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Die Kommunikation in Comics durch Bilder und Schrift am Beispiel von Asterix

Seminararbeit 2012 17 Seiten

Medien / Kommunikation - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Geschichte des Comics

3 Comic als Medium – Begriffsdefinition

4 Das Zeicheninventar des Comics
4.1 Das Bild
4.2 Der Text
4.3 Die Symbole
4.4 Das Panel

5 Zusammenspiel von Bild- und Textebene

6 Wie Comics erzählen
6.1 Die Sequenzen von Bildern
6.2 Das Indiz
6.3 Die Induktion
6.4 Der Zeitrahmen
6.4.1 Die Bewegung
6.4.2 Der Schall

7 Die Emotionen und Konventionen

8 Schlussbemerkung

9 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Ob das „Lustige Taschenbuch“ mit den Abenteuern aus Entenhausen, spektakulären Geschichten über Superhelden wie „Superman“ oder „Spiderman“, Science Fiction-Unterhaltung oder die Erlebnisse rund um ein kleines gallisches Dorf und die beliebten Protagonisten Asterix und Obelix – Comics haben wohl für fast jeden von uns eine ganz eigene Bedeutung mit den unterschiedlichsten Erfahrungen und Vorlieben. Doch einmal abgesehen von ihrer unumstrittenen Unterhaltungsfunktion für die Menschen: Wie verhält es sich mit der wissenschaftlichen Betrachtung dieser besonderen kulturellen und literarischen Ausprägung? Fristen Comics tatsächlich ein solches kulturelles Schattendasein, wie ein Blick in die Literatur bisweilen vermuten lässt?

„Eine Comicwissenschaft existiert nicht. Obwohl Comics als Teil der Kultur des 20. Jahrhunderts zunehmend akzeptiert sind, wird ihnen keineswegs ein gleichberechtigter Platz neben Literatur, bildender Kunst oder sogar Film eingeräumt“ (Frahm 2002, S. 201). Comics werden oftmals als Brückenmedium zum Buch heruntergespielt und stellen für viele lediglich einen Einstieg in die Literatur dar.

Zumindest kann man festhalten, dass Comics als Unterhaltungsmedium seit den siebziger Jahren nicht mehr ignoriert werden. Von einer weitgehenden kulturellen Akzeptanz kann jedoch noch immer keine Rede sein. Nach wie vor lastet ihnen vor allem das Image der ‚primitiven’ Unterhaltung an, vermeintlich minderwertig vor allem im Vergleich mit der ‚wahren’ Literatur und Kunst (Frahm 2002). Vielleicht liegt dies auch an ihrer i.d.R. leicht verständlichen Ausdrucksform, deren Schwere jedoch oftmals in der Interpretation von Wort und Bild liegt.

Eine Erklärung für die geringe Reputation von Comics könnte sein, dass die Wortsprache qualitativ über der Bildsprache steht. Dennoch käme niemand auf die Idee, konsequenterweise auch die gesamte abendländische Malerei als minderwertig einzustufen. In der Malerei ist die Bildsprache wieder eine eigenständige Ausdrucksform und der Wortsprache ebenbürtig. Warum sollte nun also die Kombination dieser beiden Ausdrucksformen, wie sie eben für Comics typisch ist, minderwertig sein?

Der Autor möchte im Rahmen der vorliegenden Arbeit aufzeigen, dass die Charakterisierung „minderwertig“ den Comics keinesfalls gerecht wird. Vielmehr gilt Comics lesen als eine eigene Kulturtechnik, die erlernt werden muss.

Im Zentrum dieser Arbeit steht die Funktionsweise von Comics und wie Bild und Schrift zusammenspielen. Im Rahmen dieser Arbeit stützt sich der Autor vor allem auf das Werk „Comics richtig lesen“[1] von Scott McCloud und Jakob Dittmar mit seine wissenschaftlichen Beitrag zur Comicforschung „Comic-Analyse“[2]. Beide gelten als gegenwärtige wichtige Kenner und Theoretiker des Mediums. Zur Analyse wurden Beispiele aus einem der einen der wichtigsten europäischen Comic-Klassiker: „Asterix“. Dieser historische Funny, erfunden von den beiden Franzosen Albert Uderzo und Rene Goscinny, erfreut sich noch heute großer Beliebtheit bei Jung und Alt. Und sie erfüllt darüber hinaus noch einen ganz besonderen Lehrauftrag: Die zwölf Ausgaben in lateinischer Sprache werden heute in vielen Schulen als Lehrmittel eingesetzt.

2 Geschichte des Comics

Die Ursprünge des Comics sind sehr umstritten. Einigkeit besteht dahingehend, dass der Comic aus einer Vielzahl von Vorformen entstanden ist, von denen die Bildergeschichte (Gundermann 2007, S. 10) als populärste Form gilt. Die Geschichte beginnt vor mehr als 10000 Jahren mit den ersten Zeichnungen in Form von Höhlenmalereien, bei denen Menschen mit Hilfe von Bildern Geschichten erzählten (ebd., S. 10).

Im Mittelalter und früher Neuzeit waren für die Entwicklung von Comics Wandteppiche von großer Bedeutung. Der Teppich von Bayeux, der als Meilenstein der abendländischen Kunst gilt, wird in der Comicforschung auch als eine frühe Vorform des Comics angesehen. Der Teppich zeigt auf 70 Metern die die Schlacht von Hastings im Jahre 1066 und damit die Geschichte von der Eroberung Englands durch die Normannen. Eine Weiterentwicklung dieser Kombination von Schrift und Bild ist der Bildteppich „Die Erscheinung der Jungfrau Maria“ von 1518/19. Dieses Werk weist erstmalig Sequenzen von Bildern und eine Vorform von Sprechblasen auf (ebd., S. 12ff).

Ende des 19.Jahrhunderts begann in Deutschland die große Zeit der Bilderbögen, initiiert durch Geschichten von Wilhelm Busch, die als Kinderliteratur galten, während die Bildzyklen von Rodolphe Töppfer (1779-1848) ein eher erwachsenes Publikum ansprachen (Gundermann 2007, S. 15). Zur selben Zeit wurde auch das Prinzip der europäischen Bildergeschichte in den USA übernommen bzw. modifiziert und in den Sonntagsbeilagen von Tageszeitungen gedruckt: Diese Entwicklung gilt als die Geburtsstunde des Comics. Zunächst waren die Comic-Strips (dt.: lustige Streifen) ein rein auf den komischen Effekt ausgerichtetes Medium. Erst Jahre später löste man sich von dieser Auffassung und es entstanden auch andere Gattungen wie Abenteuer-, Science Fiction-, Kriminal- oder Superheldencomics.

Der erste Comic Strip entstand 1896 in Amerika. Richard Felton Outcault produzierte die sozialkritische Lausbubengeschichte "The Yellow Kid". Dem folgte die amerikanischen Erfolgsserie "The Katzenjammer Kids" des deutschstämmigen Rudolph Dirks, die ab 1897 erschienen ist und als Nachahmung von Wilhelm Buschs "Max und Moritz" gilt. Zunächst wurden die Comics nur in Zeitungen abgedruckt, was primär wohl vor allem der Leserbindung dienen sollte (Gundermann 2007, S. 17).

In Westdeutschland wurden Comics erst im Nachkriegsdeutschland ab 1945 populär und entwickelten sich zu einem Massenphänomen.

Auf Grund der Stationierung amerikanischer GIs und der vielfältigen Übernahme des "American way of life" erschienen ab 1948 die ersten amerikanische Comics (vor allem Micky Maus, Donald Duck etc.) mit deutschen Texten in westdeutschen Zeitungen. Obwohl sie sehr beliebt waren, waren sie aber auch nicht unumstritten, da sie als amerikanischer Import galten und auf die USA als Besatzungsmacht verwiesen (Gundermann 2007, S. 24).

Das erste Comic-Heft aus deutscher Eigenproduktion war „Bumm macht das Rennen“ von Klaus Pielert. Der Comic war eine Mischung aus Abenteuer- und Dedektivgeschichte und wurde 1947 erstmalig verlegt. Mit der Gründung des Carlsen-Verlages 1953 drangen Comics sogar in den Buchsektor vor, wie beispielsweise der Detektiv Nick Knatterton, der in der Illustrierten "Quick" erschien (ebd., S.25). Im Jahre 1957 gab es mit "Dig und Dag" oder "Atze" auch die ersten Comics in der DDR. Diese waren jedoch als zu offene Ideologieträger des Sozialismus für viele potentielle Leser uninteressant (Gundermann 2007, S. 36f).

3 Comic als Medium – Begriffsdefinition

Auf den ersten Blick wäre die Einordnung des Comics als Printmedium naheliegend. Allerdings wäre diese Einordnung eher oberflächlich, da die Comicsprache nicht zu der in Printmedien üblichen Trennung von Schriftsprache und Bild passt und das Erzählen in Bildfolge eine spezifische Lesart erfordert sowie starke Parallelen zum Medium Film hat. Comics sind vielmehr ein hybrides Medium, in dem Bilder und Text zusammenwirken. Demzufolge sind sie eine Mischform aus Literatur und Bildender Kunst. Ein weiteres wichtiges Kriterium ist der Erzählcharakter, denn jeder Comic erzählt in einer Sequenz von Bildern eine Geschichte, wobei hier die Übergänge zum Film fließend sind.

Eine allgemeingültige Definition von „Comic“ gibt es nicht. Diese Problematik wird in den meisten Arbeiten zur Comicwissenschaft thematisiert und auch die Recherche des Autors in verschiedenen Online- und Offline-Nachschlagewerken führt zu keinem abschließenden Ergebnis.

Für Will Eisner als einem der bekanntesten Comic-Zeichner und Theoretiker sind Comics eine "sequentielle Kunst" (Eisner 2004, S. 5). Darüber hinaus setzt er „den Schwerpunkt seiner Betrachtungen nicht auf den Comic als Form der Literatur, sondern auf den Comic als Kunstform, bezieht in diese aber über den Begriff der ‚Sequenz’ die narrative Fähigkeiten des Comics mit ein“ (Gundermann 2007, S. 9). Scott McCloud, einer der gegenwärtig wichtigsten

Theoretiker des Mediums, hat diese Definition übernommen und wie folgt erweitert: „Comics sind zu räumlichen Sequenzen angeordnete, bildliche oder andere Zeichen, die Informationen vermitteln und/oder eine ästhetische Wirkung beim Betrachter erzeugen“ (McCloud 1995, S. 17).

Für Dietrich Grünewald folgen alle Comics dem „Prinzip Bildgeschichte“ (Grünewald 2000, S.15), da Comics in Bildfolgen erzählen und vom Rezipienten eine spezifische Lese- und Interpretationsarbeit verlangen: „Der Tendenz nach sind Comic-Geschichten Seriengeschichten mit stehendem Personal und nutzen verstärkt die seit Beginn des 20. Jahrhunderts gewonnenen und weiterentwickelten Gestaltungsmittel (Sprechblase, visuelle Indices, Symbole, Lautmalerei, Perspektivwechsel, Montage). Somit bleibt Comic ein unscharfer Begriff. Nicht eine pauschale Etikettierung, sondern nur die konkrete inhaltliche wie formal-ästhetische Analyse wird dem einzelnen Beispiel und seiner Qualität gerecht werden“ (Grünewald 2000, S.15).

4 Das Zeicheninventar des Comics

Wir wissen nun, dass Comics als eigenständiges Medium anzusehen sind. Aber wie funktioniert dieser nun als Kommunikationsmedium? Um diese Frage beantworten zu können, sollte zunächst ein Blick auf den spezifischen Aufbau der Comics geworfen werden. Die wichtigsten Bestandteile eines jeden Comics sind Bild, Text und Symbol. Die narrativen Eigenschaften des Comics werden durch den räumlichen Aufbau dargestellt; somit ist das Panel mit seiner Rahmung und Sequenzialität ebenfalls ein wichtiger Bestandteil des Zeicheninventars des Comics. Die Einheit und Harmonie dieser Elemente macht einen guten Comic aus. Im folgenden Kapitel werden Bild, Text, Symbol und Panel im Näheren erläutert und die daraus resultierenden Funktionsmechanismen dargestellt.

4.1 Das Bild

Das Bild als zentrales Element eines Comics ist das erste, was der Leser beim Aufschlagen eines Comicheftes wahrnimmt. Es besteht jedoch zunächst nur aus einzelnen Elementen in Form von Punkten, Linien, Flächen, Formen und Farben, die in keinem erkennbaren Zusammenhang stehen. Dieser Zusammenhang muss vom Menschen erst geschaffen werden, indem die Bestandteile erfasst und nach und nach zu einem Ganzen kombiniert werden. Es entstehen mehrere Perspektiven: der Vordergrund, der Mittelgrund und der Hintergrund. Die Staffelung der Elemente in diesem Raum schafft Tiefenwirkung und Dynamik und es wird eine Dreidimensionalität vorgetäuscht (Dittmar 2008, S. 84). Alles, was im Bild optisch wahrnehmbar ist, zeigt einen Zustand und die darin enthaltene Möglichkeiten für die Entwicklungen der Narration (ebd., S. 44, 68).

Für Comics ist das cartoonhafte Gestalten der Gesichter sehr signifikant. Die Emotionen und Zustände der Figuren sollen durch die Vereinfachung betont werden. Daher werden Einzelheiten weggelassen, um sich so auf die wesentlichen Details zu konzentrieren. Durch die Gestaltung „weg vom Realistischen und hin zum Abstrakten“ können sich viele Menschen mit den Figuren identifizieren. Diese Tatsache ist ein sicherer Indikator für die Anteilnahme der Leser an der Handlung und der gesamten Geschichte (McCloud 1995, S. 38f, 50). Die Hintergründe in Comics tendieren hingegen oft eher zum Naturalismus, um das Geschehen in einem realgetreues Umfeld wirken zu lassen (ebd., S. 50).

4.2 Der Text

Der Text als zweiter wichtiger Bestandteil des Zeicheninventars wird zum einen als Zeichen oder als Bildelement, in Form von Beschriftung und Aufschriftung und zum anderen als Information zum Bild und zur Erzählung verwendet (Dittmar 2008, S. 98). Als Information zum Bild kann der Text in drei verschiedenen Formen auftreten.

Die erste Form sind die Kommentare, die meist im Blocktext im oberen oder unteren Bereich des Bildes auftreten und von einem unpersönlichen Erzähler stammen. Kommentare sind Ergänzungen zu den im Bild dargestellten Handlungen. Sie erweitern die Abbildungen um weitere Informationen und öffnen zusätzliche Bezüge auf nicht dargestellte oder auch nicht darstellbare Themen und Konzepte (ebd., S. 98, 109f).

Die zweite und häufigste Form ist die Wiedergabe von direkter Rede in Form von Sprech- und Gedankenblasen. Sprechblasen sind ins Bild übertragene Sprache und kommentieren Gedanken, die abgebildeten Zustände und Ereignisse (Dittmar 2008, S. 111f).

[...]


[1] McCloud, Scott (1995): Comics richtig lesen,

[2] Dittmar, Jakob F. (2008): Comic-Analyse

Details

Seiten
17
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668738676
ISBN (Buch)
9783668738683
Dateigröße
527 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v196090
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Institut für Romanistik
Note
1,3
Schlagworte
Comic Comics Sprache Schrift Bild Kommunikation

Autor

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