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Vergleich zweier Gedichte: „Ach Liebste ...“ (Martin Opitz) und „Under der Linden“ (Walther von der Vogelweide)

Ausarbeitung 2011 4 Seiten

Deutsch - Erörterungen und Aufsätze

Leseprobe

Vergleich zweier Gedichte:„Ach Liebste ...“(Martin Opitz) und„Under der Linden“(Walther von der Vogelweide)

Die Liebesgedichte „Ach Liebste ...“ von Martin Opitz und „Under der Linden“ von Walther von der Vogelweide werden im Folgenden chronologisch verglichen. Das erste Gedicht aus der Epoche des Barocks befasst sich mit der Vergänglichkeit des jugendlichen Lebens und der Schönheit mit dem Aufruf, die Zeit vor dem Alter voll auszuschöpfen. Das andere, minnelyrische hingegen von Walther von der Vogelwei- de stammt aus der Zeit des Mittelalters und beschäftigt sich mit der Sinnlichkeit kör- perlicher Liebe.

Das Vanitas-Motiv steht im Zentrum des Gedichts von Martin Opitz, in dem am Beispiel einer Liebesbeziehung die Vergänglichkeit jugendlicher Schönheit und Attraktivität des jugendlichen Körpers dargestellt wird.

Formal lassen sich die 24 Verse in drei Sinnabschnitte (V. 1-8, 9-16, 17-24) gliedern. Im ersten Teil richtet sich das männliche lyrische Ich direkt an seine Geliebte und mahnt sie, die Zeit zu genießen, weil diese die jugendliche Schönheit viel zu schnell vergehen lasse. Anschließend folgt eine exemplarische Verdeutlichung des Alterns als körperlicher Verfall anhand konkreter körperlicher Merkmale und deren Verän- derung (V. 15: „Die Händ’ als Schnee verfallen“). Es wird ein Gegensatz zur Natur hergestellt, durch den die Veränderungen noch drastischer erscheinen. Der Vers „Und du wirst alt.“ (V. 16) lässt der Geliebten keine Illusion. Im letzten Abschnitt appelliert das lyrische Ich aus diesem Grund an die Geliebte, das Hier und Jetzt aus vollen Zügen zu genießen.

Martin Opitz verwendet durchgehend das Schema des Kreuzreims (ab ab) in über- wiegend reiner Form - bis auf zwei Abweichungen in Vers 6 und 8 (fuß - muß) so- wie Vers 17 und 19 (genießen - müssen). Entsprechend der Regelmäßigkeit des Reimschemas wechseln sich klingende und stumpfe Kadenzen durchgehend ab. Das Metrum wird durch die Abwechslung dreihebiger Jamben mit unbetonter Endsilbe und zweihebiger Jamben gebildet. So ergibt sich ein einheitlicher, durchgängiger Aufbau, dessen Regelmäßigkeit wie das Ticken der Uhr die Unumgänglichkeit des Fortschreitens der Zeit widerspiegelt.

Die Ansprache des lyrischen Ichs an die Geliebte wird durch zahlreiche Stilfiguren unterstützt. Um die große Bedeutung der Schönheit hervorzuheben, wird diese in Vers 5f. personifiziert („Der edlen Schönheit Gaben / Fliehn fuß für fuß“). Durch die wiederholte Verwendung von bestimmten Artikeln am Versanfang (Anapher), die sich auf Körperteile beziehen (Wangen, Haar, Augen, Mündlein, Händ’; V. 9ff.) wird der aufzählerische Charakter dieses Sinnabschnittes betont. Das „Feuer“ der „Augen“ symbolisiert die Leidenschaft der jungen Geliebten (vgl. V. 11f.), was zu- dem durch die Antithese von „Feuer“ und „Eiß“ zum Ausdruck kommt. Durch den kontrastreichen Gebrauch von Farbsymbolik im zweiten Sinnabschnitt wie rot für erblühende und leidenschaftlichen Liebe („Feuer“, V. 11; „Mündlein von Corallen“, V. 13) und weiß für die verfallende und erkaltende Liebe („Eiß“, V. 12; „Händ’ als Schnee“, V. 15) wird ebenfalls die Dramatik, die das lyrische Ich zum Ausdruck bringen will, verstärkt. Die positive Assoziation zum jugendlichen Körper stellt Opitz durch die Metapher der „Frucht“ (V. 18) her, die geerntet werden muss, bevor sie verfault.

Die Vielzahl von Bildern und rhetorischen Mitteln ist eingebunden in die direkte Ansprache des lyrischen Ichs an die Geliebte und die Bezugnahme auf sich selbst. Diese zeigt sich in der zahlreichen Verwendung von Personalpronomen wie „wir“, „uns“, „du“, „dich“, „ich“ und „mich“, die sich vor allem im letzten Sinnabschnitt konzentrieren.

Die zentrale Thematik der Literatur des Barocks ist die Vergänglichkeit des Lebens und damit die ständige Präsenz des nahenden Todes. Martin Opitz veranschaulicht die Vanitas-Thematik am Beispiel von Liebe und Schönheit, indem er die Liebe nicht als etwas Unvergängliches beschreibt, sondern an die Schönheit des jugendli- chen Körpers bindet. So wie die Zeit vergeht, vergeht auch die körperliche Schön- heit. Er appelliert als männliches lyrisches Ich an eine fiktive Geliebte, die Zeit und damit auch die Schönheit der Jugend zu nutzen, weil sie viel zu schnell verstreiche. Damit wird dem Vanitas-Motiv das „Carpe Diem“-Motiv an die Seite gestellt, dieses jedoch im Motiv des „Carpe iuventutem“ - „Nutze die Jugend“ - ausgeweitet. Im letzten Sinnabschnitt pointiert das lyrische Ich seine Anschauung, indem er die Geliebte auffordert, jetzt sich selbst und ihn zu lieben. In diesen Augenblick der Lie- be gilt es sich zu verlieren, im positiven Sinne der Hingabe.

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Details

Seiten
4
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656310426
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v198199
Note
1,0
Schlagworte
Martin Opitz Walther von der Vogelweide Ach Liebste lass uns eilen Under der Linden Gedichtsvergleich Mittelalter Barock

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Titel: Vergleich zweier Gedichte: „Ach Liebste ...“ (Martin Opitz) und „Under  der Linden“ (Walther von der Vogelweide)