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Handlungsorientierung im Geschichtsunterricht

Hausarbeit (Hauptseminar) 2011 23 Seiten

Leseprobe

Gliederung

Einleitung

1. Kurze Geschichte der Handlungsorientierung

2. Begriffsbestimmung
2.1 Definition nach Herbart Gudjons
2.2 Definition nach Bärbel Meyer
2.3 Definition nach Bärbel Völkel
2.4 Zusammenfassung

3. Handlungsorientierung im Geschichtsunterricht
3.1 Vor- und Nachteile des handlungsorientierten Geschichtsunterrichts
3.2 Praxis des handlungsorientierten Geschichtsunterricht
3.2.1 Unterrichtsbeispiel

4. Fazit

5. Quellen

Einleitung

Die Geschichte des handlungsorientierten Geschichtsunterrichts reicht bis ins 19. Jahrhundert. Seitdem gab es immer wieder neue Erkenntnisse. Aus diesem Grund wird im ersten Kapitel die Geschichte des handlungsorientierten Geschichtsunterrichts beleuchtet. Im zweiten Kapitel werden verschiedene Definitionen beschrieben, um ein Grundlagenwissen für den weiteren Verlauf dieser Arbeit zu schaffen.

Im dritten Teil dieser Arbeit wird die Handlungsorientierung im Geschichtsunterricht betrachtet, wobei an dieser Stelle die Vor- und Nachteile auch Berücksichtigung finden müssen. Im Anschluss wird ein Unterrichtsbeispiel beschrieben, das auf einer handlungsorientierten Methode basiert: die Projektarbeit.

Abschließend folgt ein Fazit mit einem Ausblick für den handlungsorientierten Unterricht im bayerischen Schulwesen.

1. Kurze Geschichte der Handlungsorientierung

In der Antike und im Mittelalter stand das sture Begriffswissen im Mittelpunkt, was also bedeutet, dass die Schülerschaft, der es überhaupt möglich war, Unterricht zu erhalten, Begriffe lernen mussten. Dieses „Lernen“ bestand hauptsächlich in der Indoktrination von Begriffen, welche die Schüler auswendig lernen mussten und schließlich wiedergeben mussten.

In der Neuzeit revolutionierte Johann Amos Comenius[1] (*1592 †1670) das Lernen, indem er überhaupt erstmals forderte, dass allen alles gelehrt werden sollte. Während bisher nur privilegierten Kindern die Schulbesuch gestattet war, war es Comenius´ Idealvorstellung, dass jedem Kind der Schulbesuch auf gleiche Art und Weise gestattet werden sollte.[2] Mit Comenius also beginnt die erste Epoche der Neuzeit.

Die zweite Epoche, welche auch das pädagogische Jahrhundert genannt wird, ist mit der Zeit der Aufklärung[3] festzumachen. Deutlich geprägt ist diese Epoche von dem Philosophen und Pädagogen der Aufklärung Jean-Jacques Rousseau, der einer Erziehung vom Kinde aus forderte, wobei hier kein Einfluss auf das Kind genommen werden sollte, sondern das Kind selbst wachsen lassen sollte. Wichtig ist hierfür, dass Rousseau das Kind als eigenes Wesen sieht und nicht als ein wie bis dahin üblich „kleiner Erwachsener“. Seine Idee beruht auf der Annahme, dass das Kind aus seinen Fehlern lernt und daher lernt, wie er /sie sich am besten zu verhalten habe. Daher müsse der Erwachsene dem Kind eine Umgebung schaffen, in der das Kind sich mit seiner Umwelt völlig frei auseinandersetzen könne. Diese Vorstellungen basieren auf seinem Menschenbild: Rousseau sah den Menschen von Natur aus gut an. Seiner Meinung nach wird der Mensch erst durch die Gesellschaft, in der er lebt und beeinflusst wird, schlecht. Daher beschreibt er in seinem Werk „Emile“, wie sich ein Kind, unbeeinflusst von anderen Menschen und von der Gesellschaft abseits lebend, entwickelt. Das Kind lernt hier durch Versuch und Irrtum Verantwortung für sein eigenes Handeln zu übernehmen, sodass es aus seinen Fehlern lernt und Konsequenzen für sein Handeln zieht. Ebenso wie Rousseau fordern auch Philanthropen, wie Salzmann oder Rochow, dem Kind die Möglichkeit zu geben, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen. Johann Heinrich Pestalozzi[4] fordert sogar erstmals, dass Lernende mit Kopf, Herz und Hand lernen sollen. Dieses Prinzip wird heute noch im handlungsorientierten Unterricht große Beachtung geschenkt.[5]

Die dritte Epoche ist maßgeblich beeinflusst von den Herbartianern. Diese knüpften an die vorgeschlagenen Schritte Herbarts für einen guten Unterricht an, welche das Aufnehmen, das Denken, das Verarbeiten und schließlich das Anwenden umfassen. Herbart selbst schlug diese Grundelemente vor, damit sie von Lehrenden als Orientierung genutzt werden können. Doch die Herbartianer formalisierten den Unterricht soweit, dass jede Unterrichtsstunde nach diesem Schema ablaufen sollte. Diese Formalisierung des Unterrichts wurde sehr stark kritisiert und der Aufruf nach einer Öffnung des Unterrichts wurde immer lauter.[6] Diese Kritik sowie die diversen Umbrüche, wie demographische Veränderungen, politische und wirtschaftliche Veränderungen (z.B. Industrialisierung, Kolonialisierung, Militarisierung, Proletariat usw.) charakterisieren die vierte Epoche, die Reformpädagogik[7], maßgeblich. Besonders beeinflusst wurde die Reformpädagogik von der Schwedin Ellen Key, die in ihrem Buch „Das Jahrhundert des Kindes“ (1900) eine Erziehung vom Kinde aus verlangte und sich damit auf J.J. Rousseau bezieht. Wichtige Vertreter weiterhin waren unter Anderem Maria Montessori, Peter Petersen (Jena-Plan Schule), John Dewey („learning by doing“) und Georg Kerschensteiner.[8] Der Münchner Stadtschulrat Professor Georg Kerschensteiner (1854-1932) prägte maßgeblich die sogenannte „Arbeitsschulbewegung“, da er versuchte die Handarbeit einerseits und die geistige Arbeit des Schülers/ der Schülerin zu verbinden.[9] Seine Prinzipien basierten auf „Selbstständigkeit, praktisches Tun und geistigen Leistungen, Lernen an der Sache, Selbstüberprüfung des Erfolges, Praxis und fachliches Wissen, ethische Ziele wie Sorgfalt, Sparsamkeit und kooperatives Lernen“[10]. Betrachtet man diese Prinzipien fällt auf, dass sich alle Prinzipien aus der Verbindung der praktischen Ausbildung sowie dem geistigen Tun ableiten lassen. Geleitet soll diese, nach unserem heutigen Verständnis berufliche Ausbildung von einer Charakterformung bei der Arbeit, wie beispielsweise die Selbstüberwindung und Ausdauer.[11] Daher gilt Georg Kerschensteiner heute als der Vater der Berufsschulen[12] und hat durch die Verbindung von affektiven und kognitiven Fähigkeiten einen nicht unerheblichen Beitrag für die Handlungsorientierung im Unterricht geleistet.

Die fünfte Epoche der Pädagogik ist gekennzeichnet durch die Indoktrination des NS-Regimes, dessen zentralistisch ausgelegtes System das Bildungssystem dazu ausnutze, die eigenen nationalistischen und menschenverachtenden Werte den Kinder und Jugendlichen zu indoktrinieren, um die Macht des Regimes aufrechtzuerhalten.[13]

Doch auch während und nach der Zeit des Nationalsozialistischen Regimes haben Pädagogen ihre Ideen geformt und veröffentlicht. So zum Beispiel auch Hans Ebeling[14], der Geschichtsdidaktiker und Schulbuchautor war[15] und die Konfrontation beziehungsweise Begegnung der SchülerInnen mit den historischen Objekt forderte, damit der Erkenntnisprozess der SchülerInnen gefördert würde, wobei er gleichzeitig einräumte, dass eine Begegnung nicht durch eine „bloße Besichtigung“ erfolgen könne.[16] Da die Gegenstände nicht sprechen können und nicht erzählen können, sind nun weitere Schritte seitens der Lehrkräfte gefordert, was Schulz-Hageleit erstmals forderte: Nämlich die Differenzierung der Subjektebene und der Objektebene.[17] Die Subjektebene meint die persönlichen Erfahrungen in der Gegenwart und die Objektebene meint die Erfahrungen anderer Menschen in der Vergangenheit. Nun sollten idealerweise diese beiden Ebenen miteinander in Verbindung gebracht werden, um Ganzheitlichkeit zu erreichen. Doch wie ist diese zu erreichen? Ganzheitlichkeit ist also dann vorhanden, wenn der fiktive Schüler A (Subjektebene) die Erfahrungen von Menschen aus der Vergangenheit (Objektebene) auf seine eigene Gegenwart bezieht (Objektebene und Subjektebene) und eben so beide ebenen miteinander verknüpft werden. Grundlegend hierfür ist, dass sich der oben genannte Schüler A mit der Vergangenheit der anderen Menschen so auseinandersetzt. Das habe die Erkenntnis zur Folge, dass die Schüler verstehen, dass die Vergangenheit und die Geschichte anderer Menschen durchaus eine Bedeutung für einen selbst haben. Weiterhin kann dieser Punkt durchaus auch eine Bedeutung für die Identitätsentwicklung haben, denn dadurch lernen die SchülerInnen wer sie sind, indem sie lernen, worin sie geworden sind.

[...]


[1] Comenius Philosoph, Theologe und Pädagoge; später wurde Comenius zum Bischof

[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Amos_Comenius (eingesehen am 10.11.2011)

[3] Zeitalter der Aufklärung beziehungsweise des pädagogischen Jahrhunderts: 1900 bis Machtergreifung des NS-Regimes

[4] *1746, †1778

[5] Vergleiche Kapitel 2 dieser Arbeit

[6] Gudjons, Herbert, 200810: Pädagogisches Grundwissen. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt, Seite 99 ff.

[7] Epoche der Reformpädagogik ca. 1900 bis 1933

[8] Gudjons, Herbert, 200810: Pädagogisches Grundwissen. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt, Seite 98 ff.

[9] Gudjons, Herbert, 200810: Pädagogisches Grundwissen. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt, Seite 101

[10] Gudjons, Herbert, 200810: Pädagogisches Grundwissen. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt, Seite 100

[11] Gudjons, Herbert, 200810: Pädagogisches Grundwissen. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt, Seite 101

[12] ebenda

[13] Gudjons, Herbert, 200810: Pädagogisches Grundwissen. Bad Heilbrunn: Verlag Julius Klinkhardt, Seite 104 ff.

[14] *4. August 1906 in Burg; † 26. Mai 1967 in Braunschweig

[15] http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Ebeling_(Geschichtsdidaktiker) eingesehen am 19.12.2011

[16] Völkel, Bärbel, 2008: Handlungsorientierung im Geschichtsunterricht. Schwalbach: Wochenschau Verlag, Seite 21 ff.

[17] ebenda

Details

Seiten
23
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656232179
ISBN (Buch)
9783656233404
DOI
10.3239/9783656232179
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Historisches Seminar München
Erscheinungsdatum
2012 (Juli)
Note
2,0
Schlagworte
handlungsorientierung geschichtsunterricht
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Titel: Handlungsorientierung im Geschichtsunterricht