Lade Inhalt...

Die Rezeption der preußischen Königskrönung von 1701 in der Historiographie und Erinnerungskultur des 19. und 20. Jahrhunderts

Hausarbeit 2011 34 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Neuere Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Zur Rezeption der preußischen Königskrönung
1. Hintergründe und Ablauf der Königskrönung
2. Die zeitgenössische Rezeption der Königskrönung
3. Die historiographische Rezeption der Königskrönung
3.1 Die Königskrönung in der Historiographie des 19. Jahrhunderts
3.2 Die Königskrönung in der Historiographie ab 1950
3.2.1 Die erste „Preußenwelle“ um das Jahr 1980
3.2.2 Die zweite „Preußenwelle“ um das Jahr 2000
4. Die Rezeption der Königskrönung in der Erinnerungskultur
4.1 Zum Begriff „Erinnerungsort“
4.2 Die Krönungsjubiläenbis 1800
4.3 Die Krönungsjubiläen 1801-1901
4.4 Die „Preußen-Ausstellung“ 1981 und das „Preußenjahr“ 2001
4.5 Die Königskrönung als Erinnerungsort

III. Fazit

IV. Quellen- und Literaturverzeichnis

V. Anhang

I. Einleitung

Die Königskrönung des brandenburgischen Kurfürsten Friedrich III. legte den Grund­stein für den Aufstieg Preußens zur Großmacht. Vielen Historikern gilt der 18. Januar 1701 als Epochentag, der den Beginn der preußischen Geschichte markiere.1 Zugleich aber ist die historische Bewertung der Krönung und ihres Zustandekommens seit dem 18. Jahrhundert einem stetigen Wandel unterworfen. Noch ambivalenter war lange Zeit die Beurteilung Friedrichs III./I., dessen Wahrnehmung sich häufig auf seine Position als erster König beschränkt.

Im ersten Teil dieser Arbeit soll die Rezeption der preußischen Königskrönung2 in der deutschsprachigen bzw. der bundesrepublikanischen Historiographie untersucht werden. Ein Schwerpunkt der Analyse liegt dabei auf dem 19. Jahrhundert, in dem sich die Ge­schichtsschreibung als Wissenschaft etablierte und einflussreiche Werke über das preu­ßische Königreich hervorbrachte. Als weiterer Schwerpunkt und Vergleichszeitraum wurde die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts bis zum Krönungsjubiläum 2001 gewählt, da sich im Rahmen der „Preußenjahre“ 1981 und 2001 zahlreiche Historiker und Publi­zisten mit der Königskrönung befassten. Neben ausgewählten Standardwerken sollen bei der Untersuchung auch populäre Darstellungen berücksichtigt werden. Nicht einge­gangen werden kann auf internationale Forschungspublikationen und Veröffentlichun­gen aus der DDR, da dies den Rahmen der Arbeit sprengen würde. Ziel der Analyse ist die Herausarbeitung und Darstellung historiographischer Tendenzen und Entwicklungen in Bezug auf die Bewertung der Königskrönung.

Im zweiten Teil der Arbeit soll die Rezeption der Rangerhöhung in der deutschen Erin­nerungskultur am Beispiel exemplarischer Jahrestage der Königskrönung im19. und 20. Jahrhundert behandelt werden. Von besonderem Interesse ist dabei die Frage, welche Kriterien und Funktionen eines Erinnerungsortes3 die Krönung im jeweiligen Zeitraum erfüllte. Am Ende der diachronen Untersuchung wird die Überlegung stehen, ob die Kö­nigsberger Königskrönung von 1701 in der heutigen Zeit überhaupt noch als Erinne­rungsort gelten kann.

1. Hintergründe und Ablauf der Königskrönung

Friedrich III. hatte die Erlangung der Königswürde seit seinem Regierungsantritt im Jahr 1688 angestrebt.4 Vor dem Hintergrund der „Monarchisierung“ Europas war es ihm ein zentrales Anliegen, die „Grandeur“ des Hauses Hohenzollern zu vermehren und die zerstreuten Teile seines Landes zu vereinigen.5

Gegen den erklärten Willen seines Beraters Danckelmann trat Friedrich ab 1694 in Ver­handlungen mit Kaiser Leopold I., bei dem das Ansinnen des Kurfürsten zunächst auf Ablehnung stieß. Dies änderte sich im Jahr 1700, als nach dem Tod Karls II. ein Krieg um die spanische Erbfolge unmittelbar bevorstand und Leopold den preußischen Kur­fürsten als Verbündeten gewinnen wollte. Im so genannten „Krontraktat“ vom 16. No­vember 1700 erklärte sich der Kaiser bereit, die preußische Rangerhöhung zu akzeptie­ren. Als Gegenleistung erhielt er von Friedrich unter anderem 8.000 Soldaten für den Spanischen Erbfolgekrieg und die Zusicherung der brandenburgischen Kurstimme bei der nächsten Kaiserwahl.

Ende des Jahres trat Friedrich mit einem festlichen Krönungszug die beschwerliche Rei­se nach Königsberg in Preußen an. Über den genauen Ablauf der prunkvollen Krönung am 18. Januar 1701 sind wir unter anderem aus dem Bericht des Hofzeremonienmeis­ters Johann von Besser informiert.6 Friedrich setzte sich selbst und anschließend seiner Frau Sophie Charlotte die Krone auf. Durch diesen Akt hob er hervor, dass er die Krone weder Kaiser noch Papst, sondern allein seiner eigenen Macht verdanke. Anschließend zog die Gesellschaft in die Krönungskirche, wo Friedrich, unter Umkehrung der tradi­tionellen Reihenfolge, von zwei eigens für diesen Zweck eingesetzten evangelischen Bi­schöfen gesalbt wurde. Nach einem längeren Aufenthalt in Königsberg trat Friedrich, nunmehr König in Preußen, Ende März die Rückreise an und zog am 6. Mai 1701 feier­lich in Berlin ein.

Um die spätere Rezeption der Königskrönung verstehen und einordnen zu können, ist es notwendig, den Blick zunächst auf die zeitgenössische Bewertung der Rangerhöhung in Brandenburg-Preußen7 zu richten.

Die Berichterstattung über die Königskrönung in der preußischen Tagespublizistik schwankte in ihrem Umfang, blieb aber in der Regel sachlich und versäumte selten, die Selbstkrönung und die Salbung als herausragende Elemente der Zeremonie hervorzuhe­ben.8 Ein größeres Publikum fanden die Predigten, die vielerorts anlässlich des Krö­nungstages gehalten wurden und deren Inhalt von der Obrigkeit vorgegeben war.9 Der älteren Forschung zufolge sei die Krönung von der Bevölkerung überwiegend positiv aufgenommen worden10 ; aus allen Teilen des Reiches gingen Gratulationskarten ein. Leibniz beschrieb die Rangerhöhung als „eine der größten Begebenheiten dieser Zeit“.11 Die Krone sei das „complementum essentiae“12, durch welches das - de facto längst kö­nigliche - Kurfürstentum den ihm zustehenden Namen erhalte. Insgesamt aber, so Frey, sei die Rangerhöhung „den Zeitgenossen weit weniger aufsehenerregend erschienen als den darüber reflektierenden und spekulierenden Nachfahren“.13

Stieß Friedrich I. wegen seiner verschwenderischen Hofhaltung schon bei seinem Sohn und Nachfolger Friedrich Wilhelm I. auf Ablehnung14, so war es die in vielen Punkten vernichtende Kritik seines Enkels Friedrich II., die das Bild des ersten preußischen Kö­nigs über Jahrhunderte hinweg prägen sollte.15 Kritisiert wurde nicht die Königskrönung an sich, sondern deren vermeintliches Motiv - die Befriedigung persönlicher Eitelkeit -, ihr hoher Preis und der ungeheure Pomp, mit dem sie zelebriert wurde. In den „Denk­würdigkeiten“ schreibt Friedrichs II. über seinen Vorfahren:

Er vermengte das Eitle mit dem Echtgrossen, mehr an den blendenden Schein ge­heftet, als an das Nuezliche, das nur gruendlich ist. Er opferte dreissigtausend sei­ner Unterthanen in verschiedenen Kriegen dem Kaiser und den Verbuendeten auf, um sich die Koenigswuerde zu verschaffen, und aeusserte nach selbiger nur des­halb soviel Drang, um seinen Geschmak am Zeremoniel zu vergnuegen, und durch einen scheinbaren Vorwand einen prunkreichen hoechst eiteln Aufwand zu recht- fertigen.16

Wenngleich Friedrich II. an anderer Stelle gnädiger über den Erwerb der Königskrone urteilt17, fällt seine Gesamtbewertung negativ aus und gipfelt in dem viel zitierten Ver­dikt, Friedrich I. sei „gros in kleinen Dingen, und klein in grossen“18 gewesen.

Die Meinung des Enkels wurde im späten 18. Jahrhunderts von zahlreichen Autoren - teils unreflektiert, teils voller Überzeugung - in ihre Werke übernommen. Bis in das ers­te Viertel des 19. Jahrhunderts fand sich das negative Friedrich-Bild hauptsächlich in Nachschlagewerken und Überblicksdarstellungen, in denen der erste preußische König entweder übergangen oder als Negativfolie zu seinem Vorgänger und seinen Nachfol­gern beschrieben wurde.19 Diese Schriften besaßen vermutlich eine ungleich höhere Reichweite als die vergleichsweise geringe Zahl wohlwollender Veröffentlichungen, zu der die panegyrisch überlagerten Biographien Gütthers und Paulis zu zählen sind.

3.1 Die Königskrönung in der Historiographie des 19. Jahrhunderts

Schon 1816 bemängelte Franz Christoph Hom in seiner Friedrich-Biographie die nega­tive Tendenz der bisherigen Geschichtsschreibung20 und ging mit den Kritikern des ers­ten Preußenkönigs hart ins Gericht. Diese fänden es zwar „vortrefflich, daß Preußen zu einem Königshause geworden“ sei, wollten aber Friedrich das „gebührende Lob“ für diese Leistung nicht zugestehen.21 Friedrich I. habe zwar eine übersteigerte Leidenschaft für das Zeremonielle besessen, dies sei aber nicht der Grund für sein Streben nach der Königswürde gewesen. Vielmehr habe der Kurfürst in der damaligen politischen Situati­on die „innere Nothwendigkeit eines neuen Königreichs Preußen“ erkannt.22 Auch Leopold von Ranke, dem als einem Begründer des Historismus an einer objekti­ven Geschichtsschreibung gelegen war, zieht in seiner Geschichte Preußens eine positi­ve Bilanz der Regierungszeit Friedrichs und des Krönungsprojekts23 ; die „Denkwürdig­keiten“ Friedrichs II. zitiert er in seinen Ausführungen zum ersten preußischen König mit keinem Wort. Dennoch ist Rankes Darstellung durch eine auffallende Knappheit ge­kennzeichnet. Friedrichs gesamter Regentschaft widmet er etwa 45 Seiten24, auf die Darstellung der Krönungsfeierlichkeiten verzichtet er sogar ganz, da sie „für unser Ge­fühl, wenn wir davon lesen, etwas Überladenes“ hätten.25 Lediglich die Selbstkrönung, die „nicht ohne Würde“ gewesen sei, und die nachträglich erfolgte Salbung hebt er ei­gens hervor.26

Nicht alle Historiker des 19. Jahrhunderts blieben mit ihrer Kritik so zurückhaltend. Der Standpunkt des Schriftstellers Adolph Streckfuß, Verfasser einer populären Berliner Stadtgeschichte, geht schon aus der Einleitung seines Kapitels über den ersten preußi- sehen König hervor: „Dem großen Vater folgte in der Regierung der kleine Sohn“.27 Über zwei Seiten seines Werkes zitiert StreekfUß den Friedrieh-Kritiker Gallus, dessen harsehes Urteil er noeh zu milde nennt.28 29 Die Verpfliehtungen, die Friedrieh gegenüber Leopold I. einging, seien eine „ungeheure Kaufsumme für einen leeren Titel“ gewesen.

Relativ stark an der Linie Friedriehs II. orientiert sieh aueh Johann Gustav Droysen, ein maßgeblieher Vertreter der borussisehen Sehule. Wie sehon bei Ranke ist zunäehst der relative Umfang seiner Ausführungen zu Friedrieh I. bemerkenswert: Vergliehen mit den anderen preußisehen Königen der Frühen Neuzeit nimmt dieser in Droysens Ge- sehiehtswerk einen sehr geringen Raum ein30 ; die Krönungszeremonie wird aueh hier übergangen. Droysen kritisiert vor allem die Unterwürfigkeit Friedriehs gegenüber Ös- terreieh und die Tatsaehe, dass er preußisehe Truppen in den Dienst ausländiseher Inter­essen gestellt habe.31 Ähnlieh verhält es sieh zehn Jahre später bei Treitsehke, der die Rangerhöhung zwar prinzipiell begrüßt und ihre symbolisehe Bedeutung hervorhebt, dem ersten preußisehen König jedoeh mangelnde Weitsieht unterstellt.32 Stribrnys Be­merkung, dass die Königskrönung der Naehwelt „oft als leerer Prunk“33 erseheine, trifft auf die maehtstaatlieh denkenden Historiker der borussisehen Sehule injedem Fall zu. Gegen Ende des Jahrhunderts meldeten sieh vermehrt Fürspreeher des ersten preußi­sehen Königs zu Wort. Paulig kritisiert 1885 den Standpunkt Droysens als „längst veral­tet“.34 Friedrieh I. sei ein Monarch von „eminenter Begabung und starker Willenskraft“ gewesen, der die Notwendigkeit der Rangerhöhung als einziger erkannt habe35 ; der Er­werb der Krone sei daher „seine eigenste That“.36 Während Friedrieh II. den Einsatz preußiseher Soldaten für die Königswürde seharf verurteilt hatte, sehreibt Paulig: „Es ist lediglieh seiner [i.e. Friedriehs; AT] persönliehen Energie und seiner Weisheit zuzu- schreiben, daß dieses in seinen Folgen so bedeutungsvolle Werk mit nur geringen Op­fern zu stande gebracht wurde.“37 Auch die Kritik an der enormen Prachtentfaltung rela­tiviert Paulig, indem er diese als durchaus angemessenes Mittel zum Zweck erkennt.38 Zu einem ganz ähnlichen Ergebnis kommt wenige Jahre später der um eine differenzier­te Darstellung bemühte Droysen-Schüler Bernhard Erdmannsdörffer.39 Die Friedrich-Rezeption des 19. Jahrhunderts ist also keineswegs so homogen, wie dies manch rezeptionsgeschichtlicher Überblick aus dem 20. Jahrhundert vermuten ließe. Entscheidend ist jedoch, dass mit Droysen und Treitschke zwei der bedeutendsten und einflussreichsten Historiker ihrer Zeit der Kronpolitik Friedrichs skeptisch bis ableh­nend gegenüberstehen. Der Erwerb der Königswürde wird von ihnen zwar als bedeuten­des Ereignis der preußischen Geschichte angesehen, zugleich aber die Leistung Fried­richs und sein Anteil an den diplomatischen Erfolgen, die letztlich zur Krönung geführt hatten, relativiert. Trotz ihrer langen und widerstandsreichen Vorgeschichte betrachteten viele Historiker des 19. Jahrhunderts die Königskrönung als Selbstverständlichkeit. Ih­rer Konsequenz, der Etablierung des preußischen Königtums maßen sie weitaus mehr Bedeutung bei als den Umständen ihres Zustandekommens.40 Fraglos wurde der Erwerb der Krone durch die oftmals sehr harsche Kritik mancher Historiker an der Außenpolitik Friedrichs überschattet. Haffners Vermutung, dass der unheroische Ursprung des König­tums den Vertretern der borussischen Schule peinlich gewesen sei, ist nicht von der Hand zu weisen.41 Womöglich hätte die Königskrönung vor den Augenjener Historiker mehr Gnade gefunden, wenn Friedrichs Außenpolitik in ihrem Sinne gewesen wäre.

3.2 Die Königskrönung in der Historiographie ab 1950

Mit dem Inkrafttreten des Kontrollratsgesetz Nr. 46 der Alliierten vom 25. Februar 1947 hatte Preußen endgültig aufgehört zu existieren. In den folgenden Jahren schenkten nur wenige Historiker und Publizisten dem Thema ihre Aufmerksamkeit42 ; des 250. Krö­nungsjubiläums 1951 wurde mit keiner offiziellen Veranstaltung gedacht. Das „systema­tische Verschweigen Preußens“43 veranlasste den monarchistischen Historiker Hans-Joa- chim Schoeps zu seinem Vortrag „Die Wahrheit über Preußen“, den er am 18. Januar 1951 im Audimax der Universität Erlangen vor etwa 1.500 Zuhörern hielt.44 Schoeps war es auch, der 1966 mit „Preußen. Geschichte eines Staates“ eine vielbeachtete Mo­nographie zum Thema vorlegte. Wenngleich er darin Friedrich als schwachen Herrscher charakterisiert, beurteilt er die Königskrönung als diplomatischen Erfolg. Sie sei mehr gewesen als die Befriedigung persönlicher Eitelkeit und habe sich als „wichtiger Faktor zur Vereinheitlichung des werdenden Staates“ erwiesen.45 Auch in anderen Publikatio­nen der ersten drei Nachkriegsjahrzehnte ist das Bemühen um eine Rehabilitierung Friedrichs bereits zu spüren.46 Insgesamt aber, so Baumgart Mitte der 1980er Jahre, sei­en von der Nachkriegsforschung zu Friedrich I. keine „über die Konzeption und Be­trachtungsweise von Hinrichs wesentlich hinausreichenden neuen Ansätze“47 ausgegan­gen.

3.2.1 Die erste „Preußenwelle“ um das Jahr 1980

Die „Wiederentdeckung“ Preußens ab Ende der 1970er Jahre48 fand ihren Niederschlag in einer großen Zahl an Veröffentlichungen49, von denen im Folgenden nur eine Aus­wahl näher behandelt werden kann. Insgesamt lässt sich in der wissenschaftlichen Lite­ratur die Tendenz feststellen, populäre preußische Stereotype zu hinterfragen und gege­benenfalls zu revidieren. Auch wenn Friedrich I. und die Königskrönung in den meisten Publikationen eher am Rande behandelt wurden, erhielt die Neubewertung des ersten preußischen Königs in dieser Zeit entscheidende Impulse.

[...]


1 Vgl. Schoeps 1951, S. 5; Haffner 1979, S. 53; Heinrich 1981, S. 133; Baumgart 1987 [1984; Zahlen in eckigen Klammern verweisen, wo immer dies sinnvoll erscheint, auf das Jahr der Entstehung oder der Erstveröffentlichung], S. 65.

2 Ist im Folgenden von der Königskrönung die Rede, so ist damit sowohl der Krönungsakt als auch des­sen diplomatische Vorgeschichte gemeint.

3 Nach François/Schulze 2001.

4 Auf die lange diplomatische Vorgeschichte der Krönung kann an dieser Stelle nur in Ansätzen einge­gangen werden. Für eine detaillierte Darstellung vgl. Baumgart 1987 1984, passim.

5 Vgl. Zweite Ermahnung König Friedrichs 1705, S. 218; Friedrich III.: Andtwohrt auf denen Puncten oder Aufsatz des von Fuchs, wegen der Königlichen Würde, zit. nach: Kauer 2002, S. 94. Vgl. auch Paulig 1887, S. 88; Luh 2002, passim.

6 Vgl. Besser 1702, passim.

7 Zur internationalen Rezeption vgl. Barmeyer 2002, passim.

8 Vgl. Sösemann 2002, S. 95-106.

9 Vgl. Körber 2002, passim. Laut Meiner 2001, S. 211, sollten die Predigttexte „[m]it bildgewaltigen Worten [...] Emotionen schüren, um der zeitlichen Vergänglichkeit des Ereignisses entgegenzuwirken, um die fortdauernde Erinnerung daran durch gefühlsträchtige Gedächtnisbilder zu festigen.“

10 Streckfuss 1864, S. 175, schreibt: „Die Menge [in Berlin; AT] jubelte darüber, [.] ohne daran zu denken, daß diese neue drückende Lasten für den kleinen Staat zur Folge haben mußte.“ Ranke 1848, S. 102, und Horn 1816, S. 2, betonen die außerordentliche Beliebtheit des Kurfürsten bei seinen Un­tertanen.

11 Leibniz 1838 1701, S. 300.

12 Zit. nach Sösemann 2002, S. 118. Zu Leibniz’ Sicht auf die Königskrönung vgl. auch Gädeke 2002, passim.

13 Frey/Frey 1984, S. 9.

14 Friedrich Wilhelm I. ließ sofort nach seinem Regierungsantritt die meisten Bauprojekte Friedrichs I. stoppen und trug Sorge, dass „die alten Historien von meinem Vater nicht wieder aufwachen“ (Zit. nach C. Hinrichs 1964 1944, S. 255).

15 Zu möglichen Motiven der Kritik Friedrichs II. vgl. Kunisch 2002, passim.

16 Friedrich II. 1783 1750, S. 256. (Friedrich II. 1750, S. 174: „il confondoit les choses vaines avec la véritable grandeur ; plus attaché à l'éclat qui éblouit, qu'à l'utile qui n'est que solide : il sacrifia trente mille hommes de ses sujets dans les différentes guerres de l'empereur & des alliés, afin de se procurer la royauté ; & il ne désiroit cette dignité avec tant d'empressement, qu'afin de contenter son goût pour le cérémonial, & dejustifier par des prétextes spécieux ses fastueuses dissipations.“)

17 Vgl. Friedrich II. 1783 1750, S. 210. Auch Baumgart 1987 1984, S. 66, und Kunisch 2002, S. XX, weisen daraufhin, dass Friedrich II. nicht konsistent argumentiert.

18 Friedrich II. 1783 1750, S. 261. (Friedrich II. 1750, S. 177: „ensin il étoit grand dans les petites cho­ses & petit dans les grandes.“)

19 Vgl. Gallus 1801 1797 , S. 217-318; Remer 1803 1799, S. 548; Schlenkert 1799, S. 304; Milbiller 1801, S. 45f.; Eichhorn 1803, S. 344-348; Pölitz 1806, S. 129f.; Baur 1807, S. 298. Der Tenor ent­sprach in etwa den Ausführungen Friedrichs II. Als Beispiel sei eine Passus aus Gallus 1801 1797, S. 249, zitiert: „Der neue König nannte sich von nun an Friedrich I, hatte auf das ganze Krönungswe­sen sechs Millionen Thaler verwendet, und dafür nichts genossen, als daß er einmal seinem Hange zur Pracht im höchsten Grade genug thun konnte.“

20 Vgl. Horn 1816, S. IV.

21 Ebd., S. 3f. Den Grund für die voreingenommene Betrachtungsweise sieht Horn, sicherlich zu Recht, in der Darstellung Friedrichs II., den er allerdings nicht beim Namen nennt: „Sie berufen sich dabei oft auf eine einzige große Quelle, aber sie verstehen jene Quelle nicht, und haben nichts gemein mit ihr.“ (Ebd.)

22 Vgl. ebd., S. 126-129.

23 Vgl. Ranke 1848, S. 102f.

24 Zum Vergleich: Friedrich Wilhelm I. wird auf knapp vierhundert Seiten behandelt, Friedrich II. auf beinahe tausend Seiten. Vgl. E. Hinrichs 2003, S. 37.

25 Ranke 1848, S. 108. Der Einschub „wenn wir davon lesen“ könnte, um mit Vec 2001, S. 110, zu argu­mentieren, darauf hindeuten, dass Ranke weniger an den Feierlichkeiten an sich etwas auszusetzen hatte, sondern lediglich an deren langwierigen Beschreibung nicht interessiert war.

26 Vgl. Ranke 1848, S. 108.

27 Streckfuss 1864, S. 145.

28 Vgl. ebd., S. 146ff. Zu Gallus vgl. Anm. 18.

29 Vgl. ebd., S. 171f. Ähnlieh sehon Gallus 1801 1797, S. 245f.: „Wie viel Blut wurde vergossen, wie viele zum Krüppel verstümmelt, wie viel Geld weggeworfen, damit Friedrieh König heißen möehte!“

30 Droysen widmet Friedrieh Wilhelm drei Bände, Friedrieh Wilhelm I. zwei Bände und Friedrieh II. so­gar vier Bände seiner Preußisehen Gesehiehte. Friedrieh I. wird in einem Band abgehandelt.

31 Vgl. Droysen 1867, S. 242.

32 Vgl. Treitschke (1927) 1879, S. 36. Es sei „[e]in Glüek für Deutsehland, daß die derben Fäuste Kö­nig Friedrieh Wilhelms I. der Lust und Herrliehkeit jener ersten königliehen Tage ein jähes Ende be­reiteten“ (Vgl. ebd., S. 37).

33 Stribrny 2001, S.90.

34 Paulig 1887, S. V. Neid und Missverständnis seien die Ursaehe für die negative Rezeption Friedriehs gewesen (Vgl. ebd., S. VI).

35 Ebd., S. 132. Als hauptsäehliehen Beweggrund Friedriehs betraehtet Paulig die Einigung Preußens.

36 Ebd., S. 142.

37 Ebd., S. 336.

38 Vgl. ebd., S. VI.

39 Auch er würdigt Friedrichs unermüdlichen Einsatz für die Krone, die er „ohne allzu große Opfer“ erlangt habe (Erdmannsdörffer 1893, S. 137).

40 Vgl. E. Hinrichs 2003, S. 43.

41 Vgl. Haffner 1979, S. 51f

42 Vgl. Schulze 1981, S. 649.

43 Schoeps 1956, S. 164.

44 Unter dem Titel „Die Ehre Preußens“ als Buch veröffentlicht, wurde die Rede ein Verkaufserfolg. Schoeps Anliegen war vor allem die Erhaltung des preußischen Erbes und der preußischen Traditio­nen.

45 Schoeps 1966, S. 42ff. Explizit wendet er sich gegen die populäre Deutung Friedrichs II. Seine Argu­mentation ist an Ranke orientiert.

46 Vgl. vor allem Hase 1971, S. 13, der die große Bedeutung der Königskrönung für die historische Ent­wicklung hervorhebt und Friedrich überpersönliche Motive bescheinigt.

47 Baumgart 1987 1984, S. 67. Hinrichs hatte 1944 die Zeitbedingtheit früherer Urteile kritisiert. Fried­rich habe ein Anrecht darauf, aus seiner eigenen Zeit heraus verstanden zu werden. Als einer der ers - ten hob Hinrichs den Konkurrenzdruck hervor, dem Friedrich ausgesetzt gewesen sei und der die ei­gentliche Motivation für sein Handeln darstelle (Vgl. C. Hinrichs 1964 1944, S. 257ff.) Der Vorwurf Friedrichs II., der erste preußische König habe die Krone mit dem Blut seiner Untertanen erkauft, sei nicht haltbar, da Friedrich I. mit der Bereitstellung von Hilfstruppen lediglich einen bereits seit Fried­rich Wilhelm bestehenden Vertrag mit Leopold I. erfüllt habe (Vgl. ebd., S. 267ff.)

48 Zu den Ursachen dieses Phänomens vgl. Schulze 1981, passim. Die „Renaissance“ Preußens blieb nicht auf die Bundesrepublik beschränkt: Zur Rolle Preußens in der ostdeutschen Geschichtswissen- schaftvgl. Krauss 1993, passim.

49 Beispielhaft genannt seien Haffner 1979; Engelmann 1979; Hentschel 1980; Büsch 1981; Schützsack 1981; Thadden 1981; Duchhardt 1983; Baumgart 1987 1984. Allein 1980, so „Der Spiegel“ (1/1981, S. 35), seien „mehr als zwei Dutzend Bücher über Preußen und die Preußen“ erschienen.

Details

Seiten
34
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656241935
ISBN (Buch)
9783656242345
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v198002
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
Schlagworte
Friedrich III. Friedrich I. Königsberg Preußen Ranke Droysen Preußenjahr Preußenausstellung

Autor

Zurück

Titel: Die Rezeption der preußischen Königskrönung von 1701 in der Historiographie und Erinnerungskultur des 19. und 20. Jahrhunderts