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Gewalt an Schulen in der heutigen Kinder- und Jugendliteratur anhand Kirsten Boie's "Nicht Chicago. Nicht hier"

Hausarbeit (Hauptseminar) 2011 17 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einleitung

2. Gewaltdarstellung in der Kinder– und Jugendliteratur
2.1 Was ist Kinder– bzw. Jugendliteratur
2.2 Thema Gewalt an Schulen

3. Analyse der Lektüre in Bezug auf das Element ‚Gewalt‘

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Gewalt in der Schule ist heute aktueller denn je, zumindest was das Sozialverhalten der Mitschüler untereinander betrifft. Vor allem die psychische Gewalt, das Mobbing, ist weit verbreitet. Nach einer Langzeitstudie von Psychologin Mechthild Schäfer, kann man davon ausgehen, „dass in Deutschland wöchentlich 500 000 Kinder und Jugendliche gemobbt werden.“ (Jannan, Mustafa: Das Anti-Mobbing Buch. Gewalt an der Schule – vorbeugen, erkennen, handeln. Weinheim und Basel: Beltz Verlag 2008. S. 22). Grund dafür soll unter anderem der zu frontale und nicht schülerorientierte Unterricht sein. Jedoch ist es fraglich, ob eine Zusammenarbeit von Schülern, die nicht gut miteinander auskommen, immer förderlich für das kooperative Verhalten ist.

Mobbing führt oft dazu, dass Schüler Angst haben in die Schule zu gehen oder sogar an Depressionen leiden. In anderen Fällen führt es zu Gegengewalt. Eine erst harmlose Situation kann dann so hochgeschaukelt werden, dass es zu handgreiflichen Auseinandersetzungen kommt. Beängstigend ist dabei die immer höher werdende Rate an Waffen, wie Messer oder Schlagringe. Nach Tillmann et. Al (2000) berichteten 11% der hessischen Schüler der Sekundarstufe 1 davon, in den letzten 12 Monaten Waffen mit in die Schule gebracht zu haben.

Nun stellt sich die Frage, wie diese Gewalt an Schulen in der Kinder– und Jugendliteratur verarbeitet wird. Spielt das Lehrer – Schüler - Verhältnis noch eine große Rolle, oder wird vermehrt auf die Schüler – Schüler - Beziehung eingegangen?

Wichtig ist es die Schüler mit auserkorenen Lektüren, die sich mit der Gewalt in Schulen auseinandersetzen, schon frühzeitig zu konfrontieren. So können die Schüler rechtzeitig für dieses kritische Thema sensibilisiert werden. Es wird ein Prozess des sozialen Lernens angestrebt, der eine sozialkritische wie auch aufklärende Funktion haben soll. (vgl. Payrhuber, Franz-Josef: Schule als Thema der Kinder- und Jugendliteratur. In: Lange, Günter: Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur. Band. 2. Hohengehren: Schneider 2005. S. 717).

Das Buch von Kirsten Boie „Nicht Chicago. Nicht hier.“ ist eine solche Lektüre. Sie beschäftigt sich mit den oben bereits erwähnten Problemen und ist daher eine geeignete Literatur zur schulischen Analyse.

Da sie eine durchaus realistische, wenn auch leicht überspitzte Darstellung der Gewalt präsentiert, dient sie auch zur Analyse meines Themas hervorragend. Hier wird beschrieben, wie aus „einfachem“ Mobbing ein hohes Gewaltpotenzial entstehen kann und dass eine gezwungene Zusammenarbeit von Schülern nicht immer förderlich sein muss.

Anhand dieser Lektüre, ist es also interessant zu erfahren, wie Gewalt in der Schule entsteht, von wem sie verursacht wird und welche Auswirkungen sie haben kann.

2. Gewaltdarstellung in der Kinder– und Jugendliteratur

2.1 Was ist Kinder– bzw. Jugendliteratur

Um zu klären, wie Gewalt in der Kinder- und Jugendliteratur veranschaulicht wird, sollte vorab, auch im Hinblick auf die zu analysierende Lektüre, kurz beschrieben werden, was man als Kinderliteratur und was man als Jugendliteratur bezeichnen kann.

Eine genau Definition von Kinder- und Jugendliteratur ist in einem kurzem Rahmen allerdings nicht möglich, denn umso intensiver man sich damit auseinandersetzt, desto schwieriger wird es diese Literatur genauer zu definieren. Man kann also davon ausgehen, „dass es eine allumfassende, in jeder Hinsicht und zu allen Zeiten gültige Definition dieses kulturellen Phänomens nicht geben kann“ (Ewers, Hans-Heino: Was ist Kinder- und Jugendliteratur? Ein Beitrag zu ihrer Definition und zur Terminologie ihrer wissenschaftlichen Beschreibung. In: Lange, Günter: Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur. Band 1. Hohengehren: Schneider-Verlag 2000. S. 2). „Ganz allgemein handelt es sich bei der Kinder- und Jugendliteratur um ein Korpus von literarischen Werken, bei Kinder- und Jugendbücher um eine spezielle Gruppe von Medienprodukten“ (Ewers, Hans-Heino: Kinder- und Jugendliteratur – Begriffsdefinitionen. S. 3). Allerdings gilt es zwischen intendierter und faktischer Literatur zu unterscheiden. Die intendierte Literatur ist diejenige, die von der Zielgruppe gelesen werden soll, während die faktische den Korpus darstellt, der von den Kindern bzw. Jugendlichen auch tatsächlich gelesen wird. (vgl. Ewers, Hans-Heino: Kinder- und Jugendliteratur – Begriffsdefinitionen. S. 4).

In der Kinderliteratur werden Erzählungen thematisiert, die für Kinder bis ca. 12 Jahre ausgelegt sind. Sie handeln von ganz verschiedenen Sachen; „kein Thema ist ausgeschlossen, wenn es nach Inhalt und Darstellungsweise die Kinder ansprechen und erreichen kann“ (Maier, Karl Ernst: Jugendliteratur. Formen, Inhalte, pädagogische Bedeutung. 10. Auflage. Bad Heilbrunn: Klinkhardt 1993. S. 129 ). Vorwiegend sind es Geschichten mit Bildern über Kinder, wie sie ihre Welt erleben, welche Wünsche und was für Sorgen sie haben (vgl. Maier, Karl Ernst: Jugendliteratur. S. 129). Oft findet man dabei auch Werke, die den Schulanfang thematisieren. Selbst hier werden schon etwaige Probleme, wie zum Beispiel die Rolle des Außenseiters geschildert, die der Leser nacherleben kann (vgl. Payrhuber, Franz-Josef: Schule als Thema der Kinder- und Jugendliteratur. S. 712). Allerdings sind diese Geschichten nur oberflächlich und in einer kindgerechten Sprache, mit vielen Illustrationen, formuliert.

Als Jugendliteratur werden hingegen die Texte bezeichnet, die für Jugendliche ab ca. 12 Jahren geschrieben sind. Hier wird schon detaillierter auf die Probleme eingegangen, die diese Generation zu bewältigen hat. Jene problemorientierten Jugendbücher beschäftigen sich größtenteils mit der Schule, der Erziehung und vor allem mit der Gewalt an Schulen (vgl. Payrhuber, Franz-Josef: Schule als Thema der Kinder- und Jugendliteratur. S. 715). Die Integration in die Peer-group sowie Drogen oder Ausgrenzungen finden in diesem Literaturzweig stets Beachtung. In dieser Hinsicht würde ich das Buch von Kirsten Boie „Nicht Chicago. Nicht hier.“ eher als Jugendliteratur und nicht als Kinderliteratur einstufen.

„Zur Jugendlektüre zählt aber auch, was vom jungen Leser als Lektüre gewählt wird, ohne daß sie schon von der Produktion her speziell für ihn gekennzeichnet ist“ (Maier, Karl Ernst: Jugendliteratur. S. 13). So wird zum Beispiel Erwachsenenliteratur zweckentfremdet und von den jungen Lesern zur Jugendliteratur bestimmt.

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Details

Seiten
17
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656230328
ISBN (Buch)
9783656231509
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v196946
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
Schlagworte
kirsten boie nicht chicago gewalt schulen kinder- jugendliteratur

Autor

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