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Pina Bausch und ihre Reise durch das Tanztheater

Studienarbeit 2012 15 Seiten

Theaterwissenschaft, Tanz

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Das Tanztheater

3 Person Pina Bausch
3.1 Kunst und Arbeitsweise

4Schluss - Besonderheiten

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Tanz. „Rhythmische Bewegung des menschlichen Körpers, meist von Musik begleitet. Der Tanz zählt zu den elementaren Lebensäußerungen des Menschen.“[1] Malereien in französischen und spanischen Höhlen von Menschen, die durch rhythmische Bewegungen Tiere in ihren Bann ziehen,um einen guten Jagderfolg zu erzielen, zeigen, dass die körperliche Ausdrucksform bereits in der Steinzeit eine Rolle spielte.Seit Jahrtausenden tanzen die Menschen aller Kulturen, um in Zeremonien Geister und Dämonen zu beschwören, eine Verbindung mit dem Göttlichen einzugehen oder um ihren Emotionen mit der Sprache des Körpers Ausdruck zu verleihen. Tanz wird als eine universelle Sprache angesehen.Seit dem Mittelalter unterteilte sich der Tanz in die Volkstänze der unterdrückten Klassen und in die höfischen Gesellschaftstänze der Herrschenden. In der Zeit des bürgerlichen Aufstiegs begann sich der Tanz als eigene Kunstform zu etablieren, die ihre ästhetische Form stetig weiterentwickelt, sich den kulturellen und gesellschaftlichen Gegebenheiten anpasst und somit die charakteristischen Züge und die Gefühlswelt eines Volkes einer bestimmten Zeit widerspiegelt. „Der Tanz als Ursprung menschlicher Ausdrucksformen ist in seiner langen, bewegten Geschichte durch die kulturhistorischen und zeitgeschichtlichen Entwicklungsprozesse und den gesellschaftlichen Wandel der jeweiligen Epoche maßgeblich geprägt worden.“[2] Mit dem ständigen Wandel einer Gesellschaft ändern sich auch ihre Kunstformen.In den Zwanzigerjahren bildete sich in den USA der „Modern Dance“ und in Deutschland der „Ausdruckstanz“ heraus. Im Gegensatz zu den stilisierten und festgelegten Bewegungsfolgen des klassischen Balletts gibt es bei diesen neuen auch genannten „freien Tänzen“ keine geregelten Vorgaben, der Tänzer soll sich mit Hilfe jedes einzelnen Körperteils und spontanen Bewegungen äußern und entfalten können. Hintergrund der Herausbildung dieser neuen Form war die Entwicklung hin zur industriellen Massengesellschaft und die miteinhergehende Veränderung der Lebensqualität der Menschen, beispielsweise die Unterdrückung des Individuums. Haltungen und Lebenseinstellungen wandelten sich und man begann als überholt empfundene Denkweisen abzulehnen. Dieser Protest wurde im Ausdruckstanz, dersich bewusst vom traditionellen Ballett distanzierte, deutlich.Die Choreographin Martha Graham entwickelte in den Dreißiger- und Vierzigerjahrengesellschaftskritische Stücke mit dem Ziel, negative geschichtliche Zeitabschnitte wie den des Ersten Weltkrieges oder den der Weltwirtschaftskrise tänzerisch zu verarbeiten und nicht durch harmonische Tanzformen von Konflikten abzulenken.Grahams choreographischer Ansatz ähnelt dem von Pina Bausch, die in den Siebzigerjahren einen neuen Tanzstil entwickelte: Das Tanztheater.Pina „hat…mit ihrem Tanztheater den Begriff des Tanzes selbst revolutioniert und neu definiert.“[3]

In dieser Arbeit möchte ich die wichtige Rolle von Pina Bausch, eine der erfolgreichsten Choreographinnen des 20. Jahrhunderts, für die Entwicklung der Tanzkunst deutlich machen

Im Folgenden werde ich auf die Besonderheiten des Tanztheaters eingehen, auf den Werdegang von Pina Bausch sowie auf ihre spezielle Arbeitsweise und ihre eingesetzten künstlerischen Stilmittel, die dem Tanztheater seinen eigentümlichen und unvergleichlichen Charakter verliehen haben.Diese Hausarbeit soll einen Überblick über die Besonderheiten des Tanztheaters der Choreographin geben und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

2 Das Tanztheater

„Im Tanztheater mit seinen phantastisch-realen Grenzgängen arbeiten Herz und Verstand Hand in Hand.“[4]

Diese neue Form des Tanzes bildete sich in Deutschland in den Sechzigerjahren heraus, der Begriff „Tanztheater“ festigte sich allerdings erst in den Siebzigerjahren. Zu Beginn beschrieb er allerdings keinen Tanzstil, sondern Ensembles, die sich meist aus jungen Choreographen zusammensetzten und eine neue Bewegungssprache als Gegenreaktion zum „Traditionalismus des klassischen Tanzes und seiner als ausdrucksarm empfundenen Bewegungssprache“[5] entwickelten. Trotzdem lehnt sich die Form des Tanztheaters an das klassische Ballett sowie an den amerikanischen Modern Dance und den deutschen Ausdruckstanz an. In diesem neuen Verständnis von Tanzästhetik rückt der Individualismus, die Körpersprache des jeweiligen Tänzers, in den Vordergrund. Wichtig istnicht mehr die Choreographie an sich, sondern die persönliche wirkliche Erfahrungdes Tänzers. Die Choreographie dient im Tanztheater mehr als Instrumentfür die Vermittlung von realen Zuständen. „Es zieht den, manchmal >verschleierten<, gesellschaftlichen Verhaltensmustern die Maske vom Gesicht und offenbart sie in ihrer wahren, untrügerischen Wirklichkeit.“[6] Das Tanztheater will das Publikum durch die Spiegelung der Realität mittels der Collagetechnik, in der verschiedenste künstlerische Ausdrucksformen wieBewegung, Raum, Musik, Licht, Farbe und Ton eingesetzt werden können, zum Hinterfragen von gesellschaftlichen Konventionen anregen. Bei der Auswahl der unterschiedlichen Ausdrucksmittel gibt es beim Tanztheater keine Vorgaben. So werden beispielsweise Medien wie Videos in Aufführungen integriert und verschiedene Arten von Musik eingesetzt, von Schlagern, über Klassik bis hin zur Popmusik.

Durch die vorurteilsfreie Darstellung der Alltagswelt durch die Tänzer wird das Publikum emotional mit einbezogen, wobei die individuellen Erfahrungen eines jeden Zuschauers seine Rezeption des Stückes beeinflussen und somit jeder etwas anderes in einem Stück sehen kann.Für die Zuschauer und auch für die Tänzer ist eine Aufführung ein Prozess, eine Entdeckung des eigenen Inneren, ein individuelles Verstehen von Zuständen. „Erst das Erproben und Erfahren dessen, was geht und nicht geht, was einen dem Glück näher bringt und was einen von ihm entfernt, klärt die Lage.“[7] Im Tanztheater weiß das Ensemble nicht mehr als sein Publikum, es gibt keine festgelegte Richtung für die Interpretation des Inhaltes.Nichts wird deutlich benannt, das Theater nähert sich mithilfe von Abbildern und Metaphern an eine Idee an, somit wird Raum gelassen für verschiedene Lösungsmöglichkeiten. „Die Dinge, die wir für uns selbst entdecken, sind das Wichtigste.“[8] Häufige Themen beim Tanztheater sind, so auch bei Pina Bausch, konventionelle Vorstellungsbilder und dasVerhältnis der Geschlechterrollen. Die physische und mentale Energie, die diese Vorstellungsbilder hervorrufen, wird von den Tänzern in choreographische Bewegungen umgewandelt,welche die Zuschauer erfahren und verstehen können.Die verschiedenen Stücke entstehen durch eine spezielle Arbeitsweise, bei der die Choreographen die Gefühle und Geschichten der Tänzer miteinbeziehen; Inhalte und Bewegungen werden vom gesamten Ensemble kreiert und erhalten somit einen vieldimensionalen Charakter. Diese Methode wurde besonders von Pina Bausch beherzigt, die als Pionierin des Tanztheaters gilt.

3 Person Pina Bausch

„Das schmale Madonnengesicht ist blaß und wirkt durchgeistigt, die dunklen Augen schauen das Gegenüber ernst und forschend an. Sie spricht langsam und unaufgeregt, wie es ihre Art ist, manchmal zögerlich, aber nicht zurückhaltend. Ihre Gedanken scheinen sich beim Sprechen zu verfestigen; die Sprache bewegt sich in Ellipsen um ein Zentrum und kreist etwas ein, das die Sprechende so direkt nicht benennen kann und auch gar nicht benennen möchte.“[9]

Philippine Bausch, von frühester Kindheit an Pina genannt, wurde am 27. Juli 1940 in Solingen geboren. Sie wuchs in einer vielbeschäftigten Gastwirtfamilie auf und war deshalb schon als Kind oft auf sich alleine gestellt, die Abende verbrachte sie meist im Wirtshaus der Eltern.Ihre ersten tänzerischen Erfahrungen machte sie im Kinderballett, zu dem sie von ihren Eltern geschickt wurde.In der Zeit trat sie bereits in Operetten auf. Pina selber sagte: „Von Kindheit an war der Tanz extrem wichtig für mich. Im Tanz konnte ich alle Gefühle ausdrücken, die ich mit Worten nicht sagen konnte.“[10] Mit vierzehn Jahren begann Pina ein Studium des Bühnentanzes und der Tanzpädagogik an der Folkwang Hochschule in Essen, die damals von Kurt Jooss geleitet wurde. Dieser lehrte das individualistisch geprägte Tanzverständnis auf der Basis des klassischen und modernen Tanzes. Im Jahr 1958 hatte sie ihr Examen mit der Auszeichnung des „Folkwang Leistungspreises“ bestanden. Mithilfe eines Stipendiums des Deutschen Akademischen Austauschdienstes konnte sie mit achtzehn Jahren für zwei Jahre an der Juilliard School of Music in New York studieren. In dieser Zeit lernte und arbeitete sie mit namhaften Tänzern und Choreographenzusammen und hatte Engagements beim New American Ballet sowie beim Ballett der Metropolitan Opera New York. Die Vielfalt der Großstadt unddie unzähligen Menschen mit ihren verschiedenen Mentalitäten faszinierten und inspirierten Pina.

[...]


[1] Dtv-Brockhaus-Lexikon. Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co.KG, München 1982, Seite 85, unter Begriff „Tanz“

[2] Schulze-Reuber, Rika: Das Tanztheater Pina Bausch: Spiegel der Gesellschaft. 2. Auflage, R.G. Fischer Verlag, Frankfurt/ Main 2008,Seite15, Zeile 3-6

[3] Servos, Norbert: Pina Bausch. Tanztheater. K. Kieser Verlag, Dr. Klaus Kieser, München 2003, Seite 11, Zeile 3-5

[4] Servos, Norbert: Pina Bausch. Tanztheater. K. Kieser Verlag, Dr. Klaus Kieser, München 2003, Seite 11, Zeile 26-28

[5] Vgl. Schulze-Reuber, Rika: Das Tanztheater Pina Bausch: Spiegel der Gesellschaft. 2. Auflage, R.G. Fischer Verlag, Frankfurt/ Main 2008, Seite 36. Zeile 11-12

[6] Schulze-Reuber, Rika: Das Tanztheater Pina Bausch: Spiegel der Gesellschaft. 2. Auflage, R.G. Fischer Verlag, Frankfurt/ Main 2008, Seite 37, Zeile 21-22

[7] Servos, Norbert: Pina Bausch. Tanztheater. K. Kieser Verlag, Dr. Klaus Kieser, München 2003, Seite 12, Zeile 33-35

[8] Servos, Norbert: Pina Bausch. Tanztheater. K. Kieser Verlag, Dr. Klaus Kieser, München 2003, Seite 16, Zeile 34-35

[9] Schmidt, Jochen: Pina Bausch. „Tanzen gegen die Angst“. 4. Auflage, Econ Ullstein List Verlag GmbH & Co.KG, München 2002, Seite 11, Zeile 25-32

[10] The 2007 Kyoto Prize Workshop in Arts and Philosophy: Pina Bausch: Etwas finden, was keiner Frage bedarf. Inamori Foundation, 12.11.2007, Seite 2, Zeile 1-2

Details

Seiten
15
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656236191
ISBN (Buch)
9783656240273
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v197489
Institution / Hochschule
Fachhochschule Potsdam
Note
1,0
Schlagworte
Pina Pina Bausch Pina Bausch und ihre Reise durch das Tanztheater Tanztheater Tanz Ausdruckstanz Wuppertaler Tanztheater

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Titel: Pina Bausch und ihre Reise durch das Tanztheater