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Ungleichheit in der Bildung in Deutschland

...existiert nach wie vor und hat vielfältige Gründe

Hausarbeit 2005 18 Seiten

Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Bildung, Erziehung und soziale Schichtung in Deutschland
2.1 Erziehung
2.2 Bildung
2.3 Soziale Schichtung

3 Gesellschaftsbedingte Ungleichheit der Bildung in der Bundesrepublik Deutschland
3.1 Ungleichheit der Bildung als Folge unterschiedlicher sozialer Herkunft
3.2 Ungleichheit der Bildung als Folge unterschiedlichen Geschlechts
3.3 Anderweitig bedingte Ungleichheit der Bildung

4 Resümee

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Ursachen von Ungleichheit in der Bildung sind, das steht wohl außer Frage, nicht so sehr in der naturgemäßen Verschiedenheit der Menschen bezüglich ihrer Begabungen und Interessen zu finden. Vielmehr sind es in erster Linie seit jeher die Strukturen innerhalb der jeweiligen Gesellschaft, welche einigen Menschen den Zugang zur Bildung gewähren, anderen aber erschweren oder verwehren.

Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist die diesbezügliche Situation in Deutschland. Dabei soll die Lage auch unter Berücksichtigung ihres Entstehens beleuchtet werden, und es wird zunächst gelten, den Begriff der „Bildung“ hinreichend zu definieren. Der Unterschied zwischen Bildung und Erziehung wird deutlich werden. Und es wird augenscheinlich werden, dass der eigentliche Anspruch des Wortes „Bildung“ in unserer Gesellschaft oftmals geschrumpft ist auf eine Mixtur aus Erziehung und angesammeltem Wissen. Jedenfalls, was die Erziehungsziele des Staates angeht, bleiben humanistisch-geistige Ideale dabei zu sehr im Hintergrund. Das werden sie daher auch im 3. Kapitel dieser Untersuchung bleiben, welches sich vor allen Dingen mit den realen Gegebenheiten in Deutschland befasst.

Der demokratische Staat versäumt in gewissem Maße die Erziehung der Bevölkerung zur Bejahung der Demokratie und des Humanismus. Die in der Verfassung garantierten Grundrechte auf Gleichheit, freie Berufswahl oder Freiheit der Person sollten aber unbedingt gewährleistet sein, und ein ausgeglichenes Bildungsniveau aufgrund gleicher Bildungschancen für alle ist eine der vornehmsten Voraussetzungen für die Verwirklichung dieser Grundrechte. Ob, und wenn ja, wo Ungleichheit in der Bildung in Deutschland heute anzutreffen und worauf sie zurückzuführen ist, darauf soll eine Antwort gefunden werden.

2 Bildung, Erziehung und soziale Schichtung in Deutschland

2.1 Erziehung

Wenn heutzutage von Erziehung die Rede ist, geht man generell davon aus, dass es in der Entwicklung des Menschen eine Kindheits- und eine Erwachsenenphase gibt. Nach heutiger Einteilung unterscheidet man Säugling, Baby, Kleinkind, Vorschulkind, Schulkind, Jugendliche (nämlich solche in der Pubertät) und Heranwachsende. Auch in der pädagogischen und sozialpsychologischen Literatur ist diese Einteilung zu finden. Eine solche Untergliederung des menschlichen Lebens in altersbedingte Phasen ist indessen relativ jungen Datums; und zwar insbesondere zur Zeit der Aufklärung, als Pädagogen wie John Locke (1632-1704) und Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) die Aufmerksamkeit auf das Kindsein als eine vom Erwachsensein sich unterscheidende Phase lenkten. Die Pubertät jedoch ist kultur- und klassenspezifisch. In sogenannten „primitiven“ Gesellschaften werden die Kinder schon relativ früh durch das Erlernen praktischer Fertigkeiten auf die baldige Erwachsenenrolle vorbereitet, in die sie meist in Form von Initiationsriten überwechseln. Erst die bürgerliche Gesellschaft des 19.Jahrhunderts emanzipierte das Kind, indem einerseits die Schulpflicht eingeführt und die Kinderarbeit verboten und damit andererseits die Pubertät als angemessene Übergangsphase vom Kind zum Erwachsenen eingeräumt wurde. Der geistige Reifungsprozess sollte also parallel zum körperlichen Reifungsprozess stattfinden können. Es gab dann eigens Kinder- und Jugendliteratur, Kinderkleidung, das Recht der Kinder zum Spielen und Herumtoben, und bald auch Jugendbewegungen. Die Trennung der Kinderwelt von der Welt der Erwachsenen reichte bis hin zur totalen Abschirmung der Kinder von Sexualität, Gewalt, Krankheit und Tod. Im 17.Jahrhundert hingegen waren Kinder beispielsweise aus Gründen der Abschreckung noch grundsätzlich bei öffentlichen Hinrichtungen dabei gewesen. Ein solches Mittel der Erziehung würde heute Entsetzen hervorrufen, aber der Zugang unserer Kinder zu Gewalt in den Medien wird weitgehend akzeptiert.

Die Abschirmung der Kinder von den negativen Seiten des realen Lebens ist ein Phänomen, das sich erst im 20.Jahrhundert etabliert hat – unterstützt auch durch eine verbesserte Situation der Arbeiterschaft, sodass Kinderarbeit nicht mehr praktiziert wurde. Bei allen auf der Hand liegenden Vorteilen erschwert dies allerdings die Erziehung von Kindern zu Menschen, die den Ansprüchen und Problemen der modernen Gesellschaft gewachsen und in der Lage sind, die Kluft zur Erwachsenenwelt zu überbrücken und den Schritt in das wirkliche Leben zu tun. Unsere Kinder sind allzu oft ungenügend vorbereitet auf den „Ernst des Lebens“ und auf Sekundärtugenden wie Hilfsbereitschaft und Verantwortung, da sie diese in der immer länger gewordenen Kindheit nicht haben erlernen müssen. Würde die geistige Entwicklung mit der körperlichen Schritt halten, wären wohl auch die ungewollten Schwangerschaften pubertierender Mädchen seltener.

Erziehung bedeutet zuvörderst Vermittlung ethischer und moralischer Maßstäbe. Voraussetzung dafür jedoch ist, dass die Erziehungsberechtigten (die ebenso gut zur Erziehung Verpflichtete sind) die notwendige Zeit und die Fähigkeit dazu haben. Die Gesellschaft als ganze wiederum muss ihre Wertegrundlagen lebendig erhalten und glaubhaft vermitteln können. In einer kapitalistisch-demokratischen Wohlstandsgesellschaft scheint eine werte- und systembejahende Haltung auch zur Demokratie und zum Humanismus keineswegs selbstverständlich zu sein. Anfänge werden gemacht, indem z.B. die Sensibilität der Kinder und Jugendlichen den Umweltproblemen gegenüber genutzt und gefördert wird. Wie soll die Menschheit denn auch das Problem der Umweltzerstörung in den Griff bekommen, wenn die nächste Generation aus den Fehlern der jetzigen zu lernen nicht im Stande ist? Hilfreich für die Bewältigung übertriebener Abschottung des Kindes von der realen Welt sind heute Medien aller Art, welche aber andererseits auch Schaden anrichten können. Hier das richtige Maß zu finden und selektiv vorzugehen, ist ebenso schwierig wie wichtig. Was in der Erziehung versäumt worden ist, kann in der Bildung und Ausbildung nicht leicht nachgeholt werden. Jedoch existieren neben unterschiedlichen Bildungschancen eben auch unterschiedliche Erziehungsvoraussetzungen. Wenn das Kind heutzutage überhaupt noch in einer Familie aufwächst, so ist diese in der Regel zu klein, um soziales Verhalten und soziale Kompetenzen erlernen zu können. Die Bildung des Erziehenden ist maßgeblich für Effektivität und Qualität der Erziehung.

Die Bedeutung der Erziehung für die Persönlichkeitsentwicklung wird auch deutlich, wenn man berücksichtigt, dass es für die Demokratie geradezu lebenswichtig ist, schon Kindern die demokratischen Werte zu vermitteln; auch vor dem Hintergrund von Gewaltexzessen durch Kinder und Jugendliche. Überdies hat die Geschichte bewiesen, dass auch Hass und Gewalt manchmal in Verbindung mit Gehorsam stehen und anerzogen werden können.

2.2 Bildung

„Bildung ist im eigentlichen Sinne Vorgang und Ergebnis einer geistigen Formung des Menschen, in der er als instinktmäßig nicht festgelegtes Wesen in Auseinandersetzung mit der Welt, besonders mit den Gehalten der Kultur, zur vollen Verwirklichung seines Menschseins, zur Humanität gelangt.“[1]

Zu einem erziehungsphilosophischen Fachbegriff wurde Bildung im 18.Jahrhundert durch Pestalozzi und Wilhelm von Humboldt. Der Terminus „Bildung“ trat jetzt neben den herkömmlichen der „Erziehung“. Bildung gilt heute vor allem als lebenslange, nie endgültig abschließbare Leistung der Eigentätigkeit und Selbstbestimmung des sich bildenden Menschen.[2] Wenn wir uns dieser Definition anschließen, so folgern wir, dass ein Mensch gut erzogen sein kann, ohne besonders gebildet zu sein; Bildung erfordert die Anwendung, Entwicklung und Öffnung des menschlichen Geistes für die Umwelt und kann demnach durch Erkenntnis, Erfahrung und Lernbereitschaft sowohl die Erziehung ergänzen als auch eine als falsch empfundene Erziehung ersetzen. Hat der Mensch Interesse, Zeit, Gelegenheit und Möglichkeit, seinen Verstand zu gebrauchen, so kann er sich selbst bilden und auch sich selbst ein Stück weit erziehen. Dabei genügt keinesfalls die bloße Anhäufung eventuell auswendig gelernten Wissens. Es müssen vielmehr Schlüsse aus den erworbenen Kenntnissen gezogen werden, wobei idealerweise die Maxime des kategorischen Imperativs von Immanuel Kant gelten sollte.

Auch eine gewandte Sprache wird als Teil und Ausdruck von Bildung begriffen, ebenso wie gutes Benehmen. Die Berufsausbildung wiederum ist Teil der Bildung. Wer aber ein Fachgebiet beherrscht, ist keineswegs bereits „gebildet“ im gesellschaftlichen Sinne. Wer auf dem Weg, sich zu bilden, weit genug vorangeschritten ist, wird sich nichts „Falsches“ mehr anerziehen lassen. Bildung ist demokratisch gesehen wertvoller als Erziehung, denn sie gibt dem Menschen die Möglichkeit des Hinterfragens. Er kann eigene Wertmaßstäbe entwickeln und Ziele formulieren.

[...]


[1] Großer Brockhaus, Bd.3, S.128

[2] ebd.

Details

Seiten
18
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783656215837
ISBN (Buch)
9783656216537
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v195434
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Sociology
Note
Schlagworte
ungleichheit bildung deutschland gründe

Autor

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Titel: Ungleichheit in der Bildung in Deutschland