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Berufsvorbereitung in der Schule

Bachelorarbeit 2011 32 Seiten

Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Das Problem der Jugendarbeitslosigkeit und die Berufsvorbereitung als Gegenmaßnahme
2.1. Jugendarbeitslosigkeit und ihre Folgen
2.2. Berufsvorbereitung an Schulen (bundesweit und in Hamburg)
2.3. Die Berufsvorbereitung an der Otto-Hahn-Schule

3. Das Projekt: Grundsätzliche Überlegungen zum Projekt

4. Die Umsetzung am Beispiel des Ausbildungsberufes „Koch“
4.1. Die Umgebung
4.2. Der Trainingsplan
4.3. Verwaltungstechnische Überlegungen
4.4. Netzwerke und andere Kooperationen

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Oktober 2010 veröffentlichte die Bertelsmann-Stiftung eine Studie mit dem Titel

„Jugendliche ohne Hauptschulabschluss“ und zeigte eine nicht neue, aber umso bedenklichere Entwicklung der innerdeutschen Gesellschaft auf: Zum Ende des Schuljahres 2007/2008 haben deutschlandweit fast 65.000 Jugendliche die Schulen ohne einen Hauptschulabschluss verlassen; das sind 7,5% dieses Jahrgangs (vgl. Klemm, S.4). Auch wenn Hamburg im gesamtdeutschen Vergleich im Mittelfeld liegt, waren es hier immerhin 8,9% aller Schulabgänger, die abschlusslos blieben (ebd. S.12). Demnach waren es 1349 Schüler mit deutscher oder ausländischer Staatsangehörigkeit, die 2008 am Ende ihrer Schullaufbahn kein Abschlusszeugnis vorzuweisen hatten (ebd. S.15: Tabelle 1). Aus einer Antwort des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg auf eine Große Anfrage von SPD-Abgeordneten betreffend „Schulabgänger im Schuljahr 2009/2010“ vom 11.01.2011 geht hervor, dass im Schuljahr 2009/2010 insgesamt 1224 Schüler die Hamburger Schulen ohne Abschlüsse verlassen haben (vgl. Bürgerschaftsdrucksache 19/8173, S.4). Die Folgen sind weitreichend und schwerwiegend für die Betroffenen und die gesamte Gesellschaft. Junge Leute mit schlechtem oder gar keinem Abschluss haben es schwer, einen Anschluss an den Arbeitsmarkt zu finden. Die Konkurrenz unter den Bewerbern ist groß und ein Zeugnis oftmals der erste Eindruck, den sich Personalchefs machen. Eine ungünstige Ausgangssituation für diejenigen, die nichts oder nur wenig vorzuweisen haben. Im schlechtesten Fall bewerben sich die Jugendlichen häufig, aber erfolgslos.

Natürlich sind die genannten Probleme seit langem bekannt, und es gibt eine Vielzahl von verschiedenen Ansätzen, die Schulen und der Staat in die Wege geleitet haben. An dieser Stelle sollen nicht die Ergebnisse und Erfolge der verschiedenen Maßnahmen in Frage gestellt werden. Die Maßnahmen von Bund und Ländern sind wichtig und weitreichend. Trotzdem scheint es, als ob die größte Hürde zum Arbeitsmarkt der Übergang von der Schule in das Berufsleben ist. Hier setzt diese Arbeit an und will an einem praktisch orientierten Projektvorhaben zeigen, wie eine konkrete Vorbereitung auf einen Ausbildungsberuf mit konkretem Nutzen für alle Beteiligten gestaltet werden könnte. Als theoretisch mögliche Projektschule wurde die Otto-Hahn-Gesamtschule im Hamburger Stadtteil Jenfeld gewählt: Zum einen hat der Verfasser selber an dieser Schule Schüler und Schülerinnen der 7. und 8. Klasse in einem Neigungskurs „Kochen“ unterrichtet und kennet daher das Potenzial der Umgebung; zum anderen sind die Jahrgangsstärke und die Zusammensetzung der Schülerschaft geeignete Voraussetzungen für das hier vorgestellte Projekt. Das Projekt zielt auf die Errichtung einer handwerksbezogenen Berufsvorbereitung aus dem Grunde, weil hier eine besonders gute Entfaltungsmöglichkeit für Jugendliche mit schlechtem oder gar keinem Abschluss besteht. Der Werdegang des Verfassers hat ihm gezeigt, dass eine handwerkliche Ausbildung zu einem großen beruflichen Erfolg führen kann, sei es in Führungspositionen (z.B. Küchenchef, Betriebsleiter, etc.) oder in Form einer Selbständigkeit. Beispiele der Praxis zeigen: wer sich bei einem Betrieb nicht mit guten Schulnoten empfehlen kann, der sollte sich durch berufsspezifische Zusatzqualifikationen interessant machen. Eine gute Berufsvorbereitung sollte die gezielte Vermittlung von Basisfertigkeiten gewährleisten und dies schon während des letzten Schuljahres, um so den Übergang in die Ausbildung zu erleichtern.

2. Das Problem der Jugendarbeitslosigkeit und die Berufsvorbereitung als Gegenmaßnahme

2.1. Jugendarbeitslosigkeit und ihre Folgen

Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit hat in unserer Gesellschaft eine hohe Priorität. Die Bundesregierung und die Länder unternehmen viel, um die Beschäftigungslosigkeit zu bekämpfen. Unser gesellschaftliches Steuer- und Rentenmodell ist darauf angewiesen, dass jede Generation möglichst viele leistungskräftige Arbeitnehmer hervorbringt, die die Wirtschaft stützen und voranbringen können, sowie möglichst lange ihre Beiträge für das Rentensystem und Steuern für die Erhaltung der Funktionalität des Staates zahlen. Jeder Schulabgänger, der anstelle einer Ausbildung Sozialleistungen erhält, weil er keine Ausbildungsstelle findet, verursacht Kosten für die Gesellschaft, anstatt sie produktiv zu fördern. Die Volkswirtschaft ist von dem persönlichen Schicksal des Einzelnen maßgeblich betroffen. Der Gesellschaft entstehen Verluste, die Wiggert als „volkswirtschaftliche Kosten“ oder „Sozialkosten“ bezeichnet (vgl. Wiggert, S.15ff.). Findet ein Jugendlicher keine Lehr- oder Arbeitsstelle, muss er sich arbeitslos melden und wird zum Empfänger von Sozialleistungen nach dem Sozialgesetzbuch SGB II1, was den Ländern direkte Kosten verursacht. Im Jahr 2008 waren in Hamburg durchschnittlich pro Monat 6266 junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren arbeitslos. Im Jahre 2009 stieg diese Zahl sogar auf 7532 Menschen pro Monat. (Statistisches Jahrbuch Hamburg 2010/2011, S.97) Unterstellt man den Höchstbetrag von 885 Euro2, den die Leitungsempfänger erwarten können, ergeben sich Ausgaben von ungefähr 6,7 Millionen Euro pro Monat für den Hamburger Haushalt in 2009.3

Doch die direkte Belastung des öffentlichen Haushaltes ist nur eine Seite, denn gleichzeitig zahlen die betroffenen Leitungsempfänger nicht in die Rentenkasse und auch nicht in die Arbeitslosenversicherung ein. Zudem verliert das Wirtschaftssystem produktive Kräfte, und es entstehen Kosten für Verwaltung und für anfallende Fördermaßnahmen. Allein die Kosten für Fördermaßnahmen in Deutschland im Jahr 2009 im Sinne von Nachqualifizierungen beziffert Klemm auf 204 Millionen Euro pro Altersjahrgang und empfiehlt, dieses Geld für präventive Maßnahmen einzusetzen (vgl. Klemm, S.6). Aber selbst wenn die Jugendlichen vorerst eine Arbeitsstelle finden, bleibt ein erhöhtes Risiko der Arbeitslosigkeit für diejenigen, die keine anerkannte Ausbildung haben; mittlerweile liegt die Arbeitslosenquote in dieser Gruppe bei über 26% ( vgl. Rademacker, S.112). Die Kosten für die Gesellschaft sind also nur zeitverzögert. Der Zugang für Jugendliche ohne Abschluss in das schulberufliche System war nach einer Untersuchung aus dem Jahr 2008 nahezu geschlossen: gerade mal 0,6% der deutschen Jugendlichen und 0,4% der ausländischen Jugendlichen ohne Abschluss besuchen eine Berufsschule. 75,6% bzw. 87,9% ohne Abschluss saßen hingegen in berufsvorbereitenden Maßnahmen (vgl. Rademacker, S.116). Die persönlichen Folgen für arbeitslose Jugendliche sind Frustration, mangelndes Selbstwertgefühl und psychische Erkrankungen wie Depressionen, deren Folgekosten schwer zu beziffern sind. Mareike Baumann hat in ihrer Dissertation ausführlich Krankheitsbilder und das Selbstwertgefühl von Arbeitslosen beschrieben (vgl. Baumann, 2010). Auch die Behörde für Soziales, Familie und Integration in Hamburg verweist auf die Expertise des Robert-Koch-Institutes, welches festgestellt hat, dass Arbeitslose häufiger von Krankheiten betroffen seien, sich ungesünder verhalten würden und für sie eine erhöhte Mortalitätsrate gelte; all dies sind Folgen eines Kausalzusammenhangs von Arbeitslosigkeit und eingeschränkter Gesundheit (vgl. Behörde für Soziales, Familie und Integration, S.66). Dies sind die Schwierigkeiten, mit denen die Jugendlichen weitestgehend selber umgehen müssen. Es stellt sich darüber hinaus die Frage, ob sich diese schlechten Erfahrungen auch negativ auf die Kinder der Betroffenen auswirken werden und dadurch eine Art Kreislauf im sozialen Abstieg ausgelöst wird.

Unbestritten ist der Zusammenhang zwischen Schulausbildung und Arbeitslosigkeit. Die Behörde für Soziales, Familie und Integration weist im Rahmen ihrer Lebenslagenberichterstattung auf folgendes hin:

„ Als zentraler Faktor für Hilfebedürftigkeit im Rechtskreis SGB II stellt sich mangelnde Bildung dar. Im Dezember 2005 besa ß en in Hamburg 30,3% der Arbeitslosen im Rechtskreis SGB II keinen Schulabschluss. [ … ] Ebenso wie eine fehlende oder geringe Schulausbildung trägt eine nicht vorhandene Berufsausbildung erheblich zum Risiko bei, SGB-II-Empfänger/-in zu werden. Der Anteil jugendlicher SGB-II-Empfängerüber 20 Jahre ohne abgeschlossene Berufsausbildung beträgt in fast allen Hamburger Bezirken ca. 73%. “ (ebd., S.45ff.)

Heike Solga hat in ihrem Beitrag in der Zeitschrift „Aus Politik und Zeitgeschichte“ (21/22- 2003) die verheerenden Folgen der Abschlusslosigkeit bei Jugendlichen beschrieben. Sie weist darauf hin, dass die Optionen für diese Gruppe sehr gering sind: entweder der Schulbesuch wird verlängert, da die Jugendlichen mangels Alternativen keinerlei Chance auf dem Arbeitsmarkt haben, oder sie müssen Weiterbildungsmaßnahmen ergreifen, die allerdings zu einer weiteren Stigmatisierung als Verlierer führen (vgl. Solga, S.20 ff). Sie bezeichnet diesen Vorgang als „amtlichen Stempel des Defizitären“ (ebd. S.22) und verweist damit indirekt auf die Frage, die auch Klemm aufwirft: Ist es nicht sinnvoller und effektiver, Ressourcen und Kräfte vor dem Schulabschluss für eine Ausbildungseignung zu aktivieren, da die Maßnahmen hinterher eigentlich zu spät kommen? Solga beschreibt die Konsequenzen sogar noch drastischer:

„ Für viele von ihnen [Jugendliche ohne Abschluss; Anmerkung d. Verfassers] bedeutet dies jedoch eine „ Ma ß nahmenkarriere “ . Die Wettbewerbsfähigkeit dieser Jugendlichen erhöht sich durch diese Sonderma ß nahmen nur wenig [ … ]. Die Integration in das berufliche Bildungssystem stellt daher für viele eine Verlängerung der „ institutionellen Aussonderung “ in der Schule dar; dies kann [ … ] paradoxerweise die Gefahren ihrer Ausgrenzung vom Arbeitsmarkt erhöhen. “ (Solga, S. 25)

Betrachtet man die Kosten und sozialen Folgen, stellt sich die Frage, wie man schon vor Beginn der verhängnisvollen Abfolge „schlechter/kein Schulabschluss keine Ausbildung Arbeitslosigkeit“ intervenieren könnte. Ziel des Projektes ist es, einen Beitrag zur Durchbrechung dieses Kreislaufs zu leisten. Beim Projekt werden nicht die Schulnoten der Schüler hinterfragt, es geht vielmahr darum, die Jugendlichen trotz ihrer schlechten Leistungen in den Schulfächern interessant für Ausbildungsbetriebe zu machen und zwar durch gezieltes, regelmäßiges Training in Fertigkeiten, die sie in ihren Ausbildungsberufen benötigen werden. Der Gedanke ist: „ Wenn ich schon mit meinen Noten nichtüberzeugen kann, sollte ich andere Besonderheiten in meiner Bewerbungsmappe haben, die beeindrucken könnten. “ Einen wichtigen Beitrag für die spätere Bewerbung leistet in der Regel die Berufsvorbereitung an den jeweiligen Schulen. Daher wird im folgenden Abschnitt die Berufsvorbereitung an Schulen genauer untersucht, denn hier gibt es ein sehr großes Potenzial, notenschwachen Schülern Starthilfe für die Eingliederung in die Arbeitswelt zu geben.

2.2. Berufsvorbereitung an Schulen (bundesweit und in Hamburg)

Schon früh hat man in Deutschland erkannt, dass es für einen reibungslosen Übergang von der Schule in die Berufswelt notwendig ist, unterstützende Strukturen für Jugendliche zu schaffen, die ihnen bei der Berufswahl helfen sollen. Bereits 1953 entschied man, dass die Schule die Institution sein sollte, die mit dieser Aufgabe zu betreuen wäre (vgl. Beinke, S.12). Zunächst scheiterten die Versuche, den Pädagogen diese Aufgabe zu übertragen. Vier Jahre später wurde erneut versucht, die Schule auf gleiche Augenhöhe mit der Bundesanstalt für Arbeit zu bringen und als gleichberechtigte Institution für Berufsberatung von jungen Leuten einzusetzen. Dies wurde schriftlich in dem Handbuch „Die Schule im Dienst der Berufserziehung und Berufsberatung“ fixiert. Die Inhalte waren damals schon prinzipiell den heutigen Aufgaben der Schule in Bezug auf Berufsvorbereitung ähnlich. Die Schule sollte:

Die persönlichen Kräfte und Entwicklungsmöglichkeiten der Schüler abschätzen [ … ] und ein Bild der Berufsschichtung und Wirtschaftsstruktur und Inhalte der Berufsbeschäftigung bekannt machen. “ (ebd. S.119)

Über die Erfolge kann hier leider nichts gesagt werden, es wurden keine verlässlichen Einschätzungen zu der Wirkung der Berufsvorbereitung gefunden. Aber das Thema gewann in den folgenden Jahren immer mehr an Bedeutung und es wurden weitere Entwicklungen vorangetrieben:

Seit 1964 gibt es im curricularen Sinne einen schulischen Berufswahlunterricht. Das war der Beginn des Deutschen Ausschusses für das Erziehungs- und Bildungswesen [ … ] Es war dieser Teil zur Neugestaltung des deutschen Bildungswesens, der mit der Einrichtung des Faches Arbeitslehre die Berufsorientierung etablierte. “ (ebd. S.14)

Im weiteren Verlauf kam es oftmals zu Veränderungen und Reformen. Immer wieder wurde auch diskutiert, ob das Arbeitsamt eine Monopolstellung für die Berufsvorbereitung haben sollte und immer wieder wurde die Frage nach der richtigen Methode zur Unterrichtsgestaltung gestellt (ebd. S.120).

Aktuell findet Berufsvorbereitung in Schulen in verschiedenen Formen statt: Im Fach Arbeitslehre werden Übersichten für verschiedene Berufsgruppen gegeben, meistens finden zwischen der achten und zehnten Klassenstufe Betriebspraktika statt. Entweder tage- oder wochenweise. Manche Schulen bieten im Zuge von Projektwochen Informationsmöglichkeiten bezüglich möglicher Ausbildungsberufe in Zusammenarbeit mit den örtlichen Agenturen für Arbeit.

In Hamburg beschreibt das Hamburger Schulgesetz gegenwärtig die Aufgabe und den Umfang der Berufsvorbereitung:

„ Auf allen Schulstufen und in allen Schulformen der allgemeinbildenden Schulen ist in altersgem äß er Form in die Arbeits- und Berufswelt einzuführen und eine umfassende berufliche Orientierung zu gewährleisten. Dabei sind den Schülerinnen und Schülern grundlegende Kenntnisseüber die Struktur der Berufs- und Arbeitswelt und die Bedingungen ihres Wandels zu vermitteln. Unterricht und Erziehung sind so zu gestalten, dass die Schülerinnen und Schüler die für den Ü bergang in die berufliche Ausbildung erforderliche Berufsreife erwerben. “ (vgl. HmbSG, §3, Absatz 2)

Im gemeinsamen Bildungsplan der Stadt Hamburg für die Haupt- und Realschule der Jahrgangsstufen 5-10 finden sich an mehreren Stellen Vorgaben in Bezug auf Berufsvorbereitung und Kompetenzerwerb für Ausbildungsberufe. So wird die Berufsorientierung in den Lernbereichen Gesellschaft, Arbeit und Beruf und dem Wahlpflichtfach Arbeitslehre angesprochen; sie wird ferner in den Vorschriften für die allgemeinen Aufgabengebiete der Schulen (vgl. Behörde für Schule und Berufsbildung, Klassenstufe 5-8) erfasst. Zu den Anforderungen an die Berufsorientierung gehört der Erwerb von den Kompetenzen, die den Schülern einen erfolgreichen Wechsel vom Schulleben in die Berufswelt ermöglichen sollen (vgl. ebd., Abschnitt „Aufgabengebiete“, S.10). Wenngleich der Schwerpunkt auf dem Verstehen der individuellen Rolle in der Wirtschaftswelt und auf der Entfaltungsmöglichkeit der Schüler liegt und hierbei der theoretische Rahmen überwiegt, wird aber auch betont, dass die Berufsorientierung dazu verhelfen soll, eigene Interessen und Potenziale zu erkennen und daraus selbstverantwortliche Entscheidungen zur Berufswahl entstehen zu lassen (ebd.). Die konkrete Umsetzung bleibt jedoch der einzelnen Schule überlassen. In Hamburg arbeiten Stadtteilschulen und Berufsschulen ab Jahrgang 8 verbindlich zusammen, um die Voraussetzungen für den Übergang zu optimieren, „ damit möglichst kein Jugendlicher an der Schnittstelle von der Schule in den Beruf verloren geht “ (vgl. Lumpe). In diesem Sinne wurde zum Beispiel das Projekt transfer vom Berufsbildungswerk in Zusammenarbeit mit sechs Hamburger Schulen ins Leben gerufen, bei dem die Lernstrukturen der neunten und zehnten Jahrgangsstufe so verändert wurden, dass schulische und berufliche Ausbildung und praktische Erfahrungen parallel verlaufen.

„ Es hat sich gezeigt, dass die jungen Menschen durch den engen Kontakt mit der beruflichen Praxis und die anderen Lernstrukturen zu besseren Lernergebnissen motiviert werden. Sie werden durch die gleichzeitige betriebliche Sozialisation zu einer fundierten Entscheidungüber ihren weiteren beruflichen Werdegang befähigt. “4

Es kann also gesagt werden, dass generell in Hamburg und an Hamburger Schulen die Berufsvorbereitung einen hohen Stellenwert hat und zur Überwindung der Schnittstelle Schule/Beruf dienen soll. In diesem Zusammenhang soll die Berufsvorbereitung an der OttoHahn-Schule betrachtet werden.

2.3. Die Berufsvorbereitung an der Otto-Hahn-Schule

An der Otto-Hahn-Schule (OHS) im Hamburger Stadtteil Jenfeld ist Berufsorientierung bereits seit 2003 fester Bestandteil der Unterrichtsentwicklung. Mehrfach wurde die Schule für ihr Konzept prämiert:

[...]


1 Diese Sozialleitungen beziehen sich auf das Arbeitslosengeld II, umgangssprachlich „Hartz IV“: „ Arbeitsfähige bedürftige Personen von 15 bis unter 65 Jahren haben Anspruch auf Arbeitslosengeld II, den im gleiche Haushalt wohnenden unter 65-jährigen Nichterwerbsfähigen steht Sozialgeld zu. “ (Statistisches Jahrbuch Hamburg 2010/2011; S.64)

2 Der Betrag ergibt sich aus: ALG II 342,45Euro + Sozialversicherungsbeiträge 150,39 Euro + Kosten für Unterkunft 369,88 Euro + Sozialgeld 14,45 Euro und sonstigen Leistungen 6,84 Euro (Behörde für Soziales et al.: Lebenslagenberichterstattungen, S.29)

3 Die Berechnung ist unpräzise und soll an dieser Stelle nur als Richtwert dienen. Der genaue Betrag, den die Hansestadt in 2009 durchschnittlich für Leitungsempfänger ausgegeben hat, konnte leider nicht ermittelt werden.

4 (http://www.bbw-hamburg.de/front_content.php?idcat=129&idart=220)

Details

Seiten
32
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656225386
ISBN (Buch)
9783656279372
Dateigröße
556 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v196462
Institution / Hochschule
Universität Hamburg
Note
2,0
Schlagworte
Stadtteilschule Berufsvorbereitung Schulprojekt Schulentwicklung

Autor

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Titel: Berufsvorbereitung in der Schule