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Vergleich zweier unternehmensethischer Modelle

Homanns Modell der Unternehmensethik im Vergleich zu dem Modell von Ulrichs integrativer Unternehmensethik

Essay 2010 11 Seiten

BWL - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Homanns Unternehmensethik

3. Ulrichs Unternehmensethik

4. Kritischer Vergleich / Pro- und Contra-Argumentation

5. Fazit/personliche Stellungsnahme

Anhang

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Dieses Essay beschaftigt sich mit der Aufgabenstellung Nummer 5 aus dem Blockseminar MDer ethisch orientierte Kapitalismus" des Dozenten Herrn Michael Lindner im Sommersemester 2010.

Die Aufgabenstellung lautet: "Stellen Sie das Homanns Modell der Unternehmensethik und Ulrichs integrative Unternehmensethik vor. Vergleichen Sie die beiden Modelle und entwickeln Sie eine Position, welches das uberzeugendere Modell ist. Begrunden Sie Ihre Meinung! (Ulrich II, Homann II)".

Zunachst fasse ich Homanns Modell zusammen, dann folgt eine Zusammenfassung des Unternehmensethischen Modells nach Ulrich und im Anschlufi folgt ein kritischer Vergleich der beiden Modelle.

Zum Schlufi werde ich personlich Stellung zu dem uberzeugenderen Modell nehmen und begrunden, warum ich dieses Modell fur uberzeugender halte.

2. Homanns Unternehmensethik

Homann verdeutlicht, dass in Zeiten der zentralen Krisen und der Globalisierung "nicht die einzelwirtschaftliche Effizienz im Vordergrund" (Homann 1992: 112) steht, sondern vielmehr dies die Frage nach der Legitimation unternehmerischen Handelns aufwirft.

Die Wirtschaftsethik ist als Ordnungsethik zu verstehen und ubertragbar auf die Unternehmensethik. Eine politisch gesetzte Rahmenordnung ist Vorraussetzung fur Unternehmen um ethisch zu handeln. "Die Vorraussetzung einer vollkommenen Rahmenordnung ist aus pragmatischen und systematischen Grunden niemals vollstandig gegeben."(Homann 1992: 114), begrundet wird dies durch die Reaktivitat der Legislative und den systematischen Defiziten in Form der Exekutive und Judikative. Der zunehmende "Verfall der ordnungspolitischen Kompetenz in der Politik"(Homann 1992: 115) wird angeprangert und spitzt sich bis zum Politikversagen zu. Aufgrund der fortschreitenden Globalisierung und den damit verbundenen Problemen und Versuchungen (z.B. Moralarbitage) wird eine Losung durch eine vom politischen Kollektiv gegebene Rahmenordnung (Homann 1992: 116) gefordert, zudem Aktivitat und Verantwortungsubernahme von den Unternehmen, wenn die Poltik versagt.

Homann definiert: "Unternehmensethik thematisiert das Verhaltnis von Moral und Gewinn in der Unternehmensfuhrung und befasst sich mit der Frage, wie moralische Normen und Ideale unter den Bedingungen der modernen Wirtschaft von den Unternehmen zur Geltung gebracht werden konnen." (Homann 1992: 117). Hieraus leitet sich die Notwendigkeit einer Methode mit ethischer Basis (Unternehmensethik) unter Bedingungen der Marktwirtschaft (Wettbewerb) ab. Die Konsequenzen der marktwirksamen Entscheidungen der Unternehmensfuhrung mussen moralisch sein, da diese Wettbewerbsfolgen haben. Zur Implementation der Ethik gibt es zwei Ansatze, erstens die Individualethik, welche individuelles moralisches Verhalten erwartet (direkte Motive) und zweitens die Institutionenethik, welche einen ethisch gestalteten institutionellen Rahmen fordert (indirekte Motive). Nach Untersuchungen ergibt sich fur die Wertorientierung von Fuhrungskraften eine opportunistische, egoistische, rein emotionale Motivation fur Moral (Homann 1992: 119). Institutionenethik hingegen soll anhand der Rahmenbedingungen, die Unternehmen, aufgrund von Restriktionen, zu moralischem Handeln bewegen. Eine politisch gesetzte Rahmenordnung, die in allen Unternehmen gilt, gewinnt an Attraktivitat, wenn diese als Losung "in Form von Anreiz und Belohnungssytemen, Fuhrungsgrundsatzen oder Unternehmensleitlinien" (Homann 1992: 120) angesehen wird. Innerhalb eines Unternehmens bleibtjedoch fur den Einzelnen genug Freiheit um die eigenen Handlungsweisen moralisch zu reflektieren. Aufgrund des Wettbewerbs ist die Unternehmensethik aus ordnungstheoretischer Perspektive sinvoll. Wirtschaftsethik und Unternehmensethik gehen Hand in Hand. Nur wenn Unternehmen im Wettbewerb institutionalethisch handeln, konnen sie auch individualethisch handeln.

Aus der Relevanz der Institutionenethik fur die Unternehmensethik lasst sich folgern, dass an erster Stelle die Befolgung der Rahmenordnung, sofern machbar, steht und an zweiter Stelle das politische Engagement, der Willen zur Verbesserung der Rahmenordnung fur den gesamten Markt und den Wettbewerb. Durch die derzeitigen ordnungspolitischen Defizite ruckt die Neudefinierung der Handlungsfelder der Unternehmen in den Vordergrund. Das Eigeninteresse des Unternehmens an der Sicherung der moralischen Akzeptanzbedingungen fur alle Unternehmen ist gestiegen. Durch die mannigfaltigen Krisenphanomene werden mehr "moralischmotivierte Forderungen" (Homann 1992: 123) an dieUnternehmenherangetragen, trotz legalen und okonomischen Handlungen, kann es zu offentlichen Protesten kommen, welche gesellschaftspolitisch "einen Beitrag zur Bewaltigung der drangenden Probleme" (Homann 1992: 123) fordern. Die gesellschaftliche Legitimation des Unternehmens ist gefahrdet, wenn es keine Verantwortung fur die globalen Probleme ubernimmt. Dies fuhrt zur Neudefinierung unternehmerischer Handlungen in Bezug auf ihre Akzeptanz- und Legitimationsbedingungen. Es soll einen neuen Typ von Unternehmensfuhrung geben, welcher sich "eine ethische begrundbare soziale und okologische Verpflichtung zu eigen"(Homann 1992: 124) machen sollte, um zukunftsfahig zu sein. Homann beruft sich auf Adam Smith und sagt, dass die Legitimation des unternehmerischen Handelns nach der notwendigen Bedingung, die Existenz einer Rahmenordnung, und der hinreichenden

Bedingung, die Beurteilung der untemehmerischen Handlungen unter Berucksichtigung der Rahmenordnung, zu werten sei. Die vorausgesetzte Rahmenordnung kann hohen Standards genugen und damit wurde sich die Unternehmensethik direkt von der allgemeinen Norm (Gesetze beachten und Gewinnmaximierung anstreben) ableiten (komplementare Rolle der Unternehmensethik). Die Eigeninteressen des Unternehmens am Markt zu vertreten, ware somit moralisch erlaubt sogar zwingend notwendig (Orientierung an der Sach- und Zwecksmafiigkeit am Markt). Die Legitimationslage ist deutlich, sollte es dennoch zu Kritik kommen, kann diese vom Unternehmen zuruckgewiesen werden, da es sich an die "ethisch begrundete Funktionslogik der Marktwirtschaft "(Homann 1992: 125) gehalten hat. Die vorrausgesetzte Rahmenordnung kann aber auch ein Defizit aufweisen, was dazu fuhrt das ein Unternehmen gezwungen ist sein unternehmerisches Handeln kritisch zu reflektieren, den Dialog zu suchen und zu prufen ob die Legalitat auch mit der Legitimitat vereinbar ist (Homann 1992: S.126). Die Universalisierbarkeit (allgemein gultig, keine Forderung von Partikulainteressen) von Forderungen und Normen muss durch die Unternehmen gepruft werden. Wenn die Universalisierbarkeit greift, muss gepruft werden, ob die staatliche Rahmenordnung diesen Erfordernissen inhaltlich entspricht und ob die Forderungen mit dem Prinzip der Gewinnmaximierung und dem intensiven Wettbewerb des Unternehmens moglich ist. "Die Sicherung der gesellschaftlichen Akzeptanz ist fur die Unternehmensleitung ...eine zentrale Managementaufgabe" (Homann 1992: 130), da es sonst zu okonomischen Problemen fuhren kann (Schwierigkeiten auf dem Absatz- und Personalmarkt). Die Gesellschaft erwartet von einem Unternehmen eine gesellschaftspolitsche, sozial und okologischer Orientierung, dies fuhrt zu einer erfolgreichen Legitimationsbasis. Die Implementationsproblematik nach Homann hat das Ziel, die aus den ordnungspolitischen Defizit erwachsene Problematik der Legitimationsbedingungen wirtschaftlichen Handelns in Einklang mit der Moral zu bringen. Um dies zu erreichen schlagt Homann drei Schritte zur Implementierung vor, im ersten Schritt soll die veranderte Handlungssituation des Unternehmens im Vordergrund stehen, im zweiten Schritt die moralisch orientierte Implementationsstrategie und im dritten Schritt fordert Homann "eine Zuordnung dieser Strategien zu den Handlungsfeldern" (Homann 1992: 132). Die angesprochenen Handlungsfelder sind bei Homann vier Felder, welche die Anforderung Moral und Rentabilitat in das Verhaltnis nachjeweiliger Auspragung setzen. So ergeben sich vier Falle, im ersten Fall, der positiven Kompatibilitat, ist "die Realisierung von moralischen und okonomischen Zielen gleichzeitigmoglich"(Homann 1992: 132). "Moralisch erwunschtes, verantwortliches Verhalten erwachst in diesem Fall aus der Markt und Wettbewerbsrationalitat selbst."(Homann 1992: 132-133). Individualinteressen und Gemeinwohlinteressen fallen zusammen, durch die Rahmenordnung ist die Realisierung der moralischen Werte moglich. In Fall zwei, dem moralischen Konfliktfall, erscheinen Handlungen moralisch fragwurdig, gleichwohl ob die Rahmenordnung eingehalten wird und das Handeln des Unternehmens somit legal ist, gleichsam spielt in diesem Fall die Gewinnmaximierung die grofiere Rolle. Als dritten Fall beschreibt Homann den okonomischen Konflitkfall, der spiegelbildlich zu Fall zwei steht, hier wird der Moral ein hoheren Wert abgesprochen so dass das okonomische Gewinnstreben auf der Strecke bleibt. Da die Rahmenordnung vorgibt Gewinnmaximierung anzustreben und "einen Begriff von Unternehmensethik in einem umfassenden Begriff von Wirtschaftsethik zu fundieren."(Homann 1992: 135) ist der Fall drei unmoglich. Fall vier ist die negative Kompatibilitat, in welcher weder Moral noch okonomische Interessen vorrangig sind und somit das Unternehmen sich nicht auf dem Markt und im Wettbewerb halten kann.

Zur Implementation gibt es zwei mogliche Strategien, die Wettbewerbsstrategie und die ordnungspolitische Strategie. Die Wettbewerbsstrategie richtet sich auf das Erzielen von Gewinnen bei bestehender Rahmenordnung, die ordnungspolitische Strategie hingegen setzt auf politische Beeinflussung fur die okonomische Gewinnerzielung. Bei der Wettbewerbsstrategie sollen verstarkte Entwicklungs- und Forschungsinvestitionen zur Forderung von Situationen mit legitimer Anwendung des Gewinnprinzips fuhren, der Unsicherheitsfaktor istjedoch, dass sich Innovationen immer erst am Markt behaupten mussen. Nach Homann ist die Ausgangslage fur Unternehmen heute die gestiegene Relevanz der Akzeptanz und Legitimation in der Gesellschaft, da diese im Eigeninteresse liegen und "moralische Werte in Form einer individuellen Selbstbindung unter Beweis" (Homann 1992: 137) stellen. Die daraus resultierenden internen Verhaltensnormen und Richtlinien eines Unternehmens sorgen fur die Schaffung von Vertrauen und Glaubwurdigkeit und starken ein positives Firmenimage, eine langfristige Investitionsstrategie fur den Aufbau der Glaubwurdigkeit eines Unternehmens. Die ordnungspolitische Strategie versucht die "Defizite der staatlichen Rahmenordnung zu kompensieren" (Homann 1992: 138), hierbei "handelt es sich um eine wettbewerbsneutrale, d.h. allgemeinverbindliche Festlegung moralischer Standards fur alle Unternehmen (einer Branche)."(Homann 1992: 138) (kollektive Selbstbindung).

Fur die ordnungspolitische Strategie gibt es zwei Ansatzpunkte, man kann durch politischen Einsatz auf die Anderungen der Rahmenordnung durch die Politik drangen (engerer Sinn)oder man kann durch Branchenvereinbarungen (weiterer Sinn) dafur sorgen, das die notwendigen Regelungen schnell in einer Branche umgesetzt werden (Prinzip der Selbstorganisation und Subsidaritat).

[...]

Details

Seiten
11
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656248118
ISBN (Buch)
9783656250708
Dateigröße
414 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v198363
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
3,0
Schlagworte
Ethik Unternehmensethik Homann Kapitalismus Ulrich

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Titel: Vergleich zweier unternehmensethischer Modelle