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Verteilungsgerechtigkeit und kritische Anmerkungen zur libertären Eigentumskonzeption von Robert Nozick

Hausarbeit 2012 24 Seiten

Jura - Rechtsphilosophie, Rechtssoziologie, Rechtsgeschichte

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

Einleitung

I. Verteilungsgerechtigkeit und Kritik
1. Robert Nozick
2. Aufgaben des „Minimal-Staates“
3. Weitergehender Staat im Namen der Verteilungsgerechtigkeit
4. Anspruchstheorie der Gerechtigkeit
5. Klassifizierung der Verteilungsprinzipien
6. Kritik an Nozicks Anspruchstheorie

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Was ist Gerechtigkeit? Ohne Zweifel ist die Frage nach Gerechtigkeit ein zentrales Thema der Rechtswissenschaft. Die Antwort auf die Frage ist allerdings nicht ganz einfach, da sich diese immer an dem individuellen Weltbild (Normen, Werte, Vorstellungen) des Einzelnen messen lassen muss. Mit der Beantwortung der Gerechtigkeitsfrage haben sich schon viele bekannte und weniger bekannte Philosophen auseinandergesetzt. Weniger erstaunlich ist, dass die Antworten sehr unterschiedlich ausfallen. Zu diesen Philosophen gehören neben Platon und Aristoteles beispielweise auch Dworkin, Rawls, Seen, Nussbaum und Nozick.

In dieser Arbeit soll die Gerechtigkeitstheorie von Robert Nozick untersucht werden, da er im Gegensatz zu den Gleichheitsliberalen[1] und Freiheitsliberalen[2] bis zu seinem Tod eine noch radikalere Gerechtigkeitsauffassung vertrat. In seinem Buch setzt er sich mit der Frage auseinander, inwieweit sich ein Staat überhaupt rechtfertigen lässt, der, was seine Kompetenzen betrifft, über den Freiheits- und Eigentumsschutz hinausgeht. Prinzipiell kann man nämlich sagen, dass der Ausgangspunkt für die Ausweitung eines Staates fast immer in der Diskussion über die soziale Gerechtigkeit zu finden ist. Ein Staat, der im Namen der sozialen Gerechtigkeit handelt, muss zwangsläufig die Besitztümer seiner Bürger umverteilen, um soziale Gerechtigkeit unter den Bürgern herzustellen. Ein staatlicher Umverteilungsmechanismus kann aber nur funktionieren, wenn der Staat die Vorstellung vom absoluten Eigentum normativ einschränkt und eine Theorie der Gerechtigkeit als Begründung für staatliche Leistungen entwickelt. Problematisch ist allerdings, dass jede Theorie der Gerechtigkeit den Markt beeinflusst und die Gültigkeit des Privateigentums relativiert. Aus diesem Grund behaupten beispielweise die Kritiker des Wohlfahrtstaates, dass ein umverteilender Staat die moralische Hilfsbereitschaft seiner Bürger nach und nach auflöst.[3]

Das Ziel der Arbeit besteht darin, Nozicks argumentativen Weg nachzuzeichnen, um zu erklären, dass ein umverteilender Staat nicht mit seiner Anspruchstheorie der Gerechtigkeit vereinbar ist. Am Ende der Arbeit soll die von Nozick entwickelte libertäre Eigentumskonzeption noch einmal auf den Prüfstand gestellt werden, um die vier offensichtlichsten Kritikpunkte darzustellen.

Ahnatal, den 21.02.2012 Andreas Jordan

I. Verteilungsgerechtigkeit und Kritik

1. Robert Nozick

Robert Nozick wurde am 16. November 1938 in Cambridge, Massachusetts (USA) als Sohn russischer Einwanderer geboren. Er wuchs in dem New Yorker Stadtteil Brooklyn auf, wo er am 23. Januar 2002 auch verstarb.[4]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Robert Nozick, http://www.news.harvard.edu.

Nozick studierte ab 1961 Philosophie an der Columbia Universität in den USA. Während des Studiums war er Mitglied der Jugendorganisation der Sozialistischen Partei von Norman Thomas. Nach seinem Abschluss an der Columbia Universität (M.A. Philosophy) machte er seinen Doktor in Philosophie (PhD) an der Princeton Universität. In dieser Zeit nahm er auch an einem internationalen Austauschprogramm (Fullbright Scholorship) zwischen den Vereinigten Staaten und England teil. In dieser Zeit arbeitete er an der altehrwürdigen Oxford Universität. Bevor Nozick 1969 zum ordentlichen Professor an die berühmte amerikanische Harvard Universität berufen wurde, arbeitete er zwei Jahr als Assistenz-Professor an der Rockefeller Universität.[5] Seinen internationalen Durchbruch hatte Nozick mit dem 1974 erschienen Buch „Anarchie, Staat und Utopie“. Das Buch war Nozicks libertäre (politische Philosophie der Freiheit) Antwort auf die von John Rawls veröffentlichte Theorie zur Gerechtigkeit. Für das Buch erhielt er 1975 den begehrten Pulitzerpreis.[6]

2. Aufgaben des „Minimalstaates“

Da Nozick einen weitergehenden Staat für überflüssig hielt, entwickelte er auf vertragstheoretischer Grundlage das Modell eines Minimalstaates. Demnach ist der Minimalstaat darauf beschränkt, die natürlichen Rechte (Freiheit, Leben) und das Eigentum seiner Bürger zu schützen sowie die Einhaltung von Verträgen zu garantieren. Dazu gehört auch, Bedrohungen durch andere Staaten abzuwehren.[7] Ein Staat ist für Nozick als Unrechtsstaat anzusehen, wenn er mehr als diese Aufgaben wahrnimmt.[8]

3. Weitergehender Staat im Namen der Verteilungsgerechtigkeit

Der Ausgangspunkt in Nozicks Buch „Anarchie, Staat und Utopie“ ist die Idee, dass jeder Mensch von Geburt an gewisse Rechte hat, die nicht beschränkbar sind. Die wichtigste Voraussetzung dafür ist die Unverletzlichkeit der Naturrechte. Nozick wird von der Vorstellung geleitet, dass der Mensch ein Eigentumsrecht an sich selbst und seiner Arbeitszeit hat.[9] Diese Überlegung beinhaltet auch, dass die Welt ursprünglich niemandem gehört.[10] Demnach steht nach Nozick jedem Menschen ein subjektives Recht auf Leben, Freiheit und Eigentum zu.[11] Die von Nozick aufgegriffene Überlegung orientiert sich stark an dem von John Locke entwickelten Gedanken zur Freiheit eines Menschen.[12]

Ausgehend von der Frage, ob sich eine politische Ordnung begründen lässt, die über den Minimalstaat hinausgeht,[13] entwickelte Nozick die historisch ansetzende Anspruchstheorie der Gerechtigkeit als Prüfungsmaßstab. Ihn interessierte, ob sich ein weitergehender Staat im Namen der Verteilungsgerechtigkeit rechtfertigen lässt. Die Frage, was Nozick unter der Verteilungsgerechtigkeit verstand, ist allerdings schwer zu beantworten, da auch Nozick den Begriff „Verteilungsgerechtigkeit“ problematisch fand, weil eine Verteilung immer auch eine Erzeugung voraussetzt.[14] Unter dem Strich kann man vielleicht sagen, dass Nozick unter Verteilungsgerechtigkeit immer einen Staat versteht, der aktiv in die Besitzverhältnisse seiner Bürger eingreift und im Namen der „sozialen Gerechtigkeit“ an Bedürftige weiterleitet. Eine Verteilung ist aber für Nozick nur dann gerecht, wenn sie auf gerechte Weise, also im Sinne der Anspruchstheorie zustande kommt. Doch aus welchen Elementen besteht Nozicks Anspruchstheorie der Gerechtigkeit?

[...]


[1] Gleichheitsliberale überlegen sich, wie sie den vorhandenen Staat am besten für ihre Zwecke nutzen können.

[2] Freiheitsliberale misstrauen dem Staat und wollen ihm enge Grenzen setzen.

[3] Kersting, Theorien der sozialen Gerechtigkeit, S. 301-304.

[4] Winterberger, Robert Nozick, S. 1, http://www.libertaere.ch/pdflib/artiknozick. pdf; 16.02.2012.

[5] O´Grady, in: The Guardian, o.S, http://www.guardian.co.uk/news/2002/jan/26/ guardianobituaries.socialsciences; 14.02.2012.

[6] Die Zeit, Band 10, S. 478.

[7] Koller, in: Analyse und Kritik, S. 139 (140).

[8] Krebs, Gleichheit oder Gerechtigkeit, S. 563 (570), http://www.gap-im-netz.de/gap4Konf/ Proceedings4/pdf/6%20Pol1%20Krebs.pdf; 12.02.2012.

[9] Kley, Vertragstheorie der Gerechtigkeit § 23, S. 107.

[10] Kersting, Theorien der sozialen Gerechtigkeit, S. 329.

[11] Koller, in: Analyse und Kritik, S. 139 (145).

[12] Holzleithner, Gerechtigkeit, S. 49.

[13] Kley, Vertragstheorie der Gerechtigkeit § 23, S. 107.

[14] Holzleithner, Gerechtigkeit, S. 50.

Details

Seiten
24
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656230236
ISBN (Buch)
9783656231806
Dateigröße
798 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v196999
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
2,00
Schlagworte
verteilungsgerechtigkeit anmerkungen eigentumskonzeption robert nozick

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