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Die Digitalisierung des terrestrischen Fernsehens

Eine Policy-Analyse

Hausarbeit 2006 17 Seiten

Medien / Kommunikation - Medienökonomie, -management

Leseprobe

Gliederung

Einleitung

1.Problemdefinition
1.1 Vorüberlegungen
1.2 Akteure
1.3 Stand der Dinge
1.4 Was ist Digitales Fernsehen?

2. Agendagestaltung

3. Politikformulierung
3.1 Kommunikationsordnung (Bertelsmann Stiftung)
3.2 Initiative „Digitaler Rundfunk“ (IDR)
3.3 1. Beschluss
3.4 2. Beschluss
3.5 Medienstaatsvertrag

4. Politikimplementation
4.1 Interessengruppen
4.2 Herausforderungen
4.3 Zeitrahmen
4.4 Pilotprojekt Berlin Brandenburg
4.5 Nutzerkosten

5. Zwischenevaluation
5.1 Vorteile des digitalen Rundfunks
5.2 Vorteile des DVB-T für den Endverbraucher
5.3 Nachteile des DVB-T

6. Termination/Evaluation

Anhang

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit stellt eine Auseinandersetzung mit der Einführung der Digitalisierung des terrestrischen Fernsehens mit Hilfe einer Policy Analyse dar. Auf Grundlage dieser Policy Analyse findet vorerst eine Problemdefinition statt, in der kurz der Stand der Dinge erläutert wird und die Akteure vorgestellt werden. In der Agendagestaltung werden Fragen betreffend der Einführung der Digitalisierung aufgeworfen, die im Rahmen der Politikformulierung beantwortet werden. Die Umsetzung der Digitalisierung des terrestrischen Fernsehens wird anhand des Pilotprojektes Berlin-Brandenburg in der Politikimplementation veranschaulicht. Nachdem in der Zwischenevaluation Vor- und Nachteile des digitalen terrestrischen Fernsehens diskutiert werden, schließt die Arbeit mit der Termination, in der versucht wird, einen Ausblick über die Situation der Digitalisierung des terrestrischen Fernsehens zu geben.

1.Problemdefinition

1.1 Vorüberlegungen

Die Policy weist eine distributive Beschaffenheit auf, da in der Bereitstellung der digitalen Rundfunkübertragung von einem Gleichbehandlungsprinzip ausgegangen werden kann1. Als Steuerungsprinzip werden Anreize genutzt, um einen Mehrwert für die Nutzer, neue Märkte und geringere Kosten für Betreiber zu schaffen.

1.2 Akteure

Bei den Akteuren, die an der Durchführung der Digitalisierung des terrestrischen Fernsehens beteiligt sind, handelt es sich um die Bertelsmann Stiftung und die Initiative „Digitaler Rundfunk“ (IDR), die vom Bundeswirtschaftsministerium und den Ländern geleitet wird. Der IDR gehören Vertreter von Bund und Ländern (Bundesministerium des Innern, der Justiz, der Finanzen, der Verteidigung, für Bildung und Wissenschaft, Forschung und Technologie), des öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunks, der Dienste- und Inhalteanbieter, der Netzbetreiber (Satellit, Kabel, terrestrische Verteilwege), der Geräteindustrie, des Handels und Handwerks, der Verbraucherverbände und einiger wissenschaftlicher Institute an. Die Medienanstalt Berlin Brandenburg (mabb) wird innerhalb dieser Policy näher betrachtet.

1.3 Stand der Dinge

In nahezu allen Bereichen der Telekommunikations- und Informationstechnik hat sich die Digitalisierung bereits als ökonomisch überzeugender Weg zu einer qualitativ und quantitativ besseren Nutzung der Ressourcen erwiesen. Die Digitalisierung des Fernsehens schafft die notwendige Voraussetzung für das Zusammenwachsen von Informations- und Kommunikationstechniken. Bereits seit Mitte der 90-er Jahre existiert das Digitale Fernsehen in Deutschland. Die Digitale Pay-TV Plattform DF1 (heute Premiere) startete 1996 zuerst mit ihren digitalen Fernsehangeboten. Die Sender ARD, ZDF und RTL folgten im Jahr 1997 mit der digitalen Ausstrahlung ihrer Kanäle. Eingangs wurden die Programme im Simulcasting (analoge und digitale Ausstrahlung gleichzeitig) über ASTRA und Eutelsat gesendet. Mittlerweile werden die digitalen Angebote von ARD, ZDF und Premiere auch über Kabel gesendet. Seit dem 04.08.2003 wird im Großraum Berlin Potsdam nur noch die digitale Übertragung über Antenne (terrestrisch) empfangen. Im Schaubild ist zu erkennen, dass der erreichte Anteil der digitalen Fernsehhaushalte in Deutschland mit 8% im Vergleich zu den restlichen europäischen Staaten noch sehr gering ist.2

Anzahl der digitalen Fernsehhaushalte in Europa in %

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.4 Was ist Digitales Fernsehen?

Das europäische DVB-Projekt (DVB = Digital Video Broadcasting) hat sich die Entwicklung und Einführung von Digitalem Fernsehen in Europa zur Aufgabe gemacht. Ziel ist die gemeinsame und koordinierte Erarbeitung von Systemen und Standards, mit denen das digitale Fernsehen in Europa via Satellit (DVB-S = Digital Video Broadcasting Satellite), Kabel (DVB-C = Digital Video Broadcasting Cable) und terrestrischer Ausstrahlung (DVB-T = Digital Video Broadcasting Terestrial) möglich wird.3 Bei der Digitalisierung des Rundfunks geht es vorrangig um den Übergang von der analogen zur digitalen Hörfunk- und Fernsehtechnik. Die Einführung der Digitalisierung geht natürlich zulasten der analogen Übertragungstechnik. Allgemein muss man sich die Digitalisierung als einen technischen Vorgang vorstellen, bei dem alle Informationen in den binären Code, also in Einsen und Nullen, zerlegt und beim Empfänger wieder zu Bildern, Tönen, Texten oder sonstigen Daten zusammengesetzt werden.

2. Agendagestaltung

Bei der Agendagestaltung spielen die folgenden Fragen eine Rolle:

- Welche Gründe hat die Umstellung?
- In welchem Zeitrahmen soll die Umstellung erfolgen?
- Was soll zu erst geschehen, was später?
- Welche technischen Vorrausetzungen sind notwendig?
- Wie soll die Umstellung finanziert werden?

3. Politikformulierung

3.1 Kommunikationsordnung 2000 und Kommunikationsordnung 2010 der Bertelsmann Stiftung

Bei der Kommunikationsordnung 2000 handelt es sich um ein im Januar 1997 veröffentlichtes Grundsatzpapier der Bertelsmann Stiftung. 2001 erfolgte die Fortschreibung dieses Papiers in der Kommunikationsordnung 2010 unter Einbeziehung der digitalen Revolution. Dieses Papier macht einen Sprung in das Jahr 2010, um Zielvorstellungen für eine zukünftige Kommunikationsordnung zu entwickeln. Außerdem gibt sie Empfehlungen für eine bevorstehende Entwicklung in der Kommunikationsbranche und legt nahe, dass die gesellschaftliche Verantwortung und die erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung im Einklang miteinander laufen sollen.

3.2 Initiative „Digitaler Rundfunk“ (IDR)

Auf der Basis der Kommunikationsordnung 2000 wurde die „Initiative Digitaler Rundfunk“ (IDR) gegründet. Sie wurde vom Bundeswirtschaftsministerium am 17.12.1997 eingesetzt und zielt auf die vollständige Umstellung von der analogen zur digitalen Fernsehübertragung ab. Die Bundesregierung legte den 01.01.2010 als Datum für das Abschalten der analogen Rundfunkübertragung fest. Die Aufgaben der IDR bestehen in der Erarbeitung von tragfähigen Szenarien für die Einführung des digitalen Rundfunks sowie künftiger multimedialer Dienste. Als einen ersten Schritt präsentierte die Initiative a.u. eine Strategie für den Digitalisierungsprozess und das Auslaufen der analogen Fernsehübertragung in einem Bericht, der dem Bundeskabinett vorgelegt wurde. Auf Grundlage des Berichtes entwickelten die Beteiligten weitere Vorgehensweisen, die im „Startszenario 2000“ festgehalten sind. In diesem Startszenario werden grundsätzliche Aussagen zur Digitalisierung der Rundfunkübertragung einschließlich des Rechtsrahmens, u.a. für die Frequenzzuteilung, die Abschaltung der analogen Übertragung und die Kapazitätsnutzung gemacht.4

3.3 1.Beschluss

Im Zuge dieser Digitalisierungsvorstellungen wurden vom Bundeskabinett zwei Beschlüsse herausgegeben, nach denen sich die Digitalisierung richten sollte. Der 1. Beschluss des Kabinetts vom 17.12.1997 stellt fest, dass der Vorschlag des Bundesministers für Post- und Telekommunikation (Rechtsnachfolger Wirtschaftsministerium), eine Initiative zu gründen, durch den Beschluss der Regierung Kohl für rechtskräftig befunden wird. Die beteiligten Akteure sollen bis zum 01.06.1998 einen Strategievorschlag für den Übergang zum digitalen Rundfunk entwickeln und dabei eine besondere Fokussierung auf Multimedia- Dienste legen.5

3.4 2. Beschluss

Im 2. Beschluss des Kabinetts vom 24.08.1998 wird festgehalten, dass die Bundesregierung dem vorliegenden Bericht der IDR zustimmt. Des Weiteren soll die Umstellung sowohl den Ansprüchen und Interessen von Konsumenten, als auch den Ansprüchen und Interessen von Anbietern gerecht werden. In der Digitalisierung werden wirtschaftliche, technische als auch gesellschaftliche Vorteile gesehen, welche sich positiv auf den internationalen Wettbewerb auswirken können. Im Beschluss wird die zeitliche Limitierung auf das Jahr 2010 mit Überprüfung im Jahr 2003 geregelt. Für die Realisierung des Zeitplans wird die IDR als notwendig angesehen; ihr Fortbestehen ist demnach erforderlich. Es wird weiterhin angemerkt, dass die Bundesregierung im Rahmen ihrer Zuständigkeiten die Umsetzung begleiten wird. Dabei trägt sie Sorge für eine marktwirtschaftliche Umsetzung, für Ressourcenoptimierung und der damit verbundene Entstehung von Vorteilen für die Volkswirtschaft und die Bürger. Es besteht eine Dringlichkeit in der Förderung der Akzeptanz der digitalen Systeme. Die Akteure sollen die Entwicklung rasch vorantreiben. Als letzter Punkt wird beschlossen: „Der Bericht soll dem Deutschen Bundestag und dem Bundesrat zugeleitet werden.“6

3.5 Medienstaatsvertrag

Im November 1998 wurde der Medienstaatsvertrag zugunsten des Pilotprojektes Berlin Brandenburg geändert. Der im Vertrag festgehaltenen § 46 regelt die Mitwirkung der Medienanstalt an der Umstellung auf die digitale Übertragung und ermächtigt sie, Regelungen für die Vergabe von Frequenzen (digital terrestrisch) zu treffen (z.B. Kapazitäten für Rundfunkprogramme, Mediendienste und sonstige Angebote).

4. Politikimplementation

4.1 Interessengruppen

Die Nutzer, die Industrie und die öffentlichen Einrichtungen sind die wesentlichen treibenden Kräfte für den digitalen Übergang. Sie unterscheiden sich dabei in ihren Interessen. Die Verbraucher legen Wert auf zusätzliche Programme, eine bessere Bild- und Tonqualität und erweiterte bzw. interaktive Dienste. Die Industrie sieht in der Digitalisierung in erster Linie die Erzeugung neuer Geschäftsmöglichkeiten. Die dritte Interessengruppe sind die öffentlichen Einrichtungen, die sich eine Verbesserung der Qualität von Rundfunkdiensten und eine Rückgewinnung eines Teils der Frequenzen erhoffen.

[...]


1 Vgl. Windhoff-Heritier, Adrienne: Policy-Analyse. Eine Einführung. Frankfurt/Main, New York, 1987, S. 23

2 Vgl. Zervos, Frank: Digitales Fernsehen in Deutschland. Medienpolitische und Medienwirtschaftliche Herausforderungen des zukünftigen Fernsehens, Wiesbaden, 2003, S. 13-14

3 Vgl. Zervos, Frank: Digitales Fernsehen in Deutschland. Medienpolitische und Medienwirtschaftliche Herausforderungen des zukünftigen Fernsehens, Wiesbaden, 2003, S.143

4 http://www.bmwi.de/BMWi/Redaktion/PDF/Publikationen/Dokumentationen/digitaler-rundfunk- 2000-dokumentation-481,property=pdf,bereich=bmwi,sprache=de,rwb=true.pdf (06.08.2006)

5 Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft (Hrsg.): Initiative der Bundesregierung „Digitaler Rundfunk“, September 1998.

6 Vgl. Bundesministerium für Wirtschaft (Hrsg.): Initiative der Bundesregierung „Digitaler Rundfunk“, September 1998.

Details

Seiten
17
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783656211556
ISBN (Buch)
9783656212591
Dateigröße
932 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v195276
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft
Note
2,0
Schlagworte
Digital Digitalsierung TV Fernsehen Digitalfernsehen terrestrisch Terrestrik Massenkommunikation Medienökonomie Medien Ökonomie Politik Kommunikationspolitik Rundfunk Digitaler Medienrecht IDR Rundfunkübertragung öffentlich-rechtlich öffentlich rechtlich privater DVB DVBT

Autor

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