Lade Inhalt...

Poetry Clip zu Goethes "Neue Liebe neues Leben"

Hausarbeit 2011 13 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorklärungen

2. Rede- und Sprechsituation

3. Sprachliche Gestaltung und Form

4. Kontext

5. Lyrik-Inszenierung

6. Begründung der Inszenierung

7. Literaturverzeichnis

8. Anhang

1. Vorklärungen

Ich habe für die Inszenierung eines Poetry Clips im Deutschunterricht das Gedicht „ Neue Liebe neues Leben “ von Johann Wolfgang von Goethe aus dem Jahr 1775 ausgewählt, da es meiner Meinung nach sehr gut für eine szenische Umsetzung geeignet ist. Besonders die innere Spannung im Gedicht kann von den Schülerinnen und Schülern auf vielfältige Weise kreativ umgesetzt werden. Darüber hinaus ist das Gedicht von einem der berühmtesten deutschen Dichter verfasst worden, sodass es auch zur Allgemeinbildung der Lernenden beiträgt und durchaus wertvoll für den Unterricht ist. Ich denke jedoch, dass man es erst ab der achten Jahrgangsstufe im Unterricht einsetzen sollte, da es vor allem vor dem Hinter-grund des Sturm und Drang und Goethes Leben interpretiert werden sollte, um die Intention des Gedichtes analysieren zu können.

Als Textgrundlage für das Gedicht habe ich „ Umgang mit Lyrik in der Sekundarstufe I “ von Kaspar H. Spinner gewählt.[1] Da ich die Version mit weiteren verglichen habe, ist die Text-grundlage meiner Meinung nach durchaus zuverlässig.

Das Gedicht ist für die Schülerinnen und Schüler relativ verständlich, da es einen recht einfach verstehbaren Sprachstil aufweist und kaum Fremdwörter beinhaltet. Lediglich die Wörter „ bedränget “ (Vers 2), „ betrübtest “ (Vers 6) und „ ermannen “ (Vers 14) könnten womöglich etwas unklar sein, da sie dem älteren Sprachgebrauch entsprechen und sollten so kurz im Unterricht besprochen werden.

2. Rede- und Sprechsituation

Die Redeinstanz im Gedicht ist ein explizites lyrisches Ich, welches sich dem Leser direkt durch die Personalpronomen „ ich “ (Vers 4) und „ mich “ (Vers 13) und das Possessivprono-men „ mein “ (Vers 16) zu erkennen gibt. Es handelt sich außerdem um eine sogenannte Selbstreflexion, da das lyrische Ich hauptsächlich in der Gegenwart spricht und über seine eigenen Gefühle und Gedanken reflektiert. Lediglich an einer Stelle findet ein kurzer Rück-blick statt, da es sich an etwas aus der Vergangenheit erinnert (Vers 5-8). Die Haltung des Ichs ist hierbei meist klagend, verzweifelt und selbstkritisch.

Das lyrische Ich spricht in einem inneren Monolog mit dem eigenem Herzen, stellt ihm Fragen und formuliert Vorwürfe. Es wird also in diesem Fall auf keine außenstehende Person Bezug genommen. Im Verlauf des Gedichts ändert sich jedoch der Adressat, was man vor allem am letzten Vers erkennen kann. Wurde sich zuvor auf das Herz bezogen, so wird durch den Ausruf „ Liebe! Liebe! laß mich los! “ nun die Liebe angesprochen.

Außerdem entsteht ein gewisser Abstand zwischen dem lyrischen Ich und den Aussagen, die es selbst trifft. Vor allem in den rhetorischen Fragen, die es an sich selbst richtet, wird dies deutlich, da es seine eigenen Intentionen selbst nicht verstehen kann.[2]

Das Gedicht behandelt vor allem das Thema Liebe, wobei man in diesem Fall von einer „ Liebe wider Willen[3] sprechen kann. Darüber hinaus werden jedoch auch die Themen Verlust und „ Sich-nicht-lösen-Können “ eines Liebenden, also negative Facetten von mensch-lichen Gefühlen, behandelt. Hierbei kommen verschiedene Motive zum Tragen, wie Vergan-genheit, Zukunft, Jugend und im weiteren Sinne auch Zauberei, auf die ich mich jedoch im weiteren Verlauf noch genauer beziehen werde.

3. Sprachliche Gestaltung und Form

Das Gedicht besitzt eine regelmäßige Strophenform, da es aus drei Strophen mit jeweils acht Versen besteht, welche durchgängig im vierhebigen Trochäus geschrieben sind. Die ersten vier Verse der jeweiligen Strophen sind im Kreuzreim (abab) verfasst, die vier folgen-den Verse hingegen im Paarreim (aabb).

Bereits der Titel „ Neue Liebe neues Leben “ ist gleichzeitig eine Anapher und eine Alliteration. Er weist auf das Thema Liebe hin und symbolisiert die Hoffnung auf einen zukünftigen Neuanfang. Zu Beginn der ersten Strophe werden in den ersten beiden Versen zwei rhetorische Fragen gestellt („ Herz, mein Herz, was soll das geben? Was bedränget dich so sehr? “). So wird gleich am Anfang verdeutlicht, dass der Adressat das eigene Herz des lyrischen Ichs ist. Dieses wird personifiziert, was wiederum bedeutet, dass das lyrische Ich sich diese Fragen eigentlich selbst stellen sollte. Durch das Verb „ bedränget “ im zweiten Vers wird auch gleich das Problem verdeutlicht, nämlich dass sein Herz unter einem gewissen Druck steht.

Der momentane Zustand wird als „ fremdes, neues Leben “ (Vers 3) bezeichnet, was eine Veränderung verdeutlicht, die zuvor stattgefunden haben muss. Die Verse fünf bis acht sind im Präteritum geschrieben, da es sich um eine Rückblende handelt, bei der sich das lyrische Ich verdeutlicht, was es alles verloren hat: seinen Fleiß, seine Ruhe und vor allem seine Liebe. Hierbei beginnen die Verse fünf, sechs und sieben mit dem Begriff „ Weg “, sodass diese eine Anapher darstellen. Im achten Vers wird durch den Vorwurf „ Ach, wie kamst du nur dazu! “ deutlich, dass die Gründe für diese Geschehnisse unklar sind.

In der zweiten Strophe wird durch das Verb „ Fesselt “ (Vers 9) veranschaulicht, dass das Herz gefangen ist und immer noch an der vergangenen Liebe festhält. Diese Liebschaft wird als „ Jugendblüte “ (Vers 9) und „ liebliche Gestalt “ (Vers 10) mit einem „ Blick voll Treu und Güte “ (Vers 11) charakterisiert. Auffällig ist hierbei, dass es sich bei diesen Eigenschaften lediglich um Äußerlichkeiten handelt und keine inneren Werte beschrieben werden. Hierbei wird eine rhetorische Frage über vier Verse hinweg gestellt. „ Jugendblüte “ kann auch als Metapher gedeutet werden, indem eine Frau mit Hilfe eines Naturbildes charakterisiert wird. Hierbei kommt wiederum das Motiv der Jugend zum Tragen. Das Fesseln wird mit der Hyperbel „ unendlicher Gewalt “ beschrieben, was die Kraft dieser Bindung verdeutlicht. In den Versen 13 und 14 werden die Versuche beschrieben, die das lyrische Ich unternimmt, um sich von dieser Liebe zu lösen. Es versucht sich zu „ entziehen “, „ ermannen “, und „ entfliehen “. Doch diese Versuche scheinen hoffnungslos, da sie ihn wieder „ zu ihr zurück “ (Vers 16) führen. Es wird also ein Kampf beschrieben, der jedoch immer wieder scheitert. Zum zweiten Mal wird ein „ Ach “ (Vers 16) geäußert, was die Verzweiflung verdeutlicht.

In der dritten Strophe wird das Motiv der Zauberei aufgegriffen, indem von einem „ Zauber-fädchen “ (Vers 17), das nicht reißen kann, und einem „ Zauberkreise “ (Vers 21) die Rede ist. Das lyrische Ich verdeutlicht damit, dass es sich um etwas Übernatürliches handeln muss, dass sein Herz daran hindert loszulassen. Die Alliteration „ wider Willen “ (Vers 20) zeigt, dass dies alles unfreiwillig geschieht. Außerdem wird im Vers 19 zum ersten Mal deutlich, dass es sich um eine weibliche Person handelt, die das lyrische Ich zuvor geliebt hat, da sie als „ das liebe, lose Mädchen “ beschrieben wird. Man kann hier erst darauf schließen, dass das lyrische Ich sehr wahrscheinlich eine männliche Person ist. Ohne ein Einverständnis muss dieser nun „ auf ihre Weise “ (Vers 22) leben, was für eine Unmündigkeit des Verfassers stehen kann. Im vorletzten Vers wird die Veränderung noch einmal direkt angesprochen und es taucht zum dritten Mal der Ausruf „ ach “ auf. Diese Wiederholung führt zu einer gewissen Kontinuität im Gedichtverlauf. Der letzte Vers „ Liebe! Liebe! laß mich los! “ stellt ein Appell an die Liebe dar und fordert das Loslassen, nicht nur des Herzens, sondern auch des lyrischen Ichs von seiner verflossenen Liebe.

Allgemein werden im Gedicht viele Satzzeichen verwendet, wie Ausrufe- und Fragezeichen oder ein Gedankenstrich am Ende des siebten Verses. Außerdem besteht das Gedicht aus mehreren Enjambements (Vers 5-8, 9-12, 13-16, 17-22), sodass sich die Sätze bis zu sechs Versen erstrecken. Diese sprachlichen Mittel werden vom Verfasser bewusst eingesetzt, um dem Gedicht eine gewisse Dynamik zu geben und spiegeln gleichzeitig die Unruhe des lyrischen Ichs wieder.

Man kann also deutlich erkennen, dass die sprachlichen Mittel des Gedichtes die inhaltlichen Themen und Motive veranschaulichen und das lyrische Ich mit dem eigenen Sprach-gebrauch seine inneren Gefühle beschreibt: eine innere Unruhe, die daraus resultiert, dass es sich in einem Netz aus Gefühlen befindet, denen es nicht entfliehen kann.

Die Verwendung von rhetorischen Fragen veranschaulicht außerdem, dass das lyrische Ich sich mit Vorwürfen und Fragen quält, die es sich selbst nicht beantworten kann, da jemand anderes die Schuld für die eigene missliche Lage trägt: „ das liebe lose Mädchen “ (Vers 19).

[...]


[1] Spinner, Kaspar H.: Umgang mit Lyrik in der Sekundarstufe I. S. 156.

[2] Brandmeyer Rudolf: Die Gedichte des jungen Goethe. S. 94.

[3] Ebd. S. 96.

Details

Seiten
13
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656241836
ISBN (Buch)
9783656247388
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v198143
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
1
Schlagworte
poetry clip goethes neue liebe leben

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Poetry Clip zu Goethes "Neue Liebe neues Leben"