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Auswertung von Sturzereignisprotokollen

Projektarbeit 2012 37 Seiten

Pflegewissenschaften

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Verzeichnisse

1 Einführung in das Thema
1.1 Theoretischer Hintergrund
1.2 Definitionen
1.3 Epidemiologie des Sturzes
1.4 Expertenstandard „Sturzprophylaxe in der Pflege“
1.4.1 Risikofaktoren eines Sturzes
1.4.2 Folgen eines Sturzes

2 Fragestellungen

3 Methodische Vorgehensweisen
3.1 Einrichtung
3.2 Demografie der Bewohner
3.3 Erhebung der Daten

4 Ergebnisse
4.1 Sturzverteilung
4.2 Zeitverläufe
4.3 Sturzorte
4.4 Sturzfolgen
4.5 Pflegestufenverteilung bei Sturzereignissen
4.6 Sonstige Ergebnisse

5 Diskussion
5.1 Kritik zumMethodenbezug
5.2 Ergebnisdiskussion

6 Fazit

7 Zusammenfassung

8 Quellenverzeichnis

9 Anlagen

Anlage 1 Musterdarstellung Sturzereignisprotokoll

(Ausdruck laut Dokumentationssystem)

Anlage 2 Musterdarstellung Sturzereignisprotokoll (Ausdruck der Desktopdarstellung)

Anlage 3 Präsentation der Auswertung(Programm Microsoft Powerpoint) Igor Geyer/1088955

Verzeichnisse

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Igor Geyer/1088955 Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Grundriss der Einrichtung

Abb. 2: Verteilung der Sturzereignisse auf die Wohngemeinschaften

Abb. 3: Sturzereignisse in der Monatsverteilung

Abb. 4: Sturzereignisseim Tagesverlauf

Abb. 5: Auffindesituation bei Sturzereignissen

Abb. 6: Sturzfolgen

Abb. 7: Pflegestufenverteilung bei Sturzereignissen

Abb. 8: Aktivitäten vor dem Sturz

Igor Geyer/1088955 Seite 6 von

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Pflegestufenverteilung der Bewohner

Tab. 2: Verteilung der Mehrfachsturzereignisse

Hinweis zur Schreibweise

Zur Vereinfachung und besseren Lesbarkeit wird immer die männliche Form gewählt, jedoch weibliche und männliche gemeint.

Das Pflegewohnheim der AWO Elbe-Röder gGmbH in Rödern stand im Jahr 2010 vor der Veränderung seiner Ablauforganisation. Mit dem Projekt „Wohngemeinschaftskonzept näherdran™“ beabsichtigte der Träger der Einrichtung, die stark kritisierte, wirtschaftlich nicht organisierbare und personell überbelastete Organisationsform zu überdenken und neu zu gestalten. Um die Wirkung dieser Veränderung an Kennzahlen deutlich zu machen, erfolgte seitens des Trägers der Auftrag zur Auswertung von Sturzereignisprotokollen dieser vollstationären Pflegeeinrichtung aus dem Jahr 2009. Mit der Analyse des Jahres 2009 sollte ein Ist-Stand vor der Veränderung erhoben werden, der nach Abschluss des Projektes einer erneuten Auswertung gegenüber gestellt werden könnte.

Im Bereich der vollstationären Versorgung ist, durch den Gesetzgeber angestoßen, eine deutliche Entwicklung hin zu qualitätssichernden Maßnahmen in Gang gekommen. Der Qualitätsbegriff in der Pflege wird maßgeblich durch die Einteilung in Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität von Donabedian bestimmt, der in diesem Zusammenhang, nicht von einer Pflegequalität sondern schon seit den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts von Versorgungsqualität spricht. (vgl. Selbmann in Kolip 2002: 249) In diesem Zusammenhang ist auch die Erarbeitung des Expertenstandards Sturzprophylaxe in der Pflege zu bewerten. Einführung und Umsetzung wird auch durch Anwendungen bei Kontrollen und Heranziehung bei Rechtsstreitigkeiten gefördert. (vgl. Meyer 2006: 46-49)

1.2 Definitionen

Die Literaturlage zeigt, dass es keine eindeutige Definition zum Thema Sturz, beziehungsweise auch zum Thema Sturzproblematik, beziehungsweise auch zu Fragen des Sturzereignisprotokolls gibt. Es zeigt sich auch, dass es zu einem völlig unterschiedlichen Definitionsansatz kommt. Trotzdem hat sich eine Sturzdefinition, der sich auch das Deutschen Netzwerk für Qualitätssicherung in der Pflege (DNQP) in seinen Expertenstandard „Sturzprophylaxe in der Pflege“ angenommen hat, durchgesetzt. Darin heißt es, dass jedes Ereignis in dessen Folge eine Person ohne Absicht auf den Boden oder auf einer tiefer Ebene zum liegen kommt: Ein Sturz ist. Jedoch muss darauf hingewiesen werden, dass diese Definition sich an die des Kellogg International Work Group on the Prävention of Falls by the Elderly (1987) anlehnt und deren zweiten Teil, nach den Ursachen ausblendet, mit der Begründung, dass ein Teil der Stürze unbeobachtet von statten geht. (vgl. DNQP 2006: 23)

Eines der vier großen Probleme in der Pflege alter Menschen ist der Sturz. (vgl. Huhn 2010: 26) In Studien zeigt sich, dass die Sturzereignisse bestimmte Muster haben, bezogen zum Beispiel auf Alter, Pflegestufe und Menge der Sturzereignisse pro Person. (vgl. Simke / Buttler / Klewer 2008: 2-3).

In einer geriatrischen Klinik wurden prospektiv über einen 3-jährigen Zeitraum sämtliche Sturzereignisse stationär behandelter Patienten standardisiert erfasst. Stürze wurden häufiger bei männlichen Patienten registriert. Mehrfachstürze (>3 Stürze), die 13% aller 1596 Sturzereignisse ausmachten, betrafen Männer ebenfalls häufiger als Frauen. Die Mehrzahl registrierter Stürze (73,5%) ereignete sich im Patientenzimmer, weitere 20% zwischen Patientenzimmer und Nasszelle bzw. in der Nasszelle (Toilette und Bad). Die absolute Anzahl registrierter Sturzereignisse während des Tages (6-18 Uhr) und während der Nacht (18-6 Uhr) unterschied sich nicht. Stürze zeigten jedoch in Abhängigkeit der Hauptdiagnose-Gruppen unterschiedliche zeitliche Verteilungsmuster. Desorientiertheit und Flüssigkeitsmangel waren als Begleitumstände häufiger bei Stürzen über 80-jähriger Patienten, sowie häufiger bei nächtlichen Sturzereignissen dokumentiert. (vgl. W. von Renteln-Kruse, T. Krause 2004: 9­14).

In der von Adner/Klewer 2011 vorgelegten Studie zum Thema der Analyse von Sturzereignissen in vollstationären Einrichtungen lassen sich als Risikofaktoren besonders Seh- und Hörschwäche, Demenz, Depression, gebeugte Körperhaltung Herzinsuffizienz aufzeigen, bei den medikamentösen Einflüssen sind besonders Psychopharmaka, Diuretika, Antihypertonika sowie Antiarrhythmika hervorzuheben. In dieser Studie waren auch besonders Bewohner, welche einer Pflegestufe 1 und 2 zugeordnet waren, mit 80% an den Sturzereignissen beteiligt. (vgl. Adner/Klewer 2011: 39) Igor Geyer/1088955 Seite 10 von 39

1.4 Expertenstandard „Sturzprophylaxe in der Pflege“

Das DNQP erarbeitete in Kooperation mit der Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) und der Fachhochschule Esslingen in einer Expertengruppe in den Jahren 2001 bis 2006 den Expertenstandard „Sturzprophylaxe in der Pflege. Dabei war es ausgewiesenes Ziel, Pflegewissenschaft, Pflegepraxis und Patientenvertretung in einem dialogischen Verfahren einzubinden. (vgl. DNQP 2006: 12-13) Der Standard entstand nach dem Auftreten und der Häufung von Pflegeproblemen in den Pflegeeinrichtungen, auch um die Schaffung eines einheitlichen und allgemein anerkannten Qualitätsniveaus im Umgang mit diesen voranzutreiben. (vgl. Meyer 2006: 34)

Der Expertenstandard „Sturzprophylaxe in der Pflege“ hat sich das Ziel gesetzt Stürze und deren Folgen zu vermeiden, jedoch das allgemeine Risiko eines Sturzes nicht auszublenden. (vgl. DNQP 2006: 23-24) Die Handlungsschritte wurden in die Bereiche Struktur, Prozess und Ergebnis eingeteilt und in sechs Ebenen untergliedert, dabei geht es immer um ein erhöhtes Sturzrisiko. (vgl. DNQP 2006: Abb.3)

1.4.1 Risikofaktoren eines Sturzes

Zu den Ursachen eines Sturzes beschreibt Huhn die Kategorien extrinsische und intrinsische Faktoren. Wobei die extrinsischen Faktoren das die betroffene Person umgebende Umfeld bewertet, die intrinsischen Faktoren in der betroffenen Person begründet sind. (vgl. Huhn 2002: 729) Dieser Einteilung folgt auch das DNQP in seinem Expertenstandard „Sturzprophylaxe in der Pflege“, darin werden als intrinsische Faktoren beschrieben:

- Funktionseinbußen und Funktionsbeeinträchtigungen
- Sehbeeinträchtigung
- Beeinträchtigung der Kognition und Stimmung
- Erkrankungen, die zur kurzzeitigen Ohnmacht führen
- Ausscheidungsverhalten
- Angst vor Stürzen
- Sturzvorgeschichte
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und als extrinsische Faktoren werden beschrieben:
- Verwendung von Hilfsmitteln
- Schuhe (Kleidung)
- Medikamente
- Gefahren in der Umgebung (innerhalb oder außerhalb von Räumen und Gebäuden). (vgl. DNQP 2006: Tab. 1)

Jedoch beschreiben Pierobon und Funk, dass die meisten Stürze durch das Zusammenwirken mehrerer Faktoren verursacht werden. Danach tritt ein Sturz ein, wenn mehrere Einflussfaktoren in einer Situation nicht mehr ausgeglichen werden können. (vgl. Pierobon/Funk 2007: 25) Diese Ansicht teilen auch Kwekat und Huhn. (vgl. Kwekat 2009: 252; vgl. Huhn 2010: 26)

1.4.2 Folgen eines Sturzes

Stürze können physische und psychische Folgen hervorrufen. (vgl. DNQP 2006: 47) Diese können bis zum Tode der Betroffenen führen. In den USA stellen bei Menschen über 65 Jahren Stürze und deren Folgen eine der häufigsten Todesursachen dar. (vgl. Tideiksaar 2000: 21) Aber auch für die nicht unmittelbar Betroffenen können Sturzfolgen beschrieben werden, so gehören zum Beispiel Schuldgefühle, Selbstvorwürfe und Schuldzuweisungen dazu. (vgl. Tideiksaar 2000: 28) Nicht zuletzt lassen sich auch für die betreuenden Einrichtungen, etwa Mehraufwand bei Personal, Kosten als Sturzfolgen darstellen. (vgl. Tideiksaar 2000: 29) Auch für das Gesundheitssystem werden die sturzbedingten Folgekosten relevant und erreichen erhebliche wirtschaftliche Konsequenz. So betragen zum Beispiel die Kosten für medizinische Behandlungen von Hüftverletzungen jährlich bis zu 2 Milliarden Euro. (vgl. Rapp/Becker 2009: 25)

Über die Folgen für den Betroffenen hinaus, gibt es auch Folgen für Angehörige, begleitende Institutionen und damit auch gesamtgesellschaftliche Folgen. (vgl. Tideiksaar 200: 23) Nach mehrjähriger Anwendung des Expertenstandards Sturzprophylaxe in der Pflege in einer vollstationären Einrichtung eines Trägers der Freien Wohlfahrtspflege, war es Aufgabe dieses Projektes, auf folgende Fragen Antworten zu finden:

- Wie verteilen sich die Sturzereignisse auf die einzelnen Variablen:
„Wohnbereich“,
„Wohngemeinschaft“,
„Stunde der Ereignisses“, und
„Monat des Ereignisses“?
- Geben die Protokolle Rückschlüsse auf mögliche Problemfelder in den Bereichen:
Hilfsmittel,
Ereigniszeitpunkt des Sturzes,
Alter und Pflegestufe der Bewohner,
Menge der Stürze?
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3 Methodische Vorgehensweisen

3.1 Einrichtung

Das Pflegewohnheim der AWO Elbe-Röder gGmbH befindet sich in der Gemeinde Ebersbach bei Radeburg. Das Objekt wurde im Jahre 2003 eingeweiht und bietet 60 pflegebedürftigen Menschen Platz, in je vier Wohngemeinschaften auf zwei Etagen. (vgl. AWO Elbe-Röder gGmbH 2009: 2).

Der Grundriss zeigt eine deutliche Wohngemeinschaftsstruktur, diese ist in beiden Wohnbereichen baulich gleich. (Abb. 1)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Grundriss der Einrichtung

Das Versorgungskonzept ist stark durch die Gebäudestruktur geprägt und entspricht einer Funktionspflege, mit dem Versuch, sich über die Zuweisung der Dokumentation an festgelegte Pflegefachkräfte, an ein Bezugspflegekonzept anzunähern. Die Personalausstattung entspricht den verhandelten Kenngrößen. Das Dienstsystem sichert die ununterbrochene Anwesenheit von Pflegefachkräften.

Es lebten im Zeitraum der Untersuchung in der Einrichtung 79 unterschiedliche Bewohner von denen waren 11 männlichen Geschlechts und 68 weiblichen Geschlechtswaren. Die Verteilung der Pflegestufen zeigt 25,3% in der Pflegestufe 1, 55,7% in der Pflegestufe 2 und 19,0% in der Pflegestufe 3. (Tab. 1)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Durchschnittsalter der Bewohner lag bei 80,6 Jahren, die weiblichen Bewohner hatten ein Durchschnittsalter von 80,3 Jahren und die männlichen Bewohner von 82,4 Jahren.

3.3 Erhebung der Daten

Nachdem im Jahr 2008 durch eine Insolvenz begründeten Trägerwechsel kam es zur Einführung des PC gestützten Pflegedokumentationssystems der Firma DAN- Produkte GmbH. (vgl. AWO Elbe-Röder gGmbH 2009: 7-11) Dieses Programm mit dem Namen „DAN-Touch“ umfasst auch das Sturzereignisprotokoll, welches zur Auswertung für das gesamte Jahr 2009 herangezogen wurde. Es enthält, wie auch im Expertenstandard „Sturzprophylaxe in der Pflege“ vorgegeben (vgl. DNQP 2006, S. 92-93):

- Sturzzeitpunkt
- Situationsbeschreibung
- Aktivitäten vor dem Sturz
- Ort des Sturzes
- Zustand vor dem Sturz
- Sturzfolgen
- eingeleitete Folgemaßnahmen

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Somit handelt es sich um eine retrospektive deskriptive Dokumentenanalyse, wobei die einzelnen Variablen der Häufigkeit und/oder des Auftretens nach gezählt wurden. Es wurden im Erhebungszeitraum des Jahres 2009 163 Sturzereignisprotokolle erstellt.

[...]

Details

Seiten
37
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656209706
ISBN (Buch)
9783656211990
Dateigröße
4.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v195120
Institution / Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule
Note
1,0
Schlagworte
Pflege Sturz Sturzereignis Altenpflege

Autor

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