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Täuschungshandeln im Sportspiel

Bachelorarbeit 2011 44 Seiten

Gesundheit - Sport - Bewegungs- und Trainingslehre

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Verlauf der Bachelorarbeit

2 Motorische Fähigkeiten - Voraussetzung für sportliche Leistung

3 Täuschungshandlungen bei Sportspielen
3.1 Begriffserklärung für Täuschungshandlung
3.2 Handlungsvollzug einer Körpertäuschung
3.3 Koordinatives Anforderungsprofil einer Körpertäuschung

4 Leistungsbestimmende Faktoren einer Körpertäuschung
4.1 Koordinative Fähigkeiten
4.2 Druckbedingungen
4.3 Psychisch-taktische Voraussetzungen
4.4 Entscheidungs- und Handlungsregulation
4.5 Leistungsfaktoren einer Täuschungshandlung im Überblick

5 Positionsprofil ausgewählter Rückraummitte Spieler im Handball

6 Leistungsbestimmenden Faktoren zur Optimierung einer Körpertäuschung

7 Trainingsübungen zur Optimierung einer Körpertäuschung

8 Fazit

9 Literaturangaben

10 Abbildungsverzeichnis

11 Anhang

1 Einleitung

Während meines Studiums habe ich viele Spielsportarten kennengelernt und einige in Lehrveranstaltungen auch praktisch erfahren dürfen. Sowohl in der Theorie als auch in der Praxis der Sportspiele wurde immer wieder anhand koordinativer Fähigkeiten verdeutlicht, dass Bewegungsausführungen optimiert und auf andere Sportarten transferiert werden können. Dieser Zusammenhang weckte mein Interesse, Täuschungshandlungen in verschiedenen Sportspielen genauer zu betrachten und in den Kontext der koordinativen Fähigkeiten einzuordnen.

Aus der großen Anzahl von Täuschungshandlungen habe ich die Körpertäuschung ausgewählt, da ich selber Körpertäuschungen in mehreren Variationen im Handballsport erfahren habe. In der vorliegenden Bachelorarbeit „Täuschungshandeln im Sportspiel“ stelle ich die Relevanz der leistungsbestimmenden Faktoren während einer Körpertäuschung dar und arbeite heraus, welche Eigenschaften verbessert werden können, um die Täuschung zu perfektionieren. Mein Auswertungsschwerpunkt wird innerhalb der Sportart Handball liegen, jedoch werde ich sportübergreifende Vergleiche mit den Sportspielen (Basketball und Fußball) herstellen.

Eine grundsätzliche Frage zum Thema Täuschungshandeln im Sportspiel lautet: Wie gelingt es im Sportspiel, ständig wechselnde Spielsituationen wahrzunehmen, sich auf diese anzupassen und immer im richtigen Augenblick, das Richtige zu tun? (vgl. NAGEL, 1996, S. 45).

1.1 Verlauf der Bachelorarbeit

Im weiteren Verlauf der Arbeit werde ich kurz den Begriff der koordinativen Fähigkeiten erläutern und diesen in den Kontext der sportlichen Leistungsfähigkeit einordnen. Nachdem die Begrifflichkeiten systematisch aufgearbeitet wurden, werde ich den Bewegungsablauf einer Körpertäuschung in den Sportspielen erläutern, die Handlung einer Körpertäuschung darstellen und aufzeigen wie die Informationsanforderungen und die Druckbedingungen bei einer Körpertäuschung mit dem koordinativen Anforderungsprofil bestimmt werden.

Die Bedeutung der Täuschungshandlungen im Sportspiel wird in verschiedenen Situationen dargestellt, ebenso das, was zur Bewältigung einer gezielten Täuschung erbracht werden muss bzw. welche Informationsanforderungen auf einen Sportler wirken. Hierfür wird nicht nur der Bezug zum Handballsport hergestellt, sondern es werden auch sportübergreifende Beispiele genannt.

Anschließend werde ich aufzeigen, welche leistungsbestimmenden Faktoren durch Training verbessert werden müssen, damit eine Täuschungshandlung effektiver vollzogen werden kann. Diese Trainingsmöglichkeiten werde ich mit Übungen belegen, die zur sportspezifischen Verbesserung der Täuschungshandlung führen. Im abschließenden Fazit ist meine persönliche Einschätzung über die Notwendigkeit des Täuschungshandelns im Sportspiel zu entnehmen.

2 Motorische Fähigkeiten - Voraussetzung für sportliche Leistung

Bevor ich die Täuschungshandlungen, vor allem die Körpertäuschung, bei den Sportspielen darlege, möchte ich einen kurzen theoretischen Hintergrund zu den koordinativen Fähigkeiten geben.

Damit eine sportliche Leistung erbracht werden kann, sind verschiedene Fähigkeiten notwendig. Die motorischen (körperlichen) Fähigkeiten des Menschen bilden das Fundament für eine sportliche Bewegung und untergliedern sich in konditionelle Fähigkeiten, Beweglichkeit sowie koordinative Fähigkeiten (s. Abbildung 1: Übersicht zu den sportlichen Leistungen mitbestimmenden motorischen Fähigkeiten, S. 4).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1. Übersicht zu den die sportlichen Leistung mitbestimmenden motorischen Fähigkeiten (Meinel, Schnabel, 2007, S. 213)

Die konditionellen Fähigkeiten werden vor allem über energetische Prozesse beeinflusst, wohingegen die koordinativen Fähigkeiten durch Abläufe der Bewegungssteuerung und Bewegungsregelung determiniert werden (vgl. MEINEL, SCHNABEL, 2007, S. 212).

Die koordinativen Fähigkeiten können als allgemeine, bewegungs- und sportübergreifende Leistungsvoraussetzungen angesehen werden, die das Niveau der Abläufe bei Steuerung und Regelung menschlicher Willkürbewegungen charakterisieren. Sportler mit ausgeprägten koordinativen Fähigkeiten können motorische Abläufe schneller und effizienter lernen, da sie auf zuvor erlernten und verfestigten Bewegungen sowie auf automatisierte Verlaufsqualitäten zurückgreifen können (vgl. ENGELKE, HLATKY, 2007, S. 73). Hinzu kommt, dass sich der Anpassungsgrad bei erlernten sporttechnischen Fähigkeiten erhöht, was die Vervollkommnung, Stabilisierung und situationsadäquate Anwendung, Umstellung und Anpassung fördert (vgl. ZIMMERMANN, SCHNABEL, BLUME, 2002, S. 31).

Die koordinativen Fähigkeiten lassen sich weiter in die Kopplungsfähigkeit, Rhythmisierungsfähigkeit, Differenzierungsfähigkeit, Reaktionsfähigkeit, Umstellungsfähigkeit, Gleichgewichtsfähigkeit und Orientierungsfähigkeit untergliedern (vgl. KEMPF, 2009, S. 33). Die drei zuletzt genannten koordinativen Fähigkeiten haben eine besondere Relevanz für Täuschungshandlungen im Sportspiel, was ich noch im weiteren Verlauf der Ausarbeitung erläutern und begründen werde.

3 Täuschungshandlungen bei Sportspielen

Im folgenden Abschnitt werde ich die Täuschungshandlungen in den Sportspielen darlegen sowie die Charakteristika einer Körpertäuschung aufzeigen und kurz den Handlungsablauf erklären. Im Anschluss daran werde ich die Informationsanforderung und die Druckbedingungen im koordinativen Anforderungsprofil darstellen.

3.1 Begriffserklärung für Täuschungshandlung

Das Handlungsspektrum einer Täuschung ist vielseitig, denn jede Täuschungshandlung verfügt über ihren eigens bestimmten Bewegungsablauf. Die Bewegungsausführungen der Körpertäuschungen sind meistens mit einer Extremitätenbewegung verbunden, so dass die Täuschung von einer Arm- oder Fußbewegung eingeleitet wird.

Täuschungshandlungen umfassen eine große Bandbreite von Techniken, so dass ein Spieler durch Wurf-, Schuss- oder Bewegungstäuschungen oder zum Beispiel mit Hilfe seiner Blickrichtung (Augen) einen Abwehrspieler täuschen kann. Ein typisches Beispiel für diese Blicktäuschung ist der „No-look-Pass“1. An diesem Beispiel erkennt man sehr gut, dass ein Angriffsspieler den Verteidiger im Glauben lässt, den Pass in die Blickrichtung zu spielen. Dies ist jedoch schon der Beginn einer Täuschung, um dann den blinden Pass in eine andere Richtung zum Mitspieler zu vollziehen. Dieses ist nur eine von vielen Täuschungshandlungen, die bei den Sportspielen angewendet werden kann.

Wie eingangs schon erwähnt, werde ich mich auf die Handlung der Körpertäuschung in den großen Sportspielen beziehen.

In einem Sportspiel genügt es nicht, über ein Repertoire von Bewegungsfähigkeiten und Bewegungsfertigkeiten zu verfügen, vielmehr muss die planende Anwendung in Kooperation mit den Mitspielern und unter Berücksichtigung der Gegenspieler vollzogen werden können. Diese Fähigkeit ist von elementarer Bedeutung für erfolgreiches Handeln im Sportspiel.

Vollzieht der Angreifer seine Täuschung, bewirkt er, dass seine wahre Handlungsabsicht gegenüber dem Gegenspieler verborgen bleibt. Dadurch gelingt es dem Angreifer, einen Zeitvorsprung und einen Vorteil für die angreifende Mannschaft zu bekommen. Mit Hilfe der durchgeführten Täuschung versucht der Angreifer, den Gegenspieler zu einer frühzeitigen (oft falschen) Handlung zu verleiten, damit dieser nicht mehr situationsadäquat reagieren kann (vgl. WILKE, UHRMEISTER, 2009, S. 70; SCHNABEL, THIEß, 1993, S. 834). Daraus resultiert, dass der Angreifer einen wichtigen Handlungsvorsprung besitzt und im Anschluss daran eine zielgerichtete Folgehandlung (Abspiel, Durchbruch, Torwurf bzw. Torschuss) ausführen kann (s. Abbildung 2: Täuschungshandlungen, S. 7).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2. Täuschungshandlungen (Wilke, Uhrmeister, 2009, S. 70)

Eine Täuschung besteht daher immer aus der Bewegungskombination Täuschung mit Folgehandlung (vgl. DHB, 1999, S. 182). Dieses wird vom argentinischen Fußballprofi, Jorge Luis Valdano, folgendermaßen beschrieben: „Ein guter Spieler lässt seine(n) Gegenspieler bis zum letzten Moment darüber im Unklaren, was er mit dem Ball tun wird.“ Ein vergleichbares Zitat aus dem Handballsport stammt vom ehemalige Bundestrainer des Handballbundes Heiner Brand2 (2008, S. 15): „ [...] die Angreifer gezielt zu täuschen, mit ihnen zu <<spielen>>.“

Täuschungen können zum Beispiel sein: Lauftäuschungen, Passtäuschungen, Wurfoder Schusstäuschungen sowie Körpertäuschungen. Wie eingangs schon erwähnt, werde ich mich vor allem auf die Körpertäuschung in Sportspielen beziehen.

3.2 Handlungsvollzug einer Körpertäuschung

Nachdem der Begriff der Täuschung bei den Sportspielen erläutert wurde, werde ich kurz den Handlungsvollzug einer Körpertäuschung darlegen.

Eine erfolgreiche Körpertäuschung setzt eine realistisch ausgeführte Finte3 voraus. Diese wird meistens durch die Extremitätenbewegung eingeleitet, dabei ist es wichtig, dass die Täuschung glaubwürdig erscheint und nicht nur durch ein kurzes „Zucken“ dargestellt wird. Durch einen Ausfallschritt und gleichzeitiger, seitlicher Neigung des Oberkörpers wird dieser Eindruck unterstützt (vgl. MAHÉ, KAHN, 2007, S. 9; Brüggemann, Albrecht, 1982, S. 68). Die Bewegung soll nicht flüchtig und überhastet wirken, sondern deutlich und in einer adäquaten Geschwindigkeit ausgeführt werden, denn nur dann nimmt der Gegner die Täuschung erfolgreich an4. Der Vorteil bei einer Täuschung ist, dass man weiß, was man machen will und der Gegner dadurch in eine falsche Richtung getäuscht wird, so dass dieser erst zeitverzögert auf die eigentliche Bewegung des Angreifers reagieren kann (vgl. BAUER, 2000, S. 18). Wichtig bei jeder Täuschung ist, dass man dem Abwehrspieler Zeit einräumt, damit er auf die Täuschung eingehen kann, sei es in aktiver oder passiver Form. Aflred Gislason5 unterstützt diese Aussage, indem er beschreibt, dass man der Abwehr die Zeit und die Möglichkeit einräumen sollte, Fehler zu begehen (SPÄTE, 2010, S. 12).

Ziel dieser Täuschungsbewegung ist, dass ein Durchbruchraum für sich selbst, für einen Mitspieler oder für eine Wurf- bzw. Schusssituation geschaffen wird. Nach der Täuschung sollte dann ein schneller Antritt zur Raumgewinnung durch eine Richtungsänderung erfolgen (s. Anhang 1: Körpertäuschung Daniel Narcisse, S. 44; s. Anhang 2: Dribbeln mit Oberkörper-Drehfinte beim Fußball, S. 44).

3.3 Koordinatives Anforderungsprofil einer Körpertäuschung

In diesem Abschnitt werde ich die Informationsanforderungen und Druckbedingungen einer Körpertäuschung mit dem Koordinations-Anforderungs- Regler (KAR) beschreiben, um dann im nächsten Abschnitt die relevanten koordinativen Fähigkeiten der Körpertäuschung darzulegen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3. Koordinations-Anforderungs-Regler der Informationsanforderung zur Körpertäuschung (Wilke, Uhrmeister, 2009, S. 72)

Im KAR der Informationsanforderung ist die optische Ausprägung (o) besonders hoch. Das periphere Sehen und das entwickeln geeigneter Sehstrategien sind erforderlich, um Gegner-, Anspieler- und Ballbeobachtung kontrollieren und Folgehandlungen situationsgerecht anschließen zu können.

Der akustische Bereich (a) hat in der Regel keine große Relevanz, da die Eigen-, Zuspiel-, Gegner- und Zuschauergeräusche nur selten, zum Beispiel: Wenn ein Spieler von den Zuschauern ausgepfiffen wird, die Körpertäuschung beeinflussen. Solange eine Körpertäuschung ohne bzw. passiven Gegenspieler vollzogen wird, ist die taktile Informationsanforderung (t) niedrig. Allerdings steigt diese Anforderung mit der Aktivität eines Gegenspielers, da ein Körperkontakt unvermeidbar ist. Der kinästhetische Bereich (k) ist entsprechend dem optischen Bereich hoch, da die optimalen Krafteinsätze für schnelle, explosive Durchbrüche aufgebracht und im Anschluss mit präzisen Folgehandlungen verknüpft werden müssen. Bei der Informationsanforderung einer Körpertäuschung ist auch ein hoher vestibuläre Faktor (v) gefordert. Hohe translatorische Beschleunigungen, die bei erhöhter Dynamik sowie Geschwindigkeits- und Richtungsänderungen vorkommen können, treten bei Drehbewegungen am Gegner während einer Täuschung auf. Das Gleichgewicht (G) hat eine hohe bis maximale Bedeutung und wird beeinflusst von den Faktoren der Informationsanforderungen (o-, t-, k- und v-Info). Herauszustellen ist, dass das Gleichgewicht vor, während und nach einer Täuschung stabil sein muss, um eine Finte und anschließende Folgehandlung effektiv vollziehen zu können.

Ein weiterer Anforderungsbereich einer Körpertäuschung bezieht sich auf die Druckbedingungen während des Handlungsvollzugs (vgl. ebd. S. 74):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4. Koordinations-Anforderungs-Regler der Druckbedingungen zur Körpertäuschung (Wilke, Uhrmeister, 2009, S. 74)

Der Präzisionsdruck (P) einer Körpertäuschung ist hoch bis sehr hoch (maximal). Die räumlich-zeitliche Feinabstimmung muss zur Zielsetzung einer Folgehandlung passen.

Der Zeitdruck (Z) besitzt eine sehr hohe bis maximale Gewichtung, weil bei einer Täuschung eine schnelle, explosivartige Handlung vollzogen werden muss. Der Komplexitätsdruck der Simultankoordination (K1) ist eher gering, da selten zwei Bewegungen gleichzeitig vorkommen.

Dahingegen ist der Komplexitätsdruck einer Sukzessivkoordination (K2) hoch, da die aufeinanderfolgenden Bewegungen (Bewegungskopplung: Täuschung und direkt anschließende Folgehandlung) eine harmonische Bewegungshandlung ergeben müssen.

Der Komplexitätsdruck der Muskelauswahl (K3) liegt bei einer Körpertäuschung eher im Mittelwert, da große Muskelgruppen beansprucht werden. Allerdings ist der K3- Regler nach einer Finte nach oben zu schieben, weil die Abstimmung bei der feinmotorischen Hand-Modulation (beim Fußball wäre es die Fuß-Modulation) bei der Folgehandlung adäquat abgestimmt werden muss.

Die Situationsvariabilität (S1) ist ebenfalls hoch, da eine situationsadäquate Handlung vollzogen und zudem noch auf die aktive Bewegungsausführung des Gegenspieler, der Mitspieler und des Torwarts reagiert werden muss.

Die Situationskomplexität (S2) einer Körpertäuschung entspricht dem Mittelwert, da meistens nur ein Gegenspieler durch eine Finte getäuscht werden soll. Jedoch kann es in Situationen vorkommen, dass mehrere Gegenspieler dem Angreifer gegenüberstehen, die durch eine Körpertäuschung ausgespielt werden müssen. Ein Beispiel ist, wenn eine Fußballmannschaft einen guten Spieler doppelt oder eine Handball- bzw. Basketballmannschaft in Überzahlsituationen einen Angreifer mit zwei Gegenspielern besetzt.

Die physisch-konditionelle Belastung (B1) einer Körpertäuschung liegt im oberen Drittel. Eine Körpertäuschung sollte auch nach längerer Spielzeit mit der maximalen Kraft umgesetzt und zudem mit gleicher Schnelligkeit zu einer effektiven Täuschungshandlung, wie zu Beginn des Spiels, ausgeführt werden. Vergleichend mit der physisch-konditionellen Belastung muss auch die psychische Belastung (B2) bei einer Körpertäuschung zu jeder Spielzeit, besonders bei dem Vollzug einer Finte, hoch sein. Dadurch kann dem Misslingen einer Täuschung entgegengewirkt werden. Hierbei ist anzumerken, dass eine Körpertäuschung stets eine individualtaktische Verantwortung in sich trägt.

4 Leistungsbestimmende Faktoren einer Körpertäuschung

Die Täuschungen im modernen Handball haben eine besondere Relevanz. Der Handballsport hat sich in den letzten Jahren durch die Regeländerungen erheblich verändert und ist daher in der Spielweise immer schneller geworden. Ein Beispiel hierfür bietet das Bundesligaspiel im Jahre 2006 des THW Kiel gegen den SC Magdeburg, in dem zusammen 88 Tore geworfen wurden (vgl. SPÄTE, 2006, S. 26ff.; DHB, 2009, S. 11). Dieses wurde unter anderem nur möglich, weil Täuschungshandlungen effektiv eingesetzt wurden.

Der Spielstil einer Mannschaft wird vor allem von den individuellen Fähigkeiten der Einzelspieler geprägt. „Je besser die individuellen Fähigkeiten der Spieler, umso kreativer und für den Gegner weniger ausrechenbar kann gespielt werden!“ (DHB, 2009, S. 14). Ein Ausnahmespieler, der hier zu erwähnen ist, ist Ivano Balić, der diese Anforderungen für die Verwirklichung eines effektiven Angriffsspiels mitbringt (vgl. SPÄTE, 2005, S. 14). Jedoch besitzen wenige Angriffsspieler ein umfangreiches Repertoire an alternativen Täuschungshandlungen. Diese und andere leistungsbestimmenden Faktoren einer Körpertäuschung sollen im folgenden Abschnitt aufgeführt werden.

4.1 Koordinative Fähigkeiten

Wie eingangs schon erwähnt sind die koordinativen Fähigkeiten wie Gleichgewicht, Orientierung und Umstellung bei einem Vollzug einer Körpertäuschung von besonderer Bedeutung.

Im zuvor dargestellten Anforderungsprofil lässt sich erkennen, dass die Informationsanforderung der Gleichgewichtskomponente hoch bis maximal ist. Dieses resultiert daraus, dass man bei der Durchführung einer Körpertäuschung nie das dynamische Gleichgewicht verlieren sollte. Vielmehr muss man bei umfangreichen und oft schnellen Lageveränderungen des Körpers das dynamische Gleichgewicht beibehalten und dieses bei Verlust schnell wieder herstellen (vgl. NEUMAIER, 2006, S. 49).

Ein Beispiel soll dieses verdeutlichen: Versucht der Gegenspieler den Angreifer daran zu hindern, den Weg zum Ziel einzuschlagen (Fußball und Handball das Tor; Basketball den Korb), indem er sich passiv in den Weg stellt oder aktiv durch Druck- und Stoßbewegungen versucht, den Gegner zu stoppen, ist es wichtig, dass der Angreifer sich gewandt durch die Abwehr bewegt und dabei nicht das Gleichgewicht verliert.

„Auf der Basis einer guten Körperstabilität ist besonders die Entwicklung der spezifischen Zweikampfkraft wichtig, da der Rückraum-Mitte auch noch bei intensivem Körperkontakt in der Lage sein muss, präzise Pässe zu spielen“ (DHB, 2009, S. 57).

Dabei sollte der Angreifer mit hoher Aufmerksamkeit in die Täuschungshandlung hineingehen, damit er auf mögliche Gleichgewichtsstörungen adäquat reagieren kann.

Desweiteren sollte die Muskulatur in einem erregten Zustand sein, damit eine Dysbalance des Gleichgewichts durch gezielte Muskelaktivität (intermuskuläre Koordination) in einem kontrollierbaren Rahmen gehalten werden kann (vgl. ebd. S. 30).

Im Bereich der Gleichgewichtsfähigkeit zeigt sich der Einfluss des taktilen Faktors des KAR-Modells, denn ein Angreifer kann oftmals nur dann aus dem Gleichgeweicht gebracht werden, wenn ein Körperkontakt mit einem anderen Spieler zustande kommt.

Der DHB betont die Bedeutung des Gleichgewichts und sagt, dass man ohne ein ausreichendes Gleichgewicht auf dem Spielfeld aus- oder wegrutschen kann, bei Situationen den entscheidenden kleinen Moment zu spät kommt und der Sportler eine verminderte Bewegungskontrolle besitzt (vgl. ANRICH, 2008, S. 20).

Ein weiterer wichtiger Faktor bei einem Vollzug der Körpertäuschung ist die Orientierungsfähigkeit. Schnelle Situationsänderungen und eine große Anzahl zu beobachtender Merkmale sind für Sportspiele typisch und bewirken, dass die Spieler eine sensomotorische Wahrnehmung besitzen müssen. Der Angreifer muss bei einer Körpertäuschung, den Ball, die Mit- und Gegenspieler und das Spielfeld beachten und diese Vielzahl von Informationen miteinander verknüpfen (vgl. WILKE,UHRMEISTER, 2009, S. 23; FELDMANN, 2006, S. 25).

[...]


1 „No-look-Pässe“ bedeutet, dass die Spieler den Ball blind, d.h. ohne hinzugucken, ihren Mitspieler zupassen

2 Bundestrainer der deutschen Handball Nationalmannschaft von 1997-2011

3 Synonyme für Täuschungen sind Finte, Wackler, „Verladen“, Täuschungsbewegung, Körpertäuschung

4 Im Fachjargon des Handballsports bedeutet es, auf die Täuschung eingehen.

5 Trainer des Rekordmeisters THW Kiel

Details

Seiten
44
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656228998
ISBN (Buch)
9783656229476
Dateigröße
3.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v196878
Institution / Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,7
Schlagworte
täuschungshandeln sportspiel

Autor

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Titel: Täuschungshandeln im Sportspiel