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Die Kaiserstraße 46 von 1909 bis 1945. Eine Wiener Kulturstätte im Wandel der Zeit

Seminararbeit 2007 14 Seiten

Kulturwissenschaften - Allgemeines und Begriffe

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Forschungsprozess
2.1 Erschwernisse bei der Materialbeschaffung
2.2 Erschwernisse innerhalb der Gruppe

3 Die Kino-Ara in der KaiserstraGe 46 vor dem zweiten Weltkrieg
3.1 Die Etablierung des altesten bespielten Kinos der Welt
3.2 Namensgebung
3.3 Verschuldung wegen Sanierungsbedarf
3.4 Einschrankungen der Kiba vor Ausbruch des Krieges
3.5 Witterungsbedingte EinbuGen
3.6 Missgunst der Nachbarn
3.7 Anfange der Arisierung
3.8 Die politische Umstrukturierung der Kiba
3.9 Das Schicksal der Irma Kohn

4 Durchhaltevermogen des Theater Spielraum

5 Bibliografie
5.1 Internetquellen

1 Einleitung

Das Haus in der KaiserstraGe 46 beherbergt tief in seinem Gemauer 100 Jahre Wiener Kulturgeschichte mit all ihren glorreichen, aber auch vor allem abtrunnigen Momenten, die in dieser Arbeit besonders hervorgehoben werden sollen.

Mein Fokus liegt hierbei auf der Zeit von 1909 bis 1945, in dieser der Standort KaiserstraGe 46 als Kulturbetrieb Kino etabliert werden und sich gegen einige existenzbedrohenden Hurden durchsetzten sollte.

Das Theater Spielraum sollte unser Forschungsprojekt werden und uns fur das nachste halbe Jahr beschaftigen: Alleine die Beschaffung des Archivmaterials hat einige Monate Zeit in Anspruch genommen, wobei an dieser Stelle gesondert den Intendanten Frau M. und Gerhard Werdecker fur deren freundliche und kooperative Unterstutzung bei der Materialbeschaffung fur dieses Forschungsprojekt gedankt werden muss.

Wie im Laufe der Geschichte dieses Hauses ersichtlich wird, gab es nach den Grauen des Hitler-Regimes, des in den 60'er Jahren durch das Fernsehen aufkommende Kinosterbens auch noch viele andere Verwicklungen, sowohl das Kino, als auch das spatere Theater betreffend, die mir den Eindruck vermittelten, dass die KaiserstraGe 46 ein vom Schicksal verfluchter Ort ist, dem jedoch immer der Wille zur Unterhaltung trotzte. Mein personlicher Bezug zu dieser Thematik besteht darin, dass auch ich hier in Wien, sowohl mit Pfusch an der Bausubstanz und Stadtwerken, als auch mit anonymen Anzeigen von Nachbarn und uberteuerten Hausverwaltungen diverse Auseinandersetzungen hatte, die mich geradezu motiviert haben, diese undurchsichtigen Angelegenheit hiermit naher zu erforschen.

2 Forschungsprozess

Innerhalb unserer anfangs siebenkopfigen Gruppe, beschlossen wir uns daher folgendermaGen aufzuteilen:

Ich suchte in der Wienbibliothek im Rathaus und in der UB Wien nach archivierten Zeitungsartikel und Literatur uber das so genannte Uhu- bzw. Erika-Kino und die Eroffnung des Theater Spielraums.

Meine Kolleginnen sollten in der Nationalbibliothek, dem Bezirksmuseum VII., im Theater Spielraum selber und bei der Baupolizei Wien recherchieren.

AuGerdem war ein gemeinsames 30 minutiges Interview mit Frau M. in den besagten Raumlichkeiten geplant, welches im November 2007 stattfand.

2.1 Erschwernisse bei der Materialbeschaffung

Im Laufe unserer Recherchearbeiten wurde uns sehr schnell bewusst, dass es auGerst schwierig ist an Quellen bzgl. der vorherigen Kinos, Uhu und Erika, zu gelangen. Vermutlich konnte ein Grund dafur sein, dass das Uhu-Kino wahrend der ArisierungsmaGnahmen von Nationalsozialisten eingenommen wurde, und moglichst viele Spuren der ehemaligen, judischen Inhaber verwischt worden sind.

Dennoch war es moglich, einige informative Belege fur die Existenz dieser Kinos und deren Besitzer zu sichten:

Der Bestellvorgang in der Wienbibliothek funktioniertjedoch nur innerhalb eines veralteten Systems, welches mich zwei Wochen Zeit gekostet hat, bis ich zu meinen Ergebnissen gelangte. Nach Einsicht von gutsortierten Karteikarten, konnte man mittels Durschlagen, die Bestellungen der 2

Zeitungsartikel durchgeben. Nach einer Wartezeit von 4 Tagen, konnte ich endlich die Bestellungen einsehen, dennoch fehlte ein Teil, da das Kodierungssystem vom Kurierfehlerhaft war. Nach Reklamation meinerseits wurden erst eine weitere Woche spater alle Artikel bereitgestellt, jedoch war es nicht moglich diese vor Ort zu kopieren, da fur diesen technischen Vorgang ein eigener Kopierbeauftragte kommen hatte mussen. Nach weiteren Beschwerden „beeilte“ sich das Bibliothekspersonal und lieG die Original-Artikel zwei Tage spater kopieren. Nach eigener Beobachtung, stellte sich heraus, dass der Kopierbeauftragte genau einen Knopf am Gerat betatigten musste. Nach dieser zeitraubenden Recherche fur funf Artikel befasste ich mich ferner mit benutzerfreundlicherer Literatursuche innerhalb der UB Wien und fand folgende, sehr hilfreiche Lekture:

Schwarz, Werner Michael: Kino und Kinos in Wien. Eine Entwicklungsgeschichte bis 1934.1 Hierbei wird die osterreichische Kinogeschichte sehr detailiert beschrieben und half mir dabei, den Aufbau und die Bedeutung der Wiener Kinokulturzu erfahren.

Die Diplomarbeit von Christiane Atzmuller uber „Patronanz klingt besser als Vormundschaft. Finanzierung der Darstellenden Kunst im Spannungsfeld okonomischer Sachzwange und gesellschaftspolitischer Verantwortung insbesondere am Beispiel Sponsoring und offentlicher Subvention“2 und Regina Movers „Kinos in Wien - eine Bestandsaufnahme und Standortanalyse“3 vermittelten mir einen weitreichende Eindruck uber die finanziellen Erfordernisse und Einschrankungen vom Staat gegenuber den Kinobetreibern bis hin zu Karl-Heinz Bauers „Kinosterben in Wien. Eine Analyse der strukturellen Rahmenbedingungen und Darstellung der Auswirkungen unter

Berucksichtigung von ursachlichen Zusammenhangen“4 dessen Werk sich umfassend mit der Ausrottung kleinerer Betriebe durch groGe Multiplex - Anstalten befasst.

Weitere Quellen erschlossen sich meine Kolleginnen zum gemeinsamen Austausch.

2.2 Erschwernisse innerhalb der Gruppe

Zu der komplizierten Quellensuche kam noch hinzu, dass unsere einstmals siebkopfige Gruppe auf drei Personen schrumpfte und das innerhalb der letzten paar Tage vor Presentation der Ergebnisse. Dies fuhrte leider dazu, dass wir innerhalb kurzester Zeit zusatzlich deren Aufgabenfelder ubernehmen mussten. Kontakt zur Immobilienfirma der KaiserstraGe 46 aufzunehmen, ins Filmmuseum zu gehen und zur Baupolizei Wien. Im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass uns leider diese drei potentiellen Forschungsobjekte keine relevante Auskunft geben konnten. Jedoch war es naturlich einen Versuch wert.

3 Die Kino-Ara in der Kaiserstrafte 46 vor dem zweiten Weltkrieg

Die standige Gefahrdung der Existenz der einzelnen Kinobesitzer und somit das kulturelle Uberleben des Hauses an der KaiserstraGe 46 bis 1945 naherzu erlautern bedarf es einer genaueren Untersuchung der einzelnen Schicksalsschlage.

3.1 Die Etablierung des altesten bespielten Kinos der Welt

Als „Klein, schiach und nett“5 werden heute noch die Lichtspielrelikte aus der Zeit, in der der Cinematograph noch selber als Attraktion gait, bezeichnet.

Fast ein Jahrhundert zuruckgeblickt, erhielt Elisabet (!) Baier, u.a. auch als Elise Baier verzeichnet, am 22. Februar 1909 eine Lizenz von der Stadt Wien zur „Vorfuhrung kinematografischer Bilder“6 im Erdgeschoss unter dem uberdachten Glasdach, des 1840 erbauten Hauses.7

3.2 Namensgebung

Aus Werbezwecken achtete man damals besonders auf die Namensgebung der Kinos, was heute nicht mehr als essentiell angesehen wird, besonders nicht bei den Multiplex-Kinos, welche sich nur noch nach Standort benennen wie zum Beispiel „Cineplexx Wienerberg“.

Folglich passte sich auch Elise Baier dem damaligen Trend an und nannte es schlicht „Kino Baier“. Weitere folgende Bezeichnungen bezogen sich, entweder sehr selbstbewusst auf die Umbauten zu einem theaterahnlichem Komplex, so nannte Nachfolgerin Mathilde Zwicker ihr Lichspielhaus „Metropol“ Oder auf die Nacht, die das Kino als attraktiven und belebten Ort kennzeichnen sollten, wie „Uhu“.8 Die Herkunft des Namens „Erika-Kino“ ist leider laut Chefdramaturgin Frau M. nicht eindeutig festzustellen, es wird aber vermutet, dass die Mutter Oder Tochtervon NSDAP-Mitglied und Kinopachter Franz Rohrich ebenso hieG.9 Eine weitere Moglichkeit ware die Adaption aus einem deutschen

Volkslied, indem der Name des Ofteren vorkommt „auf der Heide wachst ein Blumelein und das heiGt Erika“.10

3.3 Verschuldung wegen Sanierungsbedarf

lm Zuge weiterer erforderlicher UmbaumaGnahmen, zu denen das Uhu- Kino unter Harry Poschmann von den anderen 15 Kinos im 7. Bezirk geradezu gezwungen worden war, um konkurrenzfahig zu bleiben, verschuldete er sich und verkaufte an Ulrich Kalb, der wiederum die Konzession an Irma Kohn verkaufte.

3.4 Einschrankungen der Kiba vor Ausbruch des Krieges

Als letztere das Kino ubernahm grundete die stadtische Arbeiterbank ein anfangs sozialdemokratisch ausgerichtetes offentliches Organ, die Kiba (Kinobetriebsanstalt GmbH), welches nicht nur eigene Lichtspielhauser aufkaufte, sondern zudem noch Mitspracherecht in die Filmauswahl aller Wiener Kinos fur sich forderte. Angesichts dieser Gesetzesanderung oblag es nun der Kiba und nicht mehr der Polizei Lizenzen zu vergeben. Desweiteren wurde bis Ende der zwanziger Jahre unter politischem und moralischem Vorwand die so genannte „Lustbarkeitsabgabe“ u.a. auch fur die „Vorfuhrung von Bildstreifen“11 angesetzt, da diese als gutgehende Institutionen an Verwundete des ersten Weltkriegs zahlen sollten. Kurzum mussten 40% der Bruttoeinnahmen der luxeriosen Freizeitinstitution Kino an die Kiba abgefuhrt werden, hoher waren nur noch die Abgaben von Pferderennen und Ringkampfen.12 Die Tatsache, dass dies verheerend fur die kleinere, privatgefuhrten Lichtspielhauser war ist offensichtlich und vor

[...]


1 Schwarz, Werner Michael: Kino und Kinos in Wien. Eine Entwicklungsgeschichte bis 1934. Wien: Turia & Kant 1992.

2 Atzmuller, Christiane: Patronanz klingt besser als Vormundschaft. Finanzierung der Darstellenden Kunst im Spannungsfeld okonomischer Sachzwange und gesellschaftspolitischer Verantwortung insbesondere am Beispiel Sponsoring und offentlicher Subvention. Wien: Dipl.-Arb. 1998.

3 MoGler, Regina: Kinos in Wien - eine Bestandsaufnahme und Standortanalyse. Wien: Dipl.-Arb. 2004.

4 Bauer, Karl-Heinz: Kinosterben in Wien. Eine Analyse der strukturellen Rahmenbedingungen und Darstellung der Auswirkungen unter Berucksichtigung von ursachlichen Zusammenhangen. Wien: Dipl.-Arb. 1994.

5 Schuster, Gabi: Kino-Ansichten. Ein Streifzug durch die Neubauer Kinos. Programmheft des Bezirksmuseums VII, S.11.

6 Metzger, Nicole: Aus Uhu wird Erika. Programmheft uber die Geschichte des Hauses, 1999, S.6.

7 Gesprach mit Frau M., November 2007.

8 Payer, Peter: Werbung. Die Verfuhrungskunste des Kinos. In: Schuster, Gabi: Kino- Ansichten. Ein Streifzug durch die Neubauer Kinos. Programmheft des Bezirksmuseums VII, S. 21.

9 Gesprach mit Frau M., November 2007.

10 Metzger, Nicole: Aus Uhu wird Erika. Programmheft uber die Geschichte des Hauses, 1999, S.20.

11 Bauer, Karl-Heinz: Kinosterben in Wien. Eine Analyse der strukturellen

Rahmenbedingungen und Darstellung der Auswirkungen unter Berucksichtigung von ursachlichen Zusammenhangen. Wien: Dipl.-Arb. 1994, S. 73.

12 Schwarz, Werner Michael: Kino und Kinos in Wien. Eine Entwicklungsgeschichte bis 1934. Wien: Turia & Kant 1992, S. 57.

Details

Seiten
14
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783668667709
ISBN (Buch)
9783668667716
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v197964
Institution / Hochschule
Universität Wien – Theater-, Film- und Medienwissenschaft
Note
Schlagworte
Kino Film Theater Wandel Exil Nationalsozialismus Bürokratie Enteignung Immobilie Emanzipation Technik Filmtechnik Publikum Raum Veränderung Lichtspielhaus Kaiserstraße 7. Bezirk Nachkriegszeit

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Titel: Die Kaiserstraße 46 von 1909 bis 1945. Eine Wiener Kulturstätte im Wandel der Zeit