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Die Gründung der Europäischen Union

Eine Analyse aus Sicht des Neorealismus

Hausarbeit 2012 13 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Neorealistische Ansatz: Die Theorie

3. Die Gründung der Europäischen Union: Ein Rückblick bis

4. Die Gründung der EU aus Neorealistischer Perspektive: Eine Analyse

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Asking who won a given war, someone has said, is like asking who won the San Francisco earthquake. (...) But are wars also akin to earthquakes in being natural occurrences whose control or elimination is beyond the wit of man?“[1].

Mit diesen Worten beginnt Kenneth Waltz, einer der wohl bedeutendsten Vertreter des Neorealismus, sein Buch „Man, the State, and War“ und spricht in seiner Einleitung über Krieg zwischen Staaten und deren Ursachen. Aus Waltz‘ Sicht gehört diese latente Kriegsgefahr zum anarchistischen internationalen System, indem keine übergeordnete Instanz gibt die Konflikte löst.

Diese sehr pessimistische Haltung zum Frieden zieht sich durch Waltz‘ Werk und dem von ihm geprägten Neorealismus, welcher besonders zur Zeit des kalten Krieges als eine der wichtigsten Erklärungsansätze in den Internationalen Beziehungen stand.

Die Welt des Neorealismus wird von Krieg, Unsicherheit und Misstrauen der Staaten regiert. Auf der anderen Seite schließen im Jahr 1951 Frankreich, die Bundesrepublik Deutschland und die Beneluxländer einen besonderen Vertrag. Der Vertrag für die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) institutionalisierte eine supranationale Organisation und kümmerte sich um die Verteilung von Rohstoffen. Aus heutiger Sicht gilt sie als Vorläufer der Europäischen Union, so wie wir sie kennen.

Aber wie sehen die Vertreter des Neorealismus diese europäische Kooperation aus den 50er Jahren? Folgte diese Kooperation den Regeln und Normen des Neorealismus oder agieren die Staaten hier vollkommen außerhalb der Erklärungsmuster von Neorealisten? Was könnten Gründe dafür sein, dass es zu einer solchen Institutionalisierung von Kooperation kommt, wo doch besonders die Neorealisten die Abhängigkeit von anderen Staaten als unrealistisch ansehen?

Im Rahmen dieser Hausarbeit möchte ich die typischen Eckpfeiler des Neorealismus darstellen, daraufhin die Gründung der Europäischen Union rückblickend betrachten und zuletzt am Verhalten einzelner Staaten herausfinden, in welchem Maße der Neorealismus das Handeln dieser Staaten erklären kann oder eben nicht.

Bei der Gründung der Europäischen Union möchte ich mich auf die aktive Zeit des EGKS-Vertrages von 1951 bis 1967 beschränken. 1967 schmolz die EGKS mit zwei anderen Organisationen zur Europäischen Gemeinschaft zusammen und hat zu diesem Zeitpunkt bereits einen sehr hohen Grad an Institutionalisierung erreicht. Ich aber möchte mich auf die Phase der angehenden Institutionalisierung beschränken.

2. Der Neorealistische Ansatz: Die Theorie

Im klassischen Realismus erklären Begründer wie Hans Morgenthau, den Grund für Krieg und die Unsicherheit zwischen Staaten mit einem anthropologischen Argument. Das Verhalten von Staaten resultiert aus dem Verhalten der Menschen in diesen Staaten. „The struggle for power is universal in time and space and is an undeniable fact of experience“[2], schreibt Morgenthau und will so die menschliche Natur als Hauptgrund für Krieg und Unsicherheit zwischen Staaten erkannt haben.

Weil also Menschen nach Natur aus nach Macht streben, müssen auch Staaten nach Macht streben.

1979 legt Kenneth Waltz mit seinem Buch „Theory of International Politics“ den Grundstein für den Neorealismus. Der Hauptunterschied zum klassischen Realismus liegt in der Ursache für den Krieg zwischen Staaten. Nach Waltz ist es keineswegs die menschliche Natur, die Staaten zu dieser Art von Macht- und Selbsterhaltungstrieb bringt, stattdessen ist das internationale System die erklärende Variable. Im internationalen System gibt es drei wesentliche Motive, die Staaten zu Krieg und Aufrüstung zur Abschreckung treiben.

Erstens sieht der Neorealismus das internationale System als anarchisch. Anarchisch heißt an dieser Stelle, dass es keine übergeordnete Instanz gibt, die autoritativ Konflikte löst und damit die Sicherheit der einzelnen Staaten sichern könnte.

Darüber hinaus erkennen Neorealisten lediglich Staaten als Akteure im internationalen System an. „States are not and never have been the only international actors. But (...) structures are defined not by all of the actors (...) but by the major ones“[3], sagt Waltz und meint damit, dass lediglich Staaten ernstzunehmende Akteure im internationalen System sind. Allen Arten von Organisationen spricht Waltz damit jegliche Art von Akteursqualitäten im internationalen System ab.

Die Sicherung und Verteidigung des eigenen Gebiets ist der zentrale Antriebsmoment aller Staaten.

Nach Waltz agieren Staaten eher defensiv, mit dem Ziel ihr eigenes Gebiet zu verteidigen. Dies zwingt die Staaten allerdings auch permanent dazu auf ihre relative Machtposition gegenüber anderen Staaten zu achten. Dieses, Waltz nennt es „Balancing of Power“, bringt Staaten dazu bestimmte Machtbestrebungen von anderen Staaten sofort auszubalancieren um die eigene Existenz zu sichern. Dies kann zu einem gegenseitigen Wettrüsten von Staaten und einem so genannten „Sicherheitsdilemma“ führen.

John Mearsheimer entwickelt den Neorealismus weiter und widerspricht jedoch Waltz in der Annahme, dass Staaten defensiv agieren. Das zentrale Motiv von Staaten ist es zwar immer noch das eigene Überleben zu sichern, allerdings ist das damit einhergehende Rüstungsverhalten der Staaten nicht eindeutig als offensiv oder defensiv zu identifizieren. „Nicht einmal in scheinbar eindeutigen Situationen wie der sowjetischen Raketenstationierung auf Kuba ließe sich das Motiv klar angeben: Sollte diese einen Angriff auf die USA vorbereiten oder diente sie lediglich dem Schutz Kubas vor einer erneuten amerikanischen Invasion?

[...]


[1] Waltz, Kenneth 1959: Man, the State, and War, New York, Seite 1

[2] Morgenthau, Hans 1963: Politics among Nations: The struggle for Power and Peace, New York, Seite 16

[3] Waltz, Kenneth 1979: Theory of International Politics, Wesley, Seite 95

Details

Seiten
13
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656247920
ISBN (Buch)
9783656252023
Dateigröße
393 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v198435
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – Vergleichende Politikwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
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Titel: Die Gründung der Europäischen Union