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Schillers größtes Geheimnis - Der Friedrich Schiller-Code

Fachbuch 2012 305 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - 1848, Kaiserreich, Imperialismus

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die Chronik zur Schiller-Schädel-Forschung

Die Forschungen zum Friedrich-Schiller-Code

Der Schiller-Schädel - eine Reliquie?

Übersicht zur den Untersuchungen und Analysen
1) Genealogische und historische Untersuchungen
2) Anthropologische Untersuchungen
3) Anthropologische Untersuchungen, Gesichtsweichteilrekonstruktionen, Vergleiche mit Totenmasken und Porträts
4) DNA-Analysen
5) Chemische Analysen
Die Präsentation der Ergebnisse

Literatur

» It is a capital mistake to theorize before one has data. Insensibly one begins to twist facts to suit theories, instead of theories to suit facts.« (Arthur Conan Doyle: The Adventures of Sherlock Holmes).1

» Es ist ein schwerer Fehler, Theorien aufzustellen, bevor man Tatsachen hat. Dann fängt man unmerklich an, die Tatsachen zu verdrehen, bis sie zu den Theorien passen, statt die Theorien den Tatsachen anzupassen.« (Arthur Conan Doyle: Die Abenteuer des Sherlock Holmes ).2

Einleitung

Seit Mai 2008 ist bekannt, daß die Friedrich v. Schiller zugeschriebenen Gebeine in der Wei- marer Fürstengruft nicht dem Dichter gehörten. "Der Friedrich-Schiller-Code", das interdis- ziplinäre Wissenschaftsprojekt des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) in Zusammenarbeit mit der Klassik Stiftung Weimar, hatte dies zweifelsfrei bewiesen. 150 Jahre lang galt Schil- lers Schädel als echt, auch wenn sich der Wissenschaftlerstreit darüber immer wieder entzün- dete. Das hat Fragen aufgeworfen, die zuvor niemand stellte. Wieso könnte der Fürstengruft- Schädel ein Zwilling Schillers sein, wenn doch anthropologisch Doppelgänger extrem selten sind? Was geschah mit Schillers Schädel? Wo blieb Schillers Skelett? Läßt sich ein Schädel- raub beweisen? Wie groß ist der Kreis der Verdächtigen, die zu einer solchen Tat die Kennt- nisse und Möglichkeiten gehabt hätten? Wohin führen die Spuren? Was sagen die Quellen, und wo weisen sie eventuell Leerstellen auf?

Dr. Ralf G. Jahn, Historischer Fachberater des MDR und der Klassik Stiftung Weimar bei den Fernsehdokumentationen „Der Friedrich-Schiller-Code“ und „Schillers Schädel-Schicksal“, außerdem Co-Moderator beim „Goethezeitportal“, beantwortet diese Fragen und andere.

Die wichtigste Literatur, die bislang zu diesem Themenkomplex erschienen ist, stellen zweifellos die verdienstvollen Werke des Anthropologen Dr. Herbert Ullrich dar, die hier ausgiebig zitiert werden. Er hat sich über 50 Jahre intensiv mit der ganzen Materie auseinandergesetzt. Dennoch ist mein zentrales Forschungsergebnis ein ganz anderes. Es geht hier um unterschiedliche Methodik bei diesem interdisziplinären Thema.

Vor ihm gab es insbesondere die drei wissenschaftlichen Schiller-Schädel-Bücher von Welcker, Froriep und Hildebrandt, die ebenfalls intensiv ausgewertet wurden.

Sehr wichtig ist auch die Quellensammlung von Hecker, die unverzichtbar ist. Allerdings muß man diese Dokumente zuweilen uminterpretieren, denn wenn sie vom „Schiller-Schädel“ sprechen, meinen sie in Wirklichkeit den Fürstengruft-Schädel, der aufgrund der DNS eben nicht der echte Schädel Schillers ist. Historisches Quellenstudium allein genügt hier folglich nicht, man muß auch die anderen beteiligten Disziplinen und deren Ergebnisse mit heranzie- hen, aber auch die Aussagemöglichkeiten ihrer Methoden kritisch hinterfragen. Warum mein- ten denn so viele Personen, in dem Fürstengruft-Schädel den von Schiller zu sehen, welche Einflüsse wirkten dabei auf sie ein?

Das größte Kapitel gibt die Geschichte der Schiller-Schädel-Forschung vor dem „FriedrichSchiller-Code“ ausführlich wieder. Dabei werden auch andere interessante Informationen genannt, die zum Verständnis wichtig sein können.

Der nächste große Block ist die Forschungsgeschichte zum „Friedrich-Schiller-Code“ und „Schillers Schädel-Schicksal“. Hier kann man insbesondere nachvollziehen, wie die einzelnen Schritte aussahen, wie diese stets ein unerwartetes Ergebnis lieferten, die weitere Forschungen notwendig machten. Eine Exhumierung weniger und das Ergebnis wäre weit unbefriedigender gewesen!

Ist der Schiller-Schädel eine Reliquie? Die Antwort zu dieser Frage wird gegeben.

Dann wird aufgezählt, was welcher Wissenschaftler beim „Friedrich-Schiller-Code“ untersucht und herausgefunden hat.

Konstruktive Kritik ist immer willkommen!

Zum Schluß, aber nicht zuletzt möchte ich mich bei folgenden Personen bedanken:

- Frau Hempel und Herrn Direktor Dieste vom Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) sowie ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern,
- Herrn Präsident Seemann von der Klassik Stiftung Weimar sowie seinen Mitarbeite- rinnen und Mitarbeitern,
- Frau Dr. Gebhardt, Regisseurin und Drehbuchautorin von „Der Friedrich-Schiller- Code“ und „Schillers Schädel-Schicksal“, sowie ihrem Filmteam,
- Frau Prof. Dr. Wittwer-Backofen,
- Herrn Prof. Dr. Parson,
- Herrn Dr. Ullrich,
- Herrn Franz Ehret,
- Frau Dr. Danica Krunic vom „Goethezeitportal“,
- Frau Vera Faßhauer M.A.,
- den Mitarbeitern des Hauptstaatsarchives Stuttgart,

für die Überlassungen von Materialen, Fotos, Finanzierung, Ermöglichen von Recherchen etc.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(wiedergegeben bei A.v.Froriep).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(Lage des Jacobskichhofes, wiedergegeben bei: Welcker, S. 23).

Die Chronik zur Schiller-Schädel-Forschung

Die Gebeine keiner anderen historischen Persönlichkeit haben ein so großes Interesse erregt und zu einer so großen Anzahl von fachwissenschaftlichen und allgemeinen Publikationen mit kontroversen Ergebnissen und Meinungen geführt wie der Schädel von Friedrich Schiller.“ (H. Ullrich).3

Die Schillerschädel-Forschung ist ursprünglich gekennzeichnet durch einen Streit zwischen Anatomen und Anthropologen, zwischen Welcker und Schaaffhausen sowie zwischen August v. Froriep und Neuhauß, und erst in jüngerer Zeit haben sich auch Vertreter anderer Disziplinen daran beteiligt. „ Keine dieser Fachdisziplinen kann die Schillerschädel-Forschung jedoch allein für sich in Anspruch nehmen!4

Im Verlauf der Untersuchungen an den mutmaßlichen Schiller-Schädeln ist vielfach die Frage aufgetreten, warum es denn wichtig ist zu wissen, ob man den authentischen Schädel vor sich habe. Das Ziel, die Besucher der Weimarer Fürstengruft über die dort bestatteten Gebeine aufklären zu können, stellte nur einen Aspekt der Untersuchung im Rahmen des Projektes „Der Friedrich-Schiller-Code“ dar. Frau Dr. Ute Gebhardt: „ Es galt, sowohl den ethisch ver- antwortlichen Umgang mit den menschlichen Überresten als auch mit der Forschungskonzep- tion laufend zuüberprüfen, so daßunsere Arbeit dem retrospektiven Blick kommender For- schergenerationen standhalten kann. Zugleich war unser Interesse darauf gerichtet, den Pro- zeßeiner mehr als 200jährigen Wissenschaftsgeschichte zu beleuchten. Eingebettet in ihr jeweiliges historisches Umfeld lassen sich die Ansätze und Fragestellungen unserer Vorgän- ger besser verstehen. Letztlich lieferten nur die durch Exhumierungen gewonnenen DNS- Vergleichsproben das soüberraschende wie eindeutige Ergebnis, daßdas DNS-Profil des Fürstengruft-Schädels nicht in den genetischen Familienstammbaum Friedrich Schillers paßt.“5

Das Projekt „Friedrich-Schiller-Code“ spiegelt zugleich einen allgemeinen Paradigmenwechsel wider. Anthropologische Beweisführungen allein genügen heute oft nicht mehr. Die meist exakteren Methoden der Molekulargenetik haben der Anthropologie vor Gericht den Rang abgelaufen. Wissenschaftshistorisch lehrt die Geschichte des Fürstengruft-Schädels und mehr noch des Froriep-Schädels, daß auch um Objektivität bemühte Wissenschaftler nicht immer davor sicher waren, zu sehen, was sie sehen wollten und dem interessierten Publikum Ergebnisse zu liefern, welche dieses gern zur Kenntnis nehmen wollte.6

Der Schiller-Fall hat gezeigt, daß letztlich alle Wissenschaften, auch die Naturwissenschaften, relativ sind. Jederzeit soll man die eigenen Methoden kritisch überprüfen und stets sich über- legen, ob man etwas wirklich weiß oder nur zu meinen glaubt. Jede Wissenschaft hat ihre Lehrmeinungen, Dogmen und auch ihre Grenzen. („Bei einer Religion glaubt man an Gott, in der Wissenschaft glaubt man der Lehrmeinung des Professors“). Interdisziplinär lassen sich manche Probleme lösen, bei der eine Einzelwissenschaft überfordert wäre (wie beim ersten DNS-Test bei Kaspar Hauser). Der Wissenschaftskrimi um Schillers Schädel ist ein Lehrbei- spiel für alle, die sich mit Genealogie, Anthropologie, Anatomie, Zahnmedizin oder Genetik beschäftigen.

Dr. Malte Herwig vom Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“: „ Der Film, den Dr. Ute Gebhardt für den MDRüber die Odyssee der Schiller-Schädel-Sucher gedreht hat, gerät so zu einem spannenden Lehrstücküber die Wissenschaft, eine Meisterklasse der Forschung: Nicht Hypothesen sind wissenschaftlich, sondern ihre Widerlegung - auch gegen allen Glauben und alle Wahrscheinlichkeit. Wissenschaft ist eben kein Wunschkonzert! “ 7

Da der Fall so viele und gar unterschiedliche Facetten hat, gibt es „den“ roten Faden nicht. Die chronologische Darstellungsform bietet sich hier an.

Folgende Themenkomplexe sind in dieser Chronik aufgenommen worden:

- Geschichte der Schiller-Schädel-Forschung,
- die Exhumierungen der Schiller-Verwandten und deren Begräbnisse,
- Geschichte der Schiller-Grabstätten,
- Schillers Krankengeschichte seit dem Erwerb seines Hauses 1802,
- Gall und die „Schädeljäger“,
- Goethe und seine sterblichen Überreste,
- Familie Bertuch/Froriep,
- das Projekt „Friedrich-Schiller-Code“,
- die Todesdaten wichtiger Augenzeugen und Gewährsleute,
- Freimaurerei in Weimar (wegen der üblen Gerüchte um Schillers angeblicher Ermor- dung).

1168

Errichtung der alten Jakobskirche mit Pfarrgebäuden und Kirchhof.

Von 1168 bis zur Gründung des Nonnenklosters Oberweimar 1244 und der Stadtkirche zu St. Peter als Pfarrkirche mit Kirchhof 1249 muß der Jakobskirchhof die alleinige Begräbnisstätte von Weimar gewesen sein. 1452 kam noch der Friedhof am Franziskanerkloster hinzu.

1370
Der Jakobskirchhof wird erstmals urkundlich erwähnt. Er ist unzweifelhaft die älteste Weimarer Begräbnisstätte.

1530
Der Kirchhof um die Stadtkirche St. Peter wird aus Platzmangel und auch aus epidemischen Gründen geschlossen, und es wird beschlossen, daß der Jakobskirchhof fortan die alleinige Begräbnisstätte der Stadt sein solle. Er ist es geblieben bis 1818.

Der Kirchhof muß ständig vergrößert werden, und ab 1754 reicht er von der Friedensstraße bis zur Totengasse, heute Kleine Kirchgasse und von der Jakobstraße bis zur Friedensgasse. Zur Jakobstraße hin ist die Friedhofsmauer durch ein kleines Tor durchbrochen.

Der „Gotteskasten“, d.h. die Kirchkasse, gibt sämtliche Erbbegräbnisse gegen beträchtliche Geldsummen zu Lehen. Nach dem Erlöschen der Familien der Lehnsträger fallen sie an den Gotteskasten zurück und können neu vergeben werden. Aus der ständigen Raumnot in den Erbbegräbnissen erklärt sich, daß manche Familienangehörigen zwischen den einzelnen Gruften wechseln. Das Kassengewölbe war in dieser Beziehung keine Einzelerscheinung, sondern nur eines unter einer ganzen Reihe von Begräbnissen vion Standespersonen.

Die Begräbniszüge bewegen sich meist aus der Stadt Weimar durch das Jakobs- tor und die Jakobstraße zum großen Friedhofstor (südlich vom Kassengewölbe) herein. Die Zünfte haben das Recht, reihum gegen Entgelt das Leichenträger- amt zu versehen. Weil der Jakobskirchhof ständig überfüllt ist, dauert die Ru- hezeit der Bestattungen nicht lange. In immer kürzeren Abständen werden die alten Särge vom Totengräber zerschlagen und die Gebeine „versenkt“, um neu- en Bestattungen Platz zu machen.

1535
Im Zuge der Reformation wird die katholische Pfarrstelle der Jakobskirche auf- gehoben. Die nun herrenlose Kirche verfällt und wird hiernach als Lagergebäude gebraucht.

1553
Die Cranachgruft wird als erstes und ältestes Erbbegräbnis an der Südseite des Langhauses der alten Jakobskirche angebaut. Sie ist 6 m breit und 9 m lang. In der Mitte dieser Gruft wird der Reformationsmaler Lucas Cranach (ein direkter Vorfahre Goethes) beigesetzt. Von 1651 an werden in der Gruft noch 40 Personen beigesetzt. Cranachs Srag selbst bleibt unangetastet. Von 1767 an gilt die Cranachgruft als „Malergruft“. Ferdinand Jagemann, der Schiller auf dem Totenbett gezeichnet hatte, wird 1820 ebenfalls in der Malergruft bestattet. 1843 findet die letzte Beisetzung hier statt.

1579
Die Jakobskirche wird, nun wiederhergestellt, erneut geweiht und dient seitdem als Friedhofskirche.

1712
Das sog. Kassengewölbe wird als private Familiengruft des Fürstlichen Rent- meisters Christoph Jenichen erbaut.

1713 Die alte Jakobskirche wird durch einen Neubau ersetzt.

1742 Jenichens Erben verzichten zugunsten der Landschaftskasse auf das Gruftgewölbe. Es wird nun mit zur Entlastung der überfüllten Hochadeligen Gruft unterm Turm der Jakobskirche eingesetzt. 19.01.1748 Tod des Durchlauchtigsten Fürsten und Herrn, Herrn Ernst August I., Herzog zu Sachsen, Jülich, Cleve und Berg, auch Engern und Westfalen, Landgraf in Thüringen, Markgraf zu Meißen, gefürsteter Graf zu Henneberg, Graf zu der Mark und Ravensberg, Herr zu Ravenstein, der Römischen Kaiserlichen Majestät wirklicher General-Feldmarschall-Leutnant etc.

Der im Alter von 59 Jahren verstorbene Herzog Ernst August I. von Sach- sen-Weimar wurde vom 6. bis 8. Februar, jeweils von 16 bis 20 Uhr, zu Eise- nach in Parade ausgestellt. Darüber brichtet die Geschichte des jüngst verstor- benen Hertzogs von Sachsen-Weimar und Eisenach, Ernst Augusts …Erfurt 1749, S. 173-178:

„Man hatte ihm zu Ehren ein ungemein prächtiges Castrum doloris aufgerich- tet. Im Großen Saal, der erst 4 Wochen zuvor fertig geworden war, waren rund herum bretterne Wände ausgeführt, die 6 Fuß vom Saal abgerückt standen, und mit schwarzem Tuch überzogen wurden. Hinter denselben waren Kübel mit Wasser gesetzt, und Zimmerleute mit Handspritzen gestellt, auch standen im Schloßhof 2 große Spritzen bereit, falls sich etwa Feuergefahr ereignen sollte. Wenn man zum Saale hineinkam, war gleich oben ein Baldachin von dunkelvi- olettem Samt, mit doppelten goldenen Tressen stark besetzt, zu sehen. Zwi- schen den aufgebundenen Vorhängen, die ebenfalls reich bordiert, daß fast kein Samt davor wahrzunehmen, las man an einer Wand von silbernen Mohr, mit goldenen Buchstaben die Worte: „ Vigilando Aetatis Anno LX ascendit “. Unter dieser Schrift saßen zwei Tugendbilder. Und zwar zur rechten Hand die Pallas mit weinenden Augen, welche in silbernen Zindel gekleidet war, und auf den verstorbenen Herzog wies. Zur linken Hand zeigte sich die Friedensgöttin, mit vergnügtem Angesicht, in einem rot und silbernen Mäntelchen, so in der rech- ten Hand einen Lorbeerkranz, in der linken aber einen Palmzweig hält. Zwi- schen diesen Bildern war eine Nische, darinnen lauter Lämpchen mit Spiritus brannten. Vor dem allen stand das Postament, worüber eine violett samtene Decke mit goldenen Tressen und Franzen lag, und auf welchem der Sarg stand, so gleichfalls mit violettem Samt überzogen, und mit goldenen Tressen besetzt. Die 8 Handhaben an derselbem waren stark vergoldet, auch oben und unten Schlösser befindlich. Inwendig aber hatte man ihn mit Silberstoff ausgeschla- gen, und mit goldenen Tressen besetzt. Aus ebensolchem Zeug bestand auch die Decke über dem Hauptkissen, welche erst mit goldenen Franzen, und her- nach mit goldenen Tressen geziert war. Überdies waren an allen 4 Zipfeln des- selben goldene Quasten befindlich.

Auf dieser Decke lag der erblaßte Herzog, welcher eine Allonge-Perücke auf dem Haupt hatte. Gleich über stand ein Tischchen, worauf das Fürstenhaupt dermaßen gelegt war, daß es aussah, als sei er auf den Kopf gesetzt. Dieser Hut war von Karmesin-Samt, und oben mit Perlen besetzt. Das Kleid, womit der Herzog angetan, war ebenfalls von Karmesin-Samt, und oben mit einem großen Hermelin-Kragen, auf Art, wie die Kurfürsten bei öffentlichen Reichs- Solennitäten zu tragen pflegen. Der Hermelin war auch vorne herunter, im glei- chen um die Ärmel und unten herum, einer guten Hand breit zu sehen. Sonst war das Kleid wie ein Schlafrock gemacht, und ging dasselbe bis auf die Schu- he hinunter. Auf dem Hemd hatte der Herzog schöne Spitzen-Manschetten, auch dergleichen Krause auf der Brust. Er war anbei mit weißen Glacéhand- schuhen angetan. Die Schuhe an den Füßen standen halben Hands hoch aus dem Sarg hervor, und unter dergleichen hing eine Schleppe, wenigstens 6 Ellen lang, und 4 Ellen breit, zum Sarge heraus. Dieselbe war gleichfalls von Herme- lin, und auf beiden Seiten händebreit roter Samt. Alles dieses kostbare Pelz- werk ist echter Hermelin gewesen. Unter gedachter Schleppe lag der Sargde- ckel, und zu beiden Seiten hatte man 10 silberne Gueridons (Beistelltische), jeden mit 4 brennenden Wachslichtern, gestellt. Dazwischen standen 4 kleine Taburette (schemelartige Sitzgelegenheit ohne Rücken- und Armlehne), auf deren 2 obersten die 2 Orden lagen, nämlich der Königlich-Polnische Weiße Adler- und der Falken-Orden. Beide sind überaus stark mit Brillanten besetzt gewesen. Auf den 2 untersten Taburetten hergegen, und zwar auf dem einen war der goldene Degen mit Diamanten garniert, und auf dem anderen mit Vio- lett-Samt überzogene und mit Gold beschlagene Regiments-Stab zu sehen. Be- sagte Taburetten waren eins wie das andere mit goldenen Franzen besetzt. Auf jedem derselben hatte man ein karmesinsamtenes Kissen gelegt, so auch mit Franzen und Tressen, nicht weniger an allen 4 Zipfeln mit goldenen Quasten versehen war. Auf diesen Kissen zeigten sich eben vorgemeldete Insignien und unten waren die Füße der Taburetten versilbert. Ferner standen auf beiden Sei- ten der Wand 8 Pyramiden, an deren jeder oben bei der Spitze ein Buchstabe von des verstorbenen Herzogs Name, etwa eine halbe Elle hoch ausgeschnitten und stark vergoldet, prangte. Solchemach konnte man auf der einen Seite das Wort „Ernestus“ und auf der anderen „Augustus“ lesen. In der Mitte gedachter Pyramiden hing allezeit ein Ahnenwappen, und über den Pyramiden waren die Wappen von des verstorbenen Herzogs Länder und Ämtern; über der Tür aber das große sächsische Wappen angemacht. Diese Pyramiden und Wappen hatte man mit lauter Wachslichtern besteckt, daß also auf einmal 300 dergleichen Lichter brannten. Zu beiden Seiten der Hochfürstlichen Leiche hingen auch in der Höhe 2 große schwebende Kreuze, auf deren jedem über 100 Öllampen brannten. An der Decke des Saals präsentierten sich überdies 7 Sterne. Neben der Gu é ridon (Beistelltisch) standen die Herrenstände, in tiefster Trauer, mit Visieren von schwarzem Tuche vor dem Gesicht. Eine Stufe niedriger befanden sich die Herren des Rats zu Eisenach, vor einem kleinen Geländer, so daherum gemacht war. Vor dem Saal, wo die Herzogliche Leiche sich befand, war die schöne Garde in 2 Reihen gestellt.

Die Hochfürstliche Leiche verblieb bis in den 8. Februar in Eisenach. An die- sem Tage wurde selbige, und zwar nach Mitternacht ein Viertel auf 1 Uhr, nach Weimar abgeführt. Der Zug ging, ohne die Trommel zu rühren, ohne Läuten und ohne Abfeuerung derer Stücke in folgender Ordnung: Erstlich kam ein Jä- ger, dem folgten 6 Stallbediente mit Pechfackeln, und diesen ein sechsspänni- ger Trauerwagen, worinnen der Herr Stallmeister von Reineck, ingleichen ein Kammerjunker und noch 2 Adelige saßen. Alsdann kamen wieder 8 Stallbe- diente mit Pechfackeln, welchen der Rittmeister und 24 Mann mit verkehrten Pallaschen (Griffen) folgten. Ferner gingen 4 Husaren mit Wachsfackeln, und hernach kam der Leichenwagen, auf welchem das sächsische Wappen geheftet war. Er wurde von 8 Pferden gezogen, welche mit schwarzen Decken bis auf die Füße bedeckt waren, und 8 Stallburschen führten. Der Wagen war mit ei- nem Spiegel gemacht, und über solchem ein großes Leichentuch, mit einem weißen Kreuz gezogen. Oben darauf sah man die Wappen, welche vorher in dem Saal gehangen; vorne und hinten aber das sächsische Wappen. Auf jeder Seite neben dem Wagen ritten 4 Kammerpagen mit Wachsfackeln, dem aber- mals ein Trauerwagen, worinnen 1 Sekretär und 3 Kammerdiener saßen. End- lich schlossen 2 andere Kutschen. […] Den 10. Februar kam sie in die Stadt Weimar, wo sie auch sogleich in die Herzogliche Gruft gebracht wurde.“

Meyers Großes Konversations-Lexikon von 1905 berichtet über ihn:

Ernst August, Herzog von Sachsen-Weimar, geb. 19. April 1688, gest. 18. Jan. 1748, Sohn des Herzogs Johann Ernst, regierte seit 1707 mit seinem Oheim Wilhelm Ernst bis zu dessen Tod 1728 gemeinschaftlich und setzte 1725 die Primogenitur fest. Ludwig XIV. nachahmend, führte E. eine prächtige Hofhal- tung, errichtete viele kleine Jagdschlösser, die Jakobskirche in Weimar, das Schloßin Eisenach, machte großen militärischen Aufwand und trieb Alchimie. Auch stiftete er den Weißen Falkenorden. Seit 1734 wohnte er meist in Eise- nach. Vgl. v. Beaulieu-Marconnay, Ernst August, Herzog zu Sachsen-Weimar- Eisenach (Leipzig 1872).8

Während seiner Regierungszeit ließ Ernst August I. 20 Parkschlösser, Jagdhäu- ser und Fortifikationen erbauen. Er galt als ein unberechenbarer Despot; durch seine „ maßlose Verschwendung und Militarisierung wurde die Wirtschaft des Landes und der Stadt besonders hart “ getroffen. Um etwas Geld aufzutreiben, vermietete er Soldaten aus seinem unverhältnismäßig großen stehenden Heer. Als er starb, hinterließ er 1100 Hunde und 373 Pferde, ein heruntergekomme- nes, nahezu ruiniertes Herzogtum und einen minderjährigen Thronfolger.

Eine der wenigen positiven Entscheidungen von Ernst August I. war, daß er nun für Sachsen-Weimar die Primogenitur (Erbfolgerecht des Erstgeborenen und seiner Nachommen) festschrieb, so daß weitere Landesteilungen in Zu- kunft unterblieben.

Sein Schädel - RZ - wurde später der zweite ausgetauschte „Schiller-Schädel“, der anstelle des „Froriep-Schädels“ im Sarg lag. Welch ein Gegensatz zwischen seiner prachtvollen Beisetzung und den profanen Umständen des Auffindens seines Schädels!

1756-1788

Im „hochadeligen Begräbnis“ unter dem Turm der Jakobskirche finden 53 Bei- setzungen statt, darunter:

1. Kammerpräsident und Geheimrat von Bindorf,
2. Regierungsrat von Reinbaben,
3. Hof- und Kammerrat von Rothmaler,
4. Oberkämmerer von Göchhausen und sein Sohn, Vater und Bruder der Luise von Göchhausen,
5. General von Burgsdorf,
6. eine Tochter des Geheimrats von Fritsch,
7. Oberlandjägermeister von Staff,
8. eine Tochter des Präsidenten von Kalb,
9. der Oberst von Laßberg mit einem Sohn und seiner Tochter Christel, die 1778 zu Goethes tiefer Erschütterung mit seinem Buche „Werthers Lei- den“ im Täschchen tot aus der Ilm gezogen wurde,
10. 10 Mitglieder der Familie von Schardt, der Großvater der Charlotte von Stein, ihre 2 Brüder und 4 Schwestern, 1 Sohn und 2 Töchter ihres Bru- ders Ernst Constantin und seiner Frau Sophie und schließlich die 4 klei- nen Mädchen des Oberstallmeisters Gottlob Ernst Josias von Stein und seiner Frau Charlotte, geb. von Schardt, der Freundin Goethes.

Der Personenkreis der in dieser Gruft Beigesetzten ähnelt demjenigen, der im Kassengewölbe bestattet ist, nur ist hier kein einziger Bürgerlicher darunter. Ein grauenhafter Zustand muß in diesem Gewölbe geherrscht haben; so eng es nur möglich war, standen die Särge an- und übereinander.

28.10.1759

Aufbruch des Leutnants Schiller in die 2. Hessische Kampagne (Siebenjähriger Krieg).

10.11.1759

Geburt Schillers im großelterlichen Haus in Marbach.

April 1760

Rückkehr von Schillers Vater aus der 2. Hessischen Kampagne.

24.10.1764

25. Geburtstag der Herzogin Anna Amalia, der Nichte des Herzogs Ferdinand von Braunschweig, des Großmeisters der Deutschen Freimaurerei.

Gründung der Loge Anna Amalia zu den 3 Rosen i. O. Weimar. Die Herzogin bezeigt jederzeit viel Achtung für die Logen; „ es gehörte zum guten Ton Frei- maurer zu sein und die jungen Herren ließen sich gern halbe Tage vor Beginn der Logen mit weißglacierten Handschuhen und wichtigen Gesichtern im Publico sehen!

Grundgesetz dieser Loge, die zunächst im späteren Wittumspalais tagt:

- nichts gegen die Religion,
- nichts gegen die guten Sitten,
- nichts gegen den Staat.

Die Gesellschaft der Freimaurer dient im 18. Jahrhundert vornehmlich der Ver- breitung aufklärerischer Gedanken, der Veredlung des Menschen im Geist der Humanität und der geselligen Verbindung Gleichgesinnter ohne Standesunter- schiede. (Letzteres ist aber dahingehend zu relativieren, daß zwar Angehörige des Besitz- und Bildungsbürgertums gemeinsam mit denen des Adelsstandes den Logen angehörten, aber keine Angehörigen der Unter- oder unteren Mittel- schicht).

Die Loge zieht zahlreiche Persönlichkeiten des Weimarer Musenhofes an. So gehören ihr u.a. an: Musäus, Bertuch, Loder, Freiherr von Seckendorff, Bode, Goethe und Herzog Carl August.

1774

Mit dem Brand des Weimarer Stadtschlosses geht auch die barocke Grablege des herzoglichen Hauses Sachsen-Weimar-Eisenach zugrunde.

Der Wiederaufbau der Residenz, unter Goethes Leitung erst 1804 vollendet, sieht Kapelle und Gruft nicht mehr vor; die geretteten Sarkophage stehen einstweilen in einem vermauerten Gewölbe. Noch 1807 wird deshalb die Her- zoginmutter Anna Amalia im Chor der Stadtkirche neben den Regenten der Renaissancezeit beigesetzt. Erst 1823 entschließt sich Großherzog Carl August zu einer neuen Gruftanlage.

4.09.1775
Bertuch wird Geheimer Sekretär und Verwalter der Schatulle des Herzogs Carl August. Er bleibt im Staatsdienst bis 1796 (1776 Fürstlicher Rat, 1785 Legationsrat, 1787 Leiter der Parkverwaltung).

26.03.1776
Bertuch kauft ein Haus nebst Garten nahe dem fürstlichen Baumgarten (heute Weimarhallenpark) und erwirbt das Bürgerrecht der Stadt.

27.04.1776
Bertuch heiratet Caroline Slevoigt (1751-1810).

30.12.1776
Bertuch wird Mitglied der Freimaurerloge „Anna Amalia“.

1777
Unter Leitung des Baumeisters Anton Georg Hauptmann (1735-1803) wird das spätere Schillerhaus in der Esplanade für den Kaufmann Johann Christoph Schmidt erbaut.

8.03.1777
Bertuch stellt den Antrag, den fürstlichen Baumgarten gegen 200 Taler Erb- pacht zu nutzen.

1780
Baubeginn des späteren Nordflügels vom Bertuchhaus.

23.06.1780
Aufnahme Goethes in die Loge Anna Amalia zu den 3 Rosen i. O. als Lehrling. Er soll dabei das Verbinden der Augen verweigert, jedoch das Versprechen gegeben haben, die Augen selbst geschlossen zu halten. Die Damenhandschu- he, die er nach der Aufnahme für die „seinem Herzen am nächsten stehende Frau“ erhält, sendet er der Frau v.Stein. Am 23.06.1781 wird Goethe zum Ge- sellen befördert, am 2.03.1782 zum Meister erhoben. In den Inneren Orient9 der Loge wird Goethe noch 1782 aufgenommen. Auch dem „Illuminatenorden“ gehört er seit dem 11.02.1783 unter dem Namen „Abaris“ an als „Censor“ der Illuminatos dirigentes im Regentengrad.

An den regelmäßigen Zusammenkünften der Loge im Wittumspalais nimmt er kaum teil, erledigt jedoch sein Soll an poetischen Logengedichten und hält 1813 die Logenrede zum Gedächtnis für Wieland. Im Dezember 1815 führt er auch seinen Sohn August mit dem Gedicht „Symbolum“ in die Loge ein und bleibt dadurch in Kontakt. Die Freimaurergesellschaft findet literarische Verklärung in der Turmgesellschaft des „Wilhelm Meister“.

5.02.1782
Aufnahme des Herzogs Carl August in die Loge Anna Amalia zu den 3 Rosen i. O.

Der Drang von allem Kenntnis zu erlangen, was irgend der Mühe wert scheint, hat auch Carl August bewogen, sich den Freimaurern anzureihen; doch hält er es für geraten, seinen Vertrauten vorangehen zu lassen. Goethe wird ohne Wei- teres aufgenommen. Einige Zeit darauf äußert auch der Herzog den Wunsch in optima forma. In der sehr begründeten Meinung, daß diese Verbindung sich nicht wohl für einen regierenden Herrn eigne, macht der Geheime Rath von Fritsch, als Meister vom Stuhl, seinem durchlauchtigsten Gebieter manche Gegenvorstellungen, doch umsonst. Der Erfolg erweist indes, daß man Recht gehabt hat; denn nachdem die beiden Aspiranten alle 3 Grade in kurzer Zeit durchlaufen haben, wird ihnen dieses „Treiben” gleichgültig. Sie besuchen die Versammlungen nicht mehr.

Das Ansehen der Loge „Anna Amalia zu den 3 Rosen” steigt aber derart, daß Herzog Ferdinand von Braunschweig den Plan äußert, das Direktorium der Strikten Observanz nach Weimar zu verlegen. Der Streit um diese, der die Loge angehört, führt 1782 zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen Bertuch und Bode (der Streit der Systeme hat in der Freimaurerei seinen Höhepunkt erreicht), so daß v.Fritsch als Meister vom Stuhl die Arbeiten bis zur Klärung der Differenzen aussetzt. Da auch der Wilhelmsbader Kongreß (1782) nicht die nötige Klärung schafft, ruht die Loge bis 1808.

24.06.1782 Letzte Arbeit der Loge „AA zu den 3 Rosen” unter der strikten Observanz.

1782 Loge „AA zu den 3 Rosen” gedeckt (Restaktivitäten 1783).

Während einer Zeit der Inaktivität der Weimarer Loge kann J. C. Bode Goethe und Carl August im Februar 1783 für den aufklärerischen „Illuminatenorden“ werben, jedoch stellen beide 1785 ihre Aktivität ein und nehmen nach der „Verschwörungstheorie“, die den Illuminaten die Französische Revolution anlastet, eine feindliche Haltung gegenüber Geheimbünden ein.

27.03.1784 Goethe entdeckt den menschlichen Zwischenkieferknochen und erbringt damit den Beweis der anatomischen Zugehörigkeit des Menschen zur Gattung der Wirbeltiere.

3.01.1785 Die erste Nummer der von Bertuch gemeinsam mit dem Jenaer Philologen Prof. Schütz begründeten „Allgemeinen deutschen Literatur-Zeitung“ erscheint; 1795 erreicht die täglich veröffentlichte und weit über Weimar hinaus verbrei- tete Zeitung 2.400 Abonnenten und wird ab 1804 in Halle herausgegeben.

20.07.1787- Schiller wohnt in Weimar, in der ersten Woche im Gasthof „Zum Erbprinzen“,

10.05.1789 ab 28.07. für drei Monate in der ehemaligen Wohnung der Frau von Kalb im Haus an der Esplanade Nr. 18, danach im Haus des Kaufmanns Carl Gottlieb Martini neben dem Gasthaus „Zum weißen Schwan“.

18.08.1787 Schiller schreibt an Körner: „ Bertuch … hat ohnstreitig in ganz Weimar das schönste Haus “.

1788 Bertuch wird Ehrenmitglied der Preußischen Akademie der Künste und Wis- senschaften zu Berlin.

11.05.1789 Übersiedlung Schillers nach Jena aufgrund seiner Berufung als Professor der Universität Jena.

Juni 1790 Der Mediziner Dr. Wilhelm Ernst Christian Huschke beginnt seine Tätigkeit als Leibarzt der Herzoginwitwe Anna Amalia.

3.01.1791 Die erste heftige Krankheitskrise trifft Schiller in Erfurt, als er von einem Konzert in der Sänfte nach Hause getragen werden muß: eine heftig verlaufen- de Lungenentzündung, die ihn wochenlang arbeitsunfähig im Haus hält. Wie- derholungen mit krampfartigen Brustleiden und Katarrhfieber um den 15. Janu- ar lassen darauf schließen, daß die Pneumonie in eine trockene, nicht feststell- bare Rippenfellentzündung übergeht. Seither schwindet Schillers Hoffnung auf eine völlige Wiederherstellung seiner Gesundheit, und er findet sich mit dem Gedanken allmählicher Verschlimmerung und kurzer Lebenserwartung ab.

19.04.1791 Das Landes-Industrie-Comptoir wird durch Bertuch begründet, das sich zu ei- nem bedeutenden Unternehmen entwickelt; hierin sind die seit 1782 bestehende Fabrik für künstliche Blumen und Früchte, die Herstellung von optischen und physikalischen Instrumenten, von Öfen und Fliesen, der Handel mit Spielwaren und ein umfangreiches Verlagswesen mit etwa 500 Beschäftigten zusammenge- faßt.

8.05.1791 Bei Schiller bricht sich vermutlich der Eiter die Bahn durchs Zwerchfell und bewirkt allmählich eine chronische Bauchfellentzündung. Es folgt eine Reihe heftiger Krämpfe im Unterleib, die die Darmfunktion behindern (Früh- jahr 1792, Frühjahr 1793, Juli 1795, April und Dezember 1798, Februar-März und Juli 1800).

Juli/August Kur in Karlsbad. 1791

Aug.-Okt. Rekonvaleszenz in Erfurt. 1791

1792 Der Leibarzt der herzoglichen Familie Christoph Wilhelm Hufeland sorgt für

die Errichtung einer Leichenhalle in Weimar mit Wohnung für den Totengräber am Ende der Totengasse (heute Kleine Kirchgasse) nahe am Jakobskirchhof.

Der Kirchhof wird aber im Zusammenhang dem enormen Bevölkerungswachstum der Stadt Weimar zu klein.

14.09.1793 Geburt von Schillers erstem Sohn Carl in Ludwigsburg.

22.01.1794 Die Generalpolizeidirektion ordnet an, daß keine Leiche eher als bis die untrüg-

lichsten Zeichen des Todes eingetreten seien, d.h. in der Regel nicht unter 3 Tagen begraben werde.10

1794 Der Schädel des Dichters William Shakespeare wird aus der Gruft aus dem S. Trinitatis-Friedhof in London gestohlen.

Aug. 1794 Beginn des intensiven Briefwechsels zwischen Goethe und Schiller.

23.03.1796 Tod von Schillers Schwester Nanette auf der Solitude.

12.05.1796 Besuch von Friedrich Ludwig Froriep bei Schiller durch Vermittlung von

Frau Griesbach:

An Ostern 1796 hatte ich die Universität Jena bezogen, wo damals Schiller lebte, aber so wenig zugänglich war, daßdie Studierenden sich begnügten, nach den Fenstern seiner Wohnung hinaufzublicken. Am 12. Mai erfreute mei- ne Pflegemutter, die Kirchenrätin Griesbach, mich durch die Worte: ‚ Ich will doch Schiller fragen, ob ich Dich ihm vorstellen darf. ’ Denke man sich nur meine Empfindung, als ich am Abend wirklich eingeführt und mir von ihm, dem von mir so hoch Verehrten, der freundlichste und herzlichste Empfang zuteil wurde!11

11.07.1796 Geburt von Schillers Sohn Ernst.

7.09.1796 Tod von Schillers Vater auf der Solitude.

1796 Gall beginnt, nachdem er seine Schädellehre erarbeitet hat, eine rege und umfangreiche Vortragstätigkeit in Form von Privatvorlesungen vor geschlos- senen Gesellschaften.12 In der Gallschen Phrenologie kann der Schädel buch- stäblich als Abdruck der im Gehirn lokalisierbaren geistigen Fähigkeiten gele- sen werden.

Trotz massiver Kritik und vielen verhöhnenden Karikaturen bekommt Gall mit seinen Spekulationen sehr schnell eine große Anzahl von Schülern, Anhängern und Bewunderern, darunter auch zahlreiche Ärzte, die für eine weite Verbrei- tung der Phrenologie sorgen: Phrenologische Gesellschaften und Klubs entste- hen, phrenologische Bibliotheken, Sammlungen und Museen werden eingerich- tet. Auch Goethe und Fürst Metternich waren von Galls Ideen begeistert.

Die Phrenologie führt Anfang des 19. Jahrhunderts zu einer regelrechten Jagd auf Menschenschädel, die auch vor Leichenschändung nicht zurückschreckt. Vor allem interessieren sich die „Schädeljäger“, Schüler Galls, für die Schädel herausragender Persönlichkeiten.

Gall selbst sammelt menschliche und tierische Schädel, Gipsabgüsse sowie Wachspräparate von Gehirnen und Schädeln, wobei ihm seine guten Verbin- dungen in Wien zugute kommen. Er darf Sektionen an verstorbenen Geistes- kranken, hingerichteten Verbrechern und Selbstmördern durchführen und deren Schädel in seine Sammlung aufnehmen. Dabei achtet er stets darauf, daß ihm die besonderen Eigenschaften der vormaligen Besitzer dieser Schädel bekannt sind, denn zu jedem Schädel gehört eine Lebensgeschichte, die dann bei den Publikumsvorlesungen ausgebreitet werden kann. Die faszinierendsten Ge- schichten und Schädeldeutungen beziehen sich auf die außerordentlichen Per- sönlichkeiten.13

Schädel haben nicht nur eine lange Geschichte als Reliquie und Sammlungsge- genstand, sie sind auch ein handliches Demonstrationsobjekt, das sich leicht mit Büsten und Gesichtsmasken vergleichen läßt. Die vermeintlichen Beson- derheiten der Hirnrinde kann Gall am Schädel und sogar am lebenden Objekt wesentlich effektvoller demonstrieren. Dieser praktische Aspekt spielt in seinen öffentlichen Vorlesungen, die um 1800 zu den Attraktionen Wiens zählen, eine nicht zu unterschätzende Rolle.14

1797 Der Kopf des österreichischen Dichters Alxinger wurde vor der Beerdigung durch einen seiner Freunde vom Rumpf getrennt.

1797 Dr. Wilhelm Ernst Christian Huschke, der als Hausarzt die Familien Goethe, Herder und Wieland betreut, wird zum Hofmedikus ernannt.

Dez. 1798 Gall wünscht sich in Wielands „Teutschem Merkur“, daß „ jede Art von Genie

ihn zum Kopf-Erben einsetzte. Im „Neuen Teutschen Merkur“ stand daraufhin zu lesen: „ wenn die Überreste geschätzter und geliebter Personen als Reliquien ihren Vertretern teuer sind, so können diese sich wenigstens damit trösten, die Crania der Genannten nebst vielen andern eben so wichtigen in der Schädel- sammlung des Dr. Gall zu finden, wo ihre Köpfe nicht nur vor dem Zahne des Moders gesichert sind, sondern auch nach ihrem Tode noch lehrreich und nutzbar werden.“15 Die Schädeljagd einiger seiner Anhänger lehnt er selbst ab.

1799 Froriep besucht in Wien die Vorlesungen von Dr. Gall über seine Schädel- lehre und berichtet später darüber: „ Der Kursus, dem ich 1799 beiwohnte, dau- erte nicht drei Stunden, sondern 4 Tage lang des Nachmittags von 4 bis 7, ja selbst fast 8 Uhr; im Ganzen also an 13 Stunden. - Der Anfang der Vorlesun- gen war mir von Gall selbst, den ich im Taubstummeninstitute kennenlernte, angegeben.16

11.10.1799 Geburt von Schillers Tochter Caroline.

3.12.1799 Umzug Schillers nach Weimar in die erste Wohnung: Windischengasse A 71 (heute Windischenstraße 8, Gedenktafel) zur Miete bei Perückenmacher Mül- ler; in der ehemaligen Wohnung der Charlotte von Kalb, die Weimar verläßt. Miete jährlich 122 Taler. Die Familie Schiller wohnt dort bis zum 28.04.1802.

Eine der wichtigsten Gönnerinnen Schillers in Weimar ist die Herzogin Louise, zu deren 42. Geburtstag am 30.01.1799 die Uraufführung der „Piccolomini“ stattfindet. Die Herzogin hat auch die Patenschaft über Schillers ersten Sohn übernommen.

1799/1801 Karl Friedrich Horn will von der Prinzessin Caroline gehört haben, daß Schil- ler, Goethe und Herder bei ihr zusammengesessen und wechselseitig ihre Schädel gezeichnet hätten: „ Sie suchten durch darein gezogene Linien anzugeben, in welchem Verhältnisse zueinander und untereinander Verstand, Vernunft und Phantasie sich in denselben befanden, wie viel davon in jedem der drei Köpfe enthalten sei und worin demnach sie einanderähnlich und voneinander ver schieden wären “ - stritten und lachten darüber.17

14.02.1800 Gegen 400 Taler gestattet der Rat der Stadt Weimar, daß Bertuch die Gebäude und Türme des inneren Jakobstores abtragen und den Platz planieren läßt, um mit den gewonnenen Steinen sein im klassizistischen Stil errichtetes Wohnund Fabrikgebäude (heute Stadtmuseum) zu vervollständigen.

1800 Ludwig Friedrich Froriep hält an der Universität Vorlesungen über die Schädellehre des Dr. Gall und berichtet später darüber: „ Ich hatte im Sommer 1800 in meinen Vorlesungenüber Osteologie Galls Ideen benutzt, um so die trockene Lehre von den trockenen Knochen den Anfängern des medizinischen

Studiums interessanter zu machen. Mehrere der Zuhörer wünschten mehr von Galls Ideengange unterrichtet zu sein, und da auch einige der hiesigen Lehrer dasselbe wünschten, so bewog mich dies, im Winter 1800 in 6öffentlichen Vor- lesungen das mitzuteilen, was ich in meinen Notaten vorfand. […] Das Interes- se, was mein sehr zahlreiches Auditorium an der Theorie nahm, war außeror- dentlich, und man wünschte nichts mehr, als daßGall doch sein Werk heraus- geben, oder ich eine kleine Darstellung liefern möchte. Da ich nun wußte, daßdie Erscheinung von Galls eigenem Werke, der Kupfer wegen, sich noch sehr in die Länge ziehen müsse, so glaubte ich, daßes nichtübel sein würde, wenn ich durch eine kurze Darstellung das Publikum auf Galls Unternehmungüberhaupt und auf die Erscheinung seines Werkes insbesondere vorbereitete. Ich schrieb daher den Aufsatz für Voigts Magazin nieder, und da dieser Aufsatz ein kurzer Auszug meiner Vorlesungen war, so ließich zunächst zum Anlauf für meine Zuhörer, eine kleine Anzahl Exemplare nachschicken und einzeln ausgeben. […] Daßdie Darstellung unvollkommen war, wußte ich sehr gut.18

1800 Ludwig Friedrich Froriep - damals Privatdozent der Medizin in Jena - verfaßt ein kleines Buch über die wissenschaftlichen Ansichten des Arztes und Hirn- forschers Franz Joseph Gall: „ Darstellung der neuen Theorie der Physiogno- mik Galls “ (Weimar 1800, 2. verm. Aufl., Weimar 1801, 3. verm. Aufl. 1802).19

Dieses Werk weist Froriep als entschiedenen Gallanhänger aus. Goethe kennt dieses Werk in der 2. Auflage von 1801;20 Karl Ludwig von Knebel hat es ihm zusammen mit einem Brief vom 9.11.1801 zurückgesandt.21

Bertuch äußert sich am 18.11.1800 seinem künftigen Schwiegersohn Froriep gegenüber: „ Ihr Gallismus, und daßer sogar auf Goethe Sensation machte, macht mir Spaß. Benutzen Sie immer dies Instrument zu Ihrem Vorteil, […] ohne jedoch sich dabei zu kompromittieren und Ihrer wissenschaftlichen Solidi- tät zu schaden. Der feingezeichnete Mittelweg zwischen dem Zuviel und Zuwe- nig ist ’ s, wie Sie wissen, Lieber, worauf es in der Welt eigentlich immer an- kommt, und der zum guten Erfolge führt. Ich rate Ihnen diese gute Gelegenheit zu benutzen sich Goethe zu empfehlen; derüberhaupt ein bißchen das Außer- ordentliche liebt, und der Scharlatanerie hold ist. Adieu lieber! Verbrennen Sie den Brief !“22

Mit anderen Worten: Froriep war sein solch fanatischer Anhänger des heißumstrittenen Gall, daß sein künftiger Schwiegervater Bertuch negative Auswirkungen auf dessen akademische Karriere befürchtete!

Im Nachlaß von Schillers Schwester Christophine Reinwald befindet sich eine handschriftliche Abschrift - z.T. eine Zusammenfassung - von Frorieps Schrift zu Gall von 1800.23

5.09.1800 Das Konsistorium verfügt in einem Rundschreiben, „ daßkeine Leiche unter zweimal 24 Stunden beerdigt werden solle “.24

1801 Bei der Umräumung des mehretagigen Schachtgrabes hat sehr wahrscheinlich der Totengräber Mozarts25 Schädel an sich genommen.26

29.04.1801 Ludwig Friedrich Froriep heiratet Charlotte Bertuch.

24.12.1801 Ein Handbillett Kaiser Franz II. macht den Privatvorlesungen Galls ein Ende; er halte sie ohne Erlaubnis der Medizinischen Fakultät und für jedermann ohne Unterschied des Standes und Geschlechts; seine neue Kopflehre scheine auf Materialismus zu führen und deshalb gegen die ersten Grundsätze von Religion und Moral zu verstoßen.

Von diesem Moment an konnte Gall ohnehin nicht mehr darauf bauen, weiterhin mit Schädeln versorgt zu werden.

Als er 1805 Wien den Rücken kehrte, blieb der Großteil seiner Sammlungen in der Stadt, und als er sich zwei Jahre später in Paris ansiedelte, begann er eine neue Sammlung aufzubauen. Einige Jahre später wurden ihm Teile der alten Wiener Sammlung nach Paris geschickt, während der stattliche Rest von 100 Büsten und 67 Schädeln dem Badener Wundarzt Anton Rollett übergeben wur- de.27

19.03.1802 Unterzeichnung des Kaufvertrages über das Haus von Joseph Charles Mellish of Blythe (1769-1823) durch Schiller in Weimar um 4.200 Taler.

29.04.1802 Tod der Mutter bei Schillers Schwester Luise in Cleversulzbach.

29.04.1802 Umzug der Familie Schiller in das eigene Haus an der Esplande.28 Erst un- mittelbar danach beginnen umfangreiche Umbau- und Renovierungsarbeiten, die beinahe 4 Monate dauern.

Neben baulichen Veränderungen erhält das Haus auch eine neue Innenraum- ausstattung mit handgedruckten Papiertapeten und Bordüren. Diese Papierta- peten, die die Stofftapeten oder die gemalten Sockel- und Wandpaneele aus der Erbauungszeit ablösen, waren gegen Ende des 18. Jahrhunderts über Frankreich und England auch in Deutschland in Mode gekommen. Bereits in der Jenaer Zeit hatte sich Schiller über seine Freunde Goethe, Cotta und Körner Tapeten vor allem für das Gartenhaus beschafft und dabei hinsichtlich Dekor und Farbe klare Vorstellungen entwickelt. Jetzt bezieht er eine große Menge an Tapeten und Bordüren vom Kaufmann Ulmann aus Jena. In seinem Kalender von 1802 notiert er aber auch: „ Tapeten von Frankfurt / 12 Stück blaue à 80 Kreuzer / 6 Stück grün violett à 150 Kreuzer.“ Diese Angaben könnten sich auf die Tapeten in den Schlafräumen beziehen.29

Schillers Arbeitszimmer ist mit dem hochgiftigen „Schweinfurter Grün“ tapeziert. Zunächst hat man die Wände tapeziert, anschließend die Regale eingebaut, ebenfalls die Tapete beklebt und im Sockelbereich einen Lambris in illusionistischer Manier aufgemalt. Durch die Regale sind 8 bis 10 cm der Wandtapete auf der Westwand abgedeckt und besonders geschützt.30

Prof. Prohaska hat in der Originaltapete solche Mengen von Arsen, Blei, Cadmium usw. gefunden, daß er bei einer Hochrechnung auf das gesamte Zimmer auf mindestens 5 Kilo Arsen und 10 Kilo Blei kam, die in dieser Tapete verarbeitet wurden. Er hat auch die Ausdünstungen - also die Luft über dem winzigen, 200 Jahre alten Stück gemessen und kam auf Arsen- und Bleiwerte, die 100fach über dem liegen, was heute in den ärgsten Industriegebieten gemessen wird. Prof. Prohaska sagt ganz deutlich: Diese Tapete hat den Bewohner schwer geschädigt, chronisch vergiftet.31

„‚ Wir waren, wie gesagt und wie wir alle wissen ’ , fuhr Goethe fort, ‚ bei al- ler Gleichheit unserer Richtungen Naturen sehr verschiedener Art, und zwar nicht bloßin geistigen Dingen, sondern auch in physischen. Eine Luft, die Schillern wohltätig war, wirkte auf mich wie Gift. Ich besuchte ihn eines Tags, und da ich ihn nicht zu Hause fand und seine Frau mir sagte, daßer bald zu- rückkommen würde, so setzte ich mich an seinen Arbeitstisch, um mir dieses und jenes zu notieren. Ich hatte aber nicht lange gesessen, als ich von einem heimlichen Übelbefinden michüberschlichen fühlte, welches sich nach und nach steigerte, so daßich endlich einer Ohnmacht nahe war. Ich wußte anfäng- lich nicht, welcher Ursache ich diesen elenden mir ganz ungewöhnlichen Zu- stand zuschreiben sollte, bis ich endlich bemerkte, daßaus einer Schieblade neben mir ein sehr fataler Geruch strömte. Als ich sieöffnete, fand ich zu mei- nem Erstaunen, daßsie voll fauler Ä pfel war. Ich trat sogleich an ein Fenster und schöpfte frische Luft, worauf ich mich denn augenblicklich wiederherge- stellt fühlte. Indes war seine Frau wieder hereingetreten, die mir sagte, daßdie Schieblade immer mit faulen Ä pfeln gefüllt sein müsse, indem dieser Geruch Schillern wohltue und er ohne ihn nicht leben und arbeiten könne. ’“ 32

Hat der Geruch von den faulenden Äpfeln Schiller von den Ausdünstungen der giftgrünen (im wahrsten Sinne des Wortes) Tapete abgelenkt?

Im Garten des Schillerhauses steht ein weißer Fliederbaum, der bis zum Fenster des Schlafzimmers hinaufreicht. Der Duft der Fliederblüten soll Schillers Nerven gestärkt haben.

Für die Zeit nach Schillers Tod ist belegt, daß die Hauslehrer Friedrich August Ukert (1780-1851)33 und Bernhard Rudolph Abeken (1780-1866)34, einige Zeit das Arbeits- und Schlafzimmer Schillers bewohnten. Von ihnen ist von ge- sundheitlichen Problemen in diesem Zusammenhang nichts bekannt. Beide sind für damalige Verhältnisse alt bzw. sehr alt geworden (71 und 86 Jahre). Auch Berta von Brawe hat von 1823 bis 1826 die obere Etage des Hauses bewohnt gehabt.

6.06.1802 Schiller leidet an Katarrh, Fieber und Husten. Juni 1802 Schiller ist wiederholt krank. Nach einem Brief seiner Frau vom 8. an den Arzt Stark in Jena leidet er u.a. an Unterleibskrämpfen, Erstickungsgefühlen und Fieberanfällen.

Um Erneuter böser Keuchhusten und Katarrhfieber.

20.06.1802

25.07.1802 Schillers de facto-„Schwippschwager“ Karl Freiherr von Dalberg wird zum Kurfürsten von Mainz (mit Residenz in Aschaffenburg) und Erzkanzler des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gewählt.

11.08.1802 Kein Husten mehr.

21.08.1802 Abschluß der Bauarbeiten am Haus, die Schiller oft bei der Arbeit störten und einige 100 Taler mehr kosteten, als veranschlagt worden war. Ende Sept. Gesprächsnotiz Goethes über Johann Gottfried Schadow: „ … in Weimar wäre

1802 einer gewesen, der Gall ’ s Lehren anhinge, nämlich der Dr. Froriep, der gerade

verreist sei. “35

11.10.1802 Schiller in einem Brief an Louise Franckh: „ Auch meine Lotte ist oft von

Krämpfen geplagt, und mir geht es nicht besser, aber man wird nach und nach auch des Kranksein gewohnt.

16.11.1802 Erhalt des Adelsdiploms vom 7. September aus Wien. Schiller betrachtet den Adelstitel vor allem im Hinblick auf seine Frau und die Kinder als nützlich. Charlotte steht nun wieder auf einer gesellschaftlichen Stufe mit ihrer Schwes- ter Caroline. Außerdem sind die Schillers seither regelmäßig zu Teestunden bei der herzoglichen Familie eingeladen. Charlotte macht die Erhebung ihres Man- nes in den Adelsstand sichtlich selbstbewußter. Für sie ist es eine Genugtuung, nun wieder zu offiziellen Veranstaltungen des Hofes Zutritt zu haben.

Schiller

22.06.1803 Tod des deutschen Dichters Wilhelm Heinse in Aschaffenburg. Sein Kopf be- findet sich als Spiritus-Präparat in der Sammlung des Anatomen Soemmering in Frankfurt am Main. 1805 läßt sich Soemmring den Schädel Heinses ausgra- ben (den der Freund ihm testamentarisch übereignet hatte): Er hat ihn, „ mit goldenem Scharnier versehen, in einem sauberen Glaskästchen nicht unter den anderen köpfen seiner Sammlung, sondern gleich einer Reliquie in seiner Bib- liothek besonders aufbewahrt.“36

1.08.1803 Die herzogliche Familie zieht vom Fürstenhaus ins Schloß, das mit großem Luxus und Prunk ausgestattet ist. Das neue Schloß erzeugt eine höhere Würde, vergrößert die Distanz der fürstlichen Familie zu den Höflingen, der Stadt und auch zu den Dichtern.

Der Hofstaat 1830:

18.12.1803 Tod von Johann Gottfried von Herder.

1804 Als „ Geographisches Institut “ mit Globen, Landkarten und erdkundlichen Be- schreibungen von überregionaler Bedeutung zweigt sich die kartographische Abteilung vom „ Landes-Industrie-Comptoir “ ab.

1804 Eine russische Kolonie mit eigener Gesandtschaft und Kirche wird in Weimar begründet und besteht bis 1910.

1804 Wilhelm Gottlieb Kelch untersucht den Schädel des Philosophen Kant sogleich nach seinem Tod und äußert sich gemäß den Gallschen Lokalisierungsspekula- tionen über 17 „Organe“ des Philosophen.37 Wenn auch die Unversehrtheit von Kants Leiche oberstes Gebot ist, betrachtet man den Kopf als eine anthropolo- gische Reliquie, deren Nützlichkeit nicht in Frage stand. Kant schneidet man auf dem Totenbett die Haare, um die Form für eine Gipsbüste des Kopfes ab- nehmen zu können, die dann Gall für seine Sammlung überlassen werden soll. Jahre später bestätigt Gall dieses Geschenk und attestiert der Gipsbüste eine außerordentliche Erhebung über der frontalen Hirnwindung, die das Organ für metaphysischen Tiefsinn enthalten soll.38

Galls Hirn- und Schädellehre ist für die Zeitgenossen alles andere als eine un- umstößliche Wahrheit. Insbesondere nach dem kaiserlichen Vorlesungsverbot in Wien steht der Materialismusvorwurf offen im Raum, ohne daß Gall ihn wirkungsvoll zu entkräften vermocht hat. Zudem hat er sich bis dahin hartnä- ckig geweigert, seine Lehre in einem größeren Werk dazulegen, und zwar mit dem einleuchtenden Argument, daß eine Veröffentlichung verfrüht sei, solange er noch nicht über genügend empirische Evidenz verfügt. Was 1804 neben zahlreichen Aufsätzen und Reiseberichten zur Verfügung steht, sind etliche längere Schriften von Befürwortern Galls. „ Darunter befanden sich angesehene und seriöse Ä rzte “ wie Philipp Franz von Walther, Ludwig Friedrich Froriep oder Franz Heinrich Martens. Für die Verbreitung der Organologie sind diese Schriften unentbehrlich, die Schwierigkeit ist nur, daß jeder der Autoren auf eine andere Anzahl von Hirnorganen kommt: Froriep zählt 22, Walther 32 und Martens sogar 35 Organe. „ Wer sich selbst oder anderen die Schädel abtasten wollte, wußte nicht so recht, an wen er sich halten sollte. Zudem konnte nie- mand wissen, ob nicht Gall in der Zwischenzeit die Anzahl und die Lokalisie- rung der celebralen Organe wieder verändert hatte.“39 Die Lehre ist folglich noch kein abgeschlossenes Ganzes, sondern noch im Fluß!

24.07.1804 Infolge Erkältung bei einer abendlichen Spazierfahrt durch das Dornburger Tal in zu leichter Kleidung wird Schiller von heftigen Schmerzen im Unterleib be- fallen. Es kommt zu einer schweren Kolik (Darmverschlingung). Dr. Stark glaubt, ihn nicht länger als eine halbe Stunde am Leben erhalten zu können und gibt den Patienten fast auf. Der Anfall dauert nur 3-4 Tage, wirkt aber noch wochenlang nach.

Die langsame Erholung erstreckt sich bis in den Oktober 1804.

25.07.1804 Geburt der Tochter Emilie von Schiller.

27.07.1804 Nachlassen der Krankheit.

3.08.1804 Langsame Erholung.

3.08.1804 Eheschließung von Herzog Carl Friedrich und Großfürstin Maria

Pawlowna in der Schloßkapelle des Winterpalastes in St. Petersburg.

Den Ehekontrakt hatte Schillers Schwippschwager Wilhelm Freiherr von Wolzogen 1801 mit Zar Alexander I. zu einem erfolgreichen Abschluß ge- bracht. In Weimar wirkt Wolzogen danach als Berater Maria Pawlownas.

10.08.1804 Langsame Besserung, immer noch sehr matt und angegriffen.

Seit Langsam merkliche Genesung.

8.10.1804

9.11.1804 Festlicher Einzug des Brautpaares Carl Friedrich und Maria Pawlowna in

Weimar. Auf 79 Wagen, gezogen von 110 Pferden, kommen die Mobilien und Effekten der Frau Erbherzogin an. Insgesamt sind es 144 Kisten. 23 Fuhrleute und Knechte des Trosses sind in Petersburg, Moskau und Tula angeworben worden. 2 Unteroffiziere und der russische kaiserliche Staatsrat von Lüdecke haben den Troß von St. Petersburg an begleitet.

Vielleicht ist derjenige Mann, von dem der Fürstengruft-Schädel wirklich stammt, mit diesem Troß nach Weimar gekommen, denn darauf deutet die Haplogruppe H6A hin, die hauptsächlich in Rußland und Osteuropa vorkommt. In oder bei Weimar ist er dann nach nur sehr kurzer Zeit verstorben, so daß seine auffallende Ähnlichkeit mit dem Dichter zwar Froriep, der regelmäßig bei Maria Pawlowna verkehrt, nicht aber der Mehrheit der Weimarer Bevölkerung aufgefallen ist.

Schiller setzt die größten Hoffnungen in die materielle Förderung der Musen durch die neue Erbherzogin. Wilhelm Freiherr von Wolzogen überreicht Schil- ler einen Brillantring als Geschenk der russischen Kaiserin. Er verkauft ihn am 20.12.1804 für 500 Reichstaler zur Abzahlung der Hypotheken.

Als Begrüßungsgedicht für Maria Pawlowna wird im Hoftheater „Die Huldi- gung der Künste“ von Friedrich von Schiller dargeboten.

Schiller am Hofe. - Als Folge der Festlichkeiten leidet er bis zum 10. Dezem- ber unter einem heftigen Katarrh, der ihn hart mitnimmt. Der Eiterherd zerstört den Körper mehr und mehr.

Brief Goethes an Heinrich Carl Abraham Eichstädt:

„ Den Aufsatzüber die Gallische Schädellehre finde vorzüglich gut; wer wird aber dieüber diese Materie herausgekommenen Schriften rezensieren, wenn es dieser Verfasser nicht selbst tut? Dem es am leichtesten werden würde, weil hier nun schon eine Ansicht der Gallischen Leistung vorhanden ist und ferner- hin das Verhältnis seiner Gönner oder Widersacher zu ihm selbst darzulegen wäre, wie es bei den französischen Schriften schon glücklich geschehen; denn freilich ist die Arbeit von 275 mit dieser nicht zu vergleichen. “40

Fortdauer des Katarrhs bei Schiller.

Leider ist meine Gesundheit so hinfällig, daßich jeden freien Lebensgenußgleich mit wochenlangem Leiden b üß en muß. “ Stocken der schriftstellerischen Tätigkeit.

Brief Goethes an Heinrich Carl Abraham Eichstädt:

Erhalten ... 2. die beiden andren auf Gall sich beziehenden Rezensionen, de- ren Zurechtschneidung und Gebrauch völligüberlasse …“41

Schiller leidet an anhaltendem Katarrh, daher wenig Stimmung zu eigenen Ar- beiten. Erst mit dem Nachlassen des harten Winters gesundheitliche Besserung.

Langsam fortschreitende Besserung.

Heftiger Fieberanfall bei Nacht. Bis zum 25. Februar folgen dann in jeder drit- ten Nacht heftige Fieberanfälle mit Schüttelfrost und nach deren Abklingen zwei relativ krankheitsfreie Monate mit zunehmenden Kräften, bis am 1. Mai die letzte Phase anbricht.

Erneuter Fieberanfall in der Nacht, wie in den folgenden zwei Wochen in jeder dritten Nacht. Tagsüber „ fatales Schnupfenfieber “.

Die zwei harten Stöße (seit 7 Monaten) haben ihn bis auf die Wurzeln erschüt- tert, und er wird Mühe haben, sich zu erholen. Den letzten Anfall schreibt er einer Epidemie zu.

Fieberfrei und allmählich auflebend. Schwinden des Fiebers und schnelle Zunahme der Kräfte.

10.03.1805 Schiller notiert in seinem Kalender: „ Mich zum Demetrius entschlossen.“

Es handelt sich um die Geschichte eines „betrogenen Betrügers“, der in der russischen „Zeit der Wirren“ 1605/06 für einige Monate an die Macht gelang, in dem er - fälschlich - behauptete, der jüngste Sohn Iwans des Schrecklichen, Dmitri (lat. Demetrius) Iwanowitsch (1582-1591), zu sein. Der falsche Demet- rius war ein Hochstapler, der behauptete, der entkommene Zarensohn zu sein. Zu seiner Zeit besagte eine weitverbreitete Legende, 1591 sei nicht der Sohn Iwans des Schrecklichen Demetrius dem durch Boris Godunow vorbereiteten Anschlag zum Opfer gefallen, vielmehr ein ihm ähnlicher Knabe, den die Za- rin-Witwe (Marfa) in das Bett des Demetrius hineingelegt hätte. Dieser selbst sei in verschiedenen Klöstern in Sicherheit gebracht worden, bis er sich nach vielen mühseligen Wanderungen offenbaren konnte. Schließlich kam es sogar zu einem „Wiedererkennen“ zwischen Mutter (Zarin-Witwe Marfa) und Sohn (Pseudodemetrius) sowie zur Krönung zum Zaren (21.07.1605). Seine Partei- gänger benutzten die Figur eines echten Zarensohnes, um Zukunftserwartungen zu erzeugen und das eigene Handeln zu begründen. Weil er eine Regierungs- weise und einen Lebensstil vorführte, die den traditionellen Vorstellungen widersprachen, zudem als Katholik, Werkzeug der Polen, Betrüger und Verrä- ter galt, wurde „Zar Dmitrij Iwanowitsch“ am 17.05.1606 ermordet, seine Lei- che verbrannt und die Asche verstreut.

[Schiller beschäftigt sich also zuletzt mit einem falschen Zaren, später liegt ein falscher Schädel in seinem Sarkophag - ein Treppenwitz der Geschichte!].

Beständiges Kranksein bringt Schillers Tätigkeit mitunter ganz zum Erliegen. Sein Wille, das „neue Stück“ zu vollenden, bleibt jedoch trotz aller gesundheitlichen Belastungen ungebrochen.

Umfangreiche Vorstudien mit Entwürfen und Skizzen sowie konzeptionelle Überlegungen sind abgeschlossen, der erste und der Anfang des 2. Aktes ausge- führt, als Schiller vom 1. Mai an gesundheitlich so geschwächt ist, daß er die Arbeit an dem Stück nicht mehr fortführen kann. Schillers letztes Drama bleibt Fragment.

Caroline Freifrau von Wolzogen schreibt in ihrer Schiller-Biographie: „ Den Monolog der Marfa im Demetrius fand mein Mann auf Schillers Schreibtisch; es waren wahrscheinlich die letzten Zeilen, die er geschrieben.

Goethe bemüht sich um die Fertigstellung des Demetrius, gibt den Plan aber rasch auf. 1857-1863 denkt Friedrich Hebbel an eine Fortsetzung, doch auch sein „Demetrius“ bleibt Fragment.

2.04.1805 Mit eintretendem Frühjahr bei Schiller Rückkehr von Heiterkeit und Lebens- freude. Er fängt wieder an, wieder aufzuleben. Ein Beweis sind die 5 vorhande- nen Briefe von diesem Tage, darunter ein sehr umfangreicher an Humboldt.

1805-1807 Gall unternimmt eine Vortragstournee durch Deutschland, nach Dänemark, Holland und die Schweiz, endend in Paris. In seinen jeweils mehrtägigen, ein- trittsgeldpflichtigen Vorlesungsveranstaltungen seziert Gall gelegentlich Tier- und Menschenhirne, demonstriert seine Organologie und Kranioskopie regel- mäßig an Wachspräparaten von Gehirnen, mitgeführten oder frisch angeliefer- ten Totenköpfen und Gipsabgüssen. Er tastet die Erhebungen und Vertiefungen der Schädel ab, begutachtet die geistigen und charakterlichen Veranlagungen, die sich dort abformten, und führt auf diese Weise die Zuhörer und Zuschauer selber in die Praxis kranioskopischer Evaluationen ein. Weit über die Kreise der allermeist skeptischen Fachgelehrten hinaus enthusiasmiert er damit ein breites Publikum. Denn das Medienecho ist gewaltig; zahllose Zeitungsartikel, Zeitschriftenaufsätze pro und contra und bildliche, oft als Karikatur angelegte Darstellungen verbreitern seinen Ruf; bis in die Porträtkunst und die Literatur reichen die Wirkungsspuren dieser spektakulären Schädel-Lesekunst.42

Im April 1805 und in der ersten Hälfte des Mais weilt Gall in Berlin und Pots- dam geht dann nach Leipzig, Dresden, Halle, Jena. In Jena trägt er 6 Tage lang vor, kommt dann am 6. August nach Weimar, wo er am 7. seine Vorlesungen anfängt; er bleibt bis zum 19. Am 12. August ist er Gast an der herzoglichen Tafel. Im August erwirbt Gall wahrscheinlich Klauers Abguß der Totenmaske Schillers.43

25.04.1805 Letzter Brief Schillers an Körner:

Die bessere Jahreszeit l äß t sich endlich auch bei uns fühlen, und bringt wieder Mut und Stimmung; aber ich werde Mühe haben, die harten St öß e seit 9 Mona ten zu verwinden, und ich fürchte, daßdoch noch etwas davon zurückbleibt; die Natur hilft sich zwischen 40 und 50 nicht mehr so als im 30sten Jahre. Indessen will ich mich ganz zufrieden geben, wenn mir nur Leben und leidliche Gesundheit bis zum 50. Jahr aushält.“44

Er arbeitet ziemlich fleißig, schreitet aber nur langsam vorwärts.

26.04.1805 Brief Goethes an Marianne von Eybenberg:

… Doktor Gall macht in Berlin großes Glück und nimmt viel Geld ein. Es soll te mir sehr interessant sein, ihn kennen zu lernen, und wünschte daher wohl, daßer sich zu uns bemühte. “45

29.04.1805 Letzter Theaterbesuch Schillers („Klara von Hoheneichen“ von Spieß). Kurz zuvor letztes Zusammentreffen mit Goethe. Im Theater heftiger Fieberanfall.

30.04.1805 Herzog Carl August reist zur Messe nach Leipzig ab. Von dort begibt er sich zu einer Truppenschau nach Magdeburg und kehrt am 30. Mai nach Weimar zurück. In seinem Gefolge befindet sich auch Schillers Hausarzt Dr. Stark.

1.05.1805 Beginn der letzten, tödlichen Erkrankung Schillers. Sein Zustand wird von Tag zu Tag gefährlicher und erscheint rettungslos.

Auf dem Weg zum Schauspiel sagt Schiller zu seiner Schwägerin Caroline von Wolzogen: „ Sein Zustand sei ganz seltsam. In der linken Seite, wo er seit lan- gen Jahren immer Schmerz gefühlt, fühle er nun gar nichts mehr. “ Dem Schau- spieler Genast, der ihn am Theatereingang trifft, fällt sein schlechtes Aussehen auf: „ Ich war erschrockenüber sein blasses Gesicht mit fast gläsernen Augen.“

Heinrich Voß berichtet: „ Als ich am Schlusse des Stückes meiner Gewohnheit gem äß in seine Loge hinaufging, um ihn zu Hause zu führen, hatte er ein hefti- ges Fieber, daßihm die Zähne klapperten. Als er zu Hause kam, ward ein Punsch gemacht, durch den er sich zu erholen pflegte.“ Über die Nacht vom 1. zum 2. Mai berichtet sein Diener Rudolph, daß sein Herr eine schlimme Nacht gehabt habe.

„ Husten, Katarrh, Fieberanfälle hatte Schiller seit der letzten Krankheit beina- he immer; dreimal diesen Winter [1804/05] kam der Fieberanfall, und der letz- te dauerte neun Tage [1.-9. Mai 1805]. Er war viel ruhiger als sonst, nahm teil, so lange er konnte, an unseren Gesprächen, verlangte nach den Kindern; von Dienstag bis Donnerstag [7.-9. Mai 1805] phantasierte er beinahe immer, woll- te nichts essen und wenig trinken; in den ersten Tagen brach er alles von sich. “ 46

Caroline Freifrau von Wolzogen berichtet über die letzten Tage ihres Schwa- gers:

Als ich das letzte Mal mit ihm ins Theater fuhr (es wurde ein Schrödersches Stück gegeben),äußerte er: Sein Zustand sei ganz seltsam; in der linken Seite, wo er seit langen Jahren immer Schmerz gefühlt, fühle er nun gar nichts mehr. Man fand bei der Sektion den linken Lungenflügel total zerstört.

Am ersten Mai kündigte sich die letzte Krankheit Schillers als ein Katarrhfieber an, wie wir solche bei ihm gewohnt waren. Er selbst schien sich auch nicht bedenklich krank zu fühlen, als beiähnlichen Anfällen. Er empfing einige Freunde auf seinem Zimmer und schien sich gern durch sie unterhalten zu las- sen. Herrn von Cottas Besuch, der auf der Durchreise nach Leipzigüber Wei- mar kam, erfreute ihn; alle Geschäfte sollten bei seiner Rückkunft gemacht werden.

Da das Sprechen seinen Husten vermehrte, suchten wir ihn ruhig zu halten; auch sah er es am liebsten, wenn meine Schwester und ich allein um ihn waren. Der gute Heinrich Voßerbot sich zu Nachtwachen; doch blieb Schiller lieber allein mit seinem treuen Diener.

Der Demetrius beschäftigte ihn immerwährend, und die Unterbrechung dieser Arbeit beklagte er sehr. Sein Arzt hatte ihn noch in keinerähnlichen Krankheit behandelt. Starke hatte immer die Kur geleitet, und dieser war mit der Groß- fürstin in Leipzig. Er suchte unsere Ä ngstlichkeit deshalb zu stillen und sagte uns, daßalle Rezepte vollkommen passend seien, daßer ganz nach Starkens Methode behandelt werde.

Bis zum sechsten Tage war sein Kopf ganz frei; er selbst schien nicht an nahe Gefahr zu glauben undäußerte sogar, er habe in diesen Tagen vielüber seine Krankheit gedacht und glaube nun eine Methode gefunden zu haben, die seinen Zustand verbessern müsse. An Anstalten für die Zukunft der Seinen, wenn er nicht mehr wäre, dachte er gar nicht. Mein Mann war mit der Großfürstin in Leipzig; Schiller sehnte sich sehr nach seiner Zurückkunft; vielleicht hegte er den Wunsch, sich gegen diesenüber manches auszusprechen. “

Und Dr. Huschke: „ Den 1. Mai wurde abends späthin der Herr Hofrat von Schiller krank, klagteüber Schmerz in der linken Seite der Brust mit starkem Husten und Fieber. Es war das gewöhnliche rheumatische Seitenstechfieber, welches weiter nicht so gefährlich war. Denn hier haben es alle, die daran ge- legen haben, auch sogar schwächliche Menschen, gutüberstanden. Spanische

Fliegen, Blutegel und die nötigen inneren Mittel, Senega, Spiritus, Kampfer, wurden anfänglich angewandt, und es schien alles gut zu gehen, bis den 6. Mai, wo ich ihn früh röchelnd fand. “

Inzwischen hat man ein Bett in Schillers Arbeitszimmer gestellt, um ihm die Möglichkeit zu geben, kurzzeitig an seinen Schreibtisch zurückzukehren, sobald seine Kräfte es erlauben. Die Fortführung des „Demetrius“ bewegt ihn in den folgenden Tagen gedanklich zwar weiter, ohne daß er aber noch einmal zur Schreibfeder greifen kann.

1.05.1805 Bei Schiller Aussetzen der sonst üblichen Schmerzen an der linken Seite.

Abends letzter Theaterbesuch mit Caroline Freifrau von Wolzogen: „ Die un- glückliche Ehe aus Delikatesse “ von F.L. Schröder. Auf dem Wege ins Theater letzte Begegnung mit Goethe, der selber kaum genesen ist und Schiller nicht aufhalten will. Nach dem Schauspiel wird er von Heinrich Voß abgeholt, der Schiller in seiner Loge in heftigem Schüttelfrost findet und ihn nach Hause geleitet. Spätabends Erkrankung an starkem Husten und heftigem Katarrhfieber, das in den folgenden Tagen weiter zunimmt (akute Pneumonie). Während der letzten Krankheit pflegen ihn sein Diener Rudolph und Wilhelm Freiherr von Wolzogens zurückgelassener Diener Michael Färber. Hausarzt Dr. Stark ist nach Leipzig verreist.

2.05.1805 Anhalten des Fiebers.

Voß und Genast finden Schiller „ matt auf dem Sofa liegend in einem Mittelzu- stand von Wachen und Schlafen “. „ Ja, ja, da liege ich wieder,“ sagt er. „ Mit Goethe geht es heute auch nicht gut; ich habe zu ihm geschickt. Seine kräftige Natur hilft ihmüber alles hinaus. Er wird genesen. Wer aber weiß, was uns die nächste Stunde schwarz verschleiert bringt? Unsere Körper werden scheiden, aber unsere Seelen werden ewig zusammen leben! “ Die Hand habe fieberisch gebrannt.

3. u. Schiller geht es schlecht. „ In den ersten Tagen brach er alles von sich.“ Doch

4.05.1805 „ er selbst schien sich auch nicht bedenklicher krank zu fühlen als beiähnlichen

Fällen. Er empfing einige Freunde auf seinem Zimmer und schien sich gern durch sie unterhalten zu lassen. Herrn von Cottas Besuch, der auf der Durch reise nach Leipzigüber Weimar kam, erfreute ihn. Alle Geschäfte sollten bei seiner Rückkehr gemacht werden. - Da das Sprechen seinen Husten vermehrte, suchten wir ihn ruhig zu halten; auch sah er es am liebsten, wenn meine Schwester und ich allein um ihn waren “. (C. von Wolzogen).

5.05.1805 Verschlechterung des Zustands. Abends Fieberphantasien.

Sein Zustand wurde von Tag zu Tag gefährlicher und schien schon am 5. Mai,

4 Tage vor seinem Tode, rettungslos. Die Augen lagen tief im Kopfe, jeder Nerv zuckte krampfhaft “. (Voß).

5./ Unruhige Nacht mit heftigen Krämpfen in der Brust.

6.05.1805

6.05.1805 Morgens findet Dr. Huschke den Dichter röchelnd und mit kleinem Puls.

Nachmittags bringt ein verordnetes Kräuterbad einige Linderung. Mäßiger Hus- ten und immer noch Hoffnung auf Genesung. Abends beginnt Schiller abgebro- chen, doch nie besinnungslos, zu sprechen.

Erst an diesem Tag sucht Schiller auf Anraten seines Arztes das Bett auf. Schiller schläft nur wenig und phantasiert.

Charlotte von Schiller in einem Brief an Cotta: „ Nach einigen recht stürmi- schen Tagen kann ich Ihnen, verehrter Freund, doch beruhigendere Nachrich- ten geben. - Heut früh und diese vorige Nacht war es noch sehr, sehr beunru- higend; denn es hatte sich ein heftiger Krampf auf der Brust eingestellt, der uns mit der trockenen Hitze sehr Angst machte. Diesen Nachmittag aber hat Schil- ler ein Kräuterbad genommen, worauf er gleich Linderung spürte. Ich habe ihn auch in ein ordentlich zubereitetes Bett gebracht auf Bitten des Arztes [bis da- hin hat er folglich noch nicht zu Bett gelegen] und die Transpirationen und besseres Ausdehnen des Körpers tuen ihm wohl. Der Husten ist sehr m äß ig diesen Abend. Schiller hat aufs neu Glauben an seine Gesundheit, und guten Mut.“ Doch dann ändert sich noch am selben Tage das Bild, „ ü berfiel ihn die tödliche Krankheit “. Seine Frau schreibt darüber: „ Aber dies war Montags (6. Mai); von Montag nacht schlief er wenig mehr, Dienstag und Mittwoch phanta- sierte er noch viel.“

Es schien alles gut zu gehen, bis den 6. Mai, wo ich ihn früh röchelnd fand. Er konnte den Auswurf nicht gut heraufbringen, klagteüber Angst, und der Puls wurde klein. Verkältung war die Ursache dieses Zustandes, weil er nie im Bette lag. Er bekam auf die Brust noch ein Vesikatorium, innerliche Mittel, die die Brust stärkten, und ein warmes Bad, worauf abends dieser fürchterliche Zu stand behoben wurde. “ (Dr. Huschke).

Am Sechsten abends fing er an, oft abgebrochen zu sprechen, doch nie besin- nungslos. Sein Blick auf die Gegenwart blieb klar. Alles Heterogene mußte ent- fernt werden. Zufällig hatte sich ein Blatt des Freimütigen in sein Zimmer ver- irrt. ‚ Tut es doch gleich hinaus, ’ sagte er, ‚ daßich mit Wahrheit sagen kann, ich habe es nie gesehen. Gebt mir Märchen und Rittergeschichten; da liegt doch der Stoff zu allem Schönen und Großen. ’ Die Contes de Tressan hatte er immer geliebt; doch konnte er ein anhaltendes Vorlesen nicht ertragen.“ (C. v. Wolzogen).

7.05.1805 Morgens munterer, da etwas geschlafen. Abends Versuch eines Gesprächs mit

Caroline Freifrau von Wolzogen über Tragödienstoffe, das diese jedoch ablehnt. Später Phantasieren und erneute Halluzinationen.

Den 7. war er munterer, hatte etwas geschlafen, aber immer im Schlafe ge- sprochen. Das Röcheln zeigte sich nicht wieder, und er konnte den Auswurf gut heraufbringen. Der Puls blieb aber doch klein und krampfhaft, und wenn er schlummerte, sprach er. Er konnte gut aufhusten und alleine gehen und stehen, und doch war das bösartige Nervenfieber merklich im Anzuge.“ (Dr. Huschke).

Als ich am Abend des Siebenten zu ihm kam, wollte er, wie gewöhnlich, ein Gespräch anknüpfenüber Stoffe zu Tragödien,über die Art, wie man die höhe- ren Kräfte in Menschen erregen müsse. Ich antwortete nicht mit meiner ge- wöhnlichen Lebhaftigkeit, weil ich ihn ruhig halten wollte. Er fühlte es und sagte: ‚ Nun, wenn mich niemand mehr versteht und ich mich selbst nicht mehr verstehe, so will ich lieber schweigen. ’ Er schlummerte bald darauf ein, sprach aber viel im Schlaf. ‚ Ist das eure Hölle, ist das euer Himmel? ’ , rief er vor dem Erwachen; dann sah er sanft lächelnd in die Höhe, als begr üß te ihn eine trös- tende Erscheinung. Er aßetwas Suppe, und als ich Abschied nahm, sagte er zu mir: ‚ Ich denke diese Nacht gut zu schlafen, wenn es Gottes Wille ist.’“ (C. v. Wolzogen).

8.05.1805 Kleiner und krampfhafter Puls. Nach unruhiger Nacht mit viel Phantasien bis gegen Mittag tagsüber öfter still geschlafen. Nachmittags läßt er sich die kleine Emilie bringen und küßt sie. Auf die Frage Carolines nach seinem Befinden antwortet er: „ Immer besser, immer heiterer.“ Er verlangt, die Sonne zu sehen, schaut in den strahlenden Abendhimmel und nimmt Abschied von der Natur. Nachts Plan einer Reise mit Charlotte nach Bad Brückenau.

Den 8. war er in der vergangenen Nacht unruhig gewesen, stöhnteöfters, der Auswurf sah sehr mißfarbig, der Puls wurde noch kleiner und krampfhaft; doch konnte er gut aufhusten. Er bekam China mit Senega, vormittags und nachmit- tags Serpentaris und zwei Senfzüge auf die Waden. Den Tagüber schlief eröfters. Abends bekam er aber Ziehen im Gesicht und einige Male Zucken in den Händen.“ (Dr. Huschke).

Den Morgen des Achten hatte er leidlich zugebracht, still und oft schlum- mernd. Als ich gegen Abend kam, vor sein Bett trat und fragte, wie es ihm gehe, drückte er mir die Hand und sagte: ‚ Immer besser, immer heitrer. ’ Ich fühlte, daßer dies ganz in Bezug auf seinen innern Zustand sagte. Es waren die letzten an mich gerichteten Worte, die ich von den teuren Lippen vernahm. Er verlang- te, man solle den Vorhangöffnen, er wolle die Sonne sehen. Mit heiterem Blick schaute er in den schönen Abendstrahl, und die Natur empfing seinen Scheide- gruß. Seine Kinder verlangte er selten zu sehen. Die jüngste Tochter, die man ihm noch am Achten morgens gebracht, hatte er mit Freude und Wohlgefallen betrachtet. Sein treuer Diener, der die Nächte bei ihm zubrachte, sagte, daßer viel gesprochen, meist vom Demetrius, aus dem er Szenen rezitiert. Einige Mal habe er Gott angerufen, ihn vor einem langsamen Hinsterben zu bewahren. Der Ewige erhörte seine Bitte.“ (C. v. Wolzogen).

Den Abend verfiel er in eine Fieberphantasie und verharrte in diesem Zustan de 24 Stunden. Als sein Bewußtsein zurückkehrte, ließer sich sein jüngstes Kind bringen.“ (Voß).

9.05.1805 Tod Schillers

Nach unruhiger Nacht früh Besinnungslosigkeit, viel Phantasien und nur unzu- sammenhängende Reden, meist Latein. Vormittags ein Bad, dann eine Ohn- macht und phantasienreicher Schlaf. Ein Glas Champagner als letzter Trank. Nachmittags geschlafen, gegen 15 Uhr völlige Schwäche, Stocken des Atems. Gegen 17.30 Uhr ein plötzlicher Nervenschlag, der durch Einreibungen von Moschus scheinbar beruhigt wird, gegen 17.45 Uhr jedoch heftig repetiert und das Ende herbeiführt.

In der Todesstunde Schillers (17- 18 Uhr) sind in Schillers Haus an der Esplanade in Weimar im Arbeits- und Sterbezimmer neben den Dienern Rudolph47 und Färber48 Schillers Ehefrau Charlotte mit den Kindern Carl, Ernst, Caroline und Emilie, Schillers Schwägerin Caroline Freifrau von Wolzogen sowie der Hofrat und Leibmedicus Dr. Huschke anwesend.49

Den 9. hatte er unruhig geschlafen, phantasiert; frühäußerte er mir, daßer Herzensangst gehabt habe; ich riet ihm, noch ein stärkendes Bad zu nehmen, welches er auch wünschte. Dies geschah gegen 11 Uhr vormittags; allein nach dem Bade bekam er eine Ohnmacht, welche sich auf Einreibungen am Kopf legte; er schlief nachher und phantasierte. Gegen Abend um ½ 6 Uhr bekam er schnell einen Nervenschlag. Auf Reiben, Moschus innerlich und flüchtige, kräf tige Einreibungen schien sich ’ s zu beruhigen. Allein ¾ auf 6 Uhr repertierte der Schlag heftig, und er blieb plötzlich.“ (Dr. Huschke).

„ Am Neunten früh trat Besinnungslosigkeit ein; er sprach nur unzusammen hängende Worte, meistens Latein.

Ein ihm verordnetes Bad schien er ungern zu nehmen; doch war er in allem, was zu seiner Wartung geschehen mußte, ergeben und geduldig. Der Arzt hatte nötig gefunden, daßer ein Glas Champagner trinke, um die mehr und mehr sinkenden Kräfte zu heben. Es war sein letzter Trunk. Seine Brustbeklemmun gen schienen nicht sehr schmerzlich. Wenn er, davon ergriffen, auf sein Kissen zurückfiel, sah er sich um, schien uns aber nicht zu kennen.

Das ist wohl der zerreißendste Schmerz für ein Menschenherz, die schöne Harmonie des Geistes zerstört, das zarte Band, das auf Erden an die Geliebten bindet, zerrissen zu sehen, die Augen, aus denen beseelende Liebe leuchtete, mit starrem, irrem Blick auf uns geheftet zu erblicken! Aber es ist ein Schmerz, der den Geist aus den Banden der Erde löst und ihn das Ewige zu umfassen drängt.

Gegen drei Uhr trat vollkommene Schwäche ein; der Atem fing an zu stocken. Meine Schwester kniete an seinem Bette, sie sagte, ‚ daßer ihr noch die Hand gedrückt ’ . Ich stand mit dem Arzte am Fuße des Lagers und legte gewärmte Kissen auf die erkaltenden F üß e. Es fuhr wie ein elektrischer Schlagüber seine Züge; dann sank sein Haupt zurück, und die vollkommenste Ruhe verklärte sein Antlitz; seine Züge waren die eines sanft Schlafenden. “ - „ Als der Krampf sein Gesicht schon entstellte, als ich seinen gesunkenen Kopf auf eine bequemere Seite richten wollte, erkannte er mich, lächelte mich verklärt an und k üß te mich. Dies war das letzte deutliche Zeichen seines Bewußtseins. […] Als nach harten Krampfanfällen er endlich schlief und ruhig, sagte ich zu meiner gelieb- ten Schwester, ich hoffe, daßes nun besser werden würde, da ich doch allen Glauben zu seiner guten Natur habe; ich hatte Hoffnung - als der Mensch, den wir an das Bett gesetzt haten, da wir hinausgingen, uns rief, und der Krampf verzog sein Gesicht; nach wenigen Minuten war er kalt, und ich suchte um- sonst, die geliebte Hand zu erwärmen. “ (C. v. Wolzogen).

Es war gestern, als den 9., wo es sich früh morgens etwas besser anließ. Mor- gens 9 Uhr brachten wir ihn noch einmal ins Bad, wo er uns aber schon beina- he bei Heraushebung aus selbigem, mir und Rudolph, in den Armen verschie- den wäre; aber durch Anwendung stärkender Mittel brachten wir ihn wieder zu sich. Alsdann schlief er schon mit halbgebrochenen Augen des Nachmittags ziemlich ruhig, wo ich bei ihm die ganze Zeit war. Kurz nach 5 Uhr ruft er: ‚ Färber, ich will heraus! ’ Wie ich ihn in das Bett zurückbringen will, wird er plötzlich schwächer, fängt heftig zu atmen an und endet so in meinen und Ru- dolphs Armen, der mir schnell zu Hilfe geeilt war, gegen halb 6 Uhr seine irdi- sche Laufbahn. Alle Mittel, das Leben zurückzurufen, waren fruchtlos.“ (Fär- ber).

Die Reaktion auf die Todesnachricht

Der Schrecken, der Schmerz bei der Kunde seines Todes war allgemein. Un- bekannte Menschen, die sich auf der Straße begegneten, teilten sich durch Wort und Miene die Nachricht, ihr Gefühl mit. Keiner hatte mehr Ruhe in seinem Haus. Auf den Wegen, im Park, sah man Menschen umherirren, sich suchen, sich meiden. „ Ach! Alle Herzen hatten ihn verloren! “ Und mit Blitzesschnelle verbreitete sich die Trauerpost von Stadt zu Stadt, von Land zu Land, und das Leben selbst schien an Wert gesunken zu sein, da der große Sänger und Pro- phet dahin war, und das deutsche Herz seinen Mund verloren hatte. Der Jam- mer kehrte in alle Häuser ein, die Trauer trat in alle gebildete Zirkel, und alle Edlen fühlten sich durch das gemeinschaftliche Unglück verbrüdert. Als aber der erste Unglaube der Gewißheit, das neugierige Ausfragen dem ruhigen Nachdenken gewichen war, da vermochte man erst die Gr öß e des Verlustes zuüberschauen und zu ermessen, und die Trauer kam verstärkt aus der Überle- gung zurück.“ (Hoffmeister).

Doch nicht viel später schreibt Chr. Vulpius, Goethes späterer Schwager, an den Bremer Arzt Dr. Nikolaus Meyer: „ Die Menschen sind hier gar sonderbar. Es ist schon als wenn gar kein Schiller unter ihnen gelebt hätte, so wie es bei Herder auch war. Alles hat mit seinenökonomischen Lagen zu tun und alles jagt nur noch der Zerstreuung nach.“

Man darf nicht vergessen: Schiller verstarb mitten in der Epoche der Napoleonischen Kriege, die insgesamt 5 Millionen Tote und 10 Millionen Verwundete forderten. Die Kriege ruinierten auch die Staatsfinanzen der beteiligten Staaten. Die Steuern im Großherzogtum Berg z.B. verdreifachten sich in dieser Zeit, ganze Bevölkerungsschichten verarmten.

Die Reaktion Goethes

An dem Abend, als Schiller verschied, war Meyer bei Goethe. Meyer wurde, als die Nachricht eintraf, hinaus gerufen, kehrte aber nicht mehr ins Zimmer zurück, sondern ging weg, ohne Abschied zu nehmen. Ebenso wenig hatte ein anderer den Mut, ihm die Botschaft zu bringen, und wie seine Hausgenossen sich verwirrt zeigten und ihm ängstlich auswichen, konnte er in seiner Einsam- keit Schlimmes erwarten. „Ich merke es wohl“, sprach er endlich, „Schiller muß sehr krank sein“, ohne auf eine Erklärung zu dringen, welche zu ertragne er sich jetzt nicht stark genug fühlte, und war die übrige Zeit des Abends in sich gekehrt. In der Nacht hörte man ihn weinen. Am nächsten Morgen fragte er eine Freundin: „Nicht wahr, Schiller war gestern sehr krank?“ Jene, von dem Nachdruck seiner Worte heftig ergriffen, ist unfähig, ihm zu antworten, sondern fängt laut an zu schluchzen. „Er ist tot?“, fragte Goethe mit Festigkeit. „Sie haben es selbst ausgesprochen!“, erwiderte die Freundin. „Er ist tot!“, wieder- holt Goethe, und bedeckte sich die Augen mit den Händen. Auch in den nächst folgenden Tagen wagte niemand über Schiller mit ihm zu reden, und er ver- mied ein Gespräch, dem weder seine Ruhe, noch seine Fassung gewachsen war.

Die Hülle des Entschlafenen wollte er nicht sehen. „ Warum “, äußerte er sich später, „ soll ich mir die lieblichen Eindrücke der Gesichtszüge meiner Freunde und Freundinnen durch die Entstellungen einer Maske zerstören lassen? Der Tod ist ein sehr mittelm äß iger Portraitmaler. Ich meinerseits will von meinen Freunden ein seelenvolles Bild im Gedächtnis bewahren.“ Zugleich lobte er es, daß der Körper nicht aufgestellt wurde. „ Eben das ist es, was mir an Schillers

Hingang so ausnehmend gefällt. Unangemeldet und ohne aufsehen zu machen, kam er nach Weimar und ohne Aufsehen zu machen ist er auch wieder von hin nen gegangen. Die Paraden im Tod sind nicht, was ich liebe.“

10.05.1805 Gerichtsmedizinische Untersuchung der Schiller-Leiche Am Nachmittag findet Sektion des Leichnams vom Leibmedicus Huschke im Beisein des Arztes Herder statt.50 Die beiden Obduzenten finden „ folgendes Merkwürdige:

1. Die Rippenknorpel waren durchgängig und sehr stark verknöchert.
2. Die rechte Lunge mit der Pleura (Rippenfell) vorn und selbst mit dem Herzbeutel ligamentartig so verwachsen, daßes kaum mit dem Messer gut zu tren nen war und ganz desorganisiert.
3. Die linke Lunge besser, marmoriert und mit Eiterpunkten.
4. Das Herz stellte einen leeren Beutel vor und hatte sehr viele Runzeln, war häufig ohne Muskelsubstanz. Dieser häutige Sack konnte man in Stücke zerflocken.
5. Die Leber natürlich, nur die Ränder brandig.
6. Die Gallenblase noch einmal so großals in natürlichem Zustande und strot zend von Galle.
7. Die Milz um 2/3 gr öß er als sonst.
8. Der vordere konkave Rand der Leber mit allen naheliegenden Teilen bis zum

[...]


1 Arthur Conan Doyle: The Adventures of Sherlock Holmes. S. 932 (vgl. Doyle-Holmes, S. 179) http://www.digitale-bibliothek.de/band129.htm

2 Arthur Conan Doyle: Die Abenteuer des Sherlock Holmes. S. 4008 (vgl. Doyle-WA Bd. 5, S. 11 ff.) http://www.digitale-bibliothek.de/band129.htm

3 H. Ullrich, Schädel-Schicksale, S. 97.

4 H. Ullrich, Schädel-Schicksale, S. 94.

5 Schillers Schädel. Physiognomie einer fixen Idee. Weimar 2009, S. 208f.

6 Schillers Schädel. Physiognomie einer fixen Idee. Weimar 2009, S. 201.

7 DER SPIEGEL 19/2008 vom 05.05.2008, Seite 164ff. Auf: http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/72/31/dokument.html?titel=Die+vertauschten+K%C3%B6pfe&id=56 831327&top=SPIEGEL&suchbegriff=&quellen=&vl=0

8 Ernst. Meyers Großes Konversations-Lexikon (1905), S. 53482 (vgl. Meyer Bd. 6, S. 66 ff.)http://www.digitale-bibliothek.de/band100.htm

9 In der Lehrart der „Großen National-Mutterloge“ „Zu den drei Weltkugeln“ bilden die über den IV. Grad (Schottengrad) vorhandenen 3 weiteren Erkenntnisstufen den Inneren Orient. Das Bundesdirektorium ist in den inneren maurerischen Angelegenheiten als der „höchste innere Orient“ der Bewahrer und Pfleger der Lehre und des Rituals. Der Innere Orient hat vorwiegend die Aufgabe, durch geeignete Unterweisung die Entstehung und geschichtliche Entwicklung aller Großlogensysteme alter und neuer Zeit unter ihren Mitgliedern zu verbreiten. Insbesondere aber soll in den Arbeiten des Inneren Orients das Wesen des Bundes gegenüber allen anderen ethnischen und religiösen Gesellschaften klargestellt und alles ferngehalten werden, was dem innersten Wesen der Freimaurerei fremd ist.

10 Hecker, S. 299.

11 Erzählung v. Frorieps im „Frankfurter Konversationsblatt“ vom 9.03.1838. Zitiert bei: Hildebrandt, S. 88.

1212 Der 1784 eröffnete Wiener „Narrenturm“ ist die Stätte, an der Galls hirnphysiologischen (= neuropsychologischen) und hirnanatomischen Studien ihren Ausgang nehmen. Der Direktor des Allgemeinen Krankenhauses, Johann Peter Frank (1745-1821), läßt ihm freie Hand.

13 Hagner, S. 60.

14 Hagner, S. 61.

15 Zitiert nach: J. Dalchow, G. Duda u. D. Kerner: Mozarts Tod 1791-1971. Zur 180. Wiederkehr seines gewaltsamen Endes am 5. Dezember 1971. Pähl 1971, S. 170.

16 Brief Frorieps an den „Neuen Teutschen Merkur“, datiert in Jena, März 1802; daselbst veröffentlicht in April 1802.

17 Goethes Gespräche. Aufgrund der Ausgabe von Flodoard Freiherrn v. Biedermann hrsg. von Wolfgang Herwig. 5 Bde. (in 6) Stuttgart/Zürich 1965-1987, hier Bd. I, S. 1010.

18 Brief Frorieps an den „Neuen Teutschen Merkur“, datiert in Jena, März 1802; daselbst veröffentlicht in April 1802.

19 Lexikon: Froriep. Pierer's Universal-Lexikon, S. 81828 (vgl. Pierer Bd. 6, S. 762.). http://www.digitale-bibliothek.de/band115.htm

20 Vgl. „Goethes Bibliothek“. Katalog. Bearb. der Ausg. Hans Ruppert. Weimar 1958, S. 656, Nr. 4567.

21 Vgl. Karl-Heinz Hahn (Hrsg.): Briefe an Goethe. Bd. 3, 1799-1801. Weimar 1983, S. 387, Nr. 1421.

22 Zitiert bei: Steiner, S. 207.

23 GSA 122/164.

24 Hecker, S. 299.

25 Mozart, der am 5.12.1791 verstorben war, wurde tags darauf in der Kreuzkapelle von St. Stephan, einer kleinen Vorhalle zum Katakombeneingang neben der Capistrankanzel, eingesargt. Seine Witwe hatte ein billiges Begräbnis III. Klasse, zum Preis von 8 Gulden und 56 Kreuzer, gewählt. Nur wenige Trauergäste folgten dem Sarg bei äußerst schlechtem Wetter durch die Schulerstraße zum Stubentor, von wo der Sarg „allein“ zum weit außerhalb der Stadt gelegenen Friedhof weiterzog. Wer von den Freunden und der Familie an dem Leichenzug teilgenommen hat, läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen; es existieren zu widersprüchliche Überlieferungen. Es war unüblich, den Leichnam bis vor die Stadt zu begleiten; die Wegstrecke war lang, der genaue Beerdigungstermin zudem meist ungewiß. Die Fahrt zum Friedhof St. Marx hatte gemäß den Sanitätsgesetzen abends nach Einbruch der Dunkelheit zu erfolgen. Mozart wurde in einem für Mehrfachbestattungen vorgesehenen einfachen Schachtgrab beerdigt. Das viel zitierte „Sackbegräbnis“, 1784 aus Sparsamkeitsgründen verordnet, existierte zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr. Die Grabstätte, ein Schachtgrab, blieb zwar ohne Kreuz, war den Zeitgenossen Mozarts jedoch durchaus bekannt. 1801 wurde Mozarts Grabstätte umgegraben, gemäß der Gepflogenheit, ein Grab nach 10 Jahren einer neuerlichen Verwendung zuzuführen. Die zum Vorschein gekommenen Gebeine wurden abermals in der Erde verscharrt. Im Jahre 1808 machte sich der königl.-sächsische Legationsrat Ritter von Griesinger auf die Suche nach dem Mozart-Grab. Die exakte Stelle blieb allerdings unauffindbar. Weitere 34 Jahre später stellte der Herausgeber der „Neuen Wiener Musikzeitung“, Franz Glöggl, private Nachforschungen an, die endlich, im Jahr 1855, zu einer amtlichen Untersuchung führten. Dabei wurden verschiedene Zeugen befragt und eine Begehung durchgeführt, als deren Resultat die Lage des Grabes „mit großer Wahrscheinlichkeit“ erhoben werden konnte.

26 Bei der Leerung des Grabes 1801 erfolgte die angebliche Rettung des Mozart-Schädels durch den Totengräber Joseph Rothmayer. Über die näheren Umstände der Bergung geben die historischen Quellen ebensowenig Auskunft wie über dessen Verbleib bis 1842. Damals wurde der Schädel von einem Nachfolger des Totengräbers an den Kupferstecher Jakob Hyrtl (1799-1868) übergeben. Aus dessen Nachlaß gelangte er an seinen Bruder, den berühmten Anatomen Joseph Hyrtl (1810-1894), der ihn von seinem Studienkollegen Ludwig August Frankl (1810-1894) untersuchen ließ. Dieser kam in seinem Bericht zu dem Schluß: „Mozarts Schädel ist gefunden!“ Anfang der 1890er Jahre vermachte Joseph Hyrtl den Schädel der Stadt Salzburg, wohin er 1902 auch gelangte. Er wird von der Internationalen Stiftung Mozarteum verwahrt. Der wissenschaftliche Beweis, daß es sich um den Mozart-Schädel handelt, kann nach dem gegenwärtigen Stand der Forschung als nicht erbracht gelten.

27 Hagner, S. 61.

28 Am selben Tag stirbt Schillers Mutter im Alter von 69 Jahren in Cleversulzberg. Er wird erst am 11.05.1802 davon informiert. Da er wieder einmal von Fieber gepeinigt wird, kann er nicht zur Beerdigung in die alte Heimat fahren.

29 Schillers Wohnhaus in Weimar, S. 19.

30 Die ehemaligen Wohnräume wurden nach dem Tod Schillers im Jahre 1805 mehrfach renoviert und mehrfach genutzt. Bereits seit seiner Jenaer Zeit hatte sich Schiller intensiv um die Auswahl passender Tapeten und Bordüren für die Ausstattung seiner dortigen Wohnung und seines Gartenhauses bemüht. Auch in seinem Schreibkalender von 1802, dem Jahr seines Einzuges in das Haus an der Esplanade in Weimar, gibt es verschiedene Vermerke zu Tapeten und Bordüren. Ein Eintrag verdient hier besondere Beachtung: „Tapeten von Frankfurt/12 Stück blaue a 80 Kreuzer/6 Stück grün-violett a 150 Kreuzer/Bordüren a) 68 Ellen travers/72 Ellen montant/Elle a 10 Kreuzer/b) 108 Ellen a 9 Gulden zusammen.“ Diese beiden Tapeten konnten im Verlauf der restauratorischen Untersuchungen 1986 durch die Übereinstimmung der Mengenangaben für die Schlafkammern des Hauses identifiziert werden, in denen Tapetenreste mit den entsprechenden Farben aufgefunden wurden. Die dabei freigelegten Tapeten- und Bordürenbefunde der Zeit um 1802 stellten mehr oder weniger umfangreiche Reste der damaligen Wandbekleidung dar. Der großflächigste Fund war die Schottenmustertapete von der Dachschräge im Empfangszimmer des Mansardgeschosses. Hier waren mehrere Bahnen in vollständiger Länge und die dazugehörigen Bordüren am oberen Wandabschluß und im Sockelbereich vorhanden. Die Befunde der grünen Tapete aus Schillers Arbeitszimmer, der Draperietapete mit Sockelbordüre, der Lorbeerlaubtapete und der grünen Stoffmustertapete wiesen etwa Rapportgröße auf. Alle anderen Tapeten- und Bordü- renreste waren nur als schmale Streifen oder unregelmäßige Einzelstücke erhalten. Bei allen aufgeführten Tapeten und Bordüren handelt es sich um mehrfarbige Handdrucke auf aus einzelnen Büttenbögen zusammengeleimten Papierbahnen. In Schillers Arbeitszimmer tapezierte man 1802 zunächst die Wände mit „Schweinfurter Grün“, baute anschlie- ßend die Regale ein, beklebte sie ebenfalls mit Tapete und malte im Sockelbereich einen Lambris in illusionistischer Manier auf. Durch die Regale wurden 8 bis 10 cm der Wandtapete auf der Westwand abgedeckt und besonders geschützt. Die Tapete der Schillerzeit hat vermutlich bis zum Verkauf des Hauses 1827 bestanden. Man überklebte sie mit Papier, auf das ein rötliches Ocker gestrichen wurde. Schließlich wurde 1847 der sehr gute Nachdruck der „Schillertapete“ geklebt, der in der Folgezeit noch viermal wiederholt wurde. Zuletzt wurden 1985-86/87 die Innenräume im Schiller-Haus restauriert. Für die Untersuchungen im Rahmen des Projektes „Friedrich-Schiller-Code“ hat man Stücke aus der Originaltapete hinter den Regalen genommen. Lit.: Karl-Heinz Bastian: Die Restaurierung der Innenräume im Schiller-Haus. In: Jürgen Beyer und Jürgen Seifert: Weimarer Klassikerstätten. Geschichte und Denkmalpflege. 2. Aufl:, Bad Homburg und Leipzig 1997, S. 123-132, bes. 127-129; Lutz J. Walter: Die Rekonstruktion historischer Tapetenausstattungen für Schillers Wohnhaus. In: Jürgen Beyer und Jürgen Seifert: Weimarer Klassikerstätten. Geschichte und Denkmalpflege. 2. Aufl:, Bad Homburg und Leipzig 1997, S. 133-143.

31 E-Mail von Frau Dr. U. Gebhardt an Herrn Seemann vom 11. März 2007.

32 Goethe: 1827. Goethe: Briefe, Tagebücher, Gespräche, S. 30844 (vgl. Goethe-Gespr. Bd. 6, S. 230 ff.) http://www.digitale-bibliothek.de/band10.htm.

33 Friedrich August Ukert (*28. Oktober 1780 in Eutin; †18. Mai 1851 in Gotha) war ein deutscher Philologe und Historiker. Er besuchte das Gymnasium in Eutin und studierte ab 1800 in Halle und Jena. Ab 1804 arbeitete er als Hauslehrer, unter anderem in Weimar, wo er 1807 Erzieher der beiden Söhne des zwei Jahre zuvor verstorbenen Friedrich von Schiller, Carl Ludwig Friedrich und Ernst Friedrich Wilhelm, wurde. Im Jahr 1808 folgte er einem Ruf nach Gotha, wo er zunächst als Inspektor am Gymnasium, dann als Bibliothekar an der herzoglichen Bibliothek arbeitete. Neben Übersetzungen historischer und geographischer Werke publizierte er Arbeiten zur Dämonologie und Bibliotheksgeschichte.

34 Bernhard Rudolf Abeken (*1. Dezember 1780 in Osnabrück; †24. Februar 1866 in Osnabrück) war ein deutscher Philologe und Schulmann. Er studierte Theologie in Jena, war 1808 Lehrer der Söhne Schillers, wurde 1814 Konrektor, 1841 Rektor am Gymnasium zu Osnabrück und starb am 24. Februar 1866 daselbst. Bernhard Rudolf Abeken war der Vater des klassischen Archäologen Wilhelm Ludwig Abeken (1813–1843) und des Autors und Politikers Hermann Abeken (1820–1854).

35 Goethe: 1802. Goethe: Briefe, Tagebücher, Gespräche, S. 28225 (vgl. Goethe-Gespr. Bd. 1, S. 238 ff. ) http://www.digitale-bibliothek.de/band10.htm

36 Manfred Dick: Der Literat und der Naturforscher. Wilhelm Heinse und Samuel Thomas Soemmering. In: Gunter Mann und Franz Dumont (Hrsg.): Samuel Thomas Soemmering und die Gelehrten der Goethezeit. Stuttgart und New York 1985, S. 227f. – Die zitierte Angabe aus dem Jahr 1844 stammt von Heinses Sohn Wilhelm (in: Albert Leitzmann: Wilhelm Heinse in Zeugnissen seiner Zeitgenossen. Jena 1938, S. 52).

37 Wilhelm Gottlieb Kelch: Ueber den Schädel Kants. Ein Beytrag zu Galls Hirn- und Schädellehre. Königsberg 1804; Nachdruck ebd. 1824.

38 Hagner, S. 67.

39 Hagner, S. 64f.

40 Goethe: 1804. Goethe: Briefe, Tagebücher, Gespräche, S. 8658 (vgl. Goethe-WA-IV, Bd. 17, S. 217 ff.) http://www.digitale-bibliothek.de/band10.htm

41 Goethe: 1805. Goethe: Briefe, Tagebücher, Gespräche, S. 8684 (vgl. Goethe-WA-IV, Bd. 17, S. 232 ff.) http://www.digitale-bibliothek.de/band10.htm

42 Vgl. Gunter Mann: Franz Joseph Galls kranioskopische Reise durch Europa (1805-1807). In: Nachrichtenblatt der deutschen Gesellschaft für Geschichte der Medizin, Naturwissenschaft und Technik 34 (1984), S. 86-114. – Über die Vortragsorte in zeitlicher Abfolge: Helmut Heintel: Leben und Werk von Franz Joseph Gall. Eine Chronik. Würzburg 1986. – In eigener Sache: Joseph Gall: Meine Reise durch Deutschland, nebst pathogonomischen Bemerkungen über meine gemachten Bekanntschaften, und einzig wahre Darstellung meiner Lehre. 1806, S. 309-345. Zur literarischen Rezeption der Gallschen Schädellehre: Sigrid Oehler-Klein: Die Schädellehre Franz Joseph Galls in Literatur und Kritik des 19. Jahrhunderts. Zur Rezeptionsgeschichte einer medizinisch-biologisch begründeten Theorie der Physiognomie und Psychologie (Soemmering-Forschungen Bd. 8). Stuttgart und New York 1990.

43 Hecker, S. 263.

44 Briefwechsel zwischen Schiller und Körner. Bd. IV, S. 307.

45 Goethe: 1805. Goethe: Briefe, Tagebücher, Gespräche, S. 8751 (vgl. Goethe-WA-IV, Bd. 17, S. 275 ff.) http://www.digitale-bibliothek.de/band10.htm

46 Charlotte von Schiller, 12.06.1805. Zitiert bei: Lexikon Schiller Zitate, S. 638.

47 ? = Georg Gottfried Rudolph, Kanzlist, Registrator in Weimar.

48 ? = Johann Michael Christoph Färber (1778-1844). Bruder von Johann David Färber, seit 1814 Kustos an der Bibliothek, dann Schreiber am Museum in Jena.

49 H. Ullrich, Schädel-Schicksale, S. 73.

50 Hoffmeister, S. 329f.

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Titel: Schillers größtes Geheimnis - Der Friedrich Schiller-Code