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Schule ist lästig - auf meinem Weg zum Superstar/Topmodel!

Welche pädagogischen Fähigkeiten braucht ein guter Lehrer, um pubertierende Mädchen zu unterstützen?

von Jannicke Schickert (Autor) Regula Toellner (Autor)

Hausarbeit 2011 22 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung (J. Schickert, R. Toellner)

2 Pubertät (J. Schickert, R. Toellner)
2.1 Chaos im Kopf
2.2 Was im Gehirn geschieht
2.3 Bedeutung der neurobiologischen Erkenntnisse

3 Kompetenzen „guter Lehrer“ (J. Schickert, R. Toellner)
3.1 Persönlichkeitseigenschaften
3.2 Was gute Lehrer anders machen - Kompetenzen in der Pubertät
3.3 Beziehungen
3.4 Persönlichkeitseigenschaften in der Pubertät

4 Fazit (J. Schickert, R. Toellner)

5 Literaturverzeichnis (J. Schickert, R. Toellner)

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 Kompetenzen des Lehrers, nach Mienert (Mienert, 2006, S. 9) 11

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1 Persönlichkeitseigenschaften, modifiziert nach Mienert (Mienert, 2006, S. 7) 13

1 Einleitung (J. Schickert, R. Toellner)

„We don’t need no education.

We don’t need no thought control No dark sarcasm in the classroom Teacher leave them kids alone”

Pink Floyd, Another brick in the Wall

Das Interesse an dem Thema der Hausarbeit entstand aus der persönlichen Frage heraus, wie wir unsere eigenen Töchter (Fiona, 13 und Martje, 11 Jahre alt) in der Zeit ihrer Pubertät erleben und unter welchen Gesichtspunkten in diesem Kontext die Auseinandersetzung mit dem Thema Lehrer und Schule stattfindet. Als Eltern wissen wir, dass in der Phase der Pubertät die bisherigen Regeln des Zusammenlebens auf den Kopf gestellt werden. Das bringt veränderte Bedingungen mit sich, sowohl für uns als Eltern, als auch für die am Erziehungsauftrag beteiligten Lehrer. Zu Hause möchten sich die Jugendlichen in dieser Zeit abnabeln, werden verschlossen, sowohl Erlebnisse aus der Schule wie auch aus dem Freundeskreis werden nicht mehr transportiert, bei vermeintlichen Kleinigkeiten wird übertrieben aufbrausend reagiert und viele andere Facetten bestimmen den Gemütszustand der Jugendlichen. Diese „turbulente“ Phase zwischen dem 11. bis 17. Lebensjahr mag zwar innerlich und äußerlich individuell sein, es ist aber auch bekannt, dass Sie doch irgendwie immer gleich verläuft. Was also geschieht nun in den Zeiten der Interessensveränderung im Fall unserer Generation Mädchen? Vom Traum des Topmodels, Superstars, der ersten Verliebtheit, der Kommunikation über Schüler-VZ und Facebook mit Gott und der Welt und der gleichzeitig Anforderung, sich des G8 - Modelles unserer Gymnasien stellen zu müssen.

In diesem Zusammenhang möchten wir die Frage erörtern, welcher Kompetenzen bedarf es für die Lehrer an unseren Schulen, sich diesen Interessen der jugendlichen Mädchen zu stellen, gekoppelt mit ihrem Auftrag, den Anforderungen des Bildungssystems gerecht zu werden und den zu erwartenden „Auswüchsen“ - kein Bock; kein Plan; Schule?“ zu begegnen. „Die meisten Jugendlichen sind motivationslos. Sie sitzen unaufmerksam in der Schule, und zuhause verschanzen sich in ihren Zimmern. In Vereinen wollen sie sich nicht mehr engagieren und was früher Spaß gemacht hat, verbreitet plötzlich Langeweile. Motivationslosigkeit gehört in diese Entwicklungsphase und ist durch Umbauprozesse im jugendlichen Gehirn bedingt.“ (Sonnleitner-Seegmüller, 2010)

Wir möchten in dieser Arbeit ergründen, vor welchem Hintergrund die Verhaltensweisen der Pubertierenden zu bewerten sind, inwieweit körperlichen und hormonellen Veränderungen Einfluss nehmen und welche Kriterien an einen „guten Lehrer“ gestellt werden, damit auch in dieser Entwicklungsphase eine positive Beeinflussung des Lernverhaltens, der Sozialkompetenz und Persönlichkeitsbildung durch den Lehrenden möglich ist. Was für Eigenschaften sollte ein „guter Lehrer“ mit sich bringen, um in dieser Zeit unterstützende Prozesse anzubieten, die von den Jugendlichen genutzt werden und das Lernverhalten positiv beeinflussen?

Die Themen classroom-management, Unterrichtsmethoden und Schulmodelle, die ebenfalls zu dem Thema gute Schule und motivierendes Lernen einen großen Beitrag leisten können, werden hier nicht behandelt.

Um den Lesefluss nicht negativ zu beeinflussen, verwenden wir in unserer Arbeit grundsätzlich einheitlich für die Begriffe Lehrerin, Lehrer die jeweils männliche Form und schließen darin die weibliche Form ein.

2 Pubertät (J. Schickert, R. Toellner)

2.1 Chaos im Kopf

Überspanntheit, Exaltiertheit, Nervenkrieg- diese Auswüchse der Pubertierenden stellen die Lehrer unserer Schulen vor anspruchsvolle Aufgaben. Wieso kommt es zu diesen Verhaltensänderungen bei häufig vormals unauffälligen, lieben, freundlichen vielleicht auch schüchternen und braven Mädchen? Ist die Verwandlung vom Kind zur jungen Frau mit den oben beschriebenen Phänomenen ein erzieherisches Problem oder ein ganz „normaler“ Vorgang, der immer wieder sowohl bei Eltern als auch Lehrern diskutiert wird?

„Vor allem Mädchen belastet die Dissonanz körperlicher, seelischer und geistiger Reife“. (Weichold, 2006) Es ist eine prägende Übergangsphase, gekennzeichnet durch die Entwicklung sekundärer Geschlechtsmerkmale. Die Fertilität wird erreicht, es finden enorme Wachstumsschübe statt. „Diese körperlichen Prozesse werden von tief reichenden psychischen Prozessen begleitet.“ (vgl. Junginger, 2007, S. 169)

Unter Psychologen, Soziologen, Pädagogen und Medizinern gibt es unterschiedlichste Ansätze die Pubertät, die Entwicklungsstadien, das Sozialverhalten, die medizinische Komplexität der sich veränderten Organe, zu erforschen und zu beschreiben. Welche Erklärungsmuster gibt es nun für die Phänomene dieser Zeit und kann dieses Wissen in die pädagogische Arbeit sinnvoll einfließen? Als Wissensgrundlage wird an dieser Stelle vorerst die Frage der neurophysiologischen Vorgänge während der Pubertät erklärt.

2.2 Was im Gehirn geschieht

In der Kindheit bildet das Gehirn unzählige Nervenzellen und Verschaltungen (graue Substanz), die kognitiven Fähigkeiten nehmen stetig zu, die Wahrnehmung der eigenen Person und der Umwelt erfolgt. Nach Piaget entwickelt das (Klein-) Kind sein Weltverständnis (Wissen) in der selbsttätigen Auseinandersetzung mit seiner Umwelt (Handeln) selbst konstruiert - kognitive Schemata werden also zunächst von sensomotorischen abgeleitet. Die kognitive Entwicklung wird ansonsten von vier Faktoren beeinflusst: der Reifung, dem Kontakt mit der Umgebung (d.h. einerseits physischen Erfahrungen und andererseits logisch-mathematischen Erfahrungen, wobei letztere durch die innere Koordination von Handlungen erworben werden), der sozialen Übertragung (Lernen von anderen, Unterricht) sowie der Äquilibration (entscheidender Prozess, in dem alle Elemente der Entwicklung zusammengefasst sind). Die Äquilibration integriert und reguliert die drei anderen Hauptfaktoren der Entwicklung: körperliche Reifung, Erfahrungen mit der physikalischen Welt und Einflüsse des sozialen Umfeldes. (Ekert & Ekert, 2005, S. 29) Zum Ende der Kindheit vergrößert sich noch einmal die graue Masse der Großhirnrinde enorm und unendlich viele neue Zellen sprießen aus. Ab dem 12. Lebensjahr wird dann die graue Substanz auf ihre Nützlichkeit überprüft. Weniger „benutzte“ Nervenverbindungen reduzieren sich, die graue Gehirnmasse verringert sich bei gleichzeitigem Anwachsen von weißer Gehirnsubstanz. „Das Gehirn sortiert aus, es konzentriert seine Kräfte, es modelliert sich neu - und es wird dabei wesentlich schneller.“ (Dworschak, 2010, S. 128) Innerhalb dieses zielstrebigen Umbaus, in dem das Gehirn alles in den Dienst der Effizienz stellt, wird es zum Organ des gezielten Handelns. Die Wahrnehmung bildet sich weiter aus, die zusammengesetzten Geistestätigkeiten wie z.B. die Raumorientierung verbessern sich, das Sprachzentrum entwickelt sich im gewinnenden Maße. So sortiert sich das Gehirn komplett neu, wird leistungsfähiger und schneller. Letztendlich kommt es zu Aktivitäten im präfrontalen Cortex. Hier werden die Emotionen reguliert, Impulse aus älteren Hirnteilen bearbeitet bzw. gebändigt, die Folge von Handlungen bedacht und auch bewertet. Die Umbaumaßnahmen dauern hier am längsten und alle Informationen müssen einen Umweg über den Mandelkern nehmen. Da diese Region sich also zuletzt ausbildet, sind die Störanfälligkeiten der bereits beschriebenen Komponenten immens. Die Jugendlichen sind letztendlich leichte Beute für Erregungen aller Art. Dies ist ein großer Vorteil, wenn sie sich für etwas begeistern; allerdings auch ein Nachteil, wenn es um die Überlegenheit des eigenen Handelns geht. „Es genügt der Einfall, mit Freunden loszuziehen - schon schüttet das Gehirn einen Vorschuss an Glückshormonen aus. Normalerweise würde sich nun der präfrontale Cortex einschalten mit der Erinnerung an die überfälligen Hausaufgaben. Solange aber dieser Spielverderber schwach ist, hat das Belohnungssystem weitgehende freie Bahn.“ (ebd.) Ebenfalls wächst die Freude am Risiko und Grenzgängen, was durch die Forschung erklärt wird mit einem höheren Bedarf der Jugendlichen an Dopamin, damit stellt sich der „Kick“ ein. Der präfrontale Cortex, der uns normalerweise überlegt und vernünftig handeln lässt, steuert nun die Bauchentscheidungen unserer Kinder und sorgt dafür, dass sie während der Pubertät wegen jeder Kleinigkeit explodieren. (vgl. Gottschling & Haltmeier, 2003) Die Kontrolle von Emotionen ist schlichtweg schwierig. Weiterhin bedingen sich durch diese Entwicklung gegenseitig Veränderungen, die auch die Ablösungsphase vom Elternhaus mit sich bringt. Peergroups nehmen nun den wichtigsten Stellenwert ein. Das heißt im umfassenden Sinn Freundschaften, Partnerschaften, Leidenschaft für Menschen, Konzerte, Serien, Autos oder Popstars sind zentrale Inhalte im Gedankenkreis der Jugendlichen. Zusätzlich spielt die körperliche Veränderung besonders bei Mädchen eine zentrale Bedeutung in der Pubertät. „Der Anstieg des Östrogenspiegels bewirkt eine Reihe von körperlicher Veränderung, auch die Entwicklung der sekundären Geschlechtsorgane. (vgl. Junginger, 2007, S. 169) Zwischen dem 10. und 14. Lebensjahr kommt es bei Mädchen zu einem Anwachsen der Körpergröße zwischen 8-9 cm/Jahr. Der Busen und die Sexualorgane verändern sich. Durch Fetteinlagerung beginnen die Brüste zu wachsen, zusätzliches Fett an Bauch, Hüfte und Oberschenkel sorgt für die typisch weiblichen Kurven, die Ausdifferenzierung der Vagina und Gebärmutter erfolgt. Ihre erste Menarche haben Mädchen heute mit ca. 12 Jahren, manche bereits mit 8 Jahren. Die Haut verändert sich durch die Hormone, die Talgdrüsen werden stimuliert, es kommt zu Pickeln bzw. Akne, was wiederum bei manchen jungen Mädchen Komplexe hervorrufen kann. (vgl. Müller, 2011, S. 36)

An dieser Stelle sei kurz das überdurchschnittliche Interesse an Kleidung und Schminken erwähnt, ebenfalls das weitreichende Konfliktpotenzial, das aus dem beginnenden Interesse am anderen Geschlecht entstehen kann. Die erste Schwärmerei, Verliebtheit, Freundschaft und Liebe stürzen häufig die Gefühlswelt der Mädchen in ein Chaos. Der Schweizer Neurowissenschaftler Andreas Bartels hat Untersuchungen angestellt über die Hirnaktivitäten bei „Verliebtheit“: Dabei fand er auch für das eingeschränkte Denkvermögen in dieser Phase eine einleuchtende Erklärung. Schon bei der Betrachtung eines Fotos des geliebten Menschen kommt es nach Bartels zu einer Beeinträchtigung der Hirnregionen, die für das Gedächtnis, die Aufmerksamkeit und die Lösung komplizierter Aufgaben benötigt werden. Er beobachtete auch eine Ausschaltung der Hirnteile, die für Angstgefühle wichtig sind (Mandelkern und posteriorer cingulater Gyrus). Als drittes stellte Bartels fest, dass es bei der Betrachtung des o.g. Fotos zur Deaktivierung des präfrontalen Cortex kommt, der Hirnregion, die bei Depressionen überaktiv ist. VGL. (Simm, 2000) All diese Veränderungen bringen ebenfalls die Krisenanfälligkeit dieser Jahre mit sich. Das statistische Risiko von Verletzungen in dieser Phase ist hoch, die Anfälligkeit für Suchterkrankungen, Essstörungen, psychische Krankheiten nehmen häufig hier ihren Anfang. Die Heftigkeit des Wandels in dieser Zeit ist immer wieder überraschend, für Eltern gleichermaßen wie für Lehrer. Authentische Lehrer, die sich gut mit dieser schwierigen Zeit zurechtfinden, gelingt dies nicht durch „Pseudojugendlichkeit“. Die Lehrer setzen Signale, dass sie mehr Lebenserfahrung haben. Sie sagen ihre Meinung immer deutlich, allerdings nicht mit dem Anspruch, dass Jugendliche sich auch danach richten müssen. „Sie machen sie vielmehr darauf aufmerksam, dass sie die Verantwortung für ihr Handeln nun selber tragen“ (Largo & Beglinger, 2009, S. 107) Daher besteht die Fähigkeit eines guten Lehrers einen Zugang zu den Jugendlichen zu finden und deren eigene Erlebniswelten so zu kanalisieren, dass Sie auch innerhalb ihrer Selbstfindungsprozesse, die Wissensaufnahme als anwendbar und wichtig für ihren eigenen Kontext erleben. Dies geschieht z.B. durch Beziehungsarbeit, die auch professionellen Umgang mit außerschulischen Problemen bedeutet. „So ein Lehrer nimmt die Angst vor der Schule; so ein Lehrer ist, auch wenn man ihn nur ein oder zwei Schuljahre lang hat, ein Gefährte fürs Leben.“ (Prantl, 2010)

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Details

Seiten
22
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656225300
ISBN (Buch)
9783656226901
Dateigröße
896 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v196546
Note
1,0
Schlagworte
superstar/topmodel welche fähigkeiten lehrer mädchen Pädagogik

Autoren

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