschichte, insbesondere die deutsche, so erkennt man in der Verkettung zahlreicher gesellschaftlicher Katastrophen seit diesem Zeitpunkt (der Reformation), die man alle aus der Abweichung von DEM WEG, DER WAHRHEIT UND DEM LEBEN heraus, wie sie in der einen, reinen Lehre seit nunmehr 2000 Jahren existieren, dass diese Abweichung keine Zukunft hat. Trifft dieser geistig-historische Kausalzusammenhang zu, so ist es besser, wenn der falsche Weg einer Ära endet, wenn ein krankes Glied geopfert, eine Schlacht verloren, statt die Zukunft selbst verspielt wird. Aufgrund sehr tiefgreifender emotionalisierter, im Wege unserer Sozialisierung erworbener identitätsstiftender Identifikationsmechanismen und deren Bedeutung für die menschliche Psyche, ist auch der Bruch eines Bannes, wie wir es im Bruch des ideologischen Bannes des Faschismus und Kommunismus erlebt haben, ein schmerzlicher Prozess.

Die Frage, warum Gott die vielen Katastrophen zulässt, die sich in unserer Zeit des Abkommens vom wahren Weg, der nicht nur im Protestantismus – allein schon der Begriff des Protestantismus ist ein Widersinn, weil es keine Alternative zur Wahrheit gibt - , sondern auch in anderer Form zum Ausdruck kommt, so ist die Antwort im Abkommen vom Weg selbst gegeben, da es keinen zweiten gibt. Das Abweichen von der Wahrheit, auch scheinbar geringfügiger Natur - denn es gibt nicht Überflüssiges und Verzichtbares an ihr - ist nun mal nicht mehr die Wahrheit und führt zu einem Weg ohne Gott, über eine progressive Verbannung Gottes aus dem Menschlichen, die ein Irrweg sind und keine Zukunft haben. Der Prozess gipfelt heute in einer impliziten Annahme, dass der Mensch sich selbst erschaffen kann.

Diesen Weg gilt es zu beenden, um die Zukunft zu retten. Geschieht dies nicht, so könnte die Zukunft selbst auf dem Spiel stehen. Und es gibt nicht wenige Zeichen dafür, dass die so sein könnte, trotz allen menschlichen Fortschritts in Technik und Wissenschaft, die die Verbannung Gottes aus dem Menschlichen fortschreiben. Dieser kann den Menschen jedoch trotz aller Glanzleistungen nicht erretten, wenn er nicht auf dem Weg der Wahrheit und des Lebens bleibt, sondern er wird vielmehr zu einem Instrument, der das Ende selbst heraufbeschwört und beschleunigt. Alle Versuche den Weg zu korrigieren, bleiben Teil des Problems, solange keine Umkehr auf den einen Weg ohne zweiten stattfindet. Es ist also besser, wenn ein Wegabschnitt endet, als dass das Ziel an sich aus den Augen verloren geht und unerreichbar wird.

Den Wegabschnitt, den es zu beenden gilt, besteht in Jahrhunderten der Abkehr vom Weg in der Gestalt der Protestantismus, der hunderte Jahre geistigen Konflikts mit den Highlights des Marxismus und Faschismus bewirkte, die uns bis in unsere Tage hinein prägen. Der Same der Spaltung und der Abkehr vom Weg wird trotz aller gutgemeinten Absichten in alle sozialpsychologischen Prozesse als Konflikt repliziert. Dieser Sachverhalt geht solange weiter, bis der Same der Spaltung nicht mehr gesät wird. Der Weg ist nicht verhandelbar. Denn das Falsche kann nur richtig werden, wenn es sich vom Falschen, sei es durch Gnade oder Erkenntnis, abkehrt.

Da es keine Kompromisse zwischen dem richtigen und dem falschen Weg geben kann, es sei denn der richtige Weg bliebe sich nicht treu, gibt es nur den Weg der Rückkehr. Wenn ein deutscher Papst zu jenem Ort zurückkehrt, wo die Saat der Abspaltung gesät wurde, so ist dies der Versuch, diese Saat zu revidieren und ihr die Spaltungskraft durch die Rückführung auf den richtigen Weg zu nehmen. Die Geschichte bietet somit die Chance, in einer zweiten Spiralwindung die Fehler des ersten Kreislaufes zu revidieren. Man kann die Erkenntnis der ersten in die nächste Spiralwindung des verhängnisvollen Spaltungskreislaufes einfüttern und somit eine nichtspaltende kausale Verkettung erzeugen, die das Spaltungsprogramm beendet.

Jeder Versuch der Umgestaltung unter Einbeziehung falscher Wegdaten führt zu weiteren Konflikten und einer Endloskonfliktschleife, wenn der Same der Spaltung auch in verminderter Form weitergesät wird.

Was gibt einem das Recht, sich das Wissen um den richtigen und den falschen Weg anzumaßen. Nun, der falsche Weg hat keine Zukunft. Das erkennt man an seinen historischen Früchten. Er mag viel bewirkt haben, doch langfristig führt er nicht ans Ziel. Er hat Teile seiner Wurzel abgeschnitten, wodurch der Mensch in ein fundamentales Ungleichgewicht geraten ist. Und dieses Ungleichgewicht manifestiert sich im Menschen und in der Gesellschaft als kontinuierlicher Konflikt, den er erst dann wieder beenden kann, wenn die Integrität der Wurzeln wiederhergestellt ist und der Baum des Lebens somit wieder gute Früchte tragen kann. Es gibt objektive Beweise für die Korrektheit des Weges wie jedes wissenschaftlichen Prozesses. Man erkennt den Geist der Wahrheit an seinen Früchten.

Wie konnte das Abkommen eines Menschen vom Weg die ganze Zivilisation im Schlepptau auf diesen Weg hinter sich her ziehen? Durch einen Menschen (die Abkehr vom Gehorsam gegenüber Gott durch Adam) ist die Sünde in die Welt gekommen und durch einen Menschen (Jesus Christus und seinen Gehorsam) konnte der Mensch von dieser wieder erlöst werden. Durch das Einschlagen eines Irrweges durch Ungehorsam seitens Luthers kann dieser ebenso nach vielen Jahrhunderten mit seinen durch diesen Ungehorsam ausgelösten schuldhaften Verkettungen nur im Wege einer Erlösung durch Gehorsam (im fundamentalen Sinne des Hörens und Befolgens des einen ungebrochenen Weges ohne zweiten) getilgt werden.

Die Frage nach einer Neupositionierung der beiden zueinander stellt sich nicht, sondern nur die der Erlösung. Der Nachfolger Petri als Statthalter Gottes auf Erden hat nun seine epochale Mission – die nicht menschendeterminiert ist –, als der eine Nachfolger und Statthalter des einen Reiches Gottes stellvertretend die Erlösung vom Ungehorsam eines Einzelnen zu vollziehen. Anders kann man den historischen „Zufall“, der Plan ist, zu diesem Zeitpunkt nicht deuten. Es ist die perfekte Konfiguration inbezug auf Raum und Zeit des Weltgeschehens. Gott erneuert sein Erlösungswerk in dieser Zeit in dieser Form. Ein aus Rom kommender Deutscher stellt die Beziehung zwischen dem vom Weg abgekommenen Deutschland in seiner protestantischen Variante mit Rom wieder her. So etwa könnte es in der Kirchengeschichte in einer epochalen Perspektive lauten. Das Falsche endet nicht, indem man es versöhnlicher umgestaltet, sondern in dem es aufhört, falsch in Bezug auf das Richtige zu sein. Alles andere würde nur das Falsche perpetuieren und das Ende der Zivilisation einläuten. Doch das einmalige Erlösungswerk ist für immer und lässt dieses nicht zu. Vielmehr wirkt es dadurch fort, dass es sich aus Erbarmen und Liebe weiterhin in der gegenwärtigen Gestalt der Rückführung auf den richtigen Weg manifestiert.

Generationen von Menschen waren in der Erbsünde gefangen und harrten dieser Erlösung. Generationen von Menschen harrten der Erlösung von den katastrophalen Verkettungen durch die Sünde einer erneuten Abkehr vom Weg, dessen Ende in unseren Tagen vollzogen wird. Der Mensch allein kann diese Umkehr nicht vollziehen, da er in der Saat des Antagonismus gefangen ist. Es liegt in der Hand Gottes, die Umkehr zum einen Weg nach seinem Ratschluss in die Wege zu leiten. Und man kann die Zeichen der Zeit so interpretieren, dass sich in dieser Zeit in dieser Hinsicht etwas tut, dem niemand durch Konzessionen und Kompromisse vorgreifen kann und soll. Die oberflächliche menschliche Sichtweise würde den tieferen Prozess nur behindern. Die menschliche Ebene und die des göttlichen Plans scheinen verschieden, seine Gedanken nicht die menschlichen. Deshalb kann es keine nur menschliche Lösung geben, was fälschlicherweise als Nichtfortschritt - vom menschlichen Standpunkt - interpretiert wird.

Im Protestantismus wurde die Wurzel des Menschlichen beeinträchtigt. Und da der Mensch ein Ebenbild Gottes ist, wurde somit Gott selbst und dessen Plan beeinträchtigt. Der Mensch wollte sich loslösen. Der Ungehorsam hatte den falschen Weg, der ihn langfristig zum Abgrund führen wird, zur Folge. Daher gibt es nur die Umkehr. Alles andere ist einer Verzögerung der Zeit bis zur Erreichung des Abgrunds.

Das, was von den Wurzeln übrig blieb, konnte den Baum des Lebens nach dem göttlichen Bilde nicht erhalten und ernähren und seinen Bestand sichern. Es wurden zu viele maßgebliche Wurzelstränge abgeschnitten, die den Baum des Lebens verarmen und verdorren ließen. Werden sie wieder hergestellt - das mag auch auf andere Versuche des Abkommens vom Wege zutreffen – dann kann die historische Wüste wieder ur- und fruchtbar werden.

Eine zeitlich verzögerte Reaktion auf diesen Sachverhalt besteht in der genau entgegengesetzten Reaktion, die erkannt hat, dass die Integrität der Wurzeln ein Schlüssel zu Behebung des Schadens ist und daher in der Gestalt des Integrismus die Rückkehr auf den rechten Weg zu vollziehen sucht. Die Umkehr von einem ebenfalls von einem Individuum, dem englischen König verursachten Abweg in der Gestalt des Anglikanismus scheint eine ähnliche Sprache zu sprechen, ebenso wie die Annäherung der Orthodoxie an den Katholizismus. Bei ihr sind noch viel mehr Wurzeln intakt. Sie sind möglicherweise zusammenführbar ohne die Auflösung eines Weges. Doch wenn die Wurzeln über ein gewisses Maß hinaus nicht mehr vorhanden sind, wie es im Protestantismus der Fall ist, so kann nur eine Sanierung des Wurzelwerkes in der Gestalt der Rückverortung in den ursprünglichen Wurzeln helfen. Darin besteht eine die Ökumene im herkömmlichen Sinne transzendierende Erlösung von dem Weg der Loslösung durch Ablösung und Trennung von den Wurzeln. Die daraus entstehende Verarmung veranlasst den Menschen kompensatorische Lösungen für seine Fragen zu suchen, deren Antworten aber alle unter einem defizitären Syndrom leiden, weil es von einer falschen geistigen Prämisse ausgeht, die allen seinen Artefakten anhaftet. Dafür muss man an die Wurzeln zurückkehren. Und die ist eben das, was in unsern Tagen, die insofern historisch sind, geschieht.

Das veränderte Menschen- und Gottesbild, das im Wege der Korrumpierung der Wurzeln entstanden ist, kann nur durch eine Widerherstellung der Integrität der beiden in ihrer Interdependenz erlöst werden. Das bestehende Ungleichgewicht hebelt den Menschen von seinen Wurzeln her aus und schwächt sein Potential, was er durch überkompensierende Ideologien der Anmaßung im Wege des Nationalismus, Fanatismus und religiösen Fundamentalismus ohne Erfolg zu kompensieren sucht. Bei Integrität der Wurzeln ist all das nicht erforderlich und erspart die historischen Schleifen des Weges mit weniger Gott und daher wenige Mensch und somit weniger Potential und falscher Identität. Nichts vermag die Kluft zu überbrücken und zu füllen, die er selbst geschaffen hat, die durch seinen Ungehorsam verursachte Trennung zu überwinden und somit seinen Frieden mit Gott und somit dem Menschen wiederzufinden. Es bleibt kein anderer Weg als der Eine und die Rückkehr dorthin, die all seine Irrungen und Wirrungen von der Wurzel her beheben kann.

Diese historische Chance ist ihm nun gegeben. Erkennt er sie, so kann er Weltgeschichte zum Besseren schreiben. Andernfalls geht es weiter wie bisher in potenzierter Form und unter globalen und komplexeren Umständen, die unvorhersehbar sind. Größere Komplexität bei relativierter Rechenschaftspflichtigkeit inbezug auf die Schöpfung, wovon der Mensch ein Teil ist, begünstigen eine planetare Anarchie, die in der Gestalt diverser Auflösungserscheinungen in ökologsicher und finanzwirtschaftlicher… Gestalt bereits eingesetzt hat.

Die gesamte menschliche Zivilisation kann davon profitieren, wenn der durch den wurzel- und daher ziellosen Weg mit seinen epochalen Verirrungen, die den Menschen an den Abgrund führen können, im einen wahren Weg mit seiner erlösenden Kraft rückverwurzelt werden kann, der Kraft, die auf dem integren, unverkürzten und nichtdefizitären Menschen- und Gottesbild gründet. Die organische Interdependenz und die Ausgewogenheit des Wurzelwerkes sind nicht relativierbar, denn er selbst ist dieses Wurzelwerk und der Grund und Urgrund allen Seins und das lebendige Fundament auf dem wir stehen. Es ist nicht konservativ, zum Leben selbst zurückzukehren, sondern es gibt keinen andere Zukunft. Jede Relativierung im Sinne des Abtrennens von vitalen Wurzeln durch den Protestantismus in Bezug auf die zeitlose Lehre ist somit eine Beeinträchtigung des Lebens und seinen individuellen und kollektiven Erscheinungsformen.

Natürlich erfordert es Demut und Größe, die Größe Göttes anzuerkennen und sich ihm und seinem Plan gehorsam zu unterwerfen und somit sein nichtrelativierbares Gesetz zu erfüllen, statt mit Gott in Konkurrenz zu treten. Adam, Christus und Luther, sowie andere Gestalten illustrieren die Gesetzmäßigkeit des Gehorsams, die ein Gesetz der Liebe ist, denn ohne Liebe gibt es keinen wahren Gehorsam, sowie auch dessen Konsequenzen. Die Erlösung vom Ungehorsam kann durch die Liebe bewirkt werden.

Durch dieses göttliche Attribut kann die Erlösung bewirkt werden, auch die Erlösung von Irrwegen. Sie erkennt den richtigen Weg, weil sie nicht im Stolz auf dem falschen Weg beharrt. Es ist der Geist der Verneinung des Gehorsams aufgrund menschlicher Anmaßung, der den falschen Weg zum Abgrund vorzeichnet. Der Geist der Akzeptanz des Gehorsams in menschlicher Demut gestattet die Entfaltung der Größe Gottes, die im Menschen somit wirken und seine Probleme beheben kann.

Die Wahrheit ist kein Verhandlungsgegenstand. Lässt man vom Falschen ab, so leuchtet sie in ihrem vollen Glanz. Es gibt ihr nichts hinzuzufügen, sondern nur das diese Einschränkende zu beseitigen. Deshalb gilt es im Wege der Ökumene nichts hinzuzufügen – all die konkreten Schritte der Annäherung, die die Menschen erwarten – sondern vielmehr abzulassen vom Falschen.

Es ist im ureigenen Sinne und Interesse aller Deutschen, sich von dem durch ein faktisch defizitäres Menschen- und Gottesbild - trotz konträrer verbaler Beteuerungen -, das durch menschliche Anmaßung entstanden ist, zu lösen und somit den Konflikt, in dem das konstitutive Gleichgewichte innerhalb der menschlichen Natur, im Verhältnis zu Gott und somit mit der gesamten sichtbaren und unsichtbaren Welt gestört ist, aufzuheben und ihre uneingeschränkte Gotteskindschaft ohne Abstriche wiederherzustellen, soweit dies in ihrem Ermessen und ihrer Macht liegt.

Dadurch kommen die gesamten Ungleichgewichte, an denen die gesamte menschliche Zivilisation laboriert, schrittweise wieder ins Lot. Das ist eine einfach verständliche Kausalbeziehung. Die Ursachen der epochalen Ungleichgewichte, die den gesamten Menschen und seine Umwelt bedrohen, die im ökologischen, demographischen und finanzwirtschaftlichen und anderen Bereichen, ja selbst bis in die geistig-biologischen Grundfesten unserer Existenz als vielfältige Krankheiten zum Ausdruck kommen, sind durch eine Abkehr vom ursprünglichen Plan für den Menschen und seine uneingeschränkte Beziehung zur seiner Lebensquelle, den Schöpfer, bedingt. Der Mensch hat sich tatsächlich nicht selbst gemacht und kann sich nicht zum uneingeschränkten Herrn der Existenz erheben und somit seinen Schöpfer und somit seine Lebensquelle relativieren. Möchte er das Ruder an sich reißen, so verursacht seine unvollkommene Erkenntnis jenen weltweiten Flurschaden, der nur im Weg der Rückbesinnung un Rückkehr auf die Wurzeln seines Seins revidierbar ist.

Diese Rationalität der Schöpfung sollte gerade einer Wissenschaftskultur, die die Axiomatiken der Schöpfung als alles umfassende Schöpfungsprinzipen, wenn auch bislang nicht in der Terminologie der Wissenschaft formulierbar erkennt, nicht verborgen bleiben. Gott würfelt nicht, sagt der berühmteste Physiker unseres Landes zurecht.

Der Verursacher haftet. Deutschland wird für den weltweiten Flurschanden, den die Auswüchse seiner anmaßenden Irrationalität verursacht haben historisch implizit haftbar bleiben und wird sich nur im Wege einer Revidierung des Flurschadens durch den Impuls einer Rückkehr auf den rechten Weg von seiner Schuld erlösen können.

Dieser Impuls kann als Saat an dem Ort aufgehen und weltweit diffundieren, wo die Saat des Schismas mit seinen historischen Verkennungen aufging. Es ist nur durch das Säen des rechten Samens der Wahrheit möglich. Zu diesem historischen Zweck musste der Papst an den Ort zurückkehren, um diesen Prozess einleiten, der in der Beendigung einer Epoche und der Einleitung einer neuen durch Umkehr und Rückkehr besteht, da die relativierte Wahrheit das menschliche Leben ebenso relativiert und einschränkt. Und das Ausbrechen aus dieser Relativität erzeugt ein Labyrinth von Relativitäten, in dem dem Menschen die Zukunft ausweglos entgleitet, weil es ohne die uneingeschränkte Wahrheit, die Gott ist, keine Zukunft zu geben scheint, wie uns die menschliche Geschichte belegt. Die Frage was ist Wahrheit, ist dabei die Frage derer, die sie nicht (er)kennen wollen, trotz aller Zeichen, beginnend mit Pilatus bis zum heutigen Tag.

Die Kappung der Wurzeln, gleich in welcher Form, führt zur Korrumpierung des Baumes des Lebens und somit zu schlechten Früchten, wie wir sie historisch beobachten können und sind Kennzeichen eines schlechten Baumes. Der Weg der Wahrheit ist der der Integrität des Baumes des Lebens von der Wurzel bis zur Krone, sowie den Früchten.

„Lasst ab vom Bösen und tut das Gute“

Die beiden können nicht im Sinne des Ausgleiches und Abgleichs und des Kompromisses ausgesöhnt werden. Sie sind kein Dilemma und ermöglichen keine Synergie. Nur das Ablassen vom Falschen führt zum Wahren. Wer nicht für mich ist, ist gegen mich. Auch eine Einschränkung ist gegen die Wahrheit, Gott und daher die Zukunft, gleich in welcher Ideologie und Lebensweise diese zum Ausdruck kommt.

Die Wahrheit ist das, was sie ist und kann nichts anderes sein und entzieht sich jeglichen Diskurses, der sie zwangläufig relativiert. Sie ist absolut und nicht kulturell, zeit-räumlich relativierbar. Sie ist eine und eins, ohne zweite, im ersten Gebot des Dekaloges - Du sollst keine fremden Götter neben mir haben - als Schutz vor jeglicher, auch geringfügiger Abweichung von dem einen wahren Weg, verankert. Damit steht und fällt das gesamte Gebäude des Juden- und Christentums… gleichermaßen und somit die monotheistische Zivilisation und die Nichtbeachtung des Gebots bedeutet eine heidnische Rückwärtswendung zu diversen selbstkreierten Götzen, letztendlich eine Substitution seiner selbst für den einen Gott und seinen einen, wahren Weg. Wenn auch in scheinbar geringfügigem Maße könnte der ganz anders intendierte reformatorische Prozess, statt einer konsequenteren Befolgung des Weges der Wahrheit, die progressive Abkehr davon eingeleitet haben, die Veränderung des unveränderlichen Grundes - denn einen anderen Grund kann niemand legen, als der welcher gelegt ist in Christus - für ewige Zeit, mit ihren vielfältigen Folgeerscheinungen, denn das Böse springt allzu leicht in eine Bresche erhabener Intention und sucht Unkraut unter den Weizen zu sähen.

Nun ist beides lange unentwirrbar und sich antagonisierend gewachsen, und es wird solange weiterwachsen, bis der Herr der Ernte Weizen und Unkraut trennt, damit die gute Saat nicht irreversibel erstickt wird. Ist dieser Zeitpunkt nun gekommen? So scheint es! Sein Maßstab allein ist entscheidend, nicht die vielen menschlichen, vermeintlich pluralistischen und scheinbar legitimen Maßstäbe. Die große protestantische Musik und Theologie vermag nicht, den relativierten Gott und somit den Menschen zu rehabilitieren. Deshalb ist es nur eine Frage der Zeit wie und in welcher Form eine Epoche zu Ende geht, falls der Mensch selbst uneinsichtig und unwillig, anmaßend und stolz auf seinen eigenen Konstrukten beharrt. Denn die Einschränkung ist nicht zukunftstauglich. Das Tor zur neuen Zeit kann nur auf dem einen Weg, durch die von menschlicher Willkür unangetastete tragfähige Wahrheit, das Leben selbst, erfolgen. Jegliche menschliche Nuancierung untergräbt sie. Das lässt dem Menschen eine geringe Marge des Manövrierens und erfordert seinen Gehorsam zur Gewährleistung seines größten gottesbildlichen Potentials, konsolidiert dadurch seine prekäre Existenz und ist Garant seiner höchsten wahren Freiheit, die sein singuläres kreatürliches Privileg ist. Gott würfelt und spielt nicht und erwartet dasselbe von seinen Geschöpfen in ihrer Beziehung zu ihm. Nur dann kann die alles versöhnende Liebe, die ein Attribut Gottes ist, geboren worden und die Menschheit von ihren eigenen Unvollkommenheiten erlösend die endgültige Rückführung zur Einheit, die den einen wahren Weg krönt, gelingen.

„Der moslemische Attentäter Johannes Pauls II zielte auf das Haupt der Christenheit, der Protestantismus auf das Herz der Christenheit.

Die Mutter Gottes hat beides abgewendet.“

Schließlich gilt es, einer überzeitlichen Erkenntnis gewahr zu werden: Seit fünfhundert Jahren befindet sich Deutschland im Konflikt mit Rom, der einen zweitausendjährigen Kultur-Konflikt zwischen der römischen und der germanischen Welt fortschreibt.

Diese Abweichung vom Weg führt offensichtlich solange zu geistig-kulturellen Problemen, bis der eine Weg wieder Anerkennung und Befolgung findet. Die Abweichung hat in Deutschland begonnen und sollte auch hier wieder beendet werden und somit ein Zeichen für die Welt im Hinblick auf eine Zivilisation der Einheit für das dritte Jahrtausend setzen.

Die Vollendung der Aussöhnung mit der romanischen Welt, die in der Gestalt der Aussöhnung mit dem Erbfeind Frankreich begonnen hat, sollte nun durch die Aussöhnung mit dem Zentrum der romanischen Welt im bilateralen, europäischen und weltweiten Interesse fortgesetzt und vollendet werden. Allein dies macht Europa zu einem historischen Akteur auf Augenniveau, der seine geistige Führerschaft im dritten Millennium weiterhin wahrnehmen kann.

Der Weg,

den Gott über Christus,

Petrus

und seine Nachfolger

bestimmt hat,

ist nicht veränderbar,

da es keinen anderen gibt.

4 Intrakulturelle Probleme in Deutschland

Deutschland ist ein Land, das aus vielen germanischen Stämmen hervorgegangen ist, die aber auf eine gemeinsame germanische Wurzeln zurückzuführen sind. Die Armee war immer wieder der Schmelztiegel für die intrakulturelle deutsche Diversitätsintegration. Dieser Schmelztiegel ist in der Gegenwart, mit dem Ende der Bipolarisierung der Welt und mit der scheinbaren Perspektive einer friedlicheren Zeit inbezug auf große Kriege, in Zuge einer generalisierten weltweiten Abrüstung und des Übergangs zu Berufsarmeen weggefallen. Der kulturelle Integrator des deutschen Volkes und das zusätzliche Exportieren potentieller intrakultureller Konflikte nach außen haben immer wieder in der Geschichte über intrakulturelle Divergenzen und Spannungen hinweggeholfen. Nun stellt sich die Frage, welches institutionelle Umfeld diese Integrationsfunktion eines kulturell unvereinten Volkes übernehmen könnte, da Auslandseinsätze im Rahmen der Friedens- und Aufbaumissionen der NATO nicht die erforderliche Integrationsfunktion haben können, wie es einst der Fall war. Und warum ist nach wie vor eine deutsche kulturelle Integration kultureller Art erforderlich?

Vergleicht man andere Länder, wie beispielsweise alle unsere Nachbarländer ausnahmslos mit Deutschland, so stellt man fest, dass jene, trotz all ihrer enormen kulturellen Divergenzen kultureller und ökonomischen Art, dennoch einen gemeinsamen Modus Vivendi des gesellschaftlichen Miteinander ohne größere Reibung im Alltag gefunden haben, obschon es noch einige Spuren von Unabhängigkeitsbestrebungen peripherer Gebiete inbezug auf die jeweiligen Zentralismen gibt, wie im Falle des Baskenlandes, was Spanien anbelangt, Schottland, was Großbritannien anbelangt und Korsika, was Frankreich anbelangt. Hier sind vielfach sprachliche oder ökonomische Divergenzen im Spiel, wie das Baskisch, das Schottische oder das Korsische, bzw. die Tatsache, dass die proportionale Teilhabe am nationalen Reichtum nicht als dem regionalen Reichtum entsprechend erachtet wird und somit ein Gefühl des Entzuges legitimer regionaler Ressourcen entsteht, vergleichbar mit Bundesländern in Deutschland, die bei den Ländertransfers immer auf der gebenden Seite sind.

Doch die Bundesländer sind eher politische, als kulturelle Konstruktionen, obwohl sie bis zu einem gewissen Grad mit kulturellen Entitäten identisch sind, während die Regionen der vorerwähnten europäischen Nachbarn über große Zeiträume gewachsene, linguistisch-kulturelle Regionen mit einem hohen Grad kultureller Autonomie sind. Dennoch haben diese autonomen Gebiete ein ziemlich harmonisches Miteinander kultureller Art – wenn man von der ETA im Baskenland und der IRA in Nordirland absieht, während bretonisches und korsisches Aufbegehren gegen das politische Zentrum in Paris eher passé sind - entwickelt. Ein Katalane, beispielsweise, der eine dem Französischen ähnlichere Sprache als dem Spanischen spricht, wird heutzutage in der Regel keine Kommunikationsprobleme aus kulturellen Gründen mit jemand von der Meseta, der Region von Altkastilien, mit Madrid als politisch-kulturellem Zentrum, haben. Andalusier, Galizier und Valenzianer, die alle eine eigene Sprache und somit eigenen Kulturen entwickelt haben, werden sich aber dennoch in der Regel kulturell in das gemeinsame iberische Gefüge einfügen und einander keine expliziten oder impliziten Probleme aufgrund ihrer regionalkulturellen Provenienz im Rahman des nationalen Gemeinwesens machen. Aufgrund ihrer gemeinsamen Latinität haben sie ein kulturelles Miteinander ohne Reibung entwickelt, bei dem die Regionalkultur kein Stein des Anstoßes, sondern eher Ansporn für Einfühlungsvermögens und kulturelle Synergie ist.

- Supranationale europäische Regionalpolitik hat mit Hilfe der Transfers im Rahmens des Regionalfonds, vergleichbar mit dem bundesdeutschen Länderausgleich, nunmehr seit den Romverträgen im Jahr 1957, ja selbst seit der Gründung der Montanunion im Jahre 1951, regionale Integrationspolitik in Europa geleistet. Doch keine Integration vektorieller oder politischen Art kann gelingen, wenn sie nicht auch eine geistig-kulturelle ist, die die Integration nachhaltig tragfähig macht. Heute erkennt man im Zuge der Globalisierung, dass gemeinsame kulturelle Werte ein zentrales integratives Moment jeder Integration sind. Eine Untersuchung des Status einer Integration würde also eine Erforschung des Grades erfordern, in die potentiellen Integrationspartner gemeinsame Werte besitzen. -

In Deutschland dagegen scheint diese natürliche Empathie und somit ein intrakulturelles Diversitäts- und Synergiebewusstseins weniger entwickelt zu sein. Stattdessen suchen sich einige intrakulturelle Akteure, trotz einer gemeinsamen Germanität (analoge Wortschöpfung zu Latinität), lokal und regional ethnozentrisch zu behaupten und gegen vermeintlich anderskulturelle Deutsche bisweilen rücksichtlos durchzusetzen. Und da die Armee und die Kriege nicht mehr ein Minimum an gemeinsamer kultureller Integrationsschule der Nation leisten können und bei gleichzeitig fortwährender ethnozentrischer linguistisch-kultureller Erziehung wird das kulturelle Gleichgewicht destabilisiert und zieht Stress nach sich. Inwieweit die Länderhoheit im Bereich der Bildungspolitik damit zu tun hat, wäre einer Betrachtung würdig, da die Nachbarländer, insbesondere Frankreich, ja eben eine zentralisierte Bildungspolitik haben. Und historisch hat man ja nicht von ungefähr diesseits des Rheins stets französische kulturelle Werte für erstrebenswert gehalten. Hierin könnte durchaus eine Ursache für die mangelnde kulturelle Integration deutscher Lande bestehen. Während zentralisierte Bildungs- und Kulturpolitik integrationsförderlich ist, ist regional ausgewogene Wirtschaftspolitik eher förderlich, so dass keine regionalen Gefälle des Reichtums und der Armut entstehen. Beide Länder haben deshalb auch schon seit langem eifersüchtig auf die Erfolgsrezepte des Partners geschaut und versucht sie zu emulieren. Doch der autoritäre Zentralismus Frankreichs und deutscher Nachholbedarf in der nationalen Sache gehen auf kulturelle Werte und eine Geschichte zurück, deren Impact nur sehr langfristig veränderbar scheint.

Dieser Mangel an kultureller nationaler Harmonisierung wird durch den Immigrationsfaktor zusätzlich akzentuiert. Und doch, das gemeinsame germanische Erbe könnte und sollte die der Latinität vergleichbare Funktion in Spanien, Frankreich oder Italien haben - oder der Anglo-Kultur, was Großbritannien anbelangt. Es ist also sehr enigmatisch, warum die Germanität nicht dieselbe Integrationsfunkton hat, wie beispielsweise das slawische Band, das alle slawischen Nationen sprachlich–kulturell miteinander verbindet oder das Romanische, das über die romanischen Nationen hinaus bei allen großen Divergenzen, wie im Falle Italiens, Spaniens und Frankreichs, sowohl intra- als auch interkulturell die Menschen der romanischen Welt miteinander verbindet. Und dasselbe trifft auf Großbritannien mit den irischen, schottischen, walisischen und englischen Komponenten zu. Warum also ist die Germanität, auch unabhängig von großen Kriegsherausforderungen, intrakulturell kein natürlicher Integrationsfaktor, der kulturell harmonisierend und solidarisierend wirkt? Und ist nicht eine möglichst harmonische Integration der nationalen und kulturellen Subsysteme der nun globalisierten Welt die Vorbedingung für die friedliche Koexistenz im Rahmen des planetaren Gesamtsystems. Besteht also nicht auch im Hinblick auf die planetare friedliche Koexistenz und Integration eine nationalkulturelle Rechenschaftspflichtigkeit in dem Sinne, dass man seine Hausaufgaben intrakulturell erledigt, bevor man andere mit Worten und Waffengewalt inbezug auf ihre souveränen kulturellen Rechte belehren möchte.

Alle Länder haben Nord-Südgefälle in sprachlicher, kultureller und ökonomischer Hinsicht, ebenso häufig Ost-West Gefälle, die aber keine kulturellen Verwerfungen sind, welche als gegenseitige kulturelle Defizite konstruiert werden und die natürliche nationalkulturelle Solidarität und somit die kulturell empathische Kommunikation bei aller intrakultureller Diversität unterminieren.

Sozialanthropologogisch betrachtet haben die Deutschen ein hohes Sicherheitsbedürfnis, das Ambiguität und Abweichung von einem prognostizierbaren Schema nur schwer toleriert. Und somit wird das sprachlich- kulturell Abweichende leicht als ein Defizit konstruiert, während es bei Menschen, die höhere Toleranzen in dieser Hinsicht haben, leichter synergetisch und kreativ interpretiert werden kann. Doch diese auf der empirischen Kulturforschung Hofstedes basierende Erkenntnis muss relativiert werden, da die vorerwähnten europäischen Nachbarn dazu tendieren, in noch höherem Maß ambiguitätsvermeidend zu sein. Die Funktion der allgemeinkulturellen Integration, die dort trotz aller bedeutsamen historisch kulturellen Diversität, hoch entwickelt ist, leistet also eine nationalkulturelle Solidarisierung angesichts großer kultureller Diversität.

Obschon Deutschland, ebenso wie die Nachbarn, die sogar, mit Ausnahme Großbritanniens, eine noch größere kulturelle Unsicherheitsvermeidungstendenz haben, wenn man der interkulturellen Forschung Hofstedes vertraut, sind die Nationalkulturen einiger Nachbarn kulturell integrativer als es in Deutschland der Fall ist. Leider gibt es meines Wissens keine systematische intrakulturelle Forschung in Deutschland und die implizit Stress verursachenden intrakulturellen innerdeutschen Fragen werden, ebenso wie die Nationalfrage immer noch - auch unter der besonderen Bürde der ungelösten Immigrationsfragen - nach wie vor unter den Teppich gekehrt. Transparenz, Sachlichkeit, echte Demokratie und Pluralismus kann man nicht von oben verordnen, nicht einmal die Alliierten oder das nationale Bildungswesen oder die Medien vermögen es. Werte entstehen, existieren und wandeln sich in ihren eigenen Zeithorizonten.

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Titel: Der ‘Ewig-Deutsche‘: Verlust und Wiedergewinnung der deutschen kulturellen Identität