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Gentrifizierung - Theorieansätze und Geschichte der Gentrifizierung

Hausarbeit 2012 13 Seiten

Soziologie - Wohnen, Stadtsoziologie

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

I. Einleitung

II. Theorieansätze und Geschichte der Gentrifizierung

III. Gentrifizierungsverlauf

IV. Prenzlauer Berg und weitere Beispiele

V. Gentrifizierung in Mainz?

VI. Betroffene Gruppen und Formen der Gentrifizierung

VII. Zusammenfassung

I. Einleitung

Soziale Ungleichheit in der Stadt umfasst ein breites Spektrum. Bei der Annäherung sozialer Ungleichheit durch Segregation darf eine Variante davon nicht außer acht gelassen werden, nämlich die der Gentrifizierung.

Unter Gentrifizierung bzw. Gentrifikation wird ein Umstrukturierungsprozess städtischer Gebiete verstanden. Ich werde mich im folgenden auf den Begriff Gentrifizierung festlegen, wenn gleich auch Gentrifikation ebenso nennbar wäre. Bislang relativ günstige Stadtquartiere werden dabei durch besser betuchte Wohnungseigentümern und Mietern in Beschlag genommen. Die dadurch verbundene Modernisierung und Aufwertung der Stadtviertel verdrängt sozial schlechter gestellte Personengruppen. Dieses in einigen Großstädten auftretende Phänomen soll untersucht werden. Hierfür werde ich mich zunächst dem Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg widmen. Nicht umsonst wird dieser Stadtbezirk oft als das Paradebeispiel für die Gentrifizierung in Deutschland angegeben. Auch bei den anschließenden Beispielen werde ich mich innerhalb der Bundesrepublik bewegen und außer Berlin unter anderem auch auf dokumentierte Fälle in Dresden oder etwa Frankfurt a. M. eingehen. Diesen Beispielen folgend schließt sich das nächste Kapitel an, welches sich mit der Stadt unseres Forschungsschwerpunkts befasst: Mainz am Rhein. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob latente Strukturen einer Gentrifizierung auch in Mainz vorhanden sind. Es soll sowohl nach Ursachen der Gentrifizierung gefragt werden, als auch beleuchtet werden wie und wo lokal Gentrifizierung auftritt. Hierbei möchte ich auch die unterschiedlichen Gentrifizierungsformen erläutern. Neben typischen Mustern und dem Ablauf dieses Vorgangs wird sich auch die Frage stellen wie die betroffenen Bevölkerungsgruppen damit umgehen und gegebenenfalls wohin sie gedrängt werden.

II. Theorieansätze und Geschichte der Gentrifizierung

Der Begriff „gentrification“ wurde von Ruth Glass in der 1960er Jahren geprägt (Marquardt 2006: 36). Dabei fanden die ersten Untersuchungen in den USA statt. Die Gentrifizierung erlebte von da an eine steile Entwicklung bergauf. In den 1980er Jahren fanden schließlich auch die ersten Arbeiten zur Gentrifizierung in Europa statt. Die Aufwertung der entsprechenden Gebiete ist sowohl von physischer als auch von sozialer Natur. Dabei findet ein Austausch der durch einen niedrigen Status gekennzeichneten Bevölkerung mit der im Status höheren statt. Im Laufe der Zeit entstanden verschiedene Theorieansätze, die unterschiedliche Gewichtungen auf augenscheinlich sich unterscheidende Ursachen und Folgen der Prozesse legen. Einigkeit besteht jedenfalls darin, dass die Gentrifizierung den Zuzug von Bevölkerungsgruppen eines höheren Status in Bestandquartiere beinhaltet.

Das erste mal können Ausläufer einer Gentrifizierung ab Mitte der 1960er Jahren registriert werden. Damals war auch der Beginn der 60er-Jahre-Forschung, die sich bis Anfang der 1970er fortsetzte. Die betroffenen Gebiete lagen in der Innenstadt und es fand eine zumindest sporadische öffentliche Förderung der Gentrifizierung statt. Diese Entwicklung änderte sich Ende der 1970er Jahre insofern, dass sich nun private Investoren ausbreiteten und noch bis Ende der 1980er Jahren in ihrem Interesse die dazugehörigen Prozesse vorantrieben. Erstmals wurde hierbei jedoch auch auf Widerstand in der Bevölkerung getroffen. Gleichzeitig erlebte die Gentrifizierungsforschung einen regelrechten Boom. Als Ausgangspunkt der dritten Gentrifizierungswelle ist der Anfang der 1990er Jahre zuzuordnen. Die Gentrifizierung wuchs damals über die Innenstadtbereiche hinaus. Dieser Prozess wurde sowohl von Investoren, als auch von öffentlicher Hand getragen. Der noch in den Jahren zuvor bestehende Widerstand, war weitgehend wieder verschwunden. Die neueren Entwicklungen führten anschließend zu einer Wiederbelebung der Gentrifizierungsforschung (Vgl. Glatter 2007: 11).

Obwohl Georg Simmel in seiner Lebenszeit das Phänomen der Gentrifizierung sicherlich noch nicht geläufig war, da es in der Form wie in unserer Zeit damals auch so noch nicht existierte, sind seine Theorien für uns nicht uninteressant. In den schon mehr als 100 Jahre zurückliegenden Essais von Georg Simmel wird die soziale Integration von Zuwanderern in Großstädten angesprochen. Dies gelinge durch die Aneignung eines „großstadttypischen Charakters“. Unter anderem aufgrund von Reizüberflutung ziehe sich der Großstädter zurück und nehme eine „geistige Haltung“, bzw. eine „Reserviertheit“ gegen andere ein (Simmel 1984: 197). Dies würde im weiteren Verlauf zu einer Art Abschottung oder gar Aversion gegen die anderen Bewohner hinleiten. Ob man dieses Bild auf die statusniedrigen Stadtbewohner und den besser gestellten Gentrifizier übertragen kann sein dahin gestellt. Es unterstreicht jedoch sicherlich die Deskrepanzen zwischen Stadt- und Landbevölkerung.

III. Gentrifizierungsverlauf

Obwohl die Auslöser einer Gentrifizierung recht strittig sind, ist man sich im Verlauf einen solchen Prozesses doch recht einig. Anhand eines einfachen Phasenverlaufs wird die Entwicklung der Wohngebieteaufwertung bewusst.

Die erste Phase beginnt mit dem Zuzug Statushöherer. Der Status soll hier dem Bildungsgrad entsprechen. Bei dieser Gruppe wird auch von Pionieren gesprochen (Vgl. Marquardt 2006: 39). Als Eigenschaft dieser Gruppe wird ihre Risikofreudigkeit angesehen. Risikofreudig in Anbetracht des doch ziemlich schlechten Zustands der Immobilien, worauf sie sich einlassen. Die bunte Mischung der vorhandenen Bevölkerung, die Heterogenität wird von ihnen als eine Bereicherung empfunden. Wichtig sind ihnen vor allem die preisgünstigen Mieten, was dementsprechend vorwiegend nicht ganz so einkommensstarken Berufsgruppen wie Studenten oder Künstler anspricht. Durch diesen Zuzug der Pioniere hat allerdings das Stadtgebiet noch keinen Imagegewinn verzeichnet.

In der zweiten Phase kommen nun die eigentlichen Gentrifizier ins Spiel. Sie ziehen nun in das Wohngebiet. Kennzeichnend ist das die Gentrifizier neben den kulturellen auch ökonomische Mittel besitzen, die beträchtlich höher sind als die der alteingesessenen Bevölkerung. Da sie an einer Aufwertung der Immobilien interessiert sind, kann man sie als risikosicher bezeichnen. Ihre Ansiedlung hat den Effekt, dass neue in ihrem Milieu liegende Geschäfte, Gastronomien und Diensleistungsbereiche entstehen. Auf diese Veränderungen reagieren die Medien indem sie davon berichten. Erst dadurch erfolgt nach einer Modernisierung schließlich auch die Wertteuerung, die die alte Bevölkerung verdrängt (Vgl. Marquardt 2006: 40).

Bei der dritten Phase siedelt sich schließlich eine große Gruppe an Gentrifizier in das Gebiet ein. Im Zuge dessen verändert sich die Infrastruktur rasant. Es entstehen neue Geschäfte. Die Mietensteigerung, die zuvor die Boden- und Wohnunungsmieten in die Höhe trieb, greift nun auch auf die Gewerbemieten über. Investoren haben nun auf das Viertel ein Auge geworfen, Neben den ursprünglichen Bewohnern müssen nun auch die Pioniere fortziehen.

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Details

Seiten
13
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656230212
ISBN (Buch)
9783656231110
Dateigröße
435 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v197002
Note
Schlagworte
Gentrifizierung Gentrifikation Stadtsoziologie Mainz Berlin Köln Dresden Stadt Stadtbevölkerung Aufwertung Wohnungsmarkt

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