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Ganz kurz mal: Die Modalpartikel 'mal' als Zeichen der Höflichkeit und das Problem ihrer Übersetzbarkeit am Beispiel des brasilianischen Portugiesisch

Hausarbeit 2011 22 Seiten

Didaktik - Deutsch - Deutsch als Fremdsprache

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Modalpartikel mal und ihre Bedeutung
2.1 Mal in Verbindung mit anderen Modalpartikeln
2.1.1 ja + mal
2.1.2 doch + mal
2.1.3 schon + mal
2.1.4 eben/halt + mal
2.1.5 nun + mal
2.1.6 ruhig + mal
2.2 Mal in Verbindung mit Adverbien

3. Modalpartikeln und Höflichkeit
3.1 Mal als Anzeichen von Höflichkeit
3.2 Die unfreundliche Wirkung von mal

4. Das Problem der Übersetzbarkeit von Modalpartikeln aus kontrastiver Sicht
4.1 Forschungsergebnisse zu portugiesischen Modalpartikeln
4.2 Die Übersetzung deutscher Modalpartikeln ins brasilianische Portugiesisch am Beispiel von Kafkas „Der Prozess“
4.2.1 Vorgehensweise und Testmaterial
4.2.2 Auswertung
4.2.3 Die deutschen Modalpartikeln und ihre Möglichkeiten der Wiedergabe im brasilianischen Portugiesisch - eine Gegenüberstellung

5. Fazit und Ausblick: Modalpartikeln im DaF-Unterricht

6. Literaturverzeichnis

Anhang

1 Einleitung

„[...] es gilt geradezu als unfein und wenig höflich, einfach zu sagen, was man will. ‚Geben Sie mir, bitte, die Streichhölzer!‘ - das ist eine ausgemachte Grobheit. ‚Geben Sie mir doch mal, bitte, eben die Streichhölzer!‘ muss es heißen.“ (Kurt Tucholsky 1981:92).

Im Gegensatz zu vielen anderen Sprachen, werden im Deutschen repräsentative und direktive Sprechhandlungen vorrangig mit lexikalischen Mustern abgeschwächt, die aus Kollokationen von Partikeln bestehen. Die Modalpartikel mal zieht zum einen zahlreiche andere Modalpartikeln und zum anderen wirkungsgleiche Modalverben sowie idiomatisierte Wendungen an. Diese Verbindungen mit mal bilden ein Netz abschwächender Mittel, die in Sprechakten routinemäßig reproduziert werden, um Höflichkeit auszudrücken. Doch spricht man mit Modalpartikeln, insbesondere mit mal, wirklich höflicher? Gibt es verschiedene Wirkungsweisen, die bei der Verwendung von Modalpartikeln zu beachten sind? Diesen Fragestellungen wird im ersten Teil der vorliegenden Arbeit nachgegangen. Einführend wird ein allgemeiner Überblick über die häufigsten 1 Verbindungen mit mal und anderen Modalpartikeln gegeben. Anschließend wird der Frage nachgegangen, inwieweit die Modalpartikel mal zur Höflichkeit beiträgt.

Das Problem der Übersetzbarkeit deutscher Modalpartikeln wurde mehrfach in der Literatur diskutiert. Auch die vorliegende Arbeit soll sich dieser Forschungsfrage widmen. Als Zielsprache wird hierbei das brasilianische Portugiesisch verwendet. Das Hauptziel dieses Teils der Arbeit ist es, herauszufinden, ob die möglicherweise existierenden Pendants eine Hilfe bei der Vermittlung von Modalpartikeln im Fremdsprachenunterricht (FSU) sein können. Grundlage hierfür sind zunächst die Forschungsergebnisse zu portugiesischen Modalpartikeln. Anschließend werde ich das erste Kapitel von Kafkas „Der Prozess“ in der deutschen Originalsprache und der portugiesischen Übersetzung „O processo“ auf die darin verwendeten übersetzten Modalpartikeln untersuchen. Ich beschränke mich dabei auf die Modalpartikel mal und die in Abschnitt 2 dargestellten Kollokationen. Anhand dieser Ergebnisse und mit Hilfe des „Kleinen Lexikons der Partikel und anderer illokutiver Indikatoren“ von Campo (2000) werde ich versuchen eine Auflistung möglicher Pendants zu geben.

Abschließend, als Fazit und Ausblick, wird auf die Vermittlung von Modalpartikeln im Deutsch-als-Fremdsprache-Unterricht eingegangen. Denn wie eine Umfrage des Goethe- Instituts zeigt, stehen die MPn in der Hierarchie der Lernschwierigkeiten an der Spitze (vgl. Götze/Kemme 1979: 4).

2 Die Modalpartikel mal und ihre Bedeutung

Die MP mal hat ursprünglich eine ähnliche Bedeutung wie das Numeral einmal. Die temporale Eigenschaft hat sich zu einer temporären Bedeutung verschoben. Beim Erbitten, Fordern, Feststellen oder Behaupten wurde sie mit einer Einmaligkeit verbunden, indem der Wirkungsgrad einer Aussage minimiert und als vorläufig, geringfügig und eingeschränkt charakterisiert wurde. Mit dem Gebrauch von mal verzichtet der/die Sprechende auf Exaktheit und Eindeutigkeit zugunsten der Vagheit und Unverbindlichkeit. Die Abschwächung ergibt sich aus der Partikularisierung und der Unschärfe (vgl. Bublitz 2003: 185).

Laut Bublitz (2003: 185) findet sich mal auf der Sprechhandlungsebene vor allem in Repräsentativa 2 und Direktiva 3. Beiden Handlungsklassen lässt sich die Hauptfunktion, einer Handlung, einer Einstellung oder einem Sachverhalt Beiläufigkeit zuzuordnen, nachweisen (vgl. Bubitz 2003: 185). Sowohl in direktiven als auch in repräsentativen Sprechhandlungen hat mal Auswirkung auf die Einleitungs- und Aufrichtigkeitsbedingungen (preparatory and sincerity conditions) (vgl. Searle 1969: 66), wie folgende Beispiele 4 erkennen lassen:

(1) Wenn sich der gute Mann da mal nicht täuscht.
(2) Natürlich gibt es Unterschiede, ich nenne mal ein Reizthema: ...

Nach diesen Beispielen werden Feststellungen, Behauptungen oder Mitteilungen nur dann geäußert, wenn der/die Sprechende von der Relevanz und der Wahrheit der jeweiligen Proposition überzeugt ist. Der Gebrauch von mal zielt einerseits darauf ab eine Aussage als weniger bedeutsam erscheinen zu lassen und andererseits wird die Einschätzung der Wahrheit relativiert. Beide Verwendungsmöglichkeiten verringern den Stellenwert einer Aussage und lassen sie nebensächlich erscheinen (vgl. Bublitz 2003: 186). Analog dazu verändert mal die Einleitungs- und Aufrichtigkeitsbedingungen bei direktiven Sprechhandlungen:

(3) Hermann, gib mir mal ein ‚a‘.

In diesem Fall hat die Verwendung von mal folgende Funktion: „Der Sprecher [geht] von der Befähigung und Eignung des Hörers zur Ausführung der erbetenen Handlung [aus] und [ist] bemüht, ihn dazu zu bringen, ebendiese Handlung auszuführen.“ (Bublitz 2003: 186) Einerseits signalisiert der/die Sprechende mit der Verwendung von mal, dass er/sie von der Befähigung des/der Hörers/in gänzlich überzeugt ist. Andererseits minimiert er/sie das Gewicht der Verpflichtung mit seiner/ihrer Formulierung. In diesem Fall hat mal die Funktion den Stellenwert der Forderung des/der Sprechenden weniger dringlich, sondern eher als etwas Einmaliges, Einfaches und Beiläufiges zu Erbringendes erscheinen zu lassen (vgl. Bublitz 2003: 186).

Untersuchungen am IDS-Korpus zeigen, dass mal öfter in Imperativ- als in Deklarativoder Interrogativsätzen vorkommt (vgl. Bublitz 2003: 187). Held (1983: 322) nennt mal daher die „imperativische Partikel schlechthin“ (Held 1983: 322).

2.1 Mal in Verbindung mit anderen Partikeln

Bei der Betrachtung von mal -Konkordanzen fällt auf, das die MP vor allem in Verbindung mit anderen Partikeln auftritt. Zählt man zu der Wortklasse der Partikeln auch Adverbien, wie in Abschnitt 2 diskutiert, dann beträgt das Verhältnis von mal + Partikel zu alleinstehendem mal circa neun zu eins (vgl. IDS-Korpus zit. nach Bublitz 2003: 188).

2.1.1 ja + mal

Die Verbindung der MP ja und mal tritt ausschließlich in Deklarativsätzen auf. In der Regel realisieren diese Sätze repräsentative Sprechhandlungen, vereinzelt aber auch direktive (vgl. Bublitz 2003: 188).

(4) Man könnte ja mal überprüfen, ob ...
(5) Dann kann die ganze Mannschaft ja mal zeigen, ob ...

Die MP-Verbindung ja mal tritt häufig im Zusammenhang mit dem Modalverb k ö nnen auf, wie die Beispiele veranschaulichen sollen. Durch die Verwendung dieser MP-Kombination reduziert der/die Sprechende den Grad der Gewissheit und die Relevanz seiner/ihrer Aussage, indem er ihr einen gewissen Grad an Vagheit verleiht. Ziel dabei ist, das eigene Wissen gegenüber des/der Hörers/in einzuschränken, um seine/ihre vermuteten oder tatsächlichen Wissenslücken nicht offenzulegen. Die MP ja verstärkt diese abschwächende Funktion, indem sie das Gesagte als gemeinsames Wissen von Sprecher/in und Hörer/in markiert. In den Beispielen (4) und (5) verweisen die Sprechenden ebenfalls auf Gemeinsamkeiten, die hier allerdings unterstellte gemeinsame Überzeugungen darstellen (vgl. Bublitz 2003: 188). Sprecher/innen verwenden dieses Muster vor allem zum Ausdruck der Höflichkeit, da es stärker abschwächend ist als die alleinstehende MP mal (vgl. Bublitz 2003: 189).

2.1.2 doch + mal

Mit der Verwendung der MP-Kombination doch + mal verfolgen Sprecher/innen die gleiche Absicht wie die in 3.1.1 erwähnte Funktion der Höflichkeit. Die Verbindung kommt jedoch vor allem in Imperativsätzen vor, da der Gebrauch von ja an dieser Stelle inakzeptabel ist (vgl. Bublitz 2003: 189).

(6) Mach doch mal den Abwasch, Paps.
(7) Gib mir doch mal deine Telefonnummer, dann ruf ich ...
(8) Seien wir doch mal ehrlich ...

In Direktiva vermittelt die MP doch dem/der Hörenden einen (vorwurfsvollen) Widerspruch, der sich auf das aus der Sicht des/der Sprechenden unterstellte Fehlverhalten des/der Hörenden bezieht. Die Verwendung von doch dient dazu, dass der/die Hörer/in der Aufforderung des/der Sprechenden folgt und diese als Ermunterung oder Ratschlag auffasst. Die Kombination aus doch + mal schwächt die Aufforderungen des/der Sprechenden stärker zu Bitten oder Ratschlägen ab als die jeweils einzelne Verwendung der MPn (vgl. Bublitz 2003: 190).

2.1.3 schon + mal

Die Kollokation mit schon verstärkt ebenfalls die abschwächende Wirkung von mal. Problematisch ist hierbei, dass der temporale und modale Gebrauch nur schwer voneinander zu trennen ist. In Äußerungen, die sich auf zukünftige Handlungen beziehen, kann schon durch bereits jetzt paraphrasiert werden. Die temporale Bedeutung wird vor allem durch das Weglassen von mal deutlich, wie die folgenden Beispielsätze aufzeigen (vgl. Bublitz 2003: 190):

(9) ... er kann schon mal Dehnübungen machen ↔ ... er kann schon Dehnübungen machen
(10) Wir halten schon mal die Daumen. ↔ Wir halten schon die Daumen.
Deutlicher wird die Unterscheidung zwischen temporaler und modaler Verwendung in folgenden Beispielen:
(11) Mir gehen dann schon mal die Nerven durch ...
(12) ... und da passiert es schon mal, dass es zum Konflikt kommt ...

Hier hat die Partikelkollokation eine deutlich negative semantische Prososdie, da sie sich auf eine unerwünschte oder unangenehme Situation bezieht. Mit schon macht der/die Sprechende Zugeständnisse und zugleich relativiert er/sie die Negativität des Sachverhalts. Mal hat in diesem Kontext synonyme Funktion, verstärkt jedoch die Abschwächung der negativen Situation, indem der/die Sprechende deren Einmaligkeit signalisiert (vgl. Bublitz 2003: 191).

2.1.4 eben/halt + mal

Die Kollokation eben/halt + mal drückt primär Resignation des/der Sprechenden aus. Er/sie bringt außerdem zum Ausdruck, dass die Situation unausweichlich ist. Dies wird z.T. durch das Einfügen des Modaladverbs leider verstärkt (vgl. Bublitz 2003: 192).

(13) Jetzt waren halt mal andere dran.
(14) ... die haben aufgeholt und sich jetzt eben mal vor uns ...
(15) Da wird eben leider mal zurückgeschossen.
Durch das Voranstellen von mal signalisiert der/die Sprechende, dass seine/ihre Handlung beiläufig und mühelos vollzogen wird (vgl. Bublitz 2003: 192).
(16) Samstag organisierte er mal eben die Bayern-Abwehr beim 1:1 gegen ...
(17) ... und damit’s zusammenpasst, wird mal eben umgeschult ...

Durch eben/halt wird mal in seiner abschwächenden Wirkung verstärkt. Diese Verstärkung trifft auf die Beurteilung des Wahrheitswerts in repräsentativen Sprechhandlungen (Beispiele 13-17) sowie auf die Beurteilung des Aufwands in direktiven Sprechhandlungen zu (vgl. Bublitz 2003: 192).

2.1.5 nun + mal

Die Kombination der beiden Elemente nun und mal ist von hoher Festigkeit. Die MP mal kann in diesem Zusammenhang nicht allein vorkommen (vgl. Bublitz 2003: 192).

(18) ... aber so ist es nun mal: Die Christdemokraten hätten ...
(19) Kein Gruß, nix. So isser nun mal, der Otto.

Die Partikelverbindung bringt die Endgültigkeit eines Sachverhalts zum Ausdruck. Die vom Sprechenden geäußerte Erörterung ist die einzig relevante und vollkommen ausreichend. Weitere Gründe oder Argumente werden durch die Verwendung von nun + mal blockiert (vgl. Bublitz 2003: 193).

2.1.6 ruhig + mal

Mit der Verwendung von ruhig drückt der/die Sprechende aus, dass er/sie nichts gegen den dargestellten Sachverhalt einzuwenden hat. Aufgrund dessen kommt ruhig nicht in Fragehandlungen vor. Die Partikelverbindung ruhig mal kommt im verwendeten Korpus häufiger vor als mal ruhig (vgl. Bublitz 2003: 193).

(20) Die ist so schön, das soll er ruhig mal genießen ...
(21) ... man darf dann ruhig mal groß einsteigen.

2.2 Mal in Verbindung mit Adverbien

Laut Bublitz (2003: 195) tritt mal nicht nur in Kombination mit anderen MPn auf, sondern auch mit anderen Partikeln im Allgemeinen. Die Kollokationen mit Temporaladverbien (vor allem wieder und erst) treten dabei am häufigsten auf. 5 Es finden sich außerdem zahlreiche Verbindungen mit Modaladverbien (z.B. wirklich, wenigstens). In den meisten Kollokationen hat mal jedoch eher temporale als modale Funktion. Eine Ausnahme bildet das Adverb wieder (vgl. Bublitz 2003: 196).

[...]


1 Basierend auf der Untersuchung am IDS-Korpus durch Bublitz (2003).

2 Dies bedeutet, dass der/die Sprechende „auf die Wahr- oder Falschheit der in der Äußerung zum Ausdruck gebrachten Proposition festgelegt“ wird. (Glück 2005: 63)

3 Dieser Begriff dient zur Kennzeichnung von Verbpartikeln und präpositionalen Richtungsangaben (vgl. Glück 2005: 63).

4 Die Beispiele (1) bis (27) stammen aus dem IDS-Korpus. Bublitz (2003: 185) wählte aus den Ausgaben der Süddeutschen Zeitung von Januar bis August 1995 die ersten 1000 Sätze aus, in denen mal erscheint.

5 Im IDS-Korpus sind vierzehn Verbindungen belegt (vgl. Bublitz 2003: 196).

Details

Seiten
22
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656215455
ISBN (Buch)
9783656216414
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v195783
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Herder-Institut
Note
2,0
Schlagworte
Modalpartikeln Portugiesisch Brasilianisch Kontrastiv Linguistik DaF mal Höflichkeit Übersetzbarkeit

Autor

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