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Faszination der inszenierten Realität.

Motive für Rezeptionen deutscher Scripted-Doku-Soaps.

Forschungsarbeit 2012 174 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Untersuchungsgegenstand: Scripted-Doku-Soap

3. Uses-and-Gratifications-Approach (U&G)
3.1 Grundannahmen des U&G
3.2 Bedürfnisse - Motive - Erwartungen - Gratifikationen
3.3 Kritik und Eignung

4. Rezeptionsmotive
4.1 Systematisierung der Rezeptionsmotive: Das MDM
4.2 Soziale Vergleiche & Parasoziale Interaktionen

5. Methode und Stichprobe
5.1 Qualitative Forschung
5.2 Qualitative Interviews
5.2.1 Verlauf und Kontext problemzentrierter Interviews
5.2.2 Leitfaden
5.2.3 Ergebnisdokumentation und Auswertung
5.3 Stichprobe

6. Resultate und Inferenzen
6.1 Affektive Motivdimension
6.2 Soziale Motivdimension
6.3 Identitätsbildende Motivdimension
6.4 Kognitive Motivdimension

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

9. Anhang

Vorbemerkung: In der vorliegenden Arbeit erhöhen maskuline Personenbezeichnungen allein die Lesbarkeit und gelten demzufolge analog in femininer Diktion.

1. Einleitung

„Pleitefamilie muss in Wohnwagen leben.“ [1]

„ Zweifache Mutter glaubt an die Macht der Sterne[2]

„Hilfe, mein Sohn will aufs Gymnasium!“[3]

Warum willjemand so etwas sehen?

Millionen Deutsche rezipieren tagtäglich Hartz-IV-TV[4], Assi-Fernsehen[5] oder neutral formuliert: Scripted-Doku-Soaps. Weshalb sich Menschen inszenierte Konflikte zwischen cholerischen Langzeitarbeitslosen und schwangeren Teenagern Nachmittag für Nachmittag anschauen, weiß die Mediennutzungsforschung bisher nicht profund zu beantworten. Daher leitet das Wissenschaftliche Projekt mit der Exploration von Motiven für Rezeptionen deutscher Scripted-Doku-Soaps die längst überfällige Schließung einer Forschungslücke ein.

Diesbezüglich exponiert das zweite Kapitel eingangs Charakteristika der Scripted- Reality, ehe anschließend der Uses-and-Gratifications-Approach als Analysestrategie in seinen essenziellen Thesen, Termini sowie Qualitäten und Defiziten konkretisiert wird. An Abschnitten zur Methode und Stichprobe reiht sich die Präsentation sowie Interpretation der empirischen Resultate. Mittels der eruierten Rezeptionsmotive soll final ein Erklärungsmodell konstruiert und Hypothesen, als Ansatzpunkte für konsekutive (quantitative) Studien, generiert werden. Folglich lautet die zentrale Forschungsfrage:

Welche Motive können Rezeptionen von Scripted-Doku-Soap aktivieren?

Ergebnisse des Wissenschaftlichen Projekts stellen einerseits Grundlagen für anknüpfende, zwingend anzuratende Analysen im Bereich der Scripted-Reality bereit. Andererseits demonstrieren sie spezielle Motivstrukturen des Publikums, die Produzenten zu innovativen Formaten im privat- sowie öffentlich-rechtlichen Fernsehen und zu Optimierungen der Scripted-Reality inspirieren können.

2. Untersuchungsgegenstand: Scripted-Doku-Soap

Fernsehen inszeniert zwangsläufig: Die Redaktion der Tagesthemen positioniert Beiträge nach einem Sendekalkül, Terra X schneidet vor Ausstrahlung einer Dokumentation ihr Filmmaterial und selbst Sky-Kamerateams fangen bei Liveübertragungen von Bundesliga-Partien lediglich arbiträr relevante Ausschnitte der Wirklichkeit ein. Nicht-fiktionale Formate (Bsp.: Tagesthemen) zielen allerdings auf realistische Vermittlungen subjektiver Wirklichkeiten ab, wohingegen fiktionale Programme (Bsp.: Harry Potter) willentlich und offenkundig inszenieren, um Geschehen zu präsentieren, die in der Realität so nicht existieren oder wahrnehmbar sind.

„Scripted-Reality basiert stets auf dem Prinzip der dokumentarischen Inszenierung einer Scheinrealität.“[6] Produktionsunternehmen wie beispielsweise filmpool begehen einen medienwissenschaftlichen Sonderweg, indem sie intime, absurde oder extreme Lebenswelten kreieren, dabei aber den Stil einer recherchierten Dokumentation kopieren. „Durch eine kommentierende Reporterstimme, durch Schimpfwörter ersetzende Pieptöne und durch zwischengeschnittene Interviews der Akteure, die bei allem, was sie tun, auf Schritt und Tritt begleitet werden, wird die klassische Dokumentarsendung bis ins Detail imitiert.“[7]

Entgegen kritischer Stimmen bezüglich Moral und Ästhetik indizieren die kontinuierlichen Quotenerfolge (bis zu 33%)[8] bei den 14- bis 49-jährigen Rezipienten in Kombination mit den günstigen Produktionskosten (0 30.0006 pro Episode)[9] eine langfristige Etablierung des Genres im deutschen Privatfernsehen.

Das Geschäftsmodell beruht insbesondere auf dem Einsatz von dilettantischen Laiendarstellern. Diese erscheinen durch ihr hölzernes, nervöses Auftreten für das Publikum nicht nur außerordentlich authentisch, sie bedürfen auch bedeutend geringerer Gagen als professionelle Schauspieler. Daneben minimieren kurze Dreharbeiten von durchschnittlich eineinhalb Drehtagen pro Folge sowie der Verzicht auf hochwertige Beleuchtungstechnik den finanziellen Aufwand.[10]

Die dokumentarischen Inszenierungen dieser täglich ausgestrahlten Serien (über-)strapazieren die Kompetenzen zur Realitäts-Fiktions-Unterscheidung (RFU- Kompetenzen) der Rezipienten. Obwohl in der Regel diskrete Einblendungen am Anfang und Ende der Episoden auf fiktive Inhalte verweisen, erachten nahezu die Hälfte der 6- bis 18-jährigen Rezipienten Scripted-Doku-Soaps als Imitationen wahrer Begebenheiten. An Dokumentationen tatsächlicher Erlebnisse glauben erstaunliche 30 Prozent der 861 befragten Schüler.[11]

Theoretische Untersuchungen der Bachelor-Thesis Stereotype? Eine empirische Analyse von Charakteren in deutschen Scripted-Reality-Formaten bestätigten bereits vorläufig die Hypothese: Stereotype Darstellungen in Scripted-Doku-Soaps beeinflussen Heterostereotype der Rezipienten mit größerer Wahrscheinlichkeit, als stereotype Darstellungen in offenkundigfiktionalen TV-Formaten.

Die aus irreführenden Signalen der betreffenden Serien (Bsp.: Doku-Stil) und fehlendem Gattungswissen der Rezipienten resultierenden Missdeutungen steigern zum einen die Wahrscheinlichkeit von Kultivierungseffekten.[12] Zum anderen bestimmen Scripted-Doku-Soaps als sekundäre Sozialisationsinstanzen mit über stereotype Vorstellungen von Vielsehern, die geringe Affinität zur stereotypisierten sozialen Kategorie aufweisen. Ferner dringen suggerierte Axiome und Stereotype ins Bewusstsein des relativ unkritischen Publikums, da Rezeptionen von Scripted-Doku- Soaps oftmals Unterhaltungserlebnisse intendieren. Aus dem Elaboration-Likelihood- Modell lässt sich zudem ableiten, dass die Formate Stereotype und Axiome wissbegieriger, ungestörter Zuschauer durch wiederholte Bekräftigungen stabilisieren.[13]

In Anbetracht spezieller Wirkungspotenziale der Scripted-Reality und damit einhergehender Risiken manifestiert sich die Quantität bisheriger Forschungsaktivitäten zum Komplex als insuffizient. Anstelle von fundierten unterhaltungs- und medienwissenschaftlichen Erkenntnissen treten unsachliche und emotional aufgeladene Spekulationen verunsicherter Teilöffentlichkeiten hervor.

Nach Analyse originärer Wirkungspotenziale sowie vermittelter Stereotype in der bereits angeführten Bachelor-Thesis, exploriert dieses Wissenschaftliche Projekt nun Rezeptionsmotive für Scripted-Doku-Soaps und erweitert somit sukzessive den akademischen Horizont zu einem Novum der Fernsehlandschaft.

3. Uses-and-Gratifications-Approach (U&G)

Die Wirkungsforschung als Ausgangsparadigma der Massenkommunikationsforschung konstituiert zugleich den Background des Uses-and-Gratifications-Ansatzes (U&G).[14] Präziser integriert sich U&G zu den funktionalen Perspektiven der Mediennutzungsforschung. „Mediennutzungsforschung analysiert die Nutzung von Massenmedien durch deren Publikum.“[15]

Drei zentrale Epochen prägen die Entwicklung des Ansatzes: Vornehmlich Herta Herzog und Paul Lazarsfeld repräsentieren die erste Phase (1940­1960). Sozialwissenschaftlerin Herzog und ihr einstiger Ehemann sowie Soziologe Lazarsfeld forcierten die deskriptive Eruierung von Mediennutzungsmotiven, jedoch weitgehend ohne ihre Untersuchungen in einem theoretischen Grundkonzept einzugliedern.

In der zweiten Phase stellten Elihu Katz und Jay Blumler das bedeutsame Modell des Uses-and-Gratifications-Approach vor (1974). Ihr Ansatz fokussierte individuelle Relationen zwischen zielgerichteten Mediennutzungen und Bedürfnisbefriedigungen. Bemühungen, den U&G in einen universellen Handlungsrahmen einzubetten, reichen bis in die Gegenwart und charakterisieren die dritte Phase.[16]

Da diverse Studien moderne Medientechnologien, wie das World Wide Web oder Online-Mediatheken, mittels U&G auf ihre Potenziale zur spezifischen Bedürfnisbefriedigung untersuchten, gewann der Ansatz im 21. Jahrhundert merklich an Prestige.

U&G konzipiert indes weniger eine Theorie als vielmehr eine Forschungsstrategie zur Gewinnung und Analyse von Daten.[17] Die vergleichsweise simplen Postulate formieren kein „[...] System aus thematisch und logisch miteinander verknüpften [...] Hypothesen

[...], die Beziehungen und Wirkungen für einen Gegenstandsbereich beschreiben.“[18] Wobei der Ansatz fraglos eine konstruktive Basis für Generierungen von Hypothesen und Theorien bereitstellt.[19]

Die nachfolgenden Kapitel skizzieren essenzielle Thesen und Termini sowie Kritikpunkte zum Uses-and-Gratifications-Approach. Angesichts der Ausdifferenzierungen und Progressionen seit Ende der 50er Jahre erscheinen exhaustive Darlegungen zum U&G in diesem Projekt inadäquat.[20]

3.1 Grundannahmen des U&G

Etliche Jahre beschäftigte Medienwissenschaftler die Frage: Was machen Medien mit den Zuschauern? Erst der U&G rückte motivationale Aspekte des Publikums in den Mittelpunkt und ergo die Fragestellung: Was machen Rezipienten mit den Medien?[21] Jener Perspektivwechsel basierte auf Maximen des U&G sowie verwandter Forschungsstrategien, wonach ein aktives Publikum Medien selektiv und intentional nutzt.[22] [23]

Zuschauer rezipieren Medien also willentlich, um unbefriedigte Bedürfnisse über medial-vermittelte Gratifikationen zu saturieren.[24] „Mediennutzung wird konzeptualisiert als Folge einer Erwartung, dass ein bestimmtes Medium bzw. ein bestimmter Medieninhalt, in der Lage ist, eine bestimmte Gratifikation zu erbringen plus einer positiven Einschätzung dieser Gratifikation.“[25]

Laut Blumler implizieren Medienrezeptionen subjektive Nutzen (Nützlichkeit) und gezielte Motivationen (Intentionalität) seitens des Publikums, während der entsprechende Medienkonsum (Selektivität) aus empirischen Vorstellungen zu gewissen Medien/Medieninhalten resultiert.[26] Funktionale Medienselektion beansprucht in diesem Kontext die größte Aktivität, wenngleich Rezipienten ihre Ziele lediglich im Rahmen offerierter Alternativen verfolgen.[27] [28] Unterschiedliche Medienangebote konkurrieren dabei nicht allein untereinander, sondern auch mit andersartigen Möglichkeiten um die Bedürfnisbefriedigung.[29] „Mediennutzung ist nie die einzige, aber oft die einfachste Form der Bedürfnisbefriedigung in einer gegebenen Situation.“[30] Beispiel: Samstagabend bedarf Max nach einer tristen Arbeitswoche emotionaler Spannung. Vom Motiv des emotionalen Spannungsaufbaus geleitet, beschließt er einen sportlichen Wettkampf anzuschauen, da Wettstreite seinen Erfahrungen nach häufig die Gratifikation Spannung anbieten. Er selektiert die zeitnächste Option - einen Boxkampf von Vitali Klitschko gegen Odlanier Solis. Max muss erneut wählen: Entweder er fährt zur Kölner Lanxess-Arena oder er beobachtet den Kampf vom heimischen Sofa aus auf RTL. Max entscheidend sich für die TV-Ausstrahlung, weil sie die bequemere Variante darstellt. Der Erhalt der intendierten Gratifikation hängt nun partiell vom Stimuli des Kampfes ab. So wirkt etwa ein Knockout Solis' in Runde Eins der Befriedigung des Motivs Spannung entgegen.

Moderne Uses-and-Gratifications-Ansätze interpretieren intentionale Medienrezeptionen stets auch als soziales Handeln: Demnach bedingen konstatierte Probleme (Bsp.: emotionales Spannungsdefizit) zunächst individuelle

Handlungsnotwendigkeiten. Anschließend stützen rationale Überlegungen die Entscheidungen für Medienrezeptionen (Bsp.: TV-Übertragung preiswerter als Eintrittskarte). Indes limitieren die jeweilig handelnden Personen, sozialen Strukturen (Bsp.: kein TV beim Familienessen) und situativen Handlungsangebote (Bsp.: Sportübertragungen) die Handlungsspielräume. Nutzen der Handlungen begreifen synonym die Realisierungen angestrebter Ziele ein.[31]

Die bereits angeführten Prinzipien segmentieren verschiedene Fachautoren, wie Alan Rubin, in fünf fundamentale Annahmen des U&G.

Erstens: Kommunikation einschließlich der Selektion und Applikation von Medien beruht auf bewusstem, intentional motiviertem sowie funktionalem Handeln, mit Konsequenzen für den Einzelnen, die Gruppe und Gesellschaft.

Zweitens: Aktive Rezipienten initiieren die Selektion und Applikation von Kommunikationsvehikeln zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse.

Drittens: Psychologische und soziale Faktoren sowie Erwartungen filtern und determinieren Kommunikation. Reaktionen auf Medienbotschaften stehen in Dependenz zur Persönlichkeit, sozialen Struktur und den Potenzialen für interpersonale Interaktionen.

Viertens: Funktionale Alternativen, wie interpersonale Kommunikation, konkurrieren mit Medien um Aufmerksamkeit, Selektion und Applikation. Wenn sich unser Max beispielsweise einsam fühlt, kann er Freunde treffen oder Parasoziale Interaktionen mit Fernsehkoch Tim Mälzer führen.

Fünftens: Rezipienten beeinflussen Medienwirkungen überwiegend stärker als die rezipierten Medien.[32] [33]

„Rezipienten sind somit - so lässt sich das Subjektmodell des Uses-and-Gratifications- Ansatzes abschließend umreißen - zumindest in ihrem Umgang mit den Medien aktiv Handelnde, welche die Medien intentional und selektiv, d.h. gezielt zur Befriedigung einiger Bedürfnisse einsetzen und über diese Form der Bedürfnisbefriedigung auch adäquat Auskunft geben können.“ [34]

3.2 Bedürfnisse - Motive - Erwartungen - Gratifikationen

Bedürfnisse, Motive, Erwartungen und Gratifikationen markieren vier substanzielle Termini des Uses-and-Gratifications-Ansatzes. Bedürfnisse signalisieren in diesem Zusammenhang individuell- sowie umweltprovozierte Defizit-Empfindungen (Bsp.: Sicherheit, Respekt). Hingegen definieren Motive handlungsorientierte Ausrichtungen von Bedürfnissen.[35] Da oftmals Unklarheit über Bedürfnisstrukturen hinter bestimmten Motiven herrscht und aufgrund der Irrelevanz diverser Bedürfnisse (Bsp.: Hunger, Schlaf) für das Forschungsinteresse, visiert die empirische Analyse dieser Arbeit die Exploration von Motiven, statt von Bedürfnissen an.

Motive kongruieren mit den gesuchten Gratifikationen.[36] Sie fungieren für Mediennutzungsforscher als signifikante Größe, weil sie Personen zu Befriedigungshandlungen (Medienrezeptionen) mobilisieren. Realisierte, befriedigte Motive wiederum entsprechen erhaltenen Gratifikationen.[37]

Ergebnisse verschiedener Studien untermauern die stringente Differenzierung zwischen gesuchten und erhaltenen Gratifikationen.[38] Zur Realisierung ihrer Motive selektieren Rezipienten Medieninhalte, von denen sie die geringste Diskrepanz zwischen gesuchter und erhaltener Gratifikation erwarten. Sonach dezidieren Erwartungen gegenüber Medien auch ihre Applikation oder Ablehnung.[39]

Erwartungen generalisieren auf einem übergeordneten Abstraktionslevel Vorstellungen zu Medien(-inhalten), während sich erhaltene Gratifikationen auf konkrete Rezeptionen beschränken.[40] Generalisierte Vorstellungen (Erwartungen) verallgemeinern also Einzelerfahrungen, Empfehlungen und anderweitige Medienkenntnisse, um Motive fortan möglichst effizient zu realisieren.

Den Rückkopplungsmechanismus, infolgedessen erhaltene Gratifikationen künftige Erwartungen modifizieren, etablierte erst Philip Palmgreens Erwartungs-Bewertungs­Modell (1984) als theoretisierendes Element des Uses-and-Gratifications-Ansatzes.[41] Nach Palmgreen nehmen Rezipienten durch Mediennutzungen spezifische Gratifikationen wahr. In Lernprozessen entwickelt sich aus jenen episodischen

Nutzungserfahrungen allgemeines Medienwissen, das Vorstellungen von Medien, ihren Inhalten und Gratifikationspotenzialen umfasst.[42]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[43]

Summa summarum repräsentieren Erwartungen als dynamisch-reflexive Konstrukte, subjektiv taxierte Wahrscheinlichkeiten, über ein Medium akute Motive zu saturieren.

Vielseher rezipieren z.B. Scripted-Doku-Soaps wiederholt, weil die Formate ihre Erwartungen vorwiegend erfüllen. Daher dürften eruierte Motive der Probanden auch ihren erhaltenen Gratifikationen nahekommen.

3.3 Kritik und Eignung

In seiner Historie begleitete den U&G, ein nebenbei originär kommunikationswissenschaftlicher Ansatz, permanente Kritik.[44]

Die Prämisse aktiver, rationaler und zielgerichteter Zuschauer bildet ebenso den massivsten Kritikpunkt ab, da vermeintlich nicht jede Rezeption rational sowie intentional erwächst, sondern häufig akzidentell oder habitualisiert.[45] [46] Gegenargument:

Habituelles Handeln korrespondiert lediglich mit bewährten Handlungsmustem, da Gewohnheiten gewissermaßen erfolgreich gelernte Handlungen sind. Die Gewohnheit wird denn auch nur so lange andauern, wie die Handlung erfolgreich ist.“[47] Ergo basieren habitualisierte Medienrezeptionen ursprünglich auf rationalen. Beispielsweise wägen Sie nicht tagtäglich von neuem ab, ob Sie per Bahn, Fahrrad oder Auto zum Arbeitsplatz fahren. Ungeachtet dessen wurde Ihr Entschluss einst rational gefällt.

Kritiker monieren des Weiteren, Menschen mangelt es teilweise am Artikulationsvermögen um (insb. identitätsbildende) Motive im Selbstbericht auszudrücken oder sie rezipieren Medien gar unbewusst und rationalisieren ihr Handeln in Befragungen post festum (Soziale Erwünschtheit).[48] [49] [50] Dagegen spricht zum einen die Rationalität unbewussten Handelns (Bsp.: Reflexe), zum anderen erleichtern soziale Interaktionen in qualitativen Befragungen Probanden die Artikulation ihrer Motive, ohne dass versierte Interviewer Antworten suggerieren oder unnötig limitieren.

Vorwürfe richten sich zudem gegen die Fokussierung des U&G auf Individuen, bei Vernachlässigung des medialen Inputs.[51] Allerdings erhalten unterschiedliche Personen durch Rezeption identischer Medienangebote subjektiv differierende Gratifikationen. Insofern verheißen Motiv- und Erwartungsanalysen Mediennutzungsforschern aussagekräftigere Erkenntnisgewinne als möglichst objektive Decodierungen gesendeter Medieninhalte. In puncto der Praktikabilität profitiert der U&G gerade von seiner Variabilität, indem er neben inhaltlichen auch sozialen Komponenten (Bsp.: Motiv der Geselligkeit) Rechnung trägt.[52] Wobei das Wissenschaftliche Projekt den sozialen Kontext einer Rezeption selbstverständlich nicht in seiner Gänze überblickt, wie etwa den Einfluss kollektiver Medienrezeption auf die demokratische Meinungsbildung. Ohne die Existenz unfreiwilliger Applikationen des sozialen Kontextes anzuzweifeln (Bsp.: Lehrfilme in der Schule), konzentriert sich diese Arbeit exklusiv auf motivierte Rezeptionen.[53] [54]

Kritik an vermeintlich nebulösen Termini[55] - Bedürfnisse, Gratifikationen, Motive und Erwartungen - räumte das letzte Kapitel (siehe 3.2) aus dem Weg, abgesehen von problematischen Abgrenzungen zwischen verbalisierten Bedürfnissen und Motiven.

Zusammenfassend demonstriert der Uses-and-Gratifications-Approach eine adäquate Forschungsstrategie, um Gratifikationen innovativer Medienangebote (Bsp.: Scripted- Reality)[56] zu interpretieren sowie divergierende Motivstrukturen zu explizieren.[57]

4. Rezeptionsmotive

Der Uses-and-Gratifications-Ansatz bildet das Fundament fur detailliertere Strukturierungen von Rezeptionsmotiven. Die Mediennutzungsforschung offeriert mannigfache Motivkataloge mit heterogenen Priorisierungen, Qualitäten sowie Schwächen. Ein theoretisch substanziiertes Modell, das Stärken bisheriger Systematisierungen kombiniert und ihre Defizite eliminiert, steht indes noch aus. Aufgrund dessen stellt diese Arbeit eine eigene Systematisierung zur wissenschaftlichen Diskussion - Das Motiv-Dimensionen-Modell (MDM).

4.1 Systematisierung der Rezeptionsmotive: Das MDM

Motiv-Dimensionen-Modell :

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das MDM (siehe Grafik) fugt verschiedene Systematisierungen zusammen[58] [59] [60] [61], ergänzt, korrigiert und strukturiert sie um.

Denis McQuail illustrierte 1983 eine der etabliertesten Systematisierungen von Rezeptionsmotiven. Er segmentierte Motive auf vier Ebenen - Unterhaltung, Information, Integration sowie Identität - und organisierte hiermit ein bis dato inkohärentes Wirrsal an Motiven. [62]

McQuails vergleichsweise reduziertes Schema demonstriert exemplarisch die nachstehend präzisierten Analogien und Kontraste zum Motiv-Dimensionen-Modell.

Eingangs differenziert das MDM Motive in handlungs-extrinsisch oder handlungs­intrinsisch und rekurriert dabei auf das Verständnis von Medienrezeptionen als soziales Handeln in modernen Uses-and-Gratifications-Ansätzen. Jene prinzipielle Unterscheidung integriert keine der bekannten Systematisierungen. Handlungs-extrinsische Motive beurteilen Rezeptionen als Weg zum Ziel/Mittel zum Zweck, wohingegen handlungs-intrinsische Motive das Ziel in der Rezeption vermuten (Selbstzweck).[63] Beispiel: Max beschließt Sieben Jahre in Tibet zu sehen, um sich auf die morgige Geschichtsstunde vorzubereiten (handlungs-extrinsisch). Martina intendiert die Rezeption des gleichen Spielfilms, jedoch möchte sie vornehmlich 129 Minuten die Attraktivität Brad Pitts genießen ( handlungs-intrinsisch).

Wie McQuails Systematisierung umspannt das MDM vier Motivdimensionen. Anstelle von Unterhaltungs-, Informations-, Integrations- und Identitätsebenen verzeichnet das MDM affektive-, kognitive- soziale- und identitätsbildende Dimensionen. Mehr noch als die Termini divergieren die Konstrukte hinter den Dimensionen beziehungsweise Ebenen. So unterscheidet McQuail zwischen der Unterhaltungs- und Informationsebene.

Andere Autoren setzen affektive Motive gar mit Unterhaltung gleich, dabei bestritt bereits Max Weber, dass Unterhaltung dem Anspruch an Präzision genüge, um einen praktikablen medienwissenschaftlichen Begriff zu definieren.[64] Beispielsweise wünschen sich Zuschauer von TV-Unterhaltung primär Spaß, Spannung und Informationen.[65] Selbst elaboriertere Definitionsvorschläge, wie Ursula Dehms Unterhaltungsbegriff auf Basis des U&G, scheitern letztendlich daran, Maßstäbe für Operationalisierungen zu präsentieren.

Werner Frühs Triadisch-Dynamische Unterhaltungstheorie (TDU) distanziert sich stringent vom Unterhaltungsbegriff und plädiert stattdessen für ein subjektives, autonomes und positives Unterhaltungserleben.[66] „Eigenschaften des Medienangebots, Publikums, situativen sowie gesellschaftlichen Kontextes und Mechanismen der kontrollierten Informationsverarbeitung innerhalb des Rezeptionsprozesses bedingen danach das Erlebnis Unterhaltung.“[67] Die TDU nuanciert „[...] zwischen dem unterhaltenden Resümee nach einer Rezeption (Wirkung) und dem Unterhaltungserlebnis während einer Rezeption (Performance). Die Wahrnehmung separater Szenen eines Medienprodukts evoziert polymorphe Emotionen sowie Kognitionen auf der Mikroebene, die der Zuschauer auf der Metaebene im positiven Bewusstsein von Souveränität (Entscheidungsfreiheit) und Kontrolle (Beherrschbarkeit der Konsequenzen) zur Makro-Emotion Unterhaltung transformiert. Indes priorisieren Rezipienten die Emotionen/Kognitionen der Mikroebene nach ihrer Relevanz für die Makroebene, folglich gruppieren sich Teileindrucke nicht äquivalent in die Gesamtemotion ein.“[68] [69]

Das MDM implementiert Kerngedanken der TDU, indem es Unterhaltungserleben als Makromotiv und damit als Synthese von gewichteten (Teil-)Motiven wertet. Das [69]

Makromotiv Unterhaltungserleben kann demnach in nahezu jeder Motivkonstellation existieren. Zum Beispiel: Max entscheidet sich für die Rezeption von Rette die Million!, um durch das Zusammenspiel von Neugierde nach Informationen und Spannung Unterhaltung zu erleben. Unterhaltungserleben kann aber für Max in einem anderen situativen Kontext ebenso bedeuten, bei der Rezeption von Gute Zeiten schlechte Zeiten zu entspannen und aus dem Alltag zu entfliehen.

Das Makromotiv Unterhaltungserleben begründet indes kein obligatorisch immanentes Rezeptionsmotiv, das heißt Medienrezeptionen intendieren nicht automatisch Unterhaltungserleben (siehe Grafik: gestrichelte Linie).

Bezeichnungen der Dimensionen des MDM kongruieren mit den laut Schweiger vier klassischen Bedürfnisgruppen.[70] Allerdings konkretisieren die vier Adjektive des MDM Motivdimensionen statt Bedürfnisgruppen, da Systematisierungen von Rezeptionsimpulsen menschliche Bedürfnisse weder in summa integrieren können (Bsp.: Hunger) noch sollten.

Überdies formiert die klassische Systematisierung geschlossene, isolierte Bedürfnisgruppen, während das MDM Überschneidungspunkte der Dimensionen akzentuiert (siehe Grafik: Roter Punkt). Beispielsweise inhärieren identitätsbildende Motive soziale Komponenten, weil die persönliche Identität in Relation zur Positionierung in der Umwelt steht. „Identitätsbildung ist damit immer auch ein soziales Motiv.“[71]

Im Gegensatz zur klassischen Bedürfnisgruppierung untergliedert das MDM Motive der affektiven Dimension zudem in offensiv und defensiv. Offensiv affektive Motive visieren emotionale Stimulationen an, defensiv affektive Motive die Vermeidungen negativer Gemütsbewegungen.

Beispiel für offensiv affektive Motive: Max sinnt nach Belustigung und rezipiert deshalb die heute-show.

Defensiv affektive Motive: Um nicht über den Tod seines Hundes zu trauern, rezipiert Max die heute-show.

Operationalisierungen der Motivdimensionen folgen im Kapitel 5.2.3, vorab explizieren die nächsten Seiten zwei komplexere Motive: Soziale Vergleiche und Parasoziale Interaktionen.

4.2 Soziale Vergleiche und Parasoziale Interaktionen

U&G-Studien rechnen Soziale Vergleiche zu den Anreizen für Medienrezeptionen.[72] Bekanntermaßen steigern adäquate Selbsteinschätzungen die soziale Kompetenz und vereinfachen die Integration in gesellschaftliche Gruppen. Orientierungen bieten objektive Informationen und vorzugsweise Soziale Vergleiche.[73]

So misst Martin Kind, Vorstand des Bundesligisten Hannover 96, den Saisonerfolg des Teams vermutlich weniger an der Punktzahl oder dem Torverhältnis (objektive Informationen) als an der finalen Tabellenplatzierung (Sozialer Vergleich).

„Der Sozialpsychologe Solomon Asch wies in den fünfziger Jahren nach, dass wir Vergleichsinformationen gelegentlich sogar eine irrational hohe Relevanz zuweisen. In einem Experiment wurden Probanden die Strecken von vier Linien gegenübergestellt - zwei Linien mit exakt der gleichen Länge und zwei mit äußerst differierenden Maßen. Unter Anwesenheit von vorgeblichen Probanden, tatsächlich Mitarbeiter des Forschungsleiters, sollte die Testperson identifizieren, welche beiden Linien sich in ihrer Länge decken. Zunächst antworteten jedoch alle instruierten Gruppenmitglieder inkorrekt. Daraufhin favorisierten statistisch auch mehr als 70 Prozent der Testpersonen die absurde Konstellation. Lediglich ein Viertel verließ sich also auf objektive Informationen.“[74] [75]

Der amerikanische Sozialpsychologe Leon Festinger skizzierte Soziale Vergleiche als Bewertungsprozesse (1954), bei denen sich beispielsweise Rezipienten in Konfrontation zu Medienfiguren en passant bewerten. Das Rezeptionsmotiv Sozialer Vergleich resultiert Festinger zufolge aus den Wünschen nach Selbstbewertung, Selbstverbesserung oder Selbstwertdienlichkeit:

Soziale Vergleiche der Selbstbewertung - meist Lateralvergleiche (ebenbürtige Bezugsperson) - zielen auf angemessene Einschätzungen persönlicher Fähigkeiten/Meinungen ab, um vorhandene Unsicherheiten zu minimieren. Beispiel: Zur Beurteilung der eigenen Karriere vergleicht Max sein Gehalt mit den Einkünften ehemaliger Kommilitonen.

Soziale Vergleiche der Selbstverbesserung - meist Aufwärtsvergleiche (überlegene Bezugsperson) - offerieren Anreize, Visionen und Leitbilder. Beispiel: Der Vergleich seines Gehalts mit dem Einkommen Martin Kinds, animiert Max zu größerem beruflichen Engagement.

Zu Sozialen Vergleichen der Selbstwertdienlichkeit - meist Abwärtsvergleiche (unterlegene Bezugsperson) - tendieren insbesondere Personen in prekären Situationen, um Selbstzweifel temporär zu mindern.[76] Beispiel: Max vergleicht sein unlängst dezimiertes Gehalt mit den Grundsicherungsleistungen eines Hartz-IV-Empfängers.

Das von arrivierten, potenten und attraktiven Medienakteuren (Exklusiv, How i met your mother, Sportschau usw.) dominierte Fernsehen legt Rezipienten üblicherweise Aufwärtsvergleiche nahe. Dagegen prädestiniert das figurierte Prekariat in Scripted- Doku-Soaps das RTL-Nachmittagsprogramm für Abwärtsvergleiche.

Parasoziale Interaktionen (PI), also imaginäre Konversationen zwischen Zuschauern und Medienakteuren, gelten ebenfalls als Mediennutzungsmotive und Erklärungen für Unterhaltungserleben.[77] Anthropologe Donald Horton sowie Soziologe Richard Wohl kreierten in Mass Communication and Para-social Interaction: Observations on Intimacy at a Distance (1956) die Maximen der kommunikationswissenschaftlichen Theorie.[78]

Vornehmlich einsame Rezipienten kompensieren über psychologische Aktivitäten der PI ihre Mängel an sozialen Kontakten zu Menschen, respektive Gruppen. „Neben essenziellen Diskrepanzen verfügen PI und soziale Interaktionen auch über zentrale Gemeinsamkeiten. So wissen Akteure beider Konzepte um ihre gegenseitige Präsenz und berücksichtigen dieses Bewusstsein in ihrem jeweils eigenen Handeln. Soziale Interaktionen beruhen auf Entwicklung bilateraler Beobachtungen sowie harmonisierter Reaktionen. Indes bleibt Medienakteuren, als Teilnehmern einer PI, die Beobachtung des Zuschauers vorenthalten {blinder Fleck). Der blinde Fleck beeinträchtigt die Interaktion, weil er den Zyklus aus Handlung - Beobachtung - Reaktion blockiert. Rezipienten wünschen sich aber TV-Charaktere, die ihre Anwesenheit offenkundig einkalkulieren. Statt zu interpretieren, spekulieren Medienakteure daher auf die Reaktionen ihres Publikums. Allein korrekte Hypothesen und hiernach abgestimmtes Handeln führen zur Überbrückung des blinden Flecks.“[79] [80]

„Für Zuschauer impliziert der blinde Fleck eine Regel und verschiedene Freiheiten. Die Regel: Medienakteure fungieren stets als Initiatoren einer PI, folglich können Rezipienten eingangs nur beobachten und reagieren. Die Freiheiten: Zum einen bestimmt der Rezipient unabhängig über die Teilnahme oder Ablehnung, zum anderen über sein Rollenverständnis in Interaktionen. Angenommen Sie treffen Mike Tyson in einem kleinen Lokal, er beginnt eine Konversation mit Ihnen. Würden Sie den ehemaligen Box-Champion bei Desinteresse ignorieren und wortlos den Tisch wechseln oder sich vielleicht lautstark über das Tattoo in seinem Gesicht amüsieren? Vermutlich nicht, da Sie in dieser sozialen Interaktion die negative Resonanz Tysons fürchten. Dagegen bliebe analoges Fehlverhalten in PI unbemerkt und dementsprechend ungesühnt. Rezipienten registrieren für gewöhnlich die Illusion hinter der PI und gestalten sie deshalb impulsiver, spielerischer und kontrollierter als soziale Interaktionen. Ein ausgeübter Part in PI gewährt insofern die Sondierung sowie Entfaltung neuer Rollenmöglichkeiten.“[81] [82]

Die inszenierte Intimität und Gewöhnlichkeit der Scripted-Doku-Soaps begünstigt Parasoziale Interaktionen. Parasoziale Beziehungen {gespeicherte Quasi-Erfahrungen) [83] zu Rollen/Laiendarstellern der Serien erwachsen wahrscheinlich nicht, da Figuren in jeder Episode changieren.

5. Methode und Stichprobe

5.1 Qualitative Forschung

Qualitatives Vorgehen charakterisiert vielschichtige und umstrittene Forschungen.[84] Von jeher negieren obstinate Jünger quantitativer Methoden die Wissenschaftlichkeit qualitativer Forschungen, obwohl quantitative Daten keine größere

Wissenschaftlichkeit, sondern nur stärkere Evidenz implizieren.[85] Auch qualitative Forschungen respektieren spezielle wissenschaftliche Gütekriterien, wie intersubjektive Verfahrensdokumentationen, argumentative Interpretationsabsicherungen und strukturierte Verfahrensregeln.[86]

Qualitative Untersuchungen bedienen sich in erster Linie explorativer, induktiver und interpretativer Modi, mit dem Ziel soziale Wirklichkeiten, Deutungsmuster und Strukturen aus Perspektive handelnder Individuen in ihrer Ganzheit zu exemplifizieren und zu verstehen.[87] Um den Stellenwert von relevanten Merkmalen eines alltäglichen Phänomens valide zu messen (quantitativ), muss also zunächst verstanden werden (qualitativ), welche Merkmale für das Phänomen überhaupt relevant sind.[88]

Qualitative Forschungen fußen auf drei zentralen Prinzipien: Offenheit, natürliche Kommunikation und Prozesshaftigkeit.

Natürliche Kommunikation, weil Befragungen in möglichst alltäglicher Form verlaufen und zum Beispiel nicht über standardisierte Fragebögen.[89]

Prozesshaftigkeit, da qualitative Methoden die Dynamik sozial konstruierter Wirklichkeiten einkalkulieren, wie etwa fluktuierende Einstellungen.[90]

Offenheit bedeutet, dass sich das Vorwissen der Wissenschaftler primär in formulierten Forschungsfragen widerspiegelt und nicht in zu prüfenden Hypothesen, die das Blickfeld einengen.[91] Insbesondere die Offenheit für Unkonventionelles kommt der erschöpfenden Katalogisierung von Rezeptionsmotiven für Scripted-Doku-Soaps zugute, durch die das Wissenschaftliche Projekt begriffliche anstelle von statistischer Verallgemeinbarkeit anstrebt.

5.2 Qualitative Interviews

Qualitative Interviews zählen zu den traditionellen Methoden qualitativer Sozialforschung.[92] „Das qualitative Interview will explizit an Gesprächskonstellationen in alltäglichen Situationen anknüpfen, den Sprachgebrauch des Interviewten bewahren und hierdurch insgesamt ein gewisses Maß an Natürlichkeit der Interaktion bewahren.“[93]

Qualitative Interviews repräsentieren autonome Verfahrensgruppen, die bezüglich Strukturierungsgrad (Intensität der Einflussnahmen), Standardisierungsgrad (Flexibilität der Fragen/Antwortoptionen) und Textsorte (z.B. Erzählungen, Berichte) variieren.[94] Forscher selektieren das für ihre Intentionen effektivste Verfahren stets im Spannungsfeld zwischen Offenheit und Strukturierung.[95]

Fachautoren gruppieren drei verschiedene Typen qualitativer Interviews: Narrative Interviews, Experteninterviews und diskursiv-dialogische Interviews.

Narrative Interviews vertrauen auf den Zugzwang des offenen Erzählens und verzichten sonach auf den Einsatz von Leitfäden.[96] Neben dem klassischen narrativen Interview gliedert sich beispielsweise das ero-epische Gespräch zu diesem Typus qualitativer Interviews ein.

Experteninterviews (zweiter Typus) generieren über leitfadenorientierte Interaktionen mit Sachkennern spezielles Wissen.[97]

Diskursiv-dialogische Interviews manifestieren den nutzbringendsten Typus für die Exploration von Mediennutzungsmotiven. Als Varianten, der in den Sozialwissenschaften verbreiteten diskursiv-dialogischen Interviews, gelten unter anderem fokussierte-, biografische- und problemzentrierte Interviews.

Andreas Witzel konzipierte problemzentrierte Interviews (1982) als teil-strukturierte Verfahren, die mit offenen, sukzessiv präzisierten Fragen operieren, um Sinnbezüge subjektiven Erlebens aufHypothesen zum Umgang mit Problematiken zu projizieren. Während Fragen in narrativen Interviews vorrangig den Redefluss obstruieren, attestieren ihnen problemzentrierte Interviews folglich eine aktive, (mit-)kreierende Explorationsfunktion.[98]

Problemzentrierte Interviews tragen sich nach keinem reglementierten Ablauf zu. Lediglich Leitfäden dienen als Gedächtnisstützen, um Spektren an Informationen zu gewinnen und parallel Vergleichsmöglichkeiten zu wahren.[99] Direkt nach dem Interview beantworten die Probanden einen standardisierten Kurzfragebogen, der soziodemografische Daten und eventuell komplementäre Faktenfragen thematisiert.[100]

Die Exploration von Rezeptionsmotiven über problemzentrierte Interviews bietet ausschlaggebende Vorteile: Probanden kennen vorab den Gesprächsgegenstand und geben im Interview daran orientierte Auskünfte. Interviewer unterstützen durch Nachfragen und Reflexionen die Artikulation sowie Entdeckung von Motiven, intervenieren bei inhaltlichen Abirrungen oder intensivieren besonders interessante Äußerungen.

5.2.1 Verlauf und Kontext problemzentrierter Interviews

Problemzentrierte Interviews postulieren von der Kontaktaufnahme bis zur Verabschiedung Empathie, Methoden- und Themenkenntnisse sowie Akribie der Versuchsleiter.

Eingangs informieren die Interviewer Probanden in einem Vorgespräch über die asymmetrische Gesprächssituation, den Datenschutz, die Studie und ihren Wert. Befragte sollen schließlich Vertrauen auf- und Unklarheiten abbauen.[101] Die Wahl einer behaglichen Lokalität überlassen Interviewer den Probanden, vorausgesetzt die Orte erlauben ungestörte Audioaufzeichnungen.[102]

Just vor dem Interview testen Versuchsleiter das Diktiergerät, betonen abermals die Anonymität und lockern die Atmosphäre durch Small-Talk zu trivialen Themen auf.[103] [104]

Im Interview selbst senden Interviewer aktiv Feedbacks (Bsp.: Nicken) und bitten Befragte - wenn nötig - direkt fortzufahren. Sie reagieren auf Signale (Bsp. Max: Da gäbe es noch viel zu erzählen; Interviewer: Erzählen Sie bitte) und folgen weitestgehend den Aussagen der Befragten, anstatt den Leitfaden schrittweise abzuarbeiten.[105] Die Diffizilität besteht darin, konsequent problemorientiert und dennoch authentisch, wohlwollend, inquisitiv sowie (sprachlich/inhaltlich) flexibel zu interviewen.[106] [107]

Kritische Momente markieren Unterbrechungen, Fehlinterpretationen, Rückfragen und ausufernde Stellungnahmen der Befragten. Interviewer sollten Pausen abwarten, für flagrante Missverständnisse einstehen und die jeweiligen Fragen erneut, prägnanter formulieren. Rückfragen klären sie nach dem Interview und kürzen exzessive Redebeiträge zu adäquaten Zeitpunkten ab.[108]

In diesem Wissenschaftlichen Projekt fungiert der Forscher auch als Interviewer. Im Gegensatz zu quantitativen Untersuchungen begünstigen thematisch versierte Versuchsleiter den qualitativen Forschungsprozess.[109] Ferner verfügt der Autor beziehungsweise Interviewer bereits über praktische Erfahrungen im Bereich der qualitativen Marktforschung.

Leistungen des Versuchsleiters bedingen die Ausführlichkeit von Antworten maßgeblich. Ergo manifestiert das in sozialen Situationen eruierte Material stets ein kollektives Konstrukt konkreter Handlungen, welches zudem durch Sympathien, Milieus, Alter, Attraktivität und dem Bestreben nach Sozialer Erwünschtheit[110] der Gesprächspartner geprägt wird.[111]

5.2.2 Leitfaden

Leitfäden problemzentrierter Interviews helfen das Vorwissen zu organisieren und im Dialog zu vergegenwärtigen.

Disputabel erscheint, ob Fragen ausformuliert (Bsp.: Helfferich) oder stichwortartig (Bsp.: Gläser & Laudel) in Leitfäden einfließen. Ausformulierte Fragen versprechen Interviewern mehr Sicherheit - Schlagworte dagegen Flexibilität.[112] Das Wissenschaftliche Projekt formulierte Fragen aufgrund dessen vorab aus und fixierte sie erst danach stichpunktartig im Leitfaden. Diese Technik verschafft dem Interviewer ein Sensorium für die Substanz der Fragen sowie Flexibilität in der Befragung.

Die Konzeption des Leitfadens realisierte sich in vier Etappen:

1. Ableitung potenzieller Fragen aus verwandten Studien, Materiekenntnissen und dem MDM
2. Kontrolle der Fragen auf Deutlichkeit, Offenheit sowie Relevanz und Eliminierung von Präsuppositionen, suggestiven oder hypothetischen Fragen
3. Sukzessive, thematische Sortierung der Fragen und Ausgliederung von Faktenfragen zum Kurzfragebogen
4. Modifikation des Leitfadens basierend auf der Evaluation dreier Probeinterviews[113]

Der finale Leitfaden formiert sich aus den Abschnitten: Warm-Up, Hauptteil und Ausklang.

Das Warm-Up bereitet durch unspezifische, offene Fragen die zentrale Problematik vor, ohne sie einzugrenzen. Die Einstiegsfrage - Beschreiben Sie doch bitte ausführlich, wie sieht Ihre Fernsehnutzung in einer typischen Woche aus? - ermöglicht angesichts ihrer Offenheit eine Reihe rekurrierender Fragen. Sie animiert zu extensiven Auskünften, da die Rekapitulation von medialen Präferenzen unkompliziert und gleichwohl komplex wirkt.[114]

Im Hauptteil des Leitfadens dieser Arbeit entfalten sich unstrukturierte- aus semi­strukturierten Fragen.

Semi-strukturierte Fragen fokussieren das Wie? und induzieren breit gefächerte Erwiderungen zu determinierten Aspekten.

Wie schätzen Sie die Wirklichkeitsnähe des RTL-Nachmittagsprogramms ein? Anknüpfende unstrukturierte Fragen suchen nach individuellen Gründen undefinierter Dimension.[115]

Warum schätzen Sie die Wirklichkeitsnähe so ein?

Ohne strukturierte, geschlossene Fragen provoziert der Leitfaden subjektive Schwerpunktsetzungen, die Sondierungsfragen examinieren. Sondierungen typisieren skizzierte Fragen des Leitfadens, welche Redebeiträge der Befragten aufgreifen oder sie vertiefen. Sondierungsfragen fördern den Gesprächsfluss und rücken die Auffassungen der Befragten in den Mittelpunkt.[116]

Nach Ausschöpfung der Sondierungen folgen Ad-hoc-Fragen, die bis dato ignorierte Rubriken des Leitfadens ins Feld führen. Ad-hoc-Fragen intendieren ein Mindestmaß an Vergleichbarkeit der Interviews und prüfen simultan, ob Probanden übergangene Motive als unerheblich befanden oder sie versehentlich/irrtümlich ausklammerten.[117] Genießt der Versuchsleiter derweil das Vertrauen des Befragten, konfrontiert er ihn zudem mit etwaigen Widersprüchen.

Einerseits sehen Sie die Sendungen zur Entspannung, andererseits machen Sie die faulen Charaktere wütend. Wie passt das zusammen?

Um artifizielle Positionen oder Kontroversen infolge von Konfrontationsfragen zu vermeiden, favorisiert der Leitfaden in heiklen Momenten systematische Fragen aus der dritten Person.[118]

Wie vergleichen Sie die Lebenssituationen der dargestellten Personen mit der des durchschnittlichen Zuschauers?

Probanden produzieren mit ihren Äußerungen keine Statistiken, sondern prozesshafte, unbeständige Meinungen. Zur Entdeckung subjektiver Perspektiven sowie Bedeutungen nimmt der Leitfaden daher auch auf frühere Motive Bezug und stellt sie aktuellen gegenüber.[119]

Denken Sie bitte einmal an die ersten Folgen, die Sie sahen. Wie realistisch empfanden Sie diese?

Wie hat sich Ihre Sichtweise auf die Wirklichkeitsnahe von damals bis heute verändert?

Zum Ausklang reflektieren sowie bilanzieren Befragte das Interview und können Aspekte intensivieren oder einbringen.[120] [121]

Der anschließende Kurzfragebogen erfasst soziodemografische Daten (Alter, Bildung usw.) und die Einordnung des RTL-Nachmittagsprogramms in eine Werkkategorie (fiktional, non-fiktional).

Leitfaden sowie Kurzfragebogen finden Sie im Anhang dieser Arbeit vor.

5.2.3 Ergebnisdokumentation und Auswertung

Qualitative Auswertungen und Analysen basieren auf adäquaten Dokumentationen des Datenmaterials. Transkriptionen der Interviews begriffen in sich sowohl Kommentare der Probanden als auch Fragen des Interviewers ein, da Fragestellungen und Antworten kohärieren.[122]

Die Dokumentation der Interviews begann mit ihrer Aufzeichnung durch ein Diktiergerät. Dezentes Equipment ignorieren Probanden oftmals rasch und verschuldet gemeinhin marginale Reaktanzen.[123] [124] [125] Akustisch nicht zu registrierende Auffälligkeiten sowie Befindlichkeiten notierte der Versuchsleiter unmittelbar nach Beendigung eines Interviews im Postskriptum.124 125 Transkriptionen aufgezeichneter Interviews erfolgten grundsätzlich innerhalb von vierundzwanzig Stunden.

„Bis zum heutigen Zeitpunkt existieren keine einheitlichen Transkriptionsstandards und es sind entsprechend eigenständige Transkriptionsregeln festzulegen.“[126] Diese sollen mit dem Forschungsinteresse harmonisiert, fixiert sowie kontinuierlich gewahrt werden.[127] [128]

Die Standardorthographie (deutsche Rechtschreibung) konstituiert die Verschriftungsform der Transkriptionen. Sie verringert den zeitlichen Aufwand des Verschriftlichens und begünstigt die Lesbarkeit der Transkriptionen. Einbuße intonatorischer Spezifika mindern nicht den Informationswert explorierter Motive. Das Notationsschema der Verschriftlichungen lehnt an das gesprächs-analytische Transkriptionssystem (GAT) an.[129]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Markierungen des jeweiligen Redners, der Gesprächszeit (min:sec) und Zeilennummer konkretisieren darüber hinaus sämtliche Äußerungen im Interview, wie beispielsweise 096 Max (01:36).

„Streng genommen beginnt der Auswertungsprozess in der qualitativen Forschung mit der Erhebung.“[130] Schließlich beurteilen Versuchsleiter bereits mit Sondierungsfragen die Äußerungen der Probanden. Indes fungierte eine qualitative Inhaltsanalyse als Methode zur primären Untersuchung transkribierter Interviews.

Philipp Mayring adaptierte die qualitative Inhaltsanalyse aus der Medienforschung für die Analyse qualitativer Forschungsdaten.[131] Dabei supponierte er prinzipiell, dass Termini und verbal identische Aussagen keine objektiven Vorstellungen implizieren, Bezugsrahmen den Gehalt von Aussagen manifestieren und Einzelfälle, wie auch Absentes, hohen Stellenwert genießen.[132]

Mayring akzentuiert des Weiteren die Wichtigkeit von Kontexteffekten, Unvoreingenommenheit, Detailtreue und Transparenz für Analysen qualitativer Daten.[133] „Ziel der qualitativen Inhaltsanalyse ist es, durch einheitliche Analyseschritte und Analyseregeln eine Systematisierung und Überprüfbarkeit der Ergebnisse zu gewährleisten und zugleich zu vermeiden, in vorschnelle quantitative Kategorisierungen zu verfallen.“[134]

Qualitative Inhaltsanalysen segmentieren den Auswertungsprozess in Zusammenfassungs-, Explikations- und Strukturierungsphasen.

Zusammenfassung: Zunächst reduziert sich das Material auf Wesentliches, Extremes, Paradoxes und Konsistentes.

Explikation: Auf der zweiten Stufe werden selektierte Passagen anhand des Sinnzusammenhangs und wissenschaftlicher Erkenntnisse interpretiert.

Strukturierung: Schlussendlich strukturieren determinierte Ordnungskriterien die gedeuteten Rezeptionsmotive.[135]

Folglich prädisponiert das Motiv-Dimension-Modell das Ordnungskriterium für ein auf Scripted-Doku-Soaps zugeschnittenes MDM. Explorierte Motive strukturieren sich somit zum einen deduktiv (abhängig vom MDM), zum anderen induktiv (abhängig vom Material).

Die Inhaltsanalyse visiert also problemadäquate Modifikationen des MDM durch die systematische Reduktion qualitativer Daten unter konsequenter Berücksichtigung des intra-individuellen längsschnittlichen Kontexts“ an.[136]

Nachstehende Tabellen skizzieren intersubjektiv nachvollziehbare, von Fachautoren inspirierte Signale für Rezeptionsmotive, die bei Reduktionen und Explikationen empirischer Daten unterstützen.[137] [138] [139]

Affektive Dimension (Motive des emotionalen Kontextes)

Offensiv (emotionale Stimulationen) Defensiv (Vermeidung negativer Emotionen)

Keine funktionalen Alternativen; Keine besseren TV- Alternativen; Zeit totschlagen/überbrücken ; Beschäftigung

Ablenkung; Stress/Probleme vergessen; Alltagsflucht; Aufschub unangenehmer Tätigkeiten

5.3 Stichprobe

Stichproben gebührt spezielle Aufmerksamkeit, weil veränderte Stichproben qualitativer Untersuchungen stets veränderte Daten darbieten.

Anstelle umfangreicher, repräsentativer Fallzahlen priorisieren qualitative Forschungen möglichst informative und facettenreiche Stichproben.[140] Das Wissenschaftliche Projekt bedient sich zu diesem Zweck am non-probabilistischen Modus der absichtsvollen, bewussten Stichprobe und sonach der begründet kriterienorientierten (Kriterium: Vielseher) Selektion von Probanden.[141]

Aushänge in Bildungsstätten, Supermärkten sowie Tankstellen Lübecks, Dassows und Schönbergs (Meckl.) rekrutierten Vielseher des RTL-Nachmittagsprogramms, präziser: Personen, die wöchentlich mindestens drei Scripted-Doku-Soaps rezipieren.

[...]


[1] N.N.: Verdachtsfalle ganze Folgen, URL: http://www.etwasverpasst.de/programm/2469/rtl/42/verdachtsfalle.html#episodes [Stand: 27.6.2012].

[2] N.N.: Verdachtsfälle ganze Folgen, URL: http://www.etwasverpasst.de/programm/2469/rtl/29/verdachtsfalle.html#episodes [Stand: 27.6.2012].

[3] N.N.: Verdachtsfälle ganze Folgen, URL: http://www.etwasverpasst.de/programm/2469/rtl/35/verdachtsfalle.html#episodes [Stand: 27.6.2012].

[4] N.N.: Hartz-IV-TV, URL: http://www.stupidedia.org/stupi/Hartz-IV-TV [Stand: 27.6.2012].

[5] Riedner, Fabian: Mitten im Leben ist Assi-Fernsehen pur, URL: http://www.quotenmeter.de/cms/? p!=n&p2=27127&p3= [Stand: 8.5.2008].

[6] Wunder, Oliver Eric: Stereotype? Eine empirische Analyse von Charakteren in deutschen Scripted- Reality-Formaten, Lingen (Ems), HS Osnabrück, BA-Arb., 2012, S. 21.

[7] Pauer, Nina: Der produzierte Prolet., URL: http://www.zeit.de/2010/32/Dokusoaps [Stand: 9.8.2010].

[8] Vgl. N.N.: RTL Pressezentrum: Quoten im Januar 2012, URL: http://kommunikation.rtl.de/de/pub/aktuell/pressemitteilungen/detail_pressemitteilung.cfm? subpageobject_id=36449&subpagenumber=1 [Stand: 1.2.2012].

[9] Vgl. Veiel, Andres: "Das nenne ich Sozialporno"., URL: http://www.fr-online.de/medien/regisseur- andresveiel--das-nenne-ich-sozialporno-,1473342,4775704.html [Stand: 25.10.2010].

[10] Vgl. Pauer, Nina: Der produzierte Prolet., URL: http://www.zeit.de/2010/32/Dokusoaps [Stand: 9.8.2010].

[11] Vgl. Niggemeier, Stefan: Wenn der Zottel-Lehrer mit der Messie-Mutter..., URL:

http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,803846,00.html [Stand: 15.12.2011].

[12] Vgl. Schenk, Michael: Medienwirkungsforschung, 2. Aufl., Tübingen: Mohr Siebeck, 2002, S. 686.

[13] Detaillierte Abhandlungen zum Absatz in: Wunder, Oliver Eric: Stereotype? Eine empirische Analyse von Charakteren in deutschen Scripted-Reality-Formaten, Lingen (Ems), HS Osnabrück, BA-Arb., 2012.

[14] Vgl. Vorderer, Peter: Fernsehen als Handlung. Fernsehfilmrezeption aus motivationspsychologischer Perspektive, Berlin: Edition Sigma, 1992, S. 106 f. (= Empirische Literatur- und Medienwissenschaft), S. 15.

[15] Schweiger, Wolfgang: Theorien der Mediennutzung. Eine Einführung, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften / GWV Fachverlag, 2007, S. 15.

[16] Vgl. Irmer, Marion: Wissenschaftliche Mediennutzung. Erwartungen und Motive bei der Nutzung klassischer und elektronischer Rezeptions- und Publikationsplattformen, Berlin: LIT Verlag, 2011 (= Mediennutzung), S. 45 ff.

[17] Vgl. Schenk: Medienwirkungsforschung, a.a.O., S. 634 ff.

[18] Scheufele, Bertram / Engelmann, Ines: Empirische Kommunikationsforschung, Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft, 2009, S. 19.

[19] Vgl. Schweiger: Theorien der Mediennutzung, a.a.O., S. 65 f.

[20] Vgl. Vorderer: Fernsehen als Handlung, a.a.O., S. 18.

[21] Vgl. ebd.

[22] Vgl. Schenk: Medienwirkungsforschung, a.a.O., S. 630.

[23] Vgl. Schlütz, Daniela: Bildschirmspiele und ihre Faszination. Zuwendungsmotive, Gratifikationen und Erleben interaktiver Medienangebote, München: Verlag R. Fischer, 2002 (= Angewandte Medienforschung), zugl.: Hannover, HS für Musik und Theater, Diss., 2002, S. 42.

[24] Vgl. Vorderer: Fernsehen als Handlung, a.a.O., S. 93.

[25] Schlütz: Bildschirmspiele und ihre Faszination, a.a.O., S. 46.

[26] Vgl. Irmer: Wissenschaftliche Mediennutzung, a.a.O., S. 48.

[27] Vgl. Schlütz: Bildschirmspiele und ihre Faszination, a.a.O., S. 45.

[28] Vgl. ebd., S.43

[29] Vgl. Suckfüll, Monika: Rezeptionsmodalitäten. Ein integratives Konstrukt für die Medienwirkungsforschung, München: Verlag R. Fischer, 2004 (= Rezeptionsforschung), S. 23.

[30] Schlütz: Bildschirmspiele und ihre Faszination, a.a.O., S. 48.

[31] Vgl. ebd., S. 63.

[32] Vgl. Rubin, Alan: Die Uses-Gratifications-Perspektive der Medienwirkung, in: Angela Schorr (Hrsg.): Publikums- und Wirkungsforschung. Ein Reader, Wiesbaden: Westdeutscher Verlag, 2000, S. 138 f.

[33] Vgl. Trebbe, Joachim: Ethnische Minderheiten, Massenmedien und Integration. Eine Untersuchung zu massenmedialer Repräsentation und Medienwirkung, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2009, zugl.: Berlin, Freie Univ., Habil.-Schr., 2008, S. 64.

[34] Vorderer: Fernsehen als Handlung, a.a.O., S. 22.

[35] Vgl. Scheidt, Wolfgang: Affekt-Talks. Rezeptionsmotive und affektive Bewertung eines TV-Genres, Berlin: VISTAS Verlag, 2000 (= Beiträge zur Film- und Fernsehwissenschaft), S. 101.

[36] Vgl. Irmer: Wissenschaftliche Mediennutzung, a.a.O., S. 56.

[37] Vgl. Schenk: Medienwirkungsforschung, a.a.O., S. 627.

[38] Vgl. Schlütz: Bildschirmspiele und ihre Faszination, a.a.O., S. 45 / S. 75

[39] Vgl. Schenk: Medienwirkungsforschung, a.a.O., S. 637 ff.

[40] Vgl. Irmer: Wissenschaftliche Mediennutzung, a.a.O., S. 77.

[41] Vgl. ebd., S. 75.

[42] Vgl. Schweiger: Theorien der Mediennutzung, a.a.O., S. 88 f.

[43] Schlütz: Bildschirmspiele und ihre Faszination, a.a.O., S. 46.

[44] Vgl. ebd., S. 54.

[45] Vgl. Irmer: Wissenschaftliche Mediennutzung, a.a.O., S.79.

[46] Vgl. Schlütz: Bildschirmspiele und ihre Faszination, a.a.O., S. 51 f.

[47] Ebd., S. 46.

[48] Vgl. Schweiger: Theorien der Mediennutzung, a.a.O., S. 69 f.

[49] Vgl. Schlütz: Bildschirmspiele und ihre Faszination, a.a.O., S. 52 f.

[50] Vgl. Irmer: Wissenschaftliche Mediennutzung, a.a.O., S. 82.

[51] Vgl. Schlütz: Bildschirmspiele und ihre Faszination, a.a.O., S. 54.

[52] Vgl. Suckfüll,: Rezeptionsmodalitäten, a.a.O., S. 40.

[53] Vgl. ebd.

[54] Vgl. Schweiger: Theorien der Mediennutzung, a.a.O., S. 69.

[55] Vgl. Irmer: Wissenschaftliche Mediennutzung, a.a.O., S. 81.

[56] Vgl. Schenk: Medienwirkungsforschung, a.a.O., S. 676.

[57] Vgl. Schlütz: Bildschirmspiele undihre Faszination, a.a.O., S. 54.

[58] Vgl. Rössler, Patrick: Skalenhandbuch Kommunikationswissenschaft, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften / Springer Fachmedien, 2011, S. 10 f.

[59] Vgl. Irmer: Wissenschaftliche Mediennutzung, a.a.O., S. 164.

[60] Vgl. Scheidt: Affekt-Talks, a.a.O., S.113 ff.

[61] Vgl. Schlütz: Bildschirmspiele und ihre Faszination, a.a.O., S. 84.

[62] Vgl. Huber, Nathalie: Den Motiven auf der Spur. Chancen und Grenzen von qualitativen Studien zur Mediennutzung. Eine Einführung, in: Nathalie Huber / Michael Meyen (Hrsg.): Medien im Alltag. Qualitative Studien zu Nutzungsmotiven und zur Bedeutung von Medienangeboten, Berlin: LIT Verlag, 2006, S. 8.

[63] Vgl. Schlütz: Bildschirmspiele und ihre Faszination, a.a.O., S. 64.

[64] Vgl. Mikos, Lothar: Unterhält Unterhaltung? Überlegungen zur Unterhaltung als Rezeptionskategorie, in: Werner Wirth / Holger Schramm / Volker Gehrau (Hrsg.): Unterhaltung durch Medien. Theorie und Messungen, Köln: Herbert von Halem Verlag, 2006 (= Unterhaltungsforschung), S. 127.

[65] Vgl. ebd., S. 135.

[66] Vgl. ebd., S.131 ff.

[67] Wunder: Stereotype?, a.a.O., S. 5.

[68] Ebd., S. 6.

[69] Vgl. Früh, Werner: Theorie der Fernsehunterhaltung. Unterhaltung als Handlung, Rezeptionsprozess und emotionales Erleben, in: Werner Früh (Hrsg.): Unterhaltung durch das Fernsehen. Eine molare Theorie, Konstanz: UVK, 2002, S. 87 / S. 222 f.

[70] Vgl. Schweiger: Theorien der Mediennutzung, a.a.O., S. 80 f.

[71] Ebd., S. 130.

[72] Vgl. Schemer, Christian: Soziale Vergleiche als Nutzungsmotiv? Überlegungen zur Nutzung von Unterhaltungsangeboten auf der Grundlage der Theorie sozialer Vergleichsprozesse, in: Werner Wirth / Holger Schramm / Volker Gehrau (Hrsg.): Unterhaltung durch Medien. Theorie und Messungen, Köln: Herbert von Halem Verlag, 2006 (= Unterhaltungsforschung), S. 85.

[73] Vgl. ebd., S. 80 f.

[74] Wunder: Stereotype?, a.a.O., S. 9.

[75] Vgl. Martenstein, Harald: Der Sog der Masse., URL: http://www.zeit.de/2011/46/DOSMainstream/ seite-2 [Stand: 14.11.2011].

[76] Vgl. Schemer: Soziale Vergleiche als Nutzungsmotiv?, a.a.O., S. 82 ff.

[77] Vgl. Hartmann, Tilo: Parasoziale Interaktion und Beziehungen, 9 Bde., Bd. 3, Baden-Baden: Nomos, 2010 (= Konzepte. Ansätze der Medien- und Kommunikationswissenschaft), S. 9 ff.

[78] Vgl. ebd., S. 23.

[79] Wunder: Stereotype?, S. 11.

[80] Vgl. Hartmann: Parasoziale Interaktionen undBeziehungen, a.a.O., S. 13 ff. / S. 58.

[81] Wunder: Stereotype?, S. 12.

[82] Vgl. Hartmann: Parasoziale Interaktionen und Beziehungen, a.a.O., S. 16 /S.47/ S. 89.

[83] Vgl. ebd., S. 10.

[84] Vgl. Kaune, Katharina: Qualitative Techniken - Leitfadeninterview und Inhaltsanalyse, in: Axel Kaune (Hrsg.): Change Management mitOrganisationsentwicklung. Veränderungen erfolgreich durchsetzen, 2. Aufl., Berlin: Erich SchmidtVerlag, 2010, S. 136.

[85] Vgl. Kleining, Gerhard: Der qualitative Forschungsprozess, in: Gabriele Naderer / Eva Balzer (Hrsg.): Qualitative Marktforschung in Theorie und Praxis. Grundlagen - Methoden - Anwendungen, 2. Aufl., Wiesbaden: Gabler Verlag / Springer Fachmedien, 2011, S. 209.

[86] Vgl. Kaune: Qualitative Techniken, a.a.O., S. 148.

[87] Vgl. ebd., S. 136.

[88] Vgl. Kleining: Der qualitative Forschungsprozess, a.a.O., S. 209.

[89] Vgl. Reinders, Heinz: Qualitative Interviews mit Jugendlichen führen. Ein Leitfaden, München: Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2005, S. 42.

[90] Vgl. ebd., S. 38 f.

[91] Vgl. ebd., S. 34 ff.

[92] Vgl. Mey, Günter / Mruck, Katja: Qualitative Interviews, in: Gabriele Naderer / Eva Balzer (Hrsg.): Qualitative Marktforschung in Theorie und Praxis. Grundlagen - Methoden - Anwendungen, 2. Aufl., Wiesbaden: Gabler Verlag / Springer Fachmedien, 2011, S. 259.

[93] Reinders: Qualitative Interviews mit Jugendlichen führen, a.a.O., S. 100.

[94] Vgl. Mey / Mruck: Qualitative Interviews, a.a.O., S. 259.

[95] Vgl. Kaune: Qualitative Techniken, a.a.O., S. 140.

[96] Vgl. Mey/Mruck: Qualitative Interviews, a.a.O., S. 261.

[97] Vgl. ebd., S. 267.

[98] Vgl. Reinders: Qualitative Interviews mit Jugendlichen führen, a.a.O., S. 116 ff.

[99] Vgl. Kaune: Qualitative Techniken, a.a.O., S. 140.

100 Vgl. ebd., S. 121.

101 Vgl. Mey/Mruck: Qualitative Interviews, a.a.O., S. 268 f.

102 Vgl. ebd., S. 275.

103 Vgl. ebd., S. 269.

[104] Vgl. Reinders: Qualitative Interviews mit Jugendlichen führen, a.a.O., S. 219.

[105] Vgl. Mey / Mruck: Qualitative Interviews, a.a.O., S. 270 ff.

[106] Vgl. Reinders: Qualitative Interviews mit Jugendlichen führen, a.a.O., S. 118.

[107] Vgl. Mey / Mruck: Qualitative Interviews, a.a.O.,S. 277.

[108] Vgl. ebd., S. 273 f.

[109] Vgl. Kaune: Qualitative Techniken, a.a.O., S. 143.

[110] „Das Konstrukt der sozialen Erwünschtheit beschreibt die Tendenz, bei einer Befragung gesellschaftlich anscheinend akzeptierte Antworten zu geben.“

Rössler: Skalenhandbuch Kommunikationswissenschaft, a.a.O., S. 244.

[111] Vgl. Mey / Mruck: Qualitative Interviews, a.a.O., S. 283.

[112] Vgl. ebd., S. 278 f.

113 Vgl. ebd.,S. 279 f.

[114] Vgl. Reinders: Qualitative Interviews mit jugendlichen führen, a.a.O., S. 121 / S. 221 / S. 158.

[115] Vgl. ebd., S. 164 f.

[116] Vgl. Kaune: Qualitative Techniken, a.a.O., S. 143.

[117] Vgl. Reinders: Qualitative Interviews mit Jugendlichen führen, a.a.O., S. 122.

[118] Vgl. Mey / Mruck: Qualitative Interviews, a.a.O., S. 270 ff.

[119] Vgl. Reinders: Qualitative Interviews mit Jugendlichen führen, a.a.O., S. 153/ S. 167.

[120] Vgl. ebd., S. 163.

[121] Vgl. Naderer, Gabriele: Auswertung & Analyse qualitativer Daten, in: Gabriele Naderer / Eva Balzer (Hrsg.): Qualitative Marktforschung in Theorie und Praxis. Grundlagen - Methoden - Anwendungen, 2. Aufl., Wiesbaden: Gabler Verlag / Springer Fachmedien, 2011, S. 408.

[122] Vgl. Naderer: Auswertung & Analyse qualitativer Daten, a.a.O., S. 411.

[123] Vgl. ebd., S. 412.

[124] Vgl. Mey / Mruck: Qualitative Interviews, a.a.O., S. 280 f.

[125] Vgl. Reinders: Qualitative Interviews mit Jugendlichen führen, a.a.O., S. 122.

[126] Kaune: Qualitative Techniken, a.a.O., S. 144.

[127] Vgl. ebd.

[128] Vgl. Reinders: Qualitative Interviews mit Jugendlichen führen, a.a.O., S. 256.

[129] Vgl. ebd. S. 254 ff.

[130] Naderer: Auswertung & Analyse qualitativer Daten, a.a.O., S. 413.

[131] Vgl. ebd., S. 418.

[132] Vgl. Mayring, Philipp: Qualitative Inhaltsanalyse, in: Gerd Jüttemann (Hrsg.): Qualitative Forschung inder Psychologie, Heidelberg: Asanger, 1989, S. 190.

[133] Vgl. Naderer: Auswertung & Analyse qualitativer Daten, a.a.O., S. 432.

[134] Kaune: Qualitative Techniken, a.a.O., S. 145.

[135] Vgl. ebd., S. 146.

[136] Naderer: Auswertung & Analyse qualitativer Daten, a.a.O., S. 420.

[137] Vgl. Scheidt: Affekt-Talks, a.a.O., S. 113 ff.

[138] Vgl. Rössler: Skalenhandbuch Kommunikationswissenschaft, a.a.O., S. 10 ff.

[139] Vgl. Schenk: Medienwirkungsforschung, a.a.O., S. 643 f.

[140] Vgl. Schreier, Margrit: Qualitative Stichprobenkonzepte, in: Gabriele Naderer / Eva Balzer (Hrsg.): Qualitative Marktforschung in Theorie und Praxis. Grundlagen - Methoden - Anwendungen, 2. Aufl., Wiesbaden: Gabler Verlag / Springer Fachmedien, 2011,S.210/S. 245.

[141] Vgl. ebd., S. 244 f.

Details

Seiten
174
Jahr
2012
ISBN (Buch)
9783656239239
Dateigröße
1.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v197430
Institution / Hochschule
Universität Osnabrück – Insitut für Kommunikationsmanagement
Note
1,0
Schlagworte
Rezeptionsmotive Scripted-Reality Mediennutzungsforschung Uses-and-Gratifications Sripted-Doku-Soaps MDM Motiv-Dimensionen-Modell Dimensionen von Motiven Ebenen von Rezeptionsmotiven Ebenen von Motiven Dimensionen von Rezeptionsmotive Hartz 4 TV Hartz-IV-TV Familien im Brennpunkt Verdachtsfälle Mitten im Leben

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Titel: Faszination der inszenierten Realität.