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Prüfung von geschätzten Werten und beizulegenden Zeitwerten

Seminararbeit 2012 22 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

1 Problemstellung

2 Bilanzielle Wertbegriffe
2.1 Fair Value
2.2 Geschätzte Werte

3 Informationsasymmetrien zwischen Management und Eigner und die Folgen für die Abschlussprüfung
3.1 Prinzipal-Agenten-Theorie
3.2 Notwendigkeiten von Abschlussprüfungen

4 Prüfungen von (Zeit-)Werten nach PS 314 n. F
4.1 Prüfungsstandard 314 n. F
4.2 Prüfung von Marktwerten nach PS 314 n. F
4.2.1 Prüfung von geschätzten Werten und Zeitwerten nach PS 314 n. F
4.2.2 Prüfungshandlungen nach PS 314 n. F

5 Zusammenfassung und Fazit

LITERATURVERZEICHNIS

VERZEICHNIS DER PRÜFUNGSSTANDARDS

ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Problemstellung

Zum Ende des 20. Jahrhunderts veränderten sich die Bilanzierungsgrundlagen für deutsche kapitalmarktorientierte Unternehmen erheblich, da international übliche Bilanzierungsstandards aus dem angloamerikanischen Raum übernommen wurden. Hier sind insbesondere die International Financial Reporting Standards (IFRS) und die United States Generally Accepted Accounting Principles (US-GAAP), zu nennen. In der Fachliteratur ist in diesem Zusammenhang von einem „Paradigmenwechsel“[1] und einer neuen „Ära der Rechnungslegung“ die Rede, weil Aufgaben der Rechungslegung – wie Dokumentation und Rechenschaftslegung – nicht mehr im Vordergrund stehen, sondern mehr eine ausgerichtete investorenorientierte Informationsvermittlung.[2]

Im Zuge dieser Veränderungen wurde auch der Fair Value, also die Bilanzierung von Vermögenswerten und Schulden zum beizulegenden Zeitwert, eingeführt. Dies resultiert in einer komplexen Prüfungssituation, da in der Regel keine Marktdaten für Vermögenswerte vorhanden sind. So äußerte auch Douglas Carmichael[3], dass die meisten Werte ohne börsennotierte Marktpreise nicht prüffähig seien.[4] Die fehlende Sicherheit über das Eintreten von Ereignissen erhöht das Risiko falscher Angaben in der Rechnungslegung und bedarf somit besonderer Berücksichtigung durch den Abschlussprüfer. Es stellt sich die Frage, wie der Abschlussprüfer geschätzte (Zeit-)Werte zu prüfen hat. Die Prüfung von beizulegenden Zeitwerten ist in der Regel möglich, wenn bestimmte Prüfungsvorgaben, insbesondere der IDW-Prüfungsstandard 314 n. F. verfolgt werden.

In der vorliegenden Arbeit werden im ersten Teil bilanzielle Wertbegriffe erläutert. Im zweiten Kapitel wird die Prinzipal-Agenten-Theorie im Zusammenhang mit der Notwendigkeit der Abschlussprüfung dargestellt. Der dritte Teil beschäftigt sich mit der Prüfung von Marktwerten, Zeitwerten und geschätzten Werten. Im Fokus der Betrachtung steht dabei der IDW-Prüfungsstandard 314 n. F. im Zusammenhang mit der Prüfung von geschätzten Werten. Mit einer kritischen Würdigung der Prüfung von Zeitwerten wird diese Arbeit im letzten Teil abgeschlossen.

2 Bilanzielle Wertbegriffe

2.1 Fair Value

Der Fair Value ist ein Zeitwert, der den aktuellen Wert eines Vermögenswertes zu einem bestimmten Zeitpunkt – in der Regel einem Abschlussstichtag – wiedergibt. In der deutschen Übersetzung bedeutet Fair Value beizulegender Zeitwert. In der deutschen Literatur wurden für die verschiedenen Arten des Zeitwerts unterschiedliche Begriffe verwendet: Liquidationswert, Verkaufswert, Verkehrswert, Realisationswert, Tauschwert und gemeiner Wert sind nur einige Synonyme.[5]

Der Fair Value ist der zentrale Bewertungsmaßstab des angloamerikanischen Bilanzrechts. Er findet sich in den IFRS und bildet die Basis für die Darstellung von Vermögen und Schulden.[6] Eine Definition in den IFRS lautet:

„Der Fair Value ist der Betrag, zu dem zwischen sachverständigen, vertragswilligen und voneinander unabhängigen Geschäftspartnern ein Vermögenswert getauscht oder eine Schuld beglichen werden könnte.“ [7]

Im IFRS entspricht der Fair Value einem Marktwert zwischen zwei voneinander unabhängig handelnden Marktteilnehmern. Idealerweise wird der Marktwert an einem aktiven Markt beobachtet und lässt sich daher problemlos feststellen und überprüfen.[8] Für die Mehrheit der Vermögensgegenstände ist aber kein aktiver Markt vorhanden, daher erfolgt die Bewertung über alternative Wertfindungsmethoden wie z.B. über Ertragswerte oder Schätzungen.[9]

Das IASB hat im Mai 2011 einen neuen einzigen Standard zur Fair Value-Ermittlung für alle Anwendungsbereiche verabschiedet.[10] Im neuen IFRS 13 „Fair Value Measurement“ wird der Fair Value folgendermaßen definiert:

„(…) als der Preis, der im Zuge eines geordneten Geschäftsvorfalls unter Marktteilnehmern am Bemessungsstichtag beim Verkauf eines Vermögenswerts erhalten würde oder bei Übertragung einer Schuld zu zahlen wäre“.[11]

Hierbei wird im IFRS 13 eine dreistufige Fair Value-Hierarchie verankert:[12] Die erste Ebene wird präferiert, da die Preise für die Vermögenswerte direkt an einem aktiven Markt beobachtet werden können.[13] Der marktbasierte Ansatz ist somit die relativ verlässlichste Bestimmung des Fair Values.[14] Ist für einen Vermögensgegenstand aber kein aktiver Markt vorhanden, wird die zweite Ebene herangezogen. Der sogenannte barwertorientierte Ansatz oder einkommensbasierte Ansatz erfasst aktuelle Markterwartungen über abgezinste zukünftige Cashflows. Auch Marktpreise für ähnliche Vermögenswerte sind der zweiten Ebene zuzuordnen.[15] Die letzte Ebene berücksichtigt nicht-beobachtbare Daten, die nicht der Ebene eins oder zwei zugeordnet werden können. Der kostenbasierte Ansatz baut auf die Wiederbeschaffungskosten unter Berücksichtigung der Abnutzung auf. Insbesondere unternehmensinterne Daten werden auch zu der dritten Ebene gezählt.[16]

2.2 Geschätzte Werte

Wenn für Vermögensgegenstände eine Wertermittlung an einem aktiven Markt nicht beobachtet werden kann, so müssen unterschiedliche Wertermittlungsmethoden in Anspruch genommen werden.[17] Der Fair Value gewinnt „mehr den Charakter eines geschätzten Wertes, je weiter sich die Wertfindung von einem aktiven Markt entfernt“.[18] Hierbei unterscheidet man zwischen geschätzten beizulegenden Zeitwerten und geschätzten Werten außerhalb von beizulegenden Zeitwerten.

Geschätzte beizulegende Zeitwerte bedeuten, dass die Ermittlung der Werte aus aktiven Märkten nicht möglich ist, aber aufgrund vorhandener „marktnaher“ Daten die Bestimmung der geschätzten beizulegenden Zeitwerte berechnet werden kann.[19] Hierbei gibt es unterschiedliche Berechnungsverfahren und Bewertungsmodelle. Beispielsweise werden Ertragswertverfahren, Discounted-Cash-Flow-Verfahren (DCF-Verfahren) und Optionspreismodelle eingesetzt.[20]

Dennoch sind meistens keine marktnahen Daten vorhanden. Die geschätzten Werte außerhalb von beizulegenden Zeitwerten sind spezifische, unternehmensinterne Nutzungswerte.[21] Bei der Berechnung des Value in Use müssen bestimmte Faktoren vom Management bestimmt werden. Vor allem die zukünftigen Einzahlungen und Auszahlungen des Vermögenswertes werden durch das Management berechnet.[22] Der Nutzungswert ist ein stark subjektiv geprägter Wert, weshalb der Prüfer mit einer Bandbreite von geschätzten Werten konfrontiert ist.[23]

3 Informationsasymmetrien zwischen Management und Eigner und die Folgen für die Abschlussprüfung

3.1 Prinzipal-Agenten-Theorie

Aus der Bewertung der Vermögenswerte nach dem Fair Value-Prinzip ergibt sich ein Ermessensspielraum für das Management. Vor allem könnte das Management Auslegungsspielräume innerhalb der Rechnungslegungsnormen nutzen, um bestimmte gesetzte wirtschaftliche Ziele zu erreichen.[24] Vor diesem Hintergrund ist es möglich, dass der Gewinn und die Vermögenslage des Unternehmens nicht objektiv und richtig dargestellt werden.[25] Diese Problematik ist durch eine Prinzipal-Agenten-Beziehung gekennzeichnet.

Eine Prinzipal-Agenten-Beziehung ist ein Vertragsverhältnis.[26] Der Prinzipal (Anteilseigner) beauftragt den Agenten (Management), Tätigkeiten auszuführen.[27] Dabei bekommt der Agent Verfügungsrechte bzw. Entscheidungsbefugnisse.[28] Insbesondere bei börsennotierten Aktiengesellschaften werden die Kapitaleinlagen (investiertes Kapital vom Prinzipal) und die Verfügungsgewalt auf die Agenten übertragen.[29] Obwohl der Prinzipal keine Entscheidungsbefugnisse besitzt, trägt er die vollständigen finanziellen Risiken.[30] Des Weiteren besteht eine ungleiche Informationsverteilung, weshalb der Agent stets besser informiert ist als sein Prinzipal.[31] Somit hat der Agent einen Informationsvorsprung gegenüber dem Prinzipal, womit er opportunistisch handeln könnte (moral harzard).[32]

Um die asymmetrische Informationsverteilung zwischen Prinzipal und Agent zu minimieren, müssen verlässliche Informationen über das Unternehmen bereitgestellt werden. Eine freiwillige Rechnungslegung und Publizität könnte nicht funktionieren, weil das Management möglicherweise nicht alle verfügbaren Daten veröffentlichen würde.[33] Deshalb verlangt der Gesetzgeber eine externe Rechnungslegung, die objektiv und nachvollziehbar aufzustellen ist.[34]

Problematisch ist dabei, dass die externe Rechnungslegung vom Management erstellt wird, wobei das Management über vollständige Informationen der Unternehmensdaten verfügt und die Anteilseigner über die Rechnungslegung nur begrenzte Informationen erhalten.[35] Da auch die Informationen über die externe Rechnungslegung an die Aktionäre durch bilanzpolitische Maßnahmen verzerrt werden können, ist es notwendig, die Bilanz durch einen unabhängigen Dritten zu prüfen.[36] Der Fair Value Ansatz könnte dazu genutzt werden, Vermögenswerte über den tatsächlichen Wert zu bilanzieren, um einen höheren Gewinn und damit vielleicht eine höhere variable Besoldung des Managements zu erreichen. Die Entlohnung des Agenten hängt häufig von der Ertragshöhe ab, weshalb der Agent kurzfristig einen höheren Gewinn anstrebt.

[...]


[1] Vgl. Böcking/ Lopatta/ Rausch (2005), S. 85, S.102.

[2] Vgl. Baetge/ Matena/ Rausch (2002), S. 97.

[3] Carmichael war der Leiter des PCAOB, einer unabhängigen Aufsichtsbehörde für Wirtschaftsprüfungsgesellschaften in den USA.

[4] Vgl. King (2006), S. 82.

[5] Vgl. Spindler (2005), S. 53.

[6] Vgl. Kessler (2005), S. 66.

[7] Vgl. beispielsweise IAS 16, IAS 39, IAS 40.

[8] Vgl. Ruhnke/ Schmidt (2005), S. 577.

[9] Vgl. Ruhnke/ Schmidt (2005), S. 577ff.

[10] Verbindliche Anwendung ab 1.Januar 2013.

[11] Vgl. IFRS 13.9.

[12] Vgl. Zeitschrift Steuern und Bilanzen vom 05.08.2011, S.3.

[13] Auch originärer Marktwert genannt.

[14] Vgl. IFRS 13:76-13:80.

[15] Vgl. Köhling (2011), S. 32.

[16] Vgl. Köhling (2011), S. 33.

[17] Vgl. Ruhnke/ Schmidt (2003), S.1037.

[18] Vgl. Ruhnke/ Schmidt (2003), S.1037.

[19] Vgl. Ruhnke/ Schmidt (2003), S. 1040.

[20] Vgl. Ruhnke/ Schmidt (2003), S. 1040.

[21] Vgl. Ruhnke/ Schmidt (2003), S. 1040ff.

[22] Vgl. Velte (2008), S. 272ff.

[23] Vgl. Ruhnke/ Schmidt (2003), S. 1040.

[24] Vgl. Baetge/ Thiele/ Matena, BFuP 3/2004, S. 201.

[25] Vgl. Ewert/ Stefani (2001), S. 148.

[26] Vgl. Baetge/ Thiele/ Matena, BFuP 2004, S. 202.

[27] Vgl. Baetge/ Thiele/ Matena, BFuP 2004, S. 202.

[28] Vgl. Freiling/ Reckenfelderbäumer (2010), S. 171

[29] Vgl. Tebben (2011), S.50.

[30] Vgl. Ewert (1986), S. 1.

[31] Vgl. Elschen (1991), S. 1004.

[32] Vgl. Vollmer (2008), S. 15ff.

[33] Vgl. Pellens/ Fülbier, ZGR 2000, S. 577.

[34] Vgl. Baetge/ Thiele/ Matena, BFuP 2004, S. 204.

[35] Vgl. Baetge/ Thiele/ Matena, BFuP 2004, S. 204.

[36] Vgl. Baetge/ Thiele/ Matena, BFuP 2004, S. 205.

Details

Seiten
22
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656225393
ISBN (Buch)
9783656225621
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v196438
Institution / Hochschule
Universität Bremen
Note
Schlagworte
prüfung werten zeitwerten

Autor

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