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Bearbeitung und Gegenüberstellung des literarischen Werkes "Das Tagebuch der Anne Frank" und der Verfilmung "Anne Frank - Die wahre Geschichte"

Seminararbeit 2011 20 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Hinführung zum Thema

II. Biografie Anne Frank

III. Zeitgeschichtlicher Hintergrund

IV. Darstellung des literarischen Werkes
1. Inhaltliche Zusammenfassung
1.1 Anne Franks Beziehung zu ihrer Familie
1.1.1 Das Verhältnis zu ihrem Vater Otto Frank
1.1.2 Das Verhältnis zu ihrer Mutter Edith Frank
1.1.3 Das Verhältnis zu ihrer Schwester Margot Frank
1.2. Anne Franks Beziehung zu Peter van Daan
1.3 Das Seelenleben von Anne
1.4 Annes Urteil über den Kriegsverlauf
1.5 Der mühsame Alltag im Hinterhaus

V. Darstellung der Verfilmung „Anne Frank – Die wahre Geschichte“
1. Biografie Regisseur Robert Dornhelm
2. Formale Analyse
2.1 Bildgestaltung
2.1.1 Kameraführung
2.1.2 Einstellungsgrößen
2.1.3 Wechsel zwischen Farbfilm und panchromatischen Filmelementen sowie die Farbgebung
2.2 Musikalische Untermalung
2.3 Besondere Effekte
2.3.1 Ellipsen
2.3.2 Schwarzblenden

VI. Vergleich zwischen Tagebuch und Spielfilm14
1. Parallelen
1.1 Personendarstellung
1.2 Sprachliche Übereinstimmungen
2. Unterschiede
2.1 Inhaltliche Unterschiede
2.1.1 Differierende Exposition
2.1.2 Differierendes Filmende
2.1.3 Hinzufügungen
2.2 Sprachliche Unterschiede
3. Empathie des Lesers oder des Zuschauers

VII. Schlusswort

VIII. Literaturverzeichnis

I. Hinführung zum Thema

„Typhus und Schwäche – ach ja. Ich glaube aber bestimmt, dass Anne am Tod ihrer Schwester gestorben ist. Es lässt sich schrecklich leicht sterben, wenn man allein im KZ ist“.[1]

Diese Worte sind von einer Augenzeugin des Konzentrationslagers Bergen-Belsen, die Anne und Margot Frank kennengelernt und beobachtet hat, wie die beiden Schwestern sich bis zu dem Tod Margots und bald darauf auch Anne Franks eine gegenseitige Stütze gewesen sind.[2] Die Lebensgeschichte der untergetauchten Jüdin Anne Frank steht beispielhaft für das verheerende Schicksal von mehr als 6 Millionen Juden in ganz Europa, [3] die von Adolf Hitler und seinen Anhängern im 2. Weltkrieg wegen ihrer Rasse und ihrem ethischen Hintergrund in Konzentrationslager verschleppt und systematisch ermordet worden sind. Der Spiegel ihrer Seele, Anne Franks Tagebuch, gibt diesbezüglich einen Denkanstoß sich mit der menschenverachtenden Ideologie von Faschismus und uferlosen Fremdenhass auseinanderzusetzen.

II. Biografie Anne Frank

Anneliese Marie Frank wurde am 12. Juni 1929, als zweites Kind von Otto Frank und seiner Ehefrau Edith Holländer aus Aachen, in Frankfurt am Main geboren. Aufgrund der politischen Gegebenheit, dass Adolf Hitler 1933 zum Reichskanzler ernannt worden war und mit ihm der Antisemitismus in Deutschland Einzug hielt, gründete Otto Frank die Firma „Opekta Werk“ in Amsterdam, um seiner Familie nach der Emigration aus Deutschland eine Existenzgrundlage zu schaffen. Nachdem die Familie Frank bereits im Sommer des Jahres nach Amsterdam auswanderte, blieb Anne bei ihrer Großmutter wohnen und bezog erst im Februar 1934 die Wohnung in der Straße Merwedeplein. Daraufhin besuchte sie die Montessori-Schule bis zum Jahre 1941 und wechselte aufgrund der strikten Rassentrennung in das jüdische Lyzeum.

Bereits im Dezember 1940 hatte Otto Frank die Geschäfts- und Lagerräume für die, von ihm
gegründeten, Opekta-Werke an der Prinsengracht 263 gemietet und übertrug 1941 aus politischen
Beweggründen die Firma an seine Freunde Kugler und Kleiman. Zu diesem Zeitpunkt war das
Untertauchen in den Räumlichkeiten des Hinterhauses schon präzise geplant, um sich vor der Gewaltdes NS-Regimes zu schützen und auf den baldigen Sieg der Alliierten über Deutschland zu hoffen.

Bereits zu ihrem 13. Geburtstag am 12. Juni 1942 bekam Anne Frank ein rot kariertes Tagebuch, welches Jahrzehnte später ein Indiz für den grenzenlos scheinenden Hass auf eine Minderheit veranschaulichen sollte.[4]

Ab dem 8. Juli 1942, zwei Tage nachdem Anne Frank mit ihren Eltern und ihrer Schwester Margot das Versteck im Hinterhaus im Zentrum Amsterdams bezogen hatte, berichtete sie aus ihrem Seelenleben und der tristen alltäglichen Routine, fern von der sozialen Außenwelt. Sieben Tage später kam die Familie van Pels(im Tagebuch Familie van Daan) hinzu und erst am 16. November 1942 bezog Fritz Pfeffer als letzte Person das Hinterhaus in der Prinsengracht 263.
Bis zum 4. August 1944 glückte das heimliche Leben in diesen Räumlichkeiten, die verborgen hinter einem drehbaren Schrank waren, der die Tür zum Treppenhaus vollständig verdeckte.
Bedauerlicherweise wurden die acht jüdischen Bewohner verraten und daraufhin von der Gestapo verhaftet, die die Hinterhausbewohner in das Arbeitslager nach Westerbork gebracht und dort zur Zwangsarbeit verpflichtet haben. Von September bis Oktober 1944 befanden sich Margot und Anne Frank im Konzentrationslager in Auschwitz-Birkenau und wurden danach in das KZ Bergen-Belsen verschleppt. Alle Bewohner des Hinterhauses fielen dem grausamen Völkermord der Nationalsozialisten zum Opfer, außer Otto Frank, der am 27. Januar 1948 bei der Befreiung des KZ Auschwitz durch die Rote Armee seine Freiheit wieder erlangte. Anne Frank verstarb vermutlich zwei Monate vor Kriegsende, im März 1945, an Flecktyphus als Folge von katastrophalen hygienischen Zuständen.[5]

In den ersten Jahren der Nachkriegszeit versuchten die Niederlande in aufwändigen Recherchen den Verräter des Hinterhauses zu finden, der Anne Frank und ihre Mitbewohner ins Unglück stürzte. Im Mittelpunkt der Verdächtigungen stand der Lagerarbeiter Willem Gerard van Maaren, der immer wieder durch seine Neugierde aufgefallen war. Trotz der belastenden Indizien konnte ihm der Verrat nicht nachgewiesen werden und der Tod unschuldiger Menschen blieb wie in so vielen Fällen unbestraft.[6]

III. Zeitgeschichtlicher Hintergrund

Als Anne Frank 1929 das Licht der Welt erblickte, hatte die Familie Frank bereits aufgrund der vorherrschenden Verhältnisse in Deutschland während der Weimarer Republik(1919-1933) einige negative wirtschaftliche Erfahrungen machen müssen.

Nach der Niederlage im 1.Weltkrieg(1914-1918) stand Deutschland unter der Last von hohen Kriegsschulden, welche die Wirtschaft der Weimarer Republik in eine schwere Krise stürzten.
Durch die Weltwirtschaftskrise 1929 erschwerten auch Massenarbeitslosigkeit, Kaufkraftverluste und Zusammenbrüche von Großbanken und Industrien den Alltag. Die soziale Not im Volk breitete sich ab 1931 stetig aus und ebnete den Weg von der Demokratie in den Nationalsozialismus. So konnten die antidemokratischen Parteien, allen voran die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP), enormen Zuwachs verzeichnen. Die Sturmabteilung der NSDAP, die SA, zerstörte durch gezielten Terror das bürgerliche Lager und verbreitete mit ihrer Ideologie den „Wunsch nach einer starken Hand“, [7] die die schwachen Parlamentarier ersetzen sollte.[8]

Ab dem 24. März 1933 regierte Adolf Hitler mit dem „Ermächtigungsgesetz“, durch das ihm die uneingeschränkte Staatsgewalt übertragen wurde. Bis 1938 herrschte fortan das Bestreben die Juden durch diskriminierende Vorschriften aus dem wirtschaftlichen und sozialen Leben vollständig zu isolieren und zu verdrängen.[9]
Stetig erweiterte Adolf Hitler seinen Machtbereich und konnte somit den Anschluss des faschistischen Italiens, Österreichs und des Sudetenlands erreichen. Daraufhin wurde am 1.September 1939 Polen überfallen. Dieser Angriff war dafür verantwortlich, dass Frankreich und Großbritannien zwei Tage darauf Deutschland den Krieg erklärten. Ab dem 10. Mai 1940 marschierten deutsche Truppen bereits in die Niederlande ein, was der ausschlaggebende Anstoß für die Pläne der Familie Frank war, ein Versteck aufzusuchen. Das totalitäre Regime wurde nun ebenfalls auf Holland übertragen und war für die unmittelbare Kapitulation am 14. Mai 1940 verantwortlich.[10]

Des Weiteren wurden nach Angaben der SS am 2. Oktober 1942 rund 14.000 Juden aus Holland in die Arbeitslager deportiert. Glücklicherweise befand sich die Familie Frank zu diesem Zeitpunkt bereits in ihrem Versteck, doch Anne machte schon im Juni 1942 deutlich wie grausam die Bestimmungen über die Juden waren, als sie ihre beste Freundin Jacqueline zitierte: „Ich traue mich nichts mehr zu machen, ich habe Angst, dass es nicht erlaubt ist“.[11] Die hauptsächliche Aufgabe der SS war die Durchsetzung der Rassenpolitik, die 1939 in Form von Konzentrationslagern ihren Höhepunkt erreichte. Dort wurden vor allem europäische Juden, aber unter anderem auch Sinti und Roma ermordet. Neben den Haft- und Arbeitslagern gab es, wie gesagt, auch Vernichtungslager. Dort wurden die Menschen zu schwerer körperlicher Arbeit gezwungen oder kaltblütig in Form von Massenerschießungen und Vergasungen in den sogenannten „Waschräumen“ ermordet. Durch die ständigen Menschentransporte zu den Vernichtungslagern im Osten, war dort die Wasserversorgung, Abwasserbewältigung und auch die Versorgung von Nahrungsmitteln katastrophal. Deshalb scheint es nicht verwunderlich, dass etliche Menschen an Epidemien wie Typhus verendeten oder schlicht und ergreifend verhungerten.[12]

Mit der Vernichtung der 6. Armee bei Stalingrad im Januar 1943 wurde jedoch die Wende des Krieges gegen Adolf Hitler eingeleitet und die Landung der Anglo-Amerikaner in der Normandie(D-Day) am 6. Juni 1944 ließ den Untergang von Nazi-Deutschland in greifbare Nähe rücken.[13]
Letztendlich wurde das Grauen-Regime von Adolf Hitler am 7. Mai 1945 mit der bedingungslosen Kapitulation Deutschlands unwiderruflich beendet. Hitler selbst hatte bereits am 30. April im Bunker der Reichskanzlei in Berlin Selbstmord begangen. Sein Nachfolger Großadmiral Dönitz wurde am 23. Mai 1945 von den Alliierten abgesetzt und verhaftet. Deutschland ist noch heute darum bemüht, die KZ-Aufseher und untergetauchte Straftäter aufzuspüren.[14]

IV. Darstellung des literarischen Werkes

1. Inhaltliche Zusammenfassung

Da es sich in dem vorliegenden literarischen Werk um ein Tagebuch handelt, kann der Inhalt nicht aufgrund von chronologisch, geordneten Kapiteln erschlossen werden. Deshalb liegt der Fokus im Folgenden bei den Aspekten, die Anne Frank in ihrer Zeit im Hinterhaus mehrmals bearbeitet und durchdacht hat. Daraufhin wird ein umfassender Überblick in die Denkweise und das Tagesgeschehen dieser talentierten Schriftstellerin ermöglicht.

1.1 Anne Franks Beziehung zu ihrer Familie

1.1.1 Das Verhältnis zu ihrem Vater Otto

Die Beziehung zwischen Anne und ihrem Vater, den sie liebevoll mit dem Kosenamen „Pim“[15]

betitelt, ist durchgängig vertraut und sehr innig. Otto Frank ist für seine Tochter eine Art Ruhepol, der ihr stets bei Auseinandersetzungen mit anderen Hinterhausbewohnern zur Seite steht.[16]

So gibt es beispielsweise einen großen Reibungspunkt zwischen Anne und Herr Pfeffer bezüglich der gemeinsamen Benutzung des Schreibtisches, den Otto Frank klärt, indem er den Standpunkt seiner Tochter vertritt.[17] Selbst bei Wortgefechten und Uneinigkeiten mit ihrer Mutter Edith unterstützt er Anne nach Möglichkeit.[18] Im Gegensatz zu ihrer „unvollkommenen“ Mutter[19], sieht sie in ihrem Vater ein „Vorbild an Güte“[20] und einen „Schatz“.[21] Diese grenzenlose Wertschätzung und Zuneigung vermittelt Anne ihm auch offen durch Gesten und Worte. Ihre Liebe zu Pim geht sogar so weit, dass er für Anne der Einzige ist, den sie wirklich zu ihrer Familie zählt und der ihr auch ein Gefühl der Zugehörigkeit vermitteln kann.[22] Völlig eingenommen von ihrem Vater, beansprucht Anne ihn sehr für sich und erträgt es nicht, wenn er sein Wort gegen sie richtet.[23] Besonders erwähnenswert ist, dass ihr die „oberflächlichen Zärtlichkeiten“[24] bald nicht mehr genügen und Anne nach aufrichtiger Liebe gegenüber ihrer Person strebt, die ihr aber auch Otto Frank nicht mehr vermitteln kann.[25] Der ständige Drang Vaters Zuneigung zu erheischen, lässt erst nach, als sie zu dem zuerst eher langweilig wirkenden Peter van Daan eine zarte Liebe aufbaut.[26]

[...]


[1]) Ernst Schnabel, Spur eines Kindes. Ein Bericht., Fischer-Verlag Frankfurt, 1997, S.130

[2] Vgl. S.o., S.130

[3] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Kriegstote_des_Zweiten_Weltkrieges

[4] Vgl. Walburga Freund-Spork, Königs Erläuterungen Band 410, Bange Verlag Hollfeld, 2009, S.10ff

[5] Vgl. Walburga Freund-Spork, Königs Erläuterungen Band 410, Bange Verlag Hollfeld, 2009, S.13ff

[6] Vgl. S.o., S.34f

[7] S.o., S.21

[8] Vgl. S.o., S.19ff

[9] Vgl. Walburga Freund-Spork, Königs Erläuterungen Band 410, Bange Verlag Hollfeld, 2009, S.22

[10] Vgl. S.o., S.25f

[11] Anne Frank, Anne Frank Tagebuch, Frankfurt, 2006, S. 21

[12] Vgl. Walburga Freund-Spork, Königs Erläuterungen Band 410, Bange Verlag Hollfeld, 2009, S.28ff

[13] Vgl. S.o., S.26

[14] Vgl. S.o., S.32f

[15] Anne Frank, Anne Frank Tagebuch, Frankfurt, 2006, S. 110

[16] Vgl. S.o., S. 114

[17] Vgl. S.o., S.15

[18] Vgl S.o., S.54

[19] S.o., S.155

[20] S.o., S.129

[21] S.o., S.46

[22] Vgl.S.o., S.141f

[23] Vgl. S.o., S.141

[24] S.o., S.142

[25] Vgl. S.o., S.142

[26] Vgl. S.o., S.199

Details

Seiten
20
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656239444
ISBN (Buch)
9783656241270
Dateigröße
578 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v197926
Note
1,00 - 15 Punkte
Schlagworte
Anne Frank Tagebuch der Anne Frank Die Verfilmung Anne Frank Hitler Nationalsozialismus Antisemitismus Flüchtlinge Konzentrationslager Massenvernichtung

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