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Verwertungsrechte online - Die Musikwirtschaft

Essay 2011 26 Seiten

Medien / Kommunikation - Medienökonomie, -management

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Historische Eckdaten des Urheberrechts und der Verwertungsgesellschaften

2. Entwicklungen der Medienlandschaft im Bereich der Musikwirtschaft

3. Urheberrecht
3.1 Globale Ebene
3.2 Europäische Ebene
3.3 Nationale Ebene (Deutschland)

4. Zur Rolle der Verwertungsgesellschaften

5. DRM-Systeme. Allheilmittel oder Schnee von gestern?

6. Resümee und Ausblick

Literaturverzeichnis

Einleitung

Während in der Vorlesung „Medienentwicklungen in den 1980er und 1990er Jahren“ sowohl ein Querschnitt durch die Medienlandschaft als auch Längsschnitte durch die Historie der behandelten Mediengruppen gelegt wurde, befasst sich der vorliegende Aufsatz lediglich mit einem Teilbereich, nämlich dem der Musikwirtschaft1. Hierbei geht es im Vorliegenden vor allem um die rechtlichen Folgen und Bedingungen der medialen Entwicklung hin zum Zeitalter des Internets.

Da das Verwertungsrecht allerdings ein Folgerecht des Urheberrechts ist und diese auch diejenige Stelle ist, an der die Gesetzgeber auf die Entwicklungen der Medienlandschaft reagiert haben, werden sich die Ausführungen dieses Textes in erster Linie mit diesem befassen.

Um einen besseren Überblick über die Situation zu liefern, ist der Text in zwei eher historische Kapitel (1. Historische Eckdaten des Urheberrechts und der Verwertungsgesellschaften, 2. Entwicklungen der Medienlandschaft im Bereich der Musikwirtschaft), sowie drei darstellende (3. Urheberrecht, 4. Zur Rolle der Verwertungsgesellschaften, 5. DRM-Systeme. Allheilmittel oder Schnee von gestern?) und ein Resümee des Autors gegliedert.

1. Historische Eckdaten des Urheberrechts und der Verwertungsgesellschaften

Das Urheberrecht wie wir es heute kennen ist im Vergleich zu anderen Rechten ein relativ junges. Dennoch kann es auf eine längere Ursprungsgeschichte zurückblicken. Diese historische Dimension des Urheberrechts wird in folgender Tabelle kurz wiedergegeben. Die Daten und weiteren Ausführungen basieren sämtlich auf den Seiten 2 und 3 aus Albrecht Dümlings Text Solidargemeinschaften für die Rechte der einzelnen Urheber. Zur Geschichte der Verwertungsgesellschaften GEMA, GVL, VG WORT und VG BILD-KUNST von 2007:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wie an dieser kurzen tabellarischen Darstellung der historischen Entwicklungen im Bereich des Urheberrechts zu sehen ist, hatten neben den Literaten auch die Musikschaffenden von Beginn an einen wichtigen Einfluss auf diesen Rechtsbereich. Zwar geht die weltweit erste Vereinigung zum Schutz von geistigen Urheberrechten vor allem auf Schriftsteller zurück, allerdings gehörten zum Bureau de L é gislation Dramatique nicht nur Schaffende der schreibenden Zunft, sondern auch Komponisten, die für theatralische Werke Musik schufen.

Dass der in diesem Aufsatz zentrale Bereich der Tonträger rechtlich in Deutschland erst ab den 1930er Jahren und insbesondere in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg berücksichtigt wurde, hat mit den medialen Entwicklungen im Bereich der Musikwirtschaft zu tun.

Diese Entwicklungen werden in ihren, für die heutige Debatte um das Urheber- und somit auch Verwertungsrecht im Online-Zeitalter, wichtigsten Eckdaten im folgenden Kapitel dargestellt.

2. Entwicklungen der Medienlandschaft im Bereich der Musikwirtschaft

Wie anhand der Tabelle in Kapitel 1 gesehen werden kann, reichen entsprechende Bemühungen um den Schutz des künstlerischen geistigen Eigentums schon in das 18. Jahrhundert zurück. Es muss allerdings auch beachtet werden, dass die damalige Form dessen, was heute in der öffentlichen Debatte um die Urheberrechte als Raubkopie bezeichnet wird, nämlich die vom Urheber nicht genehmigte Vervielfältigung und Verbreitung seiner Werke, sich von ihrer heutigen Form grundlegend unterschied.

Ende des 18. Jahrhunderts gab es noch keine Medien zur Aufzeichnung, Wiedergabe, geschweige denn Vervielfältigung akustischer Ereignisse. Dennoch gab es schon die Möglichkeit musikalische Werke zu vervielfältigen, nämlich in Form des Notentextes. So kam es schon damals vor, dass Werke entweder aufgeführt oder vervielfältigt wurden, ohne dass der Urheber dieser Werke davon profitierte, was eben auch den Auslöser für die Bemühungen um den Schutz des künstlerischen geistigen Eigentums darstellte.

Um die heutige Situation der Musikwirtschaft und somit auch die Debatte um nichtgenehmigte und dem Urheber gegenüber unvergütete Vervielfältigungen von Werken besser nachvollziehen zu können, ist ein zeitlicher Sprung von mehr als 200 Jahren nötig, da der Tonträger als solcher - also die grundsätzliche Möglichkeit des Aufzeichnens akustischer Ereignisse und in der Folge die Verbreitung dieser - erst am Ende des 19. Jahrhunderts geschaffen und im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts in wirtschaftlich relevanter Form umgesetzt wurde. Die Möglichkeit der privaten Vervielfältigung kam schließlich erst in der zweiten Hälfte des selben Jahrhunderts auf.

Was an der Debatte unserer Tage auffällt ist, dass in dem in der Öffentlichkeit ausgetragenen Teil stets die digitale Form der nichtlizenzierten Verbreitung von Musikstücken im Zentrum steht. Doch welche Entwicklungen gingen der heutigen Situation voraus?

Was die Möglichkeit der privaten Vervielfältigung von Tonaufzeichnungen betrifft, so war diese spätestens ab den 1960er Jahren mit der Markteinführung der Kassette gegeben. Auf die Tatsache, dass die so genannte Raubkopie von Tonträgern somit kein neues Phänomen der letzten ein bis zwei Dekaden ist, verweist auch Ulrich Dolata, wenn er schreibt, dass es das „Tauschen und Kopieren von Musik […] natürlich vor dem Internet auch schon“ gab, dieses „allerdings lokal auf den Freundes- und Bekanntenkreis begrenzt“ war und sich „auf die Musik [beschränkte], die dort als physischer Tonträger kursierte“.2 Was ist es dann also, dass die Debatte unserer Tage um die digitale Raubkopie auslöste?

Der erste mediale Einschnitt im Bereich der Tonträger, der als für die heutige Situation mit ausschlaggebend angesehen werden muss, findet sich in den 1980er und frühen 1990er Jahren. Die Musikindustrie versäumte es nämlich, die 1983 neu eingeführten Compact Discs (CD) mit einem Kopierschutz zu versehen, wodurch diese dann ab den 1990er Jahren dank der Markteinführung des CD-Brenners ohne Weiteres kopiert werden konnten.3 Zunächst konnte die Musikindustrie äußerst stark von der Einführung des neuen Trägerformats profitieren, da dieses bei seiner Einführung umfangreich beworben wurde und viele Konsumenten ihre vorhandenen Schallplattensammlungen nach und nach durch die neue CD ersetzten. Dies führte dazu, dass sich die „weltweiten Umsätze des Tonträgermarkts […] zwischen 1985 (12,3 Mrd. $) und 1995 (39,7 Mrd. $)“4 mehr als verdreifachten.

Der nächste Qualitätssprung kam Ende der 1990er Jahre. Diesmal allerdings nicht aus dem Bereich der Musikwirtschaft, sondern aus der Wissenschaft. Schon Anfang der 1980er Jahre wurde am Frauenhofer-Institut damit begonnen die Möglichkeiten der Komprimierung akustischer Daten auf Basis psychoakustischer Gesetze zu erforschen, was schließlich zur Entwicklung des Dateiformats MP3 führte, welches dann in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Dieses neue Dateiformat ermöglichte es erstmals, Musik nicht nur zu vervielfältigen, sondern auch die Dateigrößen der Digitalisate so stark zu reduzieren, so dass es erstmals möglich wurde, mittels der (für heutige Verhältnisse langsamen) damaligen Datenverbindungen (wie ISDN und ab der Jahrtausendwende dann DSL) über das Internet auszutauschen.

Eine Möglichkeit des Austausches von Musik in nichtverkörperter Form (also ohne den Einsatz physischer Träger) war und ist die Email. Allerdings kann ein Dateiaustausch in diesem Rahmen bis heute nur in relativ geringem Umfang stattfinden. In größerem Stil konnten musikalische und auch andere Werke ab 1999 ausgetauscht werden. In diesem Jahr trat nämlich mit Napster die erste Plattform zum Dateiaustausch im so genannten Peer-to- Peer (P2P)-Verfahren an die Öffentlichkeit.5 Seit diesem Zeitpunkt findet auch die bis heute anhaltende Debatte um das Urheberrecht im digitalen Zeitalter statt.

Doch was ist das besondere an solchen Plattformen, dass die Musikindustrie seither hierin ihren Hauptgegner und -schuldigen an ihren Umsatzrückgängen sieht? Es sind vor allem der quantitative und der Lokalitätsaspekt des Musiktausches, die sich mit diesen Netzwerken grundlegend veränderten. Von nun an war und ist es musikinteressierten Internetnutzern möglich, sich Musik zu beschaffen, die in ihrem lokal begrenztenUmfeld nicht verfügbar ist. Außerdem ist es über solche Netzwerke auch möglich binnen kürzester Zeit und ohne zusätzliche Ausgaben, über diejenigen für Computerhardware und Internetanaschluss hinaus, eine Musiksammlung anzulegen sowie weiter zu verbreiten, die man ansonsten nur mit sehr viel höherem zeitlichen und finanziellen Aufwand erlangen könnte. Gerade im finanziellen Aspekt lag und liegt (abgesehen von der Rechtslage) das Problem dieser Netzwerke. Sämtliche hier angebotenen Werke stehen dem Nutzer nämlich kostenlos zur Verfügung, und wo kein Geld gezahlt wird, kann auch kein Urheber für die Nutzung seiner Werke eine Vergütung erhalten. Die große Beliebtheit solcher Netzwerke bei ihren Nutzern trug in kurzer Zeit auch entscheidend zum Aufschwung des MP3- Formats, sowie der dazugehörigen Soft- und Hardware bei.

Da sich in den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts schnell abzeichnete, dass mit der Einführung des Dateiformats MP3 und den vor allem mobilen Abspielgeräten für diese Daten, ein neues Zeitalter im Verhalten der Musiknutzer angebrochen war, versuchte die Musikindustrie in den Jahren zwischen 2000 und 2003 auch selbst in diesem Bereich Fuß zu fassen.6 Dies gelang aus verschiedenen Gründen allerdings nicht. Stattdessen wurden erste Plattformen, auf denen Musik in körperloser Digitalform gegen Bezahlung angeboten wurde und wird, von Firmen wie Apple oder T-Online erfolgreich bereitgestellt, welche selbst vorher kein Teil der Musikindustrie waren.7 Schließlich kamen in den letzten Jahren auch noch so genannte Streamingdienste auf den Markt, welche es ermöglichen Musik zwar nicht direkt auf dem eigenen Computer zu speichern und somit dauerhaft verfügbar zu machen, aber dennoch kurzzeitig zu konsumieren.

Wie schon an diesem kurzen Abriss der Entwicklungsgeschichte der digitalen Musikmedien zu sehen ist, gingen und gehen die entsprechenden Veränderungen sehr zügig von statten, so dass nicht nur die Industrie, sondern auf deren Bestreben hin auch die Gesetzgeber einstweilen darauf reagieren mussten. Welche Form diese legislativen Reaktionen haben, wird daher im folgenden Kapitel 3 dargestellt.

3. Urheberrecht

Das Urheberrecht ist eine mittlerweile mehr als 200 Jahre alte Idee. Als festgeschriebenes Gesetz hat es in Deutschland allerdings eine jüngere Geschichte von 110 Jahren. Die in diesem Zeitraum stattgefundenen medialen Veränderungen im Bereich der Musikwirtschaft, stell(t)en den Gesetzgeber allerdings bis heute immer wieder vor die Herausforderung die Gesetzeslage an die sich verändernden Realitäten anzupassen, weswegen die Rechtslage hier in einem zeitlich weiter gefassten Rahmen als den letzten zwanzig Jahren dargestellt werden wird.

Ein weiterer für die Gliederung entscheidender Aspekt kommt dadurch hinzu, dass nicht nur die mediale, sondern auch die politische Welt nach dem Zweiten Weltkrieg immer stärker auf globaler und internationaler Ebene vernetzt wurde. Aus diesem Grund gliedern sich die folgenden Ausführungen in drei Unterpunkte. Zuerst wird ein kurzer Blick auf die globale Ebene der Richtlinien geworfen, während danach die internationale (welche für die heutigen politischen Bedingungen in Deutschland die europäische Ebene ist) und zum Schluss die nationale Ebene der Gesetzgebung bezüglich des Urheberrechts betrachtet werden. Da es hier aber vor allem um den Bereich der digitalen, also unkörperlichen Form von Vervielfältigung, Verbreitung und Verwertung musikalischer Werke geht und sich in diesem Bereich seit der Verbreitung der P2P-Netzwerke in bestimmten Kreisen der Bevölkerung die Ansicht verbreitet zu haben scheint, dass Dinge, die jederzeit und quasi allgegenwärtig verfügbar sind, grundsätzlich den Status eines Allgemeinguts haben, scheint es sinnvoll den näheren Betrachtungen der Gesetzebenen noch Anmerkungen bezüglich der Frage, ob unkörperliche Werkformen, überhaupt für einen aus dem Urheberrecht resultierenden Schutz in Frage kommen, voranzustellen.

Zu dieser Frage schreibt der Jurist Li Luo:

„Ein Werk wird nur dann durch das Urheberrecht geschützt, wenn es eine persönliche geistige Schöpfung darstellt. Durch die Digitalisierung bleiben die schutzbegründenden Merkmale eines Werks grundsätzlich unberührt.“8

„Die Digitalisierung urheberrechtlich geschützter Werke und Leistungen […] ist ein rein maschineller Vorgang; sie erzeugt weder einen neuen Schutzgegenstand noch führt sie zu einer neuen Verwertungsart. Vielmehr ist sie ein neues, werkneutrales technisches Darstellungs- und Bearbeitungsmedium, das nicht nur unkörperliche Präsentation und Übertragung vorbestehender Werke, sondern auch vordem nicht herstellbare Werkkombinationen ermöglicht.“9

[...]


1 Mit dem Wort „Musikwirtschaft“ werden hier lediglich die Wirtschaftszweige bezeichnet, welche sich mit der Erzeugung und dem Vertrieb musikalischer Werke in Form von Tonträgern und ähnlichem befassen.

2 Ulrich Dolata: Das Internet und die Transformation der Musikindustrie. Rekonstruktion und Erklärung eines

unkontrollierten sektoralen Wandels, in: Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung Discussion Paper 08/7 (2008), S. 16.

3 Vgl. Ebd., S. 11.

4 Ebd., S. 8.

5 Vgl. Ebd., S. 10.

6 Vgl. Ebd., S. 16.

7 Vgl. Ebd., S. 10.

8 Li Luo: Verwertungsrechte und Verwertungsschutz im Internet nach neuem Urheberrecht. Vergleich des internationalen, europäischen deutschen und US-amerikanischen Rechts (= Schriften des Rechtszentrums für Europäische und Internationale Zusammenarbeit (R.I.Z.), Bd. 23), München 2004, S. 23.

9 Ebd., S. 24.

Details

Seiten
26
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656258063
ISBN (Buch)
9783656258995
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v196682
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin – Institut für Musikwissenschaft und Medienwissenschaft
Note
Schlagworte
Internet Musik Filesharing Urheberrecht Verwertungsrecht GEMA Verwertungsgesellschaften Web 2.0 P2P-Netzwerke Tauschbörsen Streamingdienste Privatkopie Raubkopie

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