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Die Veränderungen in der Altersstruktur in Deutschland und ihre Auswirkungen auf das Privatkundengeschäft der Banken

Seminararbeit 2012 21 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition und Aspekte der demografischen Entwicklung in Deutschland
2.1 Die Deutschen werden immer weniger
2.2 Die Deutschen leben länger

3. Auswirkungen und Herausforderungen der demografischen Entwicklung in Deutschland für das Privatkundengeschäft der Banken

4. Langfristige Kundenbindung durch altersgerechte Service- und Finanzdienstleistungen
4.1 Nachwuchskonzepte
4.2 Aspekte des Konzepts 55plus

5. Schlussbemerkung

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abb. 1: Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland

Quelle: Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie, Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Wirtschaftsfaktor Alter, Faktenblatt 1, Demografischer Wandel, April 2010

Abb. 2: Mittelaufnahme und -anlage im Lebenszyklus eines Privatkundengeschäft

Quelle: A. Horsch / D. Kaltofen, Wertorientierte Banksteuerung I : Renditemanage- ment, 2. Aufl. Frankfurt am Main 2011, S. 314

Abkürzungs- und Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Der demografische Wandel wird Deutschland in nicht allzu langer Zeit nachhaltig verändern. Für welche Bereiche des täglichen Lebens diese Veränderungen positiv verlaufen und für welche Bereiche der demografische Wandel negative Folgen mit sich bringt, wird die Zukunft zeigen. Allerdings birgt der demografische Wandel in Deutschland nicht nur Risiken, sondern auch eine Fülle an neuen Chancen.

In den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg wurde das Thema der demografischen Entwicklung in Deutschland lange tabuisiert. Spätestens seit den politischen Diskussionen über die Sicherung und Aufrechterhaltung unseres Renten- und Sozialversicherungssystems wird dieser Thematik jedoch immer mehr Aufmerksamkeit gewidmet.

Kapitel 2 dieser Seminararbeit befasst sich mit Teilbereichen des demografischen Wandels in Deutschland. Sie gibt einen kurzen Einblick in die neuesten Erkenntnisse der demografischen Entwicklung in Deutschland. Die beiden Hauptschwerpunkte liegen auf dem kontinuierlichen Altern unserer Gesellschaft, sowie auf dem stetigen Schwinden der deutschen Population. Andere Aspekte, wie zum Beispiel die Entwicklung des Wanderungssaldos von bzw. nach Deutschland oder die regionalen Unterschiede der demografischen Entwicklung werden nicht weiter aufgezeigt. Ebenso werden die unterschiedlichen Entwicklungen zwischen städtischen und ländlichen Regionen, sowie zwischen den alten Bundesländern und den neuen Bundesländern nicht weiter betrachtet.[1]

Kapitel 3 zeigt welche Auswirkungen und Herausforderungen sich aus dem demografische Wandel in Deutschland für das Privatkundengeschäft der Banken ergeben. Die Auflistung ist jedoch nicht als abschließend anzusehen. Vielmehr sollen hier verschiedene Teilbereiche Denkanstöße liefern und Handlungsansätze aufzeigen.

Kapitel 4 befasst sich, entgegen pessimistischer Prognosen wie die „Asset-Meltdown“ Hypothese, die sinkendes Vermögen und fallende Gesamtrendite von Finanzanlagen prognostizieren,[2] mit beispielhaften Maßnahmen zur Kundenbindung von unterschiedlichen vom demografischen Wandel betroffenen Kundensegmenten. Der demografische Wandel kann für Banken bei rechtzeitiger strategischer Ausrichtung eine Fülle an Chancen und Ertragspotentialen mit sich bringen.

2. Definition und Aspekte der demografischen Entwicklung in Deutschland

Als Demografie wird die Bevölkerungswissenschaft bezeichnet. Sie befasst sich mit der Entwicklung einer Gesellschaft und deren Strukturen. Es ist die Lehre von den Ursachen und Folgen der Bevölkerungsbewegung.[3] Die Bevölkerungswissenschaft liefert Prognosen anhand statistisch erhobener Daten für die zukünftige Bevölkerungsentwicklung. Sie basiert auf fortlaufenden Statistiken, Stichproben und Volkszählungen. Für diese Prognosen werden Annahmen über die Entwicklung einzelner Teilbereiche der Demografie getroffen. Diese Teilbereiche sind die Geburtenhäufigkeit, die Lebenserwartung, der Wanderungssaldo (Saldo der Zuwanderung nach und der Abwanderung von Deutschland).[4]

Die Veränderungen in den genannten Teilbereichen bezeichnet man als demografischen Wandel, bzw. als demografische Alterung. Bei diesem Prozess steigt das Durchschnittsalter einer Bevölkerung stetig an. Die demografische Alterung wird durch zwei Hauptfaktoren bestimmt. Zum einen liegt in Deutschland seit den 1970er Jahren die Sterberate über der Geburtenrate, wodurch sich in Deutschland die Bevölkerung verringert. Zum anderen steigt die durchschnittliche Lebenserwartung jedes Jahr und somit der Anteil älterer Menschen gegenüber den jüngeren Generationen. Laut Prognosen soll 2050 bereits jeder Dritte 60 Jahre und älter sein.[5] Damit liegt Deutschland im Trend moderner Gesellschaften. Je höher das Maß an Zivilisation, Bildung und Lebensstandard einer Gesellschaft ist, desto weniger Kinder bekommt sie.[6]

2.1 Die Deutschen werden immer weniger

Die deutsche Bevölkerung sinkt seit 2003 kontinuierlich, was durch die 12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung bis 2060 deutlich wird. Dieser Rückgang ist nach den aktuellen Berechnungen nicht zu stoppen, sondern wird sich eher noch beschleunigen. 82 Millionen Menschen lebten 2008 in Deutschland. Im Jahre 2060 werden dies nur noch zwischen 65 und 70 Millionen sein.[7]

Hierfür sind mehrere Faktoren verantwortlich. Die Hauptursache ist die negative Differenz zwischen Sterberate und Geburtenrate. Seit ca. 30 Jahren liegt die relativ konstante, doch niedrige Geburtenhäufigkeit in Deutschland bei 1,4 Kindern je Frau. Dadurch verringert sich fortlaufend die Anzahl der potentiellen Mütter. Von einem erneuten Anstieg der Geburtenzahl ist nicht auszugehen, eher noch von einem Rückgang. Somit zählt jede neue Generation ein Drittel weniger als die ihrer Eltern. Selbst der Anstieg des durchschnittlichen Gebäralters um 1,6 Jahre kann diesen Trend nicht umkehren. Zusätzlich nimmt die Zahl der Sterbefälle zu. Zwar steigt die Lebenserwartung in Deutschland mit jedem Jahr an, doch sind es die geburtenstarken Nachkriegsjahrgänge, welche heute zu der mittleren Altersschicht gehören, die ein hohes Alter erreichen werden.[8]

Bereits seit Anfang der 1970er Jahre ist die Bevölkerungsbilanz in Deutschland negativ (die natürliche Bevölkerungsbilanz ist die Differenz von Geburten- und Sterbezahlen). Betroffen ist gerade die Bevölkerung im Erwerbsalter, die dadurch immer weiter sinkt. Aktuell verzeichnet Deutschland ungefähr 50 Millionen Menschen im Erwerbsalter. Bis zum Jahr 2060 werden diese voraussichtlich um 27% sinken auf nur noch 36 Millionen. Als schwerwiegende Folge stehen immer mehr Senioren und Seniorinnen einer kontinuierlich sinkenden Bevölkerung im Erwerbsalter gegenüber.[9]

Zu erklären ist das Geburtendefizit über verschiedene Ansätze: die Möglichkeit der Empfängnisverhütung durch die Pille gegen Ende der Sechzigerjahre und das daraus resultierende, veränderte Rollenverständnis der Frau und des Mannes. Heutzutage wird immer mehr Wert auf die eigene Selbstverwirklichung gelegt. Zukunftsängste, veränderte Lebensmodelle und die Notwendigkeit hoher Flexibilität im Berufsleben sind ebenfalls entscheidende Faktoren. Es gibt längst kein Standardlebensmodell und keine Standardfamilie mehr.[10]

2.2 Die Deutschen leben länger

Bereits seit über 130 Jahren ist in Deutschland ein kontinuierlicher Anstieg der Lebenserwartung zu verzeichnen. Gründe hierfür sind die Fortschritte in der medizinischen Technik, der Hygiene, der Ernährung, sowie verbesserte Wohn- und Arbeitsbedingungen.[11]

2008 gab es noch 19% Kinder und junge Menschen unter 20 Jahren, 61% der Altersklasse 20 bis unter 65 Jahre und 20% der über 65-Jährigen. Jedoch durch die starken Verschiebungen in der Altersstruktur werden 2060 bereits 34% der deutschen Bevölkerung älter als 65 Jahre sein. Es werden nur halb so viele Kinder geboren, wie 70-Jährige leben. Die Anzahl der unter 20-Jährigen wird sich von 16 Millionen auf 10 Millionen reduzieren. 2008 lebten 4 Millionen Menschen in Deutschland, die mindestens 80 Jahre alt sind. 2050 soll der Höchststand mit 10 Millionen erreicht werden, bevor der Wert dann langsam wieder fällt. Das mittlere Alter der Bevölkerung steigt von heute 43 Jahren auf 52 Jahre im Jahr 2060. Des Weiteren steigt die durchschnittliche Lebenserwartung. 2060 haben Frauen bei Geburt eine Lebenserwartung von 89,2 Jahren (Zuwachs von 6,8 Jahren) und Männer von 85,0 Jahren (Zuwachs von 7,8 Jahren). Die Differenz zwischen den beiden Geschlechtern reduziert sich von 5,2 Jahren auf 4,2 Jahre.[12]

[...]


[1] Vgl. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden, Gruppe ID, Pressestelle, Gruppe VIA, „Demografische Modellrechnungen“, Bevölkerung Deutschlands bis 2060, 12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, Wiesbaden 2009

[2] Vgl. Forschungsgesellschaft für Gerontologie e.V., Institut für Arbeit und Technik, Ruhr- Universität Bochum, Seniorenwirtschaft in Deutschland, Finanzdienstleistungen im Alter, Dortmund im November 2006, S. 4

[3] Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon, Bevölkerungswissenschaft http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/bevoelkerungswissenschaft.html Zugriff: 19.01.2012, 00:00

[4] Vgl. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden, Gruppe ID, Pressestelle, Gruppe VIA, „Demografische Modellrechnungen“, Bevölkerung Deutschlands bis 2060, 12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, Wiesbaden 2009

[5] Vgl. Gabler Wirtschaftslexikon, demografische Alterung http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/demografische-alterung.html Zugriff: 20.01.2012, 20:40

[6] Vgl. W. Ronzal / H. Muthers, Wettlauf um die Alten, Bankmarketing für die Zielgruppe 50plus, 1. Aufl. Wiesbaden 2007

[7] Vgl. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden, Gruppe ID, Pressestelle, Gruppe VIA, „Demografische Modellrechnungen“, Bevölkerung Deutschlands bis 2060, 12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, Wiesbaden 2009, S. 12f.

[8] Vgl. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden, Gruppe ID, Pressestelle, Gruppe VIA, „Demografische Modellrechnungen“, Bevölkerung Deutschlands bis 2060, 12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, Wiesbaden 2009, S. 5ff.

[9] Vgl. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden, Gruppe ID, Pressestelle, Gruppe VIA, „Demografische Modellrechnungen“, Bevölkerung Deutschlands bis 2060, 12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, Wiesbaden 2009, S. 6

[10] Vgl. W. Ronzal / H. Muthers, Wettlauf um die Alten, Bankmarketing für die Zielgruppe 50plus, 1. Aufl. Wiesbaden 2007, S.13f.

[11] Vgl. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden, Gruppe ID, Pressestelle, Gruppe VIA, „Demografische Modellrechnungen“, Bevölkerung Deutschlands bis 2060, 12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, Wiesbaden 2009, S. 29

[12] Vgl. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden, Gruppe ID, Pressestelle, Gruppe VIA, „Demografische Modellrechnungen“, Bevölkerung Deutschlands bis 2060, 12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, Wiesbaden 2009, S. 5ff.

Details

Seiten
21
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656229407
ISBN (Buch)
9783656229797
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v196853
Institution / Hochschule
Frankfurt School of Finance & Management
Note
1,3
Schlagworte
Demografischer Wandel Demografie Bank Demografische Entwicklung Kundenbindung altersgerechte Bankdienstleistungen Privatkundengeschäft altersgerechte Finanzdienstleistungen Altersentwicklung Finanzdienstleistung Bankdienstleistung Alter

Autor

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