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Wie groß ist der Einfluss der Familien auf die Bildung ihrer Kinder?

Hausarbeit 2011 29 Seiten

Pädagogik - Familienerziehung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Vorwort

2 Bildung
2.1 Einleitung
2.2 Zweck der Bildung nach Humboldt
2.3 Allgemeine und spezielle Bildung
2.4 Formale Bildung
2.5 Non-formale Bildung
2.6 Informelle Bildung
2.7 Wie aktuell ist der Bildungsbegriff?

3 Schule
3.1 Einleitung
3.2 Der Begriff „Schule“
3.3 Auftrag und Funktion

4 Familie
4.1 Einleitung
4.2 Der Begriff „Familie“
4.3 Familienformen
4.4 Familienwandel
4.5 Funktion der Familie

5 Familie als Bildungsinstanz
5.1 Einleitung
5.2 Genetische Einflüsse
5.3 Zeitlicher Primat
5.4 Überdauernde Umwelt
5.5 Intimes Beziehungssystem
5.6 Habitus
5.6.1 Ökonomisches Kapital
5.6.2 Kulturelles Kapital
5.7 Alltags- und Daseinskompetenzen
5.7.1 Konkrete Fertigkeiten
5.7.2 Haushaltsführungskompetenzen
5.7.3 Ernährungs- und Gesundheitswissen/-verhalten
5.7.4 Sprachkompetenz
5.7.5 Beziehungs- und Kommunikationskompetenz
5.7.6 Erziehungskompetenz
5.7.7 Medienkompetenz
5.7.8 Finanzielle Kompetenz
5.8 Schulerfolg

6 Zwischenfazit

7 Kritik

8 Fazit

9 Literaturverzeichnis
9.1 Literatur
9.2 Internetquellen

1 Vorwort

Eine individuelle Förderung, vielfältige Freizeitangebote und künstlerische wie auch handwerkliche Betätigungen. Ein Internat bietet unzählige Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung. „Besonders in der Pubertät wird das Verhältnis zwischen Jugendlichen und Eltern entspannt. Der Ablösungsprozess gelingt meist besser.“1

Diese Beschreibung entspricht fast schon einer „Hanni & Nanni“ Episode aus dem Fernsehen, aber inwiefern treffen diese Charakteristiken auf wichtige Bereiche der Entwicklung zu einer eigenständigen, aufgeklärten und gesellschaftsfähigen Identität zu?

Ist es die Schule, die Defizite der Eltern auffangen bzw. beheben kann? Wo heutzutage ja so viele Eltern mit der Bewältigung des Lebens und gleichzeitiger Erziehung, wie auch Bildung, restlos überfordert sind. Außerdem gibt es auch noch die Elterngruppe, die eine berufliche Karriere anstrebt und sich eine flexible ganztägige Bildungs- und Betreuungsangebote wünscht. Die verschiedenen Familien des 21.Jahrhunderts sind so unterschiedlich wie sie nur sein könnten. Familie war schon immer ein Begriff und befindet sich ständig im Wandel. In der folgenden Arbeit sollen relevante Begriffe, wie „Familie“, „Bildung“ und „Kompetenz“ mit ihrem Gefüge und den unterschiedlichen Aspekten, definiert und in eine aktuelle Debatte eingeordnet werden. Welche Relevanz hat Familie als Instanz in der Vermittlung von Bildung und welche Kompetenzen oder auch Anlagen können durch die Familie weitergereicht werden, auf welche die Schule keinen Zugriff hat?

2 Bildung

2.1 Einleitung

Zu dem Begriff „Bildung“ ist zu erwähnen, dass es nicht möglich ist eine eindeutige Definition zu verfassen, da er das aktuelle sich wandelnde Weltverständnis widerspiegelt und zudem viele unterschiedliche Ebenen tangiert, auf die ich innerhalb der Ausarbeitung eingehen werde. Es wird nicht beabsichtigt die Bildung in ihrer Ganzheit und ihren unterschiedlichsten Formen darstellen und erklären, sondern nur die für die Arbeit relevanten Aspekte. Folgende Bildungselemente werden bewusst außer Acht gelassen, nicht benannt oder nur angeschnitten: Glaubensbildung, Volksbildung, Charakterbildung, Gesinnungsbildung.

2.2 Zweck der Bildung nach Humboldt

Der wahre Zweck des Menschen - nicht der, welchen die wechselnde Neigung, sondern welchen die ewig unveränderliche Vernunft ihm vorschreibt - ist die höchste und proportionierlichste (!) Bildung seiner Kräfte zu einem Ganzen.2

Den Zweck der Bildung beschreibt Humboldt gleichzeitig als den Zweck des Menschen. Damit ist nicht die Ansammlung von Wissen oder die Gesamterfassung der Welt in all ihren Facetten gemeint. Humboldt spricht von der „Bildung seiner Kräfte“. “Im Mittelpunkt aller besonderen Arten der Thätigkeit (!) nemlich (!) steht der Mensch, der ohne alle, auf irgend etwas (!) Einzelnes gerichtete Absicht, nur die Kräfte seiner Natur stärken und erhöhen, seinem Wesen Werth und Dauer verschaffen will.3 Die Bildung muss also in erster Linie als etwas „Inneres“ des Menschen gesehen werden, das von der Welt zwar initiiert und inspiriert wird, jedoch eine Selbstständigkeit voraussetzt, um das Aufgefasste in das eigene Wesen zu verwandeln. Des Weiteren sollen verinnerlichte Perspektiven von einzelnen Individuen durch Diskussion wieder in ein Ganzes eingegliedert werden, um den „Menschen“ zu stärken und zu veredeln.4

2.3 Allgemeine und spezielle Bildung

Denn beide Bildungen - die allgemeine und die specielle (!) - werden durch verschiedene Grundsätze geleitet. Durch die allgemeine sollen die Kräfte, d.h. der Mensch selbst gestärkt werden, geläutert und geregelt werden; durch die specielle (!) soll er nur Fertigkeiten zur Anwendung erhalten5 Entscheidend hierbei ist, dass die Kräfte des Menschen selbst in seinem individuellen Charakter geformt und gestärkt werden. An einer anderen Stelle spricht Humboldt auch von einer notwendigen Harmonie zwischen den unterschiedlichen Kräften;6 keine der Kräfte kann also in ihrem Wert gemindert werden und jede Einzelne hat Bedeutung für die grundsätzliche Bildung des Menschen. Wissen ohne Reflexionskompetenz und Verantwortungsbewusstsein führt nicht zur notwendigen Mündigkeit.7 In diesem Kanon der Kräfteentwicklung spielt die Anwendung und Spezialisierung eine entscheidende Rolle für die „spezielle Bildung“, die nach Humboldt den „Schulen des Lebens“ überlassen werden soll. Dabei werden Kräfte genutzt, um in einem konkreten Bereich8 Perfektion und Spezialisierung zu erreichen und somit in der Welt eine Erwerbstätigkeit zu schaffen.

2.4 Formale Bildung

Zu den folgenden Begriffen „formale Bildung“, „non-formale Bildung“ und „informelle Bildung“ muss zu aller Erst Folgendes gesagt werden: Mit den Definitionen wird zwar eine gute Möglichkeit geschaffen die unterschiedlichen Ebenen der Bildung zu erfassen, aber es ist nicht möglich eine klar trennbare Linie zu ziehen. Viele Situationen sind so komplex, dass die unterschiedlichen Bildungsebenen in einander übergehen.

Def.: „ Strukturelle, auf ein präzise gestecktes Ziel in Form von anerkannten Zeugnissen und Diplomen ausgerichtete Bildung.9

Innerhalb des Schul-Curriculums spielt die Ebene der formalen Bildung die bedeutendste Rolle. Eine Zertifizierung und Validierung stellen dabei ein Schlüsselkriterium dar.

2.5 Non-formale Bildung

Def.: „ Jegliche Bildungsaktivität au ß erhalb des formalen Systems. “ 10

Hierunter ist die organisierte, rechtlich geregelte und dauerhafte Bildungsaktivität außerhalb der Schule zu verstehen.11 Sie grenzt sich von der „informellen Bildung“ dadurch ab, dass sie einen weitaus konkreteren und offizielleren Charakter hat.

2.6 Informelle Bildung

Def.: „ Das nicht programmierte Lernen im täglichen Leben “ 12

Medien, Peers13 und die Familie entsprechen typischen Orten informeller Bildung. Die informelle Bildung zeichnet sich dadurch aus, dass sie nicht intentional, nicht direkt beobachtbar oder abrufbar ist. Außerdem sind sich die Beteiligten meist nicht einer Lern-/Bildungsaktivität bewusst.14 Bildungsprozesse, die für die betreffende Person entscheidend sind, erfolgen also zufällig.

2.7 Wie aktuell ist der Bildungsbegriff?

Eine optimale Erfassung des passenden Bildungsbegriffs unterliegt einem ständigen Wandel der Gesellschaft und den gesellschaftlichen Anforderungen. Der Begriff „Bildung“ wurde damals erschaffen, zunächst kritisiert und verdrängt, erlebt aktuell aber eine steigende Geltung in der Pädagogik. Wenn Humboldts Thesen auch ohnegleichen über die Jahrhunderte kaum an Aktualität eingebüßt haben, kann man doch eine offenere dem Zeitgeist entsprechende Modifikation des Begriffs „Bildung“ vornehmen:

Def.: „ Erwerb der Fähigkeit zur Selbstregulierung und als subjektive Aneignung von Welt in der aktiven Auseinandersetzung mit und in diesen Weltbezügen “ 15

Der neue Bildungsbegriff versucht auf die schnellen und ständig wechselnden Anpassungsvorgänge in der Gesellschaft einzugehen und betont die Bedeutung eigene Fähigkeiten und Kompetenzen zu entwickeln, um sich in der Welt zu Recht zu finden. Diese Definition ist diejenige, auf die ich in der weiteren Arbeit stärker eingehe und aufgreife, um verschiedene Sachverhalte zu erläutern.

3 Schule

3.1 Einleitung

Da Bildung untrennbar mit der Schule zusammenhängt, möchte ich kurz auf die wichtigsten Fakten des Begriffs „Schule“ eingehen, um zu untersuchen, ob sie Relevanz für das Thema der Hausarbeit hat und inwiefern Schule sich durch den Charakter der Bildungsvermittlung von der Familie unterscheidet. Dabei werde ich nicht auf alle Schultypen und die Geschichte der Schule eingehen, weil diese Thematiken wenig Gewichtung für die Fragestellung haben. Interessanter dagegen ist, welche Überschneidungen und Verbindungen zwischen Schule und Familie bestehen.

3.2 Der Begriff „ Schule “

Etym.: lat. schola von griechisch σχολή [sk ʰ o ˈ l ɛː ], Ursprungsbedeutung: „ freie Zeit “ , „ M üß iggang, Nichtstun “ 16

Natürlich ist die vorangehende Beschreibung nicht die entscheidende Definition der Schule, zeigt aber dennoch die eine Seite der Medaille und zwar die Perspektive und Anschauung vieler Erwachsener heutzutage. Jeder Schüler würde an dieser Stelle laute Empörung äußern, da die Tendenz dahingeht, dass z.B. die Stundentafel der Schüler eines Gymnasiums durch die Umstellung von G9 auf G8 immer weiter aufgestockt wurde.17

Def.: „ Bildungssysteme sind [ … ] institutionelle Akteure, die [ … ]über Lehren und Lernen als wünschenswert definierte psychische Dispositionen in der nachwachsenden Generation ‚ erzeugen ‘ . Sie leistenüber die Kulturvermittlung gleichzeitig ‚ Humangestaltung ‘ , ‚ Seelenarbeit ‘ und ‚ Menschenbildung ‘ im Sinne der Förderung von Wissen, Kompetenzen, psychischen Ressourcen und Werten. “ 18

Letztere Definition entspricht vielmehr dem Eigentlichen Sinn von „Schule“ und fasst die Hauptmerkmale der Wirkungsbereiche zusammen.

Im folgenden Abschnitt werden der Auftrag und die Funktion der Schule näher erläutert und die Ambitionen aktueller Bildungspläne geschildert.

3.3 Auftrag und Funktion

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten 19

Zu der klassischen Funktion der Institution Schule gehören folgende Teilaufgaben:

- Sozialisation: „Die Schule ist die erste Sozialisationsinstanz in der Erfahrung des Kindes, die eine Statusdifferenzierung auf nicht-biologischer Basis institutionalisiert“20 und in der Wissen und Weltorientierung vermittelt und Kompetenzen ausgebildet werden21

[...]


1 URL: http://www.lernen-und-foerdern.com/Magazin/Erziehung/Internat_- _eine_Alternative_fuer_Ihr_Kind.html [10.03.2011].

2 Humboldt (1960a), S. 64.

3 Humboldt (1960b), S. 235.

4 Vgl. Humboldt (1960b), S. 234.

5 Humboldt (1964), S. 188.

6 Siehe 2. Anmerkung: proportionierlichste = ausgewogenste oder verhältnismäßigste.

7 Vgl. Kant, I. (1784), S. 481-494.

8 Z. B. Architektur, Bau, Medizin, Spedition, Technik, Verkauf, Verwaltung.

9 Mazza, Gabriele Online im WWW unter URL:http://www.coe.int/t/dg4/youth/Source/Resources/Forum21/Issue_No10/N10_Interaction_FE_NFE_de.pd f, S. 2 [12.03.2011].

10 Ebd.

11 Folgende Orte können non-formalen Bildungsinstanzen entsprechen: Jugendorganisationen, Gewerkschaften, politische Parteien, Kunst-, Musik- und Sportkurse.

12 Ebd.

13 Als Peer-Group bezeichnet man eine Personengruppe, die derselben sozialen Gruppe angehört. Dazu gehören Freunde, Bekannte, Menschen zu denen eine enge Beziehung besteht.

14 Vgl. Smolka/ Rupp, M (2007), S. 226.

15 BMFSFJ (2006), S. 111.

16 URL: http://de.wikipedia.org/wiki/Schule [14.03.2011] (keine andere Quelle liefert eine detailliertere
etymologische Beschreibung).

17 URL: http://www.kmk.org/fileadmin/pdf/Statistik/Dok_190_SKL.pdf [14.03.2011].

18 Fend (2008), S. 169.

19 Fend (2008), S. 54.

20 Parsons (1968), S. 166.

21 Vgl. Ecarius/Köbel/Wahl (2011), S.105.

Details

Seiten
29
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656232803
ISBN (Buch)
9783656233084
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v197114
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg – Erziehungswissenschaft
Note
2,0
Schlagworte
Familie Bildung Familienbildung nonformale Bildung non-formale Bildung informelle Bildung peer Kinder

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