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Das Prinzip der Nützlichkeit

Rawls Kritik an den Prinzipien des Utilitarismus

Hausarbeit 2008 11 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Grundannahmen des Utilitarismus

Rawls Kritik am Utilitarismus

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Mit seiner „Theorie der Gerechtigkeit“ gelang John Rawls 1971 ein bedeutendes Werk der politischen Philosophie. Diese „argumentativ dichteste und elaborierteste Theorie der politischen und sozioökonomischen Gerechtigkeit“[1] wird von der Fachwelt der politischen Philosophie oftmals in einem Atemzug mit den Werken von Aristoteles, Hobbes, Rousseau und Kant genannt und ist eines der wohl meist untersuchten Werke der politischen Theorie und Ideengeschichte überhaupt.

Rawls kreierte eine interdisziplinäre Theorie, die die Felder der praktischen Philosophie über die Moral-, Rechts- und Sozialphilosophie bis hin zu den Wirtschaftswissenschaften umspannt.[2] Der frühere Harvard Professor sah sein Werk dabei als Gegensatz zu der bis dato vorherrschenden und dominierenden Strömung der politischen Philosophie des angloamerikanischen Raums: Dem Utilitarismus.[3]

In der hier vorliegenden Arbeit soll eine Darstellung des Utilitarismus sowie eine Erläuterung der wesentlichen Kritikpunkte von Rawls Theorie der Gerechtigkeit an eben jenem versucht werden. Die Darstellung des Utilitarismus wird vorangestellt, ehe die zentralen Kritikpunkte vorgetragen werden. Als Leitthese dient die Annahme, dass obwohl Rawls sein Werk als Gegenstück und Widerspruch gegen den Utilitarismus sah[4], es dennoch einige nicht unwesentliche Gemeinsamkeiten in beiden Ansätzen gibt.

Als Literaturquellen dienen die ursprünglichen Grundlagen beider Theorien, Rawls „Theorie der Gerechtigkeit“ sowie Jeremy Benthams „Introduction to the Principles of Morals and Legislation“ aus Otfried Höffes Sammelband („Einführung in die utilitaristische Ethik“) und Mills Werk „Utilitarismus“. Außerdem wurde erläuternde Sekundärliteratur unter anderem von Wolfgang Kersting („John Rawls zur Einführung“) und Egon Engin-Deniz („Vergleich des Utilitarismus mit der Theorie der Gerechtigkeit von John Rawls“) herangezogen.

Die Kenntnis über Konzeption und Inhalte der „Theorie der Gerechtigkeit“ wird für das Verständnis der vorliegenden Arbeit vorausgesetzt, da jegliche Erläuterungen dieser Theorie den Rahmen der Arbeit deutlich überschreiten würden. Für die Argumentation der Kritik von Rawls am Utilitarismus wird auf die Sekundärliteratur von Kersting und Engin-Deniz zurückgegriffen.

Grundannahmen des Utilitarismus

„Wähle unter den dir von der Situation zur Verfügung gestellten Handlungsmöglichkeiten diejenige aus, die für das Glück und Wohlergehen aller am förderlichsten ist.“[5]

Der Utilitarismus ist keine Theorie im eigentlich Sinne sondern vielmehr eine erweiterte Verbindung verschiedener Prinzipien. Einer der vier Leitgedanken des Utilitarismus ist das Hedonismusprinzip, welches sich als älteste Leitlinie auf Ansätze der antiken Ethik von Aristipp und Epikur zurückführen lässt. Das Universalprinzip[6] hingegen hat seine Wurzeln im frühen Christentum und stellt die zweite zentrale Annahme dar. Die anderen beiden Prinzipien, das Konsequenzen- und Utilitätsprinzip, komplettieren die Grundannahmen, die zusammen genommen die Essenz des klassischen Utilitarismus verkörpern.[7]

Das Hedonismusprinzip definiert das Gute als das Angenehme und macht den Utilitarismus zur teleologischen Ethik, einer Ethik, die die Verfolgung eines bestimmten Ziels vorgibt, welches das Individuum im ursprünglichen Sinne und die Gemeinschaft im erweiterten utilitaristischen Sinne, nicht ablehnen darf.[8] Dieser teleologische Ansatz steht im Gegensatz zu den deontologischen Theorien, beispielsweise von Kant, da er nicht fordert einem festgelegten Regelwerk akribisch zu folgen.[9] Die hedonistische Grundannahme des Utilitarismus besagt, dass Handlungen moralisch richtig sind, wenn sie das Glück – also das Angenehme - fördern und moralisch verwerflich und falsch sind, wenn sie das Gegenteil von Glück, also Unglück, hervorrufen. In John Stuart Mills Werk „Utilitarianism“ von 1871 wird Glück als die Lust an sich, sowie die Freiheit vom Zustand der Unlust beschrieben, während das Unglück aus der puren Unlust oder dem Fehlen von Lust bestehen kann.[10] [11]

Das Universalprinzip beschreibt die Abkehr vom individuellen Denken, zum Beispiel im Bereich der Nutzenmaximierung. Entscheidend ist nicht mehr das individuelle Glück der einzelnen Person, sondern vielmehr das allgemeine Glück der Gemeinschaft. Die Gleichheit des Menschen besteht im Utilitarismus demnach darin, dass nicht das Glück eines Menschen wichtiger ist als das eines anderen. Ersetzt man das individuelle Denken durch ein auf das kollektiv zielgerichtetes Denken, ergibt sich auch die Möglichkeit der Substituierbarkeit des Gutes Glück, also beispielsweise der Verzicht eines einzelnen zum Wohle mehrerer.[12]

[...]


[1] Kersting, Wolfgang; John Rawls zur Einführung, Hamburg 1993, S. 7.

[2] Vgl. ebenda, S. 7-8.

[3] Vgl. Egon Engin-Deniz; Vergleich des Utilitarismus mit der Theorie der Gerechtigkeit von John Rawls, Wien 1991, S. 9.

[4] Vgl. Kersting, Wolfgang; John Rawls zur Einführung, Hamburg 1993, S. 82.

[5] Vgl. ebenda, S. 84.

[6] Die Bezeichnung „Universalprinzip“ oder „Universalismusprinzip“ wird in der Fachliteratur und damit auch in dieser Arbeit mit dem Begriff des „Sozialprinzips“ gleichgesetzt.

[7] Vgl. Otfried Höffe (Hrsg.); Lexikon der Ethik, 1977, S. 217 f.

[8] Vgl. Egon Engin-Deniz; Vergleich des Utilitarismus mit der Theorie der Gerechtigkeit von John Rawls, Wien 1991, S. 15 f.

[9] Vgl. Kersting, Wolfgang; John Rawls zur Einführung, Hamburg 1993, S. 82 f

[10] Vgl. Mill, John Stuart; Der Utilitarismus, Stuttgart 1976, S. 13.

[11] Lust und Unlust werden in verschiedenen Werken auch mit Freude und Leid benannt. Diese Begriffe können – in Bezug auf ihre Bedeutung für den Utilitarismus - synonym verwendet werden.

[12] Vgl. Egon Engin-Deniz; Vergleich des Utilitarismus mit der Theorie der Gerechtigkeit von John Rawls, Wien 1991, S. 16.

Details

Seiten
11
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656238683
ISBN (Buch)
9783656239017
Dateigröße
393 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v197705
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Note
Schlagworte
John Rawls Utilitarismus Theorie der Gerechtigkeit Prinzip der Nützlichkeit Gerechtigkeitstheorien Sozialphilosophie

Autor

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