Lade Inhalt...

Partizipation. Ein Thema für den Kindergarten

Hausarbeit 2011 22 Seiten

Pädagogik - Kindergarten, Vorschule, frühkindl. Erziehung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die UN- Kinderrechtskonvention
2.1 Die Entstehung der Kinderrechtskonvention
2.2 Die Kinderschutzbewegung

3. Inhalte der UN-Kinderrechtskonvention
3.1 Partizipationsrechte
3.2 Die frühkindliche Bildung

4. General Discussion/General Comment Nr.

5. Regelungen auf Bundes- und Landesebene zum Thema Partizipation

6. Kindergarten- Die Kinderstube der Demokratie
6.1 Prinzipien für Partizipation mit Kindern
6.2 Beispiele zur Partizipation im Kindergarten
6.3 Ausblick: Ein an den Kinderrechten orientierter Ansatz

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Partizipation wird definiert als „Teilhabe, Teilnahme, Mitbestimmung“ und „bezeichnet die aktive Beteiligung der Bürger und Bürgerinnen (…)“ (Schubert/ Klein, 2006).

Beteiligung stellt das Grundgerüst einer Demokratie als Regierungs- und Lebensform dar und ermöglicht dem Menschen seine Interessen mitzuteilen und an Entscheidungen mitzuwirken. Ebenso wie Erwachsene, haben auch Kinder nicht nur ein Recht auf Schutz und Versorgung, sondern auch auf Mitbestimmung (siehe Art.12 Abs.1 der Kinderrechtskonvention). In der Debatte um die Bildungsziele, mitunter ausgelöst durch den Deutschlandbesuch des Sonderberichterstatters Vernor Munoz-Villa-lobos des UN- Menschenrats zum Recht auf Bildung im Jahr 2006 (vgl. Kittel, 2008, S.52), spielen neben den fachlichen und sozial- emotionalen Kompetenzen, auch die Partizipation von Kindern eine Rolle. Mitbestimmung ist nicht nur ein Kinderrecht, sondern trägt auch zur ganzheitlichen und frühkindlichen Bildung bei. Doch was sagt die Kinderrechtskonvention zu der Beteiligung von jüngeren Kindern? Können bereits Kindergartenkinder an Entscheidungsprozessen mitwirken?

In der vorliegenden Arbeit soll ausgehend von diesen Fragen überprüft werden, in welchem Zusammenhang die UN- Kinderrechte und die frühe Kindheit1 stehen. Um die Kinderrechte in ihrer Bedeutung zu erfassen, soll zunächst ein Überblick zur Entstehung und zu den Artikeln der Kinderrechtskonvention erfolgen. Dabei wird der Fokus auf die Partizipationsartikel gerichtet, die Kindern unabhängig ihres Alters, das Recht auf Beteiligung einräumen (sollten). Anknüpfend daran, wird der General Comment zur Umsetzung der Kinderrechte in der frühen Kindheit näher betrachtet. Im weiteren Verlauf sollen die gesetzlichen Grundlagen zum Thema „Bestimmung“ auf nationaler-, bzw. Landesebene betrachtet werden. In den von den Bundesländern konzipierten Bildungs- und Erziehungsplänen wird dem Kindergarten eine wesentliche Rolle bei der Umsetzung zugeschrieben. Aufgrund dessen soll im letzten Teil dieser Arbeit untersucht werden, inwieweit Kindertagesstätten mithilfe von Projekten und die Verankerung von Beteiligung in den pädagogischen Konzepten, zu einer tatsächlichen Partizipation von kleinen Kindern beitragen können.

2. Die UN- Kinderrechtskonvention

Die Überzeugung, dass Kinderrechte Menschenrechte sind und Kinder deshalb die gleichen Rechte wie Erwachsene haben, ist das Ergebnis eines langen Prozesses. Der Blick in die Vergangenheit zeigt, dass viele Versuche von Nöten waren, bis die Rechte der Kinder in einer für die Vertragsstaaten verbindlichen Konvention verankert wurden. Die Entstehung der KRK lässt sich auf das 20. Jahrhundert zurückführen, während dabei zwei entscheidende Entwicklungen prägend waren. Einerseits führt die Autorin Kittel die Kinderschutzbewegung an, die infolge der durch die Industrialisierung verursachten Ausbeutung in der westlichen Welt entstand. Zum anderen verweist die Autorin auf die Entwicklung der Konvention durch die Verkündung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen (vgl. Kittel, 2008, S. 11).

In diesem Kapitel soll zunächst ein kurzer Überblick über die Geschichte der KRK erfolgen. Um die Rechte in ihrer Bedeutung zu verstehen, werden im weiteren Verlauf wesentliche Inhalte und Artikel zu dem Thema Partizipation betrachtet, die für die pädagogische Praxis und die kinderrechtsorientierte Arbeit bedeutungsvoll sind.

2.1 Die Entstehung der KRK

Der erste Versuch, Kindern Rechtsansprüche zuzugestehen, wurde 1924 mithilfe der „Genfer Erklärung“ unternommen. Insbesondere sollte diese Deklaration und die darin enthaltenen Schutz- und Versorgungsrechte, Kriegswaisen mehr Sicherheit und Hilfe bieten (vgl. Liebel, 2007, S. 16; Kerber-Ganse, 2009, S.39). Dabei kritisierte der polnische Kinderarzt und Pädagoge Janusz Korczak, dass die formulierten Rechte des Kindes „die Achtung seiner Würde als eigenständige Persönlichkeit“ (Kittel, 2008, S.19) missachtet würden.

Durch die grausamen Menschenrechtsverletzungen im zweiten Weltkrieg, sollte durch die Verkündung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte am 10. Dezember 1948 eine bessere und friedlichere Welt geschaffen werden. Die Kernprinzipien der Menschenrechte zeichnen sich dadurch aus, dass sie für alle Menschen gelten, die Artikel nicht getrennt voneinander betrachtet werden, da sie sich gegenseitig beeinflussen und nur im Gesamten verwirklicht werden können (vgl. Lohrenscheit, 2006, S.7). 1959 wurde die „Genfer Erklärung“ überarbeitet, indem neben den enthaltenen Schutzrechten, noch einige Grundrechte hinzugefügt wurden. Doch auch „die Erklärung der Rechte des Kindes“ hatte keine Rechtsverbindlichkeit für die Vertragsstaaten der UN. Die Forderung nach einem verbindlichen Dokument wurde mit dem Entwurf des 1979 entstandenen „First Polish Draft“ von der polnischen Regierung gemacht. Nach unzähligen Diskussionen und auf der Suche nach Kompromissen bezüglich einiger Artikel des Konzepts, wurde 1989 die UN- Kinderrechtskonvention von der Generalversammlung angenommen. Bis auf Somalia und den USA haben alle Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen die Kinderrechtskonvention ratifiziert und sind damit die Verpflichtung eingegangen, „Kinder vor allen Formen der Gewalt und Misshandlung durch Dritte zu schützen“ und „Maßnahmen zu ergreifen, die für die Umsetzung notwendig sind“ (vgl. ebd.).

2.2 Die Kinderschutzbewegung

Der Ursprung der Kinderrechte basierte im Gegensatz zu den Menschrechten nicht auf dem Freiheits- sondern auf dem Schutzgedanken. Ausbeutungspraktiken zu Zeiten der Industrialisierung bedrohten die gesunde kindliche Entwicklung. Demnach wurden Gesetze geschaffen, die Kinder vor schwerer körperlicher Arbeit schützen sollten. Gleichzeitig dienten stattliche Fürsorge und Maßnahmen dazu, Kinder zu verantwortungsvollen Erwachsenen zu erziehen, die dem Staat und der Wirtschaft in der Zukunft nützlich sein sollten (vgl. Liebel, 2007, S. 15-17). Ergänzend zu dem Schutzgedanken, legt die „Moskauer Deklaration der Rechte des Kindes“ von 1918 ihren Fokus auf die Stärkung der Stellung von Kindern und „ihre Gleichberechtigung mit den Erwachsenen“ und versteht Kinder erstmals nicht nur als „Werdende“, sondern als „Seiende“, die bereits in der Gegenwart (d.h. als Kinder) gesellschaftliche Anerkennung verdienen“ (ebd. S.19). Der Aufklärer Jean- Jacques Rousseau, war einer der ersten Pädagogen, der der Kindheit eine besondere Bedeutung im Leben eines jeden Menschen zuschrieb. So beschreibt er in seinem pädagogischen Hauptwerk „Emile- oder über die Erziehung“ die Bedeutsamkeit: „Man beklagt den Kindstand, aber man sieht nicht, dass die Menschheit zugrunde gegangen wäre, wenn der Mensch nicht als Kind begonnen hätte“ (Rousseau, 1998, S.10). Durch die Reformpädagogik und die Kinderpsychologie im 20. Jahrhundert fand ein Perspektivenwechsel statt. Kinder werden seitdem nicht länger als Opfer und Empfänger ihrer Umwelt, sondern als „Akteure ihrer Lebenswelt gesehen, die diese gestalten und definieren“ (Fölling-Albers, 2008, S.38).

Insbesondere in der sozialwissenschaftlichen Kindheitsforschung wird das Kind als aktives und eigenständiges Wesen betrachtet, das einerseits besonderen Schutz benötigt, aber auch Partizipationsrechte besitzt. Diese Sichtweise spiegelt sich auch in der Kinderrechtskonvention und in den darin enthaltenen Artikeln wider. Kindheit wird nicht ausschließlich als Übergangs- bzw. Entwicklungsphase oder als Schutz- und Schonraum, sondern als eigenständiger und vollwertiger Abschnitt verstanden, in dem das Kind Experte und handelndes Subjekt seiner eigenen Interessen ist (vgl. Hungerland, 2008, S.2).

Die Inhalte der UN- Kinderrechtskonvention und nationale Kindeswohldebatten stehen in der Vergangenheit wie in der Gegenwart im Spannungsverhältnis zwischen dem Schutz des Kindes und seinem Recht auf Autonomie. Einerseits geht es darum, das „Kindeswohl“ mit allen möglichen Maßnahmen sicherzustellen und auf der anderen Seite den individuellen „Kindeswillen“ nicht unberücksichtigt zu lassen (vgl. Andresen/Hurrelmann, 2010, S. 24).

3. Inhalte der UN- Kinderrechtskonvention

Die Konvention ist das erste völkerrechtlich verbindliche Abkommen, das „bürgerliche und politische mit sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Rechten vereint“ (Liebel, 2007, S. 41). Die KRK umfasst 54 Artikel, deren Gehalt in drei Bereiche eingeteilt wird. Nach der Präambel, werden im ersten Teil der Konvention (Artikel 1-41) die Schutz-, Versorgungs- und Partizipationsrechte des Kindes beschrieben (vgl. Sünker, 1993, S.48). Diese sollen sicherstellen, dass jedes Kind das Recht auf eigene Identität, Gesundheit, Fürsorge und Mitsprache hat, während es gleichzeitig vor Diskriminierung, Missbrauch und Ausbeutung geschützt werden soll. In Artikel 42 bis 45 wird erklärt, dass die Vertragstaaten sich verpflichten, die Konvention bekannt zu machen und nationale Berichte über den Stand der Umsetzung an den UN- Ausschuss für die Rechte des Kindes (Committee on the Rights of the Child) abzugeben. Der dritte Teil beschreibt die Schlussbestimmungen, z. B. die Ratifizierung, die Unterzeichnung und die Möglichkeit Vorbehalte zu hinterlegen. Darüber hinaus gelten Artikel 2, 3, 6 und 12 als Grundprinzipien und beschreiben den „Geist der UN-Kinderrechtskonvention“ (vgl. Kittel, 2008, S. 27-29).

Da der Schwerpunkt dieser Arbeit auf dem Bereich Partizipation liegt, sollen deshalb ausschließlich die wesentlichen Artikel zu diesem Themenbereich näher betrachtet werden.

3.1 Partizipationsrechte

Die Artikel 13, 14, 15 und 17 gelten als Partizipationsrechte und werden in Verbindung mit Artikel 12, nämlich den kindlichen Willen und deren Ansichten zu berücksichtigen, betrachtet. Unter Partizipation versteht der Autor Althof die Teilhabe am Leben, an der Schule, an der Gemeinde und an der Nation. Darüber hinaus biete das Recht auf Partizipation, die Chance Verantwortung zu übernehmen und an Entscheidungen mitzuwirken (vg. Althof, 2007 , S. 75). Kinder als aktiv Handelnde zu betrachten, gilt wie bereits erwähnt, als Innovation und wird deshalb in der Debatte um die Kinderrechte am häufigsten kontrovers diskutiert. Die KRK definiert ein Kind als Mensch, der gemäß Artikel 1 „das achtzehnte Lebensjahr noch nicht vollendet hat“ und richtet sich mit den formulierten Rechten folglich an Kinder im Alter von 0 bis 18 Jahren. Die Kinderrechtskonvention orientiert sich somit an alle, auch an die jüngsten Kinder. Der Autor Liebel verweist jedoch darauf, dass sich in Artikel 12 Widersprüchlichkeiten und „problematische Einschränkungen“ im Zusammenhang mit den Partizipationsrechten ergeben (Liebel, 2007, S. 62). Zunächst kommt nur das Kind in Frage, „das fähig ist, sich seine eigene Meinung zu bilden“ und dann auch nur in Bezug auf das Kind „berührende Angelegenheiten“ (Art. 12 Abs. 1). Der Autor merkt kritisch an, dass trotz des Versuches die Partizipationsrechte von Kindern zu stärken, die „Doppeldeutigkeiten“ das ungleiche Machtverhältnis von Kindern und Erwachsenen aufrechterhalten (ebd.).

Der Autor geht noch weiter, indem er insbesondere das dominierende Verständnis von der Schutzbedürftigkeit des Kindes dafür verantwortlich macht, dass Kinder in erster Linie beschützt und umsorgt werden und dadurch Partizipationsrechte und die soziale Stellung des Kindes geschwächt werden (vgl. ebd. S.64).

Aufgrund der „Verletzlichkeit“ des Kindes wird das Thema Mitbestimmung kaum in Verbindung mit der frühen Kindheit gebracht. Den kleinen Kindern wird noch eher als den Schulkindern die Fähigkeit abgesprochen sich zu beteiligen und an Entscheidungsprozessen mitzuwirken. Diese Skepsis zeigt sich deutlich im Bereich der Kleinkindsforschung, bei der die Befragung mit jüngeren Kindern kaum systematisch untersucht ist. Aufgrund der Tatsache, dass Kindergartenkinder weder lesen noch schreiben können, wird angezweifelt, ob Äußerungen von jüngeren Kindern überhaupt in die Forschung mit einfließen sollten. Zum einen wird die Sprachentwicklung angeführt und zum anderen geht die Autorin Katz davon aus, dass die Befragung mit jüngeren Kindern kaum möglich sei, da sie „ihre Erfahrungen kaum zuverlässig verbal beschreiben können“ (Katz, 1996, S.237). Zum anderen bestehen Zweifel an der Zuverlässigkeit der Aussagen, da Kinder für Suggestionen empfänglich seien (Andresen/Hurrelmann, 2010, S. 75). Darüber hinaus würde es vorwiegend jungen Kindern schwer fallen, Unterschiede zwischen Wirklichkeit und Fiktion sprachlich zu benennen (vgl. ebd.). Oft finden Projekte statt, wie z.B. bei sogenannten Kindergipfeln, bei denen kleinen Kindern das Gefühl vermittelt wird, dass sie an Entscheidungen mitwirken können. Diese „Scheinpartizipation“ dient in den meisten Fällen um „Kinderfreundlichkeit zu illustrieren“ (Liebel, 2007, S. 185-186), aber nicht aufgrund von ernst gemeinten Absichten. „Echte“ Partizipation mit Kindern findet erst statt, wenn Kinder durch eigene Aktivitäten mit oder ohne die Hilfe eines Erwachsenen an einem bestimmten Ziel mitwirken können.

[...]


1 Bezeichnet im Allgemeinen alle Kinder, die sich im 4. -6. Lebensjahr befinden (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Kind).

Details

Seiten
22
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656228370
ISBN (Buch)
9783656229834
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v196655
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
1,0
Schlagworte
partizipation thema kindergarten

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Partizipation. Ein Thema für den Kindergarten