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Die Projektmethode nach Frey

Hausarbeit 2011 18 Seiten

Pädagogik - Allgemeine Didaktik, Erziehungsziele, Methoden

Leseprobe

Gliederung

Vortrag und Hausarbeit Einleitung

I. Annaherung und Kritik

II. Die sieben Komponenten
2.1 Projektinitiative
2.2 Auseinandersetzung
2.3 Gemeinsame Entwicklung
2.4 Durchfuhrung und Abschluss
2.5 Fixpunkte und Metainteraktion

III. Lernwirksamkeit

IV. Fazit

Vortrag und Hausarbeit

Mein Vortrag sollte eine Verbindung der letzten Sitzung mit dem Thema "Selbstandiges Lernen" haben und der Einstieg in den Block zu Projekten sein. In meinem Vortrag habe ich mich auf die Darstellung der Projektmethode nach Frey konzentriert. Der Fokus lag darauf, meinen Kommilitonen eine moglichst klare und anschauliche Vorstellung der Komponenten und des Ablaufs eines Projekts nach Frey zu geben. Da in den folgenden Wochen Beispiele diskutiert wurden, wollte ich nicht zu sehr auf die Praxis vorgreifen. Daher stellte ich das Grundmuster und die einzelnen Komponenten am Beispiel des Projekts "Europa in der Grundschule vor". AbschlieGend informierte ich auf Basis einiger empirischer Untersuchungen uber erste Erkenntnisse der Vor- und Nachteile von Projekten in der Schule. Mein Handout hatte ich vor meinem Vortrag ausgeteilt, um eine Ubersicht uber die Struktur des Referats zu geben. Den Text hatte ich als Luckentext verfasst, zentrale Begriffe sollten von den Zuhorern erganzt werden. Diese Begriffe fragte ich nach dem Vortrag ab.

Die Ruckmeldung der Kommilitonen ergab, dass meine Ziele weitgehend erreicht wurden. Positiv wurde die ubersichtliche Gliederung und die gelungene Veranschaulichung der einzelnen Komponenten hervorgehoben. Kritisiert wurde der zu schnelle mundliche Vortrag. Der Seminarleiter merkte noch an, dass mir die kritische Auseinandersetzung und Hinterfragung des Ansatzes von Frey nur teilweise gelungen war. Das war aber gar nicht das vorrangige Ziel meines Vortrags gewesen, sondern soll auf den folgenden Seiten geschehen.

Immer mehr Lehrer und Schuler empfinden die Schule als eingeengt. Eine Moglichkeiten alte Verhaltensmuster aufzubrechen, ist die Projektmethode. Mit der Durchfuhrung von Projekten kann an einer Schule ein Prozess angestoGen werden, der allen Beteiligten die Moglichkeit gibt, neue positive Erlebnisse zu machen und vielleicht danach sogar die Schule mit anderen Augen zu sehen. So bieten sich nach Jager Moglichkeiten zur Verwirklichung humaner Ziele der Reformpadagogik: Personlichkeitsentwicklung und Solidaritat, Individualitat, Selbst- und Mitbestimmung, Ernstcharakter, Kreativitat, Produktivitat und Kooperation[1]. Projektarbeit bedeutet Erfahrungslernen im Sinne von handlungsorientiertem Lernen. Dabei kann man das Handeln als antizipatorisches Handeln verstehen, weil gemachte Erfahrungen verarbeitet werden und in zu machender Erfahrung alltaglicher Wirklichkeit wieder eingesetzt wird. Fremdwissen wird mit einbezogen und verarbeitet. AuGerdem vollzieht sich das Handeln als geplante Interaktion in der Wirklichkeit. Im Gegensatz zum Einleitung2 gewohnlichen Unterricht geht die Projektmethode vom Wissen und den Erfahrungen der Schuler aus, ermoglicht neue Erfahrungen, greift Informationen auf und strukturiert diese neu. Durch die eigenstandige Planung und Entscheidungsfindung sollen die Schuler gleichzeitig Freiheit und Motivation erleben.

In der Theorie bietet die Methode Moglichkeiten zum Lernen auf vielen Ebenen: motivational, inhaltlich, methodisch, kommunikativ, sozial, selbstandiges Lernen bis hin zur Mundigkeit. Allerdings hat die Methode auch Schwachen und ist im Kontext Schule nicht eins zu eins umzusetzen. Dies liegt an den besonderen Umstanden der Institution Schule und an der der Projektmethode selbst. Nach Meinung des Autors ist die Theorie der Projektmethode nach Frey dennoch die sinnvollste, die es bislang gibt. Daher konzentriert sich die Arbeit auf die Darstellung dieser Theorie, hinterfragt sie aber auch kritisch (u.a. S.5f, S.10) und auf Basis empirischer Ergebnisse.

Die Kernfragen lauten: Welche Elemente hat die Projektmethode? Was sind ihre Starken und Schwachen? Sind die einzelnen Komponenten prinzipiell geeignet, die Ziele zu verwirklichen? Was sagen empirische Untersuchungen uber Projekte in der Schule aus? Wie sieht es mit der Lernwirksamkeit aus? Im ersten Abschnitt wird eine Annaherung und prinzipielle Kritik der Methode unternommen. Im zweiten Abschnitt werden das Grundmuster und die Komponenten prasentiert. Jede der Komponenten wird dabei kritisch hinterfragt. Im dritten Abschnitt wird die Verwendung von Projekten in der Schule besprochen sowie Nutzen und Grenzen bezogen auf die Lernwirksamkeit in der Empirie diskutiert. Die theoretischen Moglichkeiten der Methode aus dem zweiten Abschnitt und wie sie in der Praxis umgesetzt werden, sollen dann im Inhalt des abschlieGenden Fazits zusammen gefuhrt werden.

I. Annaherung und Kritik

Die Projektmethode greift Elemente des selbstandigen Lernens - selbstandige Bestimmung des Lernziels, der Lernzeit, Lernmethode, Lernkontrolle sowie soziales Lernen, Kommunikation und Metakognition - auf und verbindet sie. Im Zentrum dieser Arbeit steht die Projektmethode im schulischen Zusammenhang. In der neueren Forschung gibt es dazu vor allem drei Konzepte. Bei Bernhard Suin de Boutemard geht es um die Veranderung der gesellschaftlichen Prozesse. Er definiert keine feste Verlaufsstruktur[2]. Bei der Theorie von Dagmar Hansel steht die Hoherentwicklung des Individuums im Vordergrund, bei Frey die Bildung. Diese drei Ansatze haben eins gemeinsam: Sie verstehen sich als Kritik an konservativem Frontalunterricht. Das Ziel ist es, die Schuler sich selbst bilden zu lassen. Durch praxisnahe Verbindung von bestehendem und neuem Wissen, Handlung und Recherche, Einzel- und Zusammenarbeit sollen die Schuler mehr und effektiver lernen. Wie Krause / Eyerer konstatieren, sind Projekte eine der wenigen Moglichkeiten, in denen Schuler praxisnah und mit Ernstcharakter arbeiten konnen[3]. Inhaltliche, methodische, kooperative und soziale Kompetenzen erwerben sie sozusagen nebenbei. Diese Arbeit greift den Ansatz von Frey auf, er hat gegenuber den anderen Theorien einen Vorteil: Er ist konkret und anschaulich, bietet aber dennoch Flexibilitat. Frey teilt den Ablauf eines Projekts in funf Abschnitte ein: Initiative, Auseinandersetzung, Entwicklung, Durchfuhrung, Abschluss, Fixpunkte und Metainteraktion.

Dieses Grundmuster soll flexibel angewendet werden. Das erste Kennzeichen eines Projekts ist, dass eine Gruppe von Lernenden ein Gebiet bearbeitet[4]. Entscheidend ist dabei, dass die Gruppe das Gebiet selbst ausgewahlt hat. Zum Anderen plant die Gruppe ihre Aufgaben und Arbeiten selbst und fuhrt sie auch aus. Am Ende steht oft ein sichtbares Produkt. AuGerdem erstreckt sich das Projekt meist uber mehrere zusammenhangende Stunden. Die selbstandige Auswahl und die gemeinsame Entwicklung des Betatigungsgebietes nach Interessen und Fahigkeiten die Teilnehmer sind elementare Bestandteile. Weitere Kennzeichen sind die Verstandigung uber geplante Betatigungen, die Entwicklung des genauen Betatigungsfeldes sowie dass nach einer Phase der verstarkten Aktivitat das Projekt zu einem sinnvollen Ende gefuhrt wird[5]. Man unterscheidet zwischen Kleinprojekten (ca. 2-6 Stunden), Mittelprojekten (1­2 Tage bis 40 Arbeitsstunden) und GroGprojekten (uber eine Woche). In der Schule findet man vor allem Kleinprojekte und Mittelprojekte, z.B. in Form einer Projektwoche. Etymologisch setzt sich der Begriff der Projektmethode folgendermaGen zusammen: Projekt (Lat. projicere) bedeutet „entwerfen“, „planen“, „sich vornehmen"; Methode (gr.) steht fur „Weg der Untersuchung"; „Weg, das anzugehen, was man sich vorgenommen hat“. Damit druckt der Begriff schon viel von dem aus, was dahinter steckt. Von projektartigem Lernen oder projektorientiertem Unterricht spricht man, wenn nur Teile der sieben Komponenten umgesetzt werden.

Lauft ein Projekt nach den MaGstaben der Projektmethode ab, fuhren die Teilnehmer eine Vielzahl von Tatigkeiten durch. Sie greifen die Projektinitaitive auf und verstandigen sich auf Umgangsformen. Dabei befassen sie sich mit aktuellen Fragen und / oder realen Situationen. Zudem setzen sie sich selbst Ziele, organisieren, planen und teilen die Tatigkeiten in einem gemeinsam vereinbarten Zeitrahmen. Wahrenddessen informieren sie sich in gewissen Abstanden gegenseitig und arbeiten Prozesse sowie Konstellationen auf. Dafur mussen sie selbst Methoden fur die Auseinandersetzung mit Aufgaben und Problemen finden, sie spuren Spannungen und Konflikte auf und helfen sich gegenseitig.

Fur Frey sind "alle Erscheinungen unseres Lebens sowie der naturlichen und hergestellten Umwelt wurdig, Gegenstand einer Projektinitiative zu werden"[6]. Anders als fur viele seiner Kollegen spielen fur ihn Merkmale wie Gesellschaftsrelevanz, Umweltbezug oder Interdisziplinaritat keine Rolle. Von vielen wird das als Schwache der Theorie betrachtet, dabei ist es die eigentliche Starke. Beschrankt man den Rahmen moglicher Projekte, z.B. auf solche die gesellschaftsrelevant sind, dann wird die freie Wahl des Themas eingeschrankt. Wichtiger ist, dass das Thema fur die Schuler relevant ist. AuGerdem sollen die Schuler ja zur Selbstandigkeit und Mundigkeit erzogen werden und durfen gesellschaftlichen Normen widersprechen.

Der Grundansatz lautet, eine Situation zu schaffen, in der jemand etwas lernen mochte. Das ist jedoch aus mehreren Grunden schwer in den Kontext Schule zu ubertragen. Zum Einen ist der Lehrplan festgeschrieben. Frey bietet dafur einige Methoden an, um die enge Thematik auf ein weiteres Feld auszuweiten. Diese Methoden losen das Dilemma aber nicht. Wie sollen sich Schuler fur ihr Projekt begeistern, wenn sie es doch nicht frei wahlen konnen, sondern nur aus einem gewissen Bereich? Die Empirie hat gezeigt, dass die Schuler das Projektthema oft nur als das kleinste Ubel betrachten. Ein solches Projekt kann die eigentlichen Ziele des Projektlernens - wenn uberhaupt - nur teilweise erreichen. Eine mogliche Losung fur dieses Dilemma ist die freie Wahl eines facherubergreifenden Projektes. Aufgrund der groGeren Auswahl an Themengebieten steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass die Schuler ein Thema bearbeiten, was sie auch wirklich interessiert. Eine andere Moglichkeit ist eine Projektwoche, beispielsweise am Ende des Schuljahres, in dem die Schuler sich ein eigenes Thema frei auswahlen. Ein weiteres Dilemma ist, dass ein Projektthema vielleicht einzelne Schuler interessiert, andere aber nicht. Dieses Problem ist nur schwer zu losen, eine Moglichkeit ist die Durchfuhrung mehrerer Projekte. Eine andere Moglichkeit ist, die Verteilung der Aufgaben so zu gestalten, dass jeder sich angesprochen fuhlt. Dafur bietet die Projektmethode nach Frey zahlreiche Moglichkeiten. So bestimmen die Teilnehmer der Projektmethode Lernziel, Lernzeit und Lernmethode selbst. Den Schulern wird dadurch mehr Freiraum zum Finden von Tatigkeiten, die sie interessieren gegeben.

Auch die Durchfuhrung und der Abschluss des Projektes sind diskussionswurdig. So bietet die Methode zwar viele Ansatzpunkte, die Selbstorganisation und selbstreguliertes Lernen zu verwirklichen, enthalt aber keine MaGnahmen, was zu tun ist, wenn dies nicht funktioniert. Besonders in der Schule wird es eher die Regel sein, dass einige Schuler sich kaum beteiligen und die anderen die Arbeit machen lassen. Ob die Schuler selbst zur Losung dieser Probleme in der Lage sind, muss bezweifelt werden. AuGerdem herrscht in der Schule wegen der Benotung eine Fixierung auf das Endprodukt. Genau diese Fixierung beeintrachtigt aber die - eigentlich gewunschte - freie Entfaltung der Schuler. Es besteht die Gefahr, dass die Schuler das ganze Projekt nur auf das Produkt beziehen. So erlernen sie vielleicht den ein oder anderen Inhalt oder eine Fahigkeit, kommen der Selbstandigkeit und Mundigkeit aber keinen Schritt naher. Dann ist das Projekt nur eine andere Form des herkommlichen Unterrichts. Auch dafur gibt es Losungen: andere Formen der Benotung oder auch mal ein Projekt ohne Noten. Letztlich kann man ein Lernen aus reiner Motivation, vollig ohne den Bezug zur Note wohl nie ganz erreichen. Schafft man es aber, den Anteil der Eigenmotivation so hoch wie moglich zu schrauben, hat man ja schon viel erreicht.

Kritisch ist auch zu sehen, dass in der Realitat die Schuler nicht gleich alle Komponenten alleine durchfuhren konnen. Dafur bietet Frey ein Repertoire an Hilfestellungen in jeder Phase an, die weiter unten vorgestellt werden. Wie vertragt sich das aber mit dem Ziel der Selbstandigkeit? Nach Meinung des Autors dieser Arbeit gut, denn das Ziel soll ja nach Frey immer die Anwendung aller Komponenten sein. Um die komplexe Methode zu beherrschen, mussen Schuler und Lehrer sie erst einmal erlernen. Und dies kann eben nur in Schritten erfolgen. Dafur bietet Frey jeweils Hilfen an, die es den Schulern ermoglichen nach und nach alle Phasen selbst durchzufuhren. Dem Lehrer helfen sie bei ersten Projekten ein gewisses Niveau zu sichern.

II. Die sieben Komponenten

Die sieben Komponenten der Projektmethode nach Frey sind: Projektinitiative, Auseinandersetzung, gemeinsame Entwicklung des Betatigungsfeldes, verstarkte Aktivitat / Durchfuhrung, Abschluss, Fixpunkte sowie Metainteraktion / Zwischengesprach[7]. Dieses Grundmuster soll nicht starr angewendet werden, sondern flexibel und individuell. Es kann zunachst mit ein oder zwei Komponenten begonnen werden. Die anderen Komponenten werden vom Lehrer vorgegeben. So konnte ein Lehrer das grobe Themengebiet vorschlagen, den Zeitrahmen des Projekts bestimmen oder den Schülern bei der Organisation untereinander helfen. Viele Schulen geben z.B. eine feste Projektwoche vor.

[...]


[1] Jäger, Otto: Projektwoche, S. 21ff.

[2] Apel, Hans-Jürgen und Knoll, Michael: Aus Projekten lernen, S. 47.

[3] Krause, Dorthe und Eyerer, Peter: Projektarbeit mit Ernstcharakter, S. 88f.

[4] Frey, Karl: Die Projektmethode, S. 13.

[5] Ebd., S. 16.

[6] Frey, Karl: Die Projektmethode, S. 56.

[7] Frey, Karl: Die Projektmethode, S. 55ff.

Details

Seiten
18
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656236245
ISBN (Buch)
9783656240686
Dateigröße
558 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v197469
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – Institut für Pädagogik der Sekundarstufe
Note
1,3
Schlagworte
Projekt Projekte Projektmethode Methode Reformpädagogik Praxis Praxisnähe Prinzipien Unterrichtsform Unterricht Schule Frey Karl Umsetzung Phasen Stufen Anleitung Planung Aufbau Ergebnisse Lernen Wirksamkeit Lernwirksamkeit Methodischer Aufbau Projektorientierter Unterricht projektartiger Unterricht sieben Komponenten Projektinitiative Auseinandersetzung gemeinsame Entwicklung Durchführung Abschluss Fixpunkte Metainteraktion Offener Unterricht offen progressiv modern

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